NEW BLOG POST 🇺🇸 (02. – 07.04.2025) Grand Canyon – Atemberaubende Tiefen, farbenprächtige Weite und ein Gefühl von Ewigkeit
Vom Frühling in den Winter: Schneegestöber in Flagstaff statt Grand Canyon
Nach einem sonnigen, trügerisch schönen Start in den Tag holte uns dann im Laufe des Tages in Flagstaff, Arizona doch noch der Winter ein. ❄️
Während morgens noch die Sonne über den schneebedeckten Berggipfeln glitzerte, verwandelte sich das Wetter am Nachmittag in eine weiße Überraschung: Schneefall – Ende März! An eine Weiterfahrt zum Grand Canyon war damit keinesfalls zu denken… 😣




Also legten wir kurzerhand einen weiteren Arbeitstag auf dem Parkplatz der öffentlichen Bibliothek ein. Glücklicherweise reichte das stabile und schnelle WLAN bis direkt in unseren Van hinein – perfekt, um in aller Ruhe an neuen Inhalten zu tüfteln und den digitalen Schreibtisch abzuarbeiten. 👩🏼💻👨🏻💻
Umweg ins Staunen – Warum uns der Petrified Forest trotz Winterchaos den Atem raubte
Da am Abend neuerdings starkes Schneegestöber eingesetzt hatte, sahen wir uns am Donnerstag endgültig dazu gezwungen, unsere ursprünglichen Reise- und Routenpläne einmal mehr zu verwerfen. In Flagstaff würde uns weiterer Schnee sowie eisiger Wind erwarten, weshalb wir beschlossen, vor den winterlichen Wetterbedingungen Reißaus zu nehmen. Dies bedeutete allerdings eine rund 200 Kilometer lange Fahrt in die „falsche“ Richtung – nämlich nach Osten, zurück in Richtung New Mexico, aus der wir vor gut zwei Wochen nach unserem Grenzübertritt eingereist waren. 🚐💨
Dafür erwartete uns in Winslow, einem kleinen Dorf auf dem Weg zum Petrified Forest National Park, im hiesigen Hallenbad eine sehr willkommene Belohnung: eine heiße Dusche für gerade einmal 2 $ pro Person – was will man mehr?

Von dort aus war es dann auch nicht mehr weit bis zum Eingang des Nationalparks – möglicherweise einem der faszinierendsten von ganz Amerika. Der Park ist nicht nur beeindruckend weitläufig, sondern auch unglaublich vielseitig. Und auch der Wettergott hatte ein Einsehen: Pünktlich zu unserer Ankunft tauschte er Schneegraupel gegen Sonnenschein ein. Nur der Wind blieb eisig. 🥶

Dennoch konnten wir uns gut umschauen – zuerst im informativen Visitor Center und dann zu Fuß auf verschiedenen Trails. Dort kamen wir den Jahrmillionen alten, versteinerten Baumriesen zum Greifen nah. Und obwohl wir selbige schon einmal im Süden Argentiniens bestaunen durften, versetzten uns die zu Stein erstarrten Baumstämme und Scheiben erneut in ungläubiges Staunen. 😯 Unglaublich, was die Natur zu Stande bringt! Ich meine – schaut euch auf den Fotos doch einmal die gut erhaltene Struktur der ehemals hölzernen Baumrinde an oder in welch gleichmäßige Scheiben die Bäume unter der Last der Erde zerteilt worden sind! Eine Motorsäge hätte das nicht besser hinbekommen.




Der Park erstreckt sich über gut 30 Kilometer vom südlichen bis zum nördlichen Eingang, und auf dem Weg dorthin begegnet man nicht nur Fossilien, sondern auch ganz unterschiedlichen Landschaftsformen. Die Blue Mesa, mit ihren bunt gestreiften Sandsteinschichten, gaben Aufschluss über geologische Epochen hinweg. Dazu kamen noch die Überreste von Siedlungen der Pueblo–Indianer, die hier um das Jahr 1250 in einem bis zu 100 Räume umfassenden Wohnkomplex lebten – inklusive zentraler Plaza. Unglaublich, wenn man bedenkt, wie organisiert diese Gemeinschaft bereits damals war. 😮




Mindestens genauso spektakulär war die Aussicht auf die Painted Desert – eine endlos scheinende Weite aus rostroten Hügeln, die sich wie gemalt bis zum Horizont erstreckt. Und wer noch nicht genug Geschichte erlebt hatte, bekam mit dem Route 66 Meilenstein noch einen Hauch Nostalgie obendrauf: Von 1926 bis 1958 führte die legendäre Traumstraße exakt durch diesen Abschnitt des Parks.





Fazit: Der „Umweg“ hatte sich mehr als gelohnt. ✅
Leben am Abgrund – Wie die Sinagua im Walnut Canyon Felswände zu Wohnungen machten
Auf dem Rückweg nach Flagstaff statteten wir am nächsten Vormittag noch dem Walnut Canyon National Monument einen Besuch ab. Dieses liegt quasi direkt vor den Toren der Stadt, und dank unseres America the Beautiful-Passes hatten wir auch hier freien Eintritt.
Auch dieser Abstecher war in jedem Fall einen Besuch wert – denn hier, in dieser zerklüfteten, teils bewaldeten Schlucht, lebten einst die Sinagua: Ein prähistorisches Volk, das lange vor den heute bekannten Stämmen wie den Hopi oder Zuni in dieser Region siedelte. Der Name „Sinagua“ stammt übrigens aus dem Spanischen und bedeutet „ohne Wasser“ – was wohl schon andeutet, wie herausfordernd das Leben hier gewesen sein muss.


Unter natürlichen Felsüberhängen und in geschützten Nischen der Canyonwände errichteten sie ihre sogenannten Cliff Dwellings – kleine, gemauerte Behausungen aus Stein und Lehm, die bis heute gut erhalten sind. Die Felsvorsprünge boten ihnen dabei bereits idealen Schutz vor Wind, Regen und Sonne, sodass es nur noch weniger Handgriffe bedurfte, um daraus bewohnbare Unterkünfte zu machen.







Die Überreste dieser Behausungen waren auf beiden Seiten des Canyons mit bloßem Auge gut zu erkennen. Und wenn man auf dem schmalen Rundweg entlang der Felskante unterwegs war, konnte man nicht nur tief in die Geschichte, sondern auch tief in die Schlucht blicken – mit Respekt, denn allein der Gedanke, hier täglich Nahrung, Wasser oder Feuerholz herauf- und herunterzuschleppen, ließ einen ganz automatisch langsamer laufen. Was für ein körperlich anspruchsvolles Leben das gewesen sein muss! 😳
Die Sinagua lebten hier etwa vom 12. bis ins 13. Jahrhundert hinein, ehe sie die Region aus bislang ungeklärten Gründen verließen – vermutlich wegen klimatischer Veränderungen oder Ressourcenknappheit. Ihre Nachfahren sind vermutlich in den heutigen Hopi– und Zuni-Völkern aufgegangen, deren Siedlungen teils nicht weit von hier entfernt liegen.
Ein absolut spannender Ort – sowohl wegen seiner natürlichen Schönheit als auch wegen der Einblicke, die er in das Alltagsleben vor hunderten von Jahren gewährt. 🌟
Paket abholen, Sonne tanken und endlich ab Richtung Grand Canyon
Mangels Alternativen verbrachten wir noch einmal eine weitere, ruhige Nacht auf dem Supermarktparkplatz in Flagstaff. Praktischerweise konnten wir dort am nächsten Morgen direkt unser Amazon-Päckchen mit den bestellten Solarkabeln abholen. In den USA ist das – dank der zahlreichen Amazon-Locker an Tankstellen, Supermärkten oder in Paketshops – wirklich total unkompliziert und super praktisch.


Und weil die Wettervorhersage für die kommenden Tage endlich puren Sonnenschein versprach, stand dem nächsten großen Etappenziel nichts mehr im Weg: Nach einer Woche Wartezeit machten wir uns ENDLICH auf den Weg zum Grand Canyon! 🤗
Kurz vor der Einfahrt in den Nationalpark fanden wir im angrenzenden Kaibab National Forest einen traumhaften, kostenlosen Stellplatz – mitten in herrlichster Natur! Umgeben von Kiefernwäldern, mit weitem Blick und absoluter Ruhe. Sogar eine Feuerstelle wäre vorhanden gewesen, doch für ein gemütliches Lagerfeuer war es hier oben auf über 2.000 Metern Höhe dann leider doch noch ein bisschen zu frisch.



Sonnenaufgang am Canyon – Unser magischer Start am East Rim
War es die Aufregung oder die kühle Nacht, die mich schlechter schlafen ließ als sonst? Bereits um kurz vor 5 Uhr in der Früh machte ich die Augen auf – und bis zum Weckerklingeln um 7 Uhr fand ich keinen Schlaf mehr. In der offiziellen App des National Park Service hieß es, man solle nach Möglichkeit vor 9 Uhr morgens am Visitor Center sein, um Menschenmassen und lange Warteschlangen zu vermeiden. Gesagt, getan!
Unsere Erkundungstour startete am deutlich weniger frequentierten East Rim – und was soll ich sagen? Das frühe Aufstehen hatte sich definitiv gelohnt! Beim Desert View Visitor Center war der Parkplatz noch so gut wie leer, und die Aussicht auf den wohl berühmtesten – wenn auch mit rund 450 Kilometern Länge, bis zu 29 Kilometern Breite und über 1.800 Metern Tiefe nicht den größten – Canyon der Welt war schlichtweg atemberaubend.


Bereits hier konnten wir einen ersten Blick auf den Little Colorado River erhaschen, der zusammen mit dem Colorado River über sechs Millionen Jahre hinweg dieses gigantische Naturwunder in den Fels gefräst hat. Ab etwa 11 Uhr wurde es deutlich voller, aber dank des winterlichen Wetters der vergangenen Tage waren wohl nur wenige der sonst rund 5 Millionen Besucher jährlich unterwegs. 👌🏻





Wir fuhren mit unserem Van die verschiedenen Aussichtspunkte entlang des South Rim ab, liefen mehrere Abschnitte des Rim Trails zu Fuß und legten unzählige Foto- und Filmpausen ein. Dabei lief uns sogar ein Elch direkt vor die Linse – ganz offensichtlich an Menschen gewöhnt und vollkommen unbeeindruckt von unserer Anwesenheit. 🥰





Unser erster Tag am Grand Canyon endete am Mather View Point sowie im großen Visitor Center, das uns allerdings mit eher spärlichen Informationen enttäuschte. Mit den Köpfen voll einmaliger Eindrücke machten wir uns am späten Nachmittag erneut auf Stellplatzsuche – und wurden fündig: In einem öffentlich zugänglichen Waldstück, unweit des Parks, wo das Campen erlaubt ist. Kein Wunder also, dass wir dort auf einige Gleichgesinnte trafen. 😆
Imposante Weite, bewegende Stille – Abschied vom Grand Canyon
Am zweiten Tag widmeten wir uns dem westlichen Teil des Grand Canyons – jenem Abschnitt, der von den meisten Besucher*innen angesteuert wird. Kein Wunder, denn hier befinden sich einige der bekanntesten Aussichtspunkte und Wanderwege des gesamten Parks. Der berühmte Bright Angel Trail etwa führt gut 1.300 Höhenmeter hinab bis zum Colorado River – allerdings ist diese Tour nichts für schwache Nerven oder schlechte Ausrüstung, besonders bei sommerlicher Hitze oder – wie bei uns – eisigen Restschneefeldern. Ähnlich spektakulär und fordernd ist der South Kaibab Trail, der mit seinen freigelegten Graten und steilen Abhängen zwar traumhafte Blicke bietet, aber keinerlei Schatten oder Wasserstellen aufweist. Eine gute Planung und körperliche Fitness sind auf diesen Trails also absolute Pflicht!




Da viele dieser Pfade witterungsbedingt noch gesperrt waren, blieben wir wie am Vortag auf den Wegen entlang des Canyonrandes. Und auch hier gab es mehr als genug zu sehen: Über die Hermit Road reihen sich insgesamt neun verschiedene Viewpoints aneinander, einer schöner als der andere. 😍 Doch wer ab dem 1. März unterwegs ist, darf diese Strecke nicht mehr mit dem eigenen Fahrzeug befahren. Stattdessen verkehren kostenlose Shuttlebusse im 15-Minuten-Takt – sogar eine Stunde vor Sonnenaufgang und eine Stunde nach Sonnenuntergang. Alternativ kann man auch aufs (Leih-)Fahrrad umsteigen – was wir geplant hatten, doch Simons platter Reifen machte uns erneut einen Strich durch die Rechnung. Also hieß es früh raus aus den Federn und rein in den Bus.







Nach rund 40 Minuten erreichten wir die Endhaltestelle: Hermit’s Rest. Von dort wanderten wir gemütlich von einem Aussichtspunkt zum nächsten, zurück in Richtung Visitor Center. Wer nicht den ganzen Weg laufen möchte, kann die Strecke in Teilabschnitten erkunden und flexibel an jeder Haltestelle wieder in den Bus steigen. 🚌💨




Das Wetter? Ein Traum! Blauer Himmel, wärmende Sonne, keine Wolke in Sicht – perfekt für unser Vorhaben. Und dennoch: Auch wenn der Westteil mit seinen logistischen Vorteilen punktet, konnten wir nicht ganz nachvollziehen, weshalb dieser von so vielen dem East Rim vorgezogen wird. Wir fanden die Aussicht dort fast noch dramatischer, die Trails einsamer und das gesamte Erlebnis ursprünglicher – nicht zuletzt, weil man sich dort frei mit dem eigenen Fahrzeug bewegen kann. 🤩
Am Nachmittag zogen dann doch noch ein paar Schleierwolken auf. Unsere Hoffnung auf einen perfekten Sonnenuntergang über dem Canyon erfüllte sich somit nicht ganz. ⛅️ Aber wir beschwerten uns keinesfalls – zwei Tage voller Staunen, Ehrfurcht und bewegender Naturmomente lagen hinter uns. Zwei Tage, die wir ganz sicher nie vergessen werden. ♥️♥️♥️
So sehr wir uns auch bemüht haben – die unfassbare Weite, die dramatische Tiefe und die Farbintensität dieses Naturwunders lassen sich auf Fotos einfach nur schwer einfangen. Einen etwas besseren Eindruck bekommt ihr vielleicht in unserem dazugehörigen YouTube-Video – schaut also unbedingt mal rein! Und nicht vergessen: Auch nächste Woche geht’s hier weiter – dann nehmen wir euch mit über die legendäre Route 66 Richtung Las Vegas. Es bleibt spannend! 🌎🚐💨
































