NEW BLOG POST 🇦🇷 (19. – 26.02.2023) Trevelin – Colonia Suiza
Die Nacht in „Futaleufú“, dem chilenischen Grenzörtchen, war ziemlich kurz da wir unseren Van hinter dem Veranstaltungszentrum geparkt hatten in dem bis spät in die Nacht hinein eine Party mit live Musik stattfand. Ist ja nicht so, als hätte unser Zuhause Räder und wäre mobil aber mitten in der Nacht aufstehen und umparken kam irgendwie auch nicht in Frage. Nach dem das Bananenbrot am Vormittag gebacken war, welches diesmal leider nicht so schön locker wurde wie beim letzten Mal, umrundeten wir noch den kleinen See an welchem wir übernachtet hatten. Einmal mehr fühlten wir uns von der Vegetation her als würden wir bei uns durch den Hardtwald spazieren. Anschließend ging es ab zu den beiden nahegelegenen, kleinen Grenzposten und in null Komma nichts befanden wir uns wieder in Argentinien. Man mag es nicht glauben aber schlagartig veränderte sich die Landschaft. Das Gras war plötzlich wieder trockener und die Berge mitunter kahl. Obwohl wir höchstens 50 km weit gefahren waren. Im kleinen Örtchen „Trevelin“ angelangt steuerten wir direkt den hiesigen „La Anonima“ Supermarkt an. In Chile hatten wir auf Grund der hohen Preise wirklich immer nur das aller Nötigste eingekauft weswegen uns ein Großeinkauf bevorstand. Wir freuten uns extrem über die große Auswahl, die Frische und vor allem über die Preise. Weiter ging es zur Tankstelle an der wir leider kein gutes WLAN ausfindig machen konnten. Dafür trafen wir dort eine argentinische Familie, die seit vielen Monaten mit ihren beiden Kleinkindern in einem vierzig Jahre alten Kombi mit Dach Zelt durch Südamerika reist. Die sechs Monate alte Tochter wurde sogar während der Reise geboren. Es fühlte sich gut an wieder in Argentinien zu sein, obwohl wir gerade einmal etwas mehr als drei Wochen weg waren. Irgendwie waren die Leute sofort spürbar offener und es herrschte mehr Leben auf der Straße. Rund um die Plaza fand ein Sonntagsmarkt mit nettem Kunsthandwerk statt und auch im Park war richtig viel los. In „Trevelin“ siedelten sich ab etwa 1820 einige walisische Auswanderer an welche dem Ort auch seinen Namen gaben (tref = Dorf und melin = Mühle). Angeblich wird hier mitunter auch noch kymrisch gesprochen. Wir nutzten am frühen Abend die Gelegenheit für eine ausgiebige „tea time“ in einer hübsch hergerichteten, urigen „Casa de Té“. Das feste und einzige Menü bestand aus fünf verschiedenen Kuchenschnitten, je einem Schinken-Käse-Sandwich, einem Scone sowie zwei luftig frischen Scheiben Weißbrot mit hausgemachten Marmeladen und Butter. Dazu gab es nach Wahl eine Kanne Tee oder Kaffee. Unser Zuckerbedarf war danach auf alle Fälle gedeckt und kochen mussten wir definitiv auch nichts mehr weswegen wir uns direkt auf den Weg in den Nationalpark „Los Alerces“ machten. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Einfahrtsschranke am späten Abend offen stand und niemand mehr Eintritt kassierte. Unser Wunsch wurde auch prompt erfüllt und wir steuerten den erstbesten, freien Camp Ground innerhalb des Parks an. Dieser befand sich am großen, von Bergen umgebenen See „Futalaufquen“ und tatsächlich waren wir die Einzigen auf dem weitläufigen Campinggelände.





Entsprechend ruhig war die Nacht aber der Morgen war trotz strahlendem Sonnenschein noch knackig frisch. Der Spätsommer machte sich deutlich bemerkbar. Nicht nur an den zahlreichen Wespen, sondern auch an dem verdorrten Gras, den sich rot färbenden Hagebutten sowie den wachsenden Brombeer-Früchten. Ideales Wetter für sämtliche Aktivitäten also. Auf unserem Weg durch den Nationalpark machten wir immer wieder Halt an einigen kurzen Wanderpfaden, welche oftmals zu kleineren und größeren Wasserfällen führten. Auch eine Stätte mit historischen Felsmalereien befand sich darunter. Die Asphaltstraße wich relativ schnell einer schlechten Schotterpiste so dass wir bei einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 25 km/h genug Zeit hatten um die schöne Aussicht zu genießen (zumindest ich als Beifahrer). Am frühen Nachmittag starteten wir dann die erste richtige Wanderung des Tages. Ab einem kostenpflichtigen Parkplatz ging es über eine Hängebrücke für Fußgänger durch dichten Wald mit einigen wenigen „Alercen“ bis zum „Puerto Chucao“. Von einem nahegelegenen „Mirador“ aus hatten wir gute Sicht auf den Gletscher sowie den „Lago Menéndez“ bevor uns der Rundweg zurück zum Parkplatz führte. Da wir die zwei Stunden Parkdauer nicht verlängern wollten fuhren wir direkt weiter in Richtung des nördlichen Parkeingangs. Eigentlich hätten wir noch eine weitere Nacht im Nationalpark verbringen wollen, allerdings fanden wir entlang des Weges keinen geeigneten Stellplatz. Der letzte, vermeintlich kostenfreie Campingplatz lag direkt unterhalb des Ein- bzw. Ausgangs bei den Rangern. Ich erkundigte mich bei ihnen nach dem Stellplatz und sie teilten mir mit, dass dieser leider kostenpflichtig sei (1.900 Pesos p.P. = ca. 6 €) und dass selbst die kostenfreien Campgrounds lediglich für die Tagesnutzung freigegeben wären. Upsi… So verließen wir also den Park und fanden wenige Kilometer weiter in „Villa Lago Rivadavia“ einen idyllischen Platz an einem ruhigen Flüsschen. Hier gab es gemauerte Feuerstellen, Sitzgelegenheiten und sogar ein sauberes Häuschen mit sanitären Anlagen. Laut iOverlander wäre eine Übernachtung hier auch problemlos möglich. Wir kochten gemeinsam leckeren Kartoffel-Brokkoli-Auflauf mit dem restlichen Räucherlachs und waren gerade mit spülen fertig als ein Auto angefahren kam. Heraus kam die freundliche Orts-Sekretärin die sich 1.000x für ihr spätes Erscheinen entschuldigte. Wenn wir hier übernachten wollten müssten wir für die Anlage jedoch 2.000 Pesos bezahlen. Da es bereits dunkel war und der Platz zudem wirklich schön bezahlten wir ohne zu murren die kleine Gebühr bevor wir uns ins Bett begaben.







Da der Stellplatz gar so schön gelegen war blieben wir auch den Vormittag über noch dort. Simon versuchte neuerdings sein Anglerglück (erneut erfolglos ) während ich die Zeit zum Blog schreiben nutzte. Wir ließen uns noch eine Weile am ruhigen Fluss mit herrlichem Blick auf die Anden-Cordillera die Sonne auf den Bauch scheinen bevor wir viele Kilometer im Schneckentempo über schlechte Schotterpisten in Richtung „El Bolsón“ tuckerten. Dort angelangt trafen wir an einer der „YPF“ Tankstellen noch einmal auf die verrückte, vierköpfige argentinische Familie die in ihrem uralten gelben Kombi durch die Lande reist (https://www.instagram.com/familiaabordoporelmundo/). Mangels Alternativen verbrachten wir diese Nacht seit langem mal wieder an einer Tankstelle. Vielmehr lag der Stellplatz gegenüber der Selbigen auf einem breiten Schotterparkplatz, vor einem kleinen Rollfeld für Leichtflugzeuge. Da wir in den letzten Tagen und Wochen meist herrliche Plätze in der freien Natur genießen durften fühlte es sich irgendwie seltsam an direkt an der Straße zu stehen. Wohl wissend, dass der Platz an der Tankstelle bombensicher ist. Aber da sich in der Hippie-Kommune „El Bolsón“ nicht nur einige Obdachlose, Bettler und Hasch-Dealer herumtrieben, sondern es laut „iOverlander“ auch ab und an Einbrüche in Camper gegeben haben soll kam kein anderer, freier Stellplatz in Frage.


Trotz Straßenlage hatten wir eine ruhige Nacht gegenüber der Tankstelle. Nach dem Frühstück machten wir uns auf zur Wäscherei, um dort unsere gesammelte Schmutzwäsche und endlich auch mal wieder die Bettwäsche abzuliefern. Die Mitarbeiterin verteilte unsere Wäsche sehr großzügig auf fünf Körbe á je 1.000 Pesos was in etwa 3,50 € entspricht. Meiner Meinung nach hätte alles locker in vier Körbe gepasst aber meinen Einwand ignorierte sie gekonnt. ️ Danach fuhren wir weiter ins nahegelegene Zentrum wo wir glücklicherweise einen Parkplatz in Sichtweite des Polizei-Kommissariats ergattern konnten. Wir drehten eine Runde um den Park, in dessen Mitte sich ein künstlich angelegter See befand, sowie durch den Ortskern. Nichts davon gefiel uns so wirklich gut. Im zentralen Supermarkt besorgten wir noch ein paar Kleinigkeiten, damit wir nach Möglichkeit in „Bariloche“ nicht einkaufen gehen müssen. Dort soll es immer wieder Einbrüche in parkende Vans geben, selbst auf Supermarktparkplätzen. Bei der gepriesenen Eisdiele „La Jauja“ gönnten wir uns drei Kugeln Eis. Von der Geschmacksintensität her hält unser Test jedoch bei Weitem nicht dem leckeren Eis in „El Calafate“ stand. Dafür fanden wir am Spätnachmittag ENDLICH halbwegs taugliches Internet bei der Stadtbibliothek und konnten seit langem mal wieder mit unseren Familien telefonieren. Auch unser Besuch in einer der zahlreichen „Ferreterías“ war von Erfolg gekrönt. Wir bekamen dort nicht nur Bitumen-Band für die weitere Abdichtung unserer Dachluken, sondern sogar noch eine weitere Kartusche des seit längerem gesuchten Klebers. Mit den nun drei Kartuschen sollte die anstehende Reparatur hoffentlich gut machbar sein. Am selben Abend konnten wir bei der Wäscherei „LaveRap El Bolsón“ noch unsere frisch duftende, super saubere Wäsche abholen und uns kurz darauf in ganz frische Bettwäsche kuscheln.

Am Donnerstag klingelte uns um 07:30 Uhr der Wecker aus den warmen Federn da wir uns den vier Mal wöchentlich stattfinden Kunsthandwerkermarkt im Zentrum nicht entgehen lassen wollten. Unser Plan ging auf und wir fanden so früh am Morgen tatsächlich wieder einen Parkplatz gegenüber des Polizei-Reviers. Dort gabs erst einmal Kaffee und Frühstück bevor wir uns den Markt anschauten welcher dienstags, donnerstags sowie am Wochenende jeweils um 10:00 Uhr beginnt. Einige Stände befanden sich noch im Aufbau und bei den anderen gab es allerlei netten Kram. Auch einige Essensstände befanden sich dazwischen wo man sich gegen später eventuell gut und günstig hätte stärken können. Wir machten uns stattdessen auf zum Wanderparkplatz bei der „Chacra Warton“. Dort stellten wir unser Zuhause auf einem der vier bewachten Parkplätze ab und begaben uns auf die Wanderung zum „Cajon del Azul“. Der Weg war extrem staubig, am Anfang ging es sehr steil bergab und außer Büschen entlang des Wegrandes gab es irgendwie nicht viel zu sehen. Zumindest nicht auf den ersten Kilometern die wir liefen. Scheinbar hatte ich mich bei der Planung der Wanderung vertan denn ich war bis dato davon ausgegangen, dass die einfache Strecke in etwa 3,5 Kilometer beinhaltet. Bis wir am eigentlichen Startpunkt am „Río Azul“ angelangt waren hatten wir aber bereits diese Kilometeranzahl hinter uns gebracht und von dort aus wären es noch weitere 6,5 Kilometer bis zum Aussichtspunkt gewesen. Da uns der Weg so rein gar nicht zusagte und wir auch mental irgendwie überhaupt nicht auf eine Strecke von 20 Kilometern eingestellt waren machten wir am Viewpoint „Mirador de los Piches“ kehrt und liefen zurück zum Fluss. Dort suchten wir uns ein schattiges Plätzchen auf einem Felsen mit Blick auf das klare Wasser für unser Vesper. Wir konnten sogar einige größere Forellen sehen. Wieder am Van angelangt fuhren wir nur ein paar Meter die staubige Piste entlang, weil wir bereits auf der Hinfahrt zahlreiche Brombeerhecken mit reifen Früchten erspäht hatten. Wir sammelten eine große Dose voll Brombeeren sowie süßer, kleiner Wildpflaumen. Danach ging es weiter über die von Tannen gesäumte „Ruta N40“ bis zu einem hübschen Stellplatz an einem plätschernden, flachen Fluss. Simon nutzte diesen noch für ein kurzes Bad während ich eine warme Dusche im Van vorzog. Abends gab es, mangels Milchreis, frei kreierte süße Rahmnudeln mit Brombeeren. Fazit: Kann man machen.



Da es am Fluss gar so schön ruhig war entschieden wir den Tag noch hier zu verbringen und zu chillen. Zum Frühstück gab es leckeres Schicht-Müsli bestehend aus Naturjoghurt, Brombeerkompott und Beerengranola und nachmittags feine Beeren Pancakes. Danach schnappten wir uns unsere Stühle, setzten uns damit an den vor sich hin plätschernden Fluss und schauten den Wasseramseln (https://de.wikipedia.org/wiki/Wasseramsel) zu.
Am Samstagmorgen probierte ich erstmals einen Mürbeteig im Omnia aus. Es gab Pflaumenkuchen mit Streuseln á la https://4reifen1klo.de und er ist mir auf Anhieb tatsächlich gut gelungen. Wir vertilgten diesen noch lauwarm mit Schlagsahne zum Frühstück. Als wir uns gerade fertig zur Abfahrt machen wollten kam der Ranger angefahren. Irgendjemand hatte ihm wohl gesteckt, dass wir hier zwei Nächte standen. Er machte uns freundlich darauf aufmerksam, dass das wildcampieren innerhalb des Nationalparks verboten sei und er uns dafür eigentlich eine Strafe berechnen müsste. Er würde es aber erst einmal bei einer Verwarnung belassen. Als er unter unser Auto schaute um zu kontrollieren, dass wir kein Grauwasser abgelassen hatten fiel ihm auf, dass ein hinterer Stoßdämpfer lose war. Scheinbar hatte es den Bolzen abgerissen! Der nette Ranger nannte uns daraufhin gleich eine Telefonnummer eines ihm bekannten Mechanikers in „Bariloche“. Wir bedankten uns herzlichst, verabschiedeten uns und machten uns über die glücklicherweise asphaltierte Ruta N40 auf den Weg in die Stadt. Da die Werkstatt Samstagnachmittags sowieso nicht mehr zu erreichen gewesen wäre fuhren wir direkt ins Dörfchen „Colonia Suiza“ um dort auf dem Campingplatz „Ser“ einzuchecken. Unter großen, schattigen Tannen bekamen wir ein Plätzchen auf dem weitläufigen und sehr gut besuchten Platz zugewiesen. Dank des lokalen WLANs konnte ich den Mechaniker kontaktieren welcher prompt antwortete und uns für Montag 15:00 Uhr einen Termin gab. An diesem Wochenende fand in der „Colonia Suiza“ ein großer Lauf mit 600 Teilnehmern statt weswegen in dem von Schweizer Auswanderern gegründeten Örtchen richtig viel los war. Und aus unerklärlichen Gründen hatte es mal wieder einen heftigen Temperatursturz gegeben. Schneller als ich mich umschauen konnte fand ich mich statt in Shorts für den Rundgang durch den Ort in meiner Thermo-Leggings wieder. Die „Colonia Suiza“ ist wohl voll und ganz auf Touristen ausgerichtet denn es gab sehr viele Kunsthandwerk- und Souvenirläden sowie eine Food-Meile und einige urige Restaurants im Chalet Stil. Zurück auf dem Campingplatz lernten wir dann noch Jenny aus Dresden kennen die während des Ausbruchs der Corona-Pandemie im März 2020 gemeinsam mit ihrem kolumbianischen Partner damals hier gestrandet war. Die beiden harrten sage und schreibe 10 Monate hier aus. Als dann weiter kein Ende absehbar war kehrten sie nach Kolumbien zurück um nun zwei Jahre später endlich ihren Van hier abzuholen.






Auch den Folgetag verbrachten wir noch auf dem netten Campingplatz. Gegen Mittag bekamen wir Besuch von Timo und Alina (https://www.instagram.com/_sprintour_/) aus Mainz welche wir bereits in El Calafate kennengelernt hatten. Ihnen folgten Helena und Chris https://www.instagram.com/thistimeoneway/) in ihrem Mercedes „Düdo“. Die zwei kannten wir bis dato nur aus ihren tollen YouTube Videos welche wir noch zuhause, vor Beginn unserer Reise, angeschaut hatten. Es ist immer wieder schön und auch irgendwie kurios seine virtuellen Bekanntschaften im echten Leben zu treffen. Mit den Vieren verbrachten wir einen geselligen Sonntag in der „Colonia Suiza“. Wir schlenderten gemeinsam über den Sonntagsmarkt bevor wir uns im großen Biergartenbereich niederließen. Abends nutzten wir die indoor Küche des Campingplatzes für ein Kochevent. Jeder steuerte ein paar Lebensmittel bei und so kreierten wir ein kleines, leckeres Büffet von dem sich alle bedienen konnten.





„Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.


























































































































