NEW BLOG POST 🇦🇷 (19.01. – 24.01.2023) El Chaltén & Nationalpark Los Glaciares

Am Donnerstagmorgen verließen wir nach rund einer Woche „El Calafate“. Dort nutzten wir im Ort noch die Möglichkeit, in einem „Pago Fácil“ Laden die Versicherungsgebühr für unseren Van zu entrichten. Wir hatten diese bereits vor Reiseantritt bei der „Allianz“ in Argentinien (www.speiserseguros.com.ar) für sechs Monate abgeschlossen und nun verlängert. Die Haftpflichtversicherung gilt in Summe für sechs Länder: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay sowie Uruguay. Jetzt kommt der Clou: Von Deutschland aus bezahlten wir 103 US$ für die Versicherung und zusätzlich sage und schreibe 50 € Gebühr für die Auslandsüberweisung auf Grund der Fremdwährung. 🤮 Hier konnten wir nun bar mit argentinischen Pesos bezahlen (ohne Gebühren) und prompt belief sich die Versicherungssumme für weitere sechs Monate nur noch auf 80 €. 👍 Nach dem auch das erledigt war machten wir uns auf den Weg in das etwa 200 km entfernt liegende Wanderparadies „El Chaltén“. Bereits bei unserer Anfahrt hatten wir eine fantastische Sicht auf den großen Gletschersee „Lago Viedma“ sowie den berühmtesten aller Berge in Argentinien, den „Fitz Roy“. Wir parkten direkt am Ortseingang von „El Chaltén“ beim Besucherzentrum, wo es auch eine kostenlose Trinkwasserquelle gibt. In selbigem schauten wir uns kurz um bevor wir uns direkt von dort aus auf den Rundwanderweg „Los Condores & Las Águilas“ begaben. Von dem ca. 6 km langen Weg aus, auf welchem es humane 270 Höhenmeter zu bewältigen gilt, hat man einige Male schöne Aussichten. Sowohl hinunter auf den kleinen Ort, die Flusswindungen des „Río de las Vueltas“ aber auch die umliegenden Berge, darunter den „Fitz Roy“ und „Cerro Torre“. Als Übernachtungsspot wählten wir den großen Parkplatz direkt gegenüber des Besucherzentrums wo sich bereits etliche Camper versammelt hatten. Darunter auch „Klaus und Luise“, die aktuell mit ihrem „Toyota Landcruiser“ mit Aufstelldach Südamerika bereisen. Die beiden Rentner stammen aus dem wunderschönen „Oberkirch“ bei Offenburg und wohnen somit gar nicht weit weg von uns. Und obwohl wir schon etliche tolle Wanderungen in und um ihr wunderschönes Heimatörtchen herum gemacht haben können die beiden sich für wandern so rein gar nicht begeistern. 😅 Dafür waren sie bereits viele Male für mehrere Wochen zu zweit mit ihrem Motorrad in Afrika unterwegs. Nach dem wir im Tausendsassa „Omnia“ richtig knusprige Fischstäbchen zu unseren vom Vortag übrig gebliebenen Bratkartoffeln zubereitet hatten unterhielten wir uns noch bis Mitternacht angeregt mit den beiden. Ich glaube, wir alle hatten gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit vergangen war. 🤣

Bereits bei der Fahrt nach El Chaltén
konnten wir den Fitz Roy gut erkennen
Vom Besucherzentrum aus…
… ging‘s auf zum Mirador los Cóndores
Blick auf El Chaltén …
… und den Lago Viedma
Mal wieder leicht windig 😅
Tolles Bild im Besucherzentrum

Wir hatten, trotz der Vielzahl an Campern um uns herum sowie der Nähe zur Straße, eine unglaublich ruhige Nacht auf dem Parkplatz. Als wir ausgeschlafen hatten parkten wir auf den Wanderparkplatz am Ortsende um. Von dort aus starteten wir, nach dem wir uns beim Frühstück gestärkt hatten, unsere Wanderung zur „Laguna Capri“. Der sandige, breite Wanderweg war sehr gut angelegt so dass man anderen Wanderern gut aus dem Weg gehen konnte. Natürlich sind hier auf den Wegen in „El Chaltén“ sehr viele auf den Tracks unterwegs aber wir fühlten uns, zumindest hier, nicht wie auf der Autobahn und die Wanderer verteilten sich wohl ganz gut auf den Wegen. Um die Lagune herum verlief der Weg als Schlaufe, so dass es quasi ein halber Rundweg war von welchem wir immer wieder tolle Sicht auf den „Fitz Roy“ hatten. Aber auch die große Lagune mit ihren Kiesstränden konnte sich wirklich sehen lassen. Wäre das Wasser des Sees noch ein klein wenig ruhiger gewesen so hätte es ein fantastisches Bergpanorama Spiegelbild gegeben. Nach dem wir den Anblick genossen hatten machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Von oben aus hatte man neuerdings einen tollen Blick auf die vielen Windungen des „Río de las Vueltas“. Nach insgesamt 10 Kilometern sowie machbaren 400 Höhenmetern gelangten wir schlussendlich drei Stunden später wieder bei unserem Van an. Vor diesem Stand just in dem Moment ein jüngerer Mann aus Weingarten bei Karlsruhe. 😃 Er hatte zuvor für ein Jahr in Argentinien gelebt und zeigt aktuell gerade seiner Freundin während einer vierwöchigen Rundreise die Highlights des Landes. Nach dem netten, kurzen Plausch liefen wir zu Fuß in das kleine, nur 1.600 Einwohner zählende Örtchen. Hier ist natürlich ALLES auf Tourismus ausgelegt: Restaurants, Bäckereien mit angegliederten Cafés, etliche Hotels bzw. Hostels, ein Spa sowie unzählige Tour-Offices ziehen sich durch den gesamten Ortskern. Dies schlägt sich, logischerweise, auf die lokalen Preise nieder was dazu führte, dass wir die eigentlich anvisierte Waffel mit diversen Topping-Möglichkeiten doch links liegen ließen. 8 Euro dafür sind, zumindest für hiesige Verhältnisse, schlicht weg zu viel. So kehrten wir in einer der Bäckereien ein wo wir uns mit einer „Empanada de Pollo“ sowie zwei süßen Teilchen stärkten. Am Nachmittag brachen wir dann auf zum „Lago del Desierto“. Die 37 km lange Strecke bis ans äußerste Ende des Tals führte mal wieder ausschließlich über eine Schotterpiste welcher die Halterung unseres Rückfahrkamera-Displays zum Opfer fiel. 🙈 Wir hatten den Halter schon einmal notdürftig reparieren müssen aber dem ständigen Hoppeln hielt das Flickwerk wohl nicht stand. 😕 Dort angekommen verzogen wir uns für die Nacht auf den hintersten Teil der Parkplätze.

Auf geht’s zur Laguna Capri
Blick auf den Rio de las Vueltas
Am Mirador Fitz Roy angelangt
Kurz darauf folgte die Laguna Capri
Fast freie Sicht auf die Berge 😀
Und wieder zurück nach El Chaltén

Wider Erwarten konnten wir auf dem Parkplatz problemlos die Nacht verbringen ohne von einem Ranger verjagt zu werden. Von dort aus liefen wir am Vormittag ein Teilstück des „Sendero Punta Norte“. Der schmale Trampelpfad führte uns zuerst über eine Hängebrücke und anschließend ging es über unzählige Wurzeln und einige Steine sowie kleine Bachläufe durch deinen dichten Ulmenwald. In Summe würde sich der Weg 10 Kilometer immer entlang des Sees ziehen bis hin zu einem Aussichtspunkt auf den „Fitz Roy“. Kurz danach könnte man auch, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, am dortigen Grenzposten Argentinien verlassen und die Grenze nach Chile überqueren um zum südlichsten Startpunkt der „Carretera Austral“ in „Villa O`Higgins“ zu gelangen. Wir hielten allerdings nach etwa 3 Kilometern an einem kleinen Kiesstrand an da Simon seine Angel mitgenommen hatte. Während mein Mann seinen Gummiwurm badete genoss ich die Aussicht auf die hängenden Gletscher an den gegenüberliegenden Bergen sowie auf den See. Leider war es an dem Tag merklich kühler als zuvor und auch etwas wolkiger. Nach insgesamt 6 Kilometern mit angenehmen 270 Höhenmeter kamen wir drei Stunden später wieder an unserem Auto an. Von hier aus hätte man den See auch mit dem Boot überqueren können. Allerdings war uns die Bootsfahrt mit 50 € p.P. definitiv zu teuer. Und auch die 5 € pro Kopf für den nur 2 km langen Rundwanderweg zum „Glacier Huemul“ wollten wir nicht investieren. Hier gibt es sooo viele tolle Wanderwege die, zu unserem Erstaunen, trotz der Zugehörigkeit zum „Parque Nacional los Glaciares“ alle kostenfrei sind. 👍 Zu unserer Kaffeepause gab es je ein „Alfajor“ bevor ich für den Abend bzw. den kommenden Morgen Brötchen- & Pizzateig zubereitete. Simon startete derweil einen zweiten, neuerdings erfolglosen Angelversuch. Zum Glück war auf die Pizza verlass. 🤣

Unterwegs auf dem Sendero Punta Norte
an der Laguna del Desierto
Simon versucht mal wieder sein Angelglück 😅
Der Cerro Torre blitzte kurz durch die Wolken
Wie erwartet gab es Pizza statt Fisch 🤣

Als ich am Sonntagmorgen die Tür vom Van öffnete wurde ich von einem strahlend blauen Himmel und, im Vergleich zum Vortag, wieder sehr angenehmen Temperaturen empfangen. Wenngleich das Thermometer im Van am Morgen lediglich 10°C anzeigte. 😮 Aber die Sonne lachte bereits und somit war klar: Heute ist DER Tag für die Wanderung zur Laguna Torre! Während die Brötchen buken, die diesmal warum auch immer leider nicht aufgegangen waren, frühstückten wir und machten alles abfahrbereit. Über die Schotterpiste ging es entlang des mitunter reißenden Gletscherflusses wieder zurück nach „El Chaltén“. Wir wählten einen etwas weniger frequentierten Startpunkt des „Sendera Laguna Torre“ am Ortstrand aus wo wir gleichzeitig auch unseren Van parkten. Mit leichtem Gepäck, Trinkblase und Vesper, ausgestattet begaben wir uns gegen Mittag auf den ca. 9 Kilometer und 400 Höhenmeter umfassenden Weg (einfache Strecke). Der Großteil des Anstieges befindet sich bereits auf dem ersten Drittel des Weges und macht das Laufen somit deutlich einfacher. Mitunter ist der sandige Pfad recht schmal und von größeren sowie kleineren Steinen gespickt was das Wandern mit Stöcken etwas erschwert. Auch in den niedrigen Büschen verfängt man sich auf dem schmalen Weg gerne mal mit den Trekkingstöcken. Dafür ist die gesamte Strecke sehr abwechslungsreich und bietet häufig schöne Ausblicke auf den „Fitz Roy“ sowie den Gletscher. Nach dem der erste Anstieg geschafft ist gelangt man am „Mirador Cascada Margarita“ von wo man eine gute Sicht auf die Stromschnellen des Flusses tief unten im Tal hat. Danach geht es weiter bergauf bis zum „Mirador Cerro Torre“ welcher, zumindest bei gutem Wetter, ein Bilderbuchpanoroma auf die berühmten Berge liefert. Hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen denn die Meisten laufen lediglich diese erste, etwa 3 Kilometer lange, Etappe. Von da an waren wir häufig alleine unterwegs wobei wir nirgends auf die befürchteten Menschenmassen getroffen sind. 👍 Vielleicht war es gar nicht sooo doof, den Trail Mitten am Tag statt früh am Morgen zu starten. Weiter ging es durch breite Ulmenwälder, buschige Ebenen sowie über Geröllfelder entlang des wilden „Río Fitz Roy“ bis hin zum „Mirador Lago Torres“ an der „Laguna Torre“. Bereits am Gletscherfluss waren deutlich frischere Temperaturen spürbar die vom kalten Wasser herrührten. An der Laguna selbst schlug das Wetter dann sogar komplett um. Plötzlich war es wolkig, es blies ein kräftiger sowie kühler Wind und wir waren froh, dass wir hinter einem aufgetürmten Steinwall etwas Schutz vor der Witterung fanden. Hier verzehrten wir unser mitgebrachtes Vesper und genossen derweil den Blick auf die von der Sonne angestrahlten Granitnadeln sowie auf den „Maestri“ Gletscher. Dank diesem treiben in der Laguna auch kleinere und größere Eisberge umher. 😀 Wir traten nach der Pause relativ schnell den Rückweg an da es doch unangenehm frisch war. Es ging über die gleichen Pfade wieder die 9 km zurück bis nach „El Chaltén“ bzw. zu unserem Van. Kaum hatten wir Lagune und Fluss hinter uns gelassen lachte erneut die Sonne und wir konnten die Jacken wieder ablegen. Da wir an den drei Tagen zuvor auch schon wandern waren reichte es mir am Ende des Tages dann auch. 😅 Infos zu allen Wanderwegen in und um „El Chaltén“ findet ihr übrigens unter www.elchalten.com oder auf www.edeltrips.com. Nach dem unsere Rucksäcke wieder im Van verstaut waren parkten wir um in den Ortskern von wo aus wir uns auf die Suche nach einem netten Restaurant begaben. Option Nummer eins („El Parador“) hatte an dem Tag leider geschlossen und bei Option Nummer zwei, dem Restaurant „Maffia“, geht ohne vorherige Reservierung leider gar nichts. 🙄 So landeten wir letztlich bei „Mathilda“. Wir bestellten als Vorspeise eine kleine Pizza Margarita mit frischen Tomaten & Basilikum. Als Hauptgang wählte ich ein Chicken-Curry mit Basmati-Reis und Simon einen Linsen-Eintopf. Wie so oft in Argentinien waren die Gerichte nur sehr spärlich gewürzt weswegen uns leider etwas der Pepp fehlte. Satt waren wir aber in jedem Fall. 😊 Als Übernachtungsspot wählten wir den Wanderparkplatz direkt am Ortsausgang da gegenüber direkt am Fluss am Abend keine Camper mehr standen.

Los geht’s zur Laguna Torre
Beste Aussicht würde ich meinen. 🤩
Postkarten Idylle 🥰
An der Laguna angelangt
schlug das Wetter plötzlich um 😳
Aber das Vesper schmeckte dank Windschutz trotzdem 😛
Und auf dem Rückweg war’s auch schon wieder schön 🌤
Verdientes Abendessen nach der Wanderung 😋
Chicken-Curry mit Reis 🍚

Bereits am Vorabend hatte leichter Wind eingesetzt welcher in der Nacht merklich auffrischte. So wurde unser armer Bussi, und natürlich auch wir, immer wieder von heftigen Böen erfasst und ordentlich durchgeschüttelt. Entsprechend unruhig war mein Schlaf und irgendwie lag mir auch das Abendessen die ganze Zeit über schwer im Magen. 😬 Am Morgen schien zwar die Sonne aber die Böen waren nach wie vor sehr heftig und fegten dicke Staubwolken über den Schotterparkplatz. Dennoch machten sich einige wenige unerschrockene Wanderer, oder eben jene mit Zeitdruck, auf den „Sendero al Fitz Roy“. Wir beobachteten das Treiben vom sicheren Van aus während wir gemütlich frühstückten und Kaffee tranken. Am Vormittag zog der Himmel immer weiter zu und bald waren die Berge am Ende des Tals nicht mehr zu erkennen. Kurz darauf fing es dann auch an zu regnen und wir sind einmal mehr dankbar für das fantastische, sonnige und vor allem absolut windstille Wetter welches wir in den letzten vier Tagen genießen durften. 🙏 So hatten wir alle Zeit der Welt, um mal wieder an den Laptops zu arbeiten und die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Auch die Weiterreise nach Chile wollte recherchiert werden. Danke an der Stelle an Mama und Papa für euren tollen Reisebericht Support! War tatsächlich alles sehr hilfreich. 👍 Außerdem nutzten wir seit längerem mal wieder unsere Dusche im Van. Funktioniert immer wieder super, wenngleich der Aufwand minimal größer ist als bei externen Duschen. Da wir unsere Duschkabine im Normalbetrieb auch als Kleiderständer für Jacken sowie als Stauraum für unsere portable Camping-Toilette nutzen müssen wir sie erst aus- und nach dem Duschen wieder einräumen. Und nach Gebrauch natürlich reinigen. Aber alles halb so wild. 😉 Während des Regens, der am Nachmittag glücklicherweise aufhörte, konnten wir auch das Leck an unserer vorderen Dachluke lokalisieren. Jetzt müssen wir nur noch eine weitere Kartusche von dem Silikon besorgen und zum zweiten Mal ein trockenes, warmes Plätzchen für die Reparatur finden.

Wenn’s morgens noch etwas frisch ist
wärmt zur Not die Eulalia Decke 😜

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NEW BLOG POST 🇦🇷 (11.01. – 18.01.2023) El Calafate & Nationalpark Los Glaciares

Am Mittwochmorgen verabschiedeten wir uns vom „Torres del Paine“ Nationalpark, nach dem wir eine sehr ruhige und windstille Nacht am Aussichtspunkt des „Lago Sarmiento“ verbracht hatten. Von dort aus ging es über die Schotterpiste zurück bis zum Grenzübergang nach Argentinien bei „Cerro Castillo“. Dort angekommen war es erfreulicherweise super leer und so konnten wir dem Grenzbeamten direkt unsere Dokumente vorlegen. Die Ausreise aus Chile ging entsprechend fix aber auch die Einreise nach Argentinien dauerte kaum länger. Und zum Glück sind die Argentinier nicht so strikt wie die Chilenen und verzichten auf sämtliche Lebensmittelkontrollen (zumindest an den Außengrenzen). 🙏 Von dort aus ging es noch knapp 130 Kilometer weiter bis zur ersten größeren Tankstelle auf argentinischer Seite. Wir haben unsere erste Etappe in Chile tatsächlich ohne Tankstopp gemeistert und dürfen uns nun wieder über Dieselpreise von etwa 0,75 €/Liter freuen. 😀 Das WLAN an der Tankstelle war ebenfalls richtig gut und wir freuten uns darüber, mal wieder mit den Lieben zu Hause telefonieren zu können. Und nach vier Tagen offline hatten wir auch allerhand im Netz zu tun. 😅 Außerdem gab es dort sehr leckere, hausgemachte Empanadas für nicht mal 1 Euro das Stück. Bis wir mit allem fertig waren standen die Uhrzeiger bereits auf kurz vor 18 Uhr und so entschieden wir nicht mehr weiterzufahren, sondern die Nacht stattdessen hier zu verbringen. Da wir fürs Frühstück am nächsten Tag jedoch weder Toastbrot noch Obst hatten und es hier außer der Tankstelle und ein paar Häusern auch keine Einkaufsmöglichkeiten gab setzte ich kurzerhand noch einen Brotteig an. Das Vollkornmehl ging fantastisch auf und somit war das Frühstück für den kommenden Tag gesichert. 👍

Sonnenuntergang am Lago Sarmiento
Wieder in Argentinien 😀
Home Made 😋

Von der Tankstelle irgendwo im nirgendwo aus waren es noch ca. 160 km bis zu unserem nächsten größeren Ziel „El Calafate“. Dort gelangten wir am frühen Vormittag an und ließen uns an der angesteuerten, super schönen „YPF“ Tankstelle erst einmal unser leckeres Vollkornbrot schmecken. Zuvor hatten wir, quasi als Wegzehrung, noch je eine der leckeren Empanadas geschnappt. 😋 Die Raststätte der verfügte außerdem über gutes WLAN sowie einen modernen, weitläufigen Restaurantbereich. Aber was noch viel wichtiger war: Es gab dort heiße, saubere Duschen die wir für 1,50 € pro Kopf für immerhin 5 Minuten nutzen konnten. Es ist jedes Mal wieder ein herrliches Gefühl frisch gewaschene Haare zu haben. 😅 Danach ging es ab in den großen „La Anónima“ Supermarkt im Ort um unsere Vorräte nach dem Grenzübertritt wieder aufzufüllen. Außerdem klapperten wir noch diverse Wäscherein ab um die Preise zu vergleichen. Hier machte sich deutlich bemerkbar, dass wir uns in einem richtigen Touri-Ort befanden. Die günstigste Wäscherei verlangte 1,50 € pro Kilo aber nutzt ja nix – ich brauchte dringend frische Unterhosen. 🤣 Bis wir wieder an der Tankstelle ankamen, wo wir übrigens unseren fast leeren Dieseltank wieder auffüllten, war es bereits 20 Uhr und so kam uns die Burger Promo sehr gelegen. Pro Tankbeleg erhielt man 50% Rabatt auf ein Hamburger-Menü inklusiver wirklich großer Portion Pommes und 500 ml Softgetränk. Und da wir ja schlau sind, tankten wir zweimal halbvoll und so bezahlte jeder von uns gerade einmal schlappe zwei Euro für ein tatsächlich schmackhaftes, großes und sättigendes Abendessen. 😛

In El Calafate angekommen
Lago Argentino

Am Freitag wurden wir kurz nach Sonnenaufgang mal wieder von stürmischen patagonischen Winden wachgerüttelt. Ich schätze, dass es so gegen ca. 5 Uhr am Morgen war und wirklich eingeschlafen bin ich danach leider nicht mehr. 😣 Nach dem wir gemütlich gefrühstückt hatten fuhren wir die paar Kilometer bis hinunter in die Stadt wo wir unseren Van am Seitenstreifen parkten. Von dort aus war es fußläufig nicht mehr weit ins Zentrum und wir konnten in aller Ruhe die lange, wenngleich auch sehr touristische Hauptstraße entlang schlendern. Wobei man wirklich sagen muss, dass alles sehr schick angelegt ist nur ist es eben etwas seelenlos. Dafür gibt es allerlei gut aussehende Restaurants und in einer Eisdiele gönnten wir uns auch mal wieder 250ml Eis. Wir entschieden uns für patagonische Halbbitterschokolade, Tiramisu und Calafate-Beere und alle drei Sorten waren super geschmacksintensiv und wirklich sehr lecker. 😋 Abseits dieser Meile herrschte dann aber direkt wieder tote Hose. Wir schauten noch beim örtlichen Kino vorbei um zu prüfen, ob wir dort eventuell „Avatar 2“ anschauen könnten aber allem Anschein nach war der Film schon wieder ausgelistet worden. 🤷‍♀️ Wir liefen zurück zum Auto um damit bis hinunter ans Ufer vom „Lago Argentino“ zu fahren. Hierbei handelt es sich um den größten See des Landes und ich kann das wahnsinnig türkisfarbene Wasser tatsächlich nur schwer beschreiben. Auch auf Fotos oder Videos kommt die Farbe vermutlich nicht so surreal blau rüber wie sie in Wahrheit ist. Das liegt abermals an Gletscherwasser denn der See wird von weit mehr als 10 Gletscherzungen, u.a. auch dem sehr bekannten „Perito Moreno“, gespeist. Und im seichten Wasser nahe der Uferzone standen zahlreiche Flamingos im Wasser. 😍 Hier unten am See pfiff der Wind erneut recht ordentlich so dass wir nur noch einen kurzen Spaziergang entlang des Ufers und durch die Sanddünen wagten. Wir hatten gehofft die Nacht eventuell hier verbringen zu können, mit Blick auf den See und die Berge. Aber bei dem Wind hatten wir wenig Hoffnung auf einen ruhigen Schlaf und so kehrten wir kurzerhand wieder zur „YPF“ Tankstelle zurück. Ein Teil des hinteren Parkplatzes dort war sogar extra für Camper angelegt worden, inkl. Strom- und Wasseranschluss und alles völlig kostenfrei. Wirklich ein unglaublich toller Service. Entsprechend voll wurde es auf dem Parkplatz dann auch je weiter die Uhrzeiger vorrückten. 😅 Wir zwei hatten einen schönen, geselligen Abend während wir gemeinsam Kartoffelgratin mit Putenfilet und Erbsen zubereiteten und diesmal auch eine windstille Nacht.

Blick auf die Schneeberge 🥰
Flamingos 🦩

Am folgenden Morgen holten wir zuerst in der Wäscherei „Laundry Club“ unsere Wäsche ab. Mit 17 € war dies unsere bis dato teuerste Wäsche. Dafür waren es aber auch immerhin stolze 11 Kilo und wir können wirklich nicht meckern: Die Kleidung war sauber, duftete gut und sogar die Unterwäsche wurde zusammengelegt. 👍 Wir fuhren erneut hinab zum See um dort zu frühstücken. Eigentlich dachten wir, dass wir dort im Anschluss an der „Laguna Nimez“ ein bisschen laufen und dabei einige der zahlreichen Flamingos fotografieren könnten. Aber auch hier zeigte sich erneut, dass „El Calafate“ ein wahrer Touristen-Ort ist. Für den 2,5 km langen Rundweg mit zwei Aussichtsplattformen und ein paar Hinweistafeln werden schlappe 8,50 € pro Person verlangt. 😮 Das ließen wir also schön mal sein und parkten unseren Van stattdessen einige Kilometer weiter am Seeufer etwas außerhalb der Ortschaft. Dort hatten wir aus der Ferne am Tag zuvor Kitesurfer ausgemacht und tatsächlich Befand sich dort der „Club Nautico“ sowie ein Steg hinaus auf den See. Dieser ließ bei Simon natürlich sofort wieder die Hoffnung auf einen guten Angelspot aufkeimen. 😅 Mal sehen, vielleicht kommen wir später noch einmal hierher zurück. Diesmal machten wir nur einen Spaziergang am Wasser entlang, begleitet von einem schon etwas älteren Schäferhund-Mischling. Dieser trabte die ganze Zeit neben oder kurz hinter uns her und drehte sich stets wartend um wenn er mal vor uns war. 🥰 Nach dem wir genug Frischluft getankt hatten ging es weiter zum „Glaciarum“. Hierbei handelt es sich um ein top modernes Museum welches sich der Welt der Gletscher widmet. Wir zahlten pro Person 10 € Eintritt und sind einstimmig der Meinung, dass der Museumsbesuch das Geld wert war. Man bekommt nicht nur die Entstehung der Gletscher veranschaulicht, sondern auch die Unterschiede der jeweiligen Gletscher- und Eisformen erklärt. Außerdem gab es zwei gute Kurzfilme á 10 Minuten auf Spanisch mit Englischem Untertitel so dass wir gute zwei Stunden dort verbrachten. Von dort aus machten wir uns auf den Weg in Richtung „Perito Moreno“ Gletscher. Dieser ist fast 30 km lang und wir sind wirklich super gespannt darauf, den Gletscher kalben und die Eisbrocken in den „Lago Argentino“ stürzen zu sehen. 🤩 Der Nationalpark öffnet seine Pforten morgens um 8 Uhr und schließt abends um 18 Uhr. Campen innerhalb des Parks ist leider untersagt. Deswegen entschieden wir, einfach vor dem Eingang die Nacht zu verbringen um gleich früh morgens vor Ort sein zu können. Andernfalls wären es von „El Calafate“ aus noch rund 50 km zu fahren. Da schlafen wir doch lieber 45 Minuten länger. 😉

Unser neuer Freund 😅
Gletscher Museum in El Calafate
Übernachtung vor den Toren des Nationalparks

Nach einer sehr ruhigen und vor allem windstillen Nacht, sprichwörtlich vor den Toren des Nationalparks „Los Glaciares“, machten wir uns am Morgen meines 39sten Geburtstages auf den Weg zum Gletscher. Am Eingang bezahlten wir die Gebühr von 5.500 Pesos pro Kopf was umgerechnet etwa 18 € entspricht. Von dort aus waren es noch knapp 30 Kilometer Asphaltstraße bis zum oberen und deutlich kleineren Parkplatz direkt vorm Gletscher. Dort angekommen kochten wir zu aller erst Kaffee und frühstückten in aller Ruhe bevor wir uns auf den Rundweg begaben. Dieser startete direkt vom Parkplatz aus und führte über zahlreiche Stege mit diversen Aussichtsplattformen am „Perito Moreno“ Gletscher entlang. Ein bisschen so, wie bei den Iguazuwasserfällen auf der argentinischen Seite nur glücklicherweise mit VIEL weniger Besuchern und noch dazu breiteren Wegen. 👍 Man hatte von fast überall beste Sicht auf den spektakulären Gletscher, welcher in den verschiedensten Weiß- und Blautönen in der Sonne glitzerte. Einmal mehr hatten wir perfektes Wetter erwischt: Es herrschte ein sehr angenehmer Sonne-Wolken Mix und, viel wichtiger, der Wind blieb fast den ganzen Tag über fern. Wir drehten eine erste vollständige Runde, immer entlang am „Lago Argentino“, bis hinunter zum zweiten deutlich größeren Parkplatz mit großem Restaurant. Dort teilten wir uns einen schokoladigen Brownie, tranken Kaffee und ich hatte erstmals Zeit um einen Teil meiner vielen wundervollen Geburtstagsgrüße abzurufen. 💕 Nach der willkommenen Pause ging es den gleichen Weg wieder zurück, vorbei an einigen kleineren und größeren Eisbergen welche auf dem See trieben bis erneut zur Gletscherzunge. Der „Perito Moreno“ ist übrigens einer der wenigen Gletscher die sich im Gleichgewicht befinden. Sprich oben fällt genauso viel Schnee, der später zu Eis wird, wie an der unteren Kante abbricht. Und bis sich die Eismassen von ganz hinten bis nach ganz vorne geschoben haben dauert es sagenhafte 400 Jahre! Obwohl sich der Gletscher mit fast 2 Metern pro Tag voran bewegt. 😳 Nachmittags, nach dem die Sonne das Eis einige Stunden erwärmt hat, brechen deutlich mehr Eisbrocken aus der Vorderkante heraus. Zuerst hört man ein lautes Knacken, wenn sich Teile des Eises lösen gefolgt von einem gewaltigen Donner, selbst wenn nur sehr kleine Stücke in die Tiefe hinab auf den See stürzen. Immerhin ist die gewaltige Eiswand bis zu 70 Meter hoch und etwa 3 km breit. 😮 Müde von der frischen Luft gönnten wir uns am Nachmittag, nach dem wir bereits gute 5 Stunden unterwegs waren und die verschiedensten Ansichten genossen hatten, eine Pause im Van. Ausgeruht und mit neuem Elan machten wir uns eine Stunde später noch einmal auf zum unteren Balkon in der Hoffnung, dass wir doch noch ein großes Stück herausbrechen sehen und unsere Geduld wurde tatsächlich belohnt. 🤩 Genauer seht ihr das dann natürlich noch im folgenden YouTube Video. So war es dann bereits kurz nach 19 Uhr als wir, müde aber glücklich, den Nationalpark wieder verließen und uns auf den Rückweg nach „El Calafate“ machten. Wir hatten beide so rein gar keine Lust mehr, uns jetzt noch für ein Geburtstagsessen im Restaurant schick zu machen weswegen wir kurzerhand entschieden, dies auf den Folgetag zu verschieben. Zumal unsere Bargeldbestände mittlerweile etwas knapp waren und die Wester Union Filiale im Ort bereits seit Donnerstag über keine Mittel mehr verfügte. Hoffentlich bekommen sie am Montag frisches Geld. 🙏 Wieder auf dem weitläufigen Stellplatz der „YPF“ Tankstelle angelangt wärmten wir unsere Reste vom Vortag (Gemüsereis mit Putenstreifen) und schauten noch ein bisschen YouTube bevor uns die Augen zufielen. 😴

Erster Blick auf den Gletscher 😯
Über Stege geht es immer entlang der Gletscherzunge
Unglaublich beeindruckende Eismasse
Mit dem Boot kann man noch näher ran
Der Hammer 🤩

Nach dem wir am Montag ausgeschlafen, das gute Internet an der „YPF“ Tankstelle genutzt und gefrühstückt hatten fuhren wir in den Ort in der Hoffnung, dass der Geldtransporter bereits Geld zur Wester Union Filiale geliefert hatte. Vor der Postfiliale, welche gleichfalls einen Wester Union Schalter betreibt, hatte sich bereits eine ziemlich lange Warteschlange gebildet was wir als gutes Zeichen werteten. 👍 Nach geschlagenen zwei Stunden Wartezeit (kein Witz!) waren dann endlich auch wir an der Reihe und bekamen den Maximalbetrag von 60.000 Pesos (= ca. 170 €) in hauptsächlich 100 Pesos Scheinen ausbezahlt. Dafür hätte man glatt mal wieder einen Geldkoffer benötigen können. 🙈 Und wenn man in Argentinien tatsächlich etwas lernen kann dann ist es Geduld, egal ob vor der Bank oder in der Schlange an der Supermarktkasse. 😅 Wobei die lange Wartezeit, dank einer sehr netten Unterhaltung mit einem pensionierten Schweizer Motorradfahrer, extrem kurzweilig war. Den Nachmittag verbrachten wir bei blauem Himmel und Sonnenschein am See. Simon warf vom Steg aus seine Angel aus (wie immer erfolglos) und konnte von dort aus der mutigen Schaar Kindern zuschauen, welche den Sprung ins eiskalte Wasser (max. 9°C) wagten. 😮 Ich schrieb währenddessen im Van noch eine Weile am Blog bevor ich mich am schwarzen Kiesstrand in die Sonne legte. 😎 Gegen 19 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Restaurant „Asador, Parilla y Resto Merino“, welches sich direkt auf der Hauptstraße in „El Calafate“ befindet, um dort mein Geburtstagsessen nachzuholen. Die Speisekarte klang extrem verlockend und auch das moderne Ambiente hatte uns von außen direkt angesprochen. Wir entschieden uns schlussendlich für das 5-Gang Degustationsmenü. Ich hätte, dem Namen entsprechend, kleinere Häppchen erwartet aber zu unserem Erstaunen bekamen wir bei fast jedem Gang eine ganz normalgroße Portion serviert. 😧 Als Appetizer wurden sehr leckere, lauwarme, hausgemachte Brötchen mit Dipp gereicht. Darauf folgte der erste Gang in Form von einer Scheibe Bruschetta, belegt mit verschiedenen mixed pickles, und dazu je ein kleines Töpfchen mit Guanaco Gulasch. Weiter ging es mit Lachsfilet, serviert auf einem Salzstein, garniert von Tomaten-Relish, verschiedenen Saucen sowie einer für meinen Geschmack etwas zu sauren Lachs-Avocado-Ceviche. Eigentlich wären wir an diesem Punkt schon fast satt gewesen aber erst jetzt wurde der Hauptgang serviert: Es gab verschiedene Teile vom patagonischen Lamm welches zuvor stundenlang und schonend im Ganzen gegrillt wurde. Das Fleisch war geschmacklich top und butterzart aber wir haben beim besten Willen nicht mehr alles geschafft. Der süße Abschluss hingegen passte natürlich noch rein. 😋 Es gab eine Variation aus dreierlei Schokoladen-Panna Cotta. So und jetzt schätz mal einen Preis, inklusive einem Aperol-Spritz und einem Liter Wasser… Sagenhafte dreiundsechzig Euro! Das hätte in einem vergleichbaren Lokal in Deutschland vermutlich das Doppelte gekostet. Und wartende Gäste bekamen sogar einen Aperitif auf kosten des Hauses serviert um ihnen so die Wartezeit auf einen freien Tisch zu versüßen. 👍👍👍

Appetizer 😛
Bruschetta mit mixed pickles
Guanaco Gulasch
Lachs und Ceviche 👍🏻
Patagonisches Lamm 🐑
Dreierlei Schokoladen Panna Cotta 😍
Schon mal mit so einem Geldstapel
im Resto bezahlt? 🤣

Am Folgetag reihten wir uns gegen Mittag neuerdings in die Schlange vor der Postfiliale ein. Wir hatten unsere Bargeldbestände im Kopf noch einmal überschlagen und mit mindestens zweimal Volltanken sowie weiteren Einkäufen im Supermarkt könnten diese echt knapp werden. 😕 Deswegen würden wir diesmal auch beide das Limit von 60k Pesos voll ausschöpfen. Es hieß, ungelogen, erneut wieder zwei Stunden warten weil angeblich das System bis dato nicht funktioniert hätte. Vielleicht machen die Angestellten in der Zeit auch einfach nur Mittagspause?! Man weiß es nicht… Aber auch diesmal waren wir in netter Gesellschaft von zwei Jungs aus Bayern, die für insgesamt 10 Monate mit dem Backpack in Südamerika unterwegs sein werden. Als wir unser Geld erhalten hatten gönnten wir uns in der nahegelegen Eisdiele noch einmal drei Kugeln Eis. Zufällig trafen wir hier Simon und Sebastian, die wir gerade kennengelernt hatten, wieder und sie leisteten uns erneut Gesellschaft. Für den Nachmittag hatten wir uns neuerdings einkaufen auf die Fahne geschrieben. Da wir in wenigen Tagen wieder in das teure Chile reisen werden bevorrateten wir uns im lokalen Supermarkt mit etlichen Litern Trinkwasser, Cerealien, Nudeln, Konserven etc. Im Baumarkt um die Ecke erkundigten wir uns nach einer weiteren Kartusche Silikon für das zweite Projekt „Dachluken-Reparatur“. Wir haben zwar noch zwei Kartuschen übrig aber Simon ist sich nicht ganz sicher ob diese tatsächlich ausreichen werden. Leider führten sie die Marke dort nicht und wir wurden von Bauhandlung zu Bauhandlung weitergeschickt. In Summe klapperten wir glaube ich fünf Stück erfolglos ab. 🤷‍♀️ Ich sag’s euch, auch so bekommt man problemlos einen Tag rum! Mittlerweile war es fast halb sieben. Eigentlich wollten wir an diesem Abend Pizza machen aber auf Grund der fortgeschrittenen Uhrzeit und des herrlichen Wetters an diesem Tag holten wir uns letztlich eine „Pizza to go“. Das Aktionsangebot beinhaltete sogar noch sechs Empanadas die wir uns für den kommenden Tag aufhoben. Wir aßen gemütlich auf den Barhockern an der Straße vor der Pizzeria und spazierten danach noch ein Stück an der Uferpromenade entlang. Im seichten Wasser des „Lago Argentino“ tummeln sich unheimlich viele Wasservögel. Es gibt dort Enten, Gänse, Schwäne und natürlich die prächtigen Flamingos. Dort trafen wir dann auch zum dritten Mal an diesem Tag auf die zwei Bayern. 😅

Chillen am Lago Argentino 😎
Hummelchen 🐝
Empanadas to go 😜

Da wir fast den kompletten Dienstag für organisatorische Dinge aufgewendet hatten und das Wetter am Mittwoch erneut herrlich war entschieden wir, noch einen Tag länger in „El Calafate“ zu bleiben. Wir fuhren mit unseren Fahrrädern ein längeres Stück am türkisfarbenen „Lago Argentino“ entlang und genossen derweil die schöne Fernsicht auf die verschneiten Berggipfel des „Parque Nacional Los Glaciares“ im Hintergrund. Obwohl wir nur etwa drei Stunden unterwegs waren handelte ich mir gleich mal wieder einen leichten Sonnenbrand ein. Scheinbar ist meine Haut nach vier Wochen Sweatshirt schon wieder entwöhnt. 😳 Nachmittags nutzte ich, vor der anstehenden Weiterfahrt, noch einmal die Duschgelegenheit an der Tankstelle. Nach ein paar Nutzungsversuchen muss ich, wie auch schon zuhause leider feststellen, dass feste Haarseife für mich überhaupt nicht taugt. Ich habe jedes Mal das Gefühl, dass meine Haare nach der Wäsche damit genau so fettig sind wie zuvor. Also werde ich wieder auf festes Haarshampoo umsteigen mit dem ich in der Vergangenheit immer gut zurecht gekommen bin. Nur doof, dass wir einen großen Vorrat an Haarseife dabei haben. 🙄 Ziemlich gut funktioniert übrigens Babypuder als Alternative für, hier nicht erhältliches, Trockenshampoo. Zumindest bei hellem Haar taugt das mindestens genauso gut für die schnelle „Wäsche“ zwischendurch und wahrscheinlich ist es sogar noch etwas günstiger.

Good bye El Calafate
Weiter geht’s über die Ruta 40 nach El Chaltén

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.

NEW BLOG POST 🇨🇱 (06.01. – 10.01.2023) Nationalpark Torres del Paine

Am Freitag hieß es Wecker stellen und wir mussten uns bereits um 6 Uhr aus den Federn quälen. Normalerweise bin ich unter der Woche jeden Tag um diese Uhrzeit aufgestanden aber wir haben uns mittlerweile schon so an das Ausschlafen gewöhnt als dass es richtig, richtig schwer fällt so früh aus dem Bett zu krabbeln. 🙈 Für diesen Tag hatten wir eine geführte Tagestour durch den Nationalpark „Torres del Paine“ gebucht und wir sollten bereits zwischen 7:00 und 7:30 Uhr an dem Wahrzeichen „El Mano“ (= die Hand) wenige Meter entfernt von unserem Stellplatz abgeholt werden. Nach dem wir zumindest einen Schluck Kaffee getrunken und das Vesper für den Tag in die Rucksäcke gepackt hatten begaben wir uns zu dem besagten Treffpunkt. Dort wurden wir auch pünktlich um halb acht von einem bereits fast voll besetzten Mini-Bus abgeholt. 🚐 Unser Guide „Alice“ stammte aus Brasilien, sprach aber sowohl flüssig Spanisch als auch Englisch. Da die Gruppe hauptsächlich aus englischsprechenden, ausländischen Gästen bestand hatte sie es relativ einfach und musste nicht alles mehrfach wiederholen. Insgesamt bestand die Gruppe aus 14 Reisenden plus unserem Guide sowie dem Fahrer. Wie erhofft spielte das Wetter an diesem Tag wirklich gut mit und wir konnten bereits auf dem Weg in den Nationalpark die drei namensgebenden Türme (= „Torres“) sehen. Oftmals warten Wanderer tagelang auf diesen Anblick, weil sich die Bergspitzen gerne in den Wolken verstecken und wir hatten bereits auf Anhieb solch ein Glück. 😍 Von dem Viewpoint an der „Laguna Armarga“ aus hatten wir einen guten Blick auf das Felsmassiv sowie die Lagune, in der einige chilenische Flamingos nach Nahrung suchten. Vom „Lago Sarmiento Viewpoint“ aus hatten wir ebenfalls herrliche Ausblicke, unter anderem auf das schneebedeckte Massiv des „Macizo Paine“, dem mit 3.500 Metern höchsten Berg innerhalb des Nationalparks. Der nächste Halt war am „Lago Pehoe“ von wo aus wir ein paar Meter bis zum beeindruckenden Wasserfall „Salto Grande“ liefen. Hier zwängen sich die Wassermassen des „Río Paine“ durch eine enge Schlucht und schießen mit gebündelter Kraft über die Felsen hinweg. Weiter ging es zum „Grey Gletscher“ wo wir unter anderem für eine Mittagspause stoppten. Heute waren wir ausnahmsweise auch mal als hop-on/hop-off Foto-Touristen unterwegs. 😅 Dafür konnten wir aber viel in kurzer Zeit sehen, mussten die Schotterpisten nicht alle selbst fahren und konnten das hervorragende Wetter an diesem Tag bestens ausnutzen. Nach dem wir uns im Außenbereich des dortigen Restaurants mit unseren mitgebrachten Sandwiches gestärkt hatten liefen wir noch zum Strand am Gletschersee hinab. Hier blies erstmals und einmalig an diesem Tag ein extrem starker und noch dazu eisig kalter Wind der mir extrem in den Ohren schmerzte. Trotzdem liefen wir bis etwa in die Mitte des Strandes von wo aus wir einen Blick auf die immer noch weit entfernt liegende, gewaltige Gletscherzunge werfen konnten welche den See speist auf dem auch ein kleiner Eisberg schwamm. 🤩 Die südlichen Eisfelder hier bilden übrigens, nach der Antarktis und Grönland, die größten Süßwasserreservoirs der Erde. Zurück im Kleinbus verließen wir gegen 15 Uhr den Nationalpark auch schon wieder um noch einmal außerhalb an einem Viewpoint für ein paar Schnappschüsse zu stoppen. Von hier aus konnte man in der Ferne den Grey Gletscher sowie den „Lago Toro“ und die umliegenden Wälder sehen. Außerdem hatten sich tolle Wolkenformationen gebildete die einem Wattepad oder Frisbeescheiben ähnelten. Sie entstehen durch die besonderen Wetterverhältnisse hier in Patagonien und werden nicht zuletzt durch die starken Winde geformt. Der letzte Halt war an der „Cueva del Milodón“. Sowohl der Eintritt in den Nationalpark (35 USD p.P.) als auch der für die Höhle (11 USD p.P.) waren in dem Tour-Paket von 50 € pro Kopf nicht enthalten. Wir hatten uns die Tickets, auf Bitte des Tour-Veranstalters hin, bereits am Tag zuvor online besorgt. Aber wie schon zuvor im Nationalpark fanden auch an der Höhle keine wirklichen Ticketkontrollen statt. Diesmal wurde unser Ticket nicht einmal gescannt, das Geld hätten wir uns wohl sparen können. 🙄 Die Höhle an sich war enorm groß. Sie entstand durch einen urzeitlichen Gletscher, welcher sich vor Jahrmillionen nach einem Klimawandel in einen Gletschersee verwandelt hatte. Die durch den starken Wind entstandenen Wellen höhlten das Gestein aus und hinterließen diese mächtige Höhle. In dieser wurden 1842 diverse Knochen gefunden, unter anderem auch von dem sagenumwobenen „Milodón“. Hierbei soll es sich um ein zwei bis zweieinhalb Meter großes und eine Tonne schweres Tier gehandelt haben, welches in seiner Gestalt ähnlich der heutigen Faultiere gewesen sein soll. Es lief wohl hauptsächlich auf vier Beinen, konnte aber angeblich auch kurz auf den Hinterläufen sowie seinem Schwanz stehen. In dieser Haltung steht auch eine große Statue am Ortseingang nach „Puerto Natales“. Ob es das Tier so wirklich gegeben hat scheint wohl nicht zu 100% belegt zu sein wobei es im „British Museum“ in London wohl die hier ausgegrabenen Knochen zu sehen gibt. 🤷‍♀️ Von der Höhle aus war es nur noch ein Katzensprung zurück in den Ort so dass wir gegen 18 Uhr wieder an unserem Van abgesetzt wurden. Obwohl wir an diesem Tag nicht viel laufen mussten war ich abends doch ganz schön erschöpft. Vermutlich auf Grund der vielen Eindrücke, vielleicht war es aber auch mit dem frühen Aufstehen geschuldet. 🙊 Ich ruhte mich ein wenig aus während Simon die 20 Liter aus unserem Reservekanister ins Auto schüttete. Wir hoffen, dass wir so ohne einen Tankstopp in Chile (hier kostet der Liter Diesel ca. 1,40 €) zurück nach Argentinien gelangen werden wo uns der Liter Diesel nur noch rund 70 Cent kosten wird. Nach meinem Powernap drehten wir noch eine kurze Runde durch den Ort, um im Supermarkt noch ein wenig Obst zu kaufen bzw. online noch einmal kurz das Wetter zu checken. Die Vorhersage für die nächsten zwei Tage, welche wir auf eigene Faust im Nationalpark verbringen wollen, ist vielversprechend. 👍 Zurück im Bus kochten wir noch ein schnelles Pasta-Gericht und gingen relativ zeitig zu Bett.

Erster Blick auf die „Torres“ –
wir hatten tatsächlich auf Anhieb freie Sicht ☺️
Der Wasserfall „Salto Grande“
Der Berg im Hintergrund erinnert an ein Bett mit (Schnee-Bettdecke) 🛌
Jumping Julia 🤣
Der Rio Paine, gespeist mit Gletscherwasser
Besser hätte das Wetter nicht sein können 🌤
Auf dem Weg zum Grey Gletscher
(man beachte die Wolkenformationen)
Seht ihr den kleinen Eisberg?! 🤩
Blick auf den Lago Toro & die „Frisbee“ Wolken 😍
Die „Milodón“ Höhle ist wirklich riesig 😮

Am Samstag klingelte der Wecker erneut wieder um 06:00 Uhr in der Früh und riss uns unsanft aus dem Schlaf. Dennoch sprangen wir aus dem Bett da wir uns für diesen Tag die Ganztageswanderung zur Basis der „Torres del Paine“ vorgenommen hatten. Von unserem Stellplatz in „Puerto Natales“ aus bis zum Startpunkt der Wanderung lagen etwa zwei Stunden Autofahrt vor uns wobei die letzten 30-40 km Schotterpiste sein würden. Daher war an länger schlafen leider nicht zu denken. 😣 Nach dem uns der Morgenkaffee etwas Leben eingehaucht hatte und das Sandwich für die Tour getoastet war machten wir uns auf den Weg. Im Nationalpark angekommen zeigten wir dem Ranger unsere Tickets vor. Proaktive Ticketkontrollen finden hier wie gesagt nicht statt und es gibt auch keine Ein- oder Ausfahrts-schranken. Ich bin mir fast sicher, dass auch hier niemand fehlende Tickets bemerkt hätte. Das drei Tagesticket für den Nationalpark kostete übrigens 35 USD pro Person. Wir haben dieses ebenfalls vorab online erworben so dass lediglich der QR-Code gescannt werden musste. Von dort aus ging es noch wenige Kilometer weiter bis zum bereits sehr gut gefüllten Parkplatz, welcher zeitgleich der Startpunkt unserer Wanderung sein sollte. Wir stärkten uns dort noch mit einem Müsli bevor wir uns bei sehr angenehmen 18°C auf den Weg machten. Der erste Teil der Etappe führte stetig, aber angenehm bergauf. Es ging entlang des rauschenden Gletscherbachs „Río Ascencio“ und über einige Brücken, immer entlang von Wiesen und vereinzelten Bäumen. Von oben hatte man herrliche Ausblicke auf die hinter einem liegenden, sanften grünen Hügel sowie die surreal blauen Lagunen welche wir bereits am Vortag besucht hatten. Mitunter ging es neben uns ganz schön steil hinab was aber wiederum freie Sicht auf den Gletscherbach in der Tiefe bot. Am „windy pass“ hatten wir abermals großes Glück denn es war erstaunlicher Weise fast windstill. Wie wir aus eigener Erfahrung wissen, können die Winde hier zwischen 80-120 km/h erreichen aber heute war die Wetterlage erneut einfach perfekt. 🌤 Kurz darauf gelangten wir am „Refugio Chileno“ an. Die Hütte dient nicht nur als Übernachtungs- bzw. Campingbasis für all diejenigen, die auf den mehrtägigen Trecks unterwegs sind, sondern auch als Pausenort. Es gab Sitzmöglichkeiten im Freien und man hätte sich dort sowohl am Kiosk als auch in dem kleinen Restaurantbereich mit Essen und Trinken versorgen können. Wir machten uns jedoch ohne Stopp an Teil zwei der ersten Etappe welche uns bis zum Ziel, dem Aussichtspunkt auf die „Torres“, bringen sollte. Es ging weiter leicht bergauf und längere Zeit durch einen dichten Wald. Rein von der Kilometeranzahl her hätte ich an dessen Ende schon fast den Viewpoint vermutet aber leider war dem nicht so. 😮 Stattdessen stand dort ein Schild mit der Aufschrift: „Von hier aus noch ca. 45 Minuten bis zum Aussichtspunkt“. Außerdem wurde vor dem steilen Aufstieg gewarnt. Bis dato waren wir bereits drei Stunden (meist bergauf) gelaufen und langsam aber sicher spürte ich die Kraft in meinen Beinen schwinden. Ab jetzt hieß es, zumindest für mich, durchbeißen! 😬 Zum Glück hatte ich ausnahmsweise die faltbaren Carbon-Wanderstöcke von Rothwild im Einsatz welche mir sowohl bergauf als auch bergab eine wirklich große Stütze waren. 🙏 Das letzte Stück ging sehr steil bergauf und war noch dazu hochalpin. Das heißt wir mussten permanent über größere und kleinere Felsen kraxeln. Der Weg war schmal und noch dazu kamen uns Horden von Wanderern entgegen die sich bereits wieder auf dem Abstieg befanden. So musste man sich nicht nur seinen Weg suchen bzw. aufpassen wo man hintrat, sondern auch noch andauernd ausweichen und platzmachen. Erwartungsgemäß waren sehr viele Wanderer auf „DER“ Tagestour überhaupt unterwegs aber von diesem Teilstück einmal abgesehen kam man sich ansonsten zum Glück nicht wirklich in die Quere. Die „Torres“ versteckten sich bis kurz vorm Ziel hinter den Geröllbergen und kurzzeitig dachte ich, ich würde es nicht bis dahin schaffen. Aber irgendwann gelangten wir dann doch oben an und wieder einmal war der Anblick alle Mühen wert. 🤩 Vor uns türmten sich die drei gewaltigen Felsnadeln auf über deren untere Wände sich Wasserfälle direkt in den stahlblauen Gletschersee zu ihren Füßen ergossen. Hier windete es auch erstmals ein wenig und wir suchten uns ein geschütztes Plätzchen auf einem großen Felsen, wo der See in den Fluss mündete. Vor dieser einmaligen Kulisse ließen wir uns unser Vesper schmecken. 🥪 Leider wehte eine Böe den Deckel unserer Tupperdose ins Wasser und wir konnten ihn im Wasser unter den Felsen nicht wiederfinden. Vermutlich hatten ihn die Fluten direkt mitgerissen. So ein Mist! Falls also irgendjemand einen grünen, quadratischen Plastikdeckel finden sollte: Dieser gehört uns. 🙈🙉🙊🐵 Der Pausensnack gab mir merklich Energie zurück und so machten wir uns nach etwa 45 Minuten Rast an den Abstieg. Bis dahin waren wir übrigens viereinhalb Stunden unterwegs gewesen und hatten 11,3 km sowie sage und schreibe 980 Höhenmeter hinter uns gebracht. Die exakt gleiche Strecke mussten wir nun noch einmal gehen wobei sich der Rückweg, bei dem es nur noch 260 Höhenmeter zu bewältigen galt, nicht zuletzt deshalb einfacher gestaltete. Außerdem legte ich zwei kurze Snackpausen ein und so kamen wir gegen 20 Uhr zwar müde und ausgepowert, aber glücklich und voller schöner Eindrücke wieder an unserem Zuhause 🚐 an. Die Fußsohlen brannten und auch die Muskeln schmerzten nach den 23 zu Fuß absolvierten Kilometern. Deswegen gab es an diesem Abend nur noch einen schnellen, fertigen Asia-Nudelsnack sowie zwei Kekse bevor wir direkt in die Federn fielen. 😂

Auf eigene Faust in den Nationalpark
Nationalpark Torres del Paine
Start der Wanderung zur Basis der „Torres“
Blick ins Tal auf den rauschenden Gletscherfluss
Das letzte Stück Aufstieg war mega anstrengend 😬
Aber die Strapazen haben sich gelohnt (über die Steilwände ergießen sich Wasserfälle in den See)
So sehen Helden aus 😅
Und ab geht’s wieder steil nach unten 🙈
Welch herrliche Landschaft
Ohne meine Stöcke hätte ich es vielleicht nicht gepackt

Da unsere Muskeln und Füße von der langen Vortageswanderung noch etwas schmerzten, verbrachten wir den Sonntag relativ bewegungsarm in unserem Van auf dem Wanderparkplatz. Hier hatten wir, zu Füßen der „Torres del Paine“, auch eine sehr ruhige Nacht verbracht. Simon nutzte die Zeit um weitere YouTube Videos zu erstellen und ich benötigte eine ganze Weile, um die Erlebnisse der vergangenen zwei Tage für den Blog zusammenzufassen. 😄 Das Wetter spielte erneut richtig gut mit, wenngleich es ein wenig bewölkter war als die Tage zuvor. Dafür war es mit 21°C noch wärmer und nachmittags wurde es fast ein bisschen schwül. Prompt meldete sich leider auch mein Heuschnupfen mit sämtlichen Symptomen. 🤧 Am Abend rollte ich dann noch seit längerem mal wieder die Yoga-Matte aus und genoss die Zeit für mich in dieser herrlichen Kulisse. 💕

Was für ein herrlicher Stellplatz

Am Montag fühlten wir uns wieder fit genug für eine weitere, aber deutlich kürzere sowie einfachere Wanderung. Es schien erneut die Sonne aber diesmal war der patagonische Wind in all seiner Härte wieder deutlich spürbar. 🌬 Zum Glück war es sowohl während unserer Tageswanderung als auch während unserer Tagestour super windstill. Nach dem wir gefrühstückt hatten verließen wir unseren Stellplatz und fuhren einige wenige Kilometer die Schotterpiste entlang bis zum „Mirador Laguna Larga“. Auf der Fahrt dorthin konnte ich tatsächlich einen ausgewachsenen, prächtigen Puma entdecken der ganz entspannt durch die Graslandschaft schlenderte. 😮 Wir stellten unseren Bus am Aussichtspunkt ab von wo aus ein kleiner Trampelpfad durch die hügelige Graslandschaft führte und immer wieder herrliche Blicke auf die Berge sowie die Gletscherlagunen feilbot. Entlang des Weges wuchsen auch einige „El Calafate“ Sträucher deren Beeren sowohl in Farbe als auch in Form der Heidelbeere ähneln. Allerdings haben sie viele Kerne und ich habe wohl keine einzige reife, süße Beere erwischt. Meine schmeckten alle säuerlich. 😣 Außerdem konnten wir wieder zahlreiche Guanacos erblicken. Bis zum Ziel der Wanderung, dem „Mirador Nordenskjöld“, waren es etwa dreieinhalb Kilometer. Und wie so oft: Sobald man sich etwas abseits der ausgetrampelten Pfade bewegt begegnet einem plötzlich keine Menschenseele mehr. 😊 Lediglich auf unserem Rückweg (leider gibt es hier im Nationalpark kaum Rundwege) trafen wir auf eine Busgruppe die sich gerade ein paar Meter vom Aussichtspunkt in Richtung Wanderweg entfernt hatte. Zurück am Bus windete es immer noch recht heftig weswegen wir einige Kilometer weiter bis zu einem der Eingänge in den Nationalpark fuhren. Dort fanden wir vor dem Ranger- bzw. Toilettenhaus etwas Schutz vor dem Wind. Nach der Kaffeepause nutzten wir noch einmal die Zeit um an den Laptops zu arbeiten bevor es abends auf Simons Wunsch hin mal wieder Thunfisch-Pizza gab. 🍕

Zweite Wanderung im Nationalpark
Da hält jemand Wache
Auf dem Weg zum „Nordenskjöld“
Der Rest der Familie?! 🤔
Geschafft 😂

Da es am Dienstag erneut super windstill war und abermals die Sonne von einem strahlend blauen Himmel schien blieben wir noch einen Tag länger im Nationalpark. Zumal ein weiterer Tag Pause willkommen schien und es bis zu unserem nächsten Ziel „El Calafate“ (übrigens wieder auf argentinischer Seite) wieder rund 400 km zu fahren gilt. Wir verbrachten den Tag, mit Ausnahme eines kurzen Spaziergangs zum „Lago Sarmiento“, auf dem kostenfreien Parkplatz vorm Nationalparkeingang wo wir bereits die Nacht verbracht hatten. Simon stellte zwei weitere YouTube Videos fertig und ich nutzte den Augenblick, um fürs Frühstück selbstgemachte Vollkornbrötchen sowie für den Nachmittagskaffee saftigen Pfirsichkuchen im Omnia zu backen. Außerdem war es mal wieder an der Zeit neue Spanisch-Vokabeln rauszuschreiben und diverse Fotos wollten für die kommenden Insta-Beiträge bearbeitet werden. 📷 Ansonsten genossen wir einfach das bombastische Wetter sowie die Aussicht auf die Berge. 🌤🌄😎 Am Abend wurden wir, unerwarteterweise, freundlich aber sehr bestimmt vom Ranger des Platzes verwiesen. Scheinbar darf man auf jedem der Stellplätze innerhalb des Nationalparks nur eine Nacht verbringen. Wir wussten jedoch nichts davon und es stand auch nicht auf dem Aushang am Eingang. 🤨 So blieb uns also nichts anderes übrig, als nach unserem Abendessen noch ein paar Kilometer weiter zu fahren. Wir fanden unweit einen noch viel schöneren Stellplatz an einem Aussichtspunkt, von wo aus wir eine herrliche Sicht auf die untergehende Sonne vor dem „Lago Sarmiento“ sowie den Bergketten des Nationalparks hatten. 👍

Frische, lauwarme Brötchen zum Frühstück 😋
Traumkulisse 🥰
Blick aus dem Heckfenster (vom Bett aus!)
Sonnenuntergang 🌅 über dem Lago Sarmiento

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.

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NEW BLOG POST 🇦🇷 🇨🇱 (28.12.2022 – 05.01.2023) Ushuaia – Puerto Natales

Am Mittwoch schliefen wir gemütlich aus und hatten morgens wieder einen schönen Blick auf die verschneiten Berge. Ich wollte uns im nahegelegenen Supermarkt Eier fürs Frühstück kaufen aber scheinbar wurden diese vor Weihnachten alle aufgekauft. In keinem der Supermärkte waren welche erhältlich. 😕 Also kaufte ich stattdessen noch einmal beim Bäcker von den leckeren Croissants und unseren Toast aßen wir eben ohne Frühstücksei. Nach dem es vormittags noch leicht regnete wurde es gegen Mittag trocken und wir konnten noch die Promenade entlang spazieren. Wir schauten uns in der Touristen-Information um und konnten dort unsere Reisepässe noch mit ein paar verschiedenen „Ushuaia“ Stempeln verschönern. Von dort ging es weiter zu einer Tankstelle mit gutem und schnellem WLAN. An dieser konnten wir die drei zwischenzeitlich fertiggestellten YouTube Videos sowie den neuen Blog-Beitrag hochladen. 😛 Zurück in unserem kuschelig warmen Van duschte ich noch in Ruhe bevor wir uns eine geschlagene Stunde, wohlgemerkt bei sehr frischem Wind, vor dem Restaurant „El Marino Viejo“ anstellten. Wir hatten die Tage zuvor von unserem Parkplatz aus immer wieder Warteschlangen vor deren Tür gesehen und daraus den Rückschluss gezogen, dass das Essen dort wohl sehr gut sein muss. Und wir wurden in der Tat nicht enttäuscht. Wir wollten auf jeden Fall die lokale Delikatesse „Königskrabbe“ essen. 🦀 Da wir allerdings keine Lust auf das Herauspulen des Krebsfleisches hatten, und auch nicht die ganze Zeit mit der Schere herumhantieren wollten um an das Essbare zu gelangen, entschieden wir uns stattdessen für ein Tellergericht. Wir bestellten Krebsfleisch mit Garnelen in einer roten Salsa und bekamen beide in kürzester Zeit eine sehr üppige Portion serviert. Dazu bestellten wir noch ein Schälchen gelben Safran-Reis wobei die Baguette-Beilage vermutlich auch gereicht hätte. Es war nämlich bereits kurz vor 22 Uhr als wir unser Abendessen erhielten. Entsprechend hungrig waren wir und stürzten uns direkt auf das als Appetizer und Beilage gereichte Baguette mit Remoulade. 😅 Preis-Leistung stimmt in diesem Lokal auf jeden Fall und rechtfertigt den Andrang, mit dem das Personal und die fixe Küche aber sehr gut umzugehen weiß. Wir hätten uns gerne noch mit unseren Container-Buddys zum Plaudern und Essen getroffen aber leider stand bei ihnen schon die Weiterreise an und wir waren die Tage zuvor isoliert im Nationalpark. Schade drum aber ganz bestimmt wird sich die Möglichkeit irgendwann bieten falls sich unsere Wege wieder kreuzen sollten. Von unserem Restaurant-Tisch am Fenster aus konnten wir gut das „Hurtigruten-Express“ Kreuzfahrtschiff beim Anlegen beobachten (welches sogar Hybrid betrieben war) und uns am Folgetag sage und schreibe neun große Reisebusse auf unserem Parkplatz bescheren sollte. 😮

Das Anstehen hat sich gelohnt 😛
Nachtisch geht immer 😃

Donnerstags war das Wetter wirklich miserabel. Es regnete den ganzen Tag über und die Sonne ließ sich nicht ein einziges Mal blicken. So verbrachten wir fast die ganze Zeit im warmen und gemütlichen Bus. Diesen verließen wir am Nachmittag während einer Regenpause nur für einen kurzen Spaziergang durchs Zentrum und zum Supermarkt (wo es heute wieder Eier gab). Leider sind die Wetteraussichten für die kommenden Tage sehr ähnlich… Es soll oft bewölkt mit hoher Regenwahrscheinlichkeit sein. Wobei es hier meist gar nicht viel regnet, sondern eher fein nieselt. Aber bei den mitunter starken sowie böigen Winden fühlt es sich doch sehr kalt und unangenehm an. Die Antarktis ist eben nicht mehr weit entfernt… 🏔 So rau und stürmisch das Wetter hier auch ist, so faszinierend ist zugleich die dadurch geformte Landschaft. Trotzdem hoffen wir für unsere baldige Weiterfahrt auf Besserung da unser nächstes großes Ziel der Nationalpark „Torres del Paine“ in Chile sein soll. Natürlich würden wir die „Torres“ (= Türme) wahnsinnig gerne sehen wollen und wandern macht bei trockenem und sonnigen Wetter definitiv auch mehr Spaß. Auf Grund der Wetterlage haben wir uns dazu entschieden, dass wir uns am Silvesternachmittag drei Stunden „Day Spa“ in einem 5* Hotel in „Ushuaia“ gönnen werden. In der Sauna und im Whirlpool kann es uns dann egal sein ob es draußen Katzen hagelt. 😝

Blick auf den Hafen

Der Freitag verlief ähnlich unspektakulär wie der Donnerstag. Vormittags war es immer noch regnerisch und es blies ein sehr starker, eiskalter Wind. 🥶 So beschränkten wir uns erneut auf einen längeren Spaziergang zum Shopping-Center und nichts tun zu ist ja auch mal schön. Ich recherchierte noch ein wenig im Reiseführer die weitere Route und, wirklich ganz toll, wir hatten hier auf unserem zentralen Parkplatz super guten Radioempfang! 📻 Wenn mir eine Sache tatsächlich fehlt dann ist es Radio. Während unserer Überlandfahrten haben wir nämlich NIE Empfang und die immer gleichen, heruntergeladenen Lieder will man ja auch nicht hören. 😕 Deswegen war es wirklich schön sich mal wieder den ganzen Tag lang mit guter Musik berieseln zu lassen. Vor unserem Van trafen wir dann noch auf ein Ehepaar aus Karlsruhe-Hagsfeld denen selbstverständlich unser KA-Kennzeichen nicht entgangen war. Die beiden sind aktuell mit einer Reisegruppe per Bus- und Flugzeug unterwegs und wir unterhielten uns eine ganze Weile nett mit ihnen. Scheinbar gaben sie die Info an ihre Reisegruppe weiter denn in der Folge hörten wir immer mal wieder: „Ach schau – da sind die Karlsruher!“. 🤣

Und wieder pfeift der Wind 💨
Blick auf Ushuaia und den Beagle Kanal bei Tag…
… und Ushuaia bei Nacht

Silvester verbrachten wir ebenfalls noch in „Ushuaia“. Wir schliefen in Ruhe bis 10 Uhr aus und wenn ihr euch jetzt fragt, warum wir bitte die ganze Zeit so lange schlafen: Ich glaube, das liegt aktuell an den langen Tagen hier weswegen wir derzeit meist erst gegen 24 Uhr schlafen gehen. 😴 Außerdem stand heute außer chillen im Spa nichts weiter auf dem Programm so dass wir es ganz gemütlich angehen konnten. In der Touri-Info checkten wir noch einmal sämtliche Nachrichten auf den Handys bevor wir uns auf den Weg zum Hotel „Los Cauquenes“ machten. Wir hatten uns für den zweiten Slot von 14 bis 17 Uhr entschieden und dies war wirklich die aller beste Idee die wir für diesen Tag auch nur haben konnten. 😍 Der Wellnessbereich des 5* Hotels war zwar klein aber fein. In den Umkleidebereichen gab es je eine kleine Sauna für Damen und eine für Herren. Im Innenbereich befand sich der angenehm temperierte Swimmingpool mit herrlichem Blick auf den Beagle Kanal und die dahinter liegenden Berge sowie ein Whirlpool. Im Außenbereich auf der Terrasse gab es neben Liegen zwei weitere, 40°C warme Blubberpools und wir hatten einen stets ganz für uns alleine. Es war wirklich traumhaft schön, in dem warmen Wasser zu entspannen während es um einen herum nieselte und wolkenverhangen war. Und dabei noch die tolle Aussicht – was will man mehr! Vermutlich wird der Wellnessbereich zu diesen Uhrzeiten kaum von den Hotel-, sondern nur von den Day Spa-Gästen genutzt weswegen wir max. zu acht waren. ☺ Während ich so auf meiner Liege lag und aufs Meer blickte hatte ich ein wenig Zeit um die letzten Monate zu reflektieren und mein Fazit ist eindeutig: Wir haben ALLES richtig gemacht. 💕 Im Ruhebereich stand die ganze Zeit über Wasser sowie verschiedene Tees zur Verfügung und auch an den Äpfeln durfte man sich bedienen. Kurz vor Ablauf der Zeit bekamen wir dann noch je zwei leckere Sandwiches und einen Softdrink serviert und das alles in allem für ca. 27 € pro Kopf. 👍 Entspannt, frisch geduscht und geföhnt (juhu!) fuhren wir danach zu einem neuen Stellplatz am Flughafen von „Ushuaia“. Von dort oben aus hatten wir eine super Sicht auf die Stadt, die dahinterliegenden Berge sowie einen Teil vom Beagle Kanal. Wir entschieden, die Silvesternacht dort zu verbringen da wir die kleine Hoffnung hatten eventuell doch noch ein Feuerwerk sehen zu können. Übrigens standen hier am Flughafen alle Autos im Freien, dafür aber völlig kostenlos! 😯 Bei uns bezahlt man alleine fürs Ein- und Ausladen am Flughafen schon gefühlt 20 € Parkgebühr für 20 Minuten… Wir kochten gemeinsam ein schnelles, sehr leckeres kleines Dreigangmenü. Als Vorspeise gab es Guacamole mit Nachos, zum Hauptgang Fajitas mit Hackfleisch-Gemüse-Füllung und als Dessert Schokoladen-Fondue mit Obst. 😋 Das Feuerwerk um Mitternacht fand, wie schon vermutet, leider nicht statt aber dafür durften wir zuvor noch einen prachtvollen Regenbogen bewundern. 🌈 Kurz nach dem wir eingeschlafen waren wurden wir von heftigsten Winden im wahrsten Sinne des Wortes wachgerüttelt. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt! An weiterschlafen war bei dem Wanken leider nicht zu denken so dass wir mitten in der Nacht den Stellplatz wechselten und zurück an den Hafen fuhren, wo wir bereits die vergangenen Nächte verbracht hatten.

Innen-Pool
Außen-Whirlpools
Und eine traumhafte Aussicht 😍
Time to relax 😌
Unser Silvester Menü
Kein Feuerwerk aber dafür ein toller Regenbogen 🌈

An Neujahr schossen wir den Vogel ab und schliefen sogar bis 11 Uhr. Wobei sich das für einen Neujahrmorgen ja auch eigentlich so gehört. 🤣 Nach dem späten Frühstück verabschiedeten wir uns nach über einer Woche von „Ushuaia“ und fuhren zur Tankstelle am Ortsausgang. Dort tankten wir noch einmal voll und füllten gleichfalls unseren Wassertank auf. Außerdem konnten wir dank des dortigen WLANS unsere Lieben anrufen. 🥰 So sehr ich diese Medien auch manchmal verfluche, weil sie mich oft einfach stressen, so sehr bin ich auch zugleich dankbar für sie. Denn so könnt ihr nicht nur fast live unsere Reise miterleben, sondern wir können auch problemlos telefonieren und der Clou dabei: Es kostet keinen Cent! Wie viele Münzen hat man dafür früher in Telefone werfen müssen und hatte noch dazu eine oft schlechte Verbindung?! 🙈 Bis wir mit allem fertig waren war es bereits nach 15 Uhr. Da der Himmel an diesem Tag aber nicht ganz so wolkenverhangen war wie die Tage zuvor und es nur ab und an leicht nieselte entschieden wir uns trotzdem noch für eine Wanderung. Etwa 15 km außerhalb der Stadt liegt die „Laguna Esmeralda“. Zu dieser führte ab dem dortigen Parkplatz ein etwa 4,5 km langer, gut ausgeschilderter Wanderweg. Wobei dieser auf Grund des beständigen Regens der letzten Tage eine wahre Schlammschlacht darbot. 😕 Auf dem Weg trafen wir auf ein jüngeres Pärchen aus Berlin mit dem wir uns während des Wanderns ein Weilchen unterhielten. Wie mittlerweile gewohnt wurden wir immer mal wieder leicht nass aber zum Glück regnete es nur schwach so dass wir die Regenjacken im Rucksack lassen konnten. Der Blick auf die Lagune bot ausreichend Entschädigung für die schlechten äußeren Umstände denn der Name ist hier tatsächlich Programm. Das vom Gletscher herabfließende Wasser verleiht der Lagune die surreale Eisgletscherbonbonfarbe. 🧊 Für einen kurzen Moment lang ließ sich auch die Sonne blicken so dass die Farbe noch besser zur Geltung kam. Von dort aus stapften wir durch den Matsch zurück in Richtung Parkplatz. Es ging erneut entlang des rauschenden Gletscherbaches, über Bohlen und Stege sowie in Teilen auch durch dichten Wald. Als wir fast am Ende des Weges angelangt waren konnten wir an dem großen Biberbau mit etwas Geduld dann tatsächlich auch noch einen ausmachen. 😃 Ich hätte niemals gedacht, dass Biber so groß und vor allem so fett sind! Leider habe ich kein Foto für euch, weil das Tier doch recht weit entfernt war aber ihr dürft euch schon jetzt auf die Videofolge freuen. Simon konnte ihn mit der Kamera nämlich ganz gut einfangen. Kurz vor 20 Uhr gelangten wir dann wieder am Van an. Wir fuhren noch knapp 70 km weit bis zu dem Stellplatz am „Lago Fagnano“ an welchem wir bereits auf der Hinreise eine Nacht standen. Dort angekommen wärmten wir unsere mexikanischen Essensreste vom Vortag auf bevor wir es uns mit einer weiteren Folge von „7 vs. Wild“ im Bett bequem machten. 😊

Neujahrswanderung zur „Laguna Esmeralda“
Seht ihr den Biber-Bau??? 🦫
Über Bohlen und Stege, aber hauptsächlich durch Matsch 🙈
An der Gletscherlagune angelangt 🤩

Die Nacht am See war erstaunlich ruhig obwohl wir morgens wieder von heftigsten Winden wachgerüttelt wurden. Auf der Wasseroberfläche tanzten mitunter ziemlich hohe Wellen so dass man glatt hätte meinen können man sei am Meer. Wir arbeiteten noch eine Weile an den Laptops und brachen nach unserem Müsli-Frühstück auf in das nahegelegene Örtchen „Tolhuin“. Von anderen Reisenden hatten wir den Tipp bekommen, dass wir dort unbedingt in der berühmten Bäckerei „La Union“ vorbeischauen sollten. Gesagt, getan! Allerdings waren wir sowohl von dem Ambiente, dass eher an eine Cafeteria in einem Bahnhof oder Flughafen erinnerte, als auch von den Backwaren eher enttäuscht. Vielleicht hatten wir uns aus der üppig bestückten Auslage aber auch einfach nur das Falsche ausgesucht. 🤷‍♀️ Nach unserer Kaffeepause fuhren wir, begleitet von sehr starken Windböen, noch knapp 180 km bis zur argentinischen Grenze bei „San Sebastian“. An der Tankstelle dort hatten wir ebenfalls schon bei unserer Hinreise übernachtet. Auf Grund der bis zu 80 km/h starken Böen war der Haupteingang zur Raststätte geschlossen und wir mussten durch den geschützteren Seiteneingang eintreten. Dort erfuhren wir, dass die Fähre (logischerweise) derzeit wegen des Windes nicht verkehrt und die Wetterprognose für morgen wohl noch schlechter sei. 🌬 Zum Glück hatten wir es nicht wirklich eilig und konnten uns so seelisch und moralisch schon einmal auf den kommenden Tag vorbereiten.

Der „Lago Fagnano“ vor dem Sturm

Nachts flachte der Wind, der uns am Abend noch ordentlich durchgepustet hatte, glücklicherweise deutlich ab so dass wir gut schlafen konnten. Erst gegen 5 Uhr am Morgen begann der Van wieder zu wanken. Dafür strahlte die Sonne von einem super blauen Himmel. Kein Wunder! Solchen Winden können nicht einmal die dicksten Regenwolken trotzen. 🤣 Wir kuschelten uns noch ein paar Stündchen im warmen Bett ein bevor ich dieses, nachdem die gegen später eingeschaltete Standheizung unseren Innenraum etwas aufgewärmt hatte, für die Morgenroutine verließ. Nach dem ich mich angezogen und frisch gemacht hatte hieß es Kaffee- und Teewasser aufsetzen. Wie jeden Morgen. 😄 Wir frühstückten dort noch um vor dem anstehenden Grenzübertritt das restliche Obst zu verwerten. Danach ging es auf zum argentinischen Grenzposten welcher sich direkt neben der Raststätte befand. Wie erwartet verlief das bekannte Grenzprozedere dort sehr zügig und kurz darauf konnten wir an die chilenische Grenze weiterfahren. Dort angekommen reihten wir uns erneut in die Warteschlange im Grenzhäuschen ein. Hier funktionierte das örtliche WLAN erstaunlicherweise ganz gut so dass wir das zwingend notwendige Einreise-Formular sogar Online ausfüllen konnten. 💻 Auch hier mussten wir nicht wirklich lange warten bis wir an die Reihe kamen. Wir erhielten je einen Stempel in unsere Reisepässe sowie das neue „TIP“ für unseren Van bevor wir an der Grenze vorfuhren. Auf die Frage hin, ob wir „verbotene“ Dinge dabei hätten händigte ich dem Grenzbeamten durch das Seitenfenster unsere halbe Zwiebel sowie den Rest der Knoblauchknolle aus. Daraufhin winkte er uns, zu meinem Erstaunen, direkt ohne weitere Blicke in den Innenraum durch. 😃 So konnten wir die Fahrt, begleitet von anhaltend starken Winden, bis an die Magellan-Straße fortsetzen. Da uns während dessen nur sehr wenige Autos entgegenkamen dachten wir uns bereits, dass der Fährverkehr nach wie vor eingestellt sei. Dort angelangt bestätigte uns dies dann auch die ca. 2 km lange Autoschlange vor der Fähre. So reihten wir uns als letztes Glied in die Schlange ein und genossen den großen Vorteil, einfach nach hinten in unsere „Wohnung“ umsteigen zu können. Ganz im Gegensatz zu den PKW-Insassen oder, noch schlimmer, den zahlreichen Motorradfahrern. 😕 Am Nachmittag kam plötzlich Leben in die Warteschlange und in der Ferne konnte ich die erste Fähre erblicken. Tatsächlich hatte sich der Wind gelegt und nach rund fünf Stunden Wartezeit konnten wir dann kurz vor 20 Uhr doch noch auf die Fähre auffahren. 🥳 Wobei uns die Warterei gar nicht so lange vorkam, unter anderem dank eines super spannenden Krimi-Hörbuchs. Die Überfahrt gestaltete sich glücklicherweise sehr ruhig und nach etwa 20 Minuten gelangten wir auf der anderen Seite an. Von der Anlegestelle aus fuhren wir noch ungefähr 40 Kilometer bis zu einem Stellplatz an einem Kiesstrand. Dieser lag direkt unterhalb der Straße aber dennoch außer Sicht- und Hörweite. 👍 Wir genossen noch kurz den Ausblick auf den ruhigen Pazifik (genau – wir befinden uns nicht mehr am Atlantik!) bevor wir glücklicherweise nur noch ein paar Nudeln zu unserer restlichen mexikanischen Bolognese abkochen mussten. Mittlerweile war es nämlich schon halb zehn. 🌙

Wir haben es dann doch noch nach Chile geschafft

So ruhig wie es bei unserer Ankunft am Abend auch war, so stürmisch wurde es leider wieder am frühen Morgen. Als Außenstehender kann man sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen wie heftig der Wind am Van zerrt aber unser armer Bussi wird mitunter wirklich übel durchgerüttelt und geschüttelt. Wir können nur hoffen, dass nicht irgendwann die ein oder andere Befestigung darunter leiden wird. 😰 Nach einer Tasse Kaffee brachen wir dann auf und fuhren nach „Punta Arenas“. Rückblickend hätten wir uns den Umweg von 100 km getrost sparen können. Die Stadt bietet nichts was man gesehen haben muss. Zumal wir, an unserem ersten richtigen Tag in Chile, sowieso eher mit Banalitäten wie Geldbeschaffung und Lebensmitteleinkäufen zu tun hatten. Ersteres klappte relativ schnell und wir hatten bereits beim dritten Geldautomaten Erfolg. Letzteres gestaltete sich etwas schwieriger da wir im Ersten von uns aufgesuchten „Unimarc“ Supermarkt echt geschockt waren von den hohen Preisen. 😯 Nach zwei weiteren, erfolglosen Anläufen in großen Gemischtwarenläden wo es hauptsächlich Trockennahrung bzw. Süßwaren gab landeten wir letztlich doch wieder in einem „Unimarc“. Unsere Rechnung belief sich am Ende des Tages auf stolze 40 € und wir haben weder viel noch Vorräte eingekauft. Na das kann ja ein Spaß werden in Chile… Ehe wir uns versehen konnten neigte sich der Tag auch schon dem Abend zu und wir suchten einen ganz netten Stellplatz etwas außerhalb der Stadt auf. Dieser Befand sich im weitläufigen „Parque Chabunco“ mit vielen Bäumen, die uns Schutz vor eventuell aufziehendem Wind bieten konnten, sowie zahlreichen Grillstellen. Da meine Laune an diesem Tag nicht die aller Beste war übernahm Simon das Kochen. Irgendwie war der Tag heute anstrengend, mit den diversen Supermarktbesuchen etwas nervig und außerdem hatte ich bis auf ein super spätes Müsli-Frühstück um 13 Uhr sowie ein paar Keksen noch nichts gegessen. Unterzuckert bin ich leider wirklich unausstehlich was mir echt leid tut. Dazu noch der schlechte Schlaf, es sei mir verziehen! 🙈

An der Promenade in „Punta Arenas“
Blick hinter den Schriftzug
Der Friedhof in „Punta Arenas“ mit seinen Mausoleen

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag regnete es und als ich morgens den Rollo unserer vorderen Dachluke aufzog war dieser leider feucht. 😰 Simon montierte daraufhin die Verkleidung ab und wir konnten, glücklicherweise, weder feuchtes Dämmmaterial noch Holz entdecken. Das ist schon mal positiv wobei wir so natürlich auch nicht feststellen können, woher das Wasser kommt. So oder so werden wir vermutlich nicht darum herum kommen auch diese Dachluke neu zu verkleben. 😕 Nach dem wir gefrühstückt hatten machten wir uns auf den Weg in das ca. 250 km entfernt liegende „Puerto Natales“. Dort angekommen schauten wir uns erst einmal in dem kleinen Örtchen um. Hier herrschte eine entspannte Backpacker-Szene da der Ort als Tor in den nahegelegenen Nationalpark „Torres del Paine“ dient. Dementsprechend sah auch die Hotel-, Restaurant- und Café-Meile aus. Auch die Häuser hier, welche aus Wellblech und Holz gefertigt sind, versprühten jede Menge Charme. Hinzu kam noch die schöne Aussicht raus auf den Fjord, die vielen schwarzgehalsten Schwäne und die dahinterliegenden, zum Teil schneebedeckten Gipfel und Gletscher des Nationalparks. 😍 In einem der zahlreichen Cafés tranken wir am Nachmittag leider einen denkbar schlechten Espresso aber dafür war das Internet dort umso besser. 😅 Die Nacht verbrachten wir auf einem Parkplatz direkt am Ufer, ganz in der Nähe des Kunstwerks „El Mano“ (= die Hand). Diese sah 1:1 aus wie „die Hand im Sand“ in Punta del Este, Uruguay. Möglicherweise stammt sie von dem gleichen Künstler?! Dort wird auch der Startpunkt für unseren Ausflug in den Nationalpark sein wovon ich euch dann im kommenden Blog berichten werde. 😉

Kunstwerk „El Mano“ in „Puerto Natales“
Hier kann man schon den Nationalpark erahnen
An der Promenade in „Puerto Natales“

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.

NEW BLOG POST 🇦🇷 (23. – 27.12.2022) Ushuaia

Bereits in der Nacht setzte der vorhergesagte Regen ein und weckte uns mit leichtem Prasseln auf die Dachluke, welche den ersten Regentest glücklicherweise mit Bravour bestand, auf. Nach dem Aufstehen hatten wir im ersten Moment etwas Sorge, ob der Wiesengrund vielleicht schon zu matschig geworden sein könnte als dass wir diesen ohne uns festzufahren wieder verlassen könnten. Aber dies erwies sich als völlig unbegründet und wir gelangten ohne Schwierigkeiten zurück auf die Schotterstraße. Wir passierten erneut die „Estancia Harberton“ und fuhren entlang der roten Moore sowie der zahlreichen Flussläufe, Tothölzer und Wälder den gleichen Weg zurück den wir zuvor gekommen waren. Diesmal bot sich uns jedoch ein herrlicher Ausblick auf zum Teil verschneite Berggipfel und bereits während der Fahrt lies der Regen nach. Wieder an der Ruta N3 angelangt bogen wir diesmal nach links in Richtung „Ushuaia“ ab. Dort angelangt stoppten wir an einer Tankstelle um auf deren Parkplatz erst einmal in Ruhe zu frühstücken. Als ich das erste Spiegelei in die Pfanne schlug bemerkte ich allerdings, dass die Gasflamme plötzlich erloschen war. Nach knapp viereinhalb Monaten waren unsere fünf Kilogramm Gas wohl aufgebraucht. 😯 Als wir in der „iOverlander“ App nach der nächstgelegenen Gasstation schauten zeigte diese eine in 160 Meter Luftlinie an. Und tatsächlich: Beim Blick aus dem Seitenfenster konnten wir das Gebäude sogar sehen! Mehr Glück kann man wohl nicht haben zumal es der 23.12., also kurz vor den Feiertagen, war. 👍 So füllten wir nach dem Frühstück ohne jegliche Probleme unsere Gasflasche wieder auf, bevor wir an der Tankstelle das dortige WLAN für Weihnachtsanrufe und Grüße nutzten. Danach fuhren wir hinunter in die Stadt wo wir im Supermarkt noch ein paar Lebensmittel für die Weihnachtsfeiertage einkauften. Wir erkundigten uns im besten Restaurant der Stadt nach deren Menü-Preisen, welche uns mit 250 € pro Person (inklusive jeweils passender Weinbegleitung) dann allerdings doch zu teuer war. 🙈 Die anderen zwei in Frage kommenden Restaurants hatten um die Uhrzeit noch geschlossen so dass wir auf Spontanität am Heiligabend setzten. Wir schauten uns noch auf der relativ touristischen Einkaufsmeile um wo wir einige nett aussehende Cafés und Bäckereien entdeckten. An einem der zahlreichen Parkplätze an der Uferpromenade trafen wir mal wieder (wenn auch diesmal fast erwartet) unsere Lieblingsfranzosen welche für die Nacht jedoch in den nahegelegenen Nationalpark weiterzogen. So übernahmen wir quasi ihren Stellplatz in 1A Lage ganz zentral in „Ushuaia“. Vom Inneren unseres Vans aus konnten wir sogar dem großen Kreuzfahrtschiff „Sapphire Princess“ beim Anlegen zuschauen. Es ankerte nur wenige hundert Meter von uns entfernt und auch ein größeres Militärschiff wendete direkt vor unserer Nase. Uns beiden war bis dato gar nicht klar gewesen, dass „Ushuaia“ für uns wohl ein sehr bedeutsamer Wegpunkt auf unserer Reise darstellte. Oder war es nur die grandiose Lage der Stadt, umgeben von schneebedeckten Berggipfeln sowie Wäldern direkt am „Beagle Kanal“ welche uns derart beeindruckte und emotional mitnahm??? 🤔 Im Hinblick auf diese sehr besondere Lage zogen wir übrigens, wie schon öfters seit unserer Reise durch Argentinien, auch mal wieder parallelen zu Neuseeland. Nur dass das Reisen im Land der Kiwis eindeutig kostspieliger ist als hier. Dafür sind in Argentinien die Entfernungen größer. 🤣 Aber ansonsten vereinen tatsächlich beide Länder ALLE nur erdenklichen Landschaftsformen.

Stellplatz an der „Estancia Harberton“
Blick auf die verschneiten Berggipfel 😍
Mehr Glück kann man nicht haben 😇
Am Wendepunkt angelangt 🥹
Stellplätze in 1A Lage 👍🏻
Blick auf die (Kreuzfahrt-) Schiffe inklusive 🚢

Am Morgen von Heiligabend wurden wir von den Lautsprecherdurchsagen an Deck des Kreuzfahrtschiffs geweckt. 😮 Aber bis dahin hatten wir auf dem Parkplatz eine wirklich sehr ruhige Nacht. Nach dem wir unseren frisch aufgebrühten Kaffee getrunken hatten fuhren wir erneut an die „YPF“ Tankstelle vom Vortag zurück an welcher wir kostenfrei die heißen sowie sauberen Duschen nutzen konnten. Dort frühstückten wir auch noch im Van die Leckereien, welche ich zuvor in der Stadt bei dem wirklich tollen Café „Tante Sara“ gekauft hatte. 🥐☕ In der Hoffnung, dass die Wettervorhersage stimmen und es gegen Mittag schöner werden würde machten wir uns auf zum Parkplatz beim „Glaciar Martial“. Von dort aus führte uns ein ca. 8 km langer, sehr schön angelegter Rundweg bis an die Gletscherzunge heran. Auf dem ersten Wegstück liefen wir durch ein grünes Wäldchen, immer entlang des rauschenden Gletscherbachs. Oben angelangt bogen wir offensichtlich auf die Piste ein welche im Winter für Abfahrtski genutzt wird wie unschwer am Lift zu erkennen war. Und der Anblick dort war einfach atemberaubend: Bereits von hier konnten wir hinunter aufs stahlblaue Meer und einen Teil der Stadt blicken. Wie großartig es wohl sein muss, an einem sonnigen Wintertag die Piste hinunter zu wedeln und dabei auf die verschneite Winterlandschaft sowie die Wellen auf dem Ozean blicken zu können?! ❤ Wobei auch wir zwischenzeitlich einen sehr angenehmen Sonne-Wolken-Mix genießen durften so dass sich die Temperaturen sogar sehr frühlingshaft anfühlten. Das letzte Wegstück bis zum Gletscher gestaltete sich dann etwas anspruchsvoller und steiler, war aber immer noch gut machbar. Der Pfad endete direkt unterhalb der Gletscherzunge und von dem Berg aus hatte man eine wunderbare Sicht hinunter auf „Ushuaia“. Man konnte den Flughafen, die beiden Buchten, das Meer und auch den (Yacht-)Hafen gut sehen. Nach einer Weile wurde es dann doch frisch und so machten wir uns an den Abstieg bzw. den Rückweg zum Parkplatz. Auf der Rückfahrt in die Stadt hatten wir dann leider einen kleinen (unverschuldeten) Unfall. Wir fuhren hinter einem weißen Mittelklassewagen die Straße hinab als dieser unerwartet mitten auf der Straße anhielt weswegen auch wir stoppten. Plötzlich legte der Fahrer den Rückwärtsgang ein und fuhr, offensichtlich ohne in den Rückspiegel zu schauen, zurück. Unser Hupen kam wohl zu spät denn im selben Moment krachte er auch schon in unsere Front. 😰 Die Emotionen kochten, insbesondere auf deren Seite, erst einmal ziemlich hoch und anfangs stellten sie es so dar als wären wir auf sie drauf gefahren. Wir konnten dies allerdings, nicht zuletzt wegen unserer „dash cam“, relativ schnell widerlegen. Hier zeigte sich aber auch mal wieder mein mangelnder spanischer Wortschatz. 😕 Wir bestanden auf die Polizei aber der Fahrer rief zuerst den Eigentümer des Mietwagens an mit welchem er gerade den Unfall verursacht hatte. Dieser erschien auch kurz darauf zusammen mit einem jüngeren Mann welcher wohl hätte übersetzen sollen aber nur sehr schlecht Englisch sprach. Sie wollten unsere Versicherungsunterlagen aber wir weigerten uns, diese ohne Polizei herauszugeben. Ansonsten hätte es vielleicht mit einer Teilschuld für uns und anteiligen Reparaturkosten geendet. Unser Wagen hatte, bis auf ein paar minimale Lackschäden, zum Glück nichts weiter. Nach einigem hin und her ließ man uns dann (ohne Polizei da ihrer Schuld wohl bewusst) von dannen ziehen. 🤷‍♀️ Auf diese Aufregung hätten wir an Weihnachten gut und gerne verzichten können! Wir parkten erneut unten am Hafen und liefen von dort aus zu den beiden Restaurants, welche wir am Vortag außerhalb der Öffnungszeiten angetroffen hatten. Leider hatten beide auch über Weihnachten zu und das einzige offene Restaurant, ein asiatisch-argentinisches Büffet-Restaurant, verlangte an Heiligabend stolze 50 € pro Kopf. Der Preis erschien uns für die angebotenen Speisen keinesfalls gerechtfertigt zumal wahrscheinlich nicht einmal Simon so viel hätte Essen können. So kochten wir also doch noch „Grillwurstgulasch“ und aßen unser restliches, immer noch knuspriges Baguette vom Morgen dazu. Glücklicherweise ist es abends extrem lange hell so dass wir selbst um 22 Uhr noch bei ausreichendem Tageslicht den Weg in den Nationalpark „Tierra del Fuego“ antreten konnten. Ab 17 oder 18 Uhr ist die Einfahrt kostenfrei und so sparten wir uns in Summe immerhin schlappe 20 € Eintrittsgebühr. 😉

Wanderung zum „Glaciar Martial“
Blick von der Skipiste aufs Meer 😎
Im Hintergrund die Gletscherzunge
Ausblick auf Ushuaia vom Gipfel
Gletscherbach
Rückweg

Die erste Nacht verbrachten wir auf einem von insgesamt drei kostenfreien Campingplätzen innerhalb des Parks welcher sogar gut vor Wind geschützt war. Simon wollte gerne ausschlafen was wir dann auch taten. Bei mir führte dies allerdings dazu, dass ich total matschig und mieslaunig mit Kopfschmerzen aufwachte. Zu viel Schlaf bekommt mir einfach nicht. 🤷‍♀️ Da es bereits kurz vor Mittag war frühstückten wir ausnahmsweise direkt nach dem Aufstehen. Unweit entfernt, unten an der Küste, lag das „südlichste Postamt der Welt“ welches am ersten Weihnachtsfeiertag allerdings geschlossen hatte. Vom steinigen Strand aus hatte man bereits eine tolle Sicht auf die gegenüberliegenden, zum Teil noch mit Schnee bedeckten Berge. Hier befindet sich auch der Einstieg zum Wanderweg „Senda Costera“ welcher sich one way etwa 8 km immer entlang der Küste schlängelt. Bei herrlichstem Wetter starteten wir unsere Wanderung. Nur der heftige Wind zwang uns dazu mehrere Lagen Oberbekleidung übereinander zu tragen. 😅 Wir liefen ca. 1/3 des Weges entlang welcher unglaublich schöne Ausblicke auf die in der Sonne tanzenden kleinen Schaumkronen auf dem Meer sowie die dahinter liegenden Berge bot. Anschließend machten wir kehrt und liefen den gut angelegten Wanderpfad zwischen Küste und Wald zum Stellplatz zurück. Von dort aus fuhren wir weiter bis zum Ende der Ruta N3 welches sich innerhalb des Nationalparks befindet. Weiter südlich kommt man mit dem Auto somit nicht mehr. Hier befand sich auch ein Schild mit der Aufschrift „von hier aus noch 17.848 Kilometer bis Alaska“. Na das wird ja ein Klacks! Etwas mehr als 16k Kilometer haben wir in den vergangenen fünf Monaten ja schon hinter uns gebracht. Wobei ich befürchte, dass es nicht bei dieser Angabe bleiben wird, sondern wir am Ende nach diversen Abstechern doppelt so viele Kilometer hinter uns gebracht haben werden. 🙊 Dort machten wir erst einmal Kaffeepause bevor wir die zweite Wanderung des Tages starteten. Diese führte uns als erstes zu einer Aussichtsplattform hinaus auf den Fjord und die kleinen Schären-Inselchen in der Bucht von „Lapataia“. Hier zweigte ein Wanderpfad ab welcher uns durch einen Ulmenwald und über Wiesenpfade bis zum Ufer brachte. Entlang des Weges konnten wir wilde Orchideen sowie Johannisbeersträucher entdecken. Am Ende gelangten wir bei einer kleinen Bucht mit einem winzigen Leuchtturm an. An den Felsen wuchsen diverse Muschelarten und das Wasser war mal wieder kristallklar und zu unserer großen Überraschung nicht einmal wirklich kalt. Wir setzten uns auf die Felsen am steinigen Strand und genossen die Aussicht hinaus aufs Wasser, die Inselchen sowie die zum Teil bewaldeten Berge im Hintergrund. Auf dem Rückweg liefen wir noch ein paar Meter weiter bis zu einer Aussichtsplattform etwas oberhalb von wo aus wir noch einmal einen tollen Rundumblick über die Bucht hatten. ☺ Von diesem südlichsten Zipfel aus fuhren wir wieder ein paar Kilometer zurück bis zum zweiten Campingplatz, welcher idyllisch vom Flussarm des „Brazo Ovando“ innerhalb der „Laguna Verde“ liegt. Dort lernten wir nicht nur unsere Instagram-Bekanntschaft „CuTe around the world(coester.blog), welche uns zuvor bereits freundlicherweise sehr gute Reisetipps gegeben hatten, endlich persönlich kennen. Wir trafen hier auch auf weitere Deutsche die jeweils mit großen Expeditions-Mobilen unterwegs sind. Florian stammt irrwitziger Weise ursprünglich sogar aus Ettlingen und reist mit seiner Frau Barbara und den beiden Kindern Benedikt und Emil, beide im Kindergartenalter, in einer alten IVECO-Feuerwehr mit selbst ausgebauter Wohnkabine seit einigen Monaten durch Europa und Südamerika. Falls euch deren Reise interessieren sollte schaut gerne mal auf ihrer Homepage „Vierim4x4“ vorbei. Das andere deutsche Paar ist ebenfalls in einem mächtigen MAN mit sehr geräumigen Wohnkabinen-Aufsatz unterwegs. Wir gesellten uns mit unseren Campingstühlen noch eine Weile zu ihnen bevor wir abends seit längerem mal wieder leckere Pfannen-Pizza zubereiteten während die anderen gemeinsam grillten. 🍕🍷🍗 Nach dem Essen setzen wir uns noch einmal zu ihnen bevor es dann irgendwann zu frisch wurde und wir uns in unser warmes, kuscheliges Bettchen verzogen. Bei unserer Ankunft war der Parkplatz noch ziemlich gut gefüllt gewesen aber als die Tagesausflügler weg waren blieben nur noch wenige Übernachtungsfahrzeuge übrig. 👍

Das südlichste Postamt der Welt 💌
Unterwegs auf dem „Senda Costera“ 🏔🥾🌤
Frei laufende Pferde 🐴
Am „Río Lapataia“ (Fjord mit Schären-Inseln)
Hier wachsen sogar Muscheln 🐚
Am Mirador angelangt
Nur noch 17.848 km bis Alaska 🤣
Neue Bekannte: Die zwei LKWs und
die rote Feuerwehr 🚒 haben ebenfalls deutschsprachige Besitzer

Durch die Sonne vom Vortag war unser Innenraum am Morgen noch schön aufgeheizt so dass wir auf das Anschalten der Standheizung getrost verzichten konnten. Wir frühstückten noch gemütlich an dem weitläufigen Stellplatz und fuhren von dort aus weiter bis zum nahegelegenen Besucherzentrum „Alakush“. Dieses mutet relativ neu und modern an und beherbergt neben einem recht großen Restaurant auch einen Souvenir-Shop sowie ein Informations-Zentrum mit Erklärungen zur hiesigen Flora und Fauna. Leider gab es dort kein Internet so dass wir uns ohne vorherigen Wetter-Check auf die dort beginnende Wanderung begaben. Der Himmel war zwar wolkenverhangen aber es sah nicht wirklich nach Regen aus. Und unsere Erfahrungen der letzten Tage hatten gezeigt, dass selbst eine Regenwahrscheinlichkeit von 70% mitunter nur wenige Tropfen oder kurze Schauer bedeuten kann. Der Weg startete direkt am Besucherzentrum und führte oftmals am Ufer vom „Río Lapataia“ entlang sowie durch relativ dichten Wald. In Ufernähe entdeckten wir sogleich eine große Robbe, welche sich offensichtlich ziemlich weit vom offenen Meer entfernt hatte und allem Anschein nach den ganzen Fluss hinauf bis hierher geschwommen war. 😯 Der gut ausgetrampelte Pfad führte uns über Stock und Stein bis zur grünen chilenischen Grenze. Vom Weg aus konnte man immer wieder auf die Berge auf der anderen Uferseite blicken. Zu Beginn der Wanderung waren deren Gipfel auch noch sehr gut zu erkennen aber als wir am Ende des Weges angelangten sahen wir deutlich eine Regenfront aufziehen welche die Bergspitzen plötzlich verschwinden ließ. Wir machten kehrt und liefen die gut 5 km wieder zurück zum Parkplatz. Durch den Wald waren wir jedoch gut vor Regen geschützt zumal sowieso nur einige wenige Tropfen fielen und wir es irgendwie schafften vor der Regenfront zu bleiben. 😅 Etwas unterzuckert schauten wir uns in der Cafeteria des Besucherzentrums um, konnten aber nicht wirklich etwas Verlockendes ausmachen. So fuhren wir zurück zum Postamt und befriedigten unsere Lust nach etwas Süßem dort im Van mit Schoko-Paradies-Creme in die wir Banane und Kekse dippten. 😛 Am zweiten Weihnachtstag hatte die Poststation sogar geöffnet und wir schafften es gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss hinein. Dem Stapel an Postkarten nach zu urteilen verschicken hier ziemlich viele ihre Urlaubsgrüße. Wir hingegen ließen uns nur unsere Pässe abstempeln und sind nun stolze Besitzer eines „fin del mundo“ Eintrags. Dieser kostete uns aber auch immerhin schlappe 700 Pesos, als umgerechnet ca. 2,50 € pro Kopf. Von dort aus fuhren wir weiter zum Dritten und somit letzten Campingplatz welcher ebenfalls sehr schön, umgeben vom „Río Pipo“ in einem kleinen Tal liegt. Dort trafen wir auch wieder auf die drei anderen Gefährte inklusive ihrer deutschsprachigen Besitzer. Da es mittlerweile auf nur noch 5 Grad abgekühlt hatte warfen wir unsere Heizung an und verbrachten den Großteil des Nachmittags und abends im warmen Van. Wir arbeiteten noch eine Weile an den Laptops bevor wir unser restliches Grillwurstgulasch mit Reis aßen und anschließend ganz gemütlich im Bett noch eine Episode von „7 vs. Wild“ schauten.

Wanderung am „Río Lapataia„
Ganz schön viel Wasser 😳
Immer wieder schöne Aussichten
Zum Glück blieben wir vor der Regenfront 🌧
Jetzt haben wir es schwarz auf weiß 😜

Am nächsten Morgen war der Himmel immer noch grau und es viel sogar leichter Schneeregen weswegen die Berggipfel wieder frisch eingezuckert waren. 😍 Zum Glück funktioniert unsere Standheizung einwandfrei und im Van hatten wir es kuschelig warm. Die Nacht am „Río Pipo“ war erwartungsgemäß ruhig und so konnten wir mal wieder ganz entspannt ausschlafen. 😊 Die drei anderen Fahrzeuge mit ihren jeweils deutschsprechenden Insassen verabschiedeten sich einer nach dem anderen von uns um die Weiterreise anzutreten. Wir machten uns nach dem späten Frühstück noch auf zur naheliegenden Wasserkaskade. Der Fluss hatte ganz ordentlich Dampf drauf und bei etwas höherem Wasserstand wäre Rafting bestimmt gut möglich gewesen. Nach unserem kurzen Spaziergang verließen dann auch wir nach 3 Nächten den schönen Nationalpark. Wir hatten zuvor immer wieder Warnungen erhalten, dass „Ushuaia“ insbesondere um die Weihnachtszeit herum total überlaufen wäre. Wir können diese Aussagen glücklicherweise nicht bestätigen. Die Camper-Dichte ist hier in der Tat zwar relativ hoch aber dennoch gibt es keinerlei Stellplatzprobleme. Weder in der Stadt, welche erfreulicherweise sehr viele kostenfreie Parkmöglichkeiten für Reisemobile bietet, und innerhalb des Nationalparks schon gleich gar nicht. Selbst die Kreuzfahrttouristen stören nicht weiter. Diese werden meist mit größeren oder kleineren Reisebussen für kurze Fotostopps angekarrt. Zeit für Wanderungen oder längeres Sightseeing scheint ihnen wohl gar nicht zu bleiben. Zumindest begegneten uns während unserer Wanderungen stets nur eine Hand voll Leute. 😃 Auf dem Rückweg in die Stadt stoppten wir an einem größeren „La Anónima“ Supermarkt um noch etwas Obst und Gemüse einzukaufen. Immer noch im Nieselregen gelangten wir wieder an unserem vorherigen Stellplatz an der Uferpromenade an. Dort ergatterten wir erneut einen Platz in 1A Lage mit Blick auf nun stolze fünf Kreuzfahrtschiffe. Wir liefen in das nahegelegene, super tolle und deswegen auch stets gut besuchte Café von „Tante Sara“ wo wir es uns bei Apfel-Nuss- und Käsekuchen gut gehen ließen. 😋 Das Wetter bot sowieso kaum andere Möglichkeiten als den Rest des Tages im Warmen und vor allem Trockenen zu verbringen. Da sich über die Feiertage eine nicht zu verachtende Anzahl an Whats App- und Instagram-Nachrichten angesammelt hatte waren wir recht lange dort. 😅 Spät am Abend bereiteten wir dann noch einmal Pfannen-Pizza zu, diesmal saftig mit Thunfisch, Zwiebeln und Mais belegt. Während wir aßen konnten wir aus unserem Seitenfenster heraus auf der gegenüberliegenden Straße eine lange Warteschlange vor einem Restaurant ausmachen. Und dass trotz dem Sauwetter! 😧 So legten wir nach unserem Abendessen noch einen kleinen Verdauungsspaziergang ein um die dortige Speisekarte zu checken. Das Essen auf den Tellern sah wirklich super aus und vermutlich werden wir dort am kommenden Tage einkehren um unser Weihnachtsessen nachzuholen.

Stellplatz am „Río Pipo“
Hier sieht man gut das Totholz
Die Strömung war echt ordentlich
An der Kaskade angelangt
Wohlverdientes Seelenfutter 😋

An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die in den letzten Tagen unsere Reisekasse aufgebessert haben:

  • Unsere Eltern Harald & Doris sowie Sigrid & Norbert
  • Marius
  • Jul
  • Yvonne
  • Panna
  • Patrick
  • Biberbus

Nicht zuletzt dank euch können wir uns solch schönen Extras leisten. 😍

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.