NEW BLOG POST 🇲🇽 (01. – 05.09.2024) Casas Grandes – Agua Prieta – Nogales

Grenzdesaster vom Feinsten – Wir liefern die Vorlage für einen Kinofilm

Nachdem wir auf einer Ranch in Nuevo Casas Grandes zwei Tage damit verbracht hatten, uns für die Weiterreise vorzubereiten – inklusive dem Abschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung für die USA, die uns für 90 Tage satte 359 € kostete 😣 – fühlten wir uns gut gerüstet für den nächsten großen Schritt. Die Ranch selbst war ein echtes Paradies, wenngleich leider ein langsam aber sicher verfallendes: Neben einem riesigen Swimmingpool gab es dort auch mehrere kleine Seen, die Simon voller Elan zum Angeln nutzte – allerdings ohne Erfolg. Dafür hätten wir die Rot-, Rosé- und Weißweine der La Turbina Ranch verkosten können, denn die weitläufigen Flächen dienen nicht nur als Campingplatz sowie Eventgelände, sondern auch der Weinproduktion. 🍇

Unser Stellplatz auf der Ranch
Tolle Wohngebäude

Am Montagmorgen, mit frischen Vorräten wie Cerealien und Konserven für das angeblich teure Amerika ausgestattet, machten wir uns auf den Weg zum etwa 200 km entfernten Grenzübergang El Berrendo/Antelope Wells. Dieser kleine, unscheinbare Übergang war uns von anderen Reisenden als schnell und unkompliziert empfohlen worden – genau das, was wir uns nach den letzten Wochen voller Werkstattchaos erhofft hatten.

Aber es sollte anders kommen…

Schon bei der Ankunft sahen wir, dass es eine lange Schlange von US-amerikanischen Pick-Ups gab, die zurück in ihre Heimat wollten. Der Ausreisestempel für Mexiko war schnell erledigt: Der mexikanische Zollbeamte arbeitete einsam und alleine in einer winzigen, kaum wahrnehmbaren Backsteinhütte, während rundherum noch an neuen, modernen Gebäuden gewerkelt wurde. Dann rollten wir mit der Auto-Karawane weiter zur US-Grenze und plötzlich sahen wir uns mit einer Drive-Through-Grenze konfrontiert. Typisch Amerika! 🤣 So weit, so gut.

Drive-Through-Grenze
Da haben wir uns wohl zu früh gefreut…

Aber als wir dann schlussendlich an der Reihe waren, und die Grenzbeamtin nach unseren Pässen fragte, kam das erste Problem auf: Wir hatten keinen ESTA-Antrag gestellt.

Ich erklärte der Beamtin höflich, dass ein ESTA-Antrag unseres Wissens nach nur bei Flug- oder Schiffsreisen notwendig sei, nicht aber bei der Einreise über Land. Ihre Verwirrung darüber war groß, sie wollte sich diesbezüglich mit ihrem Vorgesetzten besprechen. Während wir warteten, parkten wir unser Wohnmobil brav an der Seite und hofften auf ein schnelles Missverständnis. Aber es sollte nicht so kommen: Sie kam nach zehn Minuten zurück und erklärte uns, dass wir ohne gültiges ESTA nicht in die USA einreisen könnten. 😮

Da standen wir nun: Mitten in der Wüste, ohne Internetempfang und somit ohne Möglichkeit, das online zu klären. Die einzige Option war, wieder 200 km zurückzufahren und einen anderen Grenzübergang zu versuchen. So machten wir uns leicht irritiert auf den Rückweg, legten eine kurze Kaffeepause ein und recherchierten erneut, als wir endlich wieder Empfang hatten. Und siehe da – sowohl die App des Auswärtigen Amtes als auch eine andere, uns sehr vertrauenswürdige Webseite bestätigten: Für die Einreise über Land brauchten wir tatsächlich kein ESTA. Mit neuem Elan fuhren wir weiter zum nächsten Übergang: Agua Prieta/Douglas in Arizona.

Dort erwartete uns der nächste Grenzschock. Vor dem beeindruckend teuren US-Grenzzaun (15 Milliarden Dollar um läppische 1.000 km der 3.000 km langen Grenze „zu schützen“) warteten Hunderte Autos, und ein unfreundlicher Grenzbeamter wies uns eine Spur zu. Als sich dann ein Auto vor uns drängelte brüllte uns der Beamte energisch an: You are blocking my way, what are you doing?! Unsere Nerven lagen schon da längst blank, aber es kam noch besser…

Der US-Amerikanische Grenzzaun „The Wall“

Als wir endlich an der Reihe waren mussten wir den Van abstellen, die Smartphones auf das Armaturenbrett legen und den Wagen verlassen. Mehrere Beamte stürmten herbei, um unseren Van gründlich zu durchsuchen – ohne dass Simon dabei sein durfte. 😯 Ich hatte ein ungutes Gefühl, als ich mich mit den Pässen ins Büro begab. Zurecht, denn dort wiederholte sich das Drama: Sie wollten wissen, warum wir keinen ESTA-Antrag hatten. Wieder erklärte ich die Situation, und wieder erntete ich nur Kopfschütteln. Hier hatten die Beamten absolut kein Verständnis dafür, dass wir vermeintlich derart unvorbereitet an ihrer Grenze erschienen waren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit in dem stark klimatisierten Wartebereich wurde ich von zwei Beamtinnen aufgerufen. Dann folgte der Schockmoment des Tages: Die Mitarbeiterinnen von Homeland Security nahmen mich mit, führten mich in eine dunkle Zelle ohne Tageslicht und filzten mich von Kopf bis Fuß. Ich musste alles ablegen: Schmuck, Schuhe, Sonnenbrille, selbst die Haarklammer. Mir wurde ganz anders und mittlerweile war ich den Tränen nahe. 😰

Simon erwartete im Anschluss, gleichfalls unvorbereitet und ahnungslos was zuvor mit mir passiert war, das gleiche Prozedere. Es folgte eine stundenlange, nervenaufreibende separate Befragung, an deren Ende man uns schließlich mitteilte, dass wir unsere Teilnahme am Visa-Waiver-Programm auf Grund unseres Verstoßes verwirkt hätten. 😲 Ohne ESTA gibt es aber kein Hereinkommen in die USA, wie wir schmerzlich lernen mussten. Uns bliebe nur noch die Option ein Visum zu beantragen, aber natürlich nicht hier an der Grenze. Völlig fertig verließen wir weit nach 19 Uhr in der Dunkelheit das Büro, kehrten über einen U-Turn zurück nach Mexiko und sahen uns direkt mit einem neuen Problem konfrontiert: Wir hatten bereits die mexikanischen Ausreisestempel im Pass, und unsere vor nicht ganz vier Monaten erteilte Aufenthaltsgenehmigung würde in acht Tagen ablaufen. Falls uns die überhaupt noch nutzen würde…

Wenigstens war die Beamtin am mexikanischen Einreiseschalter extrem freundlich und bot uns zwei Optionen an: Sieben Tage kostenloser Aufenthalt oder sechs Monate gegen Gebühr. Wir entschieden uns erst einmal für die sieben Tage in der Hoffnung, dass wir in dieser Zeit eine Lösung finden könnten. Nachdem wir auch noch den Van von einem Drogenhund durchsuchen lassen mussten (und parallel dazu neugierige Fragen der Beamten über unsere Reise, Deutschland und die hohen Flugkosten beantworten mussten), fuhren wir schließlich zurück zu der nahegelegenen Tankstelle, an der wir zuvor Kaffeepause gemacht hatten.

Ich fädle meine Schnürsenkel wieder ein,
die man mir vor dem Verhör abgenommen hatte
Auto-Durchsuchung mit Drogenspürhund in Mexiko

Dort verbrachten wir mehr schlecht als recht die Nacht, den Kopf vollgestopft mit Sorgen, Zweifeln und Selbstvorwürfen. Am nächsten Morgen versuchte ich verzweifelt, sowohl das deutsche Konsulat in Los Angeles als auch in Houston zu erreichen, aber nach stundenlangem Warten in endlosen Telefonschleifen hatte ich immer noch keinen Erfolg zu vermelden. Auch die deutsche Botschaft in Mexiko City konnte mir nicht direkt weiterhelfen, sondern verwies mich an das nächstgelegene US-Konsulat in Nogales. Nebenbei bemühte ich mich noch um eine Rückerstattung der 359 US$ für die bereits abgeschlossene Kfz-Haftpflichtversicherung.

Da wir keine andere Idee hatten, machten wir uns am nächsten Morgen auf den ca. 250 km langen Weg nach Nogales. Das US-Konsulat hatte bei unserer Ankunft natürlich längst geschlossen, weshalb wir die Nacht auf einem bewachten Parkplatz einer schicken Shopping Mall verbrachten und frustriert bei Burger King zu Abend aßen. 😔🍟🍔

Am nächsten Morgen standen wir nervös vor dem amerikanischen Konsulat und hofften auf irgendeine Lösung. Aber die Dame, die uns schließlich vor der Tür auf dem Gehweg empfing, konnte uns auch nicht weiterhelfen. In Mexiko könnten nur mexikanische Staatsbürger oder Personen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung ein US-Visum beantragen. ESTA-Fragen? Fehlanzeige. Diesbezüglich wurden wir erneut an die Grenzbeamten verwiesen, aber nach den Erfahrungen der letzten Tage wussten wir, dass das nichts bringen würde…

Also kehrten wir, völlig niedergeschlagen, zu unserem Bus zurück. Unser letzter Versuch war, trotzdem online einen ESTA-Antrag zu stellen. Obwohl uns die Grenzbeamten schon mitgeteilt hatten, dass wir dafür gesperrt seien. Aber hatten wir eine andere Wahl? Ich schickte meinen Antrag ab, kurz darauf den von Simon. 20 Minuten später kam bereits die erste Antwort: Simons Antrag war abgelehnt worden. 😭 Zu meinem gab es noch keine Rückmeldung, aber ich erwartete nichts anderes. Zumal mir selbst eine positive Antwort in dem Fall nichts mehr gebracht hätte, schließlich wollte ich ja nicht alleine in die USA reisen…

Was für ein Schlamassel! 🙈🙉🙊 Mangels Stellplatzmöglichkeiten blieb uns nur der Rückweg nach Agua Prieta, wo wir erneut eine Nacht an der Tankstelle verbrachten. Zuvor gelang es uns in Nogales jedoch noch, unsere Aufenthaltsgenehmigung für Mexiko – gegen Zahlung einer kleinen Gebühr in Höhe von 35€ pro Person – um weitere sechs Monate zu verlängern. Dies verschaffte uns zumindest genug Spielraum für die nächsten Tage, in denen es alle möglichen Optionen zu prüfen galt. Wie und ob wir die USA jemals betreten werden bleibt vorerst jedoch ungewiss… Jetzt heißt es erstmal durchatmen und weitersehen.

Falls ihr ähnliche Erfahrungen gemacht haben solltet oder irgendwelche Tipps für uns habt – immer her damit! Wir können gerade jede Aufmunterung und Anregung gebrauchen. ❤ Ein Update erhaltet ihr kommende Woche an gleicher Stelle. Hoffentlich können wir bis dahin diverse Optionen und Möglichkeiten aufzeigen. 🙏

P.S.: Laut Wikipedia ist seit dem 1. Oktober 2022 auch für die Einreise über Land ein ESTA erforderlich. Allem Anschein nach haben sie die Einreisevorschriften kurz nach unserem Start am 1. August 2022 geändert, und vermutlich hat sich meine App vom Auswärtigen Amt seither nicht mehr aktualisiert. 🤦‍♀️ Warum wir die veralteten Informationen jedoch auch auf anderen, uns vertrauenswürdig erscheinenden Seiten fanden bleibt offen. 🤷‍♀️

NEW BLOG POST 🇲🇽 (24. – 31.08.2024) Creel – Nuevo Casas Grandes

Eine schöne Wanderung und ein unvergesslicher Abend

Unsere erste Nacht am Arareco-See war mit angenehmen 14°C schön kühl. Wir schliefen bis kurz nach 9:00 Uhr, holten den fehlenden Schlaf vom Vortag nach und starteten nach einem stärkenden Frühstück gemächlich in den Tag.

Unsere morgendliche Aktivität bestand darin, den See zu Fuß zu umrunden. Die 6 km lange Strecke zog sich über etwa zwei Stunden hin, da der See eine ziemlich unförmige Gestalt hatte. Aber die Mühe lohnte sich: Immer wieder boten sich uns großartige Ausblicke auf die felsigen Landschaften, die das Gewässer umgaben. Besonders entzückend waren die Streifenhörnchen, die wir zwischen den Felsen herumspringen sahen. Zum ersten Mal auf unserer Reise trafen wir auf diese possierlichen Nagetiere. 🐿

Zu Fuß ging’s um den langgezogenen See herum

Dank der Kiefernwälder, die den Großteil des Weges beschatteten, blieb die Wanderung trotz Sonne angenehm – worüber sich offensichtlich auch die Kühe und Pferde freuten, die rund um den See grasten.

So idyllisch & einfach leben die indigenen Tarahumara

Als die Temperaturen am Abend wieder merklich sanken, zündeten wir ein kleines Lagerfeuer an das wir aus gesammelten Kiefernästen zusammenstellten. 🔥 Auch wenn die Zweige nicht besonders gut brannten so reichte es doch für ein bis zwei Stunden Lagerfeuer-Romantik aus. Während die Glut vor sich hin prasselte, hielten wir ein paar Marshmallows über die Flammen und genossen den fantastischen Sternenhimmel, der über uns funkelte. 🌟

Abenteuer im Tal der Mönche

Am Sonntag wollten wir unsere Füße nicht nur zum Spazieren, sondern auch zum Radfahren nutzen. Das Valle de los Monjes (das Tal der Mönche) lockte uns, aber der Gedanke an die 5 km über die staubige Piste ließ uns schaudern. Also schnappte sich Simon die Fahrräder und machte sich ans Werk: Die Ketten waren ziemlich festgerostet, aber mit reichlich WD40 und Geduld schaffte er es nach etwa zwei Stunden, die Drahtesel wieder fahrbereit zu machen. 🚲

Hard work 🛠️⚙️

Während Simon schraubte, bereitete ich ein kleines Frühstück vor. Gegen Mittag starteten wir dann unseren Ausritt, wenn auch eher holprig. Die Fahrräder waren etwas störrisch, aber im leichtesten Gang schoben wir uns tapfer vorwärts und erreichten das Valle de los Monjes dennoch deutlich schneller als zu Fuß. Die Landschaft glich einem Hochplateau, gesäumt von Schwarzkiefern und imposanten Felsbrocken. Die gigantischen Felsen am Ende des Tals schienen aus einer anderen Welt zu stammen. Vielleicht sind sie die Mönche, nach denen das Tal benannt ist? Oder aber sie erinnern an christliche Mönche vergangener Zeiten, die hier während ihrer Missionsarbeit ihre Spuren hinterlassen haben.

Geschafft! 😀
Valle de los Monjes
Leider meldete sich hier mein Heuschnupfen 🤧

Nachdem wir uns ein wenig durch die beeindruckende Felslandschaft bewegt hatten, wurde es uns in der heißen Sonne schnell zu viel. Also schwangen wir uns zurück auf die Fahrräder und radelten zurück zum Van. Dort wurden wir von neuen Freunden begrüßt: Einer Reihe von Hunden, die unsere Gesellschaft – oder doch nur etwas Essbares?! – suchten. 🐶🍖

Die wahre Herausforderung kam jedoch in Form von Kindern der Indigenen Familien, die regelmäßig an unserem Wohnmobil vorbeikamen und selbstgebastelte Dinge verkaufen wollten. Da wir weder Platz noch Verwendung für den Kram hatten, versorgte ich die Kinder stattdessen mit Lollis. 🍭 Das Ergebnis? Immer mehr Kinder, mit schmutzigen Gesichtern und laufenden Nasen, kamen im Laufe des Tages bei uns vorbei, was wir nur mit einem Lächeln hinnehmen konnte. Schließlich waren die Lollis ja genau für solche Momente gedacht. 😅

Barranca del Cobre – Ein Canyon viermal so groß wie der Grand Canyon

Mit einem frisch gebackenen, noch lauwarmen Apfelkuchen im Gepäck verließen wir am Montagvormittag unseren idyllischen Stellplatz am See. Der Tag versprach Abwechslung pur, und es ging weiter zum Barranca del Cobre, dem mächtigen Kupfer Canyon.

Die Fahrt führte uns erneut über ein Hochplateau voller Kiefernwälder: Eine Landschaft, die wir eher in Kanada als in Mexiko erwartet hätten. Bei unserem Eintreffen in Divisadero, dem Tor zum Canyon, hatten wir keinerlei Schwierigkeiten auf dem weitläufigen Parkplatz einen Stellplatz für unseren Van zu finden. Es war bereits gegen 15:00 Uhr, als wir uns eine heiße Tasse Kaffee und ein Stück meines wirklich sehr leckeren Apfelkuchens gönnten. ☕🍰

Während wir genüsslich den Kuchen verspeisten zogen plötzlich bedrohlich schwarze Wolken am Himmel auf und der Donner hallte doppelt so laut durch den Canyon wie gewöhnlich. Wir entschieden, unseren geplanten Spaziergang entlang des Canyon-Randes daher lieber auf den kommenden Tag zu verschieben. 🌩🌧️

Trotz der ungemütlichen Wetterbedingungen bot unser Seitenfenster einen atemberaubenden Blick über und in den tiefen Canyon – eine Aussicht, die in einem Hotelzimmer mit ähnlicher Kulisse wahrscheinlich mindestens 350 US$ pro Nacht gekostet hätte. Wir hingegen konnten diesen grandiosen Ausblick völlig kostenfrei genießen. 😇

Grandioser Stellplatz
Mit fantastischer Aussicht
Der Weg hierher hat sich gelohnt

Als der Regen nachließ, nahm Simon unseren neuen vierbeinigen Begleiter, den wir spontan Trüffel nannten, mit auf einen kleinen Spaziergang durch den Wald. Die Einheimischen hatten uns nämlich erzählt, dass die Pilzsaison begonnen hatte. Und tatsächlich kehrte Simon kurz darauf mit einer kleinen Handvoll Pfifferlinge zurück – ein kleiner, aber feiner Erfolg. 😋

Unser neuer Hund: Trüffel

Ein beeindruckender Tag im Kupfer Canyon

Der Montagmorgen begann für mich früh denn ich wollte mir den Sonnenaufgang über dem Kupfer Canyon, der seinen Namen übrigens von den Kupferminen in der Umgebung hat, nicht entgehen lassen. 🌄 Um 06:00 Uhr, als sich der erste orangefarbene Lichtstreif am Horizont zeigte, stand ich auf. Leider entpuppte sich der Sonnenaufgang als eher unspektakulär, besonders im Vergleich zu den beeindruckenden Sonnenuntergängen, die wir schon erleben durften. Vielleicht lag es auch an den dunklen Wolken, die noch immer am Himmel hingen.

Sonnenaufgang über dem Kupfer Canyon 🌅
Trüffel erwacht auch & hat gut auf uns aufgepasst

Gegen 10:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Canyon. Der Himmel riss auf, und die Sonne tauchte die tiefen Schluchten in sanftes Licht. ⛅ Hier in Divisadero, wo vier Canyons aufeinandertreffen, fallen die Steilwände bis zu 1.600 Meter tief ab. Kaum vorstellbar, dass am Fuße des Canyons noch immer Menschen vom Stamm derTarahumara leben, die als Selbstversorger ihren Alltag bestreiten. Aber auch Narcos nutzen die Abgeschiedenheit des Canyons, um Marihuana und Mohn anzubauen. 🌿

Auf dem Weg bleiben ist ratsam!
Es geht überall steil in die Tiefe

Mit unserem Van (ohne 4×4) hätten wir den Canyon nicht durchqueren können, doch schon alleine die Aussichten vom Rand waren atemberaubend schön. Mindestens genauso schön wäre sicherlich eine Fahrt mit dem El Chepe Train gewesen, die als eine der schönsten Zugfahrten des Landes gilt. Der Zug fährt von Los Mochis an der Pazifikküste durch abwechslungsreiche Landschaften bis nach Creel, von 0 auf beeindruckende 2.250 Meter Höhe. Dies ist auch die einzige Region Mexikos, in der es im Winter zu Eis und Schnee kommen kann. ❄🌨

Die Zugfahrt wäre sicher auch toll gewesen 🚂

Am Mittag machten wir uns auf den Rückweg in die Großstadt Cuauhtémoc, vorbei an Creel, der Endstation des El Chepe Train. Kaum hatten wir uns wieder auf den Weg durch die von Holzwirtschaft und die Anwesenheit der Tarahumara geprägte Landschaft gemacht, zog der Himmel erneut zu und dicke Tropfen begannen vom Himmel zu fallen. 💧 Es gelang uns gerade noch rechtzeitig die nötigen organisatorischen Dinge, wie beispielsweise Brauchwasser auffüllen und das Port-A-Potti leeren, zu erledigen.

Zu Besuch in der Mennoniten-Stadt Cuauhtémoc

Ähnlich wie viele andere größere Städte im Norden Mexikos machte auch Cuauhtémoc auf uns einen sehr modernen, schicken und nicht gerade armen Eindruck. Nachdem wir eine ruhige Nacht auf dem großen Parkplatz der riesigen Shopping Plaza verbracht hatten, wechselten wir am nächsten Morgen auf einen Truck-Stopp in der Nähe. Wir begannen den Tag mit einer wohltuenden, heißen Dusche und nutzten das gute Internet, um unsere Reiseroute durch die USA zu planen. Die LKW-Motoren dröhnten zwar laut im Hintergrund, doch die schattigen Sitzgelegenheiten und das annehmbare WLAN machten den Aufenthalt erträglich.

Am nächsten Morgen brachen wir auf zu einer etwa 25 km entfernt gelegenen Autowerkstatt. Hier wollten wir einen letzten Ölwechsel vor unserem Grenzübertritt durchführen lassen. Wir fuhren an mehreren Mennoniten Siedlungen vorbei, die mit ihrer Ordnung und dem klar strukturierten Layout beeindruckten. Die Mennoniten, die hier leben, stammen ursprünglich aus Europa und sprechen noch heute einen alten friesischen Dialekt: Niederdeutsch oder Plattdeutsch. Ihre Gemeinschaft in Mexiko ist bekannt für ihre ausgeprägte religiöse und kulturelle Identität.

In der Werkstatt wurden wir von Jakob begrüßt, einem blonden und blauäugigen Mennoniten aus Bolivien, der vor einiger Zeit mit seinen drei Kindern hierhergezogen war. Leider hat er seine Frau vor einem Jahr durch Krebs verloren, und ihre Krebsbehandlung hatte alle Ersparnisse der Familie aufgebraucht was uns sehr mitnahm. Jakob wollte mit seinen Liebsten eigentlich nach Kanada auswandern, doch die tragischen Umstände machten es erforderlich, in Cuauhtémoc zu bleiben. Die Werkstatt war blitzsauber und Jakob ließ uns dort sogar vertrauensvoll alleine zurück, während er seine Kinder von der Schule abholte und ein warmes Mittagessen für sie zubereitete.

In dieser Zeit wechselte Simon schon einmal den Diesel- und Innenraumfilter und zog unsere hinteren Stoßdämpfer fest. Als Jakob zurückkam gab es einen echten Überraschungsmoment: Er sprach fließend Hochdeutsch! Wobei innerhalb der Familien hier der alte, friesische Dialekt gesprochen wird, welcher in Europa fast ausgestorben ist. Welch faszinierende Überraschung! Wer hätte das in Mexiko erwartet…

Simon wechselt den Diesel- & Luftfilter…
…während das alte Öl abgelassen wird

Für den gesamten Service bezahlten wir, inklusive 10l Motoröl und Filterwechsel, etwa 120 €. Und trotz der Tatsache, dass Simon den Großteil der Arbeit selbst erledigt hatte, ließen wir Jakob das Doppelte seines mageren Honorars von gerade einmal 10€ zukommen. Der arme Kerl tat uns schlichtweg furchtbar leid. 😥 Nach dem herzlichen Abschied hinterließen wir noch eine positive Bewertung auf Google Maps und trugen die Werkstatt in die iOverlander-App ein. Vielleicht verirrt sich auf diesem Wege noch die ein oder andere Kundschaft mehr zu ihm.

Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als wir uns auf den Weg nach Nuevo Casas Grandes machten.

Vorerst letzte Fahretappe in Mexiko

Dort angekommen, durchstreiften wir das unspektakuläre, aber charmante Pueblo Mágico und suchten nach einem Abendessen. Ein älterer Herr auf der Plaza wies uns auf die gegenüberliegende Eisdiele hin und wir wurden nicht enttäuscht: Für nur 1,50 € gab es dort leckere Burritos und zum Nachtisch noch ein hausgemachtes Eis. Der perfekte Abschluss für einen mal wieder ereignisreichen Tag. 🌮🍦🚐

Die Nacht verbrachten wir an der ruhigen Plaza

Paquimé: Ein gelungener Abschied von Mexiko

Der nächste Morgen in Nuevo Casas Grandes begann mit einer Überraschung. Dank Google erfuhren wir, warum dieses unscheinbare Pueblo als Magisches Dorf gilt: Es liegt nur einen Kilometer entfernt von der beeindruckenden archäologischen Stätte Paquimé. Seit 1998 gehört Paquimé zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist bekannt für seine faszinierenden Ruinen der präkolumbischen Kultur.

Wir entschieden die Stätte am Vormittag zu erkunden, bevor die Wüstensonne unerträglich wurde. Zu unserer Verwunderung wurden die 95 Pesos Eintritt, die wir erwartet hatten, nicht verlangt. Stattdessen mussten wir uns nur registrieren und ins Gästebuch eintragen. Danach schlenderten wir über das weitläufige Außenareal, das sehr gut mit zweisprachigen Infotafeln auf Spanisch und Englisch bestückt war.

Adobe-Bauten in der Wüsten

Paquimé bot eine beeindruckende Mischung aus kulturellen Stätten, Opferplätzen und einem traditionellen Ballspielplatz aus Stein. Die Adobe (Lehm-) Bauten erinnerten uns stark an die ähnlichen Chan-Chan Ruinen, die wir in Peru erkundet hatten. Die Lehmgebäude hier waren zum Teil dreistöckig und boten Raum zum Leben, Schlafen und Arbeiten. Die bemerkenswerte Fähigkeit dieses Volkes, unter den extremen Bedingungen der Wüste zu überleben und zu gedeihen, zeigte sich besonders in der Zucht der kostbaren roten Ara. Deren Federn wurden als wertvolle Handelsware genutzt, da sie eigentlich aus dem fernen Süden Mexikos stammten. Den Menschen von Paquimé gelang es trotz alle Widrigkeiten die seltenen Vögel, die eigentlich aus feuchtwarmen Tropenregionen stammen, hier erfolgreich zu züchten. 🦜

Ein kleines, aber feines Museum rundete unseren Besuch ab. Hier bewunderten wir unter anderem prächtig bemalte Keramikgegenstände, die die kunstvolle Handwerkskunst der ehemaligen Bewohner veranschaulichten. Die Stätte bot einen faszinierenden Einblick in eine Kultur, über deren Niedergang (wie so oft) leider wenig bekannt ist.

Welch unerwartet schönes Ende für unseren ersten Mexikoaufenthalt! 😊 Wir planen, Ende des Jahres noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, um die Wintermonate auf der Halbinsel Baja California zu verbringen. 🏝🌊🐳

Jetzt zieht es uns aber erst einmal weiter in den Südwesten der Vereinigten Staaten und wir sind gespannt, was das Land alles für uns bereithalten wird. Die Vorfreude ist groß wie selten und wir sind gespannt, ob unsere Erwartungen erfüllt oder gar noch übertroffen werden. Einen ersten Eindruck von den USA werde ich dann sicherlich schon im nächsten Beitrag vermitteln können – also bleib dran und schau nächste Woche wieder hier vorbei. 😉

NEW BLOG POST 🇲🇽 (18. – 23.08.2024) Durango – Creel

Moskito-Invasion in Durango

Da wir Durango erst am späten Nachmittag erreichten, entschieden wir uns mal wieder für eine Nacht auf dem Walmart Parkplatz. Nach einem kurzen Abstecher in den Laden waren unsere Vorräte wieder bestens gefüllt und wir machten es uns gemütlich – bis ein mächtiger Gewitterschauer losbrach. 🌩️

Als es endlich aufhörte zu regnen, öffneten wir Türen und Fenster um die frische, abgekühlte Luft hereinzulassen. Das war der Moment, in dem ich einen folgenschweren Fehler beging: Ich vergaß, die Fliegengitter zu schließen! Und was folgte? Eine Invasion von Moskitos, die anscheinend nur auf diesen Moment gewartet hatten… 🦟

Das geplante Abendessen musste daher erst einmal verschoben werden – zuerst stand eine Moskito-Jagd auf dem Programm. Bewaffnet mit allem, was sich zum Erschlagen der Biester als nützlich erwies, verbrachten wir eine gute Weile damit, die Plagegeister aus unserem Van zu vertreiben. Am Ende waren wir erfolgreich, aber das war wohl eine der unappetitlichsten Vorspeisen, die wir je hatten. 🙊

Trotz allem hatten wir später eine erstaunlich ruhige Nacht, ohne Schnakenstiche! Und auch der Sonntagmorgen startete gemächlich, denn die Bevölkerung schien am Wochenende nicht ganz so früh zum Einkaufen zu stürmen wie unter der Woche. Eine kleine Belohnung für den überstandenen Kampf, würde ich sagen. 😅

Eindrücke aus einem mexikanischen Freibad und einer Arztpraxis

Nachdem wir die Nacht relativ ruhig auf dem Walmart-Parkplatz verbracht hatten entschieden wir uns am nächsten Vormittag dennoch, den Stellplatz zu wechseln. Unser Ziel: das Balneario San Juan, ein Freizeit- und Thermalbad etwas außerhalb des Stadtzentrums. An einem sonnigen Tag wie diesem war es natürlich gut besucht, vor allem von mexikanischen Großfamilien. 👨‍👩‍👧‍👦

RV-Park & Freizeitbad in einem
Montag morgens noch schön leer

Hier fiel uns wieder einmal auf, dass drei Kinder in Mexiko eher die Regel als die Ausnahme sind. Familie hat in ganz Lateinamerika einen anderen Stellenwert als bei uns. Das zeigt sich auch in den Gesprächen, die wir unterwegs immer mal wieder führten. Unser kinderloser Lebensstil sorgt regelmäßig für Unverständnis. Andererseits können wir selbst nur den Kopf schütteln, wenn wir die Hektik und das Chaos der Großfamilien beobachten. Klar, der Zusammenhalt ist sicherlich schön, aber auf Dauer auch anstrengend, oder?! 😵

Wir zogen uns deshalb zum Arbeiten in den Van zurück und verschoben das Badevergnügen auf den nächsten Morgen. Als dann der Trubel vorbei war, konnten wir die Thermalbecken in aller Ruhe genießen. Der Ort war auch die perfekte Gelegenheit, um endlich mal wieder ein knuspriges Roggensauerteigbrot zu backen – ein Stück Heimat in der Ferne. 🍞😊

Und da ich leider seit Monaten massive Probleme mit meiner Kopfhaut habe, und alle Selbstmedikationsversuche gescheitert sind, beschloss ich einen Hautarzt in der Stadt zu konsultieren. Da ich erst für den kommenden Abend einen Termin erhielt, verbrachten wir den Dienstag auch noch größtenteils auf dem angrenzenden RV-Park des Freizeitbads. So konnten wir am Morgen noch einmal die wohltuenden Thermalbecken und das Schwimmbecken für eine kleine Sporteinheit nutzen. 🏊‍♀️

Am späten Nachmittag erledigten wir unsere Einkäufe, bevor ich mich um 19:45 Uhr auf den Weg zum Arzt machte. Die Praxis überraschte mich: Es gab weder eine Empfangsdame noch ein separates Wartezimmer. Stattdessen stand ich direkt im Büro des Arztes, der sich als derselbe Mann entpuppte, mit dem ich am Vorabend telefoniert und den Termin vereinbart hatte. Er empfing mich an einem schweren, antiken Holzschreibtisch und nahm sich viel Zeit für das Anamnese-Gespräch. 👨‍⚕️

Die Diagnose war ein Ekzem: Nichts Ernstes, aber dennoch lästig. Zum Glück gibt es gängige Behandlungsmethoden und der Arzt verschrieb mir zwei Medikamente zum Einnehmen sowie ein spezielles Shampoo. Ich hoffe, dass die Mittel schnell wirken werden und meine gereizte Kopfhaut bald Ruhe geben wird.

Hoffentlich hilft es 🙏

Bis wir nach dem Arztbesuch noch die Medikamente in der Apotheke besorgt hatten, war es bereits weit nach 21:00 Uhr. Da lag es nahe, aus praktischen Gründen noch einmal eine Nacht auf dem Walmart Parkplatz zu verbringen. 😅

Wüstenabenteuer und Ölkatastrophen: Ein turbulenter Tag auf der Straße

Am nächsten Vormittag starteten wir in einen langen Fahrtag. Die 400 km lange Strecke von Durango über Torreón in Richtung Jiménez führte uns überraschenderweise von der üppig grünen Savanne des Hochlands auf etwa 2.300 m hinab in karge Steppen auf nur noch knapp 1.100 m über Meeresniveau. Die Temperaturen veränderten sich entsprechend schnell und wurden deutlich unangenehmer: Während wir die letzten Wochen in der Sierra Madre meist angenehme 27° genossen hatten, kletterte das Thermometer nun schlagartig wieder auf schweißtreibende 37° im Schatten. 🥵

Staubige Windhosen fegten immer wieder über die dürre Landschaft hinweg und nach einer ersten Etappe von 200 km auf der kostenpflichtigen Autobahn, für die wir satte 32 € Gebühr berappen mussten, entschieden wir die verbleibenden 120 km auf der parallel zur Autobahn verlaufenden, kostenfreien Landstraße zu fahren. Unterwegs hielten wir noch kurz an einer Tankstelle. Da das EC-Gerät der Tankstelle defekt war und wir den Diesel nur in bar zahlen konnten, mussten wir anschließend einen Geldautomaten suchen – schließlich wollten wir das nächste Mal nicht ohne Bargeld vor einer Mautschranke stehen. 💸

Die Autobahnen sind top – aber auch teuer
Die Landstraßen sind kostenfrei – aber schlechter

Gegen 17:00 Uhr, nach rund sechs Stunden reiner Fahrzeit und hunderten Schmetterlingen, die in unserem Kühlergrill leider ihr tragisches Ende fanden, erreichten wir unser Tagesziel: Von der Schnellstraße aus führte ein 10 km langer Schotterweg schnurgerade hinein in die karge, staubige Wüste. 🌵 Dort, wo sich einst eine Hacienda erstreckte, sahen wir nur noch die Ruinenreste und die Fassade. Doch das wahre Highlight verbarg sich hinter der Hacienda los Remedios: eine natürliche Thermalquelle. 💧

Kein schöner Anblick 😕🦋
Staubpiste zur Hacienda
Seit langem mal wieder in der Wüste 🏜️

Bei unserer Ankunft tummelte sich bereits eine mexikanische Großfamilie samt Kindern, Cousins und Cousinen, im wohltemperierten Wasser. Nachdem wir unseren Van geparkt hatten fiel mir beim Nivellieren mit großem Schrecken auf, dass unser Hecktritt nass war. Wie konnte das sein? Regen hatte es in den letzten Tagen kaum gegeben… Verbarg sich dahinter gar ein leckender Wasserboiler? 😨

Wir klappten die Heckkisten um, öffneten den Kofferraum und entdeckten die Ursache des Malheurs: Der Ölkanister mit dem restlichen Motoröl war ausgelaufen! 🙈 Also hieß es erst einmal, alle IKEA-SAMLA Kunststoffboxen aus dem Kofferraum zu hieven und das schmierige Motoröl so gut wie möglich zu entfernen. Nach dieser unfreiwilligen Putzaktion begaben wir uns schließlich ins wohlverdiente, entspannende Badebecken. In der langsam untergehenden Sonne genossen wir den Blick über die staubig trockene Landschaft auf die kahlen Bergrücken in der Ferne und ließen den langen Fahrtag noch einmal Revue passieren. 🌄

Kein schlechter Platz

Thermalhöhlen und neue Reisebekanntschaften: Ein Tag voller Überraschungen

Der folgende Morgen begann mit einem echten Highlight: Einem wohltuend warmen Bad in der natürlichen Thermalhöhle, die sich auf dem weitläufigen Grundstück im Nirgendwo befand. Diese Höhle erinnerte an ein römisches Bad, bei dem das warme Wasser förmlich von der Felsendecke herabschoss. 🛁 Ursprünglich von Spanischen Konquistadoren im Jahr 1306 gegründet und gebaut, wurde die Hacienda Los Remedios 1944 enteignet und ist seitdem für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wow! Ein Thermalbad-Höhle in der Wüste
So könnte ruhig jeder Morgen anfangen

Nachdem wir uns in der entspannenden Höhle erholt hatten, machten wir uns auf den Weg zurück zur Autobahn und warfen noch einen Blick in die Ruine der Hacienda. Auch wenn nur noch die Überreste standen konnte man sich lebhaft vorstellen, wie luxuriös die Hausherren hier einst wohl gelebt haben. 🏰

Die Hacienda los Remedios

Unsere Reise führte uns weiter nach Chihuahua Stadt, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Während der Fahrt passierten wir endlose Pekannuss- und Chiliplantagen. Auf letzteren ernteten zahlreiche Arbeiter, in gebückter Haltung, gerade die scharfen Früchte ab. Hoffentlich trugen sie dabei Handschuhe! 🔥🌶️

So sehen Pekanuss-Früchte aus

Auf dem Weg hielten wir an einem weitläufigen, aber künstlich angelegten Thermalbad an, welches in iOverlander als schöner Stellplatz beschrieben wurde. Die 15 € pro Person für den Tageseintritt samt Camping wollten wir jedoch nicht bezahlen. Hauptsächlich, weil wir in den letzten Tagen bereits zweimal an Thermen genächtigt hatten. Deshalb entschieden wir uns spontan für die direkte Weiterfahrt nach Chihuahua. Hier kommen übrigens auch die kleinen gleichnamigen Handtaschenhündchen her. 🐕👜

Am Nachmittag erreichten wir dort einen Walmart. Als wir gerade dabei waren, rückwärts in eine Parklücke einzuparken, kam uns ein weißer Toyota Land Cruiser entgegen. Der Fahrer, der uns freudig zuwinkte, parkte direkt neben uns und stellte sich als Timon vor. Ein etwa gleichaltriger Schweizer aus der wunderschönen Bodenseeregion. 🇨🇭

Eigentlich wollten wir nur unsere Wäsche in der Self-Service-Laundry erledigen, doch die unerwartet nette Begegnung führte dazu dass wir alle beschlossen, die Nacht direkt dort zu verbringen.

Die Wäsche erledigten wir aber auch noch 🧺

Mit unseren Campingstühlen setzten wir uns zwischen die beiden Autos und kamen schnell ins Gespräch. Simon bereitete am Abend Tacos zu, die wir uns nach Lust und Laune mit den bereitstehenden Zutaten füllen und während unseren Unterhaltungen genüsslich verspeisen konnten. 🌮

Hätte mir vor vier Jahren jemand gesagt, dass ich auf einem Supermarktparkplatz zu Abend essen und mich stundenlang nett unterhalten würde, hätte ich ihn vermutlich für verrückt erklärt. 🤣 Je weiter der Abend voranschritt, desto müder wurde ich. Als wir um 1:25 Uhr schließlich zu Bett gingen war klar warum: Wir hatten gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit verflogen war! Welch unerwartet netter Abend❣

Spontaner Abstecher zum Kupfer Canyon

Als Simon und ich am nächsten Morgen erwachten, war Timon schon längst auf dem Weg zur Grenze in die Vereinigten Staaten von Amerika. Nachdem auch er uns am Vorabend von den atemberaubenden Landschaften des Kupfer Canyon vorgeschwärmt hatte, und da uns noch rund acht Tage bis zu unserem eigenen Grenzübertritt blieben, beschlossen wir spontan einen 200 km langen Abstecher über Cuauhtémoc bis nach Creel zu machen. Die Entscheidung fiel uns leicht: Da wir so spät zu Bett gegangen waren verließen wir den Walmart Parkplatz erst gegen Mittag, nach einem gemütlichen Frühstück. 🕛🍳

Die Fahrt führte uns durch eine immer beeindruckender werdende Landschaft. Und auch die Temperaturen wurden, bedingt durch die höhere Lage, deutlich angenehmer. Die Gegend erinnerte uns stark an unsere Heimat oder an voralpine Regionen. 🌲⛰🐄 Die Umgebung um Cuauhtémoc wurde stark von Mennoniten geprägt, die einen altfriesischen Dialekt bewahrt und es geschafft haben, die eigentlich karge Landschaft in eine extrem fruchtbare Region zu verwandeln. Besonders bemerkenswert sind die Apfelplantagen, die hier wunderbar gedeihen. 🍏 Wir genossen die Fahrt durch herrliche Kiefernwälder und saftig grüne Wiesen, auf denen Kühe grasten.

Die Landschaft sah rein gar nicht nach Mexiko aus
Sogar Walderdbeeren wuchsen hier 🍓

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unser Ziel und schnell wurde klar, dass unsere spontane Entscheidung genau richtig gewesen war: Am Arareco-See fanden wir, für gerade einmal 50 Pesos pro Person (etwa 2,50 €), einen fantastischen Stellplatz. Dieser lag direkt am See, inmitten eines riesigen Areals voller Kiefernbäume. So endete unser Tag inmitten der Natur, umgeben von der erfrischenden Kühle und dem friedlichen Anblick des Sees. 🤩

Mehr von hier im nächsten Blog 🤭

NEW BLOG POST 🇲🇽 (08. – 17.08.2024) Aguascalientes – NP Sierra de Órganos

Von Werkstätten und Truck Stopps – Ein Tag voller Höhen und Tiefen

Frisch geduscht und nach dem Genuss von selbst gebackenen, fluffigen Sauerteig-Vollkorn-Pancakes, machten wir uns am Donnerstag wie vereinbart gegen 11:00 Uhr auf den Weg zur Werkstatt. Diese war glücklicherweise nur einen Katzensprung von unserem strategisch gut gelegenen, aber sehr lauten Truck Stopp an der Autobahn entfernt. 🚛🍽️

Bye Bye Truck Stopp 👋🏻
Sauerteig-Vollkorn-Pancakes 🥞

Das neu angefertigte Handbremsseil machte einen soliden Eindruck und der Mechaniker begann zügig mit der Montage. Doch schon bald stellte sich heraus, dass das Teil nicht ganz passte und wir sahen uns schon wieder übers Wochenende auf dem Truck Stopp festsitzen… 😟🔧

Da ist das teure Teil… 👆🏻

Glücklicherweise gelang es dem Mechaniker, mit etwas Geschick und der Flex, das Teil doch noch anzupassen und das Handbremsseil konnte schließlich eingebaut werden.

Die Montage ging fix 👍🏻

Gerade als wir die Werkstatt verlassen und davonfahren wollten fiel Simon Gott sei Dank noch auf, dass die Handbremse keinen Warnton von sich gab wie es normalerweise der Fall ist, wenn man versehentlich mit angezogener Handbremse losfährt. 🚐💨 Also rief ich den Mechaniker erneut zu uns, schilderte das Problem und bat um dessen Behebung. Zuerst wollte er es sich einfach machen und schlug vor, die Funktion einfach zu deaktivieren damit die Warnleuchte im Kontroll-Display nicht mehr erscheint. 🤦‍♀️ Damit waren wir jedoch nicht einverstanden. Schließlich ist die akustische Warnfunktion eine wichtige Hilfe. Wir bestanden auf eine Lösung – und keine 10 Minuten später hatte er den Fehler behoben! Das bestätigte uns wieder einmal wie wichtig es ist, bei Werkstattarbeiten dabei zu sein, den Mechanikern über die Schulter zu blicken und am Ende alle Arbeiten sorgfältig zu kontrollieren. Wäre uns der Defekt erst viele hundert Kilometer später aufgefallen, hätten wir ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut. 🙄

Mit etwas Mühe ging’s dann doch… 🙄

Nach dem Dank an den Mechaniker machten wir uns auf den Weg von Guadalajara zurück nach Tepatitlán, um noch einige to dos auf unserer Liste abzuarbeiten. 🗒

Unter anderem mussten wir Brauch- und Trinkwasser auffüllen. Dabei fiel uns auf, dass unser frisch geschweißter Wassertank nun an anderer Stelle zu lecken schien – aber damit wollten wir uns momentan wirklich nicht mehr beschäftigen. 🙈 Stattdessen fuhren wir zum Supermarkt, füllten unsere Lebensmittelvorräte auf und machten uns nach einer kleinen Stärkung auf den Weg in Richtung Aguascalientes.

Einkaufsstopp 🛒

Da der Tag jedoch schon deutlich weiter fortgeschritten war als geplant, erreichten wir unser Ziel an diesem Tag nicht mehr. Notgedrungen stoppten wir für die Nacht an einer Tankstelle direkt neben der Autobahn. Die derzeitigen Stellplätze sind zwar kostenfrei und sicher, aber sie sind alles andere als schön und vor allem sehr laut, was das Reisen momentan wirklich anstrengend macht. 🛣

Mal wieder eine Nacht an der Autobahn 😅

Ein Magen-Darm-Infekt und die Rückkehr zur Natur

Zu allem Überfluss ereilte mich am späten Abend auch noch ein kleiner Magen-Darm-Infekt, der mich nachts mehrmals auf die kostenpflichtige Toilette der Raststätte zwang. 😫 Glücklicherweise besserte sich mein Zustand im Laufe des Vormittags, sodass wir unsere Reise am frühen Nachmittag fortsetzen konnten. Wie heißt es doch so schön: Auf Regen folgt immer Sonnenschein. 🌧🌈☀

Nach dem wir in den letzten Wochen sehr viel Zeit in Städten verbracht hatten, fanden wir schlussendlich doch noch einen traumhaft schönen Stellplatz inmitten der Natur – eine willkommene Abwechslung nach den letzten Tagen. Der kleine Stausee war umgeben von mehreren Palapas: Überdachten Sitzgelegenheiten, die an diesem Freitag schon zahlreich von Einheimischen genutzt wurden. Diese hatten sich gut mit Zelten, Grills und Kühlboxen ausgerüstet und schienen ein Wochenende mit Freunden und Familie am See zu planen. 🏕️

Dank unserer Markise konnten wir auf eine schattenspendende Palapa verzichten. Stattdessen parkten wir unseren Van etwas abseits vom Trubel auf der grünen Wiese. Von dort aus genossen wir einen tollen Blick aufs Wasser und die beeindruckenden Felsen.

Hier ist’s doch gleich viel schöner 😃

Als Highlight des Tages kamen immer wieder größere Gruppen freilaufender Pferde, samt süßer Fohlen, an unserem Bus vorbei während sie zum Wasser trotteten. Diese Szenerie erinnerte uns unweigerlich an einen ähnlich malerischen Stellplatz, den wir relativ zu Beginn unserer Reise in Argentinien erlebt hatten. 🐎🐄

Ein langes Wochenende am See: Ruhe und Entspannung pur

Unsere erste Nacht am See war ein Traum: Die angenehme Frische der Nacht, unterbrochen nur vom sanften Rauschen des Windes und dem fröhlichen Zwitschern der Vögel am Morgen, war eine willkommene Abwechslung zu den letzten, deutlich lauteren Übernachtungsplätzen. Eine wahre Wohltat! 🌙😀

Da wir uns lange nach so viel Natur gesehnt hatten und nicht wussten, wann wir wieder einen solch schönen Stellplatz finden würden, entschieden wir es den Mexikanern gleichzutun: Wir verbrachten das gesamte Wochenende, einschließlich Montag, am See.

Unsere Tage waren gefüllt mit Laptop-Arbeit, Spaziergängen um die Wasserfläche und dem Beobachten des bunten Treibens um uns herum. Die Mexikaner hielten sich, was laute Musik und überdimensionierte Boom-Boxen anging, erfreulicherweise zurück was uns sehr gefiel. Im Vergleich zu den Kolumbianern, die oft eine eher laute Art der Unterhaltung bevorzugen, waren die Mexikaner angenehm zivilisiert. Trotz der vielen größeren Gruppen, die sich rund um den See versammelt hatten, blieb es sowohl tagsüber als auch nachts bemerkenswert ruhig. 🔇👍

Ein traumhafter Stellplatz

Solche Momente der Ruhe sind selten und kostbar, und wir genossen sie in vollen Zügen. Der Blick auf den See und die sensationellen Felsformationen bildeten die perfekte Kulisse für ein paar erholsame Tage. Ein Wochenende wie dieses zeigt uns immer wieder wie wertvoll es ist, solche Oasen zu finden und dann vor allem auch zu genießen. 😊

Zwischenstopp in Aguascalientes

Am Dienstag machten wir uns dann auf den Weg nach Aguascalientes. Statt des historischen Zentrums steuerten wir den modernen Randbezirk der Stadt an, wo wir dank der iOverlander App einen sicheren und großzügigen Parkplatz vor dem Theater fanden. Der Clou: Das starke WLAN-Signal eines gegenüberliegenden Hotels reichte bis zu uns, sodass wir die am See fertiggestellten Arbeiten direkt hochladen konnten. 😄

Wir entschieden uns spontan, den Mittwoch ebenfalls an diesem Ort zu verbringen. So hatten wir genug Zeit, um alle anstehenden Aufgaben zu erledigen und die Vorzüge des guten Internets auszukosten. Später am Nachmittag nutzten wir die Gelegenheit, eine der berühmten Thermen von Aguascalientes zu besuchen. In einem traditionellen, alten Badehaus genossen wir eine heiße und wohltuende Dusche – der perfekte Abschluss für einen solch produktiven Tag. 🛁

Wir erkunden die Silberminenstadt Zacatecas

Von Aguascalientes aus führte uns unser Weg in das charmante Städtchen Zacatecas, etwa 120 Kilometer nördlich gelegen. Die rund 140.000 Einwohner zählende Stadt liegt in einem Talkessel auf beeindruckenden 2.500 Metern Höhe und bietet angenehme Temperaturen – eine willkommene Abwechslung bei unserer Reise durch Mexiko. 🌄

Wir parkten unseren Bus am Cerro La Bufa, von wo aus eine Seilbahn das Tal überquert und auf die andere Seite der Stadt führt. Da wir die Aussicht aber lieber in Ruhe genießen wollten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg ins Tal und fanden uns alsbald an der baumlosen Plaza wieder. Zacatecas ist bekannt für seine Gebäude aus rotem Sandstein, darunter das prächtige Rathaus und einige beeindruckende Kirchen. Im 18. Jahrhundert gehörte die Stadt, ähnlich wie Guanajuato, zu den reichsten der Welt dank ihrer Silbervorkommen. Heute kann man die stillgelegten Minen besichtigen, aber wir nutzten die Zeit lieber für einen gemütlichen Rundgang durch die Altstadt.

Parkplatz hoch oben am Berg
Die Plaza ist etwas trist… (im Hintergrund die Seilbahn)
Der rote Sandstein dominiert 🧱
Prächtige Kirchen dürfen natürlich nicht fehlen
Schickes Städtchen 👍🏻

Der steile Rückweg zum Parkplatz führte uns schließlich zur Seilbahn, die uns für etwa fünf Euro (100 mexikanische Pesos) bequem zurück zum Parkplatz brachte. Die Fahrt war kurz, aber die Aussicht aus der Gondel war umso beeindruckender. Von oben genossen wir einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge. 🚡📸

Als der Abend anbrach, wurden wir von unserem „Adlerhorst“ aus mit einer wunderschönen Sicht auf die untergehende Sonne und die langsam aufleuchtenden Lichter der Stadt belohnt. Und mit freundlicher Genehmigung des wachhabenden Polizisten, der in einem kleinen Häuschen am Parkplatzrand stationiert war, verbrachten wir eine ruhige, erfrischende Nacht an diesem malerischen Ort. 😴

Mitten durch die Stadt zieht sich ein altes Aquädukt
Gute Nacht 🌙💤

Spektakuläre Felsformationen im Nationalpark Sierra de Órganos

Am nächsten Morgen ging es für uns weiter auf der mautpflichtigen Autobahn, und zwar in einen der ganz wenigen Nationalparks Mexikos: Den Parque Nacional Sierra de Órganos. Dieser Park verdankt seinen Namen den beeindruckenden Felsformationen, die wie riesige Orgelpfeifen in den Himmel ragen. Die Ähnlichkeit zu den Nadelspitzen, die wir bereits in Kolumbien gesehen hatten, ist verblüffend doch hier sind sie noch majestätischer und weitläufiger. 🌄

Hier geht’s zum Blog-Eintrag aus KolumbienNEW BLOG POST 🇨🇴 (18. – 26.11.2023) Bucaramanga – Palomino

Der Nationalpark erstreckt sich über rund 12.000 Hektar und liegt in der Region Zacatecas. Er bietet eine faszinierende Landschaft, die von Vulkangestein und Sandstein geprägt ist. Die Formationen, die an gigantische Orgelpfeifen erinnern, sind durch Erosion entstanden und bieten ein atemberaubendes Panorama. Die Ruhe des Parks war an diesem Freitag abermals eine willkommene Abwechslung zum Trubel der letzten Wochen. Abgesehen von ein paar Familien waren wir fast allein auf dem weitläufigen Gelände, das auch über Parkplätze mit Bänken, Tischen und Grillstellen verfügt – perfekt für einen ruhigen Nachmittag in der Natur.

Wir genossen die spektakuläre Sicht auf die rötlichen Felsspitzen und lauschten dem Wind, der sanft durch die Kiefernnadeln strich und die Luft mit Kiefernduft erfüllte. Die ruhige Umgebung war eine wahre Wohltat und es tat gut, mal wieder in der Natur abschalten zu können.

Wieder ein toller Stellplatz in der Natur
Der Hängesessel von La Siesta kam auch zum Einsatz
Mondaufgang über den Orgelpfeifen 🌖

Es freut uns ungemein, dass sich die Landschaft nördlich von Mexico City allmählich verändert und wieder natürlicher wird. Statt der engen Städte begegnen uns zunehmend grüne Flächen, Industrieparks und große Agrarflächen. Die ständigen Begleiter auf unserer Reise sind nun Milch- und Rinderzuchten, Obstbaumplantagen und vor allem Maisfelder, die die Landschaft prägen. 🌽🐄

Ein Naturerlebnis der Extraklasse

Nach einer erholsamen Nacht inmitten der beeindruckenden Felsformationen des Parque Nacional Sierra de Órganos schnürten wir am nächsten Morgen seit langem mal wieder die Wanderstiefel. 🥾 Die gut angelegten vier Kilometer des Rundwegs führten uns direkt um die majestätischen Orgelpfeifen aus Fels, die uns schon von weitem in ihren Bann gezogen hatten.

Let’s go hiking
Erinnerte uns ans Dahner Felsenland in der Pfalz 😅

Wir genossen jede Minute in der frischen Morgenluft, während wir die beeindruckende Landschaft auf uns wirken ließen. Nach einem leckeren Picknick und einigen Stunden des Verweilens machten wir uns schließlich auf den Weg in die Großstadt Durango. Die Fahrt war entspannt und wir freuten uns darauf, neue Eindrücke in einer der lebhaften Städte Mexikos zu sammeln.

Im nächsten Blogbeitrag nehme ich dich dann mit auf unsere vermutlich letzte Etappe durch den Norden Mexikos, bevor wir hoffentlich die US-Grenze erreichen werden. Bleib also dran und verpass keines unserer Abenteuer! 💫


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NEW BLOG POST 🇲🇽 (03. – 07.08.2024) Tepatitlán – Guadalajara

Werkstattdrama Teil III – Ein Tag voller (Un-) Glücksmomente

Kaum hatten wir den Kopf aufs Kissen gelegt klopfte es gegen 01:00 Uhr in der Nacht an der Scheibe auf der Beifahrerseite. Ein Typ in rotem Kapuzensweatshirt stand draußen und wollte Geld von uns – nicht gerade das, was man als Gute-Nacht-Geschichte erwartet. 🌙😒 Da uns die Situation doch ziemlich nervös machte, krabbelten wir sicherheitshalber vom Wohnraum in die Fahrerkabine und fuhren davon. Nach dieser nächtlichen Störung starteten wir mit einem entsprechend angespannten Grundton in den Tag. Begleitet von der Sorge, ob die später geplante Schweißaktion an unserem Wassertank überhaupt gelingen würde…

Doch bevor wir uns erneut auf den Weg zur Werkstatt machten, kauften wir einen riesigen Schokoladenkuchen – als Dankeschön für die unglaubliche Hilfsbereitschaft des Teams. Kaum waren unsere zwei Batterien abgeklemmt, traf der Schweißer auch schon pünktlich um 09:30 Uhr ein, begleitet von seinem Azubi und einem beeindruckenden Arsenal an Geräten. 🧰🛠

Die Schweißaktion beginnt 🎇

Die neue Schweißnaht auf der rechten Seite war schnell angebracht und machte einen soliden Eindruck. Doch kaum hatten wir den Wassertank probeweise wieder gefüllt, tropfte es an einer anderen Stelle. 😩 Nun standen wir allesamt vor einer riesengroßen Herausforderung, nämlich den Wassertank leer und vor allem trocken zu bekommen, damit der Schweißer die undichten Stellen beheben konnte. Dieses Spielchen wiederholte sich mehrmals – bis weit in den Spätnachmittag hinein. Schließlich war die Aktion aber doch von Erfolg gekrönt und es trat (vermeintlich) kein weiteres Wasser an undichten Stellen mehr aus…

Es tropft – schlimmer als zuvor! 😩
Da mochte man gar nicht mehr hinschauen 🙈
Aber der Schweißer gab wirklich alles

Mit einem erleichterten Gefühl händigten wir dem Schweißer den vorher ausgemachten Betrag in bar gegen Rechnung aus. Aber der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten: Kaum war Simon mit unserem Renault Master von der Rampe gefahren, versagte plötzlich die Handbremse, die den ganzen Tag über noch einwandfrei funktioniert hatte! 😱

Schneller als uns lieb war, fanden wir uns erneut auf der Hebebühne wieder. Cesar, unser kompetenter Mechaniker, entdeckte die Fehlerquelle schnell: Der Schweißer hatte wohl die Erdung an falscher Stelle der Karosserie angebracht und deshalb die Gummi-Ummantelung der Handbremse abgefackelt. Deshalb hatte das Seil der Handbremse plötzlich zu viel Spiel und griff nicht mehr. 😭

Das abgefackelte Handbremsseil 🔥

Wie viel Pech kann man bitte schön an einem Tag haben?! 🤯 Woher sollten wir nun wieder das nötige Ersatzteil bekommen – noch dazu an einem Freitagnachmittag?! Dank Ricardo, dem hilfsbereiten Werkstatt-Chef, gelang es uns noch am selben Tag einen Termin in einer Mobil1 Schwester-Werkstatt in Guadalajara zu vereinbaren. Entsprechend kurz und knapp viel der Abschied aus. Wir schwangen uns stattdessen schleunigst in die Fahrerkabine und düsten über die Autobahn in die Großstadt. 🚐💨

Gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss erreichten wir die Werkstatt, wo das defekte Teil ausgebaut wurde um ein neues anfertigen zu lassen.

Gleicher Tag – andere Werkstatt 🛠️

Obwohl wir an diesem Tag bereits mehr als genug Abenteuer erlebt hatten, mussten wir nun auch noch einen Stellplatz finden. Die Vorstadt der fünf Millionen-Metropole wirkte jedoch nicht gerade vertrauenserweckend, also landeten wir schließlich auf einem riesigen Truck-Stopp neben der Autobahn.

Auf so einem riesigen Truck Stopp waren wir noch nie
Aber er war perfekt ausgestattet 👌🏻

Zum krönenden Abschluss unseres zweijährigen Reisejubiläums, das wir uns wahrlich anders vorgestellt hatten, gönnten wir uns am späten Abend mangels Alternativen noch einen Burger bei Burger King. 🍔🎉

Nicht ganz das feierliche Dinner, das wir uns erhofft hatten, aber was soll’s? Das Abenteuer geht weiter! Allerdings könnten wir wirklich etwas Unterstützung gebrauchen, um diese aktuell ziemlich holprige Panamericana Reise von Süd- nach Nordamerika doch noch zu meistern! 👇

Link zur Dieselkasse ➡ https://www.paypal.me/SiJuCampervan

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Hoffen & Bangen – Warten & Weiterziehen

Den halben Samstag verbrachten wir noch auf dem Truck-Stopp, hoffend auf eine Nachricht von der Werkstatt. Ob das Ersatzteil vielleicht doch noch an diesem Vormittag auftauchen würde? ☎️ Doch die Zeit zog sich hin, und als um 14:00 Uhr bei Ladenschluss immer noch keine Nachricht kam beschlossen wir, endlich weiterzuziehen. Unser Ziel: Ajijic am Chapala-See.

Als wir dort am späten Nachmittag ankamen, waren wir ziemlich erschöpft und parkten unseren Van direkt auf dem Walmart-Parkplatz, wo wir auch die Nacht verbrachten. 😴 Nicht gerade das, wovon man als Vanlife-Enthusiast träumt, aber manchmal hat man keine Wahl. Wie sehr ich die freien Stellplätze inmitten unberührter Natur in Südamerika doch vermisse!

Immerhin hatte der Parkplatz auch eine positive Seite: Eine herrliche Aussicht auf die grünen Berghänge. Die Natur ist immer noch nah, auch wenn man sich mitten im Asphalt-Dschungel wiederfindet.

Walmart Parkplatz mit Aussicht 👍🏻

Während wir in Ajijic die Zeit überbrückten blieb die Hoffnung, dass die Werkstatt bald gute Nachrichten für uns bereithalten würde. 🙏

Ein verstauchter Knöchel & Pizza auf der Parkbank

Am nächsten Morgen wechselten wir den Stellplatz und parkten unseren Van direkt an der Uferpromenade. Von dort aus bot sich uns eine herrliche Sicht auf den schmalen, aber langgezogenen Chapala-See, seines Zeichen übrigens größtes Binnengewässer Mexikos, und die dahinterliegenden grünen Berge.

Zu Fuß schlenderten wir entlang des Malecóns und durch das überschaubare Ortszentrum des magischen Dörfchens. Die Atmosphäre war entspannt, die Gassen malerisch. Doch während ich gerade die wunderschönen Himbeeren an einem Straßenstand bewunderte, übersah ich vor lauter Gucken die Bordsteinkante und verknackste mir übel den Fuß. 🤦‍♀️🍓 Autsch! Zum Glück hatten wir unseren Rundgang durch das untouristische Örtchen zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie beendet, sodass ich ruhigen Gewissens zurück zum Bus humpeln konnte.

Auch das noch! 😭

Dort packten wir die Campingstühle aus und genossen bei einer Tasse Kaffee den Seeblick. Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einer warmen Tasse in der Hand die Natur zu bestaunen. ☕️🌅

Abends wollten wir dann endlich gebührend unser zweijähriges Reisejubiläum, bei einer Pizza und einem Aperol Spritz, in einem schicken Restaurant nachfeiern. Allerdings erwies sich das auserwählte Lokal vor Ort dann nur als Take-away-Restaurant. 🙉 Da die Pizza aber extrem gut aussah, und die meisten anderen Lokale sonntags geschlossen hatten, entschieden wir uns dennoch dafür. Mit der Pizza im Karton suchten wir uns eine gemütliche Parkbank an der Plaza und verspeisten sie genüsslich unter freiem Himmel. 🍕🍷 Manchmal sind es die kleinen, unerwarteten Wendungen, die den Tag am Ende besonders machen.

Yummy 😋

Von Schutzengeln und arbeitsreichen Tagen

Zu meinem und vor allem Simons großen Erstaunen, der mir als Ex-Fußballer prophezeit hatte, dass ich mindestens eine Woche lang nicht richtig laufen könne, erwachte ich am nächsten Morgen fast schmerzfrei. Mein Fuß war weder dick noch schmerzte er merklich – da muss wohl ein guter Schutzengel am Werk gewesen sein. 😇

Eine schnelle Google-Recherche unsererseits brachte ans Licht, dass das Ersatzteil bei Amazon in Deutschland für schlappe 38 € erhältlich wäre. Selbst mit DHL-Express-Versand nach Mexiko würden wir noch unter 100 € bleiben. Fraglich war nur, ob das Paket überhaupt ankommen würde und wohin dieses geliefert werden sollte. Wir waren ratlos und schockiert zugleich. 🤔📦

Obwohl ich extrem viel Glück gehabt hatte beschlossen wir, den Tag lieber ruhig im Van zu verbringen und es nicht zu übertreiben. Schließlich wollten wir meinem Fuß keine weiteren Strapazen zumuten. Stattdessen nutzten wir die Gelegenheit, um in aller Ruhe an unseren diversen Kanälen zu arbeiten. Die Arbeit geht uns, dank unserer zahlreichen Projekte und Ideen, glücklicherweise nie aus und so blieb der Tag produktiv und gleichzeitig entspannt. 💻

Tatsächlich war es eine willkommene Abwechslung, einfach mal nicht unterwegs zu sein und die Seele baumeln zu lassen. Schließlich ist es manchmal genau das, was man braucht, um die nächsten Abenteuer wieder in vollen Zügen genießen zu können. 🌟

Ein Schockmoment und neue Kontakte

Am Dienstagmittag erhielten wir endlich die heißersehnte Nachricht von der Werkstatt: Das Handbremsseil war eingetroffen! Doch als wir den Preis erfuhren kippten wir fast aus den Latschen: 3.600 Pesos, was rund 172 € entspricht, waren deutlich mehr als erwartet und ein herber Tiefschlag. 😱 Zumal wir ja erst vor wenigen Tagen 185 € für neue Bremsen und einen dichten Wassertank ausgegeben hatten… 💸💸💸

In meiner Not wandte ich mich per WhatsApp neuerdings an Ricardo, dem Chef der Werkstatt in Tepatitlán. Ich wollte wissen, ob er Neuigkeiten von der Schweißer-Firma bezüglich eines möglichen Regresses hatte und teilte ihm obendrein den exorbitanten Betrag mit. Vielleicht könnte er sich ja freundlicherweise mit der Schwesterwerkstatt in Guadalajara in Verbindung setzen?! Leider blieb meine Nachricht unbeantwortet. Wahrscheinlich waren sie froh uns los zu sein, und ich konnte es ihnen kaum verübeln. Schließlich war dies nicht ihr Problem. 😔

Und auch die hiesige Werkstatt reagierte nicht auf meine Nachfrage, warum wir nicht wie vereinbart vorab über den Preis informiert worden waren. Weder könnten noch wollten wir den aufgerufenen Preis bezahlen und sie sollten uns doch bitte eine Lösung unterbreiten. Aber auch diese Nachricht blieb unbeantwortet… 🤯

Dennoch beschlossen wir, den Chapalasee am Nachmittag zu verlassen. Wir tauschten den romantischen See gegen den eher unromantischen Truck-Stopp ein, um dort noch einmal eine Nacht zu verbringen. Zum einen, weil uns nach einer heißen Dusche zumute war und zum anderen, weil die Werkstatt nur wenige hundert Meter von diesem entfernt lag. Und wir hofften inständig, dass sie am kommenden Tag auf meine Nachricht reagieren würden…

Zurück auf dem Truck Stopp 🚛

Außerdem wollte sich Thomas, ein Alleinreisender aus Berlin, der in umgekehrter Richtung unterwegs und gerade zufällig in der Nähe war, gerne mit uns treffen. Wenn möglich wollten wir diesem Wunsch gerne nachkommen, denn der Austausch mit anderen Vanlifern war bis dato immer eine große Bereicherung gewesen. 🌟🚐🌍

Hoffnungsschimmer am Horizont

Morgens machten wir uns zu Fuß auf zur gegenüber von unserem Truck-Stopp gelegenen Autobahnraststätte, um uns dort wie verabredet mit Thomas bei Burger King zu treffen. Was als unscheinbares Treffen, an einem noch viel unspektakuläreren Ort begann, entpuppte sich als wahres Tageshighlight. 😀 Wir plauderten bei einer Tasse Kaffee gute drei Stunden lang und staunten über Thomas’ Entschluss, als U-70-Jähriger ohne Camping-Erfahrung einfach einen Land Rover Defender mit Dach-Zelt zu kaufen und loszuziehen. Respekt! 😮

Der schicke Land Rover von Thomas 👌🏻

P.S.: Thomas – falls du das lesen solltest: Wir haben leider das Selfie mit dir versäumt! 🙈📸

Nach diesem inspirierenden Gespräch trennten sich unsere Wege auch schon wieder, und ich musste mich wieder um die Werkstattgeschichte kümmern. 😫 Meine letzte Nachricht war leider weiterhin unbeantwortet geblieben. Ich fasste kurz und knapp nach um zu erfahren, wie es weitergehen sollte. Die Rückmeldung war ernüchternd: Ich sollte mich neuerdings an Ricardo in Tepatitlán wenden. 🤯 Mit gemischten Gefühlen, ihn erneut belästigen zu müssen, wandte ich mich an ihn.

Doch die Mühe lohnte sich! Ricardo konnte schlussendlich tatsächlich eine Preisreduzierung in Höhe von 40 € – was immerhin 23% entspricht – für uns durchsetzen. 🥳 Dies verschaffte uns endlich den erhofften finanziellen Spielraum. Ich bedankte mich, zum wiederholten Male, herzlich bei ihm für seine tatkräftige Unterstützung und vereinbarte zeitgleich mit der hiesigen Werkstätte einen Montagetermin für den Folgetag um 11:00 Uhr. 🛠⚙🧰

Wie es mit der Montage des Ersatzteils lief, ob der Preis final blieb und ob wir ohne weitere Pannen gen Norden aufbrechen konnten?! All das erfährst du im nächsten Blogbeitrag!