NEW BLOG POST 🇲🇽 (06. – 10.03.2025) Endlich in den USA! Unser nervenaufreibender Grenzübertritt und die 1.800 km lange Fahrt durch Mexiko

Endlich wieder On the Road – mit Pannenstart

Erinnert ihr euch noch, wie der letzte Blogbeitrag geendet hat? Genau – mit der erfolgreichen Lieferung unserer aus Deutschland in die USA verschickten Stoßdämpfer. Hätten wir sie doch bloß im Flieger mit nach Mexiko nehmen können! Dazu später mehr…

Erste Tagesetappe: Von Teotihuacán nach Querétaro

Am Donnerstag, exakt eine Woche nach unserer Ankunft, fühlte ich mich zwar noch längst nicht wieder fit – aber die erste und mit rund 230 km auch kürzeste Tagesetappe bis Querétaro traute ich mir zu. Bevor wir uns herzlich von den beiden Campingplatz-Besitzern verabschiedeten, die uns und vor allem unserem Van in den vergangenen 80 Tagen ein wundervolles Zuhause geboten hatten, gönnten wir uns noch eine letzte heiße Dusche. 🚿

Mit einem kleinen Umweg über den Supermarkt, wo wir die in den letzten Tagen aufgebrauchten Vorräte auffüllten, ging’s dann endlich los. Wir nahmen zum zweiten Mal die knapp 1.800 Kilometer lange Strecke bis zur US-Grenze in Angriff. Diesmal kannten wir die bevorstehenden Etappen und Übernachtungsspots bereits gut – ein kleiner Vorteil.

Für die erste Nacht hatten wir uns einen ruhigen Stellplatz an einer Tankstelle mit angeschlossener Wäscherei mitten in Querétaro ausgesucht. Dort gab es obendrein kostenloses gutes WLAN – eine Seltenheit in Mexiko! Allerdings mussten wir vorher noch unser dringend benötigtes Wasser auffüllen, weshalb wir zuvor noch eine andere Tankstelle ansteuerten. ⛽️

Kaum waren wir auf dem Weg dorthin, fiel mir ein seltsames Geräusch auf. Es klang fast wie das Bimmeln einer Kuhglocke – und leider kam es von unserem Fahrzeug! Während wir noch rätselten, woher das Geräusch genau stammen könnte, wurde schnell klar: Es kam von der linken Hinterachse.

An der Tankstelle angekommen, inspizierten wir das Problem – und die Ursache war leider sofort sichtbar. Unser hinterer, linker Stoßdämpfer hatte sich komplett aus der oberen Verankerung gerissen! Die Metallhülse war ausgebrochen, wodurch diese nun bei jeder Fahrtbewegung gegen den Kolben schlug und dieses metallische Klingeln verursachte. 😰

Erste Etappe – erste Panne!
Hier sieht man die abgerissene Metallhülse
Immerhin konnten wir Wasser auffüllen 💦

Und hier kommt der Punkt von ganz oben ins Spiel: Hätten wir unsere neuen Marquart-Stoßdämpfer doch bloß im Flieger mit nach Mexiko nehmen dürfen! So aber war der Schaden vorerst nicht zu beheben, und da der Dämpfer zumindest äußerlich noch intakt schien, blieb uns nichts anderes übrig, als die Weiterfahrt mit scheppernder Verkleidung fortzusetzen. 🚐💨

2. Fahrtag – Kilometerfressen Richtung Norden

Immerhin war unsere erste Nacht „on the road“ erwartungsgemäß ruhig gewesen, und ich war am Vorabend – dank meiner immer noch hartnäckigen Erkältung – einfach nur froh gewesen, endlich im Bett zu liegen. Stoßdämpfer hin oder her. 😅

Unser zweiter Fahrtag hatte es in sich: 478 Kilometer standen auf dem Plan – eine deutlich längere Strecke als am Vortag. Schon vor unserer Abfahrt hatten wir uns dafür entschieden, die gesamte Route bis zur US-Grenze ausschließlich über die mexikanischen Autopistas (gebührenpflichtige Autobahnen) zurückzulegen. Diese kosten zwar mitunter eine ordentliche Stange Geld, sind aber die einzige Möglichkeit, um zügig und vor allem auf gutem Asphalt voranzukommen.

Die Alternative wären oft schlecht gewartete Landstraßen mit unzähligen Topes (Bodenwellen), langsamen Lkw-Kolonnen und unvorhersehbaren Straßenzuständen gewesen – und das war mit unserem beschädigten Stoßdämpfer einfach keine Option.

Dank der gut ausgebauten Strecke erreichten wir am späten Nachmittag wie geplant unser Tagesziel: eine Autobahnraststätte etwas außerhalb von Fresnillo.

Auch hier hatten wir bereits zweimal übernachtet

3. Etappe – Durch die Wüste nach Los Remedios

Mit dem ersten Tageslicht starteten wir unsere nächste Etappe gen Norden – fast 500 Kilometer lagen vor uns. Die Fahrt war wenig abwechslungsreich, denn die Straße führte meist schnurgerade durch karge, trockene Steppenlandschaft. 🏜️

Wie schon am Vortag blies ein starker, böiger Wind, der nicht nur jede Menge Staub mit sich brachte, sondern auch eine Kaltfront. In der sonst knochentrockenen Wüste herrschten ungewohnt frische Temperaturen. Als wir gegen 16 Uhr unser Ziel erreichten, zeigte das Thermometer gerade einmal 24 Grad an – normalerweise sind es hier um diese Uhrzeit gut und gerne 10 Grad mehr! Uns sollte es recht sein, zumal die Sonne trotzdem vom stahlblauen Himmel schien. ☀️

Unser Tagesziel war die Hacienda Los Remedios, die nur über eine 10 Kilometer lange, ruppige Schotterpiste erreichbar ist. Doch die holprige Anfahrt lohnt sich jedes Mal – und so waren wir nun bereits zum dritten Mal hier.

Die Überreste der Hacienda Los Remodios
Nur die Anfahrt ist jedesmal echt ruppig

Inmitten der völligen Abgeschiedenheit und Ruhe der Wüste erwarten einen hier nicht nur warme Open-Air-Thermalbecken, sondern auch eine spektakuläre Thermalhöhle, in der heißes Wasser direkt aus einem Loch in der Decke sprudelt. Doch dieses Badevergnügen wollten wir uns für den nächsten Morgen aufsparen.

Nach der langen Fahrt knurrte der Magen, also bereitete ich uns erst einmal einen heißen Kaffee und ein fruchtiges Joghurt mit frischen, saftigen Orangen und knusprigem Granola zu. Doch kaum war das Wasser für den Kaffee heiß, wurde Simon – der draußen gerade unsere Campingstühle und den Falttisch aufstellte – auch schon von unseren mexikanischen Nachbarn mit Essen überhäuft:

🥤 Eine eiskalte Literflasche Sprite

🍤 Zwei knusprige Tostadas mit einer köstlichen Salsa aus frischen Gurken, Tomaten und Garnelen

🌮 Reichlich softe Tortilla-Fladen

🥩 Ein dünnes, gut durchgebratenes Stück Rindfleisch

🫑 Gegrillte grüne Paprika

Da hätte ich mir meinen Kaffee und das Joghurt ja glatt sparen können! 😅 Die unglaubliche Gastfreundschaft der Mexikaner begeistert uns immer wieder – und wir mussten uns regelrecht mit Händen und Füßen wehren, um nicht später auch noch die Reste einer anderen anwesenden Familie gereicht zu bekommen.

4. Fahrtag – Letzter Stopp vor der US-Grenze!

Die Nacht in der Wüste war mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ziemlich frisch, doch genau das bescherte uns einen tiefen, erholsamen Schlaf. Absolute Stille um uns herum – nur die ersten Sonnenstrahlen, die uns am Morgen beim Kaffeetrinken wärmten.

Das Außenbecken war wegen der kühlen Nächte frisch

Noch besser startete der Tag mit einem ausgiebigen Bad in der heißen Thermalhöhle, wo das dampfende Wasser direkt aus der Decke sprudelt. Herrlich! Nach einem entspannten Frühstück hätten wir am liebsten noch einen weiteren Tag in dieser kleinen Oase verbracht – aber es half nichts: Die 330 Kilometer bis Chihuahua Stadt mussten in Angriff genommen werden. 🚐💨

Also schlichen wir die 10 staubigen und holprigen Kilometer zurück zur Autobahn und rollten von dort aus weiter in den Norden. Die Fahrt verlief unspektakulär, doch es war ein komisches Gefühl zu wissen, dass dies unser letzter Stopp in Mexiko sein würde – zumindest hoffentlich!

Gegen Nachmittag erreichten wir die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates Chihuahua – mit über 900.000 Einwohnern die größte Stadt im Norden Mexikos. Unser Schlafplatz war uns bereits bestens bekannt: Der weitläufige Walmart-Parkplatz, auf dem wir schon zweimal zuvor genächtigt hatten.

Bevor wir uns für die Nacht einrichteten, erledigten wir noch die letzten To-Dos:

🧺 Wäsche waschen – Die praktische Self-Service Laundry im Walmart kam wie gerufen für eine letzte Maschine voll Schmutzwäsche.

🛒 Vorräte aufstocken – Trockenprodukte wie Nudeln und Cerealien sind in den USA deutlich teurer, also deckten wir uns hier noch einmal ein.

📄 KFZ-Haftpflicht für die USA – Über Seguro Gringo schlossen wir die notwendige Versicherung für den Grenzübertritt ab.

Somit war alles vorbereitet. Jetzt musste nur noch die Einreise in die USA reibungslos funktionieren – aber nach unserer Erfahrung im September blieb eine gewisse Nervosität… 🫣

5. Fahrtag & Grenzübertritt in die USA 🇺🇸

Die kühle Nacht ließ uns trotz aller Nervosität gut schlafen, doch die Anspannung war spürbar: Heute stand der Grenzübertritt in die USA an! Bevor es losging, verputzten wir auf dem Walmart-Parkplatz noch sämtliche frischen Lebensmittel, die wir nicht mitnehmen durften – darunter Eier, Tomaten, Paprika und Käse.

Mit gemischten Gefühlen starteten wir unsere letzte Tagesetappe auf mexikanischem Boden. Versteht uns nicht falsch: Mexiko ist ein grandioses Land, das wir in den letzten neun Monaten nicht nur bereist, sondern auch lieben gelernt haben. Aber jetzt war es an der Zeit, weiterzuziehen.

Die 250 km bis nach Ojinaga führten uns erneut durch karge Steppenlandschaften, und auch die Grenzstadt selbst machte mit ihrer Abgeschiedenheit und leicht schäbigen Optik nicht gerade Lust auf längeres Verweilen…

🛂 Mexikanischer Grenzposten

Die Ausreise aus Mexiko verlief blitzschnell:

Salida-Stempel im Pass

✅ Kein Gang zur Aduana nötig, da unser Van als Camper theoretisch zehn Jahre in Mexiko bleiben dürfte

Mexiko raus ging super schnell & einfach ✅

Dann war es soweit: Wir rollten über die Internationale Brücke rüber nach Presidio, Texas – und betraten damit US-amerikanischen Boden. Jetzt wurde es spannend!

🛂 US-Einreise: Ein völlig entspanntes Prozedere

Gleich der erste US-Grenzbeamte begrüßte uns freundlich und warf nur einen flüchtigen Blick ins Heck. Dann gratulierte er uns zum US-Visum und schickte uns weiter.

In der Fahrzeugkontrollspur landeten wir bei einem etwas älteren, grauhaarigen Officer, der sich Zeit nahm, unsere Pässe genau zu studieren. Nach ein paar Minuten stellte er uns die erwartete Frage:

🧐 „Waren Sie schon einmal in den USA?“ – Nein.

🧐 „Waren Sie schon einmal an einer US-Grenze?“ – Ja…

Kurze und ehrliche Erklärung unsererseits. Daraufhin drückte er einen orangefarbenen Notizzettel einem Kollegen in die Hand und schickte uns zeitgleich weiter zur eigentlichen Fahrzeugkontrolle.

Ein überraschenderweise des Deutschen halbwegs mächtiger Beamter – ein massiver, blonder Hüne – nahm uns in Empfang, was die Situation sofort auflockerte. 😮‍💨 Während unser Van inspiriert wurde, folgten wir ihm ins Office, wo er unsere Pässe hinter einer Tür weiterreichte.

Als er herauskam, zeigte er uns grinsend einen Daumen hoch – alles in Ordnung!

Der nächste Officer hinter der Scheibe war ebenfalls freundlich, stempelte unsere Pässe und machte sich sogar die Mühe, unser I-94-Formular (notwendig für längere Aufenthalte) eigenhändig am Computer auszufüllen.

💰 Kosten dafür: 6 $ pro Person (bar bezahlt)

Kaum hatten wir die Quittung in der Hand, kam auch schon das Go für unseren Van: Keine Spürhunde, keine Heckkisten-Kontrolle, kein Blick in den Kofferraum – nichts!

Mit einem freundlichen „Welcome to the USA!“ verabschiedete man uns, und wir rollten tatsächlich über die Grenze – diesmal ganz offiziell! 🥳🥳🥳

Um den Moment gebührend zu feiern, steuerten wir direkt den nahegelegenen Loma Paloma RV Park mitten in der texanischen Wüste an. Für nur 13 $ pro Nacht gab es:

✔️ Stellplatz mit Wasser- & Abwasseranschluss

✔️ Blitzsaubere Sanitäranlagen mit heißen Duschen

✔️ Einen großen Waschsalon

Zum perfekten Abschluss dieses besonderen Tages gab es unter dem atemberaubenden Wüstenhimmel dann noch ein Glas Sekt und fixe Pesto-Spaghetti. 🥂🍝


1.800 Kilometer quer durch Mexiko lagen hiermit hinter uns – Tausende Kilometer durch die USA & Kanada liegen vor uns! 🚐🇺🇸🇨🇦

Unser Visa Run hat uns über vier Monate Reisezeit und satte 3.000 € gekostet – aber letztendlich hat sich alles gelohnt! 🎉

Wir freuen uns riesig auf spektakuläre Nationalparks, atemberaubende Landschaften und spannende Städte in den USA – und natürlich darauf, dass ihr uns weiterhin begleitet!

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Die ersten Eindrücke aus den USA gibt’s kommende Woche – hier im Blog, auf YouTube & Instagram! 😉


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NEW BLOG POST 🇲🇽 (06. – 11.09.2024) Nuevo Casas Grandes

Zurück in Nordmexiko: Dem Land der Cowboyhüte & Stiefel

Mexikaner am Nationalfeiertag in NCG

Nach unserem gescheiterten Grenzübertritt und dem ESTA-Drama blieb uns nichts anderes übrig, als den fast 500 km langen Rückweg nach Nuevo Casas Grandes anzutreten – dorthin, wo unsere erste Mexiko-Etappe eigentlich hätte enden sollen. Drei Tage lang campierten wir an der kleinen, ruhigen Plaza in der Altstadt, um uns zu sammeln und vor allem Geld zu sparen. Denn wer weiß, was noch alles auf uns zukommen mag… 💸 💸 💸

Simon ist an der Plaza schon wieder zu Späßen 🤪

Die Enttäuschung war riesig. Wir waren traurig und wütend, nicht auf die US-Grenzbeamten, die lediglich ihren Job machten, sondern auf uns selbst. Wir hatten zu sehr auf veraltete Infos vertraut in der Annahme, dass uns an der Grenze der USA dasselbe widerfahren würde wie an den 17 lateinamerikanischen Grenzen zuvor. Was für ein Trugschluss! Die USA sind eben nicht Argentinien oder Mexiko – das wissen wir jetzt.

Schlaflose Nächte und Albträume

Nach dem ganzen Trubel träumte ich tatsächlich von der Grenzprozedur. Im Traum stand ich wieder in der dunklen, kalten Arrestzelle und als ich schweißgebadet aufwachte wurde mir schlagartig bewusst, dass dies keine Einbildung sondern bittere Realität war. 😔 Es war uns unheimlich peinlich, dass wir die Situation so unterschätzt hatten. Zu glauben, man könnte problemlos in die USA einreisen, war schlicht naiv.

Und jetzt? Klar, in ein paar Monaten oder Jahren wird diese Story vermutlich eine witzige Anekdote sein, über die wir lachen können. Aber im Moment fühlte es sich wie der Tiefpunkt unserer Reise an. 😢

Die Optionen – oder eher: die Sackgassen

In den nächsten Tagen spielten wir diverse Möglichkeiten durch:

Option 1: Die Reise endet hier in Mexiko und wir kehren früher als geplant nach Deutschland zurück. Diese Idee gefiel uns aber gar nicht, denn das hätte sich nicht nur nach einer unvollendeten Reise, sondern auch nach einer großen, persönlichen Niederlage angefühlt. ❌

Option 2: Wir lassen den Van zwei Jahre in Mexiko stehen. Dank unserer 10-jährigen Genehmigung für das Wohnmobil wäre das kein Problem. Aber der Gedanke, dass unser Van in der Zwischenzeit rostet, schimmelt oder schlichtweg nicht mehr anspringt, war auch nicht gerade beruhigend. ❌

Option 3: Wir kehren nach Südamerika zurück. Eine romantische Vorstellung, Weihnachten wieder in Ushuaia zu verbringen – am Ende der Welt. Aber da es keine Landverbindung zwischen Zentral- und Südamerika gibt, und die Verschiffung des Vans ein kleines Vermögen kosten würde, war auch das keine wirkliche Option. ❌

Eine weitere Schnapsidee war, den Van nach Kanada verschiffen zu lassen und die USA zu überspringen. Doch auch das hätte hohe Kosten verursacht und uns das Gefühl gegeben, die Reise nicht wirklich vollendet zu haben. Die USA einfach zu umgehen? Irgendwie nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. 😑

Option 4: Jemand anderes fährt unseren Van durch die USA nach Kanada und wir fliegen hinterher. Aber der Gedanke, jemand Fremden in unserem Heim auf Rädern zu haben, gefiel uns absolut nicht. Ganz abgesehen von den bürokratischen Hürden bei Dokumenten und Versicherungen. ❌

Visum – die letzte Hoffnung?!

Also blieb uns eigentlich nur noch die Möglichkeit, ein Visum zu beantragen. Doch auch das ist komplizierter, als es klingt. Ein Visum in Mexiko zu beantragen scheint kaum möglich zu sein – mit Wartezeiten von 519 Tagen und der Voraussetzung, eine Residenzia zu haben, die uns weitere 250 € pro Person kosten würde. Und selbst wenn wir es schaffen würden, das Visum zu bekommen: Es bleibt ungewiss, ob wir bei der Einreise in die USA tatsächlich durchgewunken werden. Jeder Grenzbeamte kann das nach eigenem Ermessen entscheiden.

Trotzdem dachten wir über die Option nach, den Antrag online zu stellen und das Interview in einem deutschen Konsulat, zum Beispiel in Frankfurt oder München, zu führen. Doch das würde mindestens 1.000 € pro Person für die Flüge kosten, plus die Visa-Gebühr von 250 € – ebenfalls pro Person, versteht sich. Ein teures Unterfangen, bei dem immer noch nicht klar wäre, wie lange wir letztendlich in Deutschland bleiben müssten, bis der Antrag durch ist. 😔

Schön wäre natürlich an dieser Variante das frühere Wiedersehen mit Freunden und Familie. Plus: Wir könnten nötige Ersatzteile (z.B. ein neues Lüfterrad für unsere Dachluke, ein Satz neuer Bremsbeläge sowie neue Bettwäsche – das von uns benötigte Maß existiert hier leider nicht) selbst beschaffen und mit nach Mexiko bringen. Damit redeten wir uns die hohen Kosten aber ehrlichgesagt nur schön. 🙈🙉

Ein großer Vorteil des Visums wäre aber tatsächlich, dass es für zehn Jahre gültig ist und uns die Möglichkeit gäbe, bis zu sechs Monate am Stück in den USA zu bleiben. Das wäre sicherlich mehr Zeit, um die USA in vollen Zügen zu erleben. Aber die Hürden bleiben hoch.

Lichtblicke

Es gibt aber auch positive Nachrichten. Auf dem Campingplatz in Nuevo Casas Grandes wurden wir gleich zweimal für Zeitungsinterviews angefragt. Beide interessierten sich für unsere Reise von Argentinien nach Alaska. 📰🥳

Und zu unserer Freude stellten wir fest, dass wir vermutlich doch beim Día de los Muertos in Mexiko dabei sein können. Ein Ereignis, das wir eigentlich verpasst hätten da wir dachten, zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA zu sein.

Wie sagen unsere Freunde Max und Merle (@AnschnallenAbfahrt) doch immer so schön: Nach jedem Tal kommt ein Berg. Aktuell stehen wir noch mitten im Tal aber wir hoffen, im nächsten Beitrag wieder mehr Positives berichten zu können. Drückt uns die Daumen! ✊


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NEW BLOG POST 🇲🇽 (01. – 05.09.2024) Casas Grandes – Agua Prieta – Nogales

Grenzdesaster vom Feinsten – Wir liefern die Vorlage für einen Kinofilm

Nachdem wir auf einer Ranch in Nuevo Casas Grandes zwei Tage damit verbracht hatten, uns für die Weiterreise vorzubereiten – inklusive dem Abschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung für die USA, die uns für 90 Tage satte 359 € kostete 😣 – fühlten wir uns gut gerüstet für den nächsten großen Schritt. Die Ranch selbst war ein echtes Paradies, wenngleich leider ein langsam aber sicher verfallendes: Neben einem riesigen Swimmingpool gab es dort auch mehrere kleine Seen, die Simon voller Elan zum Angeln nutzte – allerdings ohne Erfolg. Dafür hätten wir die Rot-, Rosé- und Weißweine der La Turbina Ranch verkosten können, denn die weitläufigen Flächen dienen nicht nur als Campingplatz sowie Eventgelände, sondern auch der Weinproduktion. 🍇

Unser Stellplatz auf der Ranch
Tolle Wohngebäude

Am Montagmorgen, mit frischen Vorräten wie Cerealien und Konserven für das angeblich teure Amerika ausgestattet, machten wir uns auf den Weg zum etwa 200 km entfernten Grenzübergang El Berrendo/Antelope Wells. Dieser kleine, unscheinbare Übergang war uns von anderen Reisenden als schnell und unkompliziert empfohlen worden – genau das, was wir uns nach den letzten Wochen voller Werkstattchaos erhofft hatten.

Aber es sollte anders kommen…

Schon bei der Ankunft sahen wir, dass es eine lange Schlange von US-amerikanischen Pick-Ups gab, die zurück in ihre Heimat wollten. Der Ausreisestempel für Mexiko war schnell erledigt: Der mexikanische Zollbeamte arbeitete einsam und alleine in einer winzigen, kaum wahrnehmbaren Backsteinhütte, während rundherum noch an neuen, modernen Gebäuden gewerkelt wurde. Dann rollten wir mit der Auto-Karawane weiter zur US-Grenze und plötzlich sahen wir uns mit einer Drive-Through-Grenze konfrontiert. Typisch Amerika! 🤣 So weit, so gut.

Drive-Through-Grenze
Da haben wir uns wohl zu früh gefreut…

Aber als wir dann schlussendlich an der Reihe waren, und die Grenzbeamtin nach unseren Pässen fragte, kam das erste Problem auf: Wir hatten keinen ESTA-Antrag gestellt.

Ich erklärte der Beamtin höflich, dass ein ESTA-Antrag unseres Wissens nach nur bei Flug- oder Schiffsreisen notwendig sei, nicht aber bei der Einreise über Land. Ihre Verwirrung darüber war groß, sie wollte sich diesbezüglich mit ihrem Vorgesetzten besprechen. Während wir warteten, parkten wir unser Wohnmobil brav an der Seite und hofften auf ein schnelles Missverständnis. Aber es sollte nicht so kommen: Sie kam nach zehn Minuten zurück und erklärte uns, dass wir ohne gültiges ESTA nicht in die USA einreisen könnten. 😮

Da standen wir nun: Mitten in der Wüste, ohne Internetempfang und somit ohne Möglichkeit, das online zu klären. Die einzige Option war, wieder 200 km zurückzufahren und einen anderen Grenzübergang zu versuchen. So machten wir uns leicht irritiert auf den Rückweg, legten eine kurze Kaffeepause ein und recherchierten erneut, als wir endlich wieder Empfang hatten. Und siehe da – sowohl die App des Auswärtigen Amtes als auch eine andere, uns sehr vertrauenswürdige Webseite bestätigten: Für die Einreise über Land brauchten wir tatsächlich kein ESTA. Mit neuem Elan fuhren wir weiter zum nächsten Übergang: Agua Prieta/Douglas in Arizona.

Dort erwartete uns der nächste Grenzschock. Vor dem beeindruckend teuren US-Grenzzaun (15 Milliarden Dollar um läppische 1.000 km der 3.000 km langen Grenze „zu schützen“) warteten Hunderte Autos, und ein unfreundlicher Grenzbeamter wies uns eine Spur zu. Als sich dann ein Auto vor uns drängelte brüllte uns der Beamte energisch an: You are blocking my way, what are you doing?! Unsere Nerven lagen schon da längst blank, aber es kam noch besser…

Der US-Amerikanische Grenzzaun „The Wall“

Als wir endlich an der Reihe waren mussten wir den Van abstellen, die Smartphones auf das Armaturenbrett legen und den Wagen verlassen. Mehrere Beamte stürmten herbei, um unseren Van gründlich zu durchsuchen – ohne dass Simon dabei sein durfte. 😯 Ich hatte ein ungutes Gefühl, als ich mich mit den Pässen ins Büro begab. Zurecht, denn dort wiederholte sich das Drama: Sie wollten wissen, warum wir keinen ESTA-Antrag hatten. Wieder erklärte ich die Situation, und wieder erntete ich nur Kopfschütteln. Hier hatten die Beamten absolut kein Verständnis dafür, dass wir vermeintlich derart unvorbereitet an ihrer Grenze erschienen waren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit in dem stark klimatisierten Wartebereich wurde ich von zwei Beamtinnen aufgerufen. Dann folgte der Schockmoment des Tages: Die Mitarbeiterinnen von Homeland Security nahmen mich mit, führten mich in eine dunkle Zelle ohne Tageslicht und filzten mich von Kopf bis Fuß. Ich musste alles ablegen: Schmuck, Schuhe, Sonnenbrille, selbst die Haarklammer. Mir wurde ganz anders und mittlerweile war ich den Tränen nahe. 😰

Simon erwartete im Anschluss, gleichfalls unvorbereitet und ahnungslos was zuvor mit mir passiert war, das gleiche Prozedere. Es folgte eine stundenlange, nervenaufreibende separate Befragung, an deren Ende man uns schließlich mitteilte, dass wir unsere Teilnahme am Visa-Waiver-Programm auf Grund unseres Verstoßes verwirkt hätten. 😲 Ohne ESTA gibt es aber kein Hereinkommen in die USA, wie wir schmerzlich lernen mussten. Uns bliebe nur noch die Option ein Visum zu beantragen, aber natürlich nicht hier an der Grenze. Völlig fertig verließen wir weit nach 19 Uhr in der Dunkelheit das Büro, kehrten über einen U-Turn zurück nach Mexiko und sahen uns direkt mit einem neuen Problem konfrontiert: Wir hatten bereits die mexikanischen Ausreisestempel im Pass, und unsere vor nicht ganz vier Monaten erteilte Aufenthaltsgenehmigung würde in acht Tagen ablaufen. Falls uns die überhaupt noch nutzen würde…

Wenigstens war die Beamtin am mexikanischen Einreiseschalter extrem freundlich und bot uns zwei Optionen an: Sieben Tage kostenloser Aufenthalt oder sechs Monate gegen Gebühr. Wir entschieden uns erst einmal für die sieben Tage in der Hoffnung, dass wir in dieser Zeit eine Lösung finden könnten. Nachdem wir auch noch den Van von einem Drogenhund durchsuchen lassen mussten (und parallel dazu neugierige Fragen der Beamten über unsere Reise, Deutschland und die hohen Flugkosten beantworten mussten), fuhren wir schließlich zurück zu der nahegelegenen Tankstelle, an der wir zuvor Kaffeepause gemacht hatten.

Ich fädle meine Schnürsenkel wieder ein,
die man mir vor dem Verhör abgenommen hatte
Auto-Durchsuchung mit Drogenspürhund in Mexiko

Dort verbrachten wir mehr schlecht als recht die Nacht, den Kopf vollgestopft mit Sorgen, Zweifeln und Selbstvorwürfen. Am nächsten Morgen versuchte ich verzweifelt, sowohl das deutsche Konsulat in Los Angeles als auch in Houston zu erreichen, aber nach stundenlangem Warten in endlosen Telefonschleifen hatte ich immer noch keinen Erfolg zu vermelden. Auch die deutsche Botschaft in Mexiko City konnte mir nicht direkt weiterhelfen, sondern verwies mich an das nächstgelegene US-Konsulat in Nogales. Nebenbei bemühte ich mich noch um eine Rückerstattung der 359 US$ für die bereits abgeschlossene Kfz-Haftpflichtversicherung.

Da wir keine andere Idee hatten, machten wir uns am nächsten Morgen auf den ca. 250 km langen Weg nach Nogales. Das US-Konsulat hatte bei unserer Ankunft natürlich längst geschlossen, weshalb wir die Nacht auf einem bewachten Parkplatz einer schicken Shopping Mall verbrachten und frustriert bei Burger King zu Abend aßen. 😔🍟🍔

Am nächsten Morgen standen wir nervös vor dem amerikanischen Konsulat und hofften auf irgendeine Lösung. Aber die Dame, die uns schließlich vor der Tür auf dem Gehweg empfing, konnte uns auch nicht weiterhelfen. In Mexiko könnten nur mexikanische Staatsbürger oder Personen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung ein US-Visum beantragen. ESTA-Fragen? Fehlanzeige. Diesbezüglich wurden wir erneut an die Grenzbeamten verwiesen, aber nach den Erfahrungen der letzten Tage wussten wir, dass das nichts bringen würde…

Also kehrten wir, völlig niedergeschlagen, zu unserem Bus zurück. Unser letzter Versuch war, trotzdem online einen ESTA-Antrag zu stellen. Obwohl uns die Grenzbeamten schon mitgeteilt hatten, dass wir dafür gesperrt seien. Aber hatten wir eine andere Wahl? Ich schickte meinen Antrag ab, kurz darauf den von Simon. 20 Minuten später kam bereits die erste Antwort: Simons Antrag war abgelehnt worden. 😭 Zu meinem gab es noch keine Rückmeldung, aber ich erwartete nichts anderes. Zumal mir selbst eine positive Antwort in dem Fall nichts mehr gebracht hätte, schließlich wollte ich ja nicht alleine in die USA reisen…

Was für ein Schlamassel! 🙈🙉🙊 Mangels Stellplatzmöglichkeiten blieb uns nur der Rückweg nach Agua Prieta, wo wir erneut eine Nacht an der Tankstelle verbrachten. Zuvor gelang es uns in Nogales jedoch noch, unsere Aufenthaltsgenehmigung für Mexiko – gegen Zahlung einer kleinen Gebühr in Höhe von 35€ pro Person – um weitere sechs Monate zu verlängern. Dies verschaffte uns zumindest genug Spielraum für die nächsten Tage, in denen es alle möglichen Optionen zu prüfen galt. Wie und ob wir die USA jemals betreten werden bleibt vorerst jedoch ungewiss… Jetzt heißt es erstmal durchatmen und weitersehen.

Falls ihr ähnliche Erfahrungen gemacht haben solltet oder irgendwelche Tipps für uns habt – immer her damit! Wir können gerade jede Aufmunterung und Anregung gebrauchen. ❤ Ein Update erhaltet ihr kommende Woche an gleicher Stelle. Hoffentlich können wir bis dahin diverse Optionen und Möglichkeiten aufzeigen. 🙏

P.S.: Laut Wikipedia ist seit dem 1. Oktober 2022 auch für die Einreise über Land ein ESTA erforderlich. Allem Anschein nach haben sie die Einreisevorschriften kurz nach unserem Start am 1. August 2022 geändert, und vermutlich hat sich meine App vom Auswärtigen Amt seither nicht mehr aktualisiert. 🤦‍♀️ Warum wir die veralteten Informationen jedoch auch auf anderen, uns vertrauenswürdig erscheinenden Seiten fanden bleibt offen. 🤷‍♀️