NEW BLOG POST 🇧🇷 (16.09. – 21.09.2022) Indaiatuba – Passo do Lontra (Pantanal)

Unser nächstes großes Ziel ist das „Pantanal“. Hierbei handelt es sich um das weltweit größte und artenreichste Feuchtgebiet der Erde. Die Trockenzeit nähert sich in den Monaten September und Oktober dem Höhepunkt. Somit stehen die Chancen gut, die Tiere an den noch verbliebenen Wasserstellen zu beobachten. Das „Pantanal“ soll vor allem für Vogelliebhaber ein wahres Paradies sein. Aber es gibt dort auch größere Säugetiere wie z.B. Kaimane, Otter und sogar Pumas. 🦜🐊🦦🐈

Nach längerem hin und her haben wir nun vier Tage bzw. drei Nächte vom 22.-25-09.2022 in der „Jungle Lodge“ in „Passo do Lontra“ gebucht. Dort erwartet uns Vollverpflegung, ein hoffentlich hübsches Zimmer sowie ein Swimmingpool. Im Preis von 400 € pro Person sind auch alle Exkursionen (z.B. per Jeep, Boot oder auch hoch zu Ross) ins „Pantanal“ enthalten. Wir haben letztlich vergebens nach einem Stellplatz für unseren Van gesucht, von welchem wir aus an organisierten Touren hätten teilnehmen können. Es wäre schlicht weg zu umständlich und am Ende vermutlich auch nur unwesentlich günstiger geworden. Danke an dieser Stelle noch einmal an Christiane für deine Hilfe und die Telefonate mit den diversen Anbietern! 💕

Zugang zur Lodge. Diese steht auf Stelzen, damit sie auch in der Regenzeit trocken bleibt.

Das heißt, wir werden in Kürze erneut unseren Van für einige Tage verlassen. Bis dahin liegen allerdings noch rund 1.200 km vor uns und es gibt keine offensichtlichen Optionen, die Strecke sinnvoll zu unterbrechen. 🙈 Wir werden uns vermutlich jeden Tag um die 200 km voran bewegen, meist an Autobahn-Postos übernachten und es während dessen ruhig angehen lassen. Schließlich haben wir für die Strecke eine gute Woche Zeit, da die Unterkunft nicht eher fei war. 😊

So sah dann auch der Freitag aus: Wir schliefen aus und ich hatte tatsächlich das erste Mal während unserer Reise die Gelegenheit für eine Runde Yoga am Morgen. 🧘‍♀️ Zwar am Grünstreifen zwischen Autobahn und Raststätte, aber immerhin beim Koi-Karpfen Teich! 😅 Es tat auf jeden Fall gut und trug vielleicht auch zum guten Gelingen des Schoko-Kuchens bei, welchen ich noch vor dem Frühstück in unseren „Omnia“ Camping-Backofen beförderte. Gegen Mittag brachen wir auf und machten uns auf den Weg zu einem größeren Supermarkt in der Nähe der Autobahn. Dort füllten wir unsere Vorräte auf und wir kamen noch ziemlich entspannt gute 200 km weit. Diese Autobahnstrecke ist wirklich sehr malerisch und angenehm zu fahren: Immer kerzengeradeaus, über leichte Hügel auf und ab entlang von saftig grünen Wiesen und Zuckerrohrfeldern sowie den dazugehörigen Fabriken. Lediglich die Mautstellen dürften für unseren Geschmack etwas seltener auftauchen aber dafür kommen wir immerhin zügig voran.

Yoga an der Autobahn-Raststätte 🛣
Schöner Koi-Karpfen Teich

Eigentlich wollten wir am Samstag nur ein ganz kurzes Stück von unserem Übernachtungs-Posto bis zum „Rio Paraná“ fahren. Der Fluss ist an der Stelle, an der wir ihn so oder so hätten passieren müssen, ziemlich breit und mutet daher eher wie ein See an. Ich hatte gehofft, dass wir uns dort im Park entlang der Küste nach den zurückliegenden Fahrtagen endlich mal wieder etwas die Beine vertreten und vielleicht sogar eine Nacht am Wasser stehen können. Aber, um an dieser Stelle die Onkelz zu zitieren: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Wir fuhren am letzten Posto vorbei bevor die Brücke den „Rio Paraná“ überquert und ich schaute wohl eine Sekunde zu lange hin ganz in Gedanken, ob das wohl ein passender Ort für die Nacht sein könnte. So verpassten wir leider die direkt dahinter liegende Ausfahrt ans Ufer und befanden uns, schneller als wir schauen konnten, schon auf der rund 12 km langen Brücke. Natürlich ohne Wendemöglichkeit. 🙈🙉🙊 Simon wollte nicht umkehren um Kilometer zu sparen (wobei es am Ende unserer Reise auf die paar mehr sicherlich nicht angekommen wäre) und so fuhren wir ohne den geplanten Stopp schnurstracks weiter. 🤷‍♀️ Dafür wurden wir auf der anderen Seite des Flusses, jetzt im Bundesstaat „Matto Grosso do Sul“ und nicht mehr „Sao Paulo“, direkt von drei großen und wunderschönen blauen Aras empfangen. 🤩 Der Blick auf die Uhr brachte dann die nächste Irritation mit sich. Auf meinem Handy und meiner Smart-Watch stand 11:37 Uhr, alle anderen Uhren im Van zeigten 12:37 Uhr. Der nächste Halt an der Raststätte bestätigte dann unsere Vermutung: Durch den Wechsel des Bundesstaates befinden wir uns nun in einer anderen Zeitzone und haben ab sofort nicht mehr 5 sondern 6 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Weiter ging die Fahrt durch grünes Grasland und zu unserer Begeisterung konnten wir während dieser insgesamt 4 „Große Ameisenbären“ erspähen! Die Tiere standen friedlich etwas abseits der Straße und waren ganz offensichtlich auf der Suche nach ihrer Leibspeise: Den Termiten. Zumindest waren die rostroten Hügel unschwer als solche zu erkennen. Laut einer deutschen Zoologin, die mehrere Monate pro Jahr im „Pantanal“ verbringt um die Tiere zu studieren, sind diese „nicht die hellsten Kerzen auf der Torte“ ameisenbaeren-im-pantanal. 🤣 Das liegt wohl an dem nur Walnuss großen Gehirn der Ameisenbären und die meiste Kapazität benötigen sie wohl für ihren guten Geruchssinn. Anscheinend sehen und hören die Armen wohl auch nicht so gut. Die ausgewachsenen Tiere waren in etwa so groß wie ein größerer Hund (beste Grüße an „Rocky“ an dieser Stelle!), wirken aber durch den langen buschigen Schwanz und den Rüssel noch deutlich größer. Des Weiteren sahen wir zahlreiche Emus auf den Wiesen und Weiden. Ebenso einige größere Raubvögel und auch die kleinen, lauten grünen Papageien waren mal wieder zu sehen. 😍 Entlang der Strecke lagen viele verstreute „Fazendas“ (= Ranches) mit jeweils unglaublich großen Ländereien rundum. Entsprechend viele Rinder gab es auf den Weiden zu sehen und nur noch wenige Zuckerrohr-Felder im Vergleich zum Vortag. Tja und anstatt der rund 150-200 km pro Tag, die wir uns eigentlich als Ziel gesetzt hatten, fuhren wir dann letztlich knapp 400 km bis wir zu einem geeigneten Posto für die Nacht kamen. 🤔 Der Großteil des Weges ging heute entlang einer vom Land Brasilien finanzierten, öffentlichen Autobahn. Dies merkt man stets daran, dass die Straße eher einer unserer Bundesstraßen ähnelt. Sie ist oft nur einspurig mit Überholspuren im Seitenwechsel, es gibt öfter mal das ein oder andere Schlagloch aber dafür ist sie kostenfrei. Und hinter den zahlreichen LKWs, welche hier oft mit einer Länge von bis zu 30 Metern unterwegs sind, kann man sowieso nicht schneller als 90 km/h schnell fahren.

Der Rio Paraná
So sieht der große Ameisenbär 🐜 aus
(Foto aus Wikipedia)
Mal wieder ein nettes Posto gefunden 😀
Verdiente Stärkung nach der langen Fahrt 😋

Am Sonntag hatten wir es nicht mehr weit bis „Campo Grande“. Wir waren total erstaunt, wie ruhig es in der 850k Einwohner Stadt war. Es gab kaum Verkehr auf den Straßen und das Stadtbild war, wie mittlerweile gewohnt, sehr sauber und ordentlich. Eigentlich nicht von einer europäischen Stadt zu unterscheiden. Wir steuerten direkt den sehr weitläufigen Stadtpark im Zentrum an, um uns nach den zahlreichen Fahrtagen endlich mal wieder die Füße zu vertreten. Es war relativ warm an diesem Mittag, die Temperatur lag knapp über 30 Grad und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir einige der wenigen Besucher waren. Wir konnten sehr viele „Capybaras“ (= Wasserschweine) sehen, welche sich an dem aufgestauten Bachlauf sowie an dem großen künstlich angelegten See sicherlich sehr wohl fühlen. Neben dem Spazier- und Fahrradweg durch den Park gab es auf den Grünflächen viele schattenspendende Bäume. 🌳 Wir konnten auch einige ausladende Mangobäume entdecken welche bereits übervoll mit Früchten waren. 😮 Schade, dass die Erntezeit erst im Dezember/Januar ist! Auch den üppig gelb bzw. rosa blühenden Nationalbaum „Ipê“ konnten wir bewundern. Da diese Bäume keine Blätter, sondern nur Blüten, tragen sind sie umso schöner. 😍 Nach unserem langen Spaziergang machten wir es uns noch im Schatten auf unserer Picknick-Decke gemütlich und genossen vor der Weiterfahrt noch Kaffee und Kuchen. ☕🍰 Durch die Zeitverschiebung wird es jetzt leider auch eine Stunde eher dunkel. Eigentlich vermeiden wir es zwecks Wildwechsel und Schlaglöchern im Dunkeln zu fahren aber diesmal war es nicht ganz zu verhindern. Wir durften während der abendlichen Fahrt einen herrlichen Sonnenuntergang über der Savanne und den Bergen des „Pantanal“ genießen. 💕 Genauso haben wir es uns vorgestellt! Ein Himmel in den schönsten Lila, Orange und Rot Tönen in welchem sich die Konturen der Bäume abzeichnen. Wir kamen gut an einem der wenigen, größeren Postos auf dieser Strecke an und hatten eine mehr oder minder gute Nacht. Dank der hohen Temperaturen war es in unserem Van, trotz Ventilation des Lüfters in der Dachluke und der Standheizung, ziemlich warm und entsprechend unruhig schliefen wir.

Stadtpark in Campo Grande
Die Capybaras fühlen sich hier sichtlich wohl
Blüte 🌸 vom Ipê Baum
Sooo viele Mangos 🥭
Fahrt in den Sonnenuntergang 🌅

Den kommenden Vormittag verbrachten wir auf dem leider sehr staubigen Rastplatz um u.a. das dortige WLAN zu nutzen. Da es unglaublich heiß war mussten wir alle Schotten im Van auflassen. Das führte dann unweigerlich dazu, dass der ganze Innenraum von einer herrlichen Staubschicht bedeckt wurde. War aber dennoch das geringere Übel. 😆 Wir nutzten noch die kostenfreien, sauberen Duschen am Posto bevor wir uns dann am frühen Nachmittag auf machten, um die letzten 120 km bis zur „Jungle Lodge“ zu fahren.

Simon freut sich über frittiertes „Frango“ (= Hühnchen)

In „Miranda“ stoppten wir noch an einem Supermarkt, um noch einmal Trinkwasser zu kaufen. Auf dem Weg überquerten wir eine Brücke, von welcher man in ein Wasserloch mit mehreren hundert Alligatoren hinunterblicken konnte. 🐊😮 Wir vermuten, dass sich die Tiere hier zu Ende der Trockenzeit versammeln, weil die meisten anderen Wasserquellen in den Sümpfen bereits ausgetrocknet sind.

Überall Alligatoren 🐊
Die Tier sammeln sich vermutlich an verbliebenen Wasserlöchern

Kurz darauf erreichten wir unser Ziel. Wir meldeten uns an der Rezeption und teilten mit, dass wir bereits drei Tage eher als geplant hier wären. Zu unserer großen Freude war dies für das Personal überhaupt kein Problem. Wir dürfen hier bis Donnerstag kostenfrei den Van parken und natürlich auch darin übernachten. Nach der ersten extrem heißen Nacht im Bus sind wir allerdings einmal mehr froh darüber, die Unterkunft hier gebucht zu haben und bald im klimatisierten Zimmer schlafen zu dürfen. Es ist hier schwül warm bei bis zu 37 Grad im Schatten. 🥵🥵🥵 Da bringt auch der Ventilator in der Dachluke sowie der Lüfter der Standheizung nicht mehr viel. Die Sanitär-Anlagen sowie das ganze Gelände dürfen wir ebenfalls kostenfrei nutzen. Lediglich für die Nutzung des Pools werden 10 € pro Tag von uns verlangt – mehr als fair wie wir finden. 👍 Über diesen freuten wir uns am darauffolgenden Tag sehr und es war schön auf andere Gleichgesinnte zu treffen. Mit uns übernachtete ein älteres, französisches Ehe-Paar in ihrem großen Iveco-Van auf dem Parkplatz sowie ein Paar in unserem Alter aus Luxemburg, welche in ihrem Land-Rover mit Dachzelt reisen. So konnten wir abends noch lange draußen sitzen und uns über die diversen Reiserouten und Erfahrungen austauschen. 😃 Ansonsten sind hier hauptsächlich die lustigen und reisefreudigen Holländer anzutreffen. Was wir hier auf der Lodge alles erleben werden und wie die angebotenen Exkursionen sind erfahrt ihr dann im nächsten Blog-Beitrag. 😉

Endlich angekommen 😎
Hier lässt es sich aushalten 😛
Gegen den Iveco können wir abstinken 🤣

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!

NEW BLOG POST 🇧🇷 (06.09. – 14.09.2022) Chapada – Indaiatuba

Relativ gut ausgeruht machten wir uns am nächsten Morgen auf in Richtung „Ouro Preto“. Auf dem Weg dorthin stoppten wir noch an einem gelben „BH Supermercado“ welcher endlich mal ein richtig gutes Preis-/Leistungsverhältnis aufwies. 👍 Am Nachmittag steuerten wir einen Stellplatz an welchen wir in der „iOverlander“ App gesehen hatten. Nach einigem Suchen fanden wir dann auch noch den besagten Platz: Es ging ein kurzes aber steiles Stück unbefestigten Weges von der Landstraße hinab bis zu einer ebenen Grasfläche. Dort parkten wir den Van und kraxelten den noch viel schmaleren und steileren Weg hinunter zu dem dort vermuteten Wasserfall. Wir waren wirklich überrascht von dem wunderschönen Idyll, dass wir unten angekommen vorfanden: Ein kleiner Wasserfall stürzte in einer schönen Kaskade vom Felsen in ein natürliches Becken. Von dort aus floss das Wasser ein Stück weiter den Fluss entlang, bis es sich über eine schmale natürliche Rutsche wieder in einen kleinen Wasserfall ergoss und dann den Fluss entlang weiter floss. Die Steine waren alle vom Wasser glatt geschliffen so dass wir vermuten, dass das Flüsschen in der Regenzeit zu einem reisenden Strom anschwillt. Nach der schönen Auszeit am Wasser begaben wir uns auf den steilen Rückweg zum Van und ruhten uns noch ein wenig in unseren Campingstühlen in der Sonne aus. ☀😎 Als es zu dämmern begann zogen wir uns in den Van zurück. Ich war gerade im Begriff das Abendessen vorzubereiten, als ein Pick Up den Weg zu uns hinunterfuhr. Ein Paar stieg aus und sprach uns an, ob wir hier übernachten wollten. Als wir dies bejahten meinten sie, dass es hier wohl nicht sicher sei, weil es in der Umgebung immer mal wieder zu Überfällen gekommen sei. Sie würden aber im Nachbarort 3 km weiter wohnen und wir könnten sehr gerne die Nacht bei ihnen auf dem Grundstück verbringen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich dankend an. Wenn gleich auch mit einem mulmigen Gefühl, was uns dort wohl erwarten würde und ob das nicht auch eine Falle sein könnte?! Aber die beiden machten einen derart sympathischen Eindruck und als wir unsere liebe Not hatten, mit unserem schweren Van den Berg auf die befestigte Straße wieder hinaufzugelangen sahen wir sofort ein, dass sie mit ihrem gut gemeinten Ratschlag sicherlich richtig lagen. Wir folgten ihnen also bis zu ihrem Haus, ebenfalls abgelegen am Rand des 100 Einwohnerortes „Chapada“. Man parkte extra den VW T2 Bus um, damit wir an dessen Stelle direkt auf dem Parkplatz neben dem Haus parken konnten. Die beiden Besitzer, Dilse und ihr Mann, machen wieder kehrt um noch nach „Ouro Preto“ zu fahren um ihre Einkäufe zu erledigen. Sie waren sogar extra wegen uns noch einmal umgekehrt! Als sie zurückkamen, hatten wir bereits unser Abendessen vertilgt. Freundlicherweise luden uns die beiden just in dem Moment auch noch auf ein gemeinsames Frühstück in ihr Haus am kommenden Morgen ein. Am Folgetag, so erfuhren wir, war in Brasilien nämlich „Unabhängigkeitstag“ und somit Feiertag weswegen die beiden freit hatten. 🥰🥰🥰

Das war der Stellplatz vorm Wasserfall
Kleines Paradies ☺️
Mal wieder ein herrlicher Sonnenuntergang 🌅

Im Gegensatz zu Simon schlief ich in dieser Nacht, trotz bomben sicherem Stellplatz und absoluter Ruhe um uns herum, eher schlecht. Irgendwie konnte ich den Gedanken, ob man uns nicht doch absichtlich hierhergelockt hatte, nicht gänzlich abschütteln. 🙈🙊🙉 Umso mehr freute ich mich am Morgen auf das Frühstück bei Dilse und ihrem super netten Ehemann. Glücklicherweise konnten beide ganz gut Englisch und so konnten wir uns sogar ziemlich gut verständigen. 😃 Ihr 50 Jahre altes Haus war klein aber fein und versprühte irrsinnig viel Charm. Vor allem die Küche, in der sich für die Wintermonate auch der Holzofen befand. Der Tisch war bereits liebevoll gedeckt und das Frühstück unterschied sich zu unserem Erstaunen kaum von unserem Europäischen: Es gab frisch aufgebackene, ganz kleine runde und mit Käse gefüllte Brötchen. Dazu Butter, Frischkäse und salzigen weißen Schnittkäse aus der Region. Außerdem stand ein Gläschen mit selbst gemachtem Granola auf dem Tisch. Der frisch gebrühte Kaffee fehlte selbstverständlich auch nicht und Dilse hatte abends sogar extra noch einen ganz leckeren Mais-Käse-Kuchen für uns gebacken. 😍 Nach dem wirklich sehr netten und leckeren Frühstück bekamen wir noch eine Führung durch den Garten. Dilses Mann (ihr merkt, ich habe leider seinen Namen vergessen 🤔) ist von Beruf Hundetrainer und Tierliebhaber durch und durch. Die beiden besitzen zwei kleine tibetische Hunde, zwei Aquarien mit Goldfischen, ein 20 Jahre altes Pferd welches á la Pippi Langstrumpf auch tatsächlich mal durchs Küchenfenster ins Haus schaut ❤ sowie zwei Vögel in Volieren und vier verschiedene Hühnerarten. Diese legen pro Tage sage und schreibe 20 Eier! Keine Ahnung, was die beiden damit machen… Zumindest meinten sie, dass sie die Eier nicht verkaufen würden. Und im Garten wurden wir dann erst recht überrascht: Der nette Hausbesitzer füttert die Vögel im Garten, u.a. mit frischer und extra dafür gekaufter Papaya und so konnten wir dort die verschiedensten, bunten Vogelarten beobachten. Der Oberhammer waren aber die Äffchen! Da sie regelmäßig gefüttert werden, konnte ich ihnen Vollkorntoastbrotstücke direkt aus der Hand reichen. Ich war hin und weg. 😍😍😍 Auch der T2 Camping-Bus von ihnen wollte noch besichtigt werden und natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, den beiden im Gegenzug noch einen Einblick in unser mobiles Heim zu gewähren. Es war einfach nur nett und wir verabschiedeten uns voller Freude von den beiden, bevor wir uns weiter auf den Weg in Richtung Mariana machten.

Unsere super netten Gastgeber 😍

Kurz vor Mariana besichtigten wir noch die alte, ehemalige Goldmine „Mina da Passagem“. Mit der Lohre ging es steil am Seil hinab in den Bergbau schaut. Wir fuhren mit unserer, leider nur portugiesisch sprechenden Führerin, bis auf die dritte Ebene in 130 Meter Tiefe hinab. Sie gab sich wirklich viel Mühe und sprach sehr langsam so dass wir doch einiges verstehen konnten. Pro 30 Meter Tiefe steigt die Temperatur wohl um 1 Grad an was deutlich spürbar war. Unten angekommen war es tatsächlich feucht warm und die extra eingepackte Jacke hätten wir getrost im Auto lassen können. In den 100 Jahren Minenbetrieb wurden unglaubliche 35 Tonnen Gold gefördert. Außerdem wurde auch Silber, Marmor, Granit und Eisenerz abgebaut. Sowohl die 5 Kilometer bis „Ouro Preto“ in die eine, als auch die 2 Kilometer bis „Mariana“ in die andere Richtung sind komplett untertunnelt. 😮 Das Gestein enthält u.a. aber auch giftiges Arsen, welches insbesondere nach Regenfällen herausgelöst werden kann und beim Menschen zu Vergiftungen bzw. Verätzungen der Haut führen kann. Das Wasser des oberhalb der Mine verlaufenden Flusses sickert ganz langsam, aber stetig in die Tiefe. Und das Grundwasser von unten bildet einen kleinen, aber lebensfeindlichen, weil sauerstoffarmen See welchen wir ebenfalls sehen konnten. Taucher haben sogar die Möglichkeit, in den Höhlen unter Wasser zu tauchen. Wir blieben auf der dritten von insgesamt sechs Ebenen und sahen, außer dem Schrein mit der Schutzpatronin der Bergleute „Santa Barbara“ nichts anderes mehr. So ging es mit der Lohre nach ca. 20-30 Minuten wieder zurück ans Tageslicht. Die Führung war zwar interessant aber insgesamt 52 € für uns beide waren dafür wiederum dann doch recht viel.

Mina da Passagem – die Alte Goldmine
Hier geht’s mit der Seilwinde runter in die Mine
Unterirdischer, glasklarer See
Nach der Führung ging’s auf gleichem Wege wieder zurück ans Tageslicht

Um die Mittagszeit trafen wir dann im wenige Kilometer entfernt liegenden „Mariana“ ein. Wir parkten unseren Van am Krankenhaus, welches oben am Hang lag und eine herrliche Aussicht auf die Stadt bot. Laut Dilses Mann wäre es auch absolut sicher hier zu übernachten also suchten wir direkt einen guten Parkplatz aus. 😉 Von hier aus konnten wir zu Fuß in die nahegelegene, mit Kopfstein gepflasterte Altstadt hinabsteigen. Es gab zahlreiche Kirchen sowie einen hübschen Platz im Ortskern mit Springbrunnen und Grünfläche. Auf Grund des Feiertages hatten aber die meisten Geschäfte und Lokale geschlossen und so gab es weiter nicht viel zu sehen. Wir begaben uns wieder zurück zu unserem schön gelegenen Parkplatz und genossen von dort aus noch die herrliche Aussicht auf die Stadt. 😍

Blick vom Stellplatz am Krankenhaus auf Mariana
Altstadtgässchen mit Blick auf eine der vielen Kirchen
Pause im schönen Park

In dieser Nacht schlief ich richtig gut und nach dem morgendlichen Kaffee machten wir uns direkt auf den Weg ins ca. 15 km entfernte „Ouro Preto“. Die Stadt gilt als das „Kronjuwel“ unter den brasilianischen Barockstädten, weil hier keinerlei Neubauten in der gesamten weitläufigen Altstadt zu finden sind. Das durch den Goldabbau eingenommene Geld wurde damals zum Großteil in die Architektur der Stadt investiert. Die Gassen sind zum Teil sehr eng und steil und man bewegt sich durchweg auf Kopfsteinpflaster. Zum Glück konnten wir unseren Van beim nahegelegenen Busbahnhof abstellen und von dort aus zu Fuß die Stadt der 23! Kirchen erkunden. Wir haben die Kirchen nicht gezählt aber definitiv sahen wir nicht alle – für unseren Geschmack jedoch genug davon. 😂 Um die Mittagszeit suchten wir das im Reiseführer als gut und günstig beschriebene Restaurant „Tiradentes“ auf. Dort gab es typische Küche aus der Region „Minas Gerais“ in welcher die Stadt „Ouro Preto“ liegt. Typisch für diese Küche ist mitunter, dass in Töpfen und Pfannen aus Stein auf Feuer gekocht wird. Das Mittagsbüffet kostete schlappe 6! € pro Person (vor Corona waren es wohl sogar nur 3 € pro Kopf) und wir konnten uns bei allem bedienen: Es gab eine Auswahl an Salaten & Rohkost, diverse Beilagen wie Reis, Polenta und selbst gemachte Chips, verschiedene Fleischsorten wie dünne Schweinschnitzel, geschmortes Rindfleisch sowie Hühnchen und natürlich reichlich Gemüse und Spaghetti. Nach dem üppigen Mahl entschieden wir direkt, das Abendessen heute zu streichen. Stattdessen machten wir uns am frühen Nachmittag auf die Fahrt bis nach „Tiradentes“. Hier kamen wir mit Einbruch der Dunkelheit um kurz nach 18 Uhr an und durften freundlicherweise auf einem großen, wenn auch nicht bewachten, Parkplatz eines Hotels übernachten.

Eine der 23 Kirchen ⛪️ in Ouro Preto
Die Barockstadt ist von grünen Bergen umgeben
Rundgang durch die schöne Altstadt
Mittagsbüffet für 6 € pro Kopf 😜
Es gab viel Auswahl & war wirklich lecker 😋

Bis ins Zentrum von „Tiradentes“ waren es am nächsten Morgen nur einige hundert Meter. Da wir nach dem gestrigen, üppigen Mittagsbüffet erneut dinner cancelling betrieben hatten gab es ausnahmsweise schon direkt nach dem Aufstehen Frühstück. 😂 Danach parkten wir unseren Van ganz zentral am Busbahnhof von wo aus wir die kleine, überschaubare Altstadt sehr gut zu Fuß erkunden konnten. Unser Weg führte uns zuerst zu dem großen Brunnen aus dem Jahr 1749. Er enthält insgesamt drei Becken welche alle einem anderen Zweck dienten: Eines war für Trinkwasser bestimmt, eines um die Pferde zu tränken und eines um die Wäsche zu waschen. Lustigerweise traf tatsächlich bei unserem Gehen eine Horde Grundschulkinder mit ihrer Lehrerin an dem Brunnen ein. Die Kinder füllten dort zu unserer Verwunderung tatsächlich alle ihre Trinkflaschen auf. 😮 Wir folgten dem Tipp aus dem Reiseführer und gingen durch eine niedrige Holztür in dem Mauerwerk unweit des Brunnens. Von dort aus führte ein schmaler Pfad durch dichten Urwald immer entlang des Wassergrabens, welcher den Brunnen speist, bis zur Quelle. Der Spaziergang dauerte nicht lange, vielleicht 10 Minuten Fußweg, war aber wirklich sehr malerisch und unter den Bäumen war es auch noch angenehm schattig kühl. Danach schauten wir uns in dem äußerst hübschen, kleinen Städtchen um. Wie immer gab es schöne Kirchen und in einer fand kurz darauf sogar eine Trauung statt. Die Kopfsteinpflastergassen und die bunten Fenster- und Türrahmen kannten wir ja schon aus anderen von uns besuchten Städten. Hier kamen aber noch ziemlich viele Pferdekutschen und vor allem wirklich sehr, sehr schöne Kunsthandwerksläden hinzu. Es gab allerlei hübsche Keramik, nette Galerien und kleine Cafés sowie Restaurants. In einem der Cafés konnten wir sogar die „Cafés do Brasil“ Kaffeesäcke entdecken, welche wir u.a. bei Ettli Kaffee in Ettlingen erstanden und in unserem Bus verbaut haben. 😍 Wir stolperten zufällig auch noch über eine gute und stabile WLAN-Verbindung und konnten so auch noch mit den Lieben zu Hause telefonieren. Immer wieder schön. 💕 Nach der Stippvisite ging es dann zurück auf die eher schlechte Autobahn. Wir quälten uns darauf rund 100 km, für die man dann schon gut und gerne zwei Stunden braucht, hinter den langsam fahrenden, weil schwer beladenen LKWs her. Außerdem führt solch eine Autobahn auch gerne mal durch größere und kleinere Orte. Durch diese kann man max. 30 oder 40 km/h schnell fahren. Zumal man alle paar Meter durch die nervigen Bodenwellen ausgebremst wird. Wir gelangten dann aber doch noch weiter auf die gute Autobahn und konnten noch einmal ein wenig Strecke machen. Als nächstes wollen wir Simons Großonkel Jürgen, welchen wir glücklicherweise über Facebook ausfindig machen konnten, besuchen. An diesem Tag übernachteten wir daher mal wieder an einem Autobahn-Posto, um von dort aus die restlichen ca. 300 km zu überwinden.

Der alte Brunnen ⛲️ mit den 3 verschiedenen Trögen
Herrliche Altstadt 😀
Bisschen Kitsch darf auch mal sein 😉
Die Kleinstadt ist von üppigem Grün umgeben 🥰

Am Samstag kamen wir gegen Mittag in „Indaitabua“, dem Wohnort von Jürgen und seiner Frau Christiane, an. Die Stadt hat ca. 250k Einwohner wobei sich Einwohnerzahl innerhalb der letzten 10 Jahre dank der Ansiedlung vieler Industriefirmen mehr als verdoppelt hat. 😮 Wir steuerten als erstes den „Parque do Mirim“ an welchen wir auf der „maps.me“ Karte entdeckt hatten. Allerdings war es wahnsinnig heiß als wir dort auf dem Parkplatz ausstiegen. 🥵 Wir liefen einige Meter durch den Park bis zum Kiosk und auf dem kurzen Wegstück hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass mir die Sonne die Haut verbrennt! Und der künstlich angelegte (Stau-)See war trotz seiner nicht zu verachteten Größe so gut wie ausgetrocknet. So entschieden wir einstimmig, gleich wieder kehrt zu machen und flüchteten ins noch klimatisierte Fahrerhaus unseres Vans. 😂 Wir fuhren die Straße zurück in Richtung Innenstadt, parkten auf dem Parkplatz beim „Parque Ecológico“ und schauten uns zu Fuß den schmalen, aber sehr langen Stadtpark an. Auch dieser Fluss führte kaum mehr Wasser und zeugte von den vergangenen trockenen Wintermonaten. Wir sahen in dem Park sehr viele Familien, die im Schatten der Bäume grillten, Bier tranken und es wurden zahlreiche Kindergeburtstage gefeiert welche gut an den vielen Luftballons zu erkennen waren. Verschwitzt wie wir gegen Nachmittag waren, fuhren wir wieder zum ersten abgelegeneren Park zurück um dort in Ruhe zu duschen. Auf dem Hinweg am Nachmittag sahen wir bereits ein gut gelegenes, eingezäuntes und bewachtes Wohnviertel. Wir fragten beim Wächter nach, ob wir freundlicherweise quasi vor seiner Tür die Nacht verbringen dürften und er stimmte tatsächlich zu. 👍 In aller Ruhe konnten wir uns somit dort einem ganz speziellen Abendessen widmen: Wir hatten im Supermarkt „Tapioca“ gekauft, nach dem wir in einem YouTube Video erstmals davon gehört hatten. Hierbei handelt es sich um eine geschmacksneutrale weiße Stärke, die aus der getrockneten Maniokwurzel hergestellt wird. Das etwas gröbere Pulver kann einfach direkt in eine heiße Pfanne gestreut werden und die Stärke verklebt durch die Hitze selbstständig zu einem Pfannkuchen! Ganz ohne jegliche Zugabe weiterer Zutaten, wie von Geisterhand! Nach dem beidseitigen backen kann der Fladen sowohl herzhaft als auch süß belegt werden, da er überhaupt keinen Eigengeschmack hat. So ließen wir uns die erste Runde mit Tomate-Mozzarella und die Zweite mit Nutella und Erdbeere schmecken. Und das Beste: Innerhalb von nicht einmal 10 Minuten war alles fix und fertig. 🤩

In Indaiatuba angekommen ♥️
Blick auf die Stadt 🌆 vom Park aus

Am Sonntagmorgen erhielten wir leider die traurige Nachricht, dass Simons lieber Opa Franz im stolzen Alter von 94 Jahren nach einigen Wochen Aufenthalt im Krankenhaus und zuletzt im Pflegeheim verstorben war. Für ihn ein Segen, dass er nicht länger leiden musste aber für uns natürlich trotzdem sehr traurig. Vor allem, da wir so viele Kilometer entfernt sind und deshalb nicht für den Rest der Familie da sein können. 😥😥😥 Trotz allem machten wir uns am späten Vormittag auf den Weg zu Simons Familie. Jürgen empfing uns direkt mit offenen Armen und wir nahmen erst einmal auf der schattigen Terrasse Platz und stillten unseren Durst. Seine Frau Christiane stieß etwas später dazu, weil sie die Tage zuvor im nicht allzu weit entfernten Sao Paulo verbrachte. Das Kennenlernen war gleichfalls herzlich und wir fühlten uns sofort wohl und willkommen. Am späteren Mittag luden uns die beiden in ein sehr gutes Restaurant am Stadtpark ein. ❤ Als Vorspeise gab es kleine, knusprige Käse- bzw. Fleisch-Pastels und für mich endlich die erste Caipirinha in Brasilien! 🍹 Simon hatte ein butterzartes Rinderfilet mit cremigem Lauch-Schinken-Mozzarella-Risotto. Ich entschied mich für ein heimisches, sehr großes Fischfilet mit Mandel-Reis und Tomaten-Oliven Gemüse als Beilage. 😋 Am Abend machten wir es uns bei den beiden zu Hause gemütlich und es gab viel zu erzählen. Die beiden sind in ihrem Leben schon sehr, sehr viel rumgekommen und konnten uns sowohl für Brasilien als auch für weitere Länder Südamerikas gute Reisetipps geben. Wir tauschten für die kommenden drei Tage unseren Van gegen ihr gemütliches sowie geräumiges Gästezimmer und freuten uns auch über das eigene Bad. Gerne nutzten wir auch das Angebot bei ihnen unsere Wäsche zu waschen und auf der Leine zu trocknen.

Hier wachsen so prachtvolle Orchideen einfach im Garten! 😳

Morgens wurden wir von den beiden jeweils ganz herzlich an der bereits üppig gedeckten Frühstückstafel empfangen und so genossen wir die kleine Auszeit vom Vanlife bei den beiden wirklich sehr. Nach dem ersten, sehr heißen Tag in „Indaiatuba“ waren die restlichen Tage vergleichsweise kühl und mitunter sogar regnerisch. So unternahmen wir bis auf einen kleinen Spaziergang und eine Rundfahrt im Auto durch die Stadt nicht weiter viel und es gab ausreichend Zeit für Gespräche und zum Relaxen. Am letzten Abend revanchierten wir uns mit selbst gemachter Pfannen-Pizza inklusive brasilianischem Rotwein bei den beiden für ihre wirklich tolle Gastfreundschaft. 😊 Nach den schönen und geselligen Tagen hieß es dann am Mittwochmittag Abschied nehmen. Zuvor hatten uns die beiden noch sehr bei der Planung unserer weiteren Reise ins „Pantanal“ unterstützt und für uns, da wir nach wie vor leider kein Portugiesisch beherrschen, bei einigen Lodges angerufen. Bei einer davon haben wir dann auch gebucht und freuen uns schon jetzt auf den All-inclusive Aufenthalt direkt am Fluss inklusive diverserer Exkursionen in das größte Feuchtgebiet der Erde. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagten wir Jürgen & Christiane Lebewohl und fuhren erneut auf die Autobahn. Diese wird für die kommenden Tage quasi unser „Zuhause“ werden, da rund 1.200 km bis nach Campo Grande bzw. Miranda vor uns liegen.

Schöner Abend mit Pizza & Rotwein 🍷🍕
♥️lichen Dank noch einmal an Jürgen & Christiane für die Gastfreundschaft & die schöne Zeit 🥰

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!

NEW BLOG POST 🇧🇷 (02.09. – 05.09.2022) Rio de Janeiro – NP Serra dos Orgaos

Die Fahrt nach Rio de Janeiro verlief unkompliziert und so kamen wir noch bei Tageslicht gegen 17 Uhr an dem angesteuerten Stellplatz, direkt bei der Seilbahn zum Zuckerhut, an. Ich hatte mir irgendwie einen eingezäunten, 24 Stunden vom Militär bewachten Parkplatz vorgestellt. Eingezäunt war er dann nicht aber immerhin rund um die Uhr vom Militär bewacht, welches zu beiden Seiten des Platzes je ein Gebäude bzw. die Militärakademie hat. So übernachteten wir tatsächlich zweimal direkt unter dem Zuckerhut, zu unseren Füßen der Strand der „Praia Vermelha“. 😃 Für die zwei Nächte bezahlten wir insgesamt 150 Real was 30 € entspricht.

Vom Militär bewachter Stellplatz am Zuckerhut
Blick auf den Zuckerhut von der „Praia Vermelha“ aus

Am Freitag waren wir bereits früh auf und konnten die Jungs vom Militär während unseres Morgenkaffees beim Frühsport beobachten. Wir packten unser Frühstück in den Rucksack und liefen die wenigen Meter bis zum Eingang der Seilbahn. So standen wir bereits um 8 Uhr morgens in der Warteschlange und waren eine der Ersten in der Bahn auf den „Pao de Acucar“. Wir hatten wirklich einen fantastischen Tag mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein erwischt. Entsprechend gut war der Blick aus der fahrenden Gondel, welche in zwei Stationen auf den 400 Meter hohen Berg führt, und von den beiden Bergstationen hinunter auf die Stadt. 🤩 Jede Fahrt dauert ca. 3 Minuten und jede Gondel fasst max. 65 Personen. Die rundum Sicht auf Rio de Janeiro, den gegenüberliegenden „Corcovado“ mit dem „Cristo Redentor“, die „Copacabana“, den national airport, die ewig lange Brücke über den Atlantik – wirklich fantastisch. Und auch die Flugzeuge auf ihrem Landeanflug zu beobachten war super toll. Wir verputzten oben noch unser Sandwich und fuhren dann wieder hinunter zur Talstation. Gut, dass wir so früh dran waren! Die uns entgegenkommenden Seilbahnen waren im Vergleich zu unserer am Morgen bereits deutlich voller. Unten angekommen schnappten wir unsere Fahrräder und fuhren damit auf dem Radweg immer der Küste entlang bis zum „Centro“. Der kleine Teil, den wir von der historischen Altstadt gesehen haben, war wirklich sehr schön und es war amüsant, dem geschäftigen Treiben der Straßenhändler und Essensstände zuzuschauen. Wir konnten bei einer Frau ein richtig leckeres und sehr schmackhaftes hausgemachtes Mittagessen erstehen. Für sage und schreibe 3 € gab es eine große Schüssel voll Reis mit Bohnen, Spaghetti, Kartoffeln mit Möhren sowie geschmortes Rindfleisch. Frisch gestärkt radelten wir weiter zum modernisierten Hafenviertel, welches von dem futuristischen Amazonas-Haus überragt wird. Auch hier beobachteten wir bei einer kalten Cola noch einmal das Treiben um uns herum, bevor wir auf dem Küstenradweg zurück bis zur Copacabana fuhren. Der Strand hat uns allerdings nicht wirklich überzeugt. Vermutlich ist er einfach nur deshalb so bekannt bzw. berühmt, weil er ziemlich lang ist und mitten in der Stadt liegt. Analog zur angrenzenden „Praia Ipanema“ welche wir allerdings nicht mehr besuchten. An der Copacabana reiht sich eine Bude an die andere und Sonnenschirm an Sonnenschirm. Da sind uns die einsamen, endlosen Strände der Ilha Santa Catarina 1.000x lieber. 😋

Mit der Seilbahn 🚠 auf den „Pao de Acucar“
Blick auf die Stadt, ganz links die „Copacabana“
Hier sieht man die Start- & Landebahn 🛫
Im „Centro“ von Rio de Janeiro
Das Theater 🎭
Amazonas-Haus im Hafenviertel
Streetfood gibt’s immer & überall 😅
Hotel „Copacabana Palace“

Die Nacht von Freitag auf Samstag am Zuckerhut war leider nicht so ruhig wie die vorherige, weil in dem Gebäude hinter uns vermutlich eine Hochzeitsfeier stattfand und es um unser Auto herum ziemlich lange ziemlich laut war. Entsprechend müde und gerädert waren wir am Samstagmorgen. 😫 Nichts desto trotz machten wir uns erneut gegen 7 Uhr auf den Weg und wechselten den Stellplatz. Wir parkten unseren Van auf einem tagsüber bewachten Parkplatz ganz in der Nähe des Botanischen Gartens in Rio. Parkgebühr pro Stunde 10 Real (= 2 €). Von dort aus nahmen wir uns ein Taxi für 25 Real (= 5 €) und ließen uns zur Zahnradbahnstation auf den „Corcovado“, dem Berg mit der berühmten Christus Statue, bringen. Dort angekommen sahen wir schon eine ziemlich lange Warteschlange – wohl gemerkt um 8 Uhr morgens. 😮 So entschieden wir, die noch dazu teurere Zahnradbahn links liegen zu lassen und stattdessen mit einem sofort fahrbereiten Mini-Van für 50 Real p.P. (= 10 €) für die Hin- und Rückfahrt zu fahren. Oben angekommen hieß es dann direkt weiter zum nächsten Ticketstand: Es wurden noch einmal 75 Real p.P. (= 15 €) für die letzte Etappe mit einem weiteren Mini-Van bzw. den Eintritt zum „Cristo Redentor“ fällig. Es waren bereits Massen an Menschen um die Christus Statue herum versammelt und auch der Blick auf die Stadt war heute nicht ganz so gut wie gestern, da es deutlich diesiger war. Vielleicht hätte es auch einfach eine Postkarte getan?! Egal, jetzt waren wir auf jeden Fall bei einem weiteren DER Wahrzeichen von Rio und der Blick auf die 38 Meter hohe Statue, welche auf dem über 700 Meter hohen Berg thront, war schon beeindruckend. Zurück zum Auto ging es analog wieder mit den beiden Mini-Vans und dem Taxi. Am Van angekommen gab es erst einmal das mittlerweile heiß ersehnte Frühstück und endlich Kaffee. 😅☕🥪 Nach der Stärkung nahmen wir wieder unsere Fahrräder und steuerten den Botanischen Garten ganz in der Nähe an. Da der Eintrittspreis für „gringos“ jedoch nicht bei den erwarteten 15 Real (= 3 €) sondern 65 Real (= 13 €) lag und wir unsere Reisekasse die letzten beiden Tage schon arg strapaziert hatten zogen wir wieder von dannen. Die kostenfreie Alternative, der „Parque Lage“ lag unweit in der gleichen Straße und war ebenfalls sehr schön. Die großzügige, öffentliche Parkanlage beinhaltet ein altes englisches Herrenhaus, Springbrunnen, viele verzweigte Spazierwege, einen Ententeich sowie eine kleine Tropfsteinhöhle und vieles mehr. Bis auf die 600 verschiedenen Orchideenarten bestimmt genauso gut wie der botanische Garten. 😍 An einer Straßenecke schnappten wir noch einmal Hausmannskost für diesmal sogar knapp unter 3 €: Es gab wieder Reis mit Bohnen, Spaghetti und diesmal Hühnchen inkl. einem Becher „Guarana“ Nektar. Wir setzen uns damit an die große Lagune ganz in der Nähe und genossen dort in der Sonne unsere Mittagspause. Danach ging es auf dem Radweg entlang der Lagune zurück zum Parkplatz und unserem Auto. Wir verluden direkt die Räder und machten uns auf den Weg nach Petrópolis, ca. eine Fahrstunde außerhalb von Rio de Janeiro in den Bergen. Auch diese Stadt wurde maßgeblich von europäischen Einwanderern geprägt. Leider konnten wir dies nur während unserer Durchfahrt anhand der Fachwerkhäuser und der barocken Kirche erahnen. Wir hätten uns das Zentrum gerne am folgenden Tag in Ruhe angeschaut nur konnten wir leider keinen geeigneten Stellplatz für die Nacht finden. Wir fragten die örtliche Polizei um Rat und die war sogar so nett, uns persönlich zu zwei kostenpflichtigen Parkplätzen zu eskortieren. Wer könnte sich das bei uns daheim vorstellen?! Wohl niemand… Allerdings waren wir nicht gewillt nur zum Schlafen 25 € auszugeben und so zogen wir ohne Sightseeing von dannen. Wir fuhren die Landstraße noch ca. 20 km weiter bis zu dem vermuteten Start des Wanderweges, welchen wir sowieso bestreiten wollten. Dieser liegt im Nationalpark „Serra dos Orgaos“ – auch als Orgelpfeifen Gebirge bekannt und wohl vor allem bei Kletterern beliebt. Glücklicherweise fanden wir, dort angekommen, ein Restaurant mit weitläufiger Außenfläche inklusive Parkplätzen, Sitzplätzen im Freien, Enten- bzw. Fischteich, Hühnern, Katzen, Hunden – wirklich ein idyllisches Paradies im Nirgendwo. Die Besitzer stimmten freundlicherweise unserer Übernachtung auf ihrem Grundstück zu und so hatten wir eine ganz entspannte, sichere und ruhige Nacht. 🌙

Cristo Redentor auf dem Corcovado
Morgens um kurz nach 8 leider schon viel zu voll 😯
Blick von oben auf die Lagune in Rio
Parque Lage, im Hintergrund die Christus Statue
Mittagspause an der Lagune
Hausmannskost für unter 3 €! 😳
Petrópolis, leider nur während der Durchfahrt 🤷🏼‍♀️

Am Sonntagmorgen war es, wie vorhergesagt, leider Grau in Grau und mit nur noch 12 Grad auf 800 Meter Höhe auch spürbar kälter als die Tage zuvor. So entschieden wir, uns heute nicht wirklich zu bewegen sondern verbrachten die meiste Zeit in unserem kuschlig kleinen, fahrbaren Zuhause. 🥰 Wir nutzten das WLAN des Restaurants „Tourinho“ auf dessen Gelände wir standen und beobachten neugierig das Treiben um uns herum, als sich gegen Mittag schlagartig der große Parkplatz füllte. Wir haben relativ schnell verstanden, dass bei den Brasilianern das Mittagessen ganz hoch im Kurs steht. Sehr viele Restaurants öffnen auch nur über Mittag bis in den frühen Nachmittag hinein und schließen dann wieder. Oft gibt es Büffet oder man zahlt sein Essen pro Kilo, in dem die Teller gewogen werden. Unsere Neugier war also geweckt und so erkundigten auch wir uns nach dem Büffet hier vor Ort. Für 30 Real p.P. (= 6 €) konnte man essen so viel man wollte. Es gab diverse Beilagen (z.B. Reis, Bohnen, Spaghetti und Okra-Schoten), verschiedene Salate und unterschiedliche Fleischsorten (Schweinefleisch, Würstchen und Eintopf). Das Restaurant war ziemlich gut besucht und die vielen Tische gut belegt. Wir ließen uns das Essen ebenfalls schmecken, nicht zuletzt weil wir unseren Dank für den kostenlosen Stellplatz ausdrücken wollten. Wenn gleich wir wahrscheinlich auch so noch einmal die weitere Nacht hier hätten verbringen dürfen. So blieb unsere Küche heute kalt und wir konnten uns noch einmal die einheimische Küche zu Laibe führen. 😉 Auf den Steilhängen rundum wird übrigens überall Gemüse angebaut. In Gewächshäusern aber vor allem im Freien gibt es allerlei knackig frisches Gemüse: Salat, Lauch, Zwiebeln, rote Beete, Kohl und vieles mehr. Frischer kann es also gar nicht auf den Teller kommen!

Unser Stellplatz am Restaurant „Tourinho“
Das Gelände war wirklich sehr schön angelegt 🥰
Kitty wollte auch mitarbeiten! 🤣
Beilagen Büffet
Salat Büffet
Es wurde in Steintöpfen auf offenem Feuer 🔥 gekocht
Yummy 😋

Gut ausgeruht wachten wir am nächsten Morgen auf dem schönen, weitläufigen Restaurant-Gelände auf. Es war zwar immer noch bewölkt aber zwei bis drei Grad wärmer als am Vortag. Ausnahmsweise frühstückten wir direkt nach dem Aufstehen. Nach dem üppigen Mittagessen gestern ließen wir das Abendessen nämlich sausen und vor der anstehenden Wanderung musste also unbedingt eine Stärkung her. 😋 Unweit unseres Stellplatzes befand sich dann auch schon der, zu unserer Überraschung bewachte, Parkeingang in den Nationalpark „Serra dos Orgaos“. Aus Sicherheitsgründen mussten wir unsere Personalien hinterlassen und einer der Park-Ranger erklärte uns in perfektem Schweizer-Deutsch den Wegverlauf. Für den Aufstieg zum „Bride Waterfall“ benötigten wir ca. zwei Stunden. Es ging stetig bergauf und wir ließen es langsam angehen. Immer auf der Suche nach Faultieren in den Bäumen, leider ohne Erfolg. 😅 Wir sahen zwei Kamera-Fallen für Tiere und der Ranger erzählte uns zuvor, dass es hier tatsächlich nicht nur Faultiere gibt. Mit viel Glück kann man Pumas, Wildhunde, Wasserschweine, (Gift-) Schlangen und sogar Gürteltiere sehen. Der Wasserfall führte, wie angekündigt, kaum mehr Wasser da gerade Trockenzeit herrschte. Trotz allem war es ein schöner Weg und der Abstieg ging umso schneller. Unten angekommen bogen wir noch in den dichten Bambuswald ab und schauten uns die drei natürlichen Pools an. Zum Baden war sowohl das Wasser als auch die Außentemperatur allerdings deutlich zu frisch. 🙈 Wieder am Auto angekommen nutzten wir noch einmal das gute WLAN um das nächste YouTube Video für kommenden Sonntag hochzuladen und stärkten uns noch mit einem kleinen Müsli mit leckerer süßer Mango. Danach machten wir uns auf den Weg zurück in Richtung Autobahn und fuhren noch rund 100 km bis zu einer Mikro-Brauerei mit herrlicher Aussicht. Auf dem Parkplatz angekommen konnte ich in Ruhe duschen und endlich meine Haare waschen. Für alle, die sich jetzt fragen warum ich das nicht schon vorher hätte tun können: Unser Warmwasser-Boiler funktioniert nur mit Strom. Diesen können wir entweder während der Fahrt über die Lichtmaschine erzeugen oder über unser Solar-Panel auf dem Dach. Da wir aber die letzten zwei Tage nicht gefahren sind, der Himmel bewölkt war und wir noch dazu unter einem Baum standen hieß es Strom sparen – u.a. für das Laden der Laptops. 😐 Hier an der Autobahn übernachteten wir auch, da es am Folgetag noch einmal über 200 km bis „Ouro Preto“ zu fahren galt.

Zugang zum Nationalpark
Durch den Bambuswald…
… zu den natürlichen Pools 😀
Blühende Tilandsie
Aussicht ins Tal…
… auf die Gemüse Felder 🥬🧅🍠
Stellplatz mit Aussicht an der Autobahn 🛣

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!

NEW BLOG POST 🇧🇷 (26.08. – 01.09.2022) Sao Sebastiao – Paraty

Wir konnten tatsächlich drei volle Tage und Nächte auf unserem schönen Stellplatz in Boicucanga, dem Vorort von Sao Sebastiao, verbringen und erstmals unser SUP von Paddelbrett ausprobieren. Das Stehen auf dem Board klappte bei mir auf Anhieb, nur das Wenden und Manövrieren will noch gelernt werden. 😎 Wir genossen die Auszeit am Strand sehr, zumal ja alle Annehmlichkeiten fußläufig erreichbar waren. Und in der Shopping Mall war sowohl am Freitag als auch am Samstagabend für kostenlose Unterhaltung in Form von richtig guter live Musik gesorgt. Bei den örtlichen Fischverkäufern investierten wir 15 € in ein Kilo Garnelen, welches uns für drei leckere Mahlzeiten reichte. 🍤

Ein Deutscher aus Hamburg, der vor 20 Jahren nach Brasilien auswanderte, wurde auf unseren Van aufmerksam und sprach uns an. Er erzählte uns ein wenig von seiner Lebensgeschichte, inklusive seiner getrenntlebenden Frau und Tochter in Sao Paulo, und wie schwer es für ihn ist seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht zuletzt auf Grund der hohen Unterhaltszahlungen die er für seine Tochter zu leisten habe. Im Durchschnitt verdient ein Brasilianer, laut seiner Aussage zumindest, ca. 1.000 Reals was in etwa 200 € entspricht. Davon geht die Hälfte, also 500 Reals bzw. 100 €, für die Miete drauf. Bleiben noch 100 € um das alltägliche Leben zu bestreiten. 🤔 Bei Lebensmittelpreisen im Supermarkt, die sich kaum von denen bei uns Zuhause unterscheiden wundert es nicht, dass zum monatlichen Grundgehalt eines Brasilianers eine große Kiste („cesto basico“) mit Grundnahrungsmitteln wie z.B. Reis, Mehl und getrockneten Hülsenfrüchten gehört. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass zumindest etwas bei den Familien ankommt und das Geld nicht anderweitig (z.B. für Alkohol oder Snacks) verschwendet wird. An ein Auto geschweige denn dessen Unterhalt oder ein Essen in einem „richtigen“ Restaurant ist für den Großteil der Bevölkerung somit gar nicht zu denken. 😢

Er gab uns auch noch ein paar gute Tipps für die nähere Umgebung und so verließen wir am Sonntag, den 28.08.22 unseren Stellplatz am Strand und fuhren auf einen nahegelegenen Parkplatz am Waldrand. Der war zwar Wider seiner Aussage nicht kostenfrei, aber der ideale Ausgangspunkt für eine etwa zweistündige Wanderung durch den dicht bewachsenen, grünen atlantischen Regenwald. Der Weg führte zu insgesamt drei schönen Wasserfällen, alle mit Bademöglichkeit. Allerdings war das Wasser extrem frisch und lediglich Simon nahm ein ganz kurzes, reinigendes Bad. 😃🛁 Ich zog die Dusche am Parkplatz vor, wenn gleich diese vermutlich nicht minder kalt war. Aber zumindest konnte ich dort auch gleich noch meine Haare waschen und Simon rasierte mir zuvor noch meinen undercut nach. Was man auf Parkplätzen nicht so alles machen kann! 🤣 Nachmittags zog sich der Himmel zu und es begann leicht zu nieseln. Wir fuhren noch einige wenige Kilometer in Richtung Sao Sebastiao bis zu einem Parkplatz in direkter Strandnähe, an dem sich auch ein kleiner Kiosk (mit WLAN) sowie ein Restaurant (mit Toilette) befand und verbrachten dort die Nacht.

Gestern Abend trafen wir auf dem besagten Parkplatz in dem Örtchen „Toque Toque Pequeno“ noch Oliver, Inhaber der schönen Pousada (= Pension) „Aparas“. Oliver quatschte mich in perfektem Deutsch an weil er vermutete, dass ich zu dem geparkten Van gehöre. Richtig geraten. 😉 Es stellte sich schnell heraus, dass er als Sohn deutscher Auswanderer aus Detmold in NRW in Brasilien geboren wurde, aber immer mal wieder einige Jahre in Deutschland verbracht hatte. Seit zwanzig Jahren führt er nun mit seiner Frau Carla die hübsche Pension mit 19 Zimmern in direkter Strandlage, inklusive schöner Gartenanlage mit Pool und Massage- bzw. Saunahäuschen. Ein Zimmer inkl. Frühstück kostet dort unter der Woche 300 Real was in etwa 60 € entspricht. Nach dem er einige Schwenks aus seinem Leben bzw. von seinen Reisen zum Besten gegeben hatte, lud er uns noch für den nächsten Morgen zum Kaffee oder Frühstück in seine Unterkunft ein. Da es in der Nacht zu regnen begonnen hatte und es mitunter noch kräftig regnete als wir bereits aufgestanden waren, nahmen wir die Einladung gerne an und besuchten ihn und seinen Vater noch auf eine Tasse Kaffee inklusive kleinem Rundgang durch die Pousada. Als wir Oliver verließen hatte der Regen aufgehört und wir fuhren noch einige Kilometer bis Sao Sebastiao. Er hatte uns dazu geraten, weder die Ilha Bela noch Ubatuba oder Paraty zu Gunsten der Durchfahrt nach Rio de Janeiro links liegen zu lassen. Wir folgten seinem Tipp und parkten unseren Van in Sao Sebastiao ganz in der Nähe der Inselfähre bei der Parkanlage, bei welcher praktischer Weise auch die lokale Polizei stationiert war. So stand einer mega ruhigen und noch dazu super sicheren Nacht nichts im Wege. 😌 Gegen später gesellte sich auch noch ein Overlanderpaar aus Paris mit ihren zwei kleinen Kindern (1 und 4 Jahre alt) in ihrem 4×4 Sprinter Hymer Grand Canyon dazu.

Am folgenden Morgen war es zwar trocken, aber zum Teil immer noch stark bewölkt und ab und an nieselte es auch mal ganz kurz. Trotz allem nahmen wir mal die Räder vom Auto und fetteten erst einmal die Ketten, die bereits nach knapp drei Wochen Reise durch die Ausfahrten am Strand und die feuchte Luft schon stark rostig waren. 😮 Wir frühstückten gemütlich und beobachteten derweil das Wetter. Als es über der Ilha Bela etwas heller wurde packten wir dann doch den Rucksack und machten uns auf zur Fähre. Für Fußgänger und Radfahrer war die 15minütige Überfahrt zur Insel sogar kostenfrei. 👍 Dort angekommen folgten wir dem gut ausgebauten Radweg immer an der Küste entlang bis zu dem kleinen Örtchen „Vila“ mit historischem Ortskern. Der Radweg bog hier wohl irgendwo von der Küste ab und so entschieden wir kehrt zu machen und fuhren in Richtung Fähre zurück. Auf dem Rückweg kauften wir bei einem Fischer noch vier schöne, große Langustinen für das Garnelen-Risotto am Abend. 😛 Die Ilha Bela heißt auch Insel der Wasserfälle, weil es dort insgesamt 360 davon gibt. Also kann man in einem Jahr quasi jeden Tag einen anderen besuchen. Da wir jedoch die Räder dabeihatten und diese zum Wandern nicht einfach irgendwo abstellen wollten, traten wir wieder den Rückweg mit der Fähre an. Gerade rechtzeitig wie sich herausstellte! Wieder am Van angekommen schlug das Wetter erneut um und die Insel hing wieder in dichten Wolken. So konnten wir getrost die Weiterfahrt nach Ubatuba antreten (ca. 70 km), wo wir auch relativ schnell einen schönen Stellplatz für die Nacht fanden. Erneut direkt am Wasser mit Blick auf die bunten Fischerboote. 🚤

Am Morgen parkten wir unseren Van um, einige hundert Meter näher ans Zentrum und die Promenade. Von dort aus machten wir uns zu Fuß auf die Suche nach einer Bäckerei, weil es in Ubatuba gute traditionelle Bäcker geben sollte und wir wurden tatsächlich schnell fündig. 😃 Also ging es erst einmal wieder zurück zum Auto, um dort unsere soeben erstandenen Brötchen zu verspeisen. Unsere von Zuhause mitgebrachte Marmelade war leider schon leer und hier kostet ein kleines 250 ml Glas tatsächlich zwischen 4 und 5 €. 😮 Deshalb begnügen wir uns im Moment mit süßer „dulce de leche“ Karamell und Schoko bzw. Käse und Schinken. Frisch gestärkt machten wir uns wieder auf in Richtung Zentrum, diesmal am Strand entlang. Ubatuba liegt wirklich sehr malerisch, wie aus dem Reisekatalog. Breiter Sandstrand, ruhiger Atlantik, im Hintergrund sowie mit Blick übers Meer auf den Horizont überall tropische Berge. Wir fühlten uns hier tatsächlich etwas an Krabi in Thailand erinnert, nicht zuletzt auch wegen der bunten Fischerboote. 🥰 Das Zentrum ist recht überschaubar und sehr schön angelegt. An den vielen Restaurants ist deutlich zu erkennen, dass hier im Sommer wohl Hochbetrieb herrscht. Die Stadt liegt übrigens am Wendekreis des Steinbocks und begrüßt somit als Erste in Südamerika am 21./22. Dezember jeden Jahres den Sommer. Passender Weise ist mein Sternzeichen der Steinbock und ich war nun sowohl schon in Australien als auch in Südamerika am Wendekreis des Steinbocks. 😛 Nach unserem Stadtrundgang fuhren wir in Richtung Trindade, wo es angeblich die schönsten Strände von ganz Brasilien geben soll. An einem davon schlugen wir unser Nachtlager auf und der Atlantik zeigte sich hier mal wieder von seiner raueren Seite: Die Wellen tosten die ganze Nacht über recht laut und hörbar. Vermutlich auch deshalb, weil rund um den Strand große Felsen liegen. Ähnlich wie auf den Seychellen. 🏝 Abends durften wir den Sonnenuntergang und morgens früh gegen 6:30 Uhr auch noch den Sonnenaufgang bestaunen. 🌅

Wir genehmigten uns nach dem schönen Sonnenaufgang noch einen Kaffee und fuhren anschließend 20 km weiter nach Paraty. Glücklicherweise fanden wir direkt einen Parkplatz vor der örtlichen Polizei, unweit vom Zentrum. So brauchten wir erneut keine Fahrräder sondern konnten den historischen Altstadtkern mit seinem unregelmäßigen Kopfsteinpflaster gemütlich zu Fuß erkunden. Paraty liegt unweit von Ubatuba und so war die Kulisse hier ähnlich schön: Sandstrand, Meer, ein breiter Kanal bis in die Stadt hinein und das Ganze umrandet von tropisch grünen Bergen. 🏝🏖☀ Da wir heute so früh aufgestanden waren blieb noch genug Zeit und so entschieden wir uns, noch am selben Tag die verbleibenden 250 km bis Rio de Janeiro durchzufahren. Mehr dazu dann im nächsten Blog Beitrag. 😉

NEW BLOG POST 🇧🇷 (18. – 25.08.2022) Blumenau – Sao Sebastiano

Von unserem Besuch in Blumenau waren wir etwas enttäuscht. Die brasilianische Großstadt im Süden des Landes wurde zwar im Jahr 1850 von deutschen Einwanderern gegründet wovon einer der Namensgeber war. Aber bis auf ein paar Fachwerkhäuser in der Altstadt lässt wenig auf die deutschen Wurzeln schließen. Und natürlich das große Oktoberfestgelände, welches alljährlich von Anfang bis Mitte Oktober Millionen von Besuchern anzieht. Auf dem Partyareal gibt es Biergärten, die typischen Klischee-Souvenirs und auch ein bisschen Ballermann-Musik darf natürlich nicht fehlen. 😂 Ansonsten hatten wir aber den gleichen Eindruck wie von vielen anderen Städten auch: Überall Werbereklametafeln, Auto- und Reifenwerkstätten, Schnellimbisse und Supermärkte. Kann man also getrost sein lassen…

Von dort aus fuhren wir noch ca. 20 km weiter bis nach Pomerode. Laut Reiseführer soll in der Kleinstadt noch relativ häufig Deutsch gesprochen werden. Und tatsächlich! Als wir den ausgewählten Stellplatz für die Nacht auf dem dortigen Festgelände ansteuerten bemerkten wir schnell die Aufbauarbeiten die dort im Gange waren. Es dauerte nicht lange bis uns jemand auf dem Parkplatz ansprach. Allerdings, wie so häufig hier, nur auf Portugiesisch. Was übrigens niemanden daran hindert, uns trotzdem quietsch vergnügt seine halbe Lebensgeschichte zu erzählen obwohl wir deutlich machen, dass wir kein Wort verstehen. 😅 Er schickte aber einen anderen Mann zu uns der zu unserer Verwunderung tatsächlich sehr flüssig und gut verständlich Deutsch sprach! Den zugrunde liegenden Dialekt konnten wir allerdings nicht eindeutig zuordnen. Auf jeden Fall erzählte er uns, dass hier ab dem morgigen Freitag das ganze Wochenende über ein „Schaffest“ stattfinden würde. Wir durften freundlicherweise für die Nacht dort stehen bleiben und sowohl das freie WLAN als auch die Sanitäranlagen nutzen. Er bat uns lediglich darum, am nächsten Morgen zeitig weiter zu fahren, weil bald Camper auf den Platz fahren würden die für die Stellplätze bezahlt hätten.

Gesagt, getan! Nach dem morgendlichen Kaffee fuhren wir vom Platz und parkten unseren Van direkt an dem kleinen Stadtpark hinter dem Stadttor. Wir wollten gerade frühstücken, als zwei brasilianische Reisebusse quasi vor unserer Tür hielten. Es gab neugierige Blicke in unsere Richtung und wie wir später feststellen durften, folgen uns nun auch einige der Damen und Herren auf Instagram. 😉 Zu Fuß begaben wir uns in Richtung der wirklich sehr schönen und beschaulich ruhigen Innenstadt. Hier fühlten wir uns tatsächlich etwas an die Heimat erinnert. Sicherlich nicht zuletzt deshalb, weil wir uns bereits mit einigen Einwohnern in sehr gutem Deutsch unterhalten hatten. Wobei uns die Restaurant- und Ladenzeile auch stark an Dänemark erinnerte. Alles war sehr liebevoll, detailreich und ordentlich gestaltet. Das Fest am Abend wollten wir uns natürlich keinesfalls entgehen lassen weshalb wir den strahlend blauen Himmel und die wärmenden Sonnenstrahlen am Nachmittag im Park genossen. Gegen 18 Uhr wurde es plötzlich unruhig um uns herum und erneut waren wir wohl ungewollt mitten im Zentrum des Geschehens gelandet! Schnell stellten wir fest, dass sich hier anscheinend die Bewohner für eine Prozession zum Festgelände zusammenfanden. Viele in Lederhose bzw. Tracht und auch die verschiedensten Gefährte trafen ein. Nach dem wir uns in Ruhe umgeschaut hatten entschieden wir, schon mal zum Fest vorzugehen um das Eintreffen der Meute von dort aus zu beobachten. Es war wirklich ein tolles Spektakel, den Einlauf der einzelnen Gruppen zu verfolgen und auch die Tierschau dort war für uns sehenswert. Vom bunten Ziervogel über gewöhnliches Federvieh bis hin zu den namensgebenden Schafen des Fests aber auch Kühen und Schweinen war fast alles vertreten. 😃 Mit unserer Spekulation auf „gute“ deutsche Festküche lagen wir allerdings falsch. Es gab zwar reichlich Bier aber die verschiedenen frittierten Köstlichkeiten bzw. Pommes mit Bacon und Cheddar trafen nicht ganz so unseren Geschmack aber was solls! Wir schauten uns noch kurz die brasilianische Live-Band an und machten uns dann auf den Rückweg zum Van weil es zwischenzeitlich leider wieder verdammt kalt und entsprechend ungemütlich wurde. Wir hatten eine sehr ruhige Nacht auf dem Theater-Parkplatz in Pomerode, zusammen mit mehreren inländischen Campern. Viele davon waren übrigens ebenfalls in einem Renault Master unterwegs. 😊

Versammlung des Festzuges
Einlaufen der Gruppen auf dem Fest „Pomerlamm“
Die namensgebenden Tiere waren auch anwesend 😜
Pommes 🍟 mit bacon 🥓 und cheddar 🧀

Am Samstagmorgen brachen wir direkt auf in Richtung Curitiba. Heute hieß es mal wieder Strecke machen und bis dahin lagen rund 250 km vor uns. Da wir nur die mitunter kurvige Landstraße nutzen konnten und diese durch viele Dörfer führte, zog sich die Fahrt entsprechend lange hin. In Curitiba angekommen starte dann mal wieder die nervige Suche nach einem geeigneten und sicheren Parkplatz. 🙄 Nach längerem hin- und hergekurve landeten wir an einem Parkplatz direkt vor der hiesigen Markthalle. Simon war bis dahin allerdings so entnervt von dem rumgeeiere in der Stadt so dass wir ohne Stopp direkt zurück auf die Autobahn fuhren. 🙈🙉🙊 Vielleicht sollten wir Städte, von denen wir sowieso nichts Genaues wissen, künftig einfach sein lassen… Spart Zeit, Geld und Nerven! Wir fuhren noch einige Kilometer bis zum Posto Pelanda auf 750 m Höhe. Hier war es relativ frisch und neblig feucht weshalb wir es uns im Van gemütlich machten. Dank Standheizung hatten wir es beim YouTube schauen und kochen (es gab Pasta mit Tomatensauce & Thunfisch) auch kuschelig warm. Trotz all der LKWs um uns herum und der Nähe zur Autobahn schliefen wir erstaunlich gut und auch relativ lange. 👍

Am folgenden Morgen war der Himmel zwar etwas heller aber draußen war es immer noch recht ungemütlich. So ließen wir es langsam angehen und blieben erst einmal am Posto: Simon hatte Zeit um am neuen YouTube Video zu basteln. Ich machte mich auf die Suche nach einem eBook Reiseführer über Brasilien und konnte sogar den von mir geliebten Lonely Planet herunterladen. 😃 Unser Südamerika Reisführer gibt für dieses riesengroße Land einfach zu wenig her und bei der (sehr vagen) Planung der Reise ging ich noch davon aus, dass wir Brasilien auf Grund der massiven Distanzen wenn überhaupt nur anschneiden werden. Weit gefehlt! Wir sind mittlerweile nur noch knapp 300 km von Sao Paulo entfernt und ich hoffe, dass ich ab sofort künftig besser guiden kann und wir mehr Stopps einlegen können. Nach dem leckeren Omelette mit Gemüsefüllung ging es dann wieder zurück auf die Autobahn uns es lagen erneut gute 250 km bis zu unserem nächsten Ziel, dann endlich wieder an der Küste, vor uns.

Am ca. 60 km langen Strandabschnitt „Litoral“ bei Sao Paulo fanden wir in der Nähe der Ortschaft „Itanhaém“ ein traumhaft ruhiges Fleckchen unter schattigen Bäumen. 😊 Mal wieder direkt am endlos langen und breiten Sandstrand. Also eines muss man den Brasilianern wirklich lassen: Strände können sie! 👍 Alle scheinen dem Postkartenidyll direkt entsprungen zu sein. Blitz blank sauber, selbst Muscheln sieht man kaum. Von Krebsen, Quallen, Steinen und Gott sei Dank auch Müll ganz zu schweigen. Alle sind einfach wie gemalt: Endlos lang, breit und dank der off season schön leer. 🥰 Nach unserem Spaziergang am Morgen gab es leckere Pfannkuchen mit Nutella und Banane zum Frühstück und im Anschluss feierten wir eine Premiere: Mit den Fahrrädern am Strand entlang! Was für ein Spaß, durch das seichte Wasser und die Pfützen zu fahren. 🚲 Wir waren gute 20 km am Strand unterwegs und hätten noch viele Kilometer mehr bis zu dessen Ende fahren können.

Schöner Stellplatz direkt am Strand 🏖 von Litoral
Mango-Joghurt mit frischer Kokosnuss 😛

Die Nacht an unserem wunderschönen Stellplatz war ruhig und am Morgen gab es einen herrlichen Sonnenaufgang zu sehen. 🌅 Nach dem morgendlichen Strandspaziergang, bei welchem wir noch eine eisgekühlte frische Kokosnuss erwerben konnten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Santos. Dort hatte ich auf maps.me eine Wäscherei ausfindig gemacht und nach fast drei Wochen Reise wurde es langsam Zeit für den ersten Waschtag. Die auf der Karte ausgemachte konnten wir leider nicht finden, dafür entdeckten wir aber glücklicherweise per Zufall eine andere direkt an einer Tankstelle. Die Maschine Wäsche kostete 15 Real (= 3 €) inkl. Waschmittel und war nach 35 Minuten sogar schon fertig. Für den Trockner mit einer Laufzeit von 45 Minuten wurde der gleiche Preis fällig. Allerdings war die Wäsche nach der ersten Runde noch recht klamm und so investierten wir weitere 15 Real und warteten derweil geduldig nebenan in unserem Van. Ist schon oft wirklich sehr praktisch, sein zu Hause quasi immer dabei zu haben. 🥰 Es war schon später Nachmittag bis wir mit der Wäsche fertig waren und da hier aktuell immer noch Winter ist, wird es schon relativ früh gegen 18:30 Uhr dunkel. Wir entschieden also, an den Anfang der Promenade zu fahren und dort auf dem großen öffentlichen Parkplatz zu parken. Wir liefen noch eine kleine Runde, um uns einen Überblick zu verschaffen. Auf dem Rückweg zum Van wurden wir bereits von französischen Auswanderern erwartetet, deren Sohn glücklicherweise Spanisch sprach so dass wir uns verständigen konnten. Sie hatten unseren Van wohl aus ihrer Wohnung im Hochhaus gegenüber erspäht und wurden neugierig. Vermutlich haben sie uns auf Instagram ausfindig gemacht und uns so erkannt. 😅 Wir fragten nach einem sicheren Stellplatz für die Nacht und sie meinten, wir sollten am besten hier stehen bleiben. Hier patroulliert die Polizei regelmäßig und es hängen Kameras rundum. So gingen wir nach unserem Abendessen mit einem guten Gefühl ins Bett. Wir schliefen, wie so meist, relativ früh ein und wurden nachts gegen 0:30 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Es klopfte zweimal an der Tür und durch den Vorhangschlitz konnten wir Blaulicht (was hier tatsächlich Rotlicht ist) erkennen. Wir stellten uns tot da wir auch nicht angesprochen wurden und warteten, bis die Luft wieder rein war. Vermutlich wollte man sich einfach nur vergewissern, ob alles ok ist. Vielleicht lag es auch nur daran, dass der Parkplatz von 8:00 – bis 0:00 Uhr nur mit Parkscheibe besucht werden darf und unsere kurz nach Mitternacht abgelaufen war. Keine Ahnung… Auf jeden Fall entschieden wir Einstimmig, uns lieber vom Acker zu machen bevor wir eventuell noch Strafe zahlen müssten. Wir steuerten diverse Plätze an die uns aber alle nicht sicher erschienen. Gegen 1:45 Uhr fanden wir endlich einen guten Parkplatz, welcher ebenfalls von Flutlicht taghell erleuchtet und rundum mit Kameras versehen war. Noch dazu lag er vor einer Militäreinrichtung und so schliefen wir nach der nächtlichen Aufregung dann doch noch ziemlich gut. Rückblickend wären wir lieber noch einen Tag mehr an dem schönen Stellplatz am Strand geblieben aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer! 🙈🙉🙊

Wäscherei an der Tankstelle
Der vermeintlich sichere Stellplatz 🤷🏼‍♀️
Ob die Parkuhr das Problem war?! 🤔

Am Mittwochmorgen lachte die Sonne vom Himmel und zum zweiten Mal konnten wir direkt in die Shorts schlüpfen. 😎 Nach dem wir uns bei Tag umgeschaut hatten, wo wir denn jetzt des Nachts so genau gelandet waren frühstückten wir und fuhren dann zurück in die Stadt zum vorherigen, zentralen Parkplatz. Dort nahmen wir die Räder und fuhren damit die wirklich sehr schön angelegte Promenade entlang. Vor allem gab es endlich einmal richtig toll ausgebaute Radwege und auch die vielen Kanäle, die vom Meer in die Stadt (Santos liegt quasi auf einer Insel) führen erinnerten etwas an Amsterdam. Wir gönnten uns gegen Mittag noch je einen der typischen, brasilianischen Pastels (frittierte Teigtaschen – auch beim zweiten Mal nicht wirklich lecker) und machten uns danach wieder auf den Weg bzw. die Suche nach einem geeigneten Stellplatz am Strand. Leider kamen doch wieder deutlich mehr Kilometer zusammen (ca. 125) also uns lieb waren und auch die drei angesteuerten Plätze erwiesen sich leider als nicht tauglich. Als wir an Platz Nummer drei ankamen war es bereits dunkel und so fragen wir an einem Café nach, ob wir freundlicherweise auf ihrem Parkplatz übernachten dürften. Wir wurden erneut mit offenen Armen empfangen und durften bleiben. Ein fettes Dankeschön noch einmal an den Inhaber vom „Cheiro Verde“. 😍😍😍

Hier standen wir dann doch noch sicher & ruhig 😇
Radtour an der Promenade in Santos
Solarlampen im Park inkl. USB Buchsen 👍🏻
Mega cooles Kunstwerk auf einer Landzunge
Die gesamte Promenade war so schön angelegt 😀

Die Nacht war so lá lá, weil direkt gegenüber des Café Parkplatzes aktuell eine große Baustelle ist (weswegen der eigentlich dort vermutete Stellplatz auch nicht mehr existent war) und noch dazu die Straße neu geteert wurde, war die Nacht entsprechend laut und unruhig. Im Gegensatz zu Deutschland wird hier nämlich auch nachts an Straßenbaustellen gearbeitet! Mit dem hervorragenden Ergebnis, dass die komplette eine Fahrbahnseite der Durchgangsstraße bis zum Mittag topfeben fertig geteert war. Respekt! 👏 Bei Tageslicht konnten wir dann sogar noch einen idealen Stellplatz fast gegenüber ausmachen: Wir quetschten unseren Van zwischen Baustellenwand und Hausmauer und standen so sicher geschützt mit Blick auf Strand und Meer. 🏖🏝☀ Nach all der Aufregung der vergangenen zwei Tage legten wir einen super faulen Strandtag ein. Der Stellplatz scheint uns ideal denn in der Nähe befindet sich zudem ein Shopping-Center mit Supermarkt, Bäckerei, sanitären Anlagen und, ganz wichtig: WLAN. 😅 Somit hoffen wir, dass wir hier 2-3 Tage stehen bleiben können um uns ein bisschen zu erholen. Die ständige Fahrerei und Stellplatzsuche kostet nämlich mitunter nicht wenig Energie.

Übernachtung vorm Café „Cheiro Verde“
Den Stellplatz gegenüber hatten wir in der Dunkelheit gar nicht mehr bemerkt 🙈😅
Hier bleiben wir jetzt erst einmal! 😁