NEW BLOG POST 🇦🇷 (22.10. – 29.10.2022) Laguna Blanca – Campo Alegre

Am Samstagmorgen brachen wir direkt in Richtung Grenze auf. Dort angekommen stoppten wir an der letzten Tankstelle auf paraguayischer Seite noch für ein schnelles Frühstück bevor wir uns in die Autokolonne einreihten. Es dauerte nicht ganz eine Stunde bis wir schlussendlich am Grenzposten angelangt waren. Dort stellten wir unseren Van ab und trabten zur paraguayischen „migración“ um dort unsere Pässe ausstempeln zu lassen. Praktischerweise befanden sich die argentinischen Behörden direkt in den Schaltern nebenan. Ich zeigte der freundlichen, hilfsbereiten Dame dort unseren „TIP“ (die temporäre Aufenthaltsgenehmigung für unser Fahrzeug) und glücklicherweise wusste sie auch direkt was zu tun ist. In kürzester Zeit stellte sie uns das Dokument für Argentinien aus und zu unserer Verwunderung darf unser Van sogar 180 Tage anstatt der üblichen 90 im Land verbleiben. Unseren paraguayischen „TIP“ gaben wir am dortigen Zollschalter einfach ab und zeigten dann letzten Endes noch bei der argentinischen „migración“ unsere Pässe vor. Wir prüfen alle Stempel und Dokumente stets sehr sorgfältig auf Richtigkeit aller Daten um bei der Ausreise später keine Probleme zu bekommen. Dabei fiel uns auf, dass wir keinen Stempel für Argentinien in unsere Pässe erhalten hatten. Auf meine Nachfrage hin teilte mir die Mitarbeiterin mit, dass die Daten nur elektronisch in ihrem System erfasst und wir deshalb keinen Stempel erhalten würden. Daraufhin erkundigte ich mich, zum Glück, nach der Aufenthaltsdauer woraufhin sie uns die eigentlich üblichen 90 Tage nannte. Ich entgegnete ihr daraufhin, verständlicherweise etwas irritiert, dass in dem Dokument fürs Fahrzeug aber von 180 Tagen und somit einer spätesten Ausreise am 19.06.2023 die Rede war. Sie zuckte mit den Schultern und meinte, dass sei nun einmal so. Fahrzeuge dürfen also 180 Tage im Land bleiben, Personen aber nur 90 Tage. Hätte ich nicht nachgefragt wären wir fälschlicherweise von einem längeren Zeitraum ausgegangen und hätten möglicherweise bei der Ausreise ernsthafte Probleme bekommen und/oder Strafe zahlen müssen. 😧 Man schickte uns zurück zum Van und bat uns mit den Fahrzeugpapieren vorzufahren. Die Zöllner wollten einen kurzen Blick in den Innenraum werfen bevor sie kurzerhand entschieden uns durch den Scanner zu schicken. Ein Beamter nahm unsere Papiere und stieg mit in unser Auto ein um gemeinsam mit uns bis zu dem großen Hightech-Gerät zu fahren. Man kann sich das Ganze wie die Koffer-Scanner am Flughafen vorstellen, nur eben viel größer für LKWs. Freundlicherweise zog man uns direkt vor und wir mussten uns nicht hinter die warteten Lastwagen einreihen. Der Röntgenprozess war kurz und schmerzlos und man ließ uns sogleich von dannen ziehen. Ich fragte den Zöllner, wonach sie denn hauptsächlich suchen würden und es ging wohl vor allem um Drogen. Nach dem also die erste große Hürde genommen war machten wir uns auf in das nahegelegene „Clorinda“ in der Hoffnung, dort eine „Western Union“ Filiale zu finden um die zuvor eingezahlten Euros zu einem ordentlichen Peso-Kurs zu erhalten. Die erste Niederlassung hatte allerdings geschlossen und so sprach uns direkt auf der Straße davor ein wirklich netter Schwarzmarkthändler an. Der von ihm angebotene Kurs war zwar deutlich besser als der reguläre der Banken aber wir lehnten dennoch dankend ab. Ich fragte ihn ob er zufällig wüsste, wann die „Western Union“ Filiale wieder öffnen würde. Mit Blick auf die Uhr meinte er nicht vor 16 Uhr (es war gerade erst kurz nach 13 Uhr) bzw. samstags möglicherweise auch gar nicht mehr am Nachmittag. Das Samstag war hatten wir natürlich überhaupt nicht auf dem Schirm. 🙄 Geschweige denn, dass deswegen irgendwelche Läden geschlossen haben könnten weil bis dato immer alle Geschäfte an jedem Wochentag offen hatten. Er zückte direkt sein Handy und meinte, er hätte einen Freund der ebenfalls eine „Western Union“ Zweigstelle betreiben würde und wollte dort freundlicherweise für uns nach den Öffnungszeiten fragen. Das Telefonat ergab, dass die Filialen alle Samstagsmittags schließen und erst Montagsmorgens wieder öffnen. Satz mit X das war wohl nix. 😕 Aber mal wieder ein tolles Beispiel für die großartige Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen hier. ❤ So fuhren wir ohne Pesos in den Taschen weiter zur „Laguna Blanca“. Wir parkten im Schatten und liefen über die angelegten Holzbohlenstege bis zur großen Lagune. Das Wasser glitzerte herrlich im Sonnenlicht wenngleich es ziemlich trüb und baden auf Grund der Piranhas sowieso verboten war. Zu Simons Leidwesen war Angeln ebenfalls untersagt. Im Büro des Park-Rangers erkundigten wir uns nach den Campingmöglichkeiten und er sagte uns, dass wir sowohl hier als auch am anderen ca. 18 km entfernten Nationalparkeingang kostenlos übernachten könnten. Genauso hatte ich mir Argentinien hinsichtlich der Stellplatzmöglichkeiten vorgestellt. 😅 Wir unterhielten uns noch ein Weilchen über dies und jenes und als wir ihm den aktuellen Währungskurs zeigten war er sichtlich erschrocken und sehr enttäuscht von seinem Land und der hiesigen Regierung. Während sich, laut seiner Aussage, die Regierenden die Taschen vollstopften reicht es dem gemeinen Arbeiter gerade so zum Leben. An Reisen oder die Neuanschaffung eines Autos oder selbst nur Rollers ist da gar nicht zu denken. Umso größer war seine sichtbare Freude, dass trotz des sehr unattraktiven Währungskurses europäische Besucher den Weg in „seinen“ Nationalpark fanden was laut ihm nur max. 5x pro Jahr passieren würde. Nach dem netten Plausch und einem kurzen Nachmittagssnack entschieden wir, uns noch heute den anderen Stellplatz im selben Nationalpark anzuschauen. Wir fuhren die Piste zur Landstraße zurück um kurz darauf erneut auf eine staubige Piste einzubiegen. Zu unserer Verwunderung endete unsere Fahrt aber, entgegen den Angaben des Rangers, an einer geschlossenen Schranke. Also parkten wir dort und liefen die letzten zwei Kilometer zu Fuß. Wir waren von einem riesigen Palmenhain umgeben und sahen noch einen schönen, großen Waran über den Weg flitzen. Am eigentlichen Parkeingang fanden wir ein verlassenes Gebäude sowie leere Park- bzw. Campflächen vor und mehrere offene Fahrzeuge der Parkverwaltung mit steckendem Schlüssel. 😦 Es war weit und breit niemand zu sehen und der weitere Weg bis zum Parkende wäre noch 16 km weiter gegangen. So machten wir kehrt und liefen in Richtung Van zurück. Dummerweise mal wieder zur besten Dämmerungszeit und somit in wirklich unvorstellbar großen Moskito-Schwärmen. 🦟 Trotz Mückenspray fielen die Biester regelrecht über uns her und leider kam auch eine nicht zu verachtende Anzahl beim Einsteigen in den Bus mit ins Innere. Wie gut, dass unsere Decke und alle Wände weiß sind! So konnten wir die Plagegeister immerhin gut ausfindig machen und ich lüge nicht wenn ich sage, dass wir zwischen 40 und 50 erschlagen haben. Wir kochten noch ein leckeres one-pot Gericht in unserem „Omnia“ Backofen und hatten zu unserer eigenen Überraschung eine sehr ruhige Nacht ohne weitere Stiche.

Laguna Blanca
Stellplatz im Palmenhain 🌴
Unser erster Nationalpark 🏞 in Argentinien

Die folgenden zwei Tage hieß es Strecke machen: Wir teilten uns die rund 1.100 km bis „San Salvador de Jujuy“ im Nordwesten Argentiniens in zwei Etappen ein und dank der topfebenen sowie kerzengeraden Landstraße waren dies unsere bis dato besten Fahrtage. Noch dazu sank der Dieselverbrauch auf unter 10 Liter. 👍 Wenngleich die Landschaft wenig abwechslungsreich war. Zu Beginn war es noch richtig saftig grün um uns herum aber mit jedem weiteren Kilometer wurde es etwas trockner und immer heißer. 🥵 Am Straßenrand begegneten uns immer wieder die verschiedensten, frei herumlaufenden Nutztiere: Von Rindern über Pferde bzw. Esel bis hin zu Schafen, Ziegen und Schweinen war alles dabei. Wem oder wohin die Tiere allerdings gehören sollen blieb uns ein Rätsel da weit und breit weder Häuser noch Ortschaften zu sehen waren. Die Temperaturen lagen tagsüber über 35 Grad was das Fahren im (während der Fahrt) klimatisierten Bus noch angenehmer machte. Nach den ersten gut 500 km stoppten wir an einer größeren Tankstelle, welche etwas abseits der Landstraße lag, und verbrachten dort sowohl den Nachmittag im Schatten als auch eine ruhige Nacht.

Über 1.000 km immer geradeaus 😳

Am nächsten Morgen ging es nach einem Schluck Kaffee direkt weiter. Aus welchem Grund auch immer gibt es hier in Argentinien alle paar hundert Kilometer Polizeikontrollen auf der Strecke. Meistens wurden wir nur nach Herkunfts- und Zielort gefragt und durften dann weiterfahren aber einmal wollten sie auch unsere Fahrzeugpapiere und Simons Führerschein sehen. 🤷‍♀️ Am Montagnachmittag kamen wir dann in „Jujuy“ an und machten uns dort auf die Suche nach einer „Western Union“ Niederlassung um an argentinische Pesos zu gelangen. Wir hatten uns zuvor im Internet diverse Filialadressen herausgesucht und was soll ich sagen: Direkt bei der Ersten hatten wir Glück! 🤗 Wir hatten testweise nur einen kleineren Betrag von 200 € online gesendet. Dieser konnte uns ohne Probleme direkt vor Ort, nach Vorlage einer Passkopie welche dort verbleibt und Nennung der Transaktionsnummer, zu einem exzellenten Wechselkurs ausbezahlt werden. Wie das Ganze funktioniert ist uns bis dato zwar noch schleierhaft aber Fakt ist, dass wir auf diesem Wege an doppelt so viel Geld gelangen als wenn wir es am Bankautomaten abheben oder mit der Kreditkarte bezahlen (1 € = 299 anstatt 150 Pesos bei der Bank). Somit kostet uns der Liter Diesel nur noch 75 Cent anstatt der ansonsten happigen 1,50 €. 🤩 Und da uns der nette junge Mann am Schalter freundlicherweise zu verstehen gab, dass er im Moment über noch mehr Pesos verfügte schoben wir direkt eine zweite Transaktion hinterher. 😀 Da mittlerweile schon fast 18 Uhr war entschieden wir, das archäologische Museum erst auf dem Rückweg von „Humahuaca“ zu besuchen und stattdessen lieber zügig die Stadt zu verlassen um den auserkorenen Stellplatz anzusteuern. Dieser lag rund 50 km außerhalb am Friedhof von „Puramarca“ und wir kamen noch bei Tageslicht an so dass wir die sensationelle Kulisse um uns herum noch in Augenschein nehmen konnten. Das Kopfsteingepflasterte Dörfchen mit seinen Lehmhäusern liegt eingekesselt von bunten Hügeln in einem schmalen Tal. Die eine Bergseite ragte direkt hinter unserem geparkten Van empor und die untergehende Sonne lies noch gut die vielen verschiedenen Farben erkennen. Und als es dann dunkel wurde tat sich ein wahnsinnig schöner Sternenhimmel über uns auf. 🤩

Unser Stellplatz in „Puramarca“
Hier gab es viele lehmverputzte Häuser…
… und buntes Kunsthandwerk

Für den kommenden Tag hatten wir eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt auf dem Berggipfel ins Auge gefasst. Wir waren, für unsere Verhältnisse relativ früh, bereits um kurz nach 7 Uhr wach und so konnten wir nach dem Frühstück zeitig aufbrechen. Nach der Hitze der vergangenen Tage freuten wir uns sehr über den sehr angenehmen, teils böigen Wind und die für diesen Dienstag gemeldeten 24 Grad. Unser Stellplatz befand sich quasi direkt am Ausgangspunkt des Weges und so konnten wir direkt vom Van aus in Richtung Gipfel starten. Die Karte auf „maps.me“ zeigte rund 500 zu überwindende Höhenmeter an – na das kann ja was werden! 😅 Es ging direkt steil und in schmalen, engen Serpentinen bergauf und der Pfad war über und über mit Steinen und Schiefersplittern bedeckt. Beim Aufstieg hatte ich tatsächlich größere Bedenken, ob bzw. wie ich wieder nach unten gelangen soll. 🙈 Vor allem weil es neben dem Trampelpfad wirklich extrem steil nach unten ging. Wie so oft waren diese aber unbegründet und ich kann schon jetzt vorweggreifen, dass wir wieder gut und unbeschadet unten angekommen sind. Wir genossen eine herrliche Aussicht auf das Tal, die umliegenden Berge die in den buntesten Facetten schimmerten und erfreuten uns an den riesengroßen Säulenkakteen die auf den Hängen wuchsen. Alles in allem dauerte unsere Wanderung knapp 5 Stunden in welchen wir 10 km und stolze 647 Höhenmeter bewältigt haben. 💪 Entsprechend hungrig gingen wir auf dem Rückweg ins Dorf und fanden dort bei einer Straßenverkäuferin günstige, gegrillte und verschieden gefüllte Tortillas. Wir verzehrten diese im Schatten der Bäume am Dorfplatz und beobachteten das bunte Treiben um uns herum. Im ganzen Ort und rund um den Dorfplatz wird schönes und sehr farbenprächtiges Kunsthandwerk verkauft. Vor allem die bunten Decken und Schals welche man u.a. aus dem nahegelegenen Bolivien kennt. Nach unserem Mittagssnack schlenderten wir durch die Gässchen und gönnten uns noch ein leckeres Eis am Stiel. 🍦 Mittlerweile stach nämlich auch hier die Sonne ganz schön vom Himmel und ich musste zu meinem Leidwesen feststellen, dass ich mich rund um den (zum Glück halsnahen) Ausschnitt meines T-Shirts mal wieder übel verbrannt hatte. Leider hatte ich nur mein Gesicht eingecremt. 😰

Es ging steil bergauf 🥵
Die atemberaubende Aussicht ins Tal 😍
Und auf die bunten Berge ⛰
Die wohlverdiente Stärkung 😅
Eis geht immer 😃

Auch am Mittwoch waren wir wieder zeitig wach und genossen die frisch gebackenen, selbst gemachten Brötchen zum Frühstück. Zuvor hatten wir bereits auf dem „Paseo de los Colorados“ eine kleine Morgenrunde gedreht. So früh am Morgen waren die Temperaturen hier auf über 2.000 Metern Höhe noch sehr angenehm und die Sonne stand noch nicht so hoch am Himmel. Wir konnten auf dem angelegten Rundweg noch einmal gut die verschiedensten Blickwinkel auf die bunten Berge um uns herum genießen. 😍 Nebenbei wunderten wir uns über so manch andere Touristen, welche die nicht einmal 3 km lange Strecke mit dem Auto fuhren oder sich sogar im Mini-Van fahren ließen um nur für kurze Fotostopps aus ihren Fahrzeugen zu hüpfen. 😅 Anschließend fuhren wir in das kleine, schmucke Dörfchen „Tilcara“ wo es ebenfalls viele lehmverputzte Häuser gab. Auf dem hiesigen Markt konnten wir schönes Obst zu günstigen Preisen ergattern bevor wir weiter in die Stadt „Humahuaca“ fuhren. Diese gefiel uns weniger gut und bot außer einem ziemlich großen, protzigen Heldendenkmal, der üblichen Kirche und der „Plaza“ mit dem bereits bekannten Kunsthandwerkströdel nicht viel Sehenswertes. Im Reiseführer hatten wir jedoch von Restaurants gelesen welche mitunter Lama auf der Speisekarte hatten und tatsächlich fanden wir ein sehr nettes Lokal. Simon bestellte sich ein Mittagsmenü bestehend aus einer Empanada de Queso, geschmortem Lama mit Reis und Anden-Kartöffelchen sowie einem mit Dulce de Leche gefüllten Pancake zum Nachtisch (Preis ca. 4 €). Mein Hunger war noch nicht so groß und so entschied ich mich für das kleinere Mittagsmenü für schlappe 2,50 € welches eine Empanada de Carne, eine Humita (ein vegetarischer Eintopf aus Kürbis, Mais und Käse) sowie ein Getränk enthielt. 😋 Wir gönnten uns noch einen Espresso bevor wir uns erstmals aufmachten um mit unserem Van auf über 4.000 Meter zu fahren. Ziel war der „Mirador del Hornocal“ auf 4.350 Meter Höhe von wo aus man einen fantastischen 360° rundumblick auf die bunten Berge haben soll. Die Straße führte direkt als Schotterpiste aus der Stadt hinaus und es ging stetig bergauf, mitunter auch durch sehr scharfe Haarnadelkurven. Ungefähr 5 km vor dem Ziel und somit dem höchsten Punkt ging die Motorwarnleuchte an und meldete „Motor zu heiß“. Natürlich stoppten wir sofort am Straßenrand und zu unserer Erleichterung kochte das Kühlwasser noch nicht. Anscheinend gibt unser Van also rechtzeitig Bescheid. 👍 Wir gaben dem Motor ausreichend Zeit zum Abkühlen und nutzten die erzwungene Pause um den Ersatzkanister unter dem Auto hervorzuholen und die 20 Liter Reserve in den Tank zu füllen. Blöderweise hatte die Tankstelle in „Humahuaca“ keinen Diesel und wir hatten es in Jujuy vor lauter „Western Union“ und der damals einsetzenden Dämmerung leider versäumt noch einmal voll zu tanken. 😟 Als die Temperaturanzeige grünes Licht gab setzten wir unseren Weg fort und kamen ohne weitere Zwischenfälle am Kontrollposten an. Da die Öffnungszeiten dort mit 10-18 Uhr angeschlagen waren und es bereits nach 17 Uhr war entschieden wir, erst am kommenden Morgen die Schranke zu passieren. Der wachhabende Mann teilte uns nämlich mit, dass wir keinesfalls drinnen auf dem Parkplatz übernachten dürften weil er das aus Sicherheitsgründen ansonsten der Polizei melden müsste. Vom Auto aus konnten wir jedoch bestens beobachten, dass auch nach 18 Uhr noch Fahrzeuge von ihm hineingelassen wurden und sich der Mann kurz darauf in den Feierabend verabschiedete. Obwohl die Schranke noch offen und noch nicht alle wieder zurückgekehrt waren. 🤷‍♀️ So blieb die Schranke dann auch weiter geöffnet. Wir wollten jedoch keinen Ärger riskieren und blieben daher auf dem Platz direkt davorstehen und verbrachten dort auch die Nacht.

Passe ich farblich nicht perfekt ins Bild?! 😅
Mittagessen in „Humahuaca“
Leckere Empanadas 😋
Auf 25 km Strecke galt es über
1.000 Höhenmeter zu bewältigen 😱
Vor der Einfahrt verbrachten wir die Nacht

Unsere erste Nacht auf über 4.000 Meter Höhe war eher schlecht. 😟 Simon hatte den ganzen Tag über schon über Kopfschmerzen geklagt und die Höhe verschlimmerte diese noch weiter. Mir ging es abends bei unserer Ankunft soweit noch gut aber auch ich bekam in der Nacht dann Kopfschmerzen. Leider ein häufiges Symptom in derartigen Höhen. Kurioserweise konnten wir auch noch anderweitige Auswirkungen des veränderten Luftdrucks feststellen. So blähte sich beispielsweise der Aluminiumdeckel vom Joghurt heftig auf wohingegen sich unsere leeren Hartplastikwasserflaschen zusammenzogen. Die Cremeflaschen blähten sich ebenfalls auf und der Click-Lock Deckel unserer Vorratsbox erzeugte ein Vacuum. 😯 Zum Glück bekam aber keiner von uns ernsthafte Probleme wie Herzrasen oder Nasenbluten. Ansonsten hätten wir postwendend wieder nach unten fahren müssen. Außerdem wurde es nachts bei sternenklarem Himmel in dieser Höhe bitterkalt und so schliefen wir mit Leggings und Fleecejacke an. Die Standheizung war auf Grund unserer knappen Dieselvorräte keine Option. 🥶 Ich hatte, zumindest gefühlt, fast die ganze Nacht wachgelegen und war entsprechend gerädert morgens. Unsere Kopfschmerzen trugen nicht gerade zum besseren Befinden bei aber unsere Laune stieg urplötzlich, als Simon beim Pinkeln draußen eine kleine Herde „Vicunyas“ entdeckte. Die Tiere grasten friedlich direkt vor unserem Van und wir konnten uns bis auf wenige Meter heranpirschen. 😍 Auch die Sonne schien bereits wieder von einem azurblauen, wolkenlosen Himmel und wärmte sowohl uns als auch das Innere unseres Van schnell auf. Wir frühstückten noch gemütlich um dann die letzten 200 Höhenmeter bis zum Parkplatz hinaufzufahren. Dort angekommen parkten wir schlussendlich auf 4.380 Meter Höhe. 😮 Von dort aus führten zwei Wanderwege zu verschiedenen Aussichtspunkten und was soll ich sagen: Der Blick auf die bunt marmorierten Berge war tatsächlich fantastisch. Dafür hat sich die schlechte Nacht definitiv gelohnt! Wir genossen die herrliche Aussicht und schossen etliche schöne Fotos bevor wir uns auf den Rückweg ins Tal machten. 25 km später waren wir wieder in „Humahuaca“ auf nur noch rund 3.000 Meter Höhe angekommen. Wir fuhren non-stopp weiter da wir dringend tanken mussten. In „Tilcara“ kamen wir an einer Tankstelle vorbei welche wir am Vortag wohl beide völlig übersehen hatten. 🙈 Vor dieser befand sich aber eine lange Schlange an wartenden Autos und laut Aushang müssten ausländische Kennzeichen für den Diesel auch noch einen Zuschlag bezahlen. Die Tankanzeige gab grünes Licht für die restlichen 100 Kilometer bis „Jujuy“ und so entschieden wir direkt bis in die Stadt zu fahren. Dort angekommen tankten wir sowohl unseren Bus als auch den Ersatzkanister voll und füllten an einem Supermarkt außerdem unsere Lebensmittelvorräte wieder auf. Dank unseres guten Wechselkurses war der Einkauf auch wirklich preiswert. 👍 Unser Weg führte uns noch ca. 75 km weiter über zum Teil enge Serpentinensträßchen bis zu einem kleinen See Namens „Campo Alegre“ (übersetzt „glückliches Land“). Zwischenzeitlich waren die Kopfschmerzen wieder schlimmer geworden und die kurze Nacht steckte uns zudem noch in den Knochen. Umso erleichterter waren wir, als wir nach einigem Suchen dann doch noch einen Stellplatz am Wasser fanden. Dieser befand sich auf einem Zeltplatz und der Inhaber verlangte für die Nacht gerade einmal 0,50 € pro Kopf. 😲 Das weitläufige Gelände war wirklich ein Traum: Vor uns lag der kleine See, umgeben von großen grünen Weideflächen auf denen Pferde, Kühe sowie Schafe grasten. Das Ganze umrahmt von den grünen Bergen auf der einen und den schroffen kahlen roten Andenausläufern auf der anderen Seite. Eine Kulisse die man schöner nicht hätte malen können. ❤ Das Abendessen fiel mehr oder weniger flach und wir dafür bereits um 21 Uhr in die Kissen. 😅

Eine kleine Herde Vicunyas direkt vor unserem Van
Was für eine Farbenpracht
Die Anstrengung hat sich gelohnt 👍🏻

Wir schliefen tatsächlich bis 9 Uhr morgens und verbrachten den Tag auf dem herrlichen Gelände. Nach einem kurzen Morgenspaziergang frühstückten wir und nahmen uns vor heute unser Auto gründlich von all dem Staub der letzten Tage zu befreien. Diesmal war außer dem Wohn- auch der Fahrbereich zu putzen und so teilten wir die Arbeit fair auf. 😂 Simon baute außerdem auch den Luftfilter zur Reinigung aus wobei dieser tatsächlich weniger verdreckt war als erwartet. Nachmittags gab es zur Belohnung fluffige Pancakes mit Obstsalat und nach dem das Auto zumindest innen wieder glänzte begaben auch wir uns schlussendlich unter die längst überfällige Dusche. 🙈🙉🙊 Den Rest des Tages genossen wir die wunderschöne Aussicht um uns herum. Ich recherchierte noch ein wenige im Reiseführer die Route für die kommenden Tage und Simon freute sich wie ein König über die Leistung unserer Solaranlage. 😂 Wir erwärmten an diesem Tag zweimal das Wasser im Boiler zum Duschen und luden wirklich ALLE verfügbaren Elektrogeräte (vom Laptop bis hin zur Zahnbürste und den Kopfhörern) wieder vollends auf und die Stromanzeige stand am Ende des Tages immer noch auf 100%. An diesem Tag produzierten wir sage und schreibe 1,6 Kilowattstunden. Seitdem wir die Solar-Panels installiert haben leisten diese hervorragende Dienste und auch während unserer nun schon dreimonatigen Südamerika-Reise hatten wir noch nie Schwierigkeiten mit dem zur Verfügung stehenden Strom. 👍

Chillen in herrlicher Umgebung
Hier bleiben wir zwei Tage!
Pferde, Kühe, Schafe, Hunde – alles da

Da wir am Vortag dann doch mehr gearbeitet hatten als wir eigentlich wollten und der Platz wirklich ein herrliches Fleckchen Erde war beschlossen wir hier noch einen Ruhetag einzulegen. Wir schliefen erneut aus und nach dem Morgenkaffee liefen wir eine große Runde über das Gelände sowie entlang des Seeufers. Bereits gestern konnten wir während unseres Spaziergangs eine ca. 120 cm lange, dunkel gezeichnete Natter entdecken und auch heute sahen wir wieder eine noch Schönere mit helleren, gezackten Schuppen. Wir chillten in unseren Campingstühlen im Schatten unserer mit Sturmbandset befestigten Markise wobei der Wind an diesem Tage deutlich heißer war als am Vortag. 🥵 Um uns herum tobten die jungen Fohlen und auch zwei Kiter waren am Ufer bei ihren Trockenübungen zu beobachten.

Traumhafter Sonnenuntergang 🌅
über den Andenausläufern
Ohne Worte… 🥰🥰🥰

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!

NEW BLOG POST 🇵🇾 (17.10. – 21.10.2022) Yaguarón – Asunción

Am Montagmorgen machten wir uns nach 4 schönen Tagen in „Encarnación“ auf in Richtung „Yaguarón“. Die Kleinstadt lag auf direktem Weg in Richtung der Hauptstadt und laut Reiseführer befindet sich dort die schönste Kirche Südamerikas. Die Landstraße war sehr gut befahrbar und so schafften wir die 350 km locker bis zum frühen Vormittag. Wir parkten unseren Van direkt an dem Straßenquadrat welches die große und vor allem lange Kirche umgibt. An deren Eingangstor angekommen mussten wir allerdings feststellen, dass das Gotteshaus an diesem Tag geschlossen hatte. Wir unterhielten uns kurz mit einem Einheimischen welcher sagte, dass am gestrigen Sonntag offen gewesen wäre und er wüsste auch nicht warum montags zu sei. Er empfahl uns noch auf den „Cerro“ zu gehen, einem Aussichtspunkt auf einem nahegelegenen Hügel. Trotz ganz leichtem Nieselregen und grauem Himmel machten wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin um uns nach der langen Fahrt noch ein wenig die Beine zu vertreten. So konnten wir uns auch gleich noch einen Überblick über das überschaubare Örtchen verschaffen. Am Fuße des Hügels angekommen wurden wir von einem Parkplatzwächter empfangen welcher nicht nur die Parkgebühr kassierte, sondern auch für den Zutritt zum Hügel ein paar Guaraní verlangte. Der Betrag war zwar verschwindend gering aber auf Grund des nicht so schönen Wetters und der Tatsache, dass wir ja nur einen kleinen Spaziergang machen wollten sahen wir davon ab und liefen zum Bus zurück. An diesem Platz verbrachten wir dann auch eine sehr ruhige Nacht. 🛌

Kirche ⛪️ in Yaguarón

Morgens waren wir bereits von diversen anderen, parkenden Fahrzeugen umringt und ernteten viele neugierige Blicke sowie unzählige nette Komplimente. 😍 Wir liefen noch einmal zum Kircheneingang und heute hatten wir Glück. Von außen wirkt diese wirklich vollkommen unspektakulär, lediglich der Glockenturm aus Holz stellt eine Besonderheit dar. Aber im Inneren ist die Kirche wirklich sehr prunkvoll. Die Deckenpfeiler sowie die gesamte Decke sind aus Holz, mit Schnitzereien verziert und prachtvoll bunt bemalt. Wir fühlten uns rein von der Konstruktion im Inneren eher an die große Halle von „Ragna“ in der Serie „Vikings“ erinnert. 😅 Ein älterer Herr begrüßte uns und schaltete freundlicherweise die Altarbeleuchtung ein. Auch dieser war sehr prachtvoll in Gold und Grün gestaltet, mit unzähligen Figuren von denen jede ihre Bedeutung hat. Auf die Ausführungen verzichte ich hier aber es war interessant zu erfahren, dass all die bunten Gemälde von Guaraní Indianern unter Anleitung der Franziskaner im 17. Jahrhundert gefertigt wurden. 😯 Nach einem kurzen, mal wieder nötigen „Hausputz“ fuhren wir los ins nahe gelegene Kolonialstädtchen „Areguá“. Wir stellten unseren Van an einem Supermarktparkplatz in der Nähe des Zentrums ab und erkundeten dieses zu Fuß. Vom Kirchenvorplatz aus auf dem Hügel konnten wir einen Blick auf den nahegelegenen „Lago Ypacaraí“ erhaschen. Wir spazierten weiter zu einem anderen Aussichtspunkt und von dort aus bergabwärts in Richtung Seeufer. Dort konnten wir keinen direkten Zugang finden außer den am öffentlichen „Playa Municipal“. Camping wäre dort in den Sommermonaten wohl auch möglich wobei uns nur rein interessehalber der Preis interessiert hätte. Für 10.000 Guaraní (ein paar Cent) durfte man auch als Fußgänger auf das Gelände und so kamen wir auf diesem Wege doch noch an den See heran. Der weitläufige Park war mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet: Spielplatz, Fußballplatz, Grillstelle, Spazierwege und ein Steg der bis über den Rand des Wassers führte. Auf diesem angelangt erkannten wir dann auch, warum wir keinen Zugang zum See finden konnten. Anders als auf der Karte eingezeichnet befindet sich hier nämlich kein Strand, sondern nur Sumpf am gesamten Ufer. Wir genossen noch ein wenig die Aussicht und machten uns dann auf den Rückweg zum Van um direkt weiter in einen Vorort von „Asunción“ zu fahren. Wir hatten in der „iOverlander App“ von einem schönen Stellplatz bei einem deutschen Ehepaar gelesen und diesen wollten wir uns gerne genauer ansehen. In der Hauptstadt selbst dürfte es fast unmöglich sein frei sowie sicher zu stehen. Als wir nach kurzer Fahrt dort ankamen sahen wir bereits einen großen Camper mit französischem Kennzeichen auf der Grünfläche stehen. Wir klingelten und wurden kurz darauf von dem recht wortkargen Sohn der deutschen Auswanderer empfangen. Der Preis von 10 € pro Tag für uns beide überzeugte uns jedoch und so parkten auch wir unseren Bus in dem großen, grünen Vorgarten vor deren Wohnhaus. Dusche und Toilette für Campinggäste befinden sich in dem alten Stallgebäude und sind entsprechend wenig schick und etwas muffig aber zumindest sauber. Und der große Pluspunkt, weswegen wir den Platz mitunter auch angesteuert hatten: Wir konnten hier auch für rund 3 € pro Ladung deren Waschmaschine nutzen und alleine diese Tatsache war schon fast das Geld wert. Im Garten hinter dem Haus befand sich außerdem noch ein schöner Pool in welchem wir uns nach dem heißen Tag und der vielen Lauferei sogar noch erfrischen konnten. 🤽‍♀️ Die Besitzer scheinen außerdem sehr Tierlieb zu sein denn hier gibt es unter anderem mehrere Volieren mit schönen Papageien, zwei Hunde, zwei Katzen, zwei Pferde und ich weiß nicht was sonst hier noch alles so kreucht und fleucht. 😅

Kirche ⛪️ in Areguá
Lago Ypacaraí
Lago Ypacaraí

Blöderweise hatten wir vorab nicht den Wetterbericht gecheckt und stellten dann erst auf dem kostenpflichten Stellplatz fest, dass für die beiden kommenden Tage jeweils durchweg Gewitter gemeldet waren. Nicht die besten Aussichten für unsere Stippvisite in der Hauptstadt. 😣 Dafür gab es hier gutes und schnelles WLAN und Regentage sind für uns derzeit eine willkommene Abwechslung, um an den zeitaufwendigen YouTube Videos und am Blog zu arbeiten. Außerdem konnten wir sogar noch ein paar Serienfolgen streamen. 👍 Neben der Arbeit an den Laptops kümmerten wir uns um unsere zwei Waschladungen Schmutzwäsche und ich habe zum ersten Mal im Omnia ein Brot gebacken. Ist auf Anhieb perfekt gelungen, wenngleich es auch wegen dem Loch in der Mitte mehr nach einem überdimensionalen Bagel aussieht. 😅 Wir unterhielten uns noch sehr nett mit einem weiteren Paar aus Deutschland welches derzeit ebenfalls auf dem Gelände der beiden Deutschen in deren Bungalow für Feriengäste wohnt. Sie erzählten uns, dass sie hier für mehrere Wochen quasi probeleben und sich nebenbei die Papiere für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Paraguay mit Hilfe von der Hausherrin, welche auch als Einwanderungshelferin fungiert, besorgen. Und das obwohl sie sich nach längerer Zeit hier eigentlich gar nicht wohl fühlen. 😲 Simon und ich merkten sofort anhand ihrer Ausführungen, dass sie bis dato wohl noch nie außerhalb Europas unterwegs waren und dem war auch so. Entsprechend schockiert waren sie mitunter von den hiesigen Lebensumständen und den örtlichen Gegebenheiten. Verständlicherweise denn für uns Europäer ist es anfangs natürlich ungewohnt, Toilettenpapier z.B. auf Grund des schlechten Abwassersystems nicht in der Toilette, sondern im Mülleimer daneben zu entsorgen. Von schlechten Gehwegen, Schlaglöchern, mangelnden Verkehrsregeln etc. einmal ganz abgesehen. Trotz allem wollten sie die Aufenthaltserlaubnis für sich und ihren jüngsten Sohn gerne haben um für alle etwaigen Negativentwicklungen in Europa gewappnet zu sein.

Zum ersten Mal auf einem kostenpflichtigen Stellplatz
Mit Pool 😎
Es war mal wieder Zeit zum Wäsche waschen 🧼
Ausgiebig Serien schauen konnten wir auch 😅
Unser erstes Brot 🍞 im „Omnia“ ist auch gelungen 👍🏻

Nach dem wir uns während der zwei Regentage in unserem gemütlichen, kleinen Eigenheim eingeigelt hatten freuten wir uns am Freitag über den angekündigten Sonnenschein am Morgen. Rasch packten wir unsere sieben Sachen zusammen und verabschiedeten uns vom freundlichen Hausbesitzer. Wir fuhren von dort aus direkt bis ins Zentrum der Hauptstadt „Asunción“ wo wir ein im Reiseführer genanntes Hotel ansteuerten. Es hieß, dass Overlander dort herzlich willkommen wären und man auf dem Hotelparkplatz gegen Umsatz in deren Restaurant parken und nächtigen könnte. Das erwies sich leider als Falschinfo und so zogen wir ohne Stellplatz wieder von dannen. Wir steuerten weiter in Richtung Zentrum in der Hoffnung, dort einen bewachten und vor allem nicht überdachten Parkplatz zu finden. Auf dem Weg kamen wir an einer großen Filiale unserer Lieblingssupermarktkette „Super Seis“ vorbei und wir entschieden spontan auf dem Parkplatz zu parken. Der Parkwächter hatte auch überhaupt keine Einwände gegen unser Vorhaben, von hier aus mit den Rädern die Stadt zu erkunden und bei Rückkehr noch im Supermarkt einzukaufen. Im Gegenteil, er wollte sogar gleich noch ein Selfie mit uns beiden Reisenden aus Deutschland als Beweis. 😅 Von dort aus waren es noch rund 5 km mit dem Fahrrad in die Stadt. Allerdings immer entlang der Hauptverkehrsstraßen und diesmal leider ohne Fahrradweg aber wir haben die Fahrt gut überstanden. In relativ kurzer Zeit konnten wir uns so mal wieder einen Überblick über das Stadtzentrum verschaffen. Wir kamen am Eisenbahnmuseum, dem Regierungssitz, dem Kulturzentrum, der Kathedrale, der „Costanera“ am „Rio Paraguay“ sowie an dem wahnsinnig weitläufigen Markt vorbei. Analog zu asiatischen Märkten gab es hier wirklich alles: Obst, Gemüse, Fisch, Gewürze, haltbare Lebensmittel wie z.B. Öl aber auch Haushalts- und Elektroartikel sowie selbstverständlich Schuhe und Bekleidung. Auf dem Rückweg zum Van hielten wir noch an 2-3 Bankfilialen an bis wir eine ausfindig machen konnten, bei der wir am Geldautomaten paraguayische Guarani abheben konnten um sie im Anschluss am Schalter direkt in USD zu wechseln. Da wir morgen für längere Zeit nach Argentinien weiterreisen möchten und dort aktuell zum x-ten Male die Währung verfällt, benötigen wir die USD als harte Währung um sie auf dem „blue market“ (Schwarzmarkt) in Argentinien in Pesos tauschen zu können. Ebenso hoffen wir, dass das Geld senden und abheben über „Western Union“ gut funktionieren wird. Den Tipp hatten wir im „Pantanal“ von anderen Reisenden erhalten. Im Gegensatz zum Geldautomaten oder zur Kreditkartenzahlung erhält man bei den „Western Union“ Filialen sowie auf dem Schwarzmarkt fast den doppelten Betrag. Nach dem geglückten Projekt Geldwechsel deckten wir uns, wieder am Supermarkt angekommen, noch für die nächsten Tage mit Vorräten ein. Schließlich wissen wir bis dato nicht wann, wie und wo wir in Argentinien an die benötigten Pesos gelangen werden. 🙈 Da wir außerdem gehört hatten, dass es zumindest in den vergangenen Monaten eine schlimme Dieselkrise in Argentinien gegeben hatte die viele LKWs und Reisende für mehrere Tag zum Stillstand zwang, tankten wir noch voll und füllten erstmals auch unseren 20 Liter Zusatzkanister auf. Den Grenzübertritt schafften wir allerdings nicht mehr da es mittlerweile schon kurz vor 18 Uhr war. So entschieden wir zwar etwas missmutig, aber vernünftig, noch einmal zu unserem vorherigen Stellplatz bei dem deutschen Paar zurückzufahren. Wobei wir mittlerweile keine Guarani mehr hatten um für die Unterkunft zu bezahlen. 😣 So kam uns die 24h Tankstelle am Flughafen, welche wir im sehr zähen Feierabendverkehr auf unserem Weg dorthin entdeckten, mehr als gelegen. Kurzerhand warfen wir unseren Plan erneut über den Haufen und entschieden dort zu kochen und zu nächtigen.

Stippvisite in der Haupstadt
Regierungspalast
Kathedrale
Helden Denkmal
Costanera am Rio Paraguay

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!

NEW BLOG POST 🇵🇾 (10.10. – 16.10.2022) Ciudad del Este – Encarnación

Der Start in den Montagmorgen war eher suboptimal. Wir hatten, mal wieder, viel zu lange geschlafen und wachten erst gegen 09:00 Uhr morgens auf. Vielleicht war dies auch dem Gewitter und dem Regen in der Nacht geschuldet weswegen wir immer wieder kurz aufwachten. Als ich dann den Kühlschrank öffnete, um die Milch für den Kaffee herauszuholen, lief mir erst einmal der Fleischsaft von dem gefrorenen Hackfleisch welches wir gestern (mangels frischer Alternativen) gekauft hatten entgegen. Na toll… Die Abtropfschale unseres Gefrierfaches, in welche wir um regelmäßige Überschwemmungen im Kühlschrank zu vermeiden ein Lappen hineingelegt haben, triefte ebenfalls davon. 😤 So fängt der Tag doch gleich mal gut an und kann ja eigentlich nur besser werden. Nach dem wir gefrühstückt hatten machten wir uns dann die wenigen Kilometer auf zur Grenze wo wir uns in die Blechlawine einreihten. Glücklicherweise ging es recht zügig voran und das Ausreiseprozedere auf der brasilianischen Seite verlief ebenfalls reibungslos. Wir stempelten bei der „migracion“ unsere Pässe aus und wurden dann weiter zur Bundespolizei geschickt, um dort unseren „TIP“ (die Aufenthaltsgenehmigung für unseren Van) entwerten zu lassen. Die Dame dort schaute uns ziemlich verwundert an und meinte, wir wären heute schon die zweiten Deutschen hier. Beste Grüße an der Stelle also noch einmal an Lydia & Ju, die uns wohl einige Stunden zuvor den Weg geebnet hatten. Auf der paraguayischen Seite schrieb der Grenzbeamte nämlich von ihrem Papier ab. 😅 Innerhalb von ca. 2 Stunden hatten wir dann auch beide Grenzen passiert und durchquerten die wenig schöne und sehr wuselige Grenzeinkaufsstadt „Ciudad del Este“ ohne Stopp. Wir fuhren direkt bis zum Naturreservat „Tati Yupi“ in der Nähe des Staudamms „Itaipu“ weil wir gelesen hatten, dass man dort kostenlos in schönstem Grün mit allen Annehmlichkeiten (BBQ, Sanitäranlagen & Duschen) direkt am „Rio Paraná“ campen könnte. Leider wurde uns die Einfahrt auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse und des vielen Regens in den letzten Tagen verwehrt. 😕 So machten wir direkt kehrt und fuhren zu einem weiteren auserkorenen Ziel ganz in der Nähe: Dem „Salto Monday“, einem 80 Meter hohen Wasserfall welcher von der Höhe her also definitiv mit den „Iguazu-Fällen“ mithalten kann. Dort angekommen fanden wir einen eingezäunten Parkplatz vor und somit war unser Gedanke, eventuell dort übernachten zu können, auch direkt wieder passé. Ich erkundigte mich im Eingangsbereich nach den Kosten und diese waren mit 68.000 Guarani (geile Währung, oder?! Hier ist man auf jeden Fall sehr schnell Millionär 😄) fast 3x so hoch als im Reiseführer bzw. sogar noch außen am Eingang mit 25.000 angegeben. Also ließen wir auch diese Sehenswürdigkeit links liegen, schließlich hatten wir ja erst an zwei verschiedenen Tagen die Wasserfälle von „Iguazu“ besucht, und machten uns weiter auf den Weg in Richtung der Jesuiten-Missionen. Diese liegen von der Grenze ca. 250 km entfernt im Südosten des Landes und wir haben an diesem regnerischen Tag noch fast die Hälfte der Strecke absolviert. Wir suchten uns ein geeignetes Posto für die Nacht und Simon verarbeitete unser Hackfleisch, das tatsächlich sehr unappetitlich nach Hundefutter aussah, noch zu wirklich schmackhaften Burgern. 😋

Grenzposten
Mal wieder ne Nacht am Posto 😀
Auf dem paraguayischen „Guaraní“ ist der
Itaipu-Staudamm abgedruckt 💵

Den grauen und tristen Vormittag verbrachten wir noch an dem weitläufigen Posto. Hier hätten wir sogar Fußball, Tennis, Billiard und Tischkicker spielen können! 😅 Wir nutzten mal wieder das WLAN für den Upload meines Blogs und des kommenden YouTube Videos bevor wir uns auf den Weg zu den Jesuiten-Missionen machten. Im Südosten von Paraguay gibt es wohl bis zu 30 zum Teil wiederaufgebaute und restaurierte Missionen. Die einspurige Landstraße war sehr gut befahrbar und die Landschaft war relativ eintönig: Überall Felder und Farmland. Allem Anschein nach wird auch hier viel Soja angebaut. Ab und an kamen wir an ein paar sehr einfachen Holzhütten vorbei, welche aber immerhin an das Stromnetz angeschlossen waren. Und die Straßen fernab der Hauptstraße sind meist nur gepflastert und nicht mehr geteert oder reine Erdwege. Man sieht also recht schnell, dass die Menschen hier (zumindest auf dem Land) deutlich ärmer sind als in Brasilien. Paraguay gilt aktuell immer noch als Entwicklungsland was aber nicht bedeutet, dass die Menschen mit dem Wenigen das sie haben nicht glücklich und zufrieden zu sein scheinen. Uns freut es auf jeden Fall, wenn wir endlich etwas günstiger als in Deutschland einkaufen können. 😉 Wir fuhren bis „Trinidad“ und bogen dort auf die Straße nach „Jesús de Tavarangue“ ab als wir sahen, dass es auch dort eine Jesuiten-Mission gibt. Wir erkundigten uns nach dem Eintritt und für 25.000 Guaraní pro Kopf (nicht einmal 4 €) können wir alle drei umliegenden Stätten besuchen und haben dafür noch dazu drei Tage Zeit. Abends, nach Einbruch der Dunkelheit, gibt es wohl sogar eine illuminierte Lightshow. Das werden wir uns nicht entgehen lassen! 😃 Als wir bezahlt hatten durften wir zuerst einen kurzen Video-Clip anschauen, welcher sehr einfach und comichaft die Jesuiten-Missionen erläuterte. Soweit ich verstanden habe, wurden die Missionen von katholischen Patern gegründet um die indigenen „Guaraní“ zu missionieren. Allerdings im positiven Sinne denn es war die Absicht, dass die Indianer auf freiwilliger Basis in die Missionen kamen um dort gemeinschaftlich zu leben und zu arbeiten. Eine frühe Form des Kommunismus quasi. Die Kinder wurden dort unterrichtet und nebenbei wurde der katholische Glauben geleert und der Großteil des Gebäudes war das Gotteshaus. Laut den Erzählungen war es wohl ein friedliches Zusammenleben und den europäischen Besatzern sowie dem Papst gefiel dies ganz und gar nicht. Zumal die Guaraní handwerklich wohl sehr geschickt waren und man deren Überlegenheit fürchtete. So wurden die Jesuiten-Missionen alsbald wieder zerschlagen. So habe ich zumindest den Film verstanden und das hatte ich so auch online recherchiert aber wie gesagt: Ohne Gewähr! 🙈 Glücklicherweise konnten wir einen deutschsprachigen Audio-Guide herunterladen, welcher uns an insgesamt 14 Stationen den Aufbau und das Leben in der Mission näherbrachte. Wir beendeten unseren Rundgang kurz vor 18 Uhr und durften freundlicherweise auf dem kleinen Besucherparkplatz übernachten. Der Nachtwächter befand sich direkt um die Ecke und die Ruinen liegen abseits am Rande eines sehr kleinen Dorfes so dass einer ruhigen Nacht nichts im Wege stand. 😴

Jesuiten Mission in Jesus de Tavarangue

Am kommenden Morgen schien endlich mal wieder die Sonne und es war sofort spürbar wärmer. Wir blieben noch eine ganze Zeit lang auf dem Parkplatz in „Jesús de Tavarangue“ und nutzten den Vormittag zum Backen, Frühstücken und Video basteln. Vor allem aber war es interessant den jungen Mann gegenüber von uns zu beobachten. Er baute quietschvergnügt und bestens gelaunt wirklich stundenlang mit einer Hingabe vor seinem einfachen Holzhaus auf dem Grünstreifen ein kleines Tischchen auf. Auf diesem befanden sich diverse Kräuter, Wurzeln und Schälchen. Soweit ich beurteilen konnte alles um „Yerba Mate“ Tee herzustellen welchen er wohl in Flaschen abgefüllt zu verkaufen versuchte. Dabei lief die ganze Zeit über schwungvolle, spanische Musik aus der kleinen Lautsprecher-Box welche er mit seinem Handy betrieb und manchmal ließ er es sich auch nicht nehmen mitzusingen. 😄 Er positionierte sein Tischchen einige Male um und fotografierte natürlich jedes Mal sein Kunstwerk. Was ich damit sagen will: Schön zu sehen, dass man mit einem derart einfachen Leben so glücklich und zufrieden sein kann. Und vor allem eine solche Muse zu haben! Denn ich halte es für gut möglich, dass er den ganzen Tag über nichts verkaufen wird und trotzdem wird er abends wahrscheinlich immer noch ähnlich gut gelaunt wieder zusammen- und am nächsten Tag wieder auspacken. Wir drehten zu Fuß noch eine kleine Runde durch den überschaubaren Ort und bestaunten das einfache Leben der Menschen hier, bevor wir die 10 km zurück nach „Trinidad“ zur dortigen Jesuiten-Mission fuhren. Dort stellten wir unseren Van erneut auf dem Besucherparkplatz ab und erkundigten uns, ob wir mit unseren bereits erworbenen Eintrittskarten sowohl bei Tag als auch noch einmal bei Nacht auf das Gelände dürften. Dies stellte überhaupt kein Problem dar und zu meinem großen Erstaunen ließ man uns sogar gehen ohne die Karten zu kontrollieren. Diese waren nämlich noch im Bus und man sagte mir, ich solle sie einfach heute Abend zur Lightshow vorzeigen. Das nenne ich doch mal Vertrauen in die Menschheit. ❤ Einen Audio-Guide konnten wir hier nicht finden aber das Gelände in „Trinidad“ war mehr oder weniger analog zu dem gestrigen in „Jesús de Tavarangue“ angelegt und so war dies auch nicht mehr wirklich nötig. Diese Stätte gehört seit 1993 ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist deutlich größer und weitläufiger als die in „Jesús“. Die Siedlung wurde komplett aus dem roten Stein des nahegelegenen Steinbruchs „Ita Cajón“ erbaut, wo wir uns am Nachmittag noch in dem kleinen Park umschauten. Dort wurde anhand verschiedener, aus Holz geschnitzter Figuren die Mythologie der „Guaraní“ erzählt. Bis dato ist uns die dazugehörige Geschichte leider noch unbekannt. Trotzdem war es schön, die einzelnen Figuren in dem kleinen wilden Wäldchen zu suchen. Wir kehrten zurück zum Van und warteten bis zum Einbruch der Dunkelheit. Um 21 Uhr wurden wir dann zur fast exklusiven Lightshow erneut auf das Gelände gelassen. Tatsächlich öffneten sie die Tore nur für ein weiteres, spanisches Overlander-Paar mit ihrem kleinen Sohn und uns. Als wir auf den Rasen traten gingen die Lichter an und tauchten die Ruinen um uns herum in sehr stimmungsvolles Licht. In den Rasen waren ebenfalls viele kleine Spots eingelassen, welche den gut sichtbaren Sternenhimmel über uns spiegeln sollten. Dazu erklangen aus den Lautsprechern sphärische und mystische (Kirchen-)Klänge welche eine tolle Atmosphäre erzeugten. 🤩 Wir liefen das Gelände noch einmal komplett bei Dunkelheit ab und bedankten uns am Ende bei unserem Guide für die exklusive Führung. Die Nacht verbrachten wir zusammen mit dem anderen Paar auf dem Parkplatz, gut bewacht von den vielen streunenden Hunden und den Parkwächtern.

Der Verkaufsstand des gut gelaunten jungen Mannes
Jesuiten Mission in Trinidad
Im Park der Guaraní Mythen „Ita Cajón“

Am späten Vormittag verließen wir den Parkplatz bei den Jesuiten-Ruinen und machten uns auf den kurzen Weg nach „Encarnación“. Die Stadt bezeichnet sich selbst als Perle Paraguays und nach einem längerem Erkundungsgang entlang der Promenade können wir zumindest sagen, dass es sich hierbei um eine sehr entspannte Stadt handelt. Die Uhren scheinen hier sehr gemächlich zu laufen und der breite Sandstrand am Ufer des „Rio Paraná“, welchen wir während unserer Reise nun schon öfters überquert haben, trägt sein Übriges dazu bei. Die Stadt liegt ganz im Süden des Landes und ist durch eine Brücke mit Argentinien verbunden. Wir schauten uns die Restaurant-Meile an welche aus diversen Pizzerien bzw. Italienern, einem Steak-Restaurant, einem Café, einem McDonalds sowie einem Japanischen Restaurant besteht. In unserem „Lonely Planet Südamerika“ Reiseführer wurde außerdem ein gutes italienisches Restaurant in der Nähe genannt und so liefen wir die Hauptstraße entlang bis wir es fanden. Im Gegensatz zu Brasilien scheint in Paraguay Mittagessen überhaupt nicht populär zu sein. Zumindest herrschte zur besten Mittagszeit dort gähnende Leere. Wir warfen einen Blick auf die Speisekarte und waren sowohl von dem Angebot als auch den Preisen recht angetan. Auch das Ambiente überzeugte. Der Raum war zwar recht groß, aber durch Nischen-Tische zum Teil in hübsche Separees unterteilt und alle Tische waren schick eingedeckt. Wir entschieden am Abend wiederzukommen und gingen wieder zurück zu unserem Van. Simon arbeitete noch ein Weilchen am Laptop und parallel beobachteten wir währenddessen die Jugendgruppen, welche am nahegelegenen Pavillon an der Promenade aktiv waren. Zuerst konnten wir eine Teenie-Gruppe beim Einstudieren ihrer Cheerleader-Tänze beobachten und danach traten Kinder aller Altersklassen zum Taekwondo an. Gegen Abend machten wir uns erneut auf den Weg zum Italiener und als wir gegen 20 Uhr dort ankamen war das Restaurant erneut vollkommen leer! 😮 Da wir mittlerweile aber wirklich hungrig waren gingen wir trotzdem hinein und wurden nicht enttäuscht. Zumal sich kurz darauf das Lokal deutlich füllte. Also wer demnächst in „Encarnación“ sein sollte: Des Restaurant „Piccola Italia“ können wir uneingeschränkt empfehlen. Allerdings sollte man dort erst ab 20:30 Uhr aufkreuzen. 😉 Wir bestellten eine Pizza nach Art des Hauses sowie eine Lasagne und bekamen vorweg leckeres Knoblauch-Brot als Appetizer gereicht. Die Pizza war knusprig, groß und üppig mit einem bunten Allerlei belegt so dass wir nur die Hälfte davon schafften. Auch die Lasagne strotzte nur so vor Bolognese-Sauce so dass wir gut gesättigt leider auf das ursprünglich fest eingeplante Tiramisu verzichten mussten. 😂 Der Espresso passte aber noch hinein und obwohl wir einen Kleinen bestellt hatten war die Tasse bis zum Rand gefüllt. Inklusive zweier 500 ml Softdrinks haben wir umgerechnet ca. 25 € bezahlt. Unser erstes schickeres Essen während der Reise war also ein voller Erfolg. 👍 Wir machten uns zu Fuß wieder auf den Rückweg zum Van und schlenderten dabei erneut die Promenade entlang, an deren Parkplatz wir dann auch übernachteten. Der gesamte Bereich war im Dunkeln hell erleuchtet und überall hingen Kameras so dass wir uns sehr sicher fühlten. Es war zwar noch ein ganzes Weilchen relativ laut, weil einige Jugendliche lautstark Musik hörten aber alles in allem schliefen wir doch recht gut hier.

Strand am „Rio Paraná“ in Encarnación mit Blick auf die argentinische Seite
WLAN haben wir auch gefunden 😅
Lecker Essen im Ristorante „Piccola Italia“ 😋
Traumhafte Sonnenuntergänge 🌅 gab es hier

Am Freitagmorgen strahlte erneut die Sonne vom Himmel und dabei ging ein angenehmer Wind, welcher dem gestern noch spiegelglatten Fluss einige leichte Wellen verpasste. Die Verkäufer witterten gleich gute Geschäfte und boten neben Sonnenbrillen nun auch Drachen und Windräder für die Kinder an. 😅 Zumindest in Brasilien ist Drachenfliegen bei den Kids übrigens sehr populär und wir haben ihnen immer gerne dabei zugeschaut. Da wir als Mittagessen noch die restliche Pizza von gestern hatten, entschieden wir uns zum Frühstück nur ein Stück von unserem Rübli-Kuchen zu essen und uns anschließend mal wieder auf unsere Bikes zu schwingen. Mit diesen fuhren wir zuerst zu einem Auto-Laden welchen wir gestern während unseres Rundgangs entdeckt hatten. Wir erkundigten uns dort nach der Möglichkeit unsere Seitenscheiben am Bus auf Fahrer- und Beifahrerseite schwarz folieren zu lassen. Hauptsächlich deshalb, damit man in unser geparktes Auto nicht so offensichtlich hineinschauen kann. Den Sonnen- und Blendschutz würden wir als Benefit aber auch begrüßen. Simon kennt die deutschen Preise recht gut und weiß daher, dass wir zuhause dafür rund 200 € hätten bezahlen müssen weswegen wir mit bis zu 50 € hier gerechnet hätten. Als der Inhaber auf unsere Frage hin dann den Preis von 90.000 Guaraní (umgerechnet 13! €) nannte zögerten wir keine Sekunde. Wir konnten noch am selben Tag wiederkommen und vereinbarten einen Termin um 15 Uhr so dass wir noch genug Zeit hatten unsere kleine Radtour fortzusetzen. Wir fuhren wieder hinunter ans Wasser und alsbald über eine Brücke bis zu einer Treppe, welche im Reiseführer als „im Gaudi-Stil“ gestaltet angepriesen wurde. Na ja… An die Stufen in Barcelona kommt sie dann wohl nicht ganz heran. 😄 Wir radelten noch ein Stück weiter bis zu einem schönen und gähnend leeren Sandstrand („Playa Mboí Ka’e“), welcher im Gegensatz zu dem an unserem Stellplatz („Playa San José“) sogar feste Sonnenschirme und somit Schatten bot. Mal sehen, vielleicht wechseln wir morgen ja noch einmal den Platz und bleiben hier noch einen Tag länger. Dort nutzten wir noch die festinstallierten Fitnessgeräte, um unser Sportprogramm noch ein wenig vielfältiger zumachen bevor es zurück zum Van ging. Simon schaffte es noch, den bei der Verschiffung kaputt gegangenen Windabweiser zu reparieren bevor wir uns dann auch schon auf den Weg zur Autowerkstatt begeben mussten. Dort angekommen machte sich der nette Herr auch direkt ans Werk und innerhalb von einer Stunde leistete er wirklich ganze Arbeit und ehe wir uns versahen hatten wir perfekt von innen getönte Scheiben. 👍 Während wir warteten verspeisten wir noch unsere Pizza-Reste und ich freute mich einmal mehr, dass ich mich mit meinen Spanischkenntnissen doch recht flüssig mit einem weiteren netten Mann von der Werkstätte nebenan unterhalten konnte. 🥰 Dieser erzählte unteranderem, wir sehr die Corona-Pandemie ihn und alle anderen Einwohner der Stadt getroffen hat. Hatte er vor der Pandemie noch rund vier Fahrzeuge pro Tag in seiner Autowerkstatt so ist es seither nur noch eins in der Woche. Von seinen ehemals drei Mitarbeitern kann er mit Mühe und Not noch einen halten und so geht es allen anderen Menschen hier wohl auch. Diejenigen, die vor der Pandemie sowieso schon wenig hatten haben jetzt fast nichts mehr und kämpfen wirklich um ihre Existenz, weil sie ihre Arbeit verloren haben. 😥 Nach dem kurzen Boxenstopp ging es für uns wieder zurück zu dem bereits bekannten Stellplatz am Wasser wo kurz nach uns auch das spanische Paar mit ihrem Sohn eintraf, welche wir bereits an den Jesuiten-Missionen kennengelernt hatten. Die Nachmittagssonne genossen wir dann noch am Strand, obwohl meine Nase leider trotz Sonnencreme und Mütze schon wieder deutlich sichtbaren Sonnenbrand abbekommen hatte. 😕 Nach dem Abendessen spazierten wir noch einmal die schön erleuchtete Promenade entlang bevor wir in der Hoffnung auf eine etwas ruhigere Nacht als die Gestrige zu Bett gingen.

Pizza-Reste essen während andere arbeiten 🤣
Scheiben erfolgreich getönt 👍🏻
Bisschen Sport zur Abwechslung
„Escalatina San Pedro„

Den fehlenden Schlaf vom Vortag holten wir am Samstag direkt wieder nach und starten entsprechend gut gelaunt in den Tag. 😀 Wir frühstückten noch gemütlich an unserem Stellplatz an der Promenade bevor wir zum Supermarkt fuhren um vor allem unsere Trinkwasservorräte wieder aufzufüllen. Am gegenüberliegenden Hotel schnappten wir noch kurz Internet bevor wir uns auf machten zu dem schönen kleinen Strand, welchen wir gestern mit den Fahrrädern entdeckt hatten. Dort machten wir es uns im Schatten von einem der großen, feststehenden Sonnenschirme mit unseren Campingstühlen gemütlich und genossen einfach mal das süße Nichtstun. Simon nahm ein Bad im erfrischenden „Rio Paraná“ und ich nutzte abends noch die Stranddusche für eine Haarwäsche. Am Abend zog dann noch ein recht langanhaltendes Gewitter auf welches es uns leider unmöglich machte ordentlich im Van durchzulüften. Auf Grund des Regens mussten wir sowohl die beiden Dachluken als auch die Schiebetür geschlossen halten. Lediglich unser Aufstellfenster konnten wir öffnen da der Wind zum Glück von der anderen Seite kam. Bis dann unser Abendessen fertiggekocht war (es gab Pfannkuchen mit Blumenkohl) war die Hitze im Bus fast unerträglich. 🥵 Dementsprechend Bescheiden schliefen wir in dieser Nacht welche wir auf dem Parkplatz gegenüber vom Strand, direkt vor der dort ansässigen kleinen Polizeiwache, verbrachten. Zumal uns leider nach wie vor die sehr lästigen, fiesen Sandfliegen zu schaffen machen die übel juckende Stiche hinterlassen welche einem mitunter ebenfalls den Schlaf rauben können…

Beach life 🏖 am Strand „San José“
Und nebenan an der „Playa M‘boí Ka‘e„
Blick auf den Rio Paraná
Man konnte zumindest kurz darin baden

Da es uns am Samstag hier am Strand so gut gefallen hatte entschieden wir am Sonntagmorgen spontan, den gestrigen Tag einfach noch einmal zu wiederholen. 😅 Wir fuhren mit den Rädern noch einmal über die Brücke auf die andere Seite der Stadt um mit dem dortigen WLAN Simons Papa gebührend zum Geburtstag zu gratulieren. Außerdem machten wir noch einen kurzen Abstecher zum wenig sehenswerten japanischen Garten als Teil der „Plaza de Armas“ und stoppten dann noch an der langen Promenade um uns dort ein Eis zu gönnen. 🍦 Auf dem Rückweg zum Van versorgten wir uns beim Supermarkt noch mit ein paar Kleinigkeiten fürs Abendessen bevor wir den Rest des Tages wieder ganz gemütlich am Strand verbrachten. 🏖

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NEW BLOG POST 🇧🇷 (06.10. – 09.10.2022) Itaipu & Foz do Iguazu (Iguazu-Wasserfälle)

Am Mittwoch regnete es fast den ganzen Tag über mal mehr oder weniger heftig. Der ideale Tag also, um wieder Strecke in Richtung „Foz do Iguazu“ zu machen. 😉 Gegen Mittag unterbrachen wir die Fahrt an einer Raststätte um von dort aus noch etwas an den Laptops zu arbeiten. Am späten Nachmittag, als der Regen aufhörte, entschieden wir dann doch noch ein paar Kilometer in Richtung unseres nächsten großen Ziels zu fahren. Wir überquerten den viele Kilometer breiten „Rio Paraná“ welcher als Seitenarm letztlich die „Iguazu Wasserfälle“ bildet. Mit überqueren der langen Brücke wechselten wir auch erneut den Bundesstaat. Es ging von „Mato Grosso do Sul“ nach „Paraná“ und urplötzlich sprangen die Uhren wieder eine Stunde weiter nach vorne. 🙈 Als es zu dämmern begann steuerten wir einen größeren Autobahn-Rasthof an und was sprang uns dort sofort ins Auge?! Der helle Jeep von Lydia & Ju, unseren Container-Buddys. Wir trafen die beiden bei einem Bierchen im Restaurant an und gesellten uns noch für ein kurzes Schwätzchen dazu, bevor wir uns in unseren Bus trollten um uns unserer leckeren Pfannen-Pizza zu widmen. 🍕 In dieser Nacht schliefen wir auf Grund des Sturms und der mitunter heftigen Regenfälle sowie dem Lärm der LKWs eher schlecht.

Der Rio Paraná

Kurz nach dem wir am nächsten Morgen aufgestanden waren ging erneut die Welt unter und es schüttete aus vollen Kannen. So tranken wir unseren Kaffee aus und machten uns im Regen direkt auf, um die letzten Kilometer bis „Foz do Iguazu“ zu bestreiten. Wir hielten nach der Hälfte kurz an einem Supermarkt an um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen und dort zu frühstücken. Während der Weiterfahrt hörte der Regen dann endlich auf und kurz vor der Stadt hielten wir noch einmal an einem Posto, um das dortige WLAN zu nutzen. Dort versuchte ich online die Tickets für die „Iguazu-Wasserfälle“ auf der brasilianischen Seite für den Folgetag zu erwerben. Aus unerklärlichen Gründen war dies leider nicht möglich und ich konnte den Kauf nicht abschließen. 😕 Hoffen wir, dass wir die Tickets auch direkt vor Ort bekommen werden. Wie wir am Samstag dann zur argentinischen Seite der Fälle kommen ist auch noch offen. Wenn wir mit unserem Van die Grenze übertreten müssen wir in beiden Ländern das Grenzprozedere durchführen. Und das Ganze dann gleich zweimal, weil wir nach dem Besuch der Wasserfälle wieder zurück nach Brasilien müssen um von dort aus nach Paraguay weiterzureisen. Auf argentinischer Seite gibt es an der Stelle nämlich leider keinen Grenzübergang nach Paraguay. Vielleicht finden wir einen sicheren Ort, an dem wir in Brasilien unseren Van parken und von dort aus mit einem Taxi oder Bus nach Argentinien fahren können?! Und dann wäre da auch noch die andere Währung die wir für den Ticketkauf dort benötigen… Alles nicht so einfach. 🙈🙊🙉😅 Da es noch recht früh am Nachmittag war und der Himmel sich deutlich aufgehellt hatte entschieden wir, noch zum „Itaipu Staudamm“ zu fahren. Wir konnten dort noch für denselben Tag Tickets für die Panorama-Fahrt in einem Doppeldecker-Bus ergattern. Die Tickets kosteten 46 Real (ca. 9 €) pro Person und wir konnten auch alsbald in den Bus einstiegen. Dieser stoppte auf der Runde durch das Gelände an zwei Aussichtsplattformen, an welchen man jeweils aussteigen und den Ausblick auf den wirklich gewaltigen Staudamm genießen konnte. Beim „Itaipu Staudamm“ handelt es sich um den zweitgrößten weltweit und mit den dort generierten 14 Millionen Kilowatt Strom wird 75% vom Bedarf Paraguays sowie 17% vom Bedarf Brasiliens gedeckt. 😲 Die Staumauer ist rund 200 m hoch sowie stolze 8 km lang und von 20 Turbinen durchzogen. Der Überlauf war leider nicht in Betrieb als wir den Damm passierten. Wenn dieser geöffnet ist schießt dort 40x mehr Wasser durch als durchschnittlich bei den nahegelegenen „Iguazu-Wasserfällen“. Es war auf jeden Fall ein sehr beeindruckender Besuch und ein schöner Start in unseren mehrtägigen Aufenthalt hier. 👍

Der Itaipu Staudamm
Weltweit der zweitgrößte

Die Nacht verbrachten wir am Straßenrand in der Nähe vom Staudamm. Von dort aus waren es am nächsten Morgen noch ca. 25 km einmal quer durch die Stadt bis zum „Visitor Center“ des „Iguazu-Wasserfalls“ auf der brasilianischen Seite. Hierbei handelt es sich nicht nur um den größten Wasserfall der Welt, sondern auch um den zweitältesten 1939 gegründeten Nationalpark Brasiliens. Wir stellten unseren Van für 37 Real Parkgebühr (= 8,50 €) auf dem dortigen Besucherparkplatz ab und konnten uns die Tickets für den Nationalpark mit unserer Kreditkarte problemlos selbst an einem der zahlreichen Terminals holen. Die Eintrittskarte kostete pro Person knapp über 20 € und ich kann bereits an der Stelle hier sagen, dass es das Geld allemal wert ist. 👍 An dem Freitag war ziemlich viel los und wir reihten uns in die lange Warteschlange für den Doppeldecker-Bus ein, welcher die Besucher vom „Visitor Center“ bis zum Startpunkt des Wanderweges entlang der Fälle bringt. Wir mussten nicht lange warten bis wir durch die Schleuse hindurch und in den Bus durften. Die Fahrt dauerte nicht lange und bereits beim Aussteigen konnten wir die Wasserfälle donnern und tosen hören. 😲 Sobald man auf den Fußweg einbiegt kann man auch schon den ersten Blick auf die „Iguazu-Fälle“ erhaschen und es war wirklich ein mehr als beeindruckendes Schauspiel, die Wassermassen in die Tiefe stürzen zu sehen. So eine beeindruckende und faszinierende Naturgewalt ist uns bisher noch auf keiner unserer vielen Reisen begegnet. Der Wanderweg zieht sich rund 1.200 Meter vom Start- bis zum Endpunkt immer am Wasser entlang. Die Sicht auf den gleichnamigen Fluss sowie die zahlreichen Wasserfälle und Inseln darin ist wirklich einmalig. Wie toll es wohl erst sein muss, dieses herrliche Naturschauspiel aus der Luft und einem der vielen Helikopter zu bestaunen?! Es gibt ausreichend gute Gelegenheiten um alle paar Meter zum Staunen, Fotografieren und Filmen anzuhalten. Und trotz der Vielzahl an Besuchern kam man sich nicht wirklich in die Quere. Lediglich an einem Aussichts- bzw. Foto-Spot mussten wir mal ein Weilchen warten, bis wir an der Reihe für den perfekten Schuss waren. 😅 Die Sicht geht stets hinüber auf die argentinische Seite der Wasserfälle, wo man noch näher am Wasser dran ist und die Besucher sich dank der angelegten Stege quasi direkt über dem Wasser befinden. Wir haben nun schon von mehreren Leuten gehört, dass die argentinische Seite die noch Schönere sei und wir sind wirklich gespannt, ob der heutige Tag morgen wirklich noch einmal getoppt wird… Am Ende unsers Weges gelangten wir zur „Garganta do Diabo“ (= Teufelsschlund) wo ebenfalls ein Steg zu einer Aussichtsplattform direkt über einem der donnernden Wasserfälle führt. Die Gischt spritzte enorm und ich war, im Gegensatz zu Simon, so schlau mir vorher meinen Regenponcho überzuwerfen. Simon wurde somit ganz schön nass wohingegen es bei mir nur meine Füße traf. 😉 Zum Glück haben sowohl Handy als auch Gimbal die fette Dusche unbeschadet überstanden. 🙈 Von der Plattform aus waren es dann nur wenige Stufen bis nach oben zu Restaurants, Getränkeständen und letztlich dem Bus welcher einen wieder zurück zum Eingang brachte. Wir nutzten noch das dortige WLAN, um online Eintrittskarten für die argentinische Seite der Wasserfälle zu kaufen und das nächste YouTube Video hochzuladen. Übernachtet haben wir diesmal auf einem Hotelparkplatz ganz in der Nähe des Parkeingangs. Wir sind einfach ganz frech durch das offene Steintor gefahren nach dem wir gesehen hatten, dass dort noch zahlreiche Parkplätze frei waren. Wir parkten etwas abseits, verhielten uns so ruhig wie möglich und zu unserem eigenen Erstaunen beschwerte sich niemand und wir konnten bis morgens in Ruhe dort stehen. 😅

An den Iguazúwasserfällen angekommen
Was für eine Naturgewalt!
Am „Garganta do Diablo“
Ohne Worte…

Morgens entfernten wir uns zeitig von dem Hotelgelände, bevor doch noch jemand auf die Idee gekommen wäre Geld von uns zu verlangen. 🙈 Wir fuhren wieder zurück bis zum Nationalparkeingang auf brasilianischer Seite und frühstückten dort erst einmal. Danach stellten wir unseren Van erneut auf dem bewachten, wenn auch nicht ganz günstigen Parkplatz ab. Wir liefen bis zum Einfahrtstor von wo aus auch die Busse zur argentinischen Seite der „Iguazu-Wasserfälle“ abfahren. Da wir nicht wirklich abschätzen konnten, wie lange die Fahrt dauern und wie voll es auf der anderen Seite sein wird nahmen wir direkt den ersten Bus um 09:00 Uhr. Die Entscheidung war auch goldrichtig. Der Bus musste nämlich zwecks kurzen Zollformalitäten (wir mussten lediglich an der argentinischen Seite unsere Pässe vorzeigen mit dem Hinweis, dass wir bereits am Nachmittag wieder ausreisen werden) jeweils auf der brasilianischen als auch auf der argentinischen Seite anhalten. Nach dem dies erledigt war ging die erste Fahrt bis zum Busterminal in „Puerto Iguazu“, dem Pendant in Argentinien zu „Foz do Iguazu“ in Brasilien. Dort mussten wir in einen weiteren Bus umsteigen der uns dann bis zum Eingang des Nationalparks brachte. Alles in allem waren wir fast 1,5 Stunden für immerhin rund 12 € pro Person hin und zurück unterwegs. Und da die gestern online erworbenen Eintrittskarten auf 11:00 Uhr lauteten hätten wir nicht viel später losgehen dürfen. Am Eingang angekommen wurden wir von einer ziemlich großen Menschenmenge in Empfang genommen. Wir hatten uns für unseren Besuch aber auch den denkbar schlechtesten Tag ausgesucht: Am 12. Oktober (kommenden Mittwoch) ist ein Feiertag und die meisten Menschen haben daher wohl ein verlängertes Wochenende. Bei dem herrlichen Wetter am gestrigen und heutigen Tag natürlich DIE Gelegenheit für derartige Ausflüge. 😕 Nur lies die Wettervorhersage für uns auch keine wirkliche Ausweichmöglichkeit. Die kommenden Tage soll es nämlich durchweg wieder gewittrig und regnerisch werden. So schoben wir uns also im Schneckentempo mit all den vielen anderen Besuchern über die schmalen Metallstege, welche auf der argentinischen Seite direkt über den Flusslauf und die Kanten der Wasserfälle führen. Wir bewältigten die beiden Hauptwege (ca. 1.200 und 1.700 Meter lang) entlang der oberen und unteren Fälle. Tatsächlich fanden wir die Draufsicht auf die Wasserfälle gestern von der brasilianischen Seite aus deutlich schöner und vor allem viel imposanter und beeindruckender. Auf der argentinischen Seite blickt man lediglich in die Tiefe und sieht dafür deutlicher den Sog der Strömung bis sich der Fluss zwischen 60 und 80 Meter donnernd in die Tiefe stürzt. Das Wasser war auch ziemlich braun gefärbt. Scheinbar hat dies viel mit der Waldrodung in Brasilien zu tun wodurch der Fluss viel mehr Sedimente mit sich führt als früher, als es noch ein Klarwasserfall war. Möglicherweise lag es aber auch einfach an dem Regen der vergangenen Tage. Viel Wasser gab es auf jeden Fall! Zum „Gargante del Diablo“ schafften wir es leider nicht mehr. Der Rundweg wäre mit 120 Minuten zeitlich für uns nicht mehr machbar gewesen, da wir ja noch rechtzeitig den Bus zurück auf die brasilianische Seite erwischen mussten. Und bei derart vielen Besuchern hätten wir vermutlich auch deutlich länger als angegeben gebraucht. Man hätte wohl auch mit einem Zug fahren können welcher die Besucher zu den einzelnen Stationen im Park bringt. Allerdings war auch dieser derart überfüllt und mit einer Abfahrt im 30 Minuten Rhythmus auch nicht wirklich ideal. Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass es dort gestern unter statt auf dem Teufelsschlund sowieso viel spektakulärer war und wir somit nichts verpasst haben. 😉 Die Rückfahrt mit dem Bus verlief analog zur Hinfahrt und gleichfalls unkompliziert, so dass wir rechtzeitig am Nachmittag wieder bei unserem Van ankamen. Auch hier war der Parkplatz deutlich voller als am Tag zuvor und sogar die Grünstreifen entlang der Straße waren dicht an dicht zugeparkt. 😮 Wir fuhren wenige Kilometer weiter in Richtung Zentrum und parkten an einem ziemlich großen Laden, in welchem Edelsteine, Souvenirs und handgemachte Schokolade verkauft wurde. Dort sahen wir uns kurz im Laden um wobei wir es eher auf den Parkplatz abgesehen hatten. Dieser war schön groß, beleuchtet und nicht direkt an der Straße weshalb wir ihn ideal für diese Nacht fanden. Da unser Frühstück heute außergewöhnlich früh und das Mittagessen mit drei kleinen Empanadas, welche wir noch dazu teilten, eher klein ausfiel hatten wir entsprechend Kohldampf. Wir kochten noch eine schnelle Pasta mit Kürbis und Sahnesauce bevor wir erschöpft von all den Eindrücken ins Bett fielen.

Auf der argentinischen Seite…
… war leider die Hölle los 😳
Auf dieser Seite ist man ganz nah am Wasser 💦
Wirklich gewaltig 😮
Äffchen gab‘s übrigens auch 🥰
Vermutlich eine Giftschlange 🐍

Der Sonntag war ein würdiger und schöner Abschluss unserer Brasilien-Reise. Im Reiseführer hatten wir von einem sehr guten und noch dazu günstigen Restaurant in der Stadt gelesen. Deswegen ließen wir das Frühstück heute sausen und fuhren stattdessen gegen 11:30 Uhr in die Innenstadt. Im Restaurant „Tropicana“ wurden wir freundlich empfangen und für sage und schreibe 40 Real pro Bauch (umgerechnet etwa 8 €) erwartete uns dort ein riesengroßes und wirklich sehr leckeres Büffet. 😋 Von verschiedenen Salaten über die diversesten Beilagen bis hin zu Varianten von Fleischsorten aber auch extrem leckeren Pizza-Stückchen gab es wirklich alles. Und der süße, krönende Abschluss war ebenfalls gesichert und auch hier mangelte es nicht an Auswahl. Für 20 Real mehr pro Kopf hätte es sogar noch wirklich sehr gut aussehendes „Churasco“ dazu gegeben. Die Angestellten gingen in regelmäßigen Abständen von Tisch zu Tisch und säbelten dort auf Wunsch die saftigen Fleischscheiben vom Spieß. Wir entschieden uns auf Grund des üppigen Büffets allerdings dagegen. Mehr als Essen kann man dann ja auch nicht… Wir verbrachten dort glaube ich in Summe fast 2,5 Stunden wenn gleich wir nicht durchgehend gegessen sondern auch noch das freie WLAN genutzt haben. 😆 Danach fuhren wir noch zu einem ziemlich großen Supermarkt um unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Weiter ging es zur Tankstelle, bei welcher ich auf der Toilette noch eine Dusche entdeckte. Wir hatten gerade im Van unseren Boiler zum Duschen angeschaltet, weil dies der nächste Tagesordnungspunkt gewesen wäre. 😅 Ich fragte bei der Kassiererin nach ob ich die Dusche benutzten dürfte und sie bejahte dies. Also Boiler wieder aus und schnell dort frisch gemacht – perfekt! Als Simon dann allerdings nach mir unter die Dusche springen wollte war die Tür verschlossen. Ich ging also noch einmal zu der netten Dame um den Schlüssel zu holen. Sie verwies mich dann an ihren Kollegen und dieser war auf einmal gar nicht so nett und meinte, man dürfte hier nicht duschen. Oh je, da lag wohl ein Missverständnis vor! Das tat mir dann auch wirklich leid aber so etwas passiert leider, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Dabei hatte ich sogar mit Handzeichen verdeutlicht was ich wollte. 🙈 Na ja, zum Glück haben wir ja noch unsere Dusche im Van und so konnte sich Simon abends dort auch noch frisch machen. Morgen steht für uns die nächste Grenzüberquerung an: Wir haben entschieden nach 61 Tagen in Brasilien nicht direkt nach Argentinien weiterzureisen, sondern doch das eher weniger beachtete Paraguay zumindest ein Stück weit zu durchreisen. Zumal dies eventuell sogar der kürzeste Weg in Richtung Nordwest-Argentinien sein dürfte. 😉 Wir sind auf jeden Fall gespannt, was uns dort alles erwarten wird und ob es tatsächlich hauptsächlich das Land der Rinder und Gauchos ist oder ob wir doch einige nennenswerte Sehenswürdigkeiten entdecken werden. Was wir allerdings liebend gerne hinter uns lassen würden sind die stechfreudigen Insekten, welche uns seit dem „Pantanal“ regelmäßig quälen und traktieren. 😣 Ihr dürft euch also ebenso wie wir überraschen lassen und euch schon jetzt auf die Berichte aus Paraguay freuen. 😘😘😘

Liebe Grüße an alle! 🥰

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NEW BLOG POST 🇧🇷 (27.09. – 04.10.2022) Bonito und Umgebung

Wir hatten auf dem Parkplatz eine sehr ruhige und angenehme Nacht. Nach dem wir in aller Ruhe gefrühstückt hatten, machten wir uns zu Fuß auf in Richtung Zentrum. Der Ort ist nicht wirklich schön und eigentlich konzentriert sich alles Wesentliche auf die 3 km lange Hauptstraße. Hier befinden sich diverse Einkaufsläden, einige wenige Restaurants sowie Eisdielen und am oberen Ende die beiden Supermärkte. Wir schlenderten die Straße auf der einen Seite hoch und auf der anderen wieder zurück zum Van. Dort angekommen schnappten wir unsere Badesachen und nahmen die Fahrräder, um mit diesen bis zum „Balneário Municipal“ (dem städtischen Naturfreibad) zu fahren. Von unserem Guide Max hatten wir den Tipp bekommen, dass sich direkt nebenan ein schöner Campingplatz mit Zugang zum Wasser des „Rio Formoso“ befindet. An diesem angekommen erkundigten wir uns zuerst nach den Preisen. 60 Real (12 €) müssten wir pro Tag und Person berappen um hier zu stehen 😮. Ab drei Tagen bekämen wir einen Rabatt in Höhe von 10 Real. Das wären aber umgerechnet immer noch rund 10 € pro Kopf und Tag. Wir schauten uns auf dem weitläufigen Gelände um und der Badebereich war wirklich sehr idyllisch. Von zwei Plattformen aus könnte man in den Fluss einsteigen und dort in den natürlichen Becken und sogar unter einem kleinen Wasserfall baden. Aber so viel Geld bezahlen, nur um letztendlich auf einem Rasenplatz zu stehen?! Klar hätten wir dort auch einen Wasseranschluss und sogar eine kleine Außenküche mit Grill und auch die Sanitäranlagen wären natürlich im Preis inbegriffen. Aber an und für sich brauchen wir nichts davon, weil wir mit unserem Van komplett autark stehen können. Die Tankstelle gegenüber von unserem aktuellen Stellplatz bietet ebenfalls Toiletten und sogar Duschen. Beides noch dazu kostenlos. Der zweite Campingplatz nebenan war sogar noch schöner und hatte noch mehr Zugänge zum Fluss um dort zu baden. Dafür war der Preis auch noch einmal um 5 Real höher. So entschieden wir vorerst bei unserem kostenfreien Stellplatz zu bleiben. Eventuell würden wir einen der Campingplätze an einem schönen Tag zum Baden nutzen, weil der Eintritt in die Schwimmbäder fast genauso teuer ist wie dort zu übernachten. Oder wir gehen nur in eines der Bäder. Mal sehen… Wir schafften es gerade noch vor dem Gewitterschauer wieder zurück ans Auto. Abends gab es noch einmal selbst geangelten Fisch, einen „Piau“. Dieser war geschmacklich etwas fad aber mit der leckeren Pasta dazu dennoch ein Genuss. Der Regen hielt dann auch die ganze Nacht über an, mal mehr und mal weniger stark. Wobei wir bisher bis auf ein oder zwei kurze Schauer noch keinen nennenswerten Regen während unserer gesamten Reise hatten. Und im „Pantanal“ war es in den vergangenen Jahren in der Regenzeit auch stets eher zu trocken und die Bewohner hoffen daher dieses Jahr sehnlichst auf größere Wassermengen. Die Gewitter, die für die kommenden Tage gemeldet sind, künden langsam aber sicher das Ende der Trockenzeit an.

Unser Stellplatz in Bonito
Brunnen im Stadtpark in Bonito
Kleiner Wasserfall mit Badepool auf einem der Campingplätze 🏕

Am kommenden Morgen regnete es immer noch, was uns zu Gute kam denn in der zurückliegenden Woche hatten wir weder an den YouTube Videos noch am Blog gearbeitet. So nutzten wir die willkommene Pause um an den Laptops zu arbeiten. Gegen Mittag wurde es dann trocken und wir konnten noch einmal in den Ort spazieren. Zur Abwechslung mal ein unspektakulärer Tag. 😂

Schöne Schnitzereien in einer Parkbank

Donnerstagfrüh hatten wir uns den Wecker gestellt, damit wir rechtzeitig um 8 Uhr Ortszeit (entsprechend 14 Uhr deutscher Zeit) zur Trauerfeier und Urnen-Beisetzung von Opa Franz wach waren. Wir zündeten eine Kerze an und dachten immerhin in stiller Trauer an ihn. 😢 Da es vormittags noch feucht und nass vom Regen der Nacht war, nutzte ich die Zeit mal wieder zum Kuchen backen. Diesmal gab es einen Kokos-Rührkuchen. Simon arbeitete derweil am Rio de Janeiro Video weiter. Gegen später wurde es trocken und wir konnten mit den Fahrrädern bis zur „Ilha Bonita“ fahren. Es ging rund 12 km über einen breiten Erdweg, welcher gerade im Begriff ist asphaltiert zu werden. Für den Erdweg war der umliegende Wald zwar sowieso schon gerodet worden und auch die angrenzenden Fazendas tragen zur Vernichtung des Waldes bei, weil sie für ihre Rinder Farmland benötigen. Trotzdem stellten wir uns die Frage, ob der Tourismus nicht auch hier mal wieder Fluch und Segen zu gleich ist. 😕 Würde die Straße auch dann in gleichem Umfang gebaut werden, wenn diese nicht zu mehreren Bädern führen würde?! Wir hatten sowieso nicht vor, von der unglaublichen Vielzahl an angebotenen Touren hier in „Bonito“ viele in Anspruch zu nehmen. Aber nach dem Anblick entschieden wir erst recht, uns auf ein absolutes Minimum bzw. die naturgegebenen Attraktionen wie z.B. das Ara-Kraterloch zu beschränken. An unserem Ziel, der Ilha Bonita, angekommen fanden wir nämlich wie schon vermutet keine wirkliche Insel und schon gar keine Möglichkeit zum Freistehen vor. Vielmehr handelte es sich hierbei um ein Naturfreibad inklusive aller Annehmlichkeiten wie Pousada, Grillplätzen, Sanitäranlagen etc. Wir erkundigten uns vor Ort nach dem Preis, wenn wir hier ein oder zwei Nächte mit unserem Van übernachten würden. Dies bedurfte mehrerer Telefonate der drei (wie immer leider nur portugiesisch sprechenden) Damen mit dem Ergebnis, dass wir danach auch nicht schlauer waren. Man konnte uns letztlich nur den Eintrittspreis für das Bad in Höhe von 65 Real pro Person und Tag nennen. Diesen kannten wir jedoch bereits zuvor aus dem Internet. 😂 Nicht das erste Mal, dass wir diese Erfahrung machen mussten. Wir machten also wieder kehrt und radelten in die Stadt zurück. Die Radtour über die Piste war wirklich schön und mit unseren Mountainbikes auch sehr gut machbar. Im Ort angekommen hielten wir noch in dem Touri-Office, in dem wir für den Folgetag die Schnorchel-Tour gebucht hatten. Da der Wetterbericht für Freitag nicht gerade ideal war und für den Vormittag weitere Gewitter-Schauer gemeldet waren, würden wir nach Möglichkeit gerne umbuchen wollen. Allerdings teilte uns die Dame mit, dass der Veranstalter weder samstags noch sonntags Touren anbieten würde. Also beließen wir es erst einmal dabei und fuhren zurück zum Van. Dort angekommen checkten wir im Internet erneut den Wetterbericht. Die Vorhersage war ernüchternd und so entschieden wir, mit den Rädern noch einmal zurück in den Ort zu fahren und die Tour schlussendlich auf Montag zu verschieben. 🙄 Immerhin investierten wir insgesamt 90 € in den Ausflug und es wäre einfach schade, wenn wir dabei schlechte Sicht oder gar Regen hätten. Die Umbuchung ging zum Glück problemlos und wenn wir über etwas reichlich verfügen so ist es Zeit. 😅 Also werden wir das schlechte Wetter auf unserem Parkplatz aussitzen. Die Polizei-Patrouille, die am Abend unseren Van passierte, gab uns aus dem Fenster raus einen „Daumen hoch“ uns bisher hat sich auch weder an der Tankstelle gegenüber noch am Hotel hinter uns jemand über unsere Toiletten-Nutzung beschwert. 🙈

Hier wird die neue Straße gebaut 😕

Am Samstagmorgen nach einem schnellen, aber dringend nötigen „Hausputz“ und einem stärkenden Frühstück (es gab Rührei mit leckerem Vollkorn-Toast) nahmen wir erneut die Fahrräder vom Auto. Laut Wetterbericht sollte es trocken bleiben, bei einem Sonne-Wolken Mix und max. 28 Grad. Wir hatten uns vorgenommen, den Erdweg in die andere Richtung stadtauswärts zu nehmen bis zur „Nascente do Sucuri“. Hier hatten wir für kommenden Montag die Schnorchel-Tour gebucht und da weder Samstag noch Sonntag dort Ausflüge stattfanden hatten wir die Hoffnung, dort eventuell schon von Sonntag auf Montag übernachten zu können. Bis dahin galt es rund 20 km „Buckelpiste“ zu bewältigen. Von der Mittagshitze einmal abgesehen fuhr es sich mit unseren günstigen „Rockrider“ Mountainbikes wieder erstaunlich gut. 👍 An unserem Ziel angekommen schauten wir uns um und fanden, wie vermutet, tatsächlich keine Menschenseele vor. Der große Parkplatz schien uns für eine Übernachtung gut geeignet und so machten wir uns wieder auf den Rückweg. Nach etwa 5 km hielten wir an der „Barra do Sucuri“. Von dort aus wurden ebenfalls, wenn auch etwas kürzere, Schnorchel-Trips auf dem „Rio Sucuri“ angeboten. Wir wollten dort nachfragen ob es eventuell möglich wäre, am Sonntag dort einfach nur im Fluss zu baden und auf den Grünflächen bzw. im Pool zu relaxen. Auf dem Parkplatz angekommen entdeckten wir dort zu unserer großen Freude den Jeep Wrangler von Ju & Lydia alias „a donde voy“ bei YouTube und Instagram. Mit den beiden hatten wir uns ja den Verschiffungscontainer geteilt. Wir erkundigten uns an der Rezeption nach der Tagesnutzungs-Möglichkeit, welche für 65 Real zu unserer Freude wohl gegeben wäre. Freundlicherweise ließ man uns auch auf das Gelände und wir konnten uns in Ruhe dort umschauen. Sowohl der Pool als auch das kristallklare Flusswasser, in welches man von mehreren Plattformen aus hätte einsteigen können, sah sehr verlockend aus. Unsere beiden Container-Buddys konnten wir allerdings nirgends entdecken. Wahrscheinlich waren sie gerade schnorcheln… Beim Gehen erkundigten wir uns nach den Öffnungszeiten für den Folgetag und mussten zu unserer großen Enttäuschung erfahren, dass am Sonntag auf Grund der Präsidentschaftswahlen leider geschlossen wäre. Satz mit X das war wohl nix. 😕 Wir schossen noch ein Beweis-Foto von Ju & Lydias Reisemobil und machten uns mit unseren Fahrrädern auf den Rückweg in die Stadt. Wenige Kilometer weiter befand sich noch ein öffentliches Bad. Also bogen wir erneut von der Straße zum „Praia do Figeira“ ab und fragten dort noch, ob dieses denn am Sonntag geöffnet wäre. Unsere Frage wurde bejaht und so entschieden wir wohl oder übel mangels Alternativen, im Touri-Office in der Stadt zwei Tickets für den Folgetag zu erwerben. Eigentlich hatten wir entschieden, in keines der angelegten Bäder zu gehen aber bei über 30 Grad stand uns der Sinn definitiv nach baden. Wieder in „Bonito“ angekommen, stoppten wir erst einmal am Supermarkt und gönnten uns eine eiskalte Sprite und je ein Stück erfrischende Wassermelone. Bis wir wieder am Van angelangt waren, hatten wir tatsächlich fast 45 km bewältigt. 🥵 Dort angekommen gönnten wir uns also erst einmal eine wohl verdiente Verschnaufpause auf dem schattigen Rasen, bevor wir ins nahegelegene Touri-Office trabten. Dort kauften wir sowohl die Tickets für das Badeparadies am Sonntag als auch gleich die Eintrittskarten für das „Buraco das Araras“ am Dienstagmorgen. Vom dortigen WLAN aus schickten wir noch das Beweisfoto und eine Sprachnachricht an unsere Container-Buddys. Wir schafften es an diesem Abend zeitlich leider nicht mehr auf ihren Camping-Platz und die beiden wollten am Sonntag zeitig aufbrechen. Aber ganz bestimmt werden wir uns an anderer Stelle wieder irgendwo begegnen. 😅 Simon probierte noch unsere Außencampingdusche aus und ich spülte mir Schweiß und Sonnencreme gegenüber an der Tankstellendusche ab. Nach dem Abendessen, wir hatten zum Glück noch Reste vom Vortag, spazierten wir dann noch in die Stadt hinein. Es war schön, den Einheimischen am Samstagabend im Park beim Bier trinken, Musik hören und Unterhalten zuzuschauen. Zur Belohnung für den sportlichen Tag gab es für jeden noch ein leckeres Eis bevor wir dann müde und zufrieden ins Bett fielen.

Radtour
Das Auto von Lydia & Ju 😛

Am Sonntag verabschiedeten wir uns dann nach 6 ruhigen Nächten von unserem Stellplatz in Bonito und machten uns auf den Weg zum Supermarkt. Dieser war wirklich günstig und so nutzten wir noch einmal die Gelegenheit, um unsere Vorräte aufzufüllen. Ebenso stoppten wir auch noch an der Tankstelle, um für die Weiterfahrt noch einmal aufzutanken. Danach ging es dann erneut über den Erdweg direkt zum „Praia do Figeira“. Wir frühstückten noch auf dem Parkplatz bevor wir dann unsere Badesachen packten und uns zum Eingang begaben. Wir konnten einen tollen Liegeplatz im Schatten eines großen Feigen-Baumes ergattern, unter dem sich ein bequemer und sogar überdachter Platz mit breiter sowie einladender Matratze befand. Von dort aus konnten wir direkt auf den großen See blicken, dem allerdings eindeutig einiges an Wasser zu fehlen schien. 😯 Kein Wunder, schließlich näherten wir uns ja gerade dem Ende der Trockenzeit. Sowohl im als auch am Wasser befanden sich jeweils runde, feststehende Sonnenschirme inklusive der dazugehörigen Sitzgelegenheiten. Am Strand gab es außerdem noch eine Snack-Bar und weiter oben, hinter unserem Liegeplatz, ein Restaurant. Kurioser Weise durfte heute, auf Grund der Präsidentschaftswahlen, kein Alkohol ausgeschenkt werden. Warum wissen wir allerdings nicht so genau. Eventuell um Ausschreitungen zu vermeiden, oder damit die Leute während der Wahl einen klaren Kopf haben?! 😲 Das absolute Highlight war die Zip-Line. Mit Schwimmweste ausgestattet konnte man über einen Holzsteg ins Wasser zu einem Turm laufen. Dort oben angekommen schnappte man sich dann den Griff, welcher an dem Stahlseil befestigt war und konnte so über den See hinab ins Wasser rutschen. Was für ein Spaß! 😀 Außerdem gab es im angelegten Kinderbereich noch eine breite Wasserrutsche, welche auch wir Erwachsenen benutzen durften. Diese war ebenfalls nicht von schlechten Eltern. 👍 Im Eintrittspreis von 69 Real wäre auch der Verleih von Tretbooten, Stand-Up Paddles und Kajaks inbegriffen gewesen. Wir waren allerdings zu faul und relaxten stattdessen lieber auf unserem tollen day-bed. 🤣 Um 17 Uhr war der Spaß dann auch schon wieder zu Ende und wir machten uns auf zur „Nascente do Sucuri“, wo wir ja bereits am Tag zuvor mit den Rädern den Stellplatz für die Nacht ausgekundschaftet hatten. Dort nutzten wir noch den Wasseranschluss im Freien, um unseren inzwischen ganz leeren Wassertank wieder aufzufüllen. Wir parkten unseren Van im Außenbereich, damit sich am Folgetag möglichst niemand über unsere Anwesenheit beschweren konnte und kochten noch zu Abend. Tatsächlich wäre sowohl der Sanitär- als auch der Restaurant- und Pool-Bereich frei zugänglich gewesen. Selbstverständlich betraten wir die Anlage nur auf der Suche nach einer verantwortlichen Person, die wir aber nicht antreffen konnten, und wunderten uns über das offensichtliche Vertrauen in die Menschheit. Erstaunlicherweise war die Nacht dort aber weniger ruhig als erwartet, weil tatsächlich die ganze Zeit über ziemlich laute Tiergeräusche zu hören waren. 😮

Praia do Figeira
Hier sieht man den Turm der ZIP-Line
und die großen Fische im Wasser 🐟
Unsere chill-out area 😜
Schön war’s! 😎🌤🍹

An dieser Stelle noch kurz ein paar interessante Infos zur Wahl in Brasilien: Im Gegensatz zu Deutschland herrscht in Brasilien Wahlpflicht und wer nicht wählen geht hat wohl mit ernsthaften Schwierigkeiten zu rechnen. Aus diesem Grund hatten am Wahltag selbst viele Geschäfte und Betriebe geschlossen (siehe oben), damit den Bürgern ausreichend Möglichkeit zur Wahlteilnahme gegeben ist. Außerdem wählt die brasilianische Bevölkerung, ebenfalls anders als bei uns, mit ihrer Stimme direkt den jeweils kandidierenden Präsidentschafts-kandidaten. Deshalb setzen sich auch sehr viele Leute im privaten Bereich für ihren bevorzugten Kandidaten ein in dem sie ganz aktiv Wahlwerbung betreiben. Egal ob sie ihre Motorhaube oder Heckschutzscheibe plakatieren, auf der Straße Wahlwerbung verteilen oder dort Fahnen schwingen und am Wahlwochenende selbst konnten wir einen ziemlich großen, lautstarken pro „Bolsonaro“ Auto-Korso durch die Stadt fahren sehen.

Am Morgen wurden wir von strahlendem Sonnenschein und einem leicht irritierten Guide empfangen. Dieser erkundigte sich leicht säuerlich, ob wir denn hier übernachtet hätten obwohl doch alles geschlossen war. Ich bejahte dies und erklärte ihm, dass wir am Vortag in dem Freibad ganz in der Nähe waren und für heute um 11 Uhr hier einen Schnorchel-Trip gebucht hatten und wir schlicht weg nicht den ganzen Weg bis in die Stadt zurückfahren wollten und hier leider niemanden angetroffen hätten. Die Erklärung war ihm dann auch schon genug und er lud uns freundlich ein, den gesamten Bereich sowohl vor als auch nach unserer Tour zu nutzen. Er bat mich lediglich darum, direkt an der Rezeption einzuchecken was ich dann auch umgehend tat. Wir hatten noch genug Zeit bis zum Start der Tour, um gemütlich im Van zu frühstücken und uns auf dem schön angelegten Gelände umzusehen. Um 11 Uhr wurden wir dann von unserem, leider nur portugiesisch sprechenden Guide, empfangen und mit Neoprenanzug, Schwimmweste sowie Wasserschuhen ausgerüstet. Schnorchel und Brille mussten wir uns nicht leiden, da wir unsere eigenen full-face Masken mit auf die große Reise genommen haben. 😉 Insgesamt zu acht plus Guide ging es dann auf die Pritsche eines kleinen Pick-Ups, welcher uns auf das nahegelegene Gelände der Fazenda brachte auf welchem sich ein Teil des Flusses sowie der Einstieg in selbiges Gewässer befand. Es ging über ein Stück Wanderweg durch den schattigen Wald, vorbei an der unglaublich klaren Quelle bis zum Steg und dessen Plattform. Dort konnten wir in den Fluss hüpfen und uns dank der Schwimmwesten immer mit der Strömung rund 1.800 Meter hinuntertreiben lassen. Das Wasser war wie versprochen kristallklar. Man konnte jedes Kieselsteinchen auf dem Bodengrund sowie jede Blattader der Wasserpflanzen gestochen scharf erkennen und den Fischen beim Fressen zusehen. Es fühlte sich an, als würde man in einem frisch angelegten Aquarium schnorcheln. 😍 Fische gab es zwar nicht so viele, dafür aber wieder schöne große wie auch schon am Tag zuvor im Freibad: Wir konnten Pacus, Doraden, Piaus, Piraputangas und kleine Welse sehen. Am Ende des Floatings angelangt konnten wir den Fluss über eine weitere Plattform verlassen und wurden mit dem Pick-Up wieder zurück zum Ausgangspunkt und somit auch unserem Stellplatz gebracht. Den Nachmittag verbrachten wir noch auf dem Gelände und ließen uns die Gelegenheit, dort kostenlos heiß zu duschen, natürlich nicht entgehen. Mit auf unserer Tour waren zwei sehr nette, englischsprechende Brasilianer die uns freundlicherweise auch ihre Unterwasseraufnahmen zur Verfügung stellten. Danke an Ronaldo an dieser Stelle! Ansonsten könnten wir euch hier gar keine Fotos zeigen. Am frühen Abend machten wir uns dann über einen weiteren Erdweg auf in Richtung „Jardim“, wo wir für den kommenden Morgen um 7 Uhr Tickets für das „Buraco das Araras“ erworben hatten. Auf der rund 65 km langen Fahrt konnten wir noch einmal ganz viele tolle Tiere entdecken: Einige Ameisenbären auf Nahrungssuche, ein wunderschönes rot-blaues Ara-Paar und sogar ein Gürteltier am Straßenrand. 🥰 Wir hatten eigentlich gehofft, direkt am Eingang zum Ara-Krater übernachten zu können. Dies war jedoch leider nicht möglich, weil das Einfahrtstor über Nacht geschlossen wurde. So übernachteten wir einfach direkt davor, mit Einverständnis einer der Mitarbeiterinnen. 😃

Unser Stellplatz am Schnorchel-Spot
Das Gelände war super schön angelegt
An der Quelle des Rio Sucuri
Wir bekamen doch noch einen großen Ameisenbären vor die Linse! 🐜

Dank der idealen Lage unseres Stellplatzes schafften wir es dann am folgenden Morgen auch locker um 7 Uhr die restlichen Meter bis zum Eingang zu fahren. 😉 Dort angekommen wurden wir von einer netten und glücklicherweise englischsprechenden jungen Dame empfangen, die uns kurz darauf mit auf die private Tour nahm. Allem Anschein nach konnte sich außer uns niemand für die frühen Tickets begeistern. 😅 Das Kraterloch, in welchem geschätzte 60 Ara-Paare leben (Aras sind tatsächlich monogam) ist mit einem Umfang von 500 Metern sowie einem Durchmesser von 160 Metern und einer Tiefe von 100 Metern das Größte in ganz Südamerika. Entstanden ist es wohl durch die Erosion von dem innen liegenden Kalkstein so dass über die Jahrhunderte nur noch der Rote Sandstein des Kraterrandes erhalten blieb. Ein Farmer erwarb das Gelände im Jahr 1986 und wusste damals nichts von dem darauf befindlichen großen Krater. Erst nach dem mehrere Kühe auf unerklärliche Weise verschwanden (weil sie in das Loch stürzten), entdeckte er diesen und entschied, die Fläche nicht als Farmland sondern als Öko-Park zu nutzen. Er bat das Militär um Hilfe, um den ganzen Müll und anscheinend auch einige sterbliche Überreste von Menschen (scheinbar wurden hier auch Menschen entsorgt 😮) aus dem Krater zu entfernen. Sein Projekt der Ara-Wiederansiedlung glückte und so hatten wir heute die einmalige Gelegenheit, diese herrlichen und majestätischen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Am schönsten war es tatsächlich, die Tiere von der Aussichtsplattform aus im Flug zu beobachten. Dann konnte man auf ihre ausgebreiteten, weiten Schwingen blicken und das herrlich bunte Gefieder bewundern. Mit dem Fernglas konnten wir sogar zwei kleine, noch graue Ara-Junge in ihrem Nest in der Felswand erspähen. ❤ Die Rundtour dauerte ca. 1-1,5 Stunden und unsere Führerin gab sich sehr viel Mühe und teilte viele Hintergrundinfos, auch über die Tierwelt rundum. Ob der Eintrittspreis von 18 € pro Kopf dafür gerechtfertigt ist bleibt dahingestellt. Schön war es auf jeden Fall und nach der Tour stärkten wir uns erst einmal im Van mit einem leckeren Frühstück. Witzigerweise schneite auf dem Parkplatz dann noch die Kanadierin vorbei, welche wir in der „Jungle Lodge“ im Pantanal kennengelernt hatten. Die Welt ist wirklich ein Dorf! Von dort aus traten wir direkt die Fahrt in Richtung „Foz do Iguazú“ an. Bis zu den größten Wasserfällen der Welt liegen noch rund 750 km vor uns. Die ersten 300 meisterten wir noch am selben Tag. Es ging ununterbrochen entlang von endlos scheinendem Farmland und Soja-Plantagen. Am Abend fanden wir seit längerem mal wieder einen ruhigen sowie sicheren Schlafplatz an einem der zahlreichen Postos.

Eingang zum Krater
Was für herrliche Tiere! 🥰
Blick in den größten Krater Südamerikas

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!