NEW BLOG POST 🇳🇮 (15. – 26.02.2024) Laguna de Apoyo – Cañon de Somoto

Unser nächster Abstecher führte uns mal wieder zu einem schönen Vulkankratersee, nämlich der Laguna de Apoyo. Vom Mirador de Catarina aus hatten wir eine gute Rundumsicht auf das Gewässer, nur eine Bade- oder gar Übernachtungsstelle unmittelbar am Ufer war nicht leicht zu finden. Die Zufahrten auf zwei Privatgrundstücke erschienen uns zu steil weshalb wir den Nachmittag bei der Apoyo Bar verbrachten. Wie so häufig in Nicaragua wurden wir aber auch hier mal wieder zu Kasse gebeten: Entweder hätten wir Speisen und Getränke im Gegenwert von 600 Cordoba (= 15€) konsumieren oder aber 200 Cordoba (= 5€) für den Aufenthalt an einem der Tische bezahlen müssen. 😲 Wir entschieden uns für Letzteres um wenigstens noch in den Genuss eines Bades zu kommen. Der Einstieg ins Wasser war voll von spitzen, scharfkantigen Lavasteinen und ein wahrer Balanceakt. Einen schönen Übernachtungsspot fanden wir dann aber doch noch, nämlich etwas oberhalb beim Restaurante Cueva del Tigre. DieAussicht vom dortigen Mirador aus war ebenfalls sensationell sodass wir uns den Spot am Morgen fast hätten sparen können. 🤷‍♀️ Während wir im Restaurant eine Tasse Kaffee tranken unterhielten wir uns nett mit einem der Mitarbeiter und er versicherte uns, dass wir gegen Zahlung eines kleinen  Trinkgelds in Höhe von 100 Cordoba (=2,50€) an den Nachtwächter hier eine sichere Nacht verbringen könnten. Während wir im Van noch eine Kleinigkeit zu Abend aßen beobachteten wir im Schutz der Dunkelheit die Familie gegenüber. Diese schien ebenfalls ein kleines Aussichtslokal zu führen und nach Ladenschluss wurde kurzerhand das Doppelbett hinter dem Tresen hervorgezogen, in den Gastraum gestellt und schnell mit einer Matratze bestückt. Wenig später kehrte der Familienvater nach Hause und parkte sein Auto ebenfalls halb in diesem Raum. Kurz darauf erloschen die Lichter und die Eltern machten es sich, gemeinsam mit ihren beiden Kindern, in dem Bett bequem… 😔 Die Armut in Nicaragua schmerzt einen wirklich sehr und wir alle sollten jeden Tag mehr als Dankbar für all unsere Konsumgüter sein… Selbst ein Fahrrad ist hier purer Luxus, von einem Motorroller oder Auto ganz zu schweigen. So wundert es auch nicht weiter, dass viele der Autos auf den Straßen gut und gerne 20 Jahre alt sind. 🚗

Vulkankratersee mit Vulkan Blick
Übernachtung am Mirador
Gast-, Wohn-, Schlafraum UND Garage in einem 🙈

Am Freitagmittag machten wir uns dann auf zum nahegelegenen Vulkan Masaya. Dieser ist seit vielen Jahrhunderten permanent aktiv und bietet die einmalige Gelegenheit in einen brodelnden Vulkanschlund hineinzublicken. Da der Masaya sich momentan in einer sehr aktiven Phase befindet sind nachmittägliche Wanderungen um den Krater herum derzeit leider verboten. So blieb uns nichts anderes übrig, als im Schatten vor der Schranke auf den Einlass ab 16:30 Uhr zu warten. Dort fanden wir aber einen sehr netten Zeitvertreib, denn wir trafen auf Roland und Nicole aus Ludwigsburg. Die beiden sind geschätzt Ende 60 und bereisen seit 2009 mit ihrem grünen Mercedes Allradsprinter die Welt. Neben Nord- und Zentralamerika waren die Zwei u.a. auch schon auf der Seidenstraße unterwegs. Falls du mehr über sie erfahren möchtest dann schau gern mal auf ihrer Website www.panoreisen.de vorbei. Gegen später reihten wir uns dann gemeinsam mit ihnen in die Autokarawane ein, die sich mittlerweile vor den Toren des Nationalparks gebildet hatte. Pro Kopf wurden 10$ Eintritt verlangt und erst als es bereits dunkel war, schätzungsweise gegen 18:30 Uhr, gelangten wir auf dem oberen Parkplatz an. Nur wenige Schritte trennten uns von den zwei gut besuchten Plattformen, auf denen jeder um den besten Schnappschuss bemüht war. Tatsächlich hing eine dicke Rauchwolke über dem Krater aber wir hatten großes Glück und konnten trotzdem einen freien Blick auf die glühende Lava erhaschen, die zäh inmitten der Magmakammer umherfloss. Keine 10-15 Minuten später wurden alle Besucher mittels schriller Trillerpfeifen darauf aufmerksam gemacht, dass es bereits wieder Zeit zu gehen war. Zum einen, weil die giftigen Gase nicht über längere Zeit hinweg eingeatmet werden sollten. Zum anderen, weil noch etliche Besucher mehr den nächtlichen Blick in den Vulkan riskieren wollten. 🙈 Der Parkwächter mit der Trillerpfeife bestätigte uns, dass die Magmakammer derzeit recht instabil sei weshalb Spaziergänge tagsüber untersagt seien. Aber wir hätten großes Glück gehabt, an anderen Tagen sei die Sicht mitunter deutlich schlechter. Während Simon sich mehr erhofft hatte fand ich auch meinen zweiten Besuch am Krater erneut sehr beeindruckend. Wieder unten angekommen parkten wir unseren Van neuerdings vor dem bewachten Eingang, wo wir eine kostenfreie sowie erstaunlich ruhige Nacht (trotz Straßennähe) verbringen durften. 

Blick in die Magma Kammer
Stellplatz vorm Nationalpark

Bis wir uns am nächsten Tag auf die Weiterreise nach León begaben waren unsere Deutschen sowie Französischen Übernachtungsgesellen bereits weitergezogen. Uns trennten etwa eineinhalb Stunden Fahrt von unserem Ziel und dank iOverlander fanden wir dort auf Anhieb einen guten Stellplatz: Für schlappe 50 Cordoba (= 1,30€) konnten wir unser Wohnmobil auf einem staubigen, aber dafür schattigen Parkplatz unweit des historischen Stadtzentrums abstellen. Dieser war sowohl bewacht als auch von hohen Mauern umgeben. Günstiger hätten wir wohl kaum parken und noch dazu übernachten können. Bei schweißtreibenden 36°C im Schatten machten wir uns zu Fuß auf in die UNESCO-Weltkulturerbe Stadt. Trotz ihrer 200k Einwohner ist das Zentrum super überschaubar und wir konnten in Seelenruhe durch die Gassen schlendern. Auch der weitläufigen Markthalle statteten wir einen Besuch ab, nach dem wir für das morgige Geburtstagskind Max noch ein Fußballtrikot erstanden hatten. 1821 wurde in León die Unabhängigkeit Nicaraguas und Costa Ricas von Spanien erklärt. Einige Jahre lang war die Stadt auch Landeshauptstad, bis dieser Titel im Jahre 1858 Managua zugesprochen wurde. Im schattigen Innenhof des Cafés Pan y Paz machten wir es uns während der heißen Mittagsstunden bequem, bevor wir uns am Nachmittag auf das Dach der größten Kathedrale Zentralamerikas begaben. Von hier oben hat man nicht nur eine tolle Sicht auf den Ort und die vielen Kirchen, sondern auch auf den umliegenden Vulkangürtel. 🌋 Das eigentliche Highlight sind aber die zahlreichen, schneeweißen Kuppeln des komplett weißgekalkten Gotteshauses. Geschlaucht von der Hitze verzichteten wir jedoch auf das Trachtenfest, welches am Abend auf der Plaza stattfand, und liefen stattdessen müde und durchgeschwitzt zurück zu unserem Parkplatz.

Kirchen hat es in León genug
Aber auch Wandmalereien
Und eine schöne Markthalle
Kaffeepause im hübschen Innenhof
Lecker 😋
Auf dem Dach der Kathedrale
🌋 Vulkane über Vulkane 🌋
Mädchen in traditioneller Tracht
León war wirklich schön 🤩

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen von Max Geburtstag, der als Partylocation einen wirklich schönen Campingplatz inklusive Swimmingpool gewählt hatte. Wir kauften noch schnell in einem Maxi Palí in León ein, bevor auch wir uns auf den Weg zum Badaboom Hostel machten wo unsere Bremer Freunde bereits auf uns warteten. Der fußläufig nur 10 Minuten entfernt gelegene Pazifikstrand eignet sich wohl ideal zum Surfen aber wir machten es uns lieber im Schatten der Markise von Knut bequem. Dort feierten wir gut gelaunt, nach dem wir Max das Trikot überreicht hatten welches für große Freude sorgte, seinen 33. Geburtstag. 🎉 Und auch ich bekam noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk überreicht: Zwei kalte Dosen Hard Seltzer und ein Glass Nuss-Nugatcreme. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich über den süßen Aufstrich gefreut habe! Dieser liegt mit schlappen 8€ pro Glas hier nämlich mal wieder außerhalb unseres Budgets was unsere Freunde schon vermutet hatten. 😅 Am Abend wurden wir dann noch vom Geburtstagskind mit einem sehr leckeren Kartoffel-Hack-Auflauf verwöhnt und da an schlafen, auf Grund der krassen Hitze, sowieso nicht zu denken war spielten wir bis weit in die Nacht hinein noch ein paar Runden Brändi Dog. 🃏🎲  

Happy Birthday Max 🥳🥳🥳
Zum Glück gabs den Pool 💦
Wirklich hübsches Hostel
Danke Max fürs Kochen 🧑‍🍳

Und da der Platz gar so schön war verbrachten wir, trotz 36°C am Tag und gefühlt nur etwas weniger in der Nacht, noch einen weiteren gemeinsamen Tag am Pool. 💧👙🏊‍♀️ Nach einem gemütlichen Frühstück widmete sich jeder für ein paar Stunden der Arbeit bzw. einigen Telefonaten. Abends fanden wir uns dann wieder zu viert zum Resteessen am Tisch ein, bevor es Zeit für eine erneute Partie Brändi Dog war deren Sieg neuerdings an Merle und mich ging. 🥳🥳

Fantastischer Auflauf 🤤

Dienstags verabschiedeten wir uns dann etwas wehmütig von @anschnallenabfahrt, die noch zwei weitere Tage hier verbringen wollten bevor es für sie direkt weiter nach El Salvador gehen sollte. Die beiden hatten sich, im Gegensatz zu uns, gegen Honduras entschieden. Bevor wir uns jedoch auf den Weg zur Grenze machten wagten wir noch einen Abstecher in die kühlere Bergregion. Wir hatten von einem Ort namens Selva Negra (Schwarzwald) gehört, der sich nur wenige Kilometer oberhalb der Kaffeehauptstadt Matagalpa befinden sollte. Für die Fahrt dorthin benötigten wir, trotz guter Straßen und einer an und für sich kurzen Strecke von lediglich 200 Kilometern, allerdings fast vier Stunden weshalb wir erst am späten Nachmittag auf der Kaffee-Hacienda ankamen. Das Gelände schien riesig zu sein und wir fuhren fast eineinhalb Kilometer durch die Kaffee- und Bananenplantagen, bis wir das große Haupthaus erreichten. Neben diesem lagen verstreut noch etliche Cabañas und auch eine Jugendherberge zählte, neben einem großen Restaurant direkt an einem scheinbar künstlich angelegten See, zu den Einrichtungen. Pro Kopf knöpfte man uns 200 Cordoba (= 5€) Eintritt ab, die man uns im Gegenzug jedoch in vollständiger Höhe im Restaurant wieder anrechnen würde. Leider wurde uns, wie schon vermutet, die Übernachtung auf dem Parkplatz nicht gestattet sodass wir uns aus Zeitgründen auch auf keinen der vielen Wanderwege auf dem Gelände mehr begeben konnten. 😕 Also ließen wir uns an einem der Tische auf der Veranda nieder und bestellten uns jeweils ein Club-Sandwich. 🥪 In weiser Voraussicht hatte ich bereits vorab einen anderen, nahegelegenen Stellplatz ausfindig gemacht. Diesen galt es noch vor Einbruch der Nacht anzusteuern weshalb wir uns direkt nach dem Essen auf den Weg dorthin machten. Schade, denn ich hätte gerne mehr über die Geschichte der deutschen Auswanderer erfahren, die sich Ende des 18. Jahrhunderts hier niedergelassen und die Kaffeeplantage gegründet hatten. Glücklicherweise lag unser Endziel, das Eco Hotel Aguas del Arenal, nur ein paar Kilometer von dem Touristenhotspot entfernt. Wie so oft gab es keine Beschilderung aber nach einmaligem Nachfragen bei hilfsbereiten Nachbarn fanden wir doch noch den richtigen Schotterweg. Wir steuerten geradewegs auf den Parkplatz der Finca zu wo uns direkt drei Hunde und kurz darauf auch Anabel, die Inhaberin, in Empfang nahmen. Abermals staunten wir nicht schlecht über die Wahnsinnsausmaße eines Privatgeländes. 😮 Ähnlich wie beim Selva Negra gediehen auch hier, neben diversen Kaffeepflanzen, allerlei Obst- sowie viele Laub- und Nadelbäume. Die Besitzerin führte uns kurz über einen kleinen Teil des riesigen Grundstücks und zeigte uns den Weg zu den Toilettenhäuschen sowie zum Hoteleingang. Wir könnten unseren Van einfach auf dem Parkplatz stehen lassen und dort nächtigen. Diese Ansage setzten wir gern in die Tat um und wir freuten uns darüber hinaus über die angenehmen Temperaturen, die in der Nacht sogar auf bis zu 17°C abfallen sollten. Welch Wohltat nach der extremen Hitze der vergangenen Tage. 🥵

Fast wie am Mummelsee 🤩
♥️ Heimatgefühle ♥️
Links die Jugendherberge, rechts die alten Maschinen für die Kaffee-Ernte
🌲🌲🌲
Die Einwanderer Familien im Jahr 1905

Tatsächlich war die Nacht bei offenen Fenstern schon etwas zu frisch für meinen Geschmack, schließlich hatten wir nur die Bettbezüge ohne Decke zum zudecken weshalb ich irgendwann fröstelnd aufwachte. Was für ein krasser Unterschied! 😅 Am Morgen fühlten wir uns aber gut erholt und gewappnet für die kleine Wanderung auf dem Grundstück von Anabel und ihrem deutschen Mann Jürgen. Letzteren lernten wir jedoch nicht kennen da er sich gerade mit einer Reisegruppe in Costa Rica befand. Während sich seine aus Nicaragua stammende Frau um Haus, Hof, Hunde und Hotelgäste kümmert arbeitet er auch als Reiseführer. Zwei der vier Hunde begleiteten uns schwanzwedelnd auf den verzweigten Wegen, die zuerst am Bach entlang und dann durch den dichten Wald führten. Etwa eine halbe Stunde später gelangten wir wieder am Ausgangspunkt an, wo wir bei Anabel je eine Tasse des hauseigenen Kaffees bestellten. Für unseren Geschmack war dieser jedoch zu wässrig weshalb wir auch keine Tüte des selbst gerösteten Kaffees mitnahmen.

Unser Stellplatz Eco Hotel
Mal wieder ein Privatgrundstück mit eigenen Wanderwegen 😳
♥️ Knuffiger Begleiter ♥️
Der Garten war eine wahre Pracht 😍
Nur den Kaffee mochten wir nicht so sehr 🙊

Nach einer weiteren, energiespendenden frischen Nacht zogen wir am nächsten Morgen wieder von dannen. Per Zufall hatte ich in Matagalpa auf der Karte ein Schokoladenmuseum entdeckt und da wir sowieso den gleichen Weg zurück nehmen mussten, den wir zuvor gekommen waren, legten wir dort einen kurzen Zwischenstopp ein. Für die Führung durch die Fabrik hätten wir uns zuvor anmelden müssen aber wir begnügten uns voll und ganz mit der Verkostung der vor Ort hergestellten Schokoladen. Sowohl die naturbelassene, 70% Bitter Schokolade als auch die mit gerösteten Kaffeesplittern versetzte Zartbitterschokolade schmeckten vorzüglich. 😋 Da die 80 Gramm Tafeln schlappe 3€ kosteten nahmen wir nur von der Kaffeevariante einen Barren mit. Auch dem ebenfalls kostenfreien Kaffeemuseum statteten wir noch einen Besuch ab. Dort wurde auf großen Schautafeln (sowohl auf Spanisch als auch auf Englisch 👍) die Kaffeegeschichte Nicaraguas erklärt, die maßgeblich von den deutschen Einwanderern Mitte und Ende des 18. Jahrhunderts geprägt wurde. Diese kauften nicht nur Ländereien von den Indigenen auf, die sie zu Kaffeeplantagen umfunktionierten, sondern schafften auch Maschinen an und schufen Transportwege bis zur Pazifikküste. Unter diesen Pionieren befanden sich auch die Familien Kühl und Vogel, die Mitbegründer der heutigen Selva Negra Eco Lodge. Für gerade einmal 0,50€ bestellten wir uns jeweils noch eine Tasse leckeren Kaffees, bevor wir zurück auf die Panamericana fuhren die in Nicaragua mit NIC-1 gekennzeichnet ist. Von dort aus bogen wir neuerdings ab in die Berge, diesmal ins Reserva Natural Tisey. Dort hatten uns Roland und Nicole, die beiden Langzeitreisenden aus Ludwigsburg die wir am Masaya Vulkan getroffen hatten, einen Stellplatz auf der Estancia Tisey empfohlen. Hier erwartete uns ebenfalls ein extrem weitläufiges Gelände, das zur einen Hälfte Restaurant- und Hotel, zur anderen Hälfte Bauernhof zu sein schien. Die Mitarbeiterin war freundlich aber wenig bemüht, uns die Einrichtungen näher zu zeigen. Sie erklärte uns nur kurz den Weg zu Toiletten und (kalten) Duschen bevor sie uns mit einem Fingerzeig auf die grüne Wiese klar machte, wo wir unseren Van abstellen könnten was wir dann auch wie befohlen taten. 😅

Schokoladen Museum in Matagalpa
Auch der Eintritt ins Kaffeemuseum war gratis 👍🏻
Die Schautafeln waren interessant & informativ 🔎
Hier schmeckte auch der Kaffee vorzüglich ☕️
Wer mehr über die deutschen Einwanderer erfahren möchte 👆🏻
Die Familien Kühl & Vogel

Gut ausgeruht nach einer neuerdings erfrischenden Nacht schnürten wir am nächsten Morgen unsere Wanderschuhe und begaben uns auf eine aufregende, 10 km lange Wanderung. Unser erster Halt war die Comunidad La Garnacha, wo uns zwei kurze Wege zu atemberaubenden Aussichtspunkten über vielschichtige Bergketten führten. Nach einer leckeren Erfrischung in Form eines frischen Ananas-Safts bei einem kleinen Lokal am Wegesrand erkundeten wir die kuriose Stätte El Jalacate. Dort treffen Besucher aus aller Welt auf den wunderbar verrückten Analphabeten Alberto, der seit 1988 die Sandsteinfelsen auf seinem 100.000 Quadratmeter großen Grundstück bearbeitet. 😮 Die über 3.000 Skulpturen und Reliefs die der mittlerweile uralte, aber immer noch vor Kreativität sprühende Alberto im Laufe seines Lebens geschaffen hat sind ebenso beeindruckend wie kurios. Sie erzählen oft faszinierende Geschichten aus der Kultur Nicaraguas, von mythologischen Figuren bis hin zu politischen Ereignissen. Fast eine Million Abenteurer haben diesen abgelegenen Ort bereits erkundet und wir verstehen vollkommen, warum!

Ferien auf dem Bauernhof 😅
Endlich mal wieder wandern 🎒🧭
Süßes Hexenhäuschen 🧙‍♀️
Die Käserei hatte leider geschlossen 😢
Dafür gabs schöne Aussicht
Simon passte gut ins Thema 😅
Wir besuchen eine außergewöhnliche Stätte
Hier wird man vom Künstler höchst persönlich empfangen
Gelungenes Selbstporträt
Seit den 80ern bearbeitet Alberto den Sandstein
Rückweg zum Stellplatz

Wir hatten es nicht weiter eilig und so legten wir, nur wenige Kilometer vom vorherigen Spot entfernt, einen weiteren Übernachtungsstopp beim All Nica Cigar Store ein. Dieser liegt zwar direkt neben der Panamericana aber der sehr liebenswerte, aus Kuba stammende Inhaber Julio hat ein großes Herz für Overlander und lässt Reisende aus aller Welt kostenfrei im hinteren Bereich seines Areals, gut versteckt hinter der Hauswand, auf einem Grünstreifen parken. Selbst unseren Wassertank hätten wir hier problemlos und ohne Gegenleistung auffüllen können. 🥰 Wer dem Tabakgenuss wohlgesonnen ist kann sich im dazugehörigen, schicken Laden ganz nebenbei noch mit ein paar nicaraguanischen Zigarren eindecken. Das Stück kostet ab 5$, eine Schatulle mit 12 handgerollten Zigarren ist ab 85$ erhältlich. In und um Estelí, der nächst größeren Stadt, befinden sich nämlich nicht nur etliche Tabakplantagen sondern auch die ein oder andere Zigarrenmanufaktur ist hier zuhause. Wir beließen es beim Filmen und unterhielten uns stattdessen noch ein Weilchen mit Julio. Er erzählte uns, dass er vor 25 Jahren mit seiner mittlerweile verstorbenen US-Amerikanischen Frau von Kalifornien nach Nicaragua gekommen sei. Obwohl damals bereits im Rentenalter baute er sich hier ein neues Standbein in Form seines Zigarrenladens auf. Bis vor wenigen Jahren beschäftigte er sogar noch rund 15 Mitarbeiter, die in der an den Laden angrenzenden großen Werkstatt die edlen Holzetuis fertigten. Mittlerweile laufen aber die Verkaufsgespräche, damit er sich bald endgültig zur Ruhe setzen und seine letzten Jahre in seinem Strandhaus in San Juan del Sur genießen kann. 

Übernachtungsspot bei einer Zigarren Manufaktur
Hier wurden die Holzetuis gefertigt

Auf unserem Weg zum Grenzübergang El Espino befand sich noch ein letztes, lohnenswertes Ziel: Der Cañon de Somoto. Wir fanden, neuerdings direkt neben der Hauptstraße, eine tolle Unterkunft bei einer Privatfamilie. Francisco, der Inhaber von La Ceibita Tours, Campsite & Restaurante, empfing uns noch am Tor mit offenen Armen und wies uns einen Stellplatz auf einer erdigen Freifläche neben einem Rohbau zu. Für 2$ pro Person und Nacht kann man hier sicher übernachten und sich am nächsten Tag zu Fuß auf zum Canyoning Abenteuer machen. So war auch unser Plan weshalb wir uns nach einem schmackhaften Gallo Pinto Abendessen (Reis mit roten Bohnen, frittierte Kochbanane, Käse und Rührei) im dazugehörigen Lokal auch direkt ins Bett begaben. 😴

Restaurant, Cabañas, Tour & Camping La Ceibita
Die Cabañas sahen echt toll aus
Und auch das Essen war sehr fein
Vollmond Aufgang 🌕

Unsere Entscheidung, bereits zu so früher Stunde zu Bett zugehen, erwies sich als goldrichtig denn wie so oft in Nicaragua wurden wir einmal mehr bereits im frühen Morgengrauen von den Hühnern aufgeweckt. 🥱 Zum Glück hatten wir uns am Vortag mit frischem Kaffee eingedeckt der ausnahmsweise nicht nur gut, sondern mit umgerechnet 6,50€ für 900g sogar richtig günstig war. 🤗 Nach dem wir unseren Wachmacher genossen hatten verstauten wir unsere Wertsachen sowie die Badeschuhe und zwei Wasserflaschen in unseren paddelbrett Dry Bags. Da wir die vom Río Coco, dem größten Fluss Zentralamerikas, geformte Schlucht mit ihrem kristallklaren Wasser gerne alleine erkunden wollten entschieden wir uns gegen einen Guide. Und ganz nebenbei sparten wir pro Kopf somit auch noch 15$ für den Führer. 😉 Zumal man sich entlang des Flussbetts ja auch kaum verlaufen kann und es irgendwie auch Teil des Abenteuers ist, sich seinen Weg über und durch den Flusslauf selbst suchen zu müssen. Die große, 12 Kilometer lange Ganztagestour erschien uns jedoch zu lang weshalb wir uns für die Halbtagesvariante á 4 Stunden und 8 Kilometer entschieden. Beim Erreichen des Flussufers konnten wir bereits einen ersten Blick in den sich zunehmend verengenden Canyon werfen der definitiv Lust auf mehr machte. 😀 Die ersten hundert Meter konnten wir noch problemlos trockenen Fußes über die Mal mehr, mal weniger großen Steine im Flussbett hinweghüpfen aber bald hieß es Badeschuhe an, Klamotten aus und rein ins frische Nass. Mehrere Passagen konnten nur schwimmend durchquert werden und wir genossen es, hier ganz für uns alleine zu sein, von den über uns kreisenden Geiern einmal abgesehen. 😅 Unsere Rufe hallten von den hohen Felswänden zurück und, gegen Ende unserer Tour, mischten sich andere Stimmen dazwischen. Wir hatten die kleine, uns vorausgegangene fünfköpfige Reisegruppe wieder eingeholt die sich mittlerweile zu einem Sonnenbad auf den großen Felsen niedergelassen hatte. Da mir mittlerweile wirklich kalt vom Schwimmen war taten wir es ihnen gleich und es war eine wahre Wohltat, sich auf die warmen Steine zu legen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. 😎 Die vorletzte, gut und gerne 600 Meter lange Etappe hätten wir neuerdings schwimmen müssen. Auf Grund meiner Gänsehaut hatte ich dazu aber keine große Lust mehr, obwohl es Landschaftlich super schön gewesen wäre. So kam die Einladung, gemeinsam mit der Reisegruppe in ein Paddelboot zurück zum Ufer zu steigen, wie gerufen. 😁 Die letzten eineinhalb Kilometer zurück zu unserem Stellplatz absolvierten wir dann wieder alleine. Was für ein schöner Abschluss unserer gerade einmal zweieinhalbwöchigen Reise durch Nicaragua. ❤

Euch werden wir nicht vermissen 🤣
Bereit fürs Canyoning Abenteuer
Eselchen auf dem Weg zum Startpunkt 🥰
Die Kletterpartie beginn

Wie werden wir das Land in Erinnerung behalten? Nicaragua stand für uns mit seiner staubtrockenen Landschaft im krassen Gegensatz zum saftig grünen Costa Rica. Auch die Temperaturen lagen, vor allem rund um León, mitunter deutlich über unserer Wohlfühltemperatur. Auch die Armut der Menschen ist mitunter groß und unübersehbar was wahrscheinlich dazu führt, dass der ein oder andere einem auf Grund seines hartes Lebens etwas mürrischer als anderswo üblich begegnet. Und auch wenn man in der Diktatur Nicaragua seine Meinung nicht offen aussprechen sollte hat es uns hier trotzdem gut gefallen. Vielleicht auch deshalb, weil das Land mit seinen überdimensionalen Privatgrundstücken noch nicht dem Massentourismus zum Opfer gefallen ist und man sich hier des Öfteren noch in eine andere Epoche zurückversetzt fühlt.

Wir sind gespannt, ob wir einen ähnlichen oder doch völlig anderen Eindruck von Honduras haben werden. Einem Land, dass noch bis vor wenigen Jahren das Ranking der gefährlichsten Länder der Welt anführte… 🇭🇳

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NEW BLOG POST 🇳🇮 (08. – 14.02.2024) Grenzübertritt Nicaragua – Ometepe – Granada

Nach ein paar entspannten Tagen am Strand machten wir uns am Donnerstag auf zu unserem letzten Stopp in Costa Rica: Dem Campingplatz Cabañas Cañas Castilla, der von den netten Schweizern Agi und Guido geführt wird. Ihr Grundstück liegt direkt an einem breiten Fluss und Simon konnte am Nachmittag darin nicht nur Otter sehen, sondern sogar 5 kleine Fische fangen. 😀 Witzigerweise trafen wir dort, mal wieder unabgesprochen, auch kurz auf Max und Merle die sich aber wenige Stunden später bereits zur Grenze begaben. Während der Wind unsere Wäsche trocknete und Simon angelte erkundete ich derweil einen der beiden Wanderwege, die sich auf dem gewaltigen Gelände befinden auf dem es auch einige hübsche Ferienwohnungen gibt. Nach dem ich die Pferde-, Hühner- und Gänseställe passiert hatte entdeckte ich relativ schnell ein paar Affen in den Bäumen. Wenige hundert Meter weiter turnte bereits die nächste Affenbande in den Wipfeln herum und auch einen großen Specht mit rotem Kopf konnte ich ausmachen. Als ich weiter oben das Flussbett überquerte hielt ich Ausschau nach Kaimanen, jedoch konnte ich keinen Alligator spotten. Machte aber nichts denn wieder ein paar Meter weiter schien ein Faultier regelrecht auf mich gewartet zu haben. Ich schätze, dass es wenige Minuten zuvor den Boden aufgesucht hatte um sich zu erleichtern und jetzt war es gerade wieder im Begriff, langsam seinen Baum hinaufzuklettern. Ich begegnete ihm fast auf Augenhöhe und sah ihm mindestens eine Viertelstunde lang bei seinem Aufstieg in die Baumwipfel zu. Was für ein grandioser Abschluss unserer Costa Rica Reise! 🤩 Am Abend führten wir dann noch einige nette Gespräche, unter anderem mit einem älteren Paar aus Lörrach das in entgegengesetzter Richtung zu uns unterwegs war. Außerdem konnte ich einer Schweizer Familie, die mit ihren drei Söhnen in einem Kastenwagen ähnlich unserem reist (wenngleich mit Aufstelldach), noch unsren Südamerikareiseführer vermachen. Und mit einem jungen, radreisenden Pärchen aus Holland konnten wir unsere letzten Colon gegen Cordoba, die Währung Nicaraguas, tauschen. 👍 

Unser Stellplatz auf dem schönen Gelände
Während Simon angelt…
…gehe ich wandern
Affen gabs noch und nöcher 🐒
Auch ein großer Ziegenbock kam mir unter
Klares HIGHLIGHT war aber das Kerlchen hier 🦥
Ein ganz schön stattliches Exemplar 🤩
Reisende aus Lörrach

Wir wurden im Morgengrauen, schätzungsweise gegen 05:00 Uhr, von den Brüllaffen sowie dem krähenden Hahn geweckt. Simon versuchte noch einmal kurz sein Angelglück, diesmal allerdings erfolglos, während ich früh am Morgen noch eine Runde Yoga absolvierte. Danach versteckten wir unsere Drohne sowie die Festplatten und das Fernglas gut im Innenraum, da diese Gegenstände in Nicaragua nicht nur ungern gesehen, sondern mitunter sogar verboten sind. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Agi, beglichen bei ihr die 15$ für die Übernachtung auf dem Campingplatz sowie weitere 5$ für die Waschmaschine. Vor Verlassen des Geländes nutzten wir noch das gute WLAN, um die 8$ Touristensteuer zu bezahlen, die bei Ausreise aus dem Land fällig werden. Über die Website der Banco Costa Rica, kurz BCR, ging das zum Glück relativ einfach und zügig. Vor der Grenze hatte sich bereits ein ca. fünf Kilometer langer LKW-Stau gebildet aber unsere Ausreise aus Costa Rica war binnen fünf Minuten erledigt. 👍 Auf dem Weg zur nicaraguanischen Grenze mussten wir mit dem Van die obligatorische Fumigación (=Fahrzeugdesinfektion) passieren. Beim Betreten der Migración in Nicaragua staunten wir nicht schlecht denn kurioserweise werden hier pro Person 1$ Eintritt ins Gebäude verlangt. 😮 Wir behaupteten, weder US-Dollar noch nicaraguanische Cordoba zu besitzen. Und da sie den 10k Colon Schein aus Costa Rica nicht wechseln konnten kamen wir letzten Endes doch noch ohne Gebühr rein. 😉 Auch die Stempel in den Pass kosteten pro Kopf 13$. Weiter gings zur Aduana, wo sich die Zöllner gegen eine manuelle Durchsuchung unseres Fahrzeugs und für den elektronischen Scanner entschieden. Mit unserer ausgefüllten Einreisekarte mussten wir zur Polizei, diese dort abgeben, anschließend mit dem Fahrzeug durch die Röntgenanlage und dann wieder zurück zur Polizei. Dort mussten wir länger warten, bis letztlich Beamte mit dem Röntgenbild erschienen und noch einen Blick in den Innenraum warfen. Ihre Fragen nach Drohne, Walkie-Talkie und GPS-Gerät verneinten wir jeweils. Daraufhin erhielten wir die Einreisekarte, die zwischenzeitlich mit diversen Stempeln und Unterschriften versehen war, wieder zurück und gingen damit neuerdings zur Aduana wo wir das TIP fürs Fahrzeug erhielten. Am nächsten Schalter wurden wir erneut zur Kasse gebeten: Für die Fahrzeugdesinfektion wurden 5$ verlangt. Außerdem mussten wir weitere 5$ KFZ-Steuer bezahlen. Bis dato hatten wir noch an keiner einzigen Grenze irgendetwas bezahlen müssen. 😮 Es folgte ein letzter Dokumentencheck beim finalen Passieren der Grenze, wo wir rechter Hand an einem Imbissstand bei einer Versicherungsdame gegen Zahlung weiterer 12$, die KFZ-Haftpflichtversicherung für die gewährten 30 Tage abschließen konnten. Weder die Quittung für die Ausreisesteuer aus Costa Rica, noch die Belege für Fahrzeugdesinfektion bzw. KFZ-Steuer in Nicaragua wurden irgendwo kontrolliert. Vielleicht hätte man sich diese Kosten auch sparen können, aber wer will sich schon mit einer strengen Diktatur anlegen?! Insgesamt haben wir für den Grenzübertritt drei Stunden benötigt, unser bisheriges all-time high. Von der Grenze aus fuhren wir gegen 13:30 Uhr direkt weiter ins 35km entfernt gelegene Rivas, wo wir uns in einem Maxi Palí mit frischen Lebensmittel eindeckten. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung nach San Jorge, von wo aus die Autofähren auf die Ometepe Insel ablegen. Am Fährableger angelangt fragte uns der Hafenarbeiter nach einer Reservierung, die wir natürlich nicht hatten, woraufhin er meinte dass sowohl alle heutigen als auch morgigen Fähren bereits ausgebucht wären. 😮 Nichts desto trotz Begleitete er mich zu den drei Ticketschaltern und, wer hätte das gedacht: Die Dame an Schalter Numero Zwei hatte tatsächlich noch einen Platz auf der 17:45 Fähre für uns frei! In Summe kostete die Überfahrt für uns beide, den Van und die Fahrräder 30€. Hatte ich schon erwähnt, dass wir zuvor noch für 113€ tanken waren und der Einkauf im Supermarkt auch 52€ gekostet hatte? Zum Glück sind Tage wie dieser die Ausnahme! 💸💸💸 Die 70minütige Überfahrt nach Moyogalpa war auf Grund der starken Winde ziemlich rau und ich war Gott froh, dass mir trotz des heftigen Wellengangs nicht übel wurde. In der Dunkelheit bahnten wir uns unseren Weg durch enge Gassen zum wenige hundert Meter vom Fähranleger gelegenen Camping Doña Nela. Dort angekommen stellte sich allerdings heraus, dass wir mit unserem Van nicht durch das schmale Eingangstor hindurchkommen würden. Derzeit kann der Platz nur von Fahrrad- und Motorradreisenden genutzt werden. Sie versicherte uns jedoch, dass wir ohne Sorge am Straßenrand gegenüber von ihrem Grundstück die Nacht verbringen könnten. Die gesamte Insel sei sehr sicher und es würden mit Sicherheit auch keine weiteren größeren Fahrzeuge hier durchkommen. 🙈 Mangels Alternativen und müde von dem anstrengenden Tag willigten wir in ihren Vorschlag ein.

Langer LKW Stau vor der Grenze
Mehr Stempel & Unterschriften hätten kaum mehr drauf gepasst 😂
Wir ergattern den letzten Platz auf der Fähre… ⛴️
…und legen bei Sonnenuntergang ab 🌅
Die Überfahrt war ganz schön wild 🌊
Bei unserer Ankunft ist es bereits dunkel

Am nächsten Morgen sagten wir Doña Nela und ihren zwei Töchtern, nach dem wir ihnen als Dank für ihre Gastfreundschaft 5€ überreicht hatten, bereits wieder Lebewohl. Allerdings kamen wir nur wenige Meter weit denn an der Einfahrt des Weges zu ihrem Grundstück, an dem sich am Vorabend noch eine Warnbarke befunden hatte, klaffte nun ein großes tiefes Loch im Erdboden. 😯 Ein Vorbeikommen war unmöglich und nachdem die beiden Arbeiter zuerst meinten, es würde ein ganzes Weilchen dauern bis der Bagger wiederkäme erschien er dann doch viel schneller als erwartet. Ruckzuck war der Betondeckel wieder auf dem Schacht, etwas Erde darüber geschaufelt und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. 😃 Unser erster Halt auf der überschaubaren Insel mit den Doppelvulkanen war das Naturschutzgebiet Charco Verde. Nach dem wir pro Kopf 5$ bezahlt hatten durften wir das Gelände betreten auf dem sich insgesamt drei Naturpfade befinden. Wir umrundeten die Laguna Verde, von der aus man schöne Aussicht auf die beiden Vulkane hat, und konnten neben den blau-weißen Elstern mit ihrem hübschen Kopfschmuck die größte Brüllaffenbande unserer gesamten Reise ausmachen die aus gut und gerne zwanzig Tieren bestand. 🐒 Danach besuchten wir das Schmetterling Haus, wo neben dem für Mittelamerika typischen Morpho Azul auch ein paar weitere Arten umherflatterten. Last but not least gingen wir noch einen kurzen Rundweg bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man nicht nur die Lagune sowie den riesigen Nicaraguasee, sondern auch Teile des Festlands sehen konnte. Weiter gings in Richtung des grünen Vulkan Maderas, wo wir oberhalb des schönen Strandes Playa Santo Domingo beim Restaurant Comedor Julia freundlicherweise die Erlaubnis erhielten, kostenfrei auf einem von nur zwei Parkplätzen zu nächtigen. 🥰 Liebend gerne revanchierten wir uns dafür mit einem Mittagessen in ihrem Lokal, von dessen Terrasse aus man einen tollen Blick auf See und Strand hat. Wir bestellten zwei frische Fruchtsäfte und teilten uns ein leckeres Tellergericht, da wir am Abend unbedingt noch den von Simon gefangenen Fisch zubereiten wollten. Nach einem Bad im See hatten wir gerade wieder an einem der Tische Platz genommen und uns einen Kaffee bestellt als plötzlich unsere Bremer Freunde um die Ecke bogen. 😃 Neuerdings unabgesprochen da wir seit verlassen Costa Ricas offline waren und wir nicht einmal gewusst hatten, ob sie es vor uns noch auf eine Fähre geschafft hatten oder doch auf dem Festland geblieben waren. Also bestellten wir noch ein weiteres Getränk, während die beiden aßen, und ließen den Tag gemütlich zu viert ausklingen. ❤

Doña Nela liess uns vor Ihrer Haustür übernachten
Hier gabs kurz kein Weiterkommen mehr 🙈
Wir umrunden die grüne Lagune…
…und sehen eine riesige Brüllaffen Familie
Weiter ging’s ins Schmetterling Haus
Links im Bild der Morpho Azul 🦋
Hier sieht man ihn etwas besser
Schmetterlinge sind ein schweres Fotomotiv 🫢
Bei Julia fanden wir einen sicheren Stellplatz…
…sowie leckeres, günstiges Essen…
…und einen tollen Badestrand mit Blick auf den erloschenen Vulkan Maderas

Sonntagsmorgens durchquerten wir den Isthmus und wechselten auf die andere Seite. An der schmalsten Stelle der Insel befindet sich die schöne Playa Mango, die ihren Namen von den vielen Mangobäumen hat die hier bestens zu gedeihen scheinen. Neuerdings tauschten wir Kost gegen Logis, in dem wir beim Restaurante Mirador del Concepción y Kayak Tours für 4 € pro Person ein leckeres, reichhaltiges Frühstück zu uns nahmen. Im Gegenzug erlaubte uns der Inhaber Gabriel die kostenfreie Übernachtung gegenüber des Restaurants. Dieses befand sich in einer Sackgasse, lag direkt am See und bot wunderschöne Aussicht auf den aktiven Vulkan Concepción. Laut Aussage der hier sesshaften Familie liegt der letzte Ausbruch etwa acht Jahre zurück. Wir machten es uns unter anderem in den bereitstehenden Hängematten bequem und badeten in dem angenehm warmen See. Dieser lud am späten Mittag, als die Temperaturen ihren Höchstpunkt erreicht hatten, geradezu zum Schwimmen ein und ich bin selten irgendwo mit derart schöner Aussicht geschwommen. Wenige Stunden nach unserer Ankunft stießen unsere Freunde von @anschnallenabfahrt dazu und gemeinsam genossen wir den traumhaften Sonnenuntergang über dem Nicaragua See. 🌅

Grandioser Schlafplatz beim nächsten Restaurant
Hier war nicht nur das Essen gut & günstig…
…sondern auch die Aussicht fantastisch 🤩
Die Hausschweine der Familie haben ein schönes Leben
💛💛💛

Ometepe ist mit etwa 270 km² übrigens die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Schätzungsweise leben hier ca. 30k Menschen. Der Inselname stammt aus dem Nahuatl und ist zusammengesetzt aus den Begriffen ome (zwei) und tepetl (Berg) was sich auf die zwei Vulkane bezieht. Die beiden Vulkane Concepción (1.610m, letzter Ausbruch 2016) und Maderas (1.394m, Datum des letzten Ausbruchs unbekannt) prägen die Insel und geben ihr die Form einer Acht. Der größere Vulkan Concepción ist einer der aktivsten Vulkane in Nicaragua. Durch seine relativ regelmäßigen Eruptionen trägt er maßgeblich dazu bei, dass der Boden auf der Insel sehr nährstoffreich ist und sich hervorragend für die Landwirtschaft eignet. Vor allem werden hier Kochbananen und Sesam, aber auch Tabak, angebaut. Der Vulkan Maderas ist erloschen und bis zum Krater mit dichtem Wald bewachsen, welcher sich an der Spitze zu Nebelwald entwickelt hat. 

Am nächsten Tag wurde ich gegen 04:00 Uhr zum ersten Mal vom Krähen des Hahnes wach und alsbald begannen auch die vielen wilden Sittiche mit ihrem lauten Geschnatter. Da fiel das Aufstehen um 06:00 Uhr, als ausnahmsweise der Wecker klingelte, doch gar nicht mehr so schwer. 😅 Eine Stunde später waren wir nämlich mit Dahiana, einer Urlauberin aus Frankreich, verabredet die sich hier für 10$ ein Einerkajak gemietet hatte. Da sie die Tour jedoch nicht alleine unternehmen wollte hatte sie uns am Vortag gefragt, ob sie sich uns anschließen könne was wir selbstverständlich bejahten. Allerdings entschieden wir uns spontan gegen das 20$ teure Doppelkajak und für unser SUP von @paddelbrett. Bis dato hatten wir es zwar noch nie gemeinsam benutzt aber immerhin ist es ja dafür ausgelegt und wofür schleppen wir das Teil sonst mit! Im Sitzen ging das Paddeln zu zweit leicht und als wir in die Flussmündung einbogen stand Simon hinter mir sogar auf. Ich legte derweil mein Paddel zur Seite und kümmerte mich stattdessen ums Filmen und Fotografieren. 📸 Neben ziemlich vielen Vögeln, darunter auch stattliche Graureiher, konnten wir außerdem einen gut in den Mangroven getarnten kleinen Kaiman sowie eine Wasserschildkröte sehen. Etwa zwei Stunden später gelangten wir wieder am Ausgangspunkt an, wo Max und Merle sich gerade im Restaurant ihr Frühstück bestellt hatten was wir ihnen gleichtaten. Später durfte ich dann noch die nette Bekanntschaft mit Rosita machen, dem plappernden grünen Papageien der Familie. 😀 Neben dem Vogel besitzen sie noch drei oder vier Hunde, eine Katze, etliche Schweine und Hühner sowie ein paar Rinder. In Nicaragua lebt man heute noch wie in Europa vor hundert Jahren und so ist es ganz normal, dass sich die meisten Familien Nutztiere halten und größtenteils selbstversorgen. Auch fließend Wasser ist kein Standard weshalb wir uns nicht weiter wunderten, dass neben der Toilettenschüssel volle Wassereimer und eine Schöpfkelle standen. Die Dusche, die lediglich aus einem Rohr an der Wand bestand, war wohl intakt aber die Toilettenspülung nicht. Auch der Herd wird hier keinesfalls elektrisch und nicht einmal mit Gas, sondern noch mit Holz betrieben. Unser leckeres Frühstück wurde also auf offener Flamme zubereitet. Und ehe wir uns versahen war auch dieser Tag, nach einer weiteren Runde mit dem SUP bzw. einer Schwimmeinheit, schon wieder vorbei. 😴 

Der sprechende Papagei Rosita
Sie wollte gar nicht mehr von mir runter 😅
Max & Merle waren auch mit von der Partie 🥰
Rinder kamen auch ab & an zum trinken vorbei
Noch mal paddeln…
…und dann den Sonnenuntergang genießen 🌅

Während Max und Merle sich am nächsten Morgen von uns verabschiedeten, um die 12:00 Uhr Fähre zurück aufs Festland zu erwischen, bestellten wir bei unserer Gastfamilie noch einmal Frühstück. Diesmal entschieden wir uns für Pancakes mit frischem Obst und auch dieses Gericht schmeckte vorzüglich und war mehr als üppig. Wir nutzten noch einmal unser SUP und schwammen im See, bevor auch wir uns am Folgetag von dem idyllischen Platz verabschiedeten. Via WhatsApp hatte ich uns diesmal sicherheitshalber einen Platz auf der Fähre reserviert welche pünktlich um 10:00 Uhr in Moyogalpa ablegte. Wieder auf der anderen Seite angelangt machten wir uns direkt auf den Weg in die schöne Kolonialstadt Granada, die in etwa eine Autostunde vom Fähranleger entfernt lag. Dort angekommen parkten wir unseren Van auf dem neuen, 24h bewachten Parkplatz des Centro Comercial. Hier gibt es u.a. ein Kleinfeld zum Fußballspielen, blitzblanke Toiletten und einen Food Court. Außerdem gestattete uns der Sicherheitsmann, nach dem wir die Parkgebühr in Höhe von 150 Cordoba (3,50€) beglichen hatten, auch prompt die Übernachtung. Das Stadtzentrum war fußläufig schnell erreicht und da wir Hunger hatten, und noch dazu Valentinstag war, ließen wir es uns bei Kathy’s Waffle House erstmal gut gehen. 😋 Danach hatten wir wieder genug Energie für die Stadtbesichtigung. Das Highlight ist sicherlich die schöne, gelb-rote Kathedrale aber auch das alte Kloster ist hübsch anzusehen. Genauso wie die vielen Pferdekutschen, mit denen man als Tourist eine einstündige Stadtrundfahrt unternehmen kann. Wir liefen noch bis zum Ufer des 160km langen Nicaraguasees, bevor wir wieder kehrt machten und uns auf den Nachhauseweg begaben. 

Ein letztes Frühstück…
…und ein Bananen Milchschake mit bester Sicht auf den wolkenfreien Vulkan Concepción
Dann ging’s zurück aufs Festland …
…und ab nach Granada
Das alte Kloster
Kutschen gibt’s hier mehr als genug 😮
Wir müssen erstmal was essen 🤤
Happy Valentins Day 💛
Die alte Kathedrale hat auch Charme
In Granada sind alle Häuser bunt – I like it 👍🏻
Der hier hatte den schöneren Stellplatz
Unserer war dafür bewacht & günstig
Nur halt nicht so schön 🤷🏼‍♀️

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