NEW BLOG POST 🇲🇽 (03. – 10.10.2024) Tamasopo – Jalpan de Serra

Abschied von Rincon de Luna

Nach exakt einer Woche war es an der Zeit, unseren wunderschönen und idyllischen Campingplatz Rincon de Luna zu verlassen. Über die MEX 70D machten wir uns auf den Weg nach Tamasopo und waren baff, als sich auf der gerade einmal 90 km langen Fahrtetappe die Landschaft deutlich veränderte. Zuerst fuhren wir durch üppig grünen Nebelwald, bis es dann plötzlich rapide bergab auf nur noch 400 m über Meeresspiegel ging. 😮 Hier verwandelte sich die Landschaft in eine tropische Oase: Endlich waren auch mal wieder Bananenstauden zu sehen! Da wir zuvor noch einen Einkaufsstopp einlegen mussten, erreichten wir unser Ziel erst am späten Nachmittag, was sich aufgrund der schwül-warmen Temperaturen als Vorteil erwies. Wir parkten unseren Van auf dem Festplatz-Gelände das, wie es schien, schon seit langem nicht mehr genutzt wurde. Glücklicherweise kühlte es nach Einbruch der Dunkelheit relativ schnell ab und wir verbrachten ungestört eine ruhige Nacht – sogar ganz ohne Hundegebell. 🌙

Erfrischende Wasserfälle

Zeitig am nächsten Morgen steuerten wir die nur etwa 800 m von unserem strategisch gut gewählten Stellplatz entfernten Wasserfälle Tamasopo an. Wir bezahlten umgerechnet acht Euro Eintrittsgebühr plus noch einmal fünf Euro für den Parkplatz, frühstückten dort und richteten dann unsere Badesachen. 👙🩳 Dank der Tatsache, dass Donnerstag war, war das beliebte Badeausflugsziel bei unserer Ankunft nur wenig besucht. Wir staunten nicht schlecht über die Wassermassen, die sich über die zahlreichen Kaskaden in die natürlichen Badebecken ergossen. Das Wasser war blau und kristallklar, allerdings auch recht frisch – was bei den schwül-warmen Außentemperaturen jedoch ganz angenehm war. 😎 Das Gelände war wundervoll angelegt, mit herrlich tropischen Pflanzen und diversen coolen Klettermöglichkeiten sowie Balanceakten über den Fluss hinweg sowie Sprungmöglichkeiten in die tieferen, natürlichen Pools. Wir verbrachten den halben Tag dort und gegen Mittag füllte sich das Gelände dann etwas mehr. Irgendwann hatten wir genug von der Faulenzerei und entschieden uns am Nachmittag zur Weiterfahrt. 🚐💨

Simon Klettermax 😄
Was die Natur nicht alles zu Stande bringt 💛

Auf zur nächsten Etappe

Über Ciudad Valles wollten wir etwa 100 km bis zu einer Tankstelle fahren. Zu unserem großen Schrecken ging es während der Fahrt immer weiter bergab, bis wir plötzlich fast auf Meereshöhe in einer üppig grünen, dichten Dschungellandschaft waren, die uns einmal mehr an Thailand erinnerte. Für die kurze Strecke wurden auch mal wieder schlappe 15 € Mautgebühr fällig. 😬 Als wir die anvisierte Tankstelle gegen 18:00 Uhr erreichten, konnten wir dort jedoch keinen geeigneten Parkplatz für die Nacht finden. Außerdem war es noch unerträglich warm. Bei dem Versuch, an einem etwas abgelegenen Wasserhahn unseren Tank aufzufüllen, scheuchten wir wohl ein Bienennest auf und der arme Simon wurde ins Ohr gestochen. 🐝🤕 Wir ergriffen, immer noch mit leeren Wassertank, die Flucht und steuerten das Hoya de las Huahuas an, welches wir eigentlich erst am darauffolgenden Nachmittag hätten besuchen wollen. Glücklicherweise lag dieses bei Touristen relativ unbekannte Naturphänomen nicht mehr weit von der Tankstelle entfernt, sodass wir den Ort noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Ich erkundigte mich bei der Rezeptionistin, ob wir freundlicherweise auf dem Parkplatz an der kaum befahrenen Straße nächtigen dürften und ob dies sicher sei. Sie bejahte und erzählte mir, dass hier bereits einige Wohnmobilreisende gut übernachtet hätten.

Schlafplatz am Hoya de las Huahuas

Zum Glück gab es, trotz des tropischen Urwalds, erstaunlicherweise kaum Moskitos, sodass wir unseren Van noch relativ lange durchlüften konnten – unter anderem dank unseres selbst gebastelten Moskitonetzes.

Vogelbeobachtungen im Hoya de las Huahuas

Die darauffolgende Nacht war, nicht zuletzt dank unseres Deckenventilators, relativ gut aber dennoch sehr kurz, denn bereits um 04:50 Uhr riss uns das Klingeln des Weckers unsanft aus unseren Träumen. ⏰ Bei dem besagten Naturwunder handelte es sich nämlich um ein 500 m tiefes Sinkloch mit einem Durchmesser von 90 m, in dem abertausende Schwalben und kleine grüne Sittiche ihr Zuhause haben. Ähnlich wie im Sima de las Cotorras, dass wir vor wenigen Monaten ganz im Süden Mexikos besuchen durften. Da die Vögel bereits mit den ersten Tageslichtstrahlen ihr Nachtlager verlassen, mussten wir in aller Herrgottsfrühe – noch in der rabenschwarzen Nacht – mit Stirnlampen bewaffnet dorthin aufbrechen. Wir stapften etwa 30 Minuten durch den Wald und verfehlten anfangs den richtigen Weg. Zum Glück waren wir früh genug aufgebrochen und schafften es, trotz unseres Irrwegs, noch rechtzeitig zum Krater. 🦜

Früh morgens an der Sinkhöhle

Keine 10 Minuten später war das erste lautstarke Geschnatter aus der Tiefe zu vernehmen und kurz darauf erhoben sich hunderte kleine schwarze Schwalben in spiralförmigen Bewegungen, ähnlich eines Tornados, in den Himmel. 🌪 Die Fluggeräusche der Schwärme waren atemberaubend! Kaum waren die Schwalben ausgeflogen, folgten kleine grüne Sittiche, die deutlich besser anhand ihrer hellen Farbe zu erkennen waren als die schwarzen Schwalben.

Siehst du die grünen Papageien?! 🦜

Wir genossen das Spektakel in aller Ruhe und erst als alle Vögel die Höhle verlassen hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Rückweg zurück zum Parkplatz.

Hier wuchs sogar mal wieder Kaffee

Quinta Carolina und neue Bekanntschaften

Dort angelangt, gab es erst einmal einen heißen Kaffee und dazu jeweils einen großen, leckeren selbstgemachten Butterkeks 🍪☕, den wir am Tag zuvor auf dem Parkplatz der Tamasopo-Wasserfälle von einem netten, fliegenden Händler geschenkt bekommen hatten. Auch eine kleine, süße Hündin war mal wieder mit von der Partie und freute sich über die Milch, die beim Öffnen nicht mehr ganz so gut gerochen hatte. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung zu einem neuerdings wunderschön angelegten Campingplatz: Die Quinta Carolina befand sich in einem tropisch dicht grünen privaten Wäldchen und bot neben Stellplätzen für Camper auch kleine Ferienunterkünfte. Der Clou war aber der türkisblaue Fluss, der uns exakt eins zu eins an einen sehr ähnlichen Stellplatz in Belize erinnerte.

Orangenbäume 🍊
Dschungelfeeling pur

Außerdem gab es seit Ewigkeiten mal wieder richtig heiße Duschen, und auch das WLAN funktionierte fantastisch. Außer uns war noch ein argentinisches, jüngeres Pärchen vor Ort das seit sage und schreibe sechs Jahren in ihrem uralten, rostigen VW-Bulli unterwegs ist (@darlelavuelta). Doch wie immer: Es gibt leider einfach nicht den perfekten Ort. Wären die Schwärme von Moskitos nicht gewesen, wäre dieser Ort tatsächlich das Paradies auf Erden gewesen. Aber so kassierten wir, trotz Anti-Mückenspray und Anti-Moskito-Räucherspirale, viel zu viele juckende Stiche. Und dass lange Kleidung bei Temperaturen von 28 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 70% denkbar unangenehm ist, könnt ihr euch sicherlich gut vorstellen. 😅

Zum Glück gab’s die Palapa mit Ventilatoren
Selbst gepflückt 😋

Ausflug ins magische Dörfchen Xilitla

Am Sonntag machten wir uns mit dem Colectivo auf den Weg ins magische Dorf Xilitla. Diese kleinen öffentlichen Minibusse sind nicht nur günstig, sondern auch die perfekte Lösung, um die mühsame Parkplatzsuche zu umgehen. Für die etwa 15 km lange Fahrt zahlten wir pro Person gerade mal einen Euro. 😀 Bei der Ankunft wurden wir von einem lebhaften Markt überrascht, der das Dorf in ein pulsierendes Fest verwandelte. Ähnlich wie Guanajuato liegt Xilitla in einem schmalen Talkessel, und die steilen Straßen wären mit unserem Van eine echte Herausforderung gewesen.

Warten auf den Minibus
Ab nach Xilitla

Wir schlenderten über den Markt, bestaunten die üppigen Auslagen und entdeckten endlich mal wieder Maracuja! Ich konnte nicht widerstehen und kaufte eine Tüte mit acht saftigen Früchten – für gerade einmal einen Euro! Auf der zentralen Plaza spielte eine Band im Kiosco, und vor einer kleinen Tanzbühne tanzten Jung und Alt. Es war ein richtig schöner Anblick, die ausgelassene Meute zu beobachten und den mitreißenden Klängen zu lauschen, die uns tatsächlich an irisches Gefiedel erinnerten – vielleicht lag es an der Geige. Besonders die stampfenden Füße der Menschen fesselten uns und luden zum Mitmachen ein. 💃🕺🎻

Nachdem wir die Gässchen im Zentrum erkundet hatten, suchten wir ein einladend aussehendes Restaurant auf, wo ein günstiges Mittagsmenü auf der Tafel lockte. Simon entschied sich für Mole – eine typisch mexikanische Sauce mit Schokolade, serviert mit Hühnchen, Reis und Bohnen. Ich wählte Flautas, knusprig frittierte, aufgerollte Tortillas gefüllt mit Hühnchen, die mit knackigem Salat, Tomaten, Käse und Guacamole garniert waren. Dazu gab es frischen Guavensaft und eine köstliche Nudelsuppe als Vorspeise. 🍜🌮

Yummy! 😋

Gut gesättigt und zufrieden verließen wir das Restaurant, und drehten noch eine kleine Runde durch das beschauliche Dorf. Als wir die richtige Bushaltestelle gefunden hatten, brachte uns nach etwa 15 Minuten Wartezeit ein mit Wocheneinkäufen und Menschen vollbepacktes Colectivo wohlbehalten zurück zu unserem Stellplatz. 🚌🚏

Ein unerwartetes Geschenk

Zu unserer großen Überraschung schenkte uns der Besitzer des Campingplatzes eine Nacht gratis. So blieben wir länger an diesem herrlichen Ort als geplant und nutzten das gute WLAN fleißig zum Arbeiten. 👩‍💻 Am Mittwoch war es dann aber an der Zeit, weiterzuziehen. Bevor wir die kurvigen Bergstraßen in das magische Dörfchen Jalpan de Serra nahmen, gönnten wir uns ein ganz besonderes Mittagsmenü, wie wir es bis dato nur aus Brasilien kannten: Im Taco Loco wurde das Essen in großen Tontöpfen auf einem riesigen, rechteckigen Herd zubereitet, traditionell mit Holz befeuert. 🔥🍲

Die Beilagen waren vielfältig – von frischem Gemüse über Reis und Bohnen bis zu Tortillas. Besonders schmackhaft waren die verschiedenen, pikanten Rühreivariationen, während ich einige der undefinierbaren Fleischeintöpfe lieber mied.

Satt und glücklich begaben wir uns auf die 100 km lange Etappe, während die Temperatur mit jedem Kilometer sank und auch die Luftfeuchtigkeit, die uns in den letzten Tagen zu schaffen gemacht hatte, rapide von 70 auf nur noch 40% fiel. 🌡️ Bei unserer Ankunft in Jalpan de Serra waren wir nicht nur von der hübschen Szenerie des zentralen Ortskerns begeistert, sondern auch von den angenehmen Temperaturen. 🤗 Wir parkten unseren Van direkt neben der schmucken, rot-gelb getünchten Kirche, deren detailreiche Fassade uns in ihren Bann zog. Jede volle Stunde ertönte ein wohlklingendes Lied, und zur Abendmesse wurde die große Glocke traditionell per Hand geläutet. Von unserem optimal gelegenen Stellplatz aus waren es nur wenige Schritte bis zur Plaza mit ihrem schmiedeeisernen Kiosk in der Mitte.

Die bunten, fröhlich gestrichenen Häuschen und die hübsch geschmückten Gässchen, die mit Sombreros und bunten Dreieckstüchern dekoriert waren, luden zum Schlendern ein. Am nächsten Morgen entdeckten wir einen kleinen Straßenstand neben der Plaza, der Kaffee aus der Bergregion verkaufte. Nach einer Proberunde an der Kaffeemühle kauften wir für umgerechnet gerade einmal vier Euro 500 g lokalen, mexikanischen Kaffee. 😃☕️

Coffee tasting ☕️

Nach einem erfüllten Rundgang gönnten wir uns zum krönenden Abschluss noch einen leckeren Eiscafé. Von dort aus fuhren wir 20 km weiter zu einem netten Spot im Wald, den uns Willi und Fla, die beiden Argentinier mit ihrem klapprigen, aber wunderschönen VW-Bus, empfohlen hatten.

Tatsächlich fanden wir den Ort genau wie beschrieben: Direkt neben einem laut plätschernden Flüsschen, mitten im schattigen Wald. Von hier aus ist es nicht mehr weit zu einem schönen Wasserfall. Diesen und einige weitere magische Dörfer im Umland erkunden wir dann gemeinsam im nächsten Blog. 😉


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NEW BLOG POST 🇲🇽 (21. – 30.09.2024) San Luis Potosí

Mexiko – Wenn das Pech nicht loslässt

Nach einem endlos langen Fahrtag erreichten wir spät abends eine Autobahnraststätte kurz vor Fresnillo. Wir waren erledigt und freuten uns auf ein schnelles Abendessen. Doch als Simon beim Routine-Check bemerkte, dass mal wieder einer unserer hinteren Stoßdämpfer aus der Verankerung gerissen war, rutschte mir das Herz in die Hose. ❤️‍🩹 Und als wäre das nicht schon genug, funktionierte auch unsere Handbremse, die wir gerade erst hatten reparieren lassen, überhaupt nicht mehr. Mexico bringt uns echt kein Glück! 🙈

Aber nach diesem langen Tag hatten wir absolut keine Lust mehr, uns mit diesen Problemen auseinanderzusetzen. Also ab in den 24/7 OXXO, ein kaltes Getränk geschnappt, und draußen vor der Tür stand Praktischerweise schon ein fliegender Burrito-Verkäufer mit lauwarmen, hausgemachten Burritos bereit. Perfektes Abendessen! 🌯 Danach fiel uns die Entscheidung leicht: Auto-Probleme? Können warten. Stattdessen beendeten wir diesen 500 km langen Reisetag und zogen uns ins Bett zurück. 😴

Morgendliche Schrauberstunde

Am nächsten Morgen war es dann aber doch an der Zeit, den Stoßdämpfer in Angriff zu nehmen. Simon demontierte das schadhafte Teil und stellte fest, dass das Auge, in dem der Bolzen lagert, herausgedrückt worden war. Somit war klar: Dieses Problem konnten wir selbst nicht beheben.

Mal wieder Stoßdämpfer Probleme…
…aber damit sollte es doch jetzt aufwärts gehen 🍀

Also begann ich zu recherchieren und wurde bei Google Maps fündig. Nur 15 km entfernt lag eine gut bewertete Auto-Werkstatt. Also machten wir uns auf den Weg – und siehe da, wie so oft auf unserer Reise durch Lateinamerika, wurde der Schaden in Rekordzeit behoben. 🤗 Unser hinterer Stoßdämpfer saß wieder fest und wir hoffen nun, dass er uns noch die restlichen vier Monate in Mexico durchhalten wird, bis wir wieder in Deutschland sind und uns unsere bewährten Marquardt-Stoßdämpfer holen können.

Problem gelöst!

Auch das Problem mit der Handbremse wurde überraschend schnell gelöst. Dieses Mal war es der hintere Seilzug, der sich verabschiedet hatte. Kurz darauf wurde das Stahlseil gekürzt, und plötzlich funktionierte die Handbremse besser als je zuvor! Und das Beste: Die Mechaniker wollten für die Reparatur kein Geld! Stattdessen bekamen wir sogar zwei Literflaschen kalte Softdrinks geschenkt. Natürlich gaben wir ein kleines Trinkgeld – und schon um 13:00 Uhr konnten wir unsere Reise in Richtung San Luis Potosí fortsetzen. 😀👍🏻

Endlich: Landschaft, die uns belohnt

San Luis Potosí ist bekannt für seine vielfältige Landschaft, die von Gebirgen, Flüssen und dichten Wäldern geprägt ist. Besonders beliebt ist die Region bei Outdoor-Fans wegen der vielen Wasserfälle, wie zum Beispiel die berühmten Tamul-Wasserfälle, und der unberührten Natur. Auch das Höhlensystem Sótano de las Golondrinas, in dem Schwärme von Vögeln kreisen, zieht jedes Jahr viele Abenteurer an. Genauso wie die surrealen Gärten von Edward James in Xilitla.🌿🏞️

Dank der angenehmen Höhenlage erreichten wir bei milden 26 Grad unser nächstes Ziel: eine ruhige Tankstelle kurz vor der Landeshauptstadt. Die Strecke führte uns durch sattgrüne Landschaften, vorbei an Zitronenfaltern, Drachenbäumen und Kakteen. Für uns war es kaum zu glauben, dass wir in nur drei Tagen 1.300 km zurückgelegt hatten! 🚐

Der beste Empfang ever

Der nächste Tag versprach weniger Strapazen. Nur noch 200 km trennten uns von einem schönen Campingplatz namens Ríncon de la Luna, den wir gegen 14:00 Uhr erreichten.

Nett hier!
Da hat wohl jemand Spaß am häkeln 🧶

Wenige Minuten nach unserer Ankunft auf dem gepflegten Campground war klar: Hier würde es spannend werden! Kaum hatten wir uns eingerichtet, tauchten vier Freunde des Besitzers Javier mit einer Pferdekutsche auf. Was wie ein kurzer Plausch begann, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer ausgewachsenen Fiesta, wie man sie sich in Mexiko vorstellt. Kommt dazu!, forderte uns Javier auf, und ehe ich mich versah hielt ich schon ein eiskaltes Corona in der Hand – Simon, wie immer alkoholfrei, schaute schmunzelnd zu. Während wir nett plauderten, verabschiedete sich plötzlich einer der Männer, sprang auf ein Motorrad und düste davon. Etwa eine halbe Stunde später tauchte er, wie ein Held der Feier, wieder auf – und zwar schwer bepackt: Grillkohle und noch mehr Bier. Aber das war noch nicht alles! Kurz darauf erschien der Dorfmetzger, ein Freund der Runde, mit einer riesigen Tüte voller selbst gemachter Würstchen und hauchdünnen Rib-Eye-Steaks. 🌭🍺

Eigentlich wollten wir nur eine etwas längere Mittagspause machen, lachte Pancho, während der Grill schon loderte. 🔥 Binnen kürzester Zeit verwandelte sich das Campinggelände in eine improvisierte BBQ-Party. Einer der Jungs zauberte zwei verschiedene Salsas aus dem Nichts, und ein großer Becher Guacamole durfte natürlich auch nicht fehlen. 🥑 Schnell waren die Tortillas bereit, nach Lust und Laune belegt zu werden, während das Corona-Bier in Strömen floss. Immer wieder wurden neue Bier-Kartons herangeschafft, als ob sie nie ausgehen würden! Und dann, als ob das alles noch nicht genug wäre, rollte der Dorfganove, ein jugendlich aussehender Typ auf einem klapprigen Moped, an uns vorbei – in der Hand eine Lieferung Marihuana. Simon entging dabei nicht, dass aus seinem Hosenbund ein Butterfly-Messer und eine Pistole hervorblitzten. So ist das eben hier in Mexiko! 🙈🤣

Fiesta Mexicana
Die Würstchen waren sehr lecker – ähnlich Merguez 😋

Trotz der schrillen Details war die Stimmung gelöst und fröhlich. Die Jungs waren allesamt bestens drauf und erzählten uns vom Leben in der Gegend, während wir genüsslich in die saftigen Steaks bissen. Die Krönung des Abends war jedoch die Kutschfahrt durch den kleinen Ortskern El Jabalí, die wir bei Sonnenuntergang machten. Simon durfte sogar als Kutscher ran und lenkte das Gefährt mit Leichtigkeit durch die Orangenhaine und Maisfelder. 🍊🌽

Simon der Kutscher

Zurück am Campingplatz, nachdem die Sonne längst untergegangen war, ließ ich mich noch zu einem weiteren Bier überreden – jemand musste die ganze Ladung ja trinken, denn Simon, der alte Bierverweigerer, machte da ja nicht mit. Alejandro, einer der Männer, schwärmte mir begeistert von seinen neun Kindern vor – alle von neun verschiedenen Frauen. Geburtstagspartys samt Hüpfburg seien der Mittelpunkt seiner Vaterfreuden. Wer stellt sich das Elternsein nicht auch so vor?! Aber natürlich war klar, dass das eher die Ausnahme als die Regel ist und die meiste Arbeit wohl an den neun Frauen hängen blieb. 😬

Am Ende des Abends, als die Männer immer betrunkener wurden, zogen wir uns in unseren gemütlichen und ruhigen Van zurück. Am nächsten Morgen zählten wir 96 leere Bierflaschen – und das bei nur sieben Leuten (meine Wenigkeit inklusive, wobei ich nur zwei Bier trank). Eine echte mexikanische Fete eben! 🎉🎉🎉

Ein entspannter Tag am Pool

Am nächsten Morgen legten wir einen ruhigen Tag am Pool ein, versorgten unseren Sauerteigansatz und ich buk ein leckeres Vollkornbrot. Auch die Linsen-Bolognese, die ich kochte, war ein voller Erfolg, auch wenn die Zubereitung wegen der ewigen Kochzeit der Linsen etwas mühsam war. 🍝

Die Sache mit dem WLAN…

Was wäre ein Campingplatz ohne die obligatorische Herausforderung mit dem WLAN? 🛜 Als wir am ersten Tag ankamen, hatte uns Javier direkt mit einem leicht verlegenen Lächeln begrüßt und erklärt, dass das Internet gerade nicht funktioniere, aber er habe bereits den Techniker angerufen, der spätestens heute Abend oder morgen früh vorbeikommen würde. Na ja, dachte ich, wir kennen ja diese Versprechen… Tatsächlich tat sich bis zum nächsten Morgen nichts, und auch von einem Techniker weit und breit keine Spur. 😅

Gegen Mittag kam Javier dann wieder vorbei, etwas verschlafen und noch leicht verkatert von der Feier am Vortag. Ich war sogar im Ort und habe den Leuten im Technik-Laden nochmal Bescheid gesagt, versicherte er uns. Aber es kam wie erwartet: Kein Techniker tauchte auf. Und doch, fast wie von Zauberhand, begann das WLAN plötzlich zu funktionieren! ✨ Kein Techniker weit und breit, nur Javier, der nach seinem Besuch im Ort zufällig mit einem Lächeln auf den Lippen zurückgekehrt war. Meine Theorie? Das Problem war weniger technischer Natur, sondern eher finanzieller – wahrscheinlich hatte er einfach nur die offene Rechnung beglichen, und voilà: Das Internet war wie durch ein Wunder wieder da. 😂

Egal wie, das WLAN funktionierte und wir konnten wieder online gehen. Aber es bleibt eine lustige Anekdote in unserem Reisebuch – wie oft wir das schon erlebt haben! Die Versprechen der schnellen Technik und am Ende die simple Lösung: Bezahlen und alles ist gut. 💵

Wir arbeiteten in den kommenden Tagen an neuen Projekten, die hoffentlich bald spruchreif werden. Überraschend kam dann am Samstag ein Reisebus voller Leute und Kinder an, die ihr Wochenende an der nahegelegenen Laguna de la Media Luna verbringen wollten und hier ihre Zelte aufschlugen. ⛺️ Wir entschieden uns jedoch, die Lagune erst am Montag zu besuchen, um die Menschenmassen zu umgehen.

Ein Badetag an der Lagune

Unser Plan ging auf! Die Laguna de la Media Luna war ein kleines Paradies und wir verbrachten einen wunderbaren Tag dort, in kristallklarem, lauwarmem Wasser und üppiger Natur. 🏞️💦 Am Abend besuchten wir dann das nahegelegene Restaurant El Zarandeado, das für seine Fischgerichte bekannt ist. Leider war der Fisch etwas fade, aber die Tortillas und höllisch scharfen Salsas machten das wieder wett. 🌶️🥵

Ein Traum von Wasser 💧
Die Lagune war auf Grund der Tiefe nicht so blau
Wir hielten uns aber sowieso an die flachen Stellen
Wir lassen den schönen Tag ausklingen 🍽️🍷
Wie findet ihr Simons neue Mütze?! 🤗
Ein Geschenk von dem netten Campingplatz Besitzer

In den kommenden Tagen werden wir weiter die Region erkunden, Wasserfälle und Höhlen stehen auf dem Programm! Und natürlich lassen wir uns die Feierlichkeiten rund um den Tag der Toten nicht entgehen. 💀💐 Freut euch also auf den nächsten Beitrag. Bis dahin – schaut doch mal in unsere YouTube Vlogs rein! 🎥

NEW BLOG POST 🇲🇽 (14. – 20.09.2024) Nord-Mexiko

Hochzeit, Fiesta und ein bitterer Abschied

Unsere letzten Tage auf der Ranch im Norden Mexikos waren eine wunderbare Mischung aus Ruhe und unerwarteten Ereignissen. Simon und ich nutzten die Gelegenheit, um an einigen Projekten zu arbeiten, die schon länger in der Schublade schlummerten. Es tat gut, endlich mal wieder die Zeit zu haben, ohne Druck an Dingen zu tüfteln. Doch die eigentliche Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: Eine mexikanische Hochzeit stand vor der Tür – und wir hatten den Logenplatz direkt am Rande des Festgeländes. 🎉

Leider war das Wasser im Pool ziemlich frisch 🥶

Die La Turbina Ranch dient nämlich nicht nur als Weingut und Campingplatz, sondern wird auch für große Events genutzt. Da wir genau vor dem Eventbereich campten, mussten wir zwei Tage vor der Hochzeit das Feld räumen und uns einige Meter weiter, in der Nähe des Sees, niederlassen. Simon hatte dabei riesiges Glück: An genau diesem Tümpel fing er vier Fische! 🎣 Keine Ahnung, wie er das immer wieder hinkriegt, aber das Abendessen war gesichert. 😋🌮

Der Nachtangler auf dem Weg zum See
Wobei: Tümpel trifft es besser 😅

Die Hochzeitsvorbereitungen liefen entspannt ab – sehr entspannt! Die Angestellten mähten gemütlich zwei Tage lang das Gras, und erst am Samstagvormittag tauchten plötzlich die ersten Tische und Stühle auf. Als dann am Nachmittag immer noch keine Tischdecken, Blumendeko oder gar ein Buffet in Sicht waren, wurden wir langsam skeptisch. 🤨 Selbst als die Hochzeitsgäste gegen 19 Uhr eintrafen, sah alles noch ziemlich unfertig aus. Doch dann ging alles ganz schnell: Eine freie Trauung mit etwa 100 Gästen und direkt im Anschluss ab auf die Tanzfläche. Kein großes Tamtam, keine Menüs oder ausgefallene Rituale. Ob das die Regel ist in Mexiko? Keine Ahnung. Wenn jemand von euch mehr weiß, immer her mit den Infos!

Hier fand die freie Trauung statt 💒
Party Area: Tische & Stühle wurden nicht dekoriert

Am nächsten Tag erlebten wir dann eine weitere, große Fiesta. Wir hatten nicht damit gerechnet, aber das beschauliche Örtchen Nuevo Casas Grandes war plötzlich das Zentrum der Feierlichkeiten zum mexikanischen Nationalfeiertag! 😮 Der 15. und 16. September sind hier die Tage, an denen die Befreiung von den Spaniern gefeiert wird – und das mit voller Wucht! Aus allen Ecken strömten die Menschen herbei, sogar aus den 300 km entfernt gelegenen Großstädten El Paso und Ciudad Juárez. Es war ein buntes, lautes Fest mit einer riesigen Bühne im Ortskern und Live-Musik, die hunderte Menschen anzog. 🎶🇲🇽

Alle haben sich schick gemacht
Zahlreiche Fahrgeschäfte gab es ebenfalls

Natürlich knurrte uns irgendwann der Magen, und wir suchten uns etwas zu essen. Tacos und Burger – die Auswahl war überschaubar, aber hungrig wie wir waren, ließen wir uns auf einen Burger mit Grillkartoffeln ein. Und siehe da: Der war richtig lecker! 🍔 Wir beobachteten das fröhliche Treiben, genossen die ausgelassene Stimmung und bestaunten die fein herausgeputzten Mexikaner in ihren Cowboyhüten und Stiefeln.

Die Auswahl war leider recht begrenzt 🍔🌮
Wir fühlten uns mehr in Texas als in Mexiko

Doch irgendwann wurde es uns zu viel und wir machten uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Zum ersten Mal auf dieser Reise hatte ich das Gefühl, dass wir ein wenig schief angeschaut wurden. Vielleicht wegen unserer sportiven Kleidung? Oder weil wir als Gringos mitten in die feiernde, mexikanische Menge geraten waren? Wer weiß…

Die Band war wohl landesweit bekannt & berühmt

Der Montag brachte uns dann schlagartig zurück in die Realität: Simon setzte sich an den Laptop und suchte nach Flügen. Gerne hätten wir Weihnachten und Silvester gemeinsam mit unseren Liebsten in Deutschland verbracht, aber die Preise im Dezember waren schlicht zu hoch. 😫 Also buchten wir schließlich einen Flug ab Mexico City nach Frankfurt am 13. Januar 2025. Pünktlich einen Tag vor meinem Geburtstag sind wir dann wieder zu Hause. 🥳🎂

Unsere weitere Reiseplanung wurde von der aktuellen Lage im Bundesstaat Sinaloa überschattet: Die blutigen Kartellkämpfe dort sind extrem gefährlich, weshalb sogar Schulen geschlossen und alle Nationalfeiertags-Feierlichkeiten abgesagt wurden. Auch einige Einheimische rieten uns, auf Grund der aktuellen Sicherheitslage, tunlichst von der Fährfahrt auf die Halbinsel ab. Baja California lag damit leider nicht mehr auf unserer Route – zu gefährlich, zu umständlich. Der Umweg wäre vermutlich auch so zu groß gewesen, und mit unseren abgefahrenen Reifen absolut keine Option. 😥

Somit bleibt uns wahrscheinlich nichts anderes übrig, als auf einem großen Teil der Strecke, über die wir gekommen waren, wieder zurück zu fahren. Zumindest bleibt mir dadurch nun wieder mehr Zeit für Yoga, Kochen und ein gutes Buch. 📚

Yoga mit Hund 😅
Selbst gebackenes Weißbrot 🍞😋

Doch dann kam die nächste bittere Nachricht: Mein 74-jähriger Onkel war plötzlich verstorben. Das traf mich völlig unerwartet und zog mir erneut den Boden unter den Füßen weg. Es ist schlimm genug, einen geliebten Menschen zu verlieren, aber so weit weg von zu Hause zu sein macht es noch schwerer. 😔 Wir ließen die Nachricht erst einmal sacken und verschoben die Weiterfahrt um einen weiteren Tag.

Ruhe in Frieden lieber Egon – du wirst mir fehlen 😔 Das kleine Mädchen im Vordergrund bin übrigens ich

Samstag verließen wir, nach exakt zwei Wochen, die Ranch und machten uns auf die 350 Kilometer lange Strecke zurück nach Chihuahua City. Es fühlte sich unglaublich falsch an, nach Süden anstatt nach Norden zu fahren, aber es blieb uns keine Wahl. Die Steppe und die kargen Hügel der Sierra Madre Occidental zogen an uns vorbei, während jeder von uns tief in Gedanken versunken war…🌵🚐

Trostlose & wenig abwechslungsreiche Fahretappe 🚐

Am späten Nachmittag erreichten wir den Walmart-Parkplatz, auf dem wir bereits auf der Hinfahrt übernachtet hatten. Wäsche waschen, einkaufen, trocknen – der Alltag holte uns schnell wieder ein. Die schwüle Hitze hielt bis spät in die Nacht an, und es fühlte sich an, als ob der Tag nie enden würde. 🌙

Am nächsten Morgen war das Balneario Las Palmas, unser eigentliches Ziel, für Badegäste und Camper geschlossen: Die Pekannussernte war in vollem Gange weshalb das Thermalbad seine Pforten schließen musste. 😕 Also ging es, mit einer Tüte voll schmackhafter, stibitzter, Nüsse 🤫 weiter zur Hacienda los Remedios. Dort angekommen, wussten wir sofort: Es war die richtige Entscheidung, an diesen mystischen zurückzukommen. Am Abend hatten wir das Thermalbecken ganz für uns allein, und über uns funkelte ein klarer Sternenhimmel samt Milchstraße, wie wir ihn schon lange nicht mehr gesehen hatten. Sogar zwei Sternschnuppen blitzten auf, und so hatte jeder von uns einen Wunsch frei. 💫

Ein wundervoller Ort 🥰

Wie es für uns in Mexiko weitergeht? Das erzähle ich euch im nächsten Blogbeitrag! Bleibt dran und schaut derweil in unsere tollen YouTube-Vlogs rein. 🎥🍿 Ein dickes Dankeschön an alle, die uns in diesen schweren Momenten begleiten, unterstützen und mit lieben Worten sowie viel Mitgefühl beistehen. ❤️

NEW BLOG POST 🇲🇽 (12. – 13.09.2024) Nuevo Casas Grandes II

Vom Regen in die Traufe: Scheitert jetzt auch noch unser Visumsantrag?!

Während unserer ersten Tage auf der La Turbina Ranch in Nuevo Casas Grandes versuchten wir, uns von den ganzen uns bevorstehenden Entscheidungen abzulenken. Also stürzten wir uns in die Arbeit und drehten die beiden Question & Answer Videos für unseren YouTube Kanal. In denen beantworten wir übrigens all eure Fragen rund um uns, unsere Reise und – ganz wichtig – wie wir das Ganze finanzieren. Schaut also unbedingt mal rein! 👀

Video Link ➡️ https://youtu.be/a4Ee8s8UErM

Nachdem die To-do-Liste langsam aber sicher abgehakt war, holte uns die harte Realität ein: All die im letzten Blog-Beitrag beschriebenen Optionen hatten wir sorgfältig durchdacht, aber am Ende blieb nur eine einzige logische Möglichkeit übrig – der Weg über einen Visumsantrag in Deutschland, verbunden mit einem kostspieligen Rückflug. 🙄

Also saß ich irgendwann am Laptop und begann mit dem langwierigen Visumsantrags-Prozess. Der US Travel State Wartezeitenrechner zeigte für das US-Konsulat Frankfurt stolze 55 Tage bis zum Interview-Termin an.

Optimistisch, dass wir Ende November vielleicht einen Slot ergattern könnten, startete ich das langwierige Prozedere – und was soll ich sagen? Die angegebenen 90 Minuten Bearbeitungszeit für den Antrag waren ein Witz. 😤 Ich brauchte deutlich länger. Fragen wie „Wann genau hast du deine letzte Berufstätigkeit begonnen und beendet?“ trieben mich in den Wahnsinn. Ohne unsere Aktenordner dabei zu haben, war das nämlich wirklich alles andere als einfach…

Nach einer gefühlten Ewigkeit war mein Antrag endlich durch und ich gönnte mir ein Stück Bananenbrot (das Rezept findest du übrigens hier auf der Website!) und eine Tasse Kaffee. Danach ging es an Simons Antrag, der zum Glück etwas schneller ging da mir die Fragen bereits bekannt waren. Trotzdem dauerte es auch hier fast die veranschlagten 90 Minuten. 🙄⏰

Aber damit war die Tortur noch nicht vorbei: Mit den Antragsnummern bewaffnet ging es auf  eine andere Website, wo wir pro Antrag satte 185 US$ Gebühr zahlen mussten und – der spannendste Teil – einen Interview-Termin vor Ort im US Konsulat Frankfurt vereinbaren konnten.

Der Kalender öffnete sich und spuckte ganze drei Optionen aus – alle Ende Januar 2025! Ich traute meinen Augen nicht: Der früheste verfügbare Termin war am 23. Januar 2025. 📆

Das waren mehr als vier Monate von diesem Tag an! Völlig schockiert und ratlos saß ich da und ehe ich mich versah, kullerten auch schon dicke Krokodilstränen meine Wangen hinab. 😭

Wie in aller Welt sollten wir die nächsten vier Monate in Mexiko verbringen, wenn unser ursprünglicher Plan doch vorgesehen hatte, im Dezember 2024 von den USA aus auf die Baja California zu fahren und von dort aus im März 2025 Richtung Alaska zu starten?

Das war unser ursprünglicher Plan… 🗺️

Zu allem Überfluss würde der Rückflug nach Deutschland bedeuten, dass wir über 2.000 Kilometer in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zurück nach Mexiko-City fahren müssten, was all unsere Pläne über den Haufen warf. Wir hatten uns so gefreut, den Día de los Muertos am 1. November in Mexiko zu erleben. Doch die schönsten Feierlichkeiten finden rund um Mexiko-City und im Bundesstaat Oaxaca statt – mal eben tausende Kilometer entfernt von der Baja.

Hinzu kommt, dass unsere sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis in Mexiko am 2. März 2025 enden wird. Rechnet man die Zeit nach dem Interview, bis das Visum tatsächlich vorliegt und der Reisepass zurückkommt, sowie den Rückflug nach Mexiko und die 2.000 Kilometer lange Fahrt bis zur US-Grenze… ein Höllenritt. 💀

…jetzt steht uns diese Odyssee bevor 🚐💨

Vielleicht hätte ich den Visumsantrag einfach nicht an einem Freitag den 13. stellen sollen… In diesem Moment hätte ich mich am liebsten unter eine Decke verkrochen aber das hätte vermutlich kaum etwas gebracht… Irgendwie geht’s weiter – die Frage ist nur: Wie⁉️

Im Moment sind wir noch ratlos… 😓

Danke, dass ihr mitleidet, mitfiebert und mitlest. ❤ Ich hoffe, ich kann euch nächste Woche hier im Blog bereits mehr mitteilen. 🚐🗺✈

NEW BLOG POST 🇲🇽 (06. – 11.09.2024) Nuevo Casas Grandes

Zurück in Nordmexiko: Dem Land der Cowboyhüte & Stiefel

Mexikaner am Nationalfeiertag in NCG

Nach unserem gescheiterten Grenzübertritt und dem ESTA-Drama blieb uns nichts anderes übrig, als den fast 500 km langen Rückweg nach Nuevo Casas Grandes anzutreten – dorthin, wo unsere erste Mexiko-Etappe eigentlich hätte enden sollen. Drei Tage lang campierten wir an der kleinen, ruhigen Plaza in der Altstadt, um uns zu sammeln und vor allem Geld zu sparen. Denn wer weiß, was noch alles auf uns zukommen mag… 💸 💸 💸

Simon ist an der Plaza schon wieder zu Späßen 🤪

Die Enttäuschung war riesig. Wir waren traurig und wütend, nicht auf die US-Grenzbeamten, die lediglich ihren Job machten, sondern auf uns selbst. Wir hatten zu sehr auf veraltete Infos vertraut in der Annahme, dass uns an der Grenze der USA dasselbe widerfahren würde wie an den 17 lateinamerikanischen Grenzen zuvor. Was für ein Trugschluss! Die USA sind eben nicht Argentinien oder Mexiko – das wissen wir jetzt.

Schlaflose Nächte und Albträume

Nach dem ganzen Trubel träumte ich tatsächlich von der Grenzprozedur. Im Traum stand ich wieder in der dunklen, kalten Arrestzelle und als ich schweißgebadet aufwachte wurde mir schlagartig bewusst, dass dies keine Einbildung sondern bittere Realität war. 😔 Es war uns unheimlich peinlich, dass wir die Situation so unterschätzt hatten. Zu glauben, man könnte problemlos in die USA einreisen, war schlicht naiv.

Und jetzt? Klar, in ein paar Monaten oder Jahren wird diese Story vermutlich eine witzige Anekdote sein, über die wir lachen können. Aber im Moment fühlte es sich wie der Tiefpunkt unserer Reise an. 😢

Die Optionen – oder eher: die Sackgassen

In den nächsten Tagen spielten wir diverse Möglichkeiten durch:

Option 1: Die Reise endet hier in Mexiko und wir kehren früher als geplant nach Deutschland zurück. Diese Idee gefiel uns aber gar nicht, denn das hätte sich nicht nur nach einer unvollendeten Reise, sondern auch nach einer großen, persönlichen Niederlage angefühlt. ❌

Option 2: Wir lassen den Van zwei Jahre in Mexiko stehen. Dank unserer 10-jährigen Genehmigung für das Wohnmobil wäre das kein Problem. Aber der Gedanke, dass unser Van in der Zwischenzeit rostet, schimmelt oder schlichtweg nicht mehr anspringt, war auch nicht gerade beruhigend. ❌

Option 3: Wir kehren nach Südamerika zurück. Eine romantische Vorstellung, Weihnachten wieder in Ushuaia zu verbringen – am Ende der Welt. Aber da es keine Landverbindung zwischen Zentral- und Südamerika gibt, und die Verschiffung des Vans ein kleines Vermögen kosten würde, war auch das keine wirkliche Option. ❌

Eine weitere Schnapsidee war, den Van nach Kanada verschiffen zu lassen und die USA zu überspringen. Doch auch das hätte hohe Kosten verursacht und uns das Gefühl gegeben, die Reise nicht wirklich vollendet zu haben. Die USA einfach zu umgehen? Irgendwie nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. 😑

Option 4: Jemand anderes fährt unseren Van durch die USA nach Kanada und wir fliegen hinterher. Aber der Gedanke, jemand Fremden in unserem Heim auf Rädern zu haben, gefiel uns absolut nicht. Ganz abgesehen von den bürokratischen Hürden bei Dokumenten und Versicherungen. ❌

Visum – die letzte Hoffnung?!

Also blieb uns eigentlich nur noch die Möglichkeit, ein Visum zu beantragen. Doch auch das ist komplizierter, als es klingt. Ein Visum in Mexiko zu beantragen scheint kaum möglich zu sein – mit Wartezeiten von 519 Tagen und der Voraussetzung, eine Residenzia zu haben, die uns weitere 250 € pro Person kosten würde. Und selbst wenn wir es schaffen würden, das Visum zu bekommen: Es bleibt ungewiss, ob wir bei der Einreise in die USA tatsächlich durchgewunken werden. Jeder Grenzbeamte kann das nach eigenem Ermessen entscheiden.

Trotzdem dachten wir über die Option nach, den Antrag online zu stellen und das Interview in einem deutschen Konsulat, zum Beispiel in Frankfurt oder München, zu führen. Doch das würde mindestens 1.000 € pro Person für die Flüge kosten, plus die Visa-Gebühr von 250 € – ebenfalls pro Person, versteht sich. Ein teures Unterfangen, bei dem immer noch nicht klar wäre, wie lange wir letztendlich in Deutschland bleiben müssten, bis der Antrag durch ist. 😔

Schön wäre natürlich an dieser Variante das frühere Wiedersehen mit Freunden und Familie. Plus: Wir könnten nötige Ersatzteile (z.B. ein neues Lüfterrad für unsere Dachluke, ein Satz neuer Bremsbeläge sowie neue Bettwäsche – das von uns benötigte Maß existiert hier leider nicht) selbst beschaffen und mit nach Mexiko bringen. Damit redeten wir uns die hohen Kosten aber ehrlichgesagt nur schön. 🙈🙉

Ein großer Vorteil des Visums wäre aber tatsächlich, dass es für zehn Jahre gültig ist und uns die Möglichkeit gäbe, bis zu sechs Monate am Stück in den USA zu bleiben. Das wäre sicherlich mehr Zeit, um die USA in vollen Zügen zu erleben. Aber die Hürden bleiben hoch.

Lichtblicke

Es gibt aber auch positive Nachrichten. Auf dem Campingplatz in Nuevo Casas Grandes wurden wir gleich zweimal für Zeitungsinterviews angefragt. Beide interessierten sich für unsere Reise von Argentinien nach Alaska. 📰🥳

Und zu unserer Freude stellten wir fest, dass wir vermutlich doch beim Día de los Muertos in Mexiko dabei sein können. Ein Ereignis, das wir eigentlich verpasst hätten da wir dachten, zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA zu sein.

Wie sagen unsere Freunde Max und Merle (@AnschnallenAbfahrt) doch immer so schön: Nach jedem Tal kommt ein Berg. Aktuell stehen wir noch mitten im Tal aber wir hoffen, im nächsten Beitrag wieder mehr Positives berichten zu können. Drückt uns die Daumen! ✊


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