Unsere letzten Tage auf der Ranch im Norden Mexikos waren eine wunderbare Mischung aus Ruhe und unerwarteten Ereignissen. Simon und ich nutzten die Gelegenheit, um an einigen Projekten zu arbeiten, die schon länger in der Schublade schlummerten. Es tat gut, endlich mal wieder die Zeit zu haben, ohne Druck an Dingen zu tüfteln. Doch die eigentliche Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: Eine mexikanische Hochzeit stand vor der Tür – und wir hatten den Logenplatz direkt am Rande des Festgeländes. 🎉
Leider war das Wasser im Pool ziemlich frisch 🥶
Die La Turbina Ranch dient nämlich nicht nur als Weingut und Campingplatz, sondern wird auch für große Events genutzt. Da wir genau vor dem Eventbereich campten, mussten wir zwei Tage vor der Hochzeit das Feld räumen und uns einige Meter weiter, in der Nähe des Sees, niederlassen. Simon hatte dabei riesiges Glück: An genau diesem Tümpel fing er vier Fische! 🎣 Keine Ahnung, wie er das immer wieder hinkriegt, aber das Abendessen war gesichert. 😋🌮
Der Nachtangler auf dem Weg zum SeeWobei: Tümpel trifft es besser 😅
Die Hochzeitsvorbereitungen liefen entspannt ab – sehr entspannt! Die Angestellten mähten gemütlich zwei Tage lang das Gras, und erst am Samstagvormittag tauchten plötzlich die ersten Tische und Stühle auf. Als dann am Nachmittag immer noch keine Tischdecken, Blumendeko oder gar ein Buffet in Sicht waren, wurden wir langsam skeptisch. 🤨 Selbst als die Hochzeitsgäste gegen 19 Uhr eintrafen, sah alles noch ziemlich unfertig aus. Doch dann ging alles ganz schnell: Eine freie Trauung mit etwa 100 Gästen und direkt im Anschluss ab auf die Tanzfläche. Kein großes Tamtam, keine Menüs oder ausgefallene Rituale. Ob das die Regel ist in Mexiko? Keine Ahnung. Wenn jemand von euch mehr weiß, immer her mit den Infos!
Hier fand die freie Trauung statt 💒Party Area: Tische & Stühle wurden nicht dekoriert
Am nächsten Tag erlebten wir dann eine weitere, große Fiesta. Wir hatten nicht damit gerechnet, aber das beschauliche Örtchen Nuevo Casas Grandes war plötzlich das Zentrum der Feierlichkeiten zum mexikanischen Nationalfeiertag! 😮 Der 15. und 16. September sind hier die Tage, an denen die Befreiung von den Spaniern gefeiert wird – und das mit voller Wucht! Aus allen Ecken strömten die Menschen herbei, sogar aus den 300 km entfernt gelegenen Großstädten El Paso und Ciudad Juárez. Es war ein buntes, lautes Fest mit einer riesigen Bühne im Ortskern und Live-Musik, die hunderte Menschen anzog. 🎶🇲🇽
Alle haben sich schick gemachtZahlreiche Fahrgeschäfte gab es ebenfalls
Natürlich knurrte uns irgendwann der Magen, und wir suchten uns etwas zu essen. Tacos und Burger – die Auswahl war überschaubar, aber hungrig wie wir waren, ließen wir uns auf einen Burger mit Grillkartoffeln ein. Und siehe da: Der war richtig lecker! 🍔 Wir beobachteten das fröhliche Treiben, genossen die ausgelassene Stimmung und bestaunten die fein herausgeputzten Mexikaner in ihren Cowboyhüten und Stiefeln.
Die Auswahl war leider recht begrenzt 🍔🌮Wir fühlten uns mehr in Texas als in Mexiko
Doch irgendwann wurde es uns zu viel und wir machten uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Zum ersten Mal auf dieser Reise hatte ich das Gefühl, dass wir ein wenig schief angeschaut wurden. Vielleicht wegen unserer sportiven Kleidung? Oder weil wir als Gringos mitten in die feiernde, mexikanische Menge geraten waren? Wer weiß…
Die Band war wohl landesweit bekannt & berühmt
Der Montag brachte uns dann schlagartig zurück in die Realität: Simon setzte sich an den Laptop und suchte nach Flügen. Gerne hätten wir Weihnachten und Silvester gemeinsam mit unseren Liebsten in Deutschland verbracht, aber die Preise im Dezember waren schlicht zu hoch. 😫 Also buchten wir schließlich einen Flug ab Mexico City nach Frankfurt am 13. Januar 2025. Pünktlich einen Tag vor meinem Geburtstag sind wir dann wieder zu Hause. 🥳🎂
Unsere weitere Reiseplanung wurde von der aktuellen Lage im Bundesstaat Sinaloa überschattet: Die blutigen Kartellkämpfe dort sind extrem gefährlich, weshalb sogar Schulen geschlossen und alle Nationalfeiertags-Feierlichkeiten abgesagt wurden. Auch einige Einheimische rieten uns, auf Grund der aktuellen Sicherheitslage, tunlichst von der Fährfahrt auf die Halbinsel ab. Baja California lag damit leider nicht mehr auf unserer Route – zu gefährlich, zu umständlich. Der Umweg wäre vermutlich auch so zu groß gewesen, und mit unseren abgefahrenen Reifen absolut keine Option. 😥
Somit bleibt uns wahrscheinlich nichts anderes übrig, als auf einem großen Teil der Strecke, über die wir gekommen waren, wieder zurück zu fahren. Zumindest bleibt mir dadurch nun wieder mehr Zeit für Yoga, Kochen und ein gutes Buch. 📚
Yoga mit Hund 😅Selbst gebackenes Weißbrot 🍞😋
Doch dann kam die nächste bittere Nachricht: Mein 74-jähriger Onkel war plötzlich verstorben. Das traf mich völlig unerwartet und zog mir erneut den Boden unter den Füßen weg. Es ist schlimm genug, einen geliebten Menschen zu verlieren, aber so weit weg von zu Hause zu sein macht es noch schwerer. 😔 Wir ließen die Nachricht erst einmal sacken und verschoben die Weiterfahrt um einen weiteren Tag.
Ruhe in Frieden lieber Egon – du wirst mir fehlen 😔 Das kleine Mädchen im Vordergrund bin übrigens ich
Samstag verließen wir, nach exakt zwei Wochen, die Ranch und machten uns auf die 350 Kilometer lange Strecke zurück nach Chihuahua City. Es fühlte sich unglaublich falsch an, nach Süden anstatt nach Norden zu fahren, aber es blieb uns keine Wahl. Die Steppe und die kargen Hügel der Sierra Madre Occidental zogen an uns vorbei, während jeder von uns tief in Gedanken versunken war…🌵🚐
Trostlose & wenig abwechslungsreiche Fahretappe 🚐
Am späten Nachmittag erreichten wir den Walmart-Parkplatz, auf dem wir bereits auf der Hinfahrt übernachtet hatten. Wäsche waschen, einkaufen, trocknen – der Alltag holte uns schnell wieder ein. Die schwüle Hitze hielt bis spät in die Nacht an, und es fühlte sich an, als ob der Tag nie enden würde. 🌙
Am nächsten Morgen war das Balneario Las Palmas, unser eigentliches Ziel, für Badegäste und Camper geschlossen: Die Pekannussernte war in vollem Gange weshalb das Thermalbad seine Pforten schließen musste. 😕 Also ging es, mit einer Tüte voll schmackhafter, stibitzter, Nüsse 🤫 weiter zur Hacienda los Remedios. Dort angekommen, wussten wir sofort: Es war die richtige Entscheidung, an diesen mystischen zurückzukommen. Am Abend hatten wir das Thermalbecken ganz für uns allein, und über uns funkelte ein klarer Sternenhimmel samt Milchstraße, wie wir ihn schon lange nicht mehr gesehen hatten. Sogar zwei Sternschnuppen blitzten auf, und so hatte jeder von uns einen Wunsch frei. 💫
Ein wundervoller Ort 🥰
Wie es für uns in Mexiko weitergeht? Das erzähle ich euch im nächsten Blogbeitrag! Bleibt dran und schaut derweil in unsere tollen YouTube-Vlogs rein. 🎥🍿 Ein dickes Dankeschön an alle, die uns in diesen schweren Momenten begleiten, unterstützen und mit lieben Worten sowie viel Mitgefühl beistehen. ❤️
Vom Regen in die Traufe: Scheitert jetzt auch noch unser Visumsantrag?!
Während unserer ersten Tage auf der La Turbina Ranch in Nuevo Casas Grandes versuchten wir, uns von den ganzen uns bevorstehenden Entscheidungen abzulenken. Also stürzten wir uns in die Arbeit und drehten die beiden Question & Answer Videos für unseren YouTubeKanal. In denen beantworten wir übrigens all eure Fragen rund um uns, unsere Reise und – ganz wichtig – wie wir das Ganze finanzieren. Schaut also unbedingt mal rein! 👀
Nachdem die To-do-Liste langsam aber sicher abgehakt war, holte uns die harte Realität ein: All die im letzten Blog-Beitrag beschriebenen Optionen hatten wir sorgfältig durchdacht, aber am Ende blieb nur eine einzige logische Möglichkeit übrig – der Weg über einen Visumsantrag in Deutschland, verbunden mit einem kostspieligen Rückflug. 🙄
Also saß ich irgendwann am Laptop und begann mit dem langwierigen Visumsantrags-Prozess. Der US Travel State Wartezeitenrechner zeigte für das US-Konsulat Frankfurt stolze 55 Tage bis zum Interview-Termin an.
Optimistisch, dass wir Ende November vielleicht einen Slot ergattern könnten, startete ich das langwierige Prozedere – und was soll ich sagen? Die angegebenen 90 Minuten Bearbeitungszeit für den Antrag waren ein Witz. 😤 Ich brauchte deutlich länger. Fragen wie „Wann genau hast du deine letzte Berufstätigkeit begonnen und beendet?“ trieben mich in den Wahnsinn. Ohne unsere Aktenordner dabei zu haben, war das nämlich wirklich alles andere als einfach…
Nach einer gefühlten Ewigkeit war mein Antrag endlich durch und ich gönnte mir ein Stück Bananenbrot (das Rezept findest du übrigens hier auf der Website!) und eine Tasse Kaffee. Danach ging es an Simons Antrag, der zum Glück etwas schneller ging da mir die Fragen bereits bekannt waren. Trotzdem dauerte es auch hier fast die veranschlagten 90 Minuten. 🙄⏰
Aber damit war die Tortur noch nicht vorbei: Mit den Antragsnummern bewaffnet ging es auf eine andere Website, wo wir pro Antrag satte 185 US$ Gebühr zahlen mussten und – der spannendste Teil – einen Interview-Termin vor Ort im US Konsulat Frankfurt vereinbaren konnten.
Der Kalender öffnete sich und spuckte ganze drei Optionen aus – alle Ende Januar 2025! Ich traute meinen Augen nicht: Der früheste verfügbare Termin war am 23. Januar 2025. 📆
Das waren mehr als vier Monate von diesem Tag an! Völlig schockiert und ratlos saß ich da und ehe ich mich versah, kullerten auch schon dicke Krokodilstränen meine Wangen hinab. 😭
Wie in aller Welt sollten wir die nächsten vier Monate in Mexiko verbringen, wenn unser ursprünglicher Plan doch vorgesehen hatte, im Dezember 2024 von den USA aus auf die Baja California zu fahren und von dort aus im März 2025 Richtung Alaska zu starten?
Das war unser ursprünglicher Plan… 🗺️
Zu allem Überfluss würde der Rückflug nach Deutschland bedeuten, dass wir über 2.000 Kilometer in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zurück nach Mexiko-City fahren müssten, was all unsere Pläne über den Haufen warf. Wir hatten uns so gefreut, den Día de los Muertos am 1. November in Mexiko zu erleben. Doch die schönsten Feierlichkeiten finden rund um Mexiko-City und im Bundesstaat Oaxaca statt – mal eben tausende Kilometer entfernt von der Baja.
Hinzu kommt, dass unsere sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis in Mexiko am 2. März 2025 enden wird. Rechnet man die Zeit nach dem Interview, bis das Visum tatsächlich vorliegt und der Reisepass zurückkommt, sowie den Rückflug nach Mexiko und die 2.000 Kilometer lange Fahrt bis zur US-Grenze… ein Höllenritt. 💀
…jetzt steht uns diese Odyssee bevor 🚐💨
Vielleicht hätte ich den Visumsantrag einfach nicht an einem Freitag den 13. stellen sollen… In diesem Moment hätte ich mich am liebsten unter eine Decke verkrochen aber das hätte vermutlich kaum etwas gebracht… Irgendwie geht’s weiter – die Frage ist nur: Wie⁉️
Im Moment sind wir noch ratlos… 😓
Danke, dass ihr mitleidet, mitfiebert und mitlest. ❤ Ich hoffe, ich kann euch nächste Woche hier im Blog bereits mehr mitteilen. 🚐🗺✈
Zurück in Nordmexiko: Dem Land der Cowboyhüte & Stiefel
Mexikaner am Nationalfeiertag in NCG
Nach unserem gescheiterten Grenzübertritt und dem ESTA-Drama blieb uns nichts anderes übrig, als den fast 500 km langen Rückweg nach Nuevo Casas Grandes anzutreten – dorthin, wo unsere erste Mexiko-Etappe eigentlich hätte enden sollen. Drei Tage lang campierten wir an der kleinen, ruhigen Plaza in der Altstadt, um uns zu sammeln und vor allem Geld zu sparen. Denn wer weiß, was noch alles auf uns zukommen mag… 💸 💸 💸
Simon ist an der Plaza schon wieder zu Späßen 🤪
Die Enttäuschung war riesig. Wir waren traurig und wütend, nicht auf die US-Grenzbeamten, die lediglich ihren Job machten, sondern auf uns selbst. Wir hatten zu sehr auf veraltete Infos vertraut in der Annahme, dass uns an der Grenze der USA dasselbe widerfahren würde wie an den 17 lateinamerikanischen Grenzen zuvor. Was für ein Trugschluss! Die USA sind eben nicht Argentinien oder Mexiko – das wissen wir jetzt.
Schlaflose Nächte und Albträume
Nach dem ganzen Trubel träumte ich tatsächlich von der Grenzprozedur. Im Traum stand ich wieder in der dunklen, kalten Arrestzelle und als ich schweißgebadet aufwachte wurde mir schlagartig bewusst, dass dies keine Einbildung sondern bittere Realität war. 😔 Es war uns unheimlich peinlich, dass wir die Situation so unterschätzt hatten. Zu glauben, man könnte problemlos in die USA einreisen, war schlicht naiv.
Und jetzt? Klar, in ein paar Monaten oder Jahren wird diese Story vermutlich eine witzige Anekdote sein, über die wir lachen können. Aber im Moment fühlte es sich wie der Tiefpunkt unserer Reise an. 😢
Die Optionen – oder eher: die Sackgassen
In den nächsten Tagen spielten wir diverse Möglichkeiten durch:
Option 1: Die Reise endet hier in Mexiko und wir kehren früher als geplant nach Deutschland zurück. Diese Idee gefiel uns aber gar nicht, denn das hätte sich nicht nur nach einer unvollendeten Reise, sondern auch nach einer großen, persönlichen Niederlage angefühlt. ❌
Option 2: Wir lassen den Van zwei Jahre in Mexiko stehen. Dank unserer 10-jährigen Genehmigung für das Wohnmobil wäre das kein Problem. Aber der Gedanke, dass unser Van in der Zwischenzeit rostet, schimmelt oder schlichtweg nicht mehr anspringt, war auch nicht gerade beruhigend. ❌
Option 3: Wir kehren nach Südamerika zurück. Eine romantische Vorstellung, Weihnachten wieder in Ushuaia zu verbringen – am Ende der Welt. Aber da es keine Landverbindung zwischen Zentral- und Südamerika gibt, und die Verschiffung des Vans ein kleines Vermögen kosten würde, war auch das keine wirkliche Option. ❌
Eine weitere Schnapsidee war, den Van nach Kanada verschiffen zu lassen und die USA zu überspringen. Doch auch das hätte hohe Kosten verursacht und uns das Gefühl gegeben, die Reise nicht wirklich vollendet zu haben. Die USA einfach zu umgehen? Irgendwie nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. 😑
Option 4: Jemand anderes fährt unseren Van durch die USA nach Kanada und wir fliegen hinterher. Aber der Gedanke, jemand Fremden in unserem Heim auf Rädern zu haben, gefiel uns absolut nicht. Ganz abgesehen von den bürokratischen Hürden bei Dokumenten und Versicherungen. ❌
Visum – die letzte Hoffnung?!
Also blieb uns eigentlich nur noch die Möglichkeit, ein Visum zu beantragen. Doch auch das ist komplizierter, als es klingt. Ein Visum in Mexiko zu beantragen scheint kaum möglich zu sein – mit Wartezeiten von 519 Tagen und der Voraussetzung, eine Residenzia zu haben, die uns weitere 250 € pro Person kosten würde. Und selbst wenn wir es schaffen würden, das Visum zu bekommen: Es bleibt ungewiss, ob wir bei der Einreise in die USA tatsächlich durchgewunken werden. Jeder Grenzbeamte kann das nach eigenem Ermessen entscheiden.
Trotzdem dachten wir über die Option nach, den Antrag online zu stellen und das Interview in einem deutschen Konsulat, zum Beispiel in Frankfurt oder München, zu führen. Doch das würde mindestens 1.000 € pro Person für die Flüge kosten, plus die Visa-Gebühr von 250 € – ebenfalls pro Person, versteht sich. Ein teures Unterfangen, bei dem immer noch nicht klar wäre, wie lange wir letztendlich in Deutschland bleiben müssten, bis der Antrag durch ist. 😔
Schön wäre natürlich an dieser Variante das frühere Wiedersehen mit Freunden und Familie. Plus: Wir könnten nötige Ersatzteile (z.B. ein neues Lüfterrad für unsere Dachluke, ein Satz neuer Bremsbeläge sowie neue Bettwäsche – das von uns benötigte Maß existiert hier leider nicht) selbst beschaffen und mit nach Mexiko bringen. Damit redeten wir uns die hohen Kosten aber ehrlichgesagt nur schön. 🙈🙉
Ein großer Vorteil des Visums wäre aber tatsächlich, dass es für zehn Jahre gültig ist und uns die Möglichkeit gäbe, bis zu sechs Monate am Stück in den USA zu bleiben. Das wäre sicherlich mehr Zeit, um die USA in vollen Zügen zu erleben. Aber die Hürden bleiben hoch.
Lichtblicke
Es gibt aber auch positive Nachrichten. Auf dem Campingplatz in Nuevo Casas Grandes wurden wir gleich zweimal für Zeitungsinterviews angefragt. Beide interessierten sich für unsere Reise von Argentinien nach Alaska. 📰🥳
Und zu unserer Freude stellten wir fest, dass wir vermutlich doch beim Día de los Muertos in Mexiko dabei sein können. Ein Ereignis, das wir eigentlich verpasst hätten da wir dachten, zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA zu sein.
Wie sagen unsere Freunde Max und Merle(@AnschnallenAbfahrt) doch immer so schön: Nach jedem Tal kommt ein Berg. Aktuell stehen wir noch mitten im Tal aber wir hoffen, im nächsten Beitrag wieder mehr Positives berichten zu können. Drückt uns die Daumen! ✊
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Grenzdesaster vom Feinsten – Wir liefern die Vorlage für einen Kinofilm
Nachdem wir auf einer Ranch in Nuevo Casas Grandes zwei Tage damit verbracht hatten, uns für die Weiterreise vorzubereiten – inklusive dem Abschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung für die USA, die uns für 90 Tage satte 359 € kostete 😣 – fühlten wir uns gut gerüstet für den nächsten großen Schritt. Die Ranch selbst war ein echtes Paradies, wenngleich leider ein langsam aber sicher verfallendes: Neben einem riesigen Swimmingpool gab es dort auch mehrere kleine Seen, die Simon voller Elan zum Angeln nutzte – allerdings ohne Erfolg. Dafür hätten wir die Rot-, Rosé- und Weißweine der La Turbina Ranch verkosten können, denn die weitläufigen Flächen dienen nicht nur als Campingplatz sowie Eventgelände, sondern auch der Weinproduktion. 🍇
Unser Stellplatz auf der RanchTolle Wohngebäude
Am Montagmorgen, mit frischen Vorräten wie Cerealien und Konserven für das angeblich teure Amerika ausgestattet, machten wir uns auf den Weg zum etwa 200 km entfernten Grenzübergang El Berrendo/Antelope Wells. Dieser kleine, unscheinbare Übergang war uns von anderen Reisenden als schnell und unkompliziert empfohlen worden – genau das, was wir uns nach den letzten Wochen voller Werkstattchaos erhofft hatten.
Aber es sollte anders kommen…
Schon bei der Ankunft sahen wir, dass es eine lange Schlange von US-amerikanischen Pick-Ups gab, die zurück in ihre Heimat wollten. Der Ausreisestempel für Mexiko war schnell erledigt: Der mexikanische Zollbeamte arbeitete einsam und alleine in einer winzigen, kaum wahrnehmbaren Backsteinhütte, während rundherum noch an neuen, modernen Gebäuden gewerkelt wurde. Dann rollten wir mit der Auto-Karawane weiter zur US-Grenze und plötzlich sahen wir uns mit einer Drive-Through-Grenze konfrontiert. Typisch Amerika! 🤣 So weit, so gut.
Drive-Through-GrenzeDa haben wir uns wohl zu früh gefreut…
Aber als wir dann schlussendlich an der Reihe waren, und die Grenzbeamtin nach unseren Pässen fragte, kam das erste Problem auf: Wir hatten keinen ESTA-Antrag gestellt.
Ich erklärte der Beamtin höflich, dass ein ESTA-Antrag unseres Wissens nach nur bei Flug- oder Schiffsreisen notwendig sei, nicht aber bei der Einreise über Land. Ihre Verwirrung darüber war groß, sie wollte sich diesbezüglich mit ihrem Vorgesetzten besprechen. Während wir warteten, parkten wir unser Wohnmobil brav an der Seite und hofften auf ein schnelles Missverständnis. Aber es sollte nicht so kommen: Sie kam nach zehn Minuten zurück und erklärte uns, dass wir ohne gültiges ESTA nicht in die USA einreisen könnten. 😮
Da standen wir nun: Mitten in der Wüste, ohne Internetempfang und somit ohne Möglichkeit, das online zu klären. Die einzige Option war, wieder 200 km zurückzufahren und einen anderen Grenzübergang zu versuchen. So machten wir uns leicht irritiert auf den Rückweg, legten eine kurze Kaffeepause ein und recherchierten erneut, als wir endlich wieder Empfang hatten. Und siehe da – sowohl die App des Auswärtigen Amtes als auch eine andere, uns sehr vertrauenswürdige Webseite bestätigten: Für die Einreise über Land brauchten wir tatsächlich kein ESTA. Mit neuem Elan fuhren wir weiter zum nächsten Übergang: Agua Prieta/Douglas in Arizona.
Dort erwartete uns der nächste Grenzschock. Vor dem beeindruckend teuren US-Grenzzaun (15 Milliarden Dollar um läppische 1.000 km der 3.000 km langen Grenze „zu schützen“) warteten Hunderte Autos, und ein unfreundlicher Grenzbeamter wies uns eine Spur zu. Als sich dann ein Auto vor uns drängelte brüllte uns der Beamte energisch an: You are blocking my way, what are you doing?! Unsere Nerven lagen schon da längst blank, aber es kam noch besser…
Der US-Amerikanische Grenzzaun „The Wall“
Als wir endlich an der Reihe waren mussten wir den Van abstellen, die Smartphones auf das Armaturenbrett legen und den Wagen verlassen. Mehrere Beamte stürmten herbei, um unseren Van gründlich zu durchsuchen – ohne dass Simon dabei sein durfte. 😯 Ich hatte ein ungutes Gefühl, als ich mich mit den Pässen ins Büro begab. Zurecht, denn dort wiederholte sich das Drama: Sie wollten wissen, warum wir keinen ESTA-Antrag hatten. Wieder erklärte ich die Situation, und wieder erntete ich nur Kopfschütteln. Hier hatten die Beamten absolut kein Verständnis dafür, dass wir vermeintlich derart unvorbereitet an ihrer Grenze erschienen waren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit in dem stark klimatisierten Wartebereich wurde ich von zwei Beamtinnen aufgerufen. Dann folgte der Schockmoment des Tages: Die Mitarbeiterinnen von Homeland Security nahmen mich mit, führten mich in eine dunkle Zelle ohne Tageslicht und filzten mich von Kopf bis Fuß. Ich musste alles ablegen: Schmuck, Schuhe, Sonnenbrille, selbst die Haarklammer. Mir wurde ganz anders und mittlerweile war ich den Tränen nahe. 😰
Simon erwartete im Anschluss, gleichfalls unvorbereitet und ahnungslos was zuvor mit mir passiert war, das gleiche Prozedere. Es folgte eine stundenlange, nervenaufreibende separate Befragung, an deren Ende man uns schließlich mitteilte, dass wir unsere Teilnahme am Visa-Waiver-Programm auf Grund unseres Verstoßes verwirkt hätten. 😲 Ohne ESTA gibt es aber kein Hereinkommen in die USA, wie wir schmerzlich lernen mussten. Uns bliebe nur noch die Option ein Visum zu beantragen, aber natürlich nicht hier an der Grenze. Völlig fertig verließen wir weit nach 19 Uhr in der Dunkelheit das Büro, kehrten über einen U-Turn zurück nach Mexiko und sahen uns direkt mit einem neuen Problem konfrontiert: Wir hatten bereits die mexikanischen Ausreisestempel im Pass, und unsere vor nicht ganz vier Monaten erteilte Aufenthaltsgenehmigung würde in acht Tagen ablaufen. Falls uns die überhaupt noch nutzen würde…
Wenigstens war die Beamtin am mexikanischen Einreiseschalter extrem freundlich und bot uns zwei Optionen an: Sieben Tage kostenloser Aufenthalt oder sechs Monate gegen Gebühr. Wir entschieden uns erst einmal für die sieben Tage in der Hoffnung, dass wir in dieser Zeit eine Lösung finden könnten. Nachdem wir auch noch den Van von einem Drogenhund durchsuchen lassen mussten (und parallel dazu neugierige Fragen der Beamten über unsere Reise, Deutschland und die hohen Flugkosten beantworten mussten), fuhren wir schließlich zurück zu der nahegelegenen Tankstelle, an der wir zuvor Kaffeepause gemacht hatten.
Ich fädle meine Schnürsenkel wieder ein, die man mir vor dem Verhör abgenommen hatte Auto-Durchsuchung mit Drogenspürhund in Mexiko
Dort verbrachten wir mehr schlecht als recht die Nacht, den Kopf vollgestopft mit Sorgen, Zweifeln und Selbstvorwürfen. Am nächsten Morgen versuchte ich verzweifelt, sowohl das deutsche Konsulat in Los Angeles als auch in Houston zu erreichen, aber nach stundenlangem Warten in endlosen Telefonschleifen hatte ich immer noch keinen Erfolg zu vermelden. Auch die deutsche Botschaft in Mexiko City konnte mir nicht direkt weiterhelfen, sondern verwies mich an das nächstgelegene US-Konsulat in Nogales. Nebenbei bemühte ich mich noch um eine Rückerstattung der 359 US$ für die bereits abgeschlossene Kfz-Haftpflichtversicherung.
Da wir keine andere Idee hatten, machten wir uns am nächsten Morgen auf den ca. 250 km langen Weg nach Nogales. Das US-Konsulat hatte bei unserer Ankunft natürlich längst geschlossen, weshalb wir die Nacht auf einem bewachten Parkplatz einer schicken Shopping Mall verbrachten und frustriert bei Burger King zu Abend aßen. 😔🍟🍔
Am nächsten Morgen standen wir nervös vor dem amerikanischen Konsulat und hofften auf irgendeine Lösung. Aber die Dame, die uns schließlich vor der Tür auf dem Gehweg empfing, konnte uns auch nicht weiterhelfen. In Mexiko könnten nur mexikanische Staatsbürger oder Personen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung ein US-Visum beantragen. ESTA-Fragen? Fehlanzeige. Diesbezüglich wurden wir erneut an die Grenzbeamten verwiesen, aber nach den Erfahrungen der letzten Tage wussten wir, dass das nichts bringen würde…
Also kehrten wir, völlig niedergeschlagen, zu unserem Bus zurück. Unser letzter Versuch war, trotzdem online einen ESTA-Antrag zu stellen. Obwohl uns die Grenzbeamten schon mitgeteilt hatten, dass wir dafür gesperrt seien. Aber hatten wir eine andere Wahl? Ich schickte meinen Antrag ab, kurz darauf den von Simon. 20 Minuten später kam bereits die erste Antwort: Simons Antrag war abgelehnt worden. 😭 Zu meinem gab es noch keine Rückmeldung, aber ich erwartete nichts anderes. Zumal mir selbst eine positive Antwort in dem Fall nichts mehr gebracht hätte, schließlich wollte ich ja nicht alleine in die USA reisen…
Was für ein Schlamassel! 🙈🙉🙊 Mangels Stellplatzmöglichkeiten blieb uns nur der Rückweg nach Agua Prieta, wo wir erneut eine Nacht an der Tankstelle verbrachten. Zuvor gelang es uns in Nogales jedoch noch, unsere Aufenthaltsgenehmigung für Mexiko – gegen Zahlung einer kleinen Gebühr in Höhe von 35€ pro Person – um weitere sechs Monate zu verlängern. Dies verschaffte uns zumindest genug Spielraum für die nächsten Tage, in denen es alle möglichen Optionen zu prüfen galt. Wie und ob wir die USA jemals betreten werden bleibt vorerst jedoch ungewiss… Jetzt heißt es erstmal durchatmen und weitersehen.
Falls ihr ähnliche Erfahrungen gemacht haben solltet oder irgendwelche Tipps für uns habt – immer her damit! Wir können gerade jede Aufmunterung und Anregung gebrauchen. ❤ Ein Update erhaltet ihr kommende Woche an gleicher Stelle. Hoffentlich können wir bis dahin diverse Optionen und Möglichkeiten aufzeigen. 🙏
P.S.: Laut Wikipedia ist seit dem 1. Oktober 2022 auch für die Einreise über Land ein ESTA erforderlich. Allem Anschein nach haben sie die Einreisevorschriften kurz nach unserem Start am 1. August 2022 geändert, und vermutlich hat sich meine App vom Auswärtigen Amt seither nicht mehr aktualisiert. 🤦♀️ Warum wir die veralteten Informationen jedoch auch auf anderen, uns vertrauenswürdig erscheinenden Seiten fanden bleibt offen. 🤷♀️
Eine schöne Wanderung und ein unvergesslicher Abend
Unsere erste Nacht am Arareco-See war mit angenehmen 14°C schön kühl. Wir schliefen bis kurz nach 9:00 Uhr, holten den fehlenden Schlaf vom Vortag nach und starteten nach einem stärkenden Frühstück gemächlich in den Tag.
Unsere morgendliche Aktivität bestand darin, den See zu Fuß zu umrunden. Die 6 km lange Strecke zog sich über etwa zwei Stunden hin, da der See eine ziemlich unförmige Gestalt hatte. Aber die Mühe lohnte sich: Immer wieder boten sich uns großartige Ausblicke auf die felsigen Landschaften, die das Gewässer umgaben. Besonders entzückend waren die Streifenhörnchen, die wir zwischen den Felsen herumspringen sahen. Zum ersten Mal auf unserer Reise trafen wir auf diese possierlichen Nagetiere. 🐿
Zu Fuß ging’s um den langgezogenen See herum
Dank der Kiefernwälder, die den Großteil des Weges beschatteten, blieb die Wanderung trotz Sonne angenehm – worüber sich offensichtlich auch die Kühe und Pferde freuten, die rund um den See grasten.
So idyllisch & einfach leben die indigenen Tarahumara
Als die Temperaturen am Abend wieder merklich sanken, zündeten wir ein kleines Lagerfeuer an das wir aus gesammelten Kiefernästen zusammenstellten. 🔥 Auch wenn die Zweige nicht besonders gut brannten so reichte es doch für ein bis zwei Stunden Lagerfeuer-Romantik aus. Während die Glut vor sich hin prasselte, hielten wir ein paar Marshmallows über die Flammen und genossen den fantastischen Sternenhimmel, der über uns funkelte. 🌟
Abenteuer im Tal der Mönche
Am Sonntag wollten wir unsere Füße nicht nur zum Spazieren, sondern auch zum Radfahren nutzen. Das Valle de los Monjes (das Tal der Mönche) lockte uns, aber der Gedanke an die 5 km über die staubige Piste ließ uns schaudern. Also schnappte sich Simon die Fahrräder und machte sich ans Werk: Die Ketten waren ziemlich festgerostet, aber mit reichlich WD40 und Geduld schaffte er es nach etwa zwei Stunden, die Drahtesel wieder fahrbereit zu machen. 🚲
Hard work 🛠️⚙️
Während Simon schraubte, bereitete ich ein kleines Frühstück vor. Gegen Mittag starteten wir dann unseren Ausritt, wenn auch eher holprig. Die Fahrräder waren etwas störrisch, aber im leichtesten Gang schoben wir uns tapfer vorwärts und erreichten das Valle de los Monjes dennoch deutlich schneller als zu Fuß. Die Landschaft glich einem Hochplateau, gesäumt von Schwarzkiefern und imposanten Felsbrocken. Die gigantischen Felsen am Ende des Tals schienen aus einer anderen Welt zu stammen. Vielleicht sind sie die Mönche, nach denen das Tal benannt ist? Oder aber sie erinnern an christliche Mönche vergangener Zeiten, die hier während ihrer Missionsarbeit ihre Spuren hinterlassen haben.
Geschafft! 😀Valle de los Monjes Leider meldete sich hier mein Heuschnupfen 🤧
Nachdem wir uns ein wenig durch die beeindruckende Felslandschaft bewegt hatten, wurde es uns in der heißen Sonne schnell zu viel. Also schwangen wir uns zurück auf die Fahrräder und radelten zurück zum Van. Dort wurden wir von neuen Freunden begrüßt: Einer Reihe von Hunden, die unsere Gesellschaft – oder doch nur etwas Essbares?! – suchten. 🐶🍖
Die wahre Herausforderung kam jedoch in Form von Kindern der Indigenen Familien, die regelmäßig an unserem Wohnmobil vorbeikamen und selbstgebastelte Dinge verkaufen wollten. Da wir weder Platz noch Verwendung für den Kram hatten, versorgte ich die Kinder stattdessen mit Lollis. 🍭 Das Ergebnis? Immer mehr Kinder, mit schmutzigen Gesichtern und laufenden Nasen, kamen im Laufe des Tages bei uns vorbei, was wir nur mit einem Lächeln hinnehmen konnte. Schließlich waren die Lollis ja genau für solche Momente gedacht. 😅
Barranca del Cobre – Ein Canyon viermal so groß wie der Grand Canyon
Mit einem frisch gebackenen, noch lauwarmen Apfelkuchen im Gepäck verließen wir am Montagvormittag unseren idyllischen Stellplatz am See. Der Tag versprach Abwechslung pur, und es ging weiter zum Barranca del Cobre, dem mächtigen Kupfer Canyon.
Die Fahrt führte uns erneut über ein Hochplateau voller Kiefernwälder: Eine Landschaft, die wir eher in Kanada als in Mexiko erwartet hätten. Bei unserem Eintreffen in Divisadero, dem Tor zum Canyon, hatten wir keinerlei Schwierigkeiten auf dem weitläufigen Parkplatz einen Stellplatz für unseren Van zu finden. Es war bereits gegen 15:00 Uhr, als wir uns eine heiße Tasse Kaffee und ein Stück meines wirklich sehr leckeren Apfelkuchens gönnten. ☕🍰
Während wir genüsslich den Kuchen verspeisten zogen plötzlich bedrohlich schwarze Wolken am Himmel auf und der Donner hallte doppelt so laut durch den Canyon wie gewöhnlich. Wir entschieden, unseren geplanten Spaziergang entlang des Canyon-Randes daher lieber auf den kommenden Tag zu verschieben. 🌩🌧️
Trotz der ungemütlichen Wetterbedingungen bot unser Seitenfenster einen atemberaubenden Blick über und in den tiefen Canyon – eine Aussicht, die in einem Hotelzimmer mit ähnlicher Kulisse wahrscheinlich mindestens 350 US$ pro Nacht gekostet hätte. Wir hingegen konnten diesen grandiosen Ausblick völlig kostenfrei genießen. 😇
Grandioser Stellplatz Mit fantastischer Aussicht Der Weg hierher hat sich gelohnt
Als der Regen nachließ, nahm Simon unseren neuen vierbeinigen Begleiter, den wir spontan Trüffel nannten, mit auf einen kleinen Spaziergang durch den Wald. Die Einheimischen hatten uns nämlich erzählt, dass die Pilzsaison begonnen hatte. Und tatsächlich kehrte Simon kurz darauf mit einer kleinen Handvoll Pfifferlinge zurück – ein kleiner, aber feiner Erfolg. 😋
Unser neuer Hund: Trüffel
Ein beeindruckender Tag im Kupfer Canyon
Der Montagmorgen begann für mich früh denn ich wollte mir den Sonnenaufgang über dem Kupfer Canyon, der seinen Namen übrigens von den Kupferminen in der Umgebung hat, nicht entgehen lassen. 🌄 Um 06:00 Uhr, als sich der erste orangefarbene Lichtstreif am Horizont zeigte, stand ich auf. Leider entpuppte sich der Sonnenaufgang als eher unspektakulär, besonders im Vergleich zu den beeindruckenden Sonnenuntergängen, die wir schon erleben durften. Vielleicht lag es auch an den dunklen Wolken, die noch immer am Himmel hingen.
Sonnenaufgang über dem Kupfer Canyon 🌅Trüffel erwacht auch & hat gut auf uns aufgepasst
Gegen 10:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Canyon. Der Himmel riss auf, und die Sonne tauchte die tiefen Schluchten in sanftes Licht. ⛅ Hier in Divisadero, wo vier Canyons aufeinandertreffen, fallen die Steilwände bis zu 1.600 Meter tief ab. Kaum vorstellbar, dass am Fuße des Canyons noch immer Menschen vom Stamm derTarahumara leben, die als Selbstversorger ihren Alltag bestreiten. Aber auch Narcos nutzen die Abgeschiedenheit des Canyons, um Marihuana und Mohn anzubauen. 🌿
Auf dem Weg bleiben ist ratsam! Es geht überall steil in die Tiefe
Mit unserem Van (ohne 4×4) hätten wir den Canyon nicht durchqueren können, doch schon alleine die Aussichten vom Rand waren atemberaubend schön. Mindestens genauso schön wäre sicherlich eine Fahrt mit dem El Chepe Train gewesen, die als eine der schönsten Zugfahrten des Landes gilt. Der Zug fährt von Los Mochis an der Pazifikküste durch abwechslungsreiche Landschaften bis nach Creel, von 0 auf beeindruckende 2.250 Meter Höhe. Dies ist auch die einzige Region Mexikos, in der es im Winter zu Eis und Schnee kommen kann. ❄🌨
Die Zugfahrt wäre sicher auch toll gewesen 🚂
Am Mittag machten wir uns auf den Rückweg in die Großstadt Cuauhtémoc, vorbei an Creel, der Endstation des El Chepe Train. Kaum hatten wir uns wieder auf den Weg durch die von Holzwirtschaft und die Anwesenheit der Tarahumarageprägte Landschaft gemacht, zog der Himmel erneut zu und dicke Tropfen begannen vom Himmel zu fallen. 💧 Es gelang uns gerade noch rechtzeitig die nötigen organisatorischen Dinge, wie beispielsweise Brauchwasser auffüllen und das Port-A-Potti leeren, zu erledigen.
Zu Besuch in der Mennoniten-Stadt Cuauhtémoc
Ähnlich wie viele andere größere Städte im Norden Mexikos machte auch Cuauhtémocauf uns einen sehr modernen, schicken und nicht gerade armen Eindruck. Nachdem wir eine ruhige Nacht auf dem großen Parkplatz der riesigen Shopping Plaza verbracht hatten, wechselten wir am nächsten Morgen auf einen Truck-Stopp in der Nähe. Wir begannen den Tag mit einer wohltuenden, heißen Dusche und nutzten das gute Internet, um unsere Reiseroute durch die USA zu planen. Die LKW-Motoren dröhnten zwar laut im Hintergrund, doch die schattigen Sitzgelegenheiten und das annehmbare WLAN machten den Aufenthalt erträglich.
Am nächsten Morgen brachen wir auf zu einer etwa 25 km entfernt gelegenen Autowerkstatt. Hier wollten wir einen letzten Ölwechsel vor unserem Grenzübertritt durchführen lassen. Wir fuhren an mehreren MennonitenSiedlungen vorbei, die mit ihrer Ordnung und dem klar strukturierten Layout beeindruckten. Die Mennoniten, die hier leben, stammen ursprünglich aus Europa und sprechen noch heute einen alten friesischen Dialekt: Niederdeutsch oder Plattdeutsch. Ihre Gemeinschaft in Mexiko ist bekannt für ihre ausgeprägte religiöse und kulturelle Identität.
In der Werkstatt wurden wir von Jakob begrüßt, einem blonden und blauäugigen Mennoniten aus Bolivien, der vor einiger Zeit mit seinen drei Kindern hierhergezogen war. Leider hat er seine Frau vor einem Jahr durch Krebs verloren, und ihre Krebsbehandlung hatte alle Ersparnisse der Familie aufgebraucht was uns sehr mitnahm. Jakob wollte mit seinen Liebsten eigentlich nach Kanada auswandern, doch die tragischen Umstände machten es erforderlich, in Cuauhtémoc zu bleiben. Die Werkstatt war blitzsauber und Jakob ließ uns dort sogar vertrauensvoll alleine zurück, während er seine Kinder von der Schule abholte und ein warmes Mittagessen für sie zubereitete.
In dieser Zeit wechselte Simon schon einmal den Diesel- und Innenraumfilter und zog unsere hinteren Stoßdämpfer fest. Als Jakob zurückkam gab es einen echten Überraschungsmoment: Er sprach fließend Hochdeutsch! Wobei innerhalb der Familien hier der alte, friesische Dialekt gesprochen wird, welcher in Europa fast ausgestorben ist. Welch faszinierende Überraschung! Wer hätte das in Mexiko erwartet…
Simon wechselt den Diesel- & Luftfilter……während das alte Öl abgelassen wird
Für den gesamten Service bezahlten wir, inklusive 10l Motoröl und Filterwechsel, etwa 120 €. Und trotz der Tatsache, dass Simon den Großteil der Arbeit selbst erledigt hatte, ließen wir Jakob das Doppelte seines mageren Honorars von gerade einmal 10€ zukommen. Der arme Kerl tat uns schlichtweg furchtbar leid. 😥 Nach dem herzlichen Abschied hinterließen wir noch eine positive Bewertung auf Google Maps und trugen die Werkstatt in die iOverlander-App ein. Vielleicht verirrt sich auf diesem Wege noch die ein oder andere Kundschaft mehr zu ihm.
Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als wir uns auf den Weg nach Nuevo Casas Grandes machten.
Vorerst letzte Fahretappe in Mexiko
Dort angekommen, durchstreiften wir das unspektakuläre, aber charmante Pueblo Mágico und suchten nach einem Abendessen. Ein älterer Herr auf der Plaza wies uns auf die gegenüberliegende Eisdiele hin und wir wurden nicht enttäuscht: Für nur 1,50 € gab es dort leckere Burritos und zum Nachtisch noch ein hausgemachtes Eis. Der perfekte Abschluss für einen mal wieder ereignisreichen Tag. 🌮🍦🚐
Die Nacht verbrachten wir an der ruhigen Plaza
Paquimé: Ein gelungener Abschied von Mexiko
Der nächste Morgen in Nuevo Casas Grandes begann mit einer Überraschung. Dank Google erfuhren wir, warum dieses unscheinbare Pueblo als Magisches Dorf gilt: Es liegt nur einen Kilometer entfernt von der beeindruckenden archäologischen Stätte Paquimé. Seit 1998 gehört Paquimé zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist bekannt für seine faszinierenden Ruinen der präkolumbischen Kultur.
Wir entschieden die Stätte am Vormittag zu erkunden, bevor die Wüstensonne unerträglich wurde. Zu unserer Verwunderung wurden die 95 Pesos Eintritt, die wir erwartet hatten, nicht verlangt. Stattdessen mussten wir uns nur registrieren und ins Gästebuch eintragen. Danach schlenderten wir über das weitläufige Außenareal, das sehr gut mit zweisprachigen Infotafeln auf Spanisch und Englisch bestückt war.
Adobe-Bauten in der Wüsten
Paquimé bot eine beeindruckende Mischung aus kulturellen Stätten, Opferplätzen und einem traditionellen Ballspielplatz aus Stein. Die Adobe (Lehm-) Bauten erinnerten uns stark an die ähnlichen Chan-Chan Ruinen, die wir in Peru erkundet hatten. Die Lehmgebäude hier waren zum Teil dreistöckig und boten Raum zum Leben, Schlafen und Arbeiten. Die bemerkenswerte Fähigkeit dieses Volkes, unter den extremen Bedingungen der Wüste zu überleben und zu gedeihen, zeigte sich besonders in der Zucht der kostbaren roten Ara. Deren Federn wurden als wertvolle Handelsware genutzt, da sie eigentlich aus dem fernen Süden Mexikos stammten. Den Menschen von Paquimé gelang es trotz alle Widrigkeiten die seltenen Vögel, die eigentlich aus feuchtwarmen Tropenregionen stammen, hier erfolgreich zu züchten. 🦜
Ein kleines, aber feines Museum rundete unseren Besuch ab. Hier bewunderten wir unter anderem prächtig bemalte Keramikgegenstände, die die kunstvolle Handwerkskunst der ehemaligen Bewohner veranschaulichten. Die Stätte bot einen faszinierenden Einblick in eine Kultur, über deren Niedergang (wie so oft) leider wenig bekannt ist.
Welch unerwartet schönes Ende für unseren ersten Mexikoaufenthalt! 😊 Wir planen, Ende des Jahres noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, um die Wintermonate auf der Halbinsel Baja California zu verbringen. 🏝🌊🐳
Jetzt zieht es uns aber erst einmal weiter in den Südwesten der Vereinigten Staaten und wir sind gespannt, was das Land alles für uns bereithalten wird. Die Vorfreude ist groß wie selten und wir sind gespannt, ob unsere Erwartungen erfüllt oder gar noch übertroffen werden. Einen ersten Eindruck von den USA werde ich dann sicherlich schon im nächsten Beitrag vermitteln können – also bleib dran und schau nächste Woche wieder hier vorbei. 😉