Tag 1: Dem Popocatépetl so nah wie nie
Am Dienstag verließen wir nach einer Woche das magische Dörfchen Tepoztlán und machten uns auf den Weg zu einem Naturhighlight, das uns im Juli aufgrund schlechten Wetters und Regens verwehrt geblieben war: der Popocatépetl, der mit 5.426 Metern zweithöchste Berg Mexikos und ein aktiver Vulkan, der seinem Namen „rauchender Berg“ alle Ehre macht. 🌋
Bevor wir zum Besucherzentrum des Iztaccíhuatl-Popocatépetl-Nationalparks aufbrachen, stockten wir im Walmart unsere Vorräte auf. Schließlich wussten wir nicht, wie lange wir in dieser beeindruckenden Naturkulisse verweilen würden. Von 1.600 Metern und sommerlichen 28 Grad ging es über eine gut asphaltierte, kurvenreiche Straße hinauf auf 3.700 Meter.



Am Parkplatz des Visitor Centers angekommen, zeigte das Thermometer nur noch 14 Grad. Die kühle Bergluft machte uns sofort bewusst, dass wir uns in einer völlig anderen Klimazone befanden. Der Anblick des Popocatépetl war atemberaubend: Aus nächster Nähe wirkte der rauchende Vulkan noch imposanter, und der erloschene Schwestervulkan Iztaccíhuatl, dessen Name „schlafende Frau“ bedeutet, schien zum Greifen nah. In der Ferne zeichnete sich sogar die schneebedeckte Spitze des Pico de Orizaba ab – mit 5.636 Metern der höchste Berg Mexikos und ebenfalls ein erloschener Vulkan.
Mit freundlicher Genehmigung des wachhabenden Polizisten parkten wir unseren Van am äußersten Rand des Besucherparkplatzes. Von dort hatten wir durch unser Seitenfenster eine freie Sicht auf den rauchenden Popocatépetl und aus dem Beifahrerfenster auf die schlafende Schwester. Es fühlte sich an, als hätten wir uns zwischen diesen beiden Naturgiganten eingenistet – ein atemberaubendes Panorama, das uns sprachlos machte. 😮💨



Der Iztaccíhuatl-Popocatépetl-Nationalpark:
Der Nationalpark wurde bereits 1935 gegründet und zählt zu den ältesten Schutzgebieten Mexikos. Er umfasst eine Fläche von etwa 40.000 Hektar und beherbergt eine beeindruckende Artenvielfalt. Neben Pinien- und Eichenwäldern findet man hier auch alpine Vegetation. Die beiden Hauptattraktionen des Parks, der aktive Popocatépetl und der erloschene Iztaccíhuatl, sind eng mit der mexikanischen Mythologie verwoben. Der Legende nach handelt es sich bei den Vulkanen um zwei Liebende: den Krieger Popocatépetl und die Prinzessin Iztaccíhuatl, die im Tod vereint wurden.
Fun Fact: Der Popocatépetl ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Seit seiner letzten großen Eruption 1994 stößt er regelmäßig Rauch und Asche aus. Der Zutritt zu seinen Hängen ist aus Sicherheitsgründen streng verboten, während der Iztaccíhuatl bei Wanderern und Bergsteigern sehr beliebt ist.
Mit diesem perfekten Stellplatz und der einzigartigen Kulisse freuten wir uns darauf, die nächsten Tage in der Nähe dieser beeindruckenden Vulkane zu verbringen. 🤩
Tag 2: Vom Frost in die Sonne – Ein Wandertag im Nationalpark
Nach einer bitterkalten Nacht (das Innenraum-Thermometer zeigte morgens um 8 Uhr frische 5 Grad an, und unter dem Van hatten sich sogar Eiszapfen an der Wasserablaufstelle gebildet) starteten wir den Tag mit einem kleinen Ritual: Standheizung anwerfen! Ohne warme Hände und Füße wollten wir uns nämlich nicht an die Vorbereitung unserer Wanderrucksäcke machen.
Doch kaum war die Sonne aufgegangen, wärmte sie die Umgebung schnell auf und der Himmel präsentierte sich in einem strahlenden Azurblau – klarer und intensiver, als wir ihn je erlebt hatten. Die Aussicht auf Bewegung lockte uns, auch wenn ich noch mit den Nachwehen eines 30-minütigen HIIT-Workouts kämpfte, das ich zwei Tage zuvor aus der Laune heraus absolviert hatte. Mit steifen Oberschenkelrückseiten humpelte ich los, aber der Anblick der sanft im Wind wiegenden, goldfarbenen Gräser und der majestätischen Vulkane machte alle Beschwerden in Windeseile vergessen. 😍


Unsere kleine Wanderung führte uns etwa sechs Kilometer durch dichte Kiefernwälder, die immer wieder kleine Lichtungen freigaben. Nach gut einer Stunde erreichten wir die grüne Lagune, die vom Apatlaco-Fluss gespeist wird. Dort erwartete uns ein friedlicher Anblick: Die still daliegende Lagune war von bewaldeten Hügeln umgeben, und in der Ferne rauschte ein kleiner Wasserfall, dessen Gischt im Sonnenlicht einen Regenbogen formte.



Wir suchten uns ein Plätzchen am Ufer, ließen den Blick über die Wasseroberfläche schweifen und genossen diesen Moment der Freiheit. Ab und zu hüpfte eine große Forelle aus dem Wasser – ein faszinierender Anblick, auch wenn Angeln hier streng verboten war. 🎣🚫
Nach einem leckeren Vesper, bestehend aus selbst gebackenem Maisbrot mit Käse und Paprika, machten wir uns über den gleichen Waldweg auf den Rückweg. Am Parkplatz angekommen, begrüßte uns der Popocatépetl mit einer dichten, grauen Aschewolke – als wollte er uns daran erinnern, dass wir uns in seinem Reich befanden.
Was für ein unvergesslicher Tag voller Kontraste – vom eisigen Morgen bis zum wärmenden Sonnenschein, von anstrengenden Schritten bis zur völligen Ruhe am Wasser. 😊
Tag 3: Von der Stille des Vulkans und guten Neuigkeiten
Da wir hier oben jedoch keinerlei Internetempfang hatten und es im Visitor Center weder Mülleimer noch Toiletten, geschweige denn WLAN gab, beschlossen wir am Donnerstag, nach dem morgendlichen schwarzen Wachmacher, einige Kilometer den Berg hinabzufahren, bis mein Handy ein schwaches, aber stabiles LTE-Signal anzeigte. Wir warteten gespannt auf eine Antwort zu unseren zwei House Sitting Bewerbungen – und tatsächlich hatte sich eine der beiden Mädels bereits gemeldet. Sie fand unser Profil sehr passend und sagte, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen uns gebe. Sie würde uns am Wochenende gerne anrufen um zu sehen, ob sich das erste Bauchgefühl bestätigen würde. Was für eine großartige Nachricht am frühen Morgen! 😃
Wir hofften sehr, dass beim Telefonat Sympathie auf beiden Seiten entstehen würde, damit wir im Dezember nicht nur das schicke Heim von Claire, sondern auch ihre zwei niedlichen Katzen hüten dürften. So viel zu den guten Neuigkeiten. Doch bevor es weiterging, wollten wir noch die Kommentare zu unserem jüngsten YouTube-Video beantworten und die E-Mails checken, bevor wir wieder den Berg hinauf zum Parkplatz fuhren.
Für die zweite geplante, längere Wanderung war es inzwischen schon zu spät, also setzte sich Simon an den Laptop, um den nächsten Vlog zu schneiden, während ich endlich meinen lang ersehnten Marmorkuchen backen konnte. Es war windig und richtig böig – ideal, um einen ruhigen Tag im Van zu verbringen und auf besseres Wanderwetter am nächsten Tag zu hoffen. ☕️🍰


Am Abend jedoch reichte es noch für einen kurzen Spaziergang. Simon blieb im Van, und ich lief den 2 Kilometer langen Naturlehrpfad El Caracol ab. Dieser spiralförmige Naturlehrpfad, der wie ein Schneckenhaus von außen nach innen führte, überraschte mich immer wieder mit neuen, sensationellen Ausblicken:



Obwohl ich den rauchenden Vulkan eigentlich im Rücken vermutete tauchte er plötzlich, wie aus dem Nichts, vor mir auf. Es war ein atemberaubender Anblick! Besonders bemerkenswert war die Stille, die hier herrschte: Außer dem sanften Rauschen des Windes und dem Knacken der Kiefernnadeln unter meinen Schuhen war rein gar nichts zu hören. Diese Stille zog sich durch die ganze Nacht. Ich wachte mitten in der Nacht auf und lauschte nach außen: Wie sehr wir uns in den vergangenen 12 Monaten in Zentralamerika und Mexiko doch an Umgebungsgeräusche gewöhnt hatten! In der Regel fährt immer irgendwo ein Auto, knattert ein Truck, bellen Hunde oder dröhnt Musik – aber hier, am Popocatépetl, herrschte eine absolute, wohltuende Stille. 😴
Tag 4: Wandern im Schatten des Vulkan Popocatépetl
Am Freitag schnürten wir dann noch einmal die Wanderstiefel und machten uns bereit für einen etwa 10km langen Rundweg. Dieser führte zuerst sanft, aber stetig bergauf. Den erloschenen, in der Sonne rot glühenden Iztaccíhuatl stets vor Augen und den Aschewolken produzierenden Popo im Rücken. Nach etwa der Hälfte des Weges änderte sich die Richtung und ab jetzt hatten wir den rauchenden Berg immer im Blick. 🤩 Der Himmel war neuerdings Stahlblau und ohne eine einzige Wolke am Himmel, mit Ausnahme der vom Vulkan produzierten Rauchfahne. Auch die Schneekuppe des Pico de Orizaba war in der Ferne, hinter den grünen Kiefern und den goldfarbenen, dichten Grasbüscheln, deutlich zu erkennen. Dank des sonnigen Wetters konnte ich selbst auf fast 4.000 Metern Höhe problemlos im T-Shirt wandern. Nur sobald man Pause machte musste man, auf Grund des leichten aber permanenten Windes, sofort ein Jäckchen überziehen. Schöner und spektakulärer kann wandern kaum sein. Und am Abend, zurück im Van, stellte ich dann nach 28 Monaten leben im Van fest, dass der Brausekopf unserer Dusche bis zum gegenüberliegenden Spülbecken reicht. 😅Somit kann ich, trotz kaputter Duschwanne, im Van meine Haare waschen. Vorausgesetzt, Simon bedient auf mein Kommando hin die Armatur in der Dusche. Man lernt einfach nie aus und kommt immer wieder auf neue Ideen…. 😄



Nächste Woche geht unsere Reise durch Mexiko weiter. 🇲🇽🚐💨 Bis dahin wünschen wir euch eine gute Zeit und sagen Danke fürs Reinschauen. ♥️
Entdecke mehr von Vanlife & Reisen
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.