Im Bann des Día de los Muertos in Pátzcuaro
Noch ohne neuen Handyakku, aber mit umso mehr Vorfreude im Gepäck, fuhren wir voller Erwartungen nach Pátzcuaro am Pátzcuaro See. Diese Region im Bundesstaat Michoacán gilt neben Oaxaca als der Ort, um den Día de los Muertos in möglichst authentischer und spiritueller Form zu erleben, da hier besonders viele indigene Purépecha leben. Ganz klar: das wollten wir nicht verpassen!
Wir waren uns sicher, dass wild stehen im Trubel schwierig sein würde, und steuerten daher gleich den Campingplatz Hotel und RV Park Pátzcuaro an.


Kaum angekommen, wurden wir auch schon herzlich begrüßt – von einem deutschen Ehepaar, das mit seinem Iveco Daily seit fast einem Vierteljahrhundert durch die Welt tuckert 🌎🚐. Ihre Erzählungen von abenteuerlichen Reisen nach Indien, Nepal sowie Süd- und Nordamerika machten sofort neugierig – Gesprächsstoff für die kommenden Tage war also garantiert!

Blütenteppiche und erste Eindrücke in Pátzcuaro
Unser Camper stand oberhalb der beiden deutschen Weltenbummler und wir freuten uns über das gepflegte Gelände, heiße Duschen und ziemlich passables WLAN 🛀📶. Das Zentrum von Pátzcuaro, das als magisches Dorf gilt, lag nur zwei Kilometer entfernt, ideal für einen gemütlichen Spaziergang! Dort angekommen herrschte reges Treiben: an der Plaza schmückte man den Brunnen mit den leuchtend-orangenen Ringelblumen, die den Seelen der Verstorbenen den Weg zurück zu ihren Familien weisen sollen 🌼💀. Auch viele Türen waren bereits mit diesen Blüten dekoriert – der ganze Ort erstrahlte in festlichem Glanz. Bei einem Café con leche genossen wir die Atmosphäre und beobachteten das bunte Treiben.





Von Booten und traditionellen Köstlichkeiten
Am nächsten Tag liefen wir zum Bootsanleger denn wir hatten gehört, dass die Nacht der Toten auf den Inseln La Pacana und Janitzio besonders stimmungsvoll gefeiert wird – mit unzähligen Kerzen, die die Friedhöfe in magisches Licht tauchen sollen ✨🕯️. Bereits am Pier wehte uns der Duft von kleinen frittierten Stichlingen um die Nase, und wir probierten neugierig einen Becher der knusprigen Fischlein 🐟. Nachdem wir uns über Bootspreise und Fahrpläne informiert hatten, stand fest: Hier werden wir später noch mal herkommen.


Abends, bei Dunkelheit, liefen wir zusammen mit einem österreichischen Paar, das mit seiner ausrangierten mexikanischen Ambulanz ebenfalls bei uns auf dem Campingplatz stand, zurück zum Anleger. Dort gab es Volkstanzgruppen und Musik, die das typische Leben am See in all seinen Facetten widerspiegelten.


Ein Treffen der Generationen – Geschichten von Weltenbummlern
Den Folgetag verbrachten wir entspannt am Campingplatz, wo wir Barbara und Uli, das 82-jährige Ehepaar aus Hude bei Oldenburg, bei Kaffee und Kuchen näher kennenlernen durften ☕🍰. Die beiden sind noch erstaunlich fit und sprühen vor Lebensfreude. Seit über 30 Jahren begleitet sie ihr treuer Iveco Daily, den sie bereits in den frühen 90ern zu ihrem rollenden Zuhause ausbauen ließen. Mit strahlenden Augen erzählten sie von ihren Touren und wie sie schon in den 80ern mit ihren Kindern Europa bereisten – auch bis nach Russland. Später, als sie mit 62 Jahren in Rente gingen, entschieden sie sich, ihrem Reisefieber freien Lauf zu lassen. In den letzten zehn Jahren ließen sie den Iveco immer in Mexiko zurück, wenn sie in Deutschland ihre Kinder, Enkel und Ur-Enkel besuchten. Entsprechend viele wertvolle Tipps hatten die Beiden für uns auf Lager. ☺️ In wenigen Wochen werden sie sich schweren Herzens von ihrem treuen Gefährt trennen und ihr Wohnmobil verkaufen. Aber das soll noch lange nicht das Ende ihrer Reiseträume sein, denn auf der Liste steht unter anderem noch eine Reise mit dem Mietwagen durch Namibia. 😅 Ihre Leidenschaft für das Reisen war einfach ansteckend uns sehr inspirierend. 🚐❤️
Nachfolgend ein Link zu einem Zeitungsbericht über die Zwei erfahrenen Weltenbummler ➡️ https://www.nwzonline.de/hude/und-alle-wege-fuehren-nach-hude_a_6,1,3406845980.html

Der Höhepunkt: Noche de los Muertos
Am Freitag, dem 1. November, begann dann endlich das Spektakel, auf das wir uns seit Wochen gefreut hatten. Bereits am Vortag waren die Boote auf die Inseln überfüllt gewesen weshalb wir einem Tipp der Campingplatz-Besitzerin folgten und stattdessen die umliegenden Dörfer mit ihren traditionellen Friedhöfen besuchten. Mit einem öffentlichen Minibus fuhren wir ins 17 km entfernte Erongarícuaro.


Dort angekommen, wurden wir sofort von einer Prozession empfangen: Ein Holzpferd samt hölzernem Reiter mit rotem Umhang und Schwert führte die Gruppe an, gefolgt von Dorfbewohnern, die in die Kirche gingen um den Segen des Pfarrers zu erhalten 🙏. Nach der Segnung folgte die gesamte Gruppe dem Pastor, hinaus auf den großen Kirchplatz, wo er aus einem Jutesäckchen heraus Süßigkeiten an die Kinder verteilte. Mich erinnerte dies unweigerlich an Sankt Martin aber vielleicht verbargen sich dahinter auch völlig andere Glaubenssätze. ✝️


Am Friedhof angekommen, schlenderten wir durch die Reihen von kunstvoll dekorierten Gräbern, jedes ein kleines Meisterwerk aus Blumen und Kerzen. Die Feierlichkeiten hier waren unglaublich bewegend und gleichzeitig sehr familiär sowie fröhlich.

Die Gräber waren üppig mit Blumen und Kerzen geschmückt und überall leuchtete es in Orange und warmen Gelbtönen 🌺🕯️. Angehörige saßen mit Stühlen und Decken neben den Gräbern, sprachen mit den Seelen ihrer Verstorbenen und erzählten ihnen von ihren letzten Erlebnissen – so, als wären sie nie fort gewesen. Es war ein berührender und zugleich friedlicher Anblick während auf der großen Bühne an der Plaza neuerdings traditionelle Tanz- und Musikgruppen wirbelten. Wir hörten noch ein Weilchen den Bands zu und aßen einen Burrito, bevor wir uns gegen 21:30 Uhr mit dem letzten Colectivo zurück nach Pátzcuaro begeben mussten, denn später fuhren keine Minibusse mehr und die Taxpreise waren uns zum einen zu teuer und zum anderen war uns das Risiko schlichtweg zu hoch, in dieser abgelegenen Ortschaft spät in der Nacht kein Taxi mehr zu bekommen. 🚕

Offene Türen, offene Herzen
Zurück in Pátzcuaro wollten wir zum städtischen Friedhof, um die besondere Atmosphäre der Nacht zu erleben. Der Weg führte uns an zahlreichen offenen Hoftoren vorbei, die den Blick auf liebevoll aufgebaute Ofrendas freigaben. Eine Ofrenda ist ein geschmückter Altar, der den Verstorbenen gewidmet ist. Sie sind reich mit Fotos, Lieblingsspeisen und Getränken dekoriert – all das, was die Verstorbenen im Leben geliebt haben 🍲🍷.


Eine Familie lud uns sogar herzlich zu ihrer Ofrenda ein, wo wir mit heißem Früchtepunsch und Geschichten über die Verstorbenen begrüßt wurden. Während ein Mariachi aufspielte, erzählte man uns voller Stolz von den langjährigen Traditionen und den besonderen Bindungen zur Ahnenwelt. Es war ein feierlicher Moment der Dankbarkeit und Verbundenheit, den wir so schnell nicht vergessen werden. 💕



Feierliches Treiben in Tzurumútaro
Am 2. November, dem eigentlichen Höhepunkt der Feierlichkeiten, machten wir uns mittags auf den Weg in den kleinen Vorort Tzurumútaro – diesmal mit unseren Fahrrädern. Schon von weitem erkannten wir den festlichen Anblick des Friedhofs, auf dem eine lebendige und gleichzeitig ehrwürdige Atmosphäre herrschte 🚴🌸. Die Angehörigen der Verstorbenen hatten sich mit Campingstühlen und reichlich Essen um die Gräber versammelt und wirkten, als seien sie bereit für ein geselliges Familienpicknick. Dabei spürte man, wie tief sie daran glaubten, dass die Seelen ihrer geliebten Verstorbenen an diesem Tag tatsächlich unter ihnen weilten.



Die Gräber waren prachtvoll geschmückt, und überall dominierte das kräftige Orange der Ringelblumen. Hier und da fanden sich die Lieblingsspeisen und -getränke der Verstorbenen, sorgsam auf den Gräbern arrangiert – eine Geste, die für uns so symbolträchtig wie berührend war 🍲🍷.

Wir wurden freundlich gegrüßt und angelächelt, während wir die Szenerie filmten und fotografierten 📸. Niemand schien sich daran zu stören, dass wir das festliche Treiben dokumentierten – ganz im Gegenteil! Es schien, als würden sich die Menschen sogar freuen, ihre Traditionen mit uns teilen zu können. Die Vorstellung, wie das Ganze wohl in der Nacht ausgesehen hatte, wenn all die vielen hundert Kerzen auf den Gräbern leuchteten, war unbeschreiblich. 🌟🕯

Wir verließen den Friedhof glücklich und erfüllt, dankbar, dass wir an diesem einzigartigen Tag an einem Ort sein durften, an dem die Día de los Muertos-Tradition so liebevoll und authentisch gelebt wird.
Ein Besuch auf der Insel Janitzio und Abschied von Pátzucaro
Ein paar Tage nach dem Trubel, als der Campingplatz sich wieder leerte, wagten wir dann doch noch eine Bootstour auf die Insel Janitzio. Obwohl die Fahrt schön und die Aussicht über den See beeindruckend war, reihte sich auf der Insel ein Souvenirstand an den anderen. Der Blick von der 40 Meter hohen Statue des Freiheitskämpfers José Maria Morelos war jedoch lohnenswert. Wir erklommen die schmale Wendeltreppe, die bis hinauf in die ausgestreckte Faust der Statue führte, von wo aus wir den weiten Rundumblick auf den See und die fünf Inselchen genießen konnten 🌅🌬️.






Zurück am Campingplatz ließen wir die vergangenen Tage Revue passieren und verarbeiteten unsere Eindrücke nicht nur in diesem Blog-Beitrag, sondern auch für unseren YouTube und Instagram Kanal. Der neue Handyakku? Leider nie angekommen. Der Händler in San Miguel hatte uns über drei Wochen lang hingehalten. Ob wir nun in Mexiko noch einen letzten Versuch starten oder es bis Deutschland mit unserer Intenso-Powerbank durchziehen – das bleibt vorerst ungewiss. Auch über die nächste Route wird noch eifrig beratschlagt. Aber dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag! 😉


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