Ein wahrer Glücksgriff
Der Stellplatz-Tipp der Argentinier sollte sich als wahrer Glücksgriff erweisen. Nicht nur, dass wir endlich mal wieder frei und einsam in der Natur standen, mitten in einem schattigen Wäldchen an einem lautstark rauschenden Bach, sondern vielmehr, dass sich der nur wenige 100 Meter entfernt gelegene Wasserfall El Chuveje als eines unserer absoluten Top-Highlights in ganz Mexiko erweisen sollte.


Der Weg zum Wasserfall El Chuveje
Am nächsten Morgen machten wir uns zu Fuß auf und wir waren erstaunt, dass an einem solch abgelegenen Ort dennoch 80 Pesos Eintritt kassiert wurden. Nachdem wir die Gebühr bezahlt hatten, spazierten wir zuerst durch ein halbschattiges Stück Wald, bis wir kurz darauf den Flusslauf erreichten. Was wir dort sahen, verschlug uns den Atem: Der Fluss war nicht nur gletscherblau, sondern vor allem kristallklar und man konnte jedes noch so kleine Körnchen auf dem Grund des Bodens erkennen. Wahrscheinlich deshalb entdeckten wir auch relativ schnell die kleinen, quietschgelben und grünen Fröschchen. Solch bunte Frösche hatten wir nicht einmal in Costa Rica zu Gesicht bekommen! 🐸






Natürliche Badepools und seltene Axolotl
Wir liefen weiter den Flusslauf entlang, der sich immer wieder über kleine Stufen in traumhaft schöne, verlockend aussehende natürliche Badepools ergoss. Diese hätten die perfekte Tiefe für eine entspannte Badeeinheit gehabt! Wäre das Wasser bloß nicht so kalt gewesen… 🥶 Wir konnten uns an der wundervollen Natur gar nicht sattsehen und machten viele schöne Aufnahmen.

Kurz vor dem Wasserfall erspähte Simon mit Adleraugen dann noch etwas richtig Grandioses: zwei seltene und vom Aussterben bedrohte Axolotl, die tatsächlich nur in Mexiko heimisch sind und über wundersame Reproduktionsfähigkeiten verfügen. So können sie nicht nur abgestorbene Gliedmaßen nachwachsen lassen, sondern sogar Teile ihres Herzens oder Gehirns. Ich war ganz aus dem Häuschen, dass wir ein solches Glück gehabt hatten, diese scheuen Grottenolme zu Gesicht zu bekommen und der wundervolle Wasserfall setzte dem Ganzen die Krone auf. 👑



Genuss und Weiterfahrt nach Pinal de Amoles
Wieder zurück am Van verspeisten wir genüsslich meine selbst gebackenen Schoko-Erdnuss-Muffins und entschieden uns dann doch noch spontan zur Weiterfahrt.

Bis in das Pueblo Mágico Pinal de Amoles waren es nur wenige Kilometer, und zum Glück meisterten wir den holprigen Erdweg von unserem Stellplatz zurück zur Landstraße erneut mit Bravour. Auch die Stellplatzsuche in dem kleinen verschlafenen Nest gestaltete sich nicht ganz einfach, denn die Straßen waren einmal mehr extrem steil und eng sodass wir unsere liebe Not hatten, einen ebenen Parkplatz zu finden, um halbwegs gerade schlafen zu können – ohne dass uns im Schlaf das Blut in den Kopf schießt. Schlussendlich hatten wir aber doch noch Dusel und fanden den perfekten Platz für uns. In dem kleinen Bergdorf auf rund 2.000 m Höhe kehrte am Abend auch relativ schnell Ruhe ein und ich glaube, ab 19:00 Uhr fuhr kein einziges Auto mehr an unserem Wohnmobil vorbei. 😅

Erkundung von Pinal de Amoles
Entsprechend ruhig war die Nacht und wir starteten energiegeladen am nächsten Tag unseren Erkundungsgang durch das nette Dörfchen. Viel mehr als eine schmucke, urige Plaza mit hübscher Kirche in den traditionellen Farben Gelb und Rot sowie einem Denkmal, das an die Bergarbeiter erinnerte, die hier im 16. Jahrhundert gelebt und gearbeitet hatten, gab es jedoch nicht zu sehen. Vielleicht noch ein paar nette Wandmalereien und hübsche, bunte Häuschen.








Im Gegensatz zu Jalpan de Serra, einem anderen magischen Dörfchen, das wir wenige Tage zuvor besucht hatten, erschien dieser Ort wirklich zu 100 % ursprünglich und als hätte er vor 80 Jahren schon genauso ausgesehen. So verließen wir bereits am Vormittag Pinal de Amoles wieder und machten uns neuerdings über holprige, steile Wege auf den Weg zum Mirador Cuatro Palos. Dieser war uns von einem Einheimischen empfohlen worden. Ein weiterer Ort, der in keinem klassischen Reiseführer zu finden ist. 🗺
Der Mirador Cuatro Palos
Kurz nach 14:00 Uhr erreichten wir unser Ziel, das sich am höchsten Punkt der Sierra Gorda auf sage und schreibe 2.700 m Höhe befand. Der höchste Ort, an dem wir bis dato in Mexiko waren! Mit freundlicher Genehmigung des Grundstücksinhabers parkten wir unseren Bus direkt neben den eingezeichneten Parkplätzen für Transporter, denn alle anderen Parkplätze wären mal wieder zu krumm gewesen, als dass wir dort ordentlich hätten nächtigen können. Die Fernsicht über die vielschichtigen Bergketten hinweg war an diesem sonnigen Samstagnachmittag grandios, aber die Temperaturen waren mit nur 15 °C empfindlich frisch. Kaum zu glauben, dass wir noch vor wenigen Tagen im schwül-warmen Flachland geschwitzt hatten! 😮



Kalte Nächte und frühe Morgenstunden
In der Nacht fielen die Temperaturen sogar auf nur noch 7 °C, und ich schlief zum ersten Mal seit Ewigkeiten mit langer Hose. Als früh morgens um 05:45 Uhr der Wecker klingelte, mussten wir uns ebenfalls entsprechend warm anziehen: Mit Handschuhen, Wollmütze und Steppweste ausgerüstet machten wir uns wenig später auf den kurzen Wanderweg zum Mirador.

Wir staunten nicht schlecht, als wir die vielen Sprinter und Minibusse entdeckten, die sich in den frühen Morgenstunden hier um uns herum eingefunden hatten! Kein Wunder, dass man uns dort nicht hatte parken lassen… Entsprechend voll war es auch am Aussichtspunkt was sicherlich an der Tatsache lag, dass mal wieder Sonntag war. 🙈 Zu unserer Verwunderung waren die verschiedenen View Points durch Seile voneinander abgetrennt und lokale Guides sorgten dafür, dass die Reisegruppen immer nur schubweise bis zum vordersten vorrückten. Die Aussicht auf die grünen, schier endlosen Bergrücken, die sich so früh am Morgen noch in den Wolken befanden, die uns zu Füßen lagen, war trotz fehlender Sonne spektakulär. Es sah aus, als würden die Berggipfel wie Inseln im Meer durch die Wolken ragen. ⛰🌥





Nach geraumer Zeit wurde es uns aufgrund mangelnder Bewegung schlichtweg zu kalt und wir entschieden den vordersten View Point, der sich nur durch eine Mexiko-Flagge auszeichnete, ausfallen zu lassen und stattdessen zurück zum Van zu kehren. Dort angekommen, kauften wir bei einem kleinen und einfachen Straßenstand gegenüber einen heißen Café de Olla und dazu zwei Tamales. Bei Tamales handelt es sich um Maisbrei, der im Maisblatt eingewickelt gekocht wird. Bis dato hatten wir damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht, weil es immer recht fade geschmeckt hatte. Diesmal waren aber beide Varianten extrem lecker und sehr würzig, sowohl die Tamales con Pollo als auch die con queso. 😋

Aufgewärmt und gut gestärkt machten wir uns bereits gegen 09:00 Uhr auf den anspruchsvollen Rückweg zurück zur Landstraße. Über diese fuhren wir noch etwa 90 Kilometer weiter bis zu einem neuerdings magischen Dorf: San Joaquín. Auch hier fanden wir einen wundervollen Stellplatz vor, erneut mitten in der Natur am Rande des Ortes vor den Toren des Nationalparks Campo Alegre.
Unruhige Nächte und strahlende Tage
Die Nacht in dem idyllisch erscheinenden Wäldchen war deutlich unruhiger als gedacht. Zuerst geriet eine Gruppe vermeintlicher Freunde, die zuerst gemeinsam mit lauter Musik an einer gegenüberliegenden Grillstelle gefeiert hatten, aneinander. Das Ganze entwickelte sich zu einer lautstarken Keilerei, nur wenige Meter von unserem Van entfernt. Als gegen 23 Uhr endlich Ruhe eingekehrt und wir wieder eingeschlafen waren, schreckten wir kurz darauf erneut aus dem Schlaf auf, als in der Dunkelheit ein Auto ebenfalls nur wenige Meter hinter unserem Van parkierte. Wieso, weshalb und warum? Keine Ahnung! Vielleicht haben die Insassen nur einen Joint geraucht oder wer weiß was getrieben, aber auf jeden Fall blieb ein komisches Gefühl und es stand für uns beide fest, dass wir hier keine weitere Nacht verbringen wollten. ❌
Dafür entschädigte uns der nächste Morgen mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, weshalb es bereits am frühen Vormittag angenehm warm war. Nach einer Runde Yoga und einem schnellen Müsli-Frühstück packten wir unsere sieben Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zur archäologischen Städte Las Ranas. Diese beeindruckende Stätte, die aus der präkolumbianischen Zeit stammt, war ein wichtiger Ort für die frühesten Bewohner der Region und bietet eine Vielzahl von Ruinen und Skulpturen, die Einblicke in die lokale Kultur und Geschichte geben.


Die Zufahrt war gar nicht so leicht zu finden, und als wir dann endlich auf dem richtigen Weg waren, standen wir schlussendlich vor verschlossenen Türen! Obwohl auf dem Schild stand, dass die Stätte von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet sei. Wir entschlossen kurzerhand, über das niedrige Gatter zu klettern. Doch nur wenige 100 Meter weiter standen wir erneut vor einem großen, verschlossenen Tor. 🔒 Also blieb uns nichts anderes übrig, als kehrt zu machen und stattdessen das kleine magische Dörfchen San Joaquin zu erkunden.

Buntes Treiben in San Joaquin
Dieses charmante Dorf entschädigte für die entgangenen Ruinen mit seinen bunten Hausfassaden und den liebevoll geschmückten Gassen. Es herrschte eine sehr entspannte Atmosphäre und das Musikmuseum, das sogar kostenfrei war, war wirklich nett anzusehen. Es dokumentierte die Traditionen des entlegenen Dorfes, in dem alljährlich im April die Huapango Tanz Festivitäten stattfinden: eine lebhafte Feier mit traditioneller Musik und Tanz, die tief in der Kultur der Region verwurzelt ist. 🎻






In einem kleinen Lebensmittelladen kauften wir einige Snacks ein und freuten uns über die günstigen Preise, bevor wir zur nahegelegenen Höhle Gruta Las Herrera aufbrachen. Diese hatte zum Glück sieben Tage die Woche geöffnet und für gerade einmal 50 Pesos, was 2,50 € entspricht, durften wir die Tropfsteinhöhle betreten.
Die faszinierende Welt unter der Erde
Die Höhle war wunderschön ausgeleuchtet und zu unserer Überraschung sogar gut angelegt samt Treppenstufen, Geländer und betonierter Laufwege. Allerdings war die Höhle recht klein und wir hatten unseren Rundgang relativ schnell beendet.
Da der Schlafplatz im Wald nicht getaugt hatte und der Tag noch jung war, fuhren wir weiter nach Cadereyta de Montes, einem weiteren magischen Dörfchen auf der malerischen Route durch die Sierra Gorda.


Auf der Fahrt legten wir eine kurze Pause ein, um noch einmal die herrliche Landschaft zu genießen und dabei eine Rarität zu verspeisen: Käsekuchen! Diesen hatten wir zuvor in einer Bäckerei im Ort entdeckt und er schmeckte so vorzüglich, wie er aussah. 😋

Am späten Nachmittag kamen wir an unserem Tagesziel an. Unseren Bus parkten wir etwas außerhalb vom Zentrum des schmucken Dörfchens, unweit der beiden botanischen Gärten, die wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Wir unternahmen noch einen kleinen Abendspaziergang und was wir dabei sahen, gefiel uns außerordentlich gut. Die beiden Kirchen an der Plaza schimmerten im Licht der untergehenden Sonne in ihren gelb-roten Farben, und auch die Plaza an sich mit ihrem Kiosco war tipptopp herausgeputzt. Selbst die Kunsthandwerkerstände, die um diese Zeit jedoch bereits geschlossen hatten, waren allesamt hübsch und identisch hergerichtet.








Wunderlich war nur, dass kaum eine Menschenseele auf der riesigen Plaza zu sehen war. Wir streunten noch ein wenig kreuz und quer durch die Gassen, schnappten uns bei einer Taqueria leckere Gorditas auf die Hand und beendeten damit diesen schönen Tag. 🌟

Botanische Wunder und Schlangen
Am nächsten Morgen machten wir uns auf, um den botanischen Garten zu besichtigen. Dieser lag praktischerweise nur 800 Meter von unserem Stellplatz entfernt, sodass wir problemlos zu Fuß dorthin laufen konnten. Erfreulicherweise wurde auch kein Eintritt verlangt und dennoch war eine 40-minütige Führung mit Guide inkludiert. Dank dieser erhielten wir zahlreiche interessante Fakten: Zum Beispiel, dass der botanische Garten seit 1991 existiert und sich zum Ziel gesetzt hat, bedrohte Pflanzenarten zu schützen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Die nette junge Dame erklärte uns den Aufbau der terrassenförmig angelegten Beete, die die Pflanzenvielfalt der Sierra Gorda und somit des Bundesstaates Querétaro widerspiegelten. Im untersten Beet waren beispielsweise Pflanzen aus dem Tiefland dargestellt, wie sie in Jalpan de Serra wachsen und weiter oben Kakteen und Sukkulenten aus dem Hochland rund um Peñal de Amoles, das auf etwa 3.000 m über dem Meeresspiegel liegt. Und, wer hätte es gedacht: Mexiko beheimatet weltweit die meisten verschiedenen Kakteenarten. 🌵🤠





Nach dem geführten, informativen Rundgang blieb noch genug Zeit, um das weitläufige, 10 Hektar große Gelände auf eigene Faust zu erkunden. Eine graue, große Erdnatter jagte mir einen ordentlichen Schreck ein, als sie vor mir über den Weg huschte. Vermutlich hatte sie sich mindestens genauso sehr erschrocken, wie ich mich!

Wir leisteten noch eine kleine Spende, indem wir einen hübschen kleinen Kaktus adoptierten, wobei adoptieren eigentlich das falsche Wort dafür ist, denn man erwirbt die Kakteen käuflich und darf sie mit nach Hause nehmen – in einem mit Zertifizierungsnummer versehenen Becherchen, sodass der Nachweis sichergestellt ist, dass der Kaktus auch aus offizieller Zucht und nicht aus illegalem Handel stammt. 👍

Der Weg nach Bernal
Von dort aus ging es weiter – wie sollte es auch anders sein – in das nächste magische Dörfchen, und zwar nach Bernal. Der Ort lag nur 17 km von Cadereyta de Montes entfernt und weiß mit einem massiven Monolithen zu überzeugen, der sich 400 Meter über das kleine Örtchen erhebt. Der Monolith entstand vor rund 100 Millionen Jahren durch Vulkanaktivität und ist der drittgrößte Monolith, nach dem Gibraltar-Felsen und dem Zuckerhut in Rio de Janeiro, den wir auf unserer Reise ebenfalls schon bewundern und besteigen durften. 🥳
Bevor wir uns aufmachten, das koloniale Ortszentrum und den mächtigen Felsen genauer zu erkunden, verbrachten wir jedoch einen arbeitsreichen Tag beim Hotel Zacualli, das freundlicherweise auch Camper auf seinem Parkplatz im Innenhof empfängt. Neben einer sicheren Herberge bietet das Hotel vor allem superschnelles WLAN, richtig heiße Duschen und einen netten Garten samt Pool zum Entspannen. 😊



Du willst die grandiose Aussicht von dem Monolithen nicht verpassen und wissen, wieso wir schon wieder Technik-Probleme zu beklagen haben? Dann vergiss nicht, kommende Woche wieder auf unserem Blog vorbeizuschauen. 💌
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