Abschied von Rincon de Luna
Nach exakt einer Woche war es an der Zeit, unseren wunderschönen und idyllischen Campingplatz Rincon de Luna zu verlassen. Über die MEX 70D machten wir uns auf den Weg nach Tamasopo und waren baff, als sich auf der gerade einmal 90 km langen Fahrtetappe die Landschaft deutlich veränderte. Zuerst fuhren wir durch üppig grünen Nebelwald, bis es dann plötzlich rapide bergab auf nur noch 400 m über Meeresspiegel ging. 😮 Hier verwandelte sich die Landschaft in eine tropische Oase: Endlich waren auch mal wieder Bananenstauden zu sehen! Da wir zuvor noch einen Einkaufsstopp einlegen mussten, erreichten wir unser Ziel erst am späten Nachmittag, was sich aufgrund der schwül-warmen Temperaturen als Vorteil erwies. Wir parkten unseren Van auf dem Festplatz-Gelände das, wie es schien, schon seit langem nicht mehr genutzt wurde. Glücklicherweise kühlte es nach Einbruch der Dunkelheit relativ schnell ab und wir verbrachten ungestört eine ruhige Nacht – sogar ganz ohne Hundegebell. 🌙

Erfrischende Wasserfälle
Zeitig am nächsten Morgen steuerten wir die nur etwa 800 m von unserem strategisch gut gewählten Stellplatz entfernten Wasserfälle Tamasopo an. Wir bezahlten umgerechnet acht Euro Eintrittsgebühr plus noch einmal fünf Euro für den Parkplatz, frühstückten dort und richteten dann unsere Badesachen. 👙🩳 Dank der Tatsache, dass Donnerstag war, war das beliebte Badeausflugsziel bei unserer Ankunft nur wenig besucht. Wir staunten nicht schlecht über die Wassermassen, die sich über die zahlreichen Kaskaden in die natürlichen Badebecken ergossen. Das Wasser war blau und kristallklar, allerdings auch recht frisch – was bei den schwül-warmen Außentemperaturen jedoch ganz angenehm war. 😎 Das Gelände war wundervoll angelegt, mit herrlich tropischen Pflanzen und diversen coolen Klettermöglichkeiten sowie Balanceakten über den Fluss hinweg sowie Sprungmöglichkeiten in die tieferen, natürlichen Pools. Wir verbrachten den halben Tag dort und gegen Mittag füllte sich das Gelände dann etwas mehr. Irgendwann hatten wir genug von der Faulenzerei und entschieden uns am Nachmittag zur Weiterfahrt. 🚐💨






Auf zur nächsten Etappe
Über Ciudad Valles wollten wir etwa 100 km bis zu einer Tankstelle fahren. Zu unserem großen Schrecken ging es während der Fahrt immer weiter bergab, bis wir plötzlich fast auf Meereshöhe in einer üppig grünen, dichten Dschungellandschaft waren, die uns einmal mehr an Thailand erinnerte. Für die kurze Strecke wurden auch mal wieder schlappe 15 € Mautgebühr fällig. 😬 Als wir die anvisierte Tankstelle gegen 18:00 Uhr erreichten, konnten wir dort jedoch keinen geeigneten Parkplatz für die Nacht finden. Außerdem war es noch unerträglich warm. Bei dem Versuch, an einem etwas abgelegenen Wasserhahn unseren Tank aufzufüllen, scheuchten wir wohl ein Bienennest auf und der arme Simon wurde ins Ohr gestochen. 🐝🤕 Wir ergriffen, immer noch mit leeren Wassertank, die Flucht und steuerten das Hoya de las Huahuas an, welches wir eigentlich erst am darauffolgenden Nachmittag hätten besuchen wollen. Glücklicherweise lag dieses bei Touristen relativ unbekannte Naturphänomen nicht mehr weit von der Tankstelle entfernt, sodass wir den Ort noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Ich erkundigte mich bei der Rezeptionistin, ob wir freundlicherweise auf dem Parkplatz an der kaum befahrenen Straße nächtigen dürften und ob dies sicher sei. Sie bejahte und erzählte mir, dass hier bereits einige Wohnmobilreisende gut übernachtet hätten.

Zum Glück gab es, trotz des tropischen Urwalds, erstaunlicherweise kaum Moskitos, sodass wir unseren Van noch relativ lange durchlüften konnten – unter anderem dank unseres selbst gebastelten Moskitonetzes.
Vogelbeobachtungen im Hoya de las Huahuas
Die darauffolgende Nacht war, nicht zuletzt dank unseres Deckenventilators, relativ gut aber dennoch sehr kurz, denn bereits um 04:50 Uhr riss uns das Klingeln des Weckers unsanft aus unseren Träumen. ⏰ Bei dem besagten Naturwunder handelte es sich nämlich um ein 500 m tiefes Sinkloch mit einem Durchmesser von 90 m, in dem abertausende Schwalben und kleine grüne Sittiche ihr Zuhause haben. Ähnlich wie im Sima de las Cotorras, dass wir vor wenigen Monaten ganz im Süden Mexikos besuchen durften. Da die Vögel bereits mit den ersten Tageslichtstrahlen ihr Nachtlager verlassen, mussten wir in aller Herrgottsfrühe – noch in der rabenschwarzen Nacht – mit Stirnlampen bewaffnet dorthin aufbrechen. Wir stapften etwa 30 Minuten durch den Wald und verfehlten anfangs den richtigen Weg. Zum Glück waren wir früh genug aufgebrochen und schafften es, trotz unseres Irrwegs, noch rechtzeitig zum Krater. 🦜

Keine 10 Minuten später war das erste lautstarke Geschnatter aus der Tiefe zu vernehmen und kurz darauf erhoben sich hunderte kleine schwarze Schwalben in spiralförmigen Bewegungen, ähnlich eines Tornados, in den Himmel. 🌪 Die Fluggeräusche der Schwärme waren atemberaubend! Kaum waren die Schwalben ausgeflogen, folgten kleine grüne Sittiche, die deutlich besser anhand ihrer hellen Farbe zu erkennen waren als die schwarzen Schwalben.

Wir genossen das Spektakel in aller Ruhe und erst als alle Vögel die Höhle verlassen hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Rückweg zurück zum Parkplatz.

Quinta Carolina und neue Bekanntschaften
Dort angelangt, gab es erst einmal einen heißen Kaffee und dazu jeweils einen großen, leckeren selbstgemachten Butterkeks 🍪☕, den wir am Tag zuvor auf dem Parkplatz der Tamasopo-Wasserfälle von einem netten, fliegenden Händler geschenkt bekommen hatten. Auch eine kleine, süße Hündin war mal wieder mit von der Partie und freute sich über die Milch, die beim Öffnen nicht mehr ganz so gut gerochen hatte. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung zu einem neuerdings wunderschön angelegten Campingplatz: Die Quinta Carolina befand sich in einem tropisch dicht grünen privaten Wäldchen und bot neben Stellplätzen für Camper auch kleine Ferienunterkünfte. Der Clou war aber der türkisblaue Fluss, der uns exakt eins zu eins an einen sehr ähnlichen Stellplatz in Belize erinnerte.





Außerdem gab es seit Ewigkeiten mal wieder richtig heiße Duschen, und auch das WLAN funktionierte fantastisch. Außer uns war noch ein argentinisches, jüngeres Pärchen vor Ort das seit sage und schreibe sechs Jahren in ihrem uralten, rostigen VW-Bulli unterwegs ist (@darlelavuelta). Doch wie immer: Es gibt leider einfach nicht den perfekten Ort. Wären die Schwärme von Moskitos nicht gewesen, wäre dieser Ort tatsächlich das Paradies auf Erden gewesen. Aber so kassierten wir, trotz Anti-Mückenspray und Anti-Moskito-Räucherspirale, viel zu viele juckende Stiche. Und dass lange Kleidung bei Temperaturen von 28 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 70% denkbar unangenehm ist, könnt ihr euch sicherlich gut vorstellen. 😅



Ausflug ins magische Dörfchen Xilitla
Am Sonntag machten wir uns mit dem Colectivo auf den Weg ins magische Dorf Xilitla. Diese kleinen öffentlichen Minibusse sind nicht nur günstig, sondern auch die perfekte Lösung, um die mühsame Parkplatzsuche zu umgehen. Für die etwa 15 km lange Fahrt zahlten wir pro Person gerade mal einen Euro. 😀 Bei der Ankunft wurden wir von einem lebhaften Markt überrascht, der das Dorf in ein pulsierendes Fest verwandelte. Ähnlich wie Guanajuato liegt Xilitla in einem schmalen Talkessel, und die steilen Straßen wären mit unserem Van eine echte Herausforderung gewesen.


Wir schlenderten über den Markt, bestaunten die üppigen Auslagen und entdeckten endlich mal wieder Maracuja! Ich konnte nicht widerstehen und kaufte eine Tüte mit acht saftigen Früchten – für gerade einmal einen Euro! Auf der zentralen Plaza spielte eine Band im Kiosco, und vor einer kleinen Tanzbühne tanzten Jung und Alt. Es war ein richtig schöner Anblick, die ausgelassene Meute zu beobachten und den mitreißenden Klängen zu lauschen, die uns tatsächlich an irisches Gefiedel erinnerten – vielleicht lag es an der Geige. Besonders die stampfenden Füße der Menschen fesselten uns und luden zum Mitmachen ein. 💃🕺🎻


Nachdem wir die Gässchen im Zentrum erkundet hatten, suchten wir ein einladend aussehendes Restaurant auf, wo ein günstiges Mittagsmenü auf der Tafel lockte. Simon entschied sich für Mole – eine typisch mexikanische Sauce mit Schokolade, serviert mit Hühnchen, Reis und Bohnen. Ich wählte Flautas, knusprig frittierte, aufgerollte Tortillas gefüllt mit Hühnchen, die mit knackigem Salat, Tomaten, Käse und Guacamole garniert waren. Dazu gab es frischen Guavensaft und eine köstliche Nudelsuppe als Vorspeise. 🍜🌮

Gut gesättigt und zufrieden verließen wir das Restaurant, und drehten noch eine kleine Runde durch das beschauliche Dorf. Als wir die richtige Bushaltestelle gefunden hatten, brachte uns nach etwa 15 Minuten Wartezeit ein mit Wocheneinkäufen und Menschen vollbepacktes Colectivo wohlbehalten zurück zu unserem Stellplatz. 🚌🚏
Ein unerwartetes Geschenk
Zu unserer großen Überraschung schenkte uns der Besitzer des Campingplatzes eine Nacht gratis. So blieben wir länger an diesem herrlichen Ort als geplant und nutzten das gute WLAN fleißig zum Arbeiten. 👩💻 Am Mittwoch war es dann aber an der Zeit, weiterzuziehen. Bevor wir die kurvigen Bergstraßen in das magische Dörfchen Jalpan de Serra nahmen, gönnten wir uns ein ganz besonderes Mittagsmenü, wie wir es bis dato nur aus Brasilien kannten: Im Taco Loco wurde das Essen in großen Tontöpfen auf einem riesigen, rechteckigen Herd zubereitet, traditionell mit Holz befeuert. 🔥🍲


Die Beilagen waren vielfältig – von frischem Gemüse über Reis und Bohnen bis zu Tortillas. Besonders schmackhaft waren die verschiedenen, pikanten Rühreivariationen, während ich einige der undefinierbaren Fleischeintöpfe lieber mied.

Satt und glücklich begaben wir uns auf die 100 km lange Etappe, während die Temperatur mit jedem Kilometer sank und auch die Luftfeuchtigkeit, die uns in den letzten Tagen zu schaffen gemacht hatte, rapide von 70 auf nur noch 40% fiel. 🌡️ Bei unserer Ankunft in Jalpan de Serra waren wir nicht nur von der hübschen Szenerie des zentralen Ortskerns begeistert, sondern auch von den angenehmen Temperaturen. 🤗 Wir parkten unseren Van direkt neben der schmucken, rot-gelb getünchten Kirche, deren detailreiche Fassade uns in ihren Bann zog. Jede volle Stunde ertönte ein wohlklingendes Lied, und zur Abendmesse wurde die große Glocke traditionell per Hand geläutet. Von unserem optimal gelegenen Stellplatz aus waren es nur wenige Schritte bis zur Plaza mit ihrem schmiedeeisernen Kiosk in der Mitte.




Die bunten, fröhlich gestrichenen Häuschen und die hübsch geschmückten Gässchen, die mit Sombreros und bunten Dreieckstüchern dekoriert waren, luden zum Schlendern ein. Am nächsten Morgen entdeckten wir einen kleinen Straßenstand neben der Plaza, der Kaffee aus der Bergregion verkaufte. Nach einer Proberunde an der Kaffeemühle kauften wir für umgerechnet gerade einmal vier Euro 500 g lokalen, mexikanischen Kaffee. 😃☕️




Nach einem erfüllten Rundgang gönnten wir uns zum krönenden Abschluss noch einen leckeren Eiscafé. Von dort aus fuhren wir 20 km weiter zu einem netten Spot im Wald, den uns Willi und Fla, die beiden Argentinier mit ihrem klapprigen, aber wunderschönen VW-Bus, empfohlen hatten.


Tatsächlich fanden wir den Ort genau wie beschrieben: Direkt neben einem laut plätschernden Flüsschen, mitten im schattigen Wald. Von hier aus ist es nicht mehr weit zu einem schönen Wasserfall. Diesen und einige weitere magische Dörfer im Umland erkunden wir dann gemeinsam im nächsten Blog. 😉

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