Grenzdesaster vom Feinsten – Wir liefern die Vorlage für einen Kinofilm
Nachdem wir auf einer Ranch in Nuevo Casas Grandes zwei Tage damit verbracht hatten, uns für die Weiterreise vorzubereiten – inklusive dem Abschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung für die USA, die uns für 90 Tage satte 359 € kostete 😣 – fühlten wir uns gut gerüstet für den nächsten großen Schritt. Die Ranch selbst war ein echtes Paradies, wenngleich leider ein langsam aber sicher verfallendes: Neben einem riesigen Swimmingpool gab es dort auch mehrere kleine Seen, die Simon voller Elan zum Angeln nutzte – allerdings ohne Erfolg. Dafür hätten wir die Rot-, Rosé- und Weißweine der La Turbina Ranch verkosten können, denn die weitläufigen Flächen dienen nicht nur als Campingplatz sowie Eventgelände, sondern auch der Weinproduktion. 🍇


Am Montagmorgen, mit frischen Vorräten wie Cerealien und Konserven für das angeblich teure Amerika ausgestattet, machten wir uns auf den Weg zum etwa 200 km entfernten Grenzübergang El Berrendo/Antelope Wells. Dieser kleine, unscheinbare Übergang war uns von anderen Reisenden als schnell und unkompliziert empfohlen worden – genau das, was wir uns nach den letzten Wochen voller Werkstattchaos erhofft hatten.
Aber es sollte anders kommen…
Schon bei der Ankunft sahen wir, dass es eine lange Schlange von US-amerikanischen Pick-Ups gab, die zurück in ihre Heimat wollten. Der Ausreisestempel für Mexiko war schnell erledigt: Der mexikanische Zollbeamte arbeitete einsam und alleine in einer winzigen, kaum wahrnehmbaren Backsteinhütte, während rundherum noch an neuen, modernen Gebäuden gewerkelt wurde. Dann rollten wir mit der Auto-Karawane weiter zur US-Grenze und plötzlich sahen wir uns mit einer Drive-Through-Grenze konfrontiert. Typisch Amerika! 🤣 So weit, so gut.



Aber als wir dann schlussendlich an der Reihe waren, und die Grenzbeamtin nach unseren Pässen fragte, kam das erste Problem auf: Wir hatten keinen ESTA-Antrag gestellt.
Ich erklärte der Beamtin höflich, dass ein ESTA-Antrag unseres Wissens nach nur bei Flug- oder Schiffsreisen notwendig sei, nicht aber bei der Einreise über Land. Ihre Verwirrung darüber war groß, sie wollte sich diesbezüglich mit ihrem Vorgesetzten besprechen. Während wir warteten, parkten wir unser Wohnmobil brav an der Seite und hofften auf ein schnelles Missverständnis. Aber es sollte nicht so kommen: Sie kam nach zehn Minuten zurück und erklärte uns, dass wir ohne gültiges ESTA nicht in die USA einreisen könnten. 😮
Da standen wir nun: Mitten in der Wüste, ohne Internetempfang und somit ohne Möglichkeit, das online zu klären. Die einzige Option war, wieder 200 km zurückzufahren und einen anderen Grenzübergang zu versuchen. So machten wir uns leicht irritiert auf den Rückweg, legten eine kurze Kaffeepause ein und recherchierten erneut, als wir endlich wieder Empfang hatten. Und siehe da – sowohl die App des Auswärtigen Amtes als auch eine andere, uns sehr vertrauenswürdige Webseite bestätigten: Für die Einreise über Land brauchten wir tatsächlich kein ESTA. Mit neuem Elan fuhren wir weiter zum nächsten Übergang: Agua Prieta/Douglas in Arizona.
Dort erwartete uns der nächste Grenzschock. Vor dem beeindruckend teuren US-Grenzzaun (15 Milliarden Dollar um läppische 1.000 km der 3.000 km langen Grenze „zu schützen“) warteten Hunderte Autos, und ein unfreundlicher Grenzbeamter wies uns eine Spur zu. Als sich dann ein Auto vor uns drängelte brüllte uns der Beamte energisch an: You are blocking my way, what are you doing?! Unsere Nerven lagen schon da längst blank, aber es kam noch besser…

Als wir endlich an der Reihe waren mussten wir den Van abstellen, die Smartphones auf das Armaturenbrett legen und den Wagen verlassen. Mehrere Beamte stürmten herbei, um unseren Van gründlich zu durchsuchen – ohne dass Simon dabei sein durfte. 😯 Ich hatte ein ungutes Gefühl, als ich mich mit den Pässen ins Büro begab. Zurecht, denn dort wiederholte sich das Drama: Sie wollten wissen, warum wir keinen ESTA-Antrag hatten. Wieder erklärte ich die Situation, und wieder erntete ich nur Kopfschütteln. Hier hatten die Beamten absolut kein Verständnis dafür, dass wir vermeintlich derart unvorbereitet an ihrer Grenze erschienen waren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit in dem stark klimatisierten Wartebereich wurde ich von zwei Beamtinnen aufgerufen. Dann folgte der Schockmoment des Tages: Die Mitarbeiterinnen von Homeland Security nahmen mich mit, führten mich in eine dunkle Zelle ohne Tageslicht und filzten mich von Kopf bis Fuß. Ich musste alles ablegen: Schmuck, Schuhe, Sonnenbrille, selbst die Haarklammer. Mir wurde ganz anders und mittlerweile war ich den Tränen nahe. 😰
Simon erwartete im Anschluss, gleichfalls unvorbereitet und ahnungslos was zuvor mit mir passiert war, das gleiche Prozedere. Es folgte eine stundenlange, nervenaufreibende separate Befragung, an deren Ende man uns schließlich mitteilte, dass wir unsere Teilnahme am Visa-Waiver-Programm auf Grund unseres Verstoßes verwirkt hätten. 😲 Ohne ESTA gibt es aber kein Hereinkommen in die USA, wie wir schmerzlich lernen mussten. Uns bliebe nur noch die Option ein Visum zu beantragen, aber natürlich nicht hier an der Grenze. Völlig fertig verließen wir weit nach 19 Uhr in der Dunkelheit das Büro, kehrten über einen U-Turn zurück nach Mexiko und sahen uns direkt mit einem neuen Problem konfrontiert: Wir hatten bereits die mexikanischen Ausreisestempel im Pass, und unsere vor nicht ganz vier Monaten erteilte Aufenthaltsgenehmigung würde in acht Tagen ablaufen. Falls uns die überhaupt noch nutzen würde…
Wenigstens war die Beamtin am mexikanischen Einreiseschalter extrem freundlich und bot uns zwei Optionen an: Sieben Tage kostenloser Aufenthalt oder sechs Monate gegen Gebühr. Wir entschieden uns erst einmal für die sieben Tage in der Hoffnung, dass wir in dieser Zeit eine Lösung finden könnten. Nachdem wir auch noch den Van von einem Drogenhund durchsuchen lassen mussten (und parallel dazu neugierige Fragen der Beamten über unsere Reise, Deutschland und die hohen Flugkosten beantworten mussten), fuhren wir schließlich zurück zu der nahegelegenen Tankstelle, an der wir zuvor Kaffeepause gemacht hatten.

die man mir vor dem Verhör abgenommen hatte

Dort verbrachten wir mehr schlecht als recht die Nacht, den Kopf vollgestopft mit Sorgen, Zweifeln und Selbstvorwürfen. Am nächsten Morgen versuchte ich verzweifelt, sowohl das deutsche Konsulat in Los Angeles als auch in Houston zu erreichen, aber nach stundenlangem Warten in endlosen Telefonschleifen hatte ich immer noch keinen Erfolg zu vermelden. Auch die deutsche Botschaft in Mexiko City konnte mir nicht direkt weiterhelfen, sondern verwies mich an das nächstgelegene US-Konsulat in Nogales. Nebenbei bemühte ich mich noch um eine Rückerstattung der 359 US$ für die bereits abgeschlossene Kfz-Haftpflichtversicherung.
Da wir keine andere Idee hatten, machten wir uns am nächsten Morgen auf den ca. 250 km langen Weg nach Nogales. Das US-Konsulat hatte bei unserer Ankunft natürlich längst geschlossen, weshalb wir die Nacht auf einem bewachten Parkplatz einer schicken Shopping Mall verbrachten und frustriert bei Burger King zu Abend aßen. 😔🍟🍔
Am nächsten Morgen standen wir nervös vor dem amerikanischen Konsulat und hofften auf irgendeine Lösung. Aber die Dame, die uns schließlich vor der Tür auf dem Gehweg empfing, konnte uns auch nicht weiterhelfen. In Mexiko könnten nur mexikanische Staatsbürger oder Personen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung ein US-Visum beantragen. ESTA-Fragen? Fehlanzeige. Diesbezüglich wurden wir erneut an die Grenzbeamten verwiesen, aber nach den Erfahrungen der letzten Tage wussten wir, dass das nichts bringen würde…
Also kehrten wir, völlig niedergeschlagen, zu unserem Bus zurück. Unser letzter Versuch war, trotzdem online einen ESTA-Antrag zu stellen. Obwohl uns die Grenzbeamten schon mitgeteilt hatten, dass wir dafür gesperrt seien. Aber hatten wir eine andere Wahl? Ich schickte meinen Antrag ab, kurz darauf den von Simon. 20 Minuten später kam bereits die erste Antwort: Simons Antrag war abgelehnt worden. 😭 Zu meinem gab es noch keine Rückmeldung, aber ich erwartete nichts anderes. Zumal mir selbst eine positive Antwort in dem Fall nichts mehr gebracht hätte, schließlich wollte ich ja nicht alleine in die USA reisen…
Was für ein Schlamassel! 🙈🙉🙊 Mangels Stellplatzmöglichkeiten blieb uns nur der Rückweg nach Agua Prieta, wo wir erneut eine Nacht an der Tankstelle verbrachten. Zuvor gelang es uns in Nogales jedoch noch, unsere Aufenthaltsgenehmigung für Mexiko – gegen Zahlung einer kleinen Gebühr in Höhe von 35€ pro Person – um weitere sechs Monate zu verlängern. Dies verschaffte uns zumindest genug Spielraum für die nächsten Tage, in denen es alle möglichen Optionen zu prüfen galt. Wie und ob wir die USA jemals betreten werden bleibt vorerst jedoch ungewiss… Jetzt heißt es erstmal durchatmen und weitersehen.
Falls ihr ähnliche Erfahrungen gemacht haben solltet oder irgendwelche Tipps für uns habt – immer her damit! Wir können gerade jede Aufmunterung und Anregung gebrauchen. ❤ Ein Update erhaltet ihr kommende Woche an gleicher Stelle. Hoffentlich können wir bis dahin diverse Optionen und Möglichkeiten aufzeigen. 🙏
P.S.: Laut Wikipedia ist seit dem 1. Oktober 2022 auch für die Einreise über Land ein ESTA erforderlich. Allem Anschein nach haben sie die Einreisevorschriften kurz nach unserem Start am 1. August 2022 geändert, und vermutlich hat sich meine App vom Auswärtigen Amt seither nicht mehr aktualisiert. 🤦♀️ Warum wir die veralteten Informationen jedoch auch auf anderen, uns vertrauenswürdig erscheinenden Seiten fanden bleibt offen. 🤷♀️

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