NEW BLOG POST 🇲🇽 (24. – 31.08.2024) Creel – Nuevo Casas Grandes

Eine schöne Wanderung und ein unvergesslicher Abend

Unsere erste Nacht am Arareco-See war mit angenehmen 14°C schön kühl. Wir schliefen bis kurz nach 9:00 Uhr, holten den fehlenden Schlaf vom Vortag nach und starteten nach einem stärkenden Frühstück gemächlich in den Tag.

Unsere morgendliche Aktivität bestand darin, den See zu Fuß zu umrunden. Die 6 km lange Strecke zog sich über etwa zwei Stunden hin, da der See eine ziemlich unförmige Gestalt hatte. Aber die Mühe lohnte sich: Immer wieder boten sich uns großartige Ausblicke auf die felsigen Landschaften, die das Gewässer umgaben. Besonders entzückend waren die Streifenhörnchen, die wir zwischen den Felsen herumspringen sahen. Zum ersten Mal auf unserer Reise trafen wir auf diese possierlichen Nagetiere. 🐿

Zu Fuß ging’s um den langgezogenen See herum

Dank der Kiefernwälder, die den Großteil des Weges beschatteten, blieb die Wanderung trotz Sonne angenehm – worüber sich offensichtlich auch die Kühe und Pferde freuten, die rund um den See grasten.

So idyllisch & einfach leben die indigenen Tarahumara

Als die Temperaturen am Abend wieder merklich sanken, zündeten wir ein kleines Lagerfeuer an das wir aus gesammelten Kiefernästen zusammenstellten. 🔥 Auch wenn die Zweige nicht besonders gut brannten so reichte es doch für ein bis zwei Stunden Lagerfeuer-Romantik aus. Während die Glut vor sich hin prasselte, hielten wir ein paar Marshmallows über die Flammen und genossen den fantastischen Sternenhimmel, der über uns funkelte. 🌟

Abenteuer im Tal der Mönche

Am Sonntag wollten wir unsere Füße nicht nur zum Spazieren, sondern auch zum Radfahren nutzen. Das Valle de los Monjes (das Tal der Mönche) lockte uns, aber der Gedanke an die 5 km über die staubige Piste ließ uns schaudern. Also schnappte sich Simon die Fahrräder und machte sich ans Werk: Die Ketten waren ziemlich festgerostet, aber mit reichlich WD40 und Geduld schaffte er es nach etwa zwei Stunden, die Drahtesel wieder fahrbereit zu machen. 🚲

Hard work 🛠️⚙️

Während Simon schraubte, bereitete ich ein kleines Frühstück vor. Gegen Mittag starteten wir dann unseren Ausritt, wenn auch eher holprig. Die Fahrräder waren etwas störrisch, aber im leichtesten Gang schoben wir uns tapfer vorwärts und erreichten das Valle de los Monjes dennoch deutlich schneller als zu Fuß. Die Landschaft glich einem Hochplateau, gesäumt von Schwarzkiefern und imposanten Felsbrocken. Die gigantischen Felsen am Ende des Tals schienen aus einer anderen Welt zu stammen. Vielleicht sind sie die Mönche, nach denen das Tal benannt ist? Oder aber sie erinnern an christliche Mönche vergangener Zeiten, die hier während ihrer Missionsarbeit ihre Spuren hinterlassen haben.

Geschafft! 😀
Valle de los Monjes
Leider meldete sich hier mein Heuschnupfen 🤧

Nachdem wir uns ein wenig durch die beeindruckende Felslandschaft bewegt hatten, wurde es uns in der heißen Sonne schnell zu viel. Also schwangen wir uns zurück auf die Fahrräder und radelten zurück zum Van. Dort wurden wir von neuen Freunden begrüßt: Einer Reihe von Hunden, die unsere Gesellschaft – oder doch nur etwas Essbares?! – suchten. 🐶🍖

Die wahre Herausforderung kam jedoch in Form von Kindern der Indigenen Familien, die regelmäßig an unserem Wohnmobil vorbeikamen und selbstgebastelte Dinge verkaufen wollten. Da wir weder Platz noch Verwendung für den Kram hatten, versorgte ich die Kinder stattdessen mit Lollis. 🍭 Das Ergebnis? Immer mehr Kinder, mit schmutzigen Gesichtern und laufenden Nasen, kamen im Laufe des Tages bei uns vorbei, was wir nur mit einem Lächeln hinnehmen konnte. Schließlich waren die Lollis ja genau für solche Momente gedacht. 😅

Barranca del Cobre – Ein Canyon viermal so groß wie der Grand Canyon

Mit einem frisch gebackenen, noch lauwarmen Apfelkuchen im Gepäck verließen wir am Montagvormittag unseren idyllischen Stellplatz am See. Der Tag versprach Abwechslung pur, und es ging weiter zum Barranca del Cobre, dem mächtigen Kupfer Canyon.

Die Fahrt führte uns erneut über ein Hochplateau voller Kiefernwälder: Eine Landschaft, die wir eher in Kanada als in Mexiko erwartet hätten. Bei unserem Eintreffen in Divisadero, dem Tor zum Canyon, hatten wir keinerlei Schwierigkeiten auf dem weitläufigen Parkplatz einen Stellplatz für unseren Van zu finden. Es war bereits gegen 15:00 Uhr, als wir uns eine heiße Tasse Kaffee und ein Stück meines wirklich sehr leckeren Apfelkuchens gönnten. ☕🍰

Während wir genüsslich den Kuchen verspeisten zogen plötzlich bedrohlich schwarze Wolken am Himmel auf und der Donner hallte doppelt so laut durch den Canyon wie gewöhnlich. Wir entschieden, unseren geplanten Spaziergang entlang des Canyon-Randes daher lieber auf den kommenden Tag zu verschieben. 🌩🌧️

Trotz der ungemütlichen Wetterbedingungen bot unser Seitenfenster einen atemberaubenden Blick über und in den tiefen Canyon – eine Aussicht, die in einem Hotelzimmer mit ähnlicher Kulisse wahrscheinlich mindestens 350 US$ pro Nacht gekostet hätte. Wir hingegen konnten diesen grandiosen Ausblick völlig kostenfrei genießen. 😇

Grandioser Stellplatz
Mit fantastischer Aussicht
Der Weg hierher hat sich gelohnt

Als der Regen nachließ, nahm Simon unseren neuen vierbeinigen Begleiter, den wir spontan Trüffel nannten, mit auf einen kleinen Spaziergang durch den Wald. Die Einheimischen hatten uns nämlich erzählt, dass die Pilzsaison begonnen hatte. Und tatsächlich kehrte Simon kurz darauf mit einer kleinen Handvoll Pfifferlinge zurück – ein kleiner, aber feiner Erfolg. 😋

Unser neuer Hund: Trüffel

Ein beeindruckender Tag im Kupfer Canyon

Der Montagmorgen begann für mich früh denn ich wollte mir den Sonnenaufgang über dem Kupfer Canyon, der seinen Namen übrigens von den Kupferminen in der Umgebung hat, nicht entgehen lassen. 🌄 Um 06:00 Uhr, als sich der erste orangefarbene Lichtstreif am Horizont zeigte, stand ich auf. Leider entpuppte sich der Sonnenaufgang als eher unspektakulär, besonders im Vergleich zu den beeindruckenden Sonnenuntergängen, die wir schon erleben durften. Vielleicht lag es auch an den dunklen Wolken, die noch immer am Himmel hingen.

Sonnenaufgang über dem Kupfer Canyon 🌅
Trüffel erwacht auch & hat gut auf uns aufgepasst

Gegen 10:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Canyon. Der Himmel riss auf, und die Sonne tauchte die tiefen Schluchten in sanftes Licht. ⛅ Hier in Divisadero, wo vier Canyons aufeinandertreffen, fallen die Steilwände bis zu 1.600 Meter tief ab. Kaum vorstellbar, dass am Fuße des Canyons noch immer Menschen vom Stamm derTarahumara leben, die als Selbstversorger ihren Alltag bestreiten. Aber auch Narcos nutzen die Abgeschiedenheit des Canyons, um Marihuana und Mohn anzubauen. 🌿

Auf dem Weg bleiben ist ratsam!
Es geht überall steil in die Tiefe

Mit unserem Van (ohne 4×4) hätten wir den Canyon nicht durchqueren können, doch schon alleine die Aussichten vom Rand waren atemberaubend schön. Mindestens genauso schön wäre sicherlich eine Fahrt mit dem El Chepe Train gewesen, die als eine der schönsten Zugfahrten des Landes gilt. Der Zug fährt von Los Mochis an der Pazifikküste durch abwechslungsreiche Landschaften bis nach Creel, von 0 auf beeindruckende 2.250 Meter Höhe. Dies ist auch die einzige Region Mexikos, in der es im Winter zu Eis und Schnee kommen kann. ❄🌨

Die Zugfahrt wäre sicher auch toll gewesen 🚂

Am Mittag machten wir uns auf den Rückweg in die Großstadt Cuauhtémoc, vorbei an Creel, der Endstation des El Chepe Train. Kaum hatten wir uns wieder auf den Weg durch die von Holzwirtschaft und die Anwesenheit der Tarahumara geprägte Landschaft gemacht, zog der Himmel erneut zu und dicke Tropfen begannen vom Himmel zu fallen. 💧 Es gelang uns gerade noch rechtzeitig die nötigen organisatorischen Dinge, wie beispielsweise Brauchwasser auffüllen und das Port-A-Potti leeren, zu erledigen.

Zu Besuch in der Mennoniten-Stadt Cuauhtémoc

Ähnlich wie viele andere größere Städte im Norden Mexikos machte auch Cuauhtémoc auf uns einen sehr modernen, schicken und nicht gerade armen Eindruck. Nachdem wir eine ruhige Nacht auf dem großen Parkplatz der riesigen Shopping Plaza verbracht hatten, wechselten wir am nächsten Morgen auf einen Truck-Stopp in der Nähe. Wir begannen den Tag mit einer wohltuenden, heißen Dusche und nutzten das gute Internet, um unsere Reiseroute durch die USA zu planen. Die LKW-Motoren dröhnten zwar laut im Hintergrund, doch die schattigen Sitzgelegenheiten und das annehmbare WLAN machten den Aufenthalt erträglich.

Am nächsten Morgen brachen wir auf zu einer etwa 25 km entfernt gelegenen Autowerkstatt. Hier wollten wir einen letzten Ölwechsel vor unserem Grenzübertritt durchführen lassen. Wir fuhren an mehreren Mennoniten Siedlungen vorbei, die mit ihrer Ordnung und dem klar strukturierten Layout beeindruckten. Die Mennoniten, die hier leben, stammen ursprünglich aus Europa und sprechen noch heute einen alten friesischen Dialekt: Niederdeutsch oder Plattdeutsch. Ihre Gemeinschaft in Mexiko ist bekannt für ihre ausgeprägte religiöse und kulturelle Identität.

In der Werkstatt wurden wir von Jakob begrüßt, einem blonden und blauäugigen Mennoniten aus Bolivien, der vor einiger Zeit mit seinen drei Kindern hierhergezogen war. Leider hat er seine Frau vor einem Jahr durch Krebs verloren, und ihre Krebsbehandlung hatte alle Ersparnisse der Familie aufgebraucht was uns sehr mitnahm. Jakob wollte mit seinen Liebsten eigentlich nach Kanada auswandern, doch die tragischen Umstände machten es erforderlich, in Cuauhtémoc zu bleiben. Die Werkstatt war blitzsauber und Jakob ließ uns dort sogar vertrauensvoll alleine zurück, während er seine Kinder von der Schule abholte und ein warmes Mittagessen für sie zubereitete.

In dieser Zeit wechselte Simon schon einmal den Diesel- und Innenraumfilter und zog unsere hinteren Stoßdämpfer fest. Als Jakob zurückkam gab es einen echten Überraschungsmoment: Er sprach fließend Hochdeutsch! Wobei innerhalb der Familien hier der alte, friesische Dialekt gesprochen wird, welcher in Europa fast ausgestorben ist. Welch faszinierende Überraschung! Wer hätte das in Mexiko erwartet…

Simon wechselt den Diesel- & Luftfilter…
…während das alte Öl abgelassen wird

Für den gesamten Service bezahlten wir, inklusive 10l Motoröl und Filterwechsel, etwa 120 €. Und trotz der Tatsache, dass Simon den Großteil der Arbeit selbst erledigt hatte, ließen wir Jakob das Doppelte seines mageren Honorars von gerade einmal 10€ zukommen. Der arme Kerl tat uns schlichtweg furchtbar leid. 😥 Nach dem herzlichen Abschied hinterließen wir noch eine positive Bewertung auf Google Maps und trugen die Werkstatt in die iOverlander-App ein. Vielleicht verirrt sich auf diesem Wege noch die ein oder andere Kundschaft mehr zu ihm.

Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als wir uns auf den Weg nach Nuevo Casas Grandes machten.

Vorerst letzte Fahretappe in Mexiko

Dort angekommen, durchstreiften wir das unspektakuläre, aber charmante Pueblo Mágico und suchten nach einem Abendessen. Ein älterer Herr auf der Plaza wies uns auf die gegenüberliegende Eisdiele hin und wir wurden nicht enttäuscht: Für nur 1,50 € gab es dort leckere Burritos und zum Nachtisch noch ein hausgemachtes Eis. Der perfekte Abschluss für einen mal wieder ereignisreichen Tag. 🌮🍦🚐

Die Nacht verbrachten wir an der ruhigen Plaza

Paquimé: Ein gelungener Abschied von Mexiko

Der nächste Morgen in Nuevo Casas Grandes begann mit einer Überraschung. Dank Google erfuhren wir, warum dieses unscheinbare Pueblo als Magisches Dorf gilt: Es liegt nur einen Kilometer entfernt von der beeindruckenden archäologischen Stätte Paquimé. Seit 1998 gehört Paquimé zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist bekannt für seine faszinierenden Ruinen der präkolumbischen Kultur.

Wir entschieden die Stätte am Vormittag zu erkunden, bevor die Wüstensonne unerträglich wurde. Zu unserer Verwunderung wurden die 95 Pesos Eintritt, die wir erwartet hatten, nicht verlangt. Stattdessen mussten wir uns nur registrieren und ins Gästebuch eintragen. Danach schlenderten wir über das weitläufige Außenareal, das sehr gut mit zweisprachigen Infotafeln auf Spanisch und Englisch bestückt war.

Adobe-Bauten in der Wüsten

Paquimé bot eine beeindruckende Mischung aus kulturellen Stätten, Opferplätzen und einem traditionellen Ballspielplatz aus Stein. Die Adobe (Lehm-) Bauten erinnerten uns stark an die ähnlichen Chan-Chan Ruinen, die wir in Peru erkundet hatten. Die Lehmgebäude hier waren zum Teil dreistöckig und boten Raum zum Leben, Schlafen und Arbeiten. Die bemerkenswerte Fähigkeit dieses Volkes, unter den extremen Bedingungen der Wüste zu überleben und zu gedeihen, zeigte sich besonders in der Zucht der kostbaren roten Ara. Deren Federn wurden als wertvolle Handelsware genutzt, da sie eigentlich aus dem fernen Süden Mexikos stammten. Den Menschen von Paquimé gelang es trotz alle Widrigkeiten die seltenen Vögel, die eigentlich aus feuchtwarmen Tropenregionen stammen, hier erfolgreich zu züchten. 🦜

Ein kleines, aber feines Museum rundete unseren Besuch ab. Hier bewunderten wir unter anderem prächtig bemalte Keramikgegenstände, die die kunstvolle Handwerkskunst der ehemaligen Bewohner veranschaulichten. Die Stätte bot einen faszinierenden Einblick in eine Kultur, über deren Niedergang (wie so oft) leider wenig bekannt ist.

Welch unerwartet schönes Ende für unseren ersten Mexikoaufenthalt! 😊 Wir planen, Ende des Jahres noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, um die Wintermonate auf der Halbinsel Baja California zu verbringen. 🏝🌊🐳

Jetzt zieht es uns aber erst einmal weiter in den Südwesten der Vereinigten Staaten und wir sind gespannt, was das Land alles für uns bereithalten wird. Die Vorfreude ist groß wie selten und wir sind gespannt, ob unsere Erwartungen erfüllt oder gar noch übertroffen werden. Einen ersten Eindruck von den USA werde ich dann sicherlich schon im nächsten Beitrag vermitteln können – also bleib dran und schau nächste Woche wieder hier vorbei. 😉


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