NEW BLOG POST 🇲🇽 (18. – 23.08.2024) Durango – Creel

Moskito-Invasion in Durango

Da wir Durango erst am späten Nachmittag erreichten, entschieden wir uns mal wieder für eine Nacht auf dem Walmart Parkplatz. Nach einem kurzen Abstecher in den Laden waren unsere Vorräte wieder bestens gefüllt und wir machten es uns gemütlich – bis ein mächtiger Gewitterschauer losbrach. 🌩️

Als es endlich aufhörte zu regnen, öffneten wir Türen und Fenster um die frische, abgekühlte Luft hereinzulassen. Das war der Moment, in dem ich einen folgenschweren Fehler beging: Ich vergaß, die Fliegengitter zu schließen! Und was folgte? Eine Invasion von Moskitos, die anscheinend nur auf diesen Moment gewartet hatten… 🦟

Das geplante Abendessen musste daher erst einmal verschoben werden – zuerst stand eine Moskito-Jagd auf dem Programm. Bewaffnet mit allem, was sich zum Erschlagen der Biester als nützlich erwies, verbrachten wir eine gute Weile damit, die Plagegeister aus unserem Van zu vertreiben. Am Ende waren wir erfolgreich, aber das war wohl eine der unappetitlichsten Vorspeisen, die wir je hatten. 🙊

Trotz allem hatten wir später eine erstaunlich ruhige Nacht, ohne Schnakenstiche! Und auch der Sonntagmorgen startete gemächlich, denn die Bevölkerung schien am Wochenende nicht ganz so früh zum Einkaufen zu stürmen wie unter der Woche. Eine kleine Belohnung für den überstandenen Kampf, würde ich sagen. 😅

Eindrücke aus einem mexikanischen Freibad und einer Arztpraxis

Nachdem wir die Nacht relativ ruhig auf dem Walmart-Parkplatz verbracht hatten entschieden wir uns am nächsten Vormittag dennoch, den Stellplatz zu wechseln. Unser Ziel: das Balneario San Juan, ein Freizeit- und Thermalbad etwas außerhalb des Stadtzentrums. An einem sonnigen Tag wie diesem war es natürlich gut besucht, vor allem von mexikanischen Großfamilien. 👨‍👩‍👧‍👦

RV-Park & Freizeitbad in einem
Montag morgens noch schön leer

Hier fiel uns wieder einmal auf, dass drei Kinder in Mexiko eher die Regel als die Ausnahme sind. Familie hat in ganz Lateinamerika einen anderen Stellenwert als bei uns. Das zeigt sich auch in den Gesprächen, die wir unterwegs immer mal wieder führten. Unser kinderloser Lebensstil sorgt regelmäßig für Unverständnis. Andererseits können wir selbst nur den Kopf schütteln, wenn wir die Hektik und das Chaos der Großfamilien beobachten. Klar, der Zusammenhalt ist sicherlich schön, aber auf Dauer auch anstrengend, oder?! 😵

Wir zogen uns deshalb zum Arbeiten in den Van zurück und verschoben das Badevergnügen auf den nächsten Morgen. Als dann der Trubel vorbei war, konnten wir die Thermalbecken in aller Ruhe genießen. Der Ort war auch die perfekte Gelegenheit, um endlich mal wieder ein knuspriges Roggensauerteigbrot zu backen – ein Stück Heimat in der Ferne. 🍞😊

Und da ich leider seit Monaten massive Probleme mit meiner Kopfhaut habe, und alle Selbstmedikationsversuche gescheitert sind, beschloss ich einen Hautarzt in der Stadt zu konsultieren. Da ich erst für den kommenden Abend einen Termin erhielt, verbrachten wir den Dienstag auch noch größtenteils auf dem angrenzenden RV-Park des Freizeitbads. So konnten wir am Morgen noch einmal die wohltuenden Thermalbecken und das Schwimmbecken für eine kleine Sporteinheit nutzen. 🏊‍♀️

Am späten Nachmittag erledigten wir unsere Einkäufe, bevor ich mich um 19:45 Uhr auf den Weg zum Arzt machte. Die Praxis überraschte mich: Es gab weder eine Empfangsdame noch ein separates Wartezimmer. Stattdessen stand ich direkt im Büro des Arztes, der sich als derselbe Mann entpuppte, mit dem ich am Vorabend telefoniert und den Termin vereinbart hatte. Er empfing mich an einem schweren, antiken Holzschreibtisch und nahm sich viel Zeit für das Anamnese-Gespräch. 👨‍⚕️

Die Diagnose war ein Ekzem: Nichts Ernstes, aber dennoch lästig. Zum Glück gibt es gängige Behandlungsmethoden und der Arzt verschrieb mir zwei Medikamente zum Einnehmen sowie ein spezielles Shampoo. Ich hoffe, dass die Mittel schnell wirken werden und meine gereizte Kopfhaut bald Ruhe geben wird.

Hoffentlich hilft es 🙏

Bis wir nach dem Arztbesuch noch die Medikamente in der Apotheke besorgt hatten, war es bereits weit nach 21:00 Uhr. Da lag es nahe, aus praktischen Gründen noch einmal eine Nacht auf dem Walmart Parkplatz zu verbringen. 😅

Wüstenabenteuer und Ölkatastrophen: Ein turbulenter Tag auf der Straße

Am nächsten Vormittag starteten wir in einen langen Fahrtag. Die 400 km lange Strecke von Durango über Torreón in Richtung Jiménez führte uns überraschenderweise von der üppig grünen Savanne des Hochlands auf etwa 2.300 m hinab in karge Steppen auf nur noch knapp 1.100 m über Meeresniveau. Die Temperaturen veränderten sich entsprechend schnell und wurden deutlich unangenehmer: Während wir die letzten Wochen in der Sierra Madre meist angenehme 27° genossen hatten, kletterte das Thermometer nun schlagartig wieder auf schweißtreibende 37° im Schatten. 🥵

Staubige Windhosen fegten immer wieder über die dürre Landschaft hinweg und nach einer ersten Etappe von 200 km auf der kostenpflichtigen Autobahn, für die wir satte 32 € Gebühr berappen mussten, entschieden wir die verbleibenden 120 km auf der parallel zur Autobahn verlaufenden, kostenfreien Landstraße zu fahren. Unterwegs hielten wir noch kurz an einer Tankstelle. Da das EC-Gerät der Tankstelle defekt war und wir den Diesel nur in bar zahlen konnten, mussten wir anschließend einen Geldautomaten suchen – schließlich wollten wir das nächste Mal nicht ohne Bargeld vor einer Mautschranke stehen. 💸

Die Autobahnen sind top – aber auch teuer
Die Landstraßen sind kostenfrei – aber schlechter

Gegen 17:00 Uhr, nach rund sechs Stunden reiner Fahrzeit und hunderten Schmetterlingen, die in unserem Kühlergrill leider ihr tragisches Ende fanden, erreichten wir unser Tagesziel: Von der Schnellstraße aus führte ein 10 km langer Schotterweg schnurgerade hinein in die karge, staubige Wüste. 🌵 Dort, wo sich einst eine Hacienda erstreckte, sahen wir nur noch die Ruinenreste und die Fassade. Doch das wahre Highlight verbarg sich hinter der Hacienda los Remedios: eine natürliche Thermalquelle. 💧

Kein schöner Anblick 😕🦋
Staubpiste zur Hacienda
Seit langem mal wieder in der Wüste 🏜️

Bei unserer Ankunft tummelte sich bereits eine mexikanische Großfamilie samt Kindern, Cousins und Cousinen, im wohltemperierten Wasser. Nachdem wir unseren Van geparkt hatten fiel mir beim Nivellieren mit großem Schrecken auf, dass unser Hecktritt nass war. Wie konnte das sein? Regen hatte es in den letzten Tagen kaum gegeben… Verbarg sich dahinter gar ein leckender Wasserboiler? 😨

Wir klappten die Heckkisten um, öffneten den Kofferraum und entdeckten die Ursache des Malheurs: Der Ölkanister mit dem restlichen Motoröl war ausgelaufen! 🙈 Also hieß es erst einmal, alle IKEA-SAMLA Kunststoffboxen aus dem Kofferraum zu hieven und das schmierige Motoröl so gut wie möglich zu entfernen. Nach dieser unfreiwilligen Putzaktion begaben wir uns schließlich ins wohlverdiente, entspannende Badebecken. In der langsam untergehenden Sonne genossen wir den Blick über die staubig trockene Landschaft auf die kahlen Bergrücken in der Ferne und ließen den langen Fahrtag noch einmal Revue passieren. 🌄

Kein schlechter Platz

Thermalhöhlen und neue Reisebekanntschaften: Ein Tag voller Überraschungen

Der folgende Morgen begann mit einem echten Highlight: Einem wohltuend warmen Bad in der natürlichen Thermalhöhle, die sich auf dem weitläufigen Grundstück im Nirgendwo befand. Diese Höhle erinnerte an ein römisches Bad, bei dem das warme Wasser förmlich von der Felsendecke herabschoss. 🛁 Ursprünglich von Spanischen Konquistadoren im Jahr 1306 gegründet und gebaut, wurde die Hacienda Los Remedios 1944 enteignet und ist seitdem für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wow! Ein Thermalbad-Höhle in der Wüste
So könnte ruhig jeder Morgen anfangen

Nachdem wir uns in der entspannenden Höhle erholt hatten, machten wir uns auf den Weg zurück zur Autobahn und warfen noch einen Blick in die Ruine der Hacienda. Auch wenn nur noch die Überreste standen konnte man sich lebhaft vorstellen, wie luxuriös die Hausherren hier einst wohl gelebt haben. 🏰

Die Hacienda los Remedios

Unsere Reise führte uns weiter nach Chihuahua Stadt, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Während der Fahrt passierten wir endlose Pekannuss- und Chiliplantagen. Auf letzteren ernteten zahlreiche Arbeiter, in gebückter Haltung, gerade die scharfen Früchte ab. Hoffentlich trugen sie dabei Handschuhe! 🔥🌶️

So sehen Pekanuss-Früchte aus

Auf dem Weg hielten wir an einem weitläufigen, aber künstlich angelegten Thermalbad an, welches in iOverlander als schöner Stellplatz beschrieben wurde. Die 15 € pro Person für den Tageseintritt samt Camping wollten wir jedoch nicht bezahlen. Hauptsächlich, weil wir in den letzten Tagen bereits zweimal an Thermen genächtigt hatten. Deshalb entschieden wir uns spontan für die direkte Weiterfahrt nach Chihuahua. Hier kommen übrigens auch die kleinen gleichnamigen Handtaschenhündchen her. 🐕👜

Am Nachmittag erreichten wir dort einen Walmart. Als wir gerade dabei waren, rückwärts in eine Parklücke einzuparken, kam uns ein weißer Toyota Land Cruiser entgegen. Der Fahrer, der uns freudig zuwinkte, parkte direkt neben uns und stellte sich als Timon vor. Ein etwa gleichaltriger Schweizer aus der wunderschönen Bodenseeregion. 🇨🇭

Eigentlich wollten wir nur unsere Wäsche in der Self-Service-Laundry erledigen, doch die unerwartet nette Begegnung führte dazu dass wir alle beschlossen, die Nacht direkt dort zu verbringen.

Die Wäsche erledigten wir aber auch noch 🧺

Mit unseren Campingstühlen setzten wir uns zwischen die beiden Autos und kamen schnell ins Gespräch. Simon bereitete am Abend Tacos zu, die wir uns nach Lust und Laune mit den bereitstehenden Zutaten füllen und während unseren Unterhaltungen genüsslich verspeisen konnten. 🌮

Hätte mir vor vier Jahren jemand gesagt, dass ich auf einem Supermarktparkplatz zu Abend essen und mich stundenlang nett unterhalten würde, hätte ich ihn vermutlich für verrückt erklärt. 🤣 Je weiter der Abend voranschritt, desto müder wurde ich. Als wir um 1:25 Uhr schließlich zu Bett gingen war klar warum: Wir hatten gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit verflogen war! Welch unerwartet netter Abend❣

Spontaner Abstecher zum Kupfer Canyon

Als Simon und ich am nächsten Morgen erwachten, war Timon schon längst auf dem Weg zur Grenze in die Vereinigten Staaten von Amerika. Nachdem auch er uns am Vorabend von den atemberaubenden Landschaften des Kupfer Canyon vorgeschwärmt hatte, und da uns noch rund acht Tage bis zu unserem eigenen Grenzübertritt blieben, beschlossen wir spontan einen 200 km langen Abstecher über Cuauhtémoc bis nach Creel zu machen. Die Entscheidung fiel uns leicht: Da wir so spät zu Bett gegangen waren verließen wir den Walmart Parkplatz erst gegen Mittag, nach einem gemütlichen Frühstück. 🕛🍳

Die Fahrt führte uns durch eine immer beeindruckender werdende Landschaft. Und auch die Temperaturen wurden, bedingt durch die höhere Lage, deutlich angenehmer. Die Gegend erinnerte uns stark an unsere Heimat oder an voralpine Regionen. 🌲⛰🐄 Die Umgebung um Cuauhtémoc wurde stark von Mennoniten geprägt, die einen altfriesischen Dialekt bewahrt und es geschafft haben, die eigentlich karge Landschaft in eine extrem fruchtbare Region zu verwandeln. Besonders bemerkenswert sind die Apfelplantagen, die hier wunderbar gedeihen. 🍏 Wir genossen die Fahrt durch herrliche Kiefernwälder und saftig grüne Wiesen, auf denen Kühe grasten.

Die Landschaft sah rein gar nicht nach Mexiko aus
Sogar Walderdbeeren wuchsen hier 🍓

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unser Ziel und schnell wurde klar, dass unsere spontane Entscheidung genau richtig gewesen war: Am Arareco-See fanden wir, für gerade einmal 50 Pesos pro Person (etwa 2,50 €), einen fantastischen Stellplatz. Dieser lag direkt am See, inmitten eines riesigen Areals voller Kiefernbäume. So endete unser Tag inmitten der Natur, umgeben von der erfrischenden Kühle und dem friedlichen Anblick des Sees. 🤩

Mehr von hier im nächsten Blog 🤭

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