NEW BLOG POST 🇲🇽 (03. – 07.08.2024) Tepatitlán – Guadalajara

Werkstattdrama Teil III – Ein Tag voller (Un-) Glücksmomente

Kaum hatten wir den Kopf aufs Kissen gelegt klopfte es gegen 01:00 Uhr in der Nacht an der Scheibe auf der Beifahrerseite. Ein Typ in rotem Kapuzensweatshirt stand draußen und wollte Geld von uns – nicht gerade das, was man als Gute-Nacht-Geschichte erwartet. 🌙😒 Da uns die Situation doch ziemlich nervös machte, krabbelten wir sicherheitshalber vom Wohnraum in die Fahrerkabine und fuhren davon. Nach dieser nächtlichen Störung starteten wir mit einem entsprechend angespannten Grundton in den Tag. Begleitet von der Sorge, ob die später geplante Schweißaktion an unserem Wassertank überhaupt gelingen würde…

Doch bevor wir uns erneut auf den Weg zur Werkstatt machten, kauften wir einen riesigen Schokoladenkuchen – als Dankeschön für die unglaubliche Hilfsbereitschaft des Teams. Kaum waren unsere zwei Batterien abgeklemmt, traf der Schweißer auch schon pünktlich um 09:30 Uhr ein, begleitet von seinem Azubi und einem beeindruckenden Arsenal an Geräten. 🧰🛠

Die Schweißaktion beginnt 🎇

Die neue Schweißnaht auf der rechten Seite war schnell angebracht und machte einen soliden Eindruck. Doch kaum hatten wir den Wassertank probeweise wieder gefüllt, tropfte es an einer anderen Stelle. 😩 Nun standen wir allesamt vor einer riesengroßen Herausforderung, nämlich den Wassertank leer und vor allem trocken zu bekommen, damit der Schweißer die undichten Stellen beheben konnte. Dieses Spielchen wiederholte sich mehrmals – bis weit in den Spätnachmittag hinein. Schließlich war die Aktion aber doch von Erfolg gekrönt und es trat (vermeintlich) kein weiteres Wasser an undichten Stellen mehr aus…

Es tropft – schlimmer als zuvor! 😩
Da mochte man gar nicht mehr hinschauen 🙈
Aber der Schweißer gab wirklich alles

Mit einem erleichterten Gefühl händigten wir dem Schweißer den vorher ausgemachten Betrag in bar gegen Rechnung aus. Aber der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten: Kaum war Simon mit unserem Renault Master von der Rampe gefahren, versagte plötzlich die Handbremse, die den ganzen Tag über noch einwandfrei funktioniert hatte! 😱

Schneller als uns lieb war, fanden wir uns erneut auf der Hebebühne wieder. Cesar, unser kompetenter Mechaniker, entdeckte die Fehlerquelle schnell: Der Schweißer hatte wohl die Erdung an falscher Stelle der Karosserie angebracht und deshalb die Gummi-Ummantelung der Handbremse abgefackelt. Deshalb hatte das Seil der Handbremse plötzlich zu viel Spiel und griff nicht mehr. 😭

Das abgefackelte Handbremsseil 🔥

Wie viel Pech kann man bitte schön an einem Tag haben?! 🤯 Woher sollten wir nun wieder das nötige Ersatzteil bekommen – noch dazu an einem Freitagnachmittag?! Dank Ricardo, dem hilfsbereiten Werkstatt-Chef, gelang es uns noch am selben Tag einen Termin in einer Mobil1 Schwester-Werkstatt in Guadalajara zu vereinbaren. Entsprechend kurz und knapp viel der Abschied aus. Wir schwangen uns stattdessen schleunigst in die Fahrerkabine und düsten über die Autobahn in die Großstadt. 🚐💨

Gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss erreichten wir die Werkstatt, wo das defekte Teil ausgebaut wurde um ein neues anfertigen zu lassen.

Gleicher Tag – andere Werkstatt 🛠️

Obwohl wir an diesem Tag bereits mehr als genug Abenteuer erlebt hatten, mussten wir nun auch noch einen Stellplatz finden. Die Vorstadt der fünf Millionen-Metropole wirkte jedoch nicht gerade vertrauenserweckend, also landeten wir schließlich auf einem riesigen Truck-Stopp neben der Autobahn.

Auf so einem riesigen Truck Stopp waren wir noch nie
Aber er war perfekt ausgestattet 👌🏻

Zum krönenden Abschluss unseres zweijährigen Reisejubiläums, das wir uns wahrlich anders vorgestellt hatten, gönnten wir uns am späten Abend mangels Alternativen noch einen Burger bei Burger King. 🍔🎉

Nicht ganz das feierliche Dinner, das wir uns erhofft hatten, aber was soll’s? Das Abenteuer geht weiter! Allerdings könnten wir wirklich etwas Unterstützung gebrauchen, um diese aktuell ziemlich holprige Panamericana Reise von Süd- nach Nordamerika doch noch zu meistern! 👇

Link zur Dieselkasse ➡ https://www.paypal.me/SiJuCampervan

Link zur Kaffeekasse ➡ https://www.buymeacoffee.com/SiJu_Campervan

Hoffen & Bangen – Warten & Weiterziehen

Den halben Samstag verbrachten wir noch auf dem Truck-Stopp, hoffend auf eine Nachricht von der Werkstatt. Ob das Ersatzteil vielleicht doch noch an diesem Vormittag auftauchen würde? ☎️ Doch die Zeit zog sich hin, und als um 14:00 Uhr bei Ladenschluss immer noch keine Nachricht kam beschlossen wir, endlich weiterzuziehen. Unser Ziel: Ajijic am Chapala-See.

Als wir dort am späten Nachmittag ankamen, waren wir ziemlich erschöpft und parkten unseren Van direkt auf dem Walmart-Parkplatz, wo wir auch die Nacht verbrachten. 😴 Nicht gerade das, wovon man als Vanlife-Enthusiast träumt, aber manchmal hat man keine Wahl. Wie sehr ich die freien Stellplätze inmitten unberührter Natur in Südamerika doch vermisse!

Immerhin hatte der Parkplatz auch eine positive Seite: Eine herrliche Aussicht auf die grünen Berghänge. Die Natur ist immer noch nah, auch wenn man sich mitten im Asphalt-Dschungel wiederfindet.

Walmart Parkplatz mit Aussicht 👍🏻

Während wir in Ajijic die Zeit überbrückten blieb die Hoffnung, dass die Werkstatt bald gute Nachrichten für uns bereithalten würde. 🙏

Ein verstauchter Knöchel & Pizza auf der Parkbank

Am nächsten Morgen wechselten wir den Stellplatz und parkten unseren Van direkt an der Uferpromenade. Von dort aus bot sich uns eine herrliche Sicht auf den schmalen, aber langgezogenen Chapala-See, seines Zeichen übrigens größtes Binnengewässer Mexikos, und die dahinterliegenden grünen Berge.

Zu Fuß schlenderten wir entlang des Malecóns und durch das überschaubare Ortszentrum des magischen Dörfchens. Die Atmosphäre war entspannt, die Gassen malerisch. Doch während ich gerade die wunderschönen Himbeeren an einem Straßenstand bewunderte, übersah ich vor lauter Gucken die Bordsteinkante und verknackste mir übel den Fuß. 🤦‍♀️🍓 Autsch! Zum Glück hatten wir unseren Rundgang durch das untouristische Örtchen zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie beendet, sodass ich ruhigen Gewissens zurück zum Bus humpeln konnte.

Auch das noch! 😭

Dort packten wir die Campingstühle aus und genossen bei einer Tasse Kaffee den Seeblick. Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einer warmen Tasse in der Hand die Natur zu bestaunen. ☕️🌅

Abends wollten wir dann endlich gebührend unser zweijähriges Reisejubiläum, bei einer Pizza und einem Aperol Spritz, in einem schicken Restaurant nachfeiern. Allerdings erwies sich das auserwählte Lokal vor Ort dann nur als Take-away-Restaurant. 🙉 Da die Pizza aber extrem gut aussah, und die meisten anderen Lokale sonntags geschlossen hatten, entschieden wir uns dennoch dafür. Mit der Pizza im Karton suchten wir uns eine gemütliche Parkbank an der Plaza und verspeisten sie genüsslich unter freiem Himmel. 🍕🍷 Manchmal sind es die kleinen, unerwarteten Wendungen, die den Tag am Ende besonders machen.

Yummy 😋

Von Schutzengeln und arbeitsreichen Tagen

Zu meinem und vor allem Simons großen Erstaunen, der mir als Ex-Fußballer prophezeit hatte, dass ich mindestens eine Woche lang nicht richtig laufen könne, erwachte ich am nächsten Morgen fast schmerzfrei. Mein Fuß war weder dick noch schmerzte er merklich – da muss wohl ein guter Schutzengel am Werk gewesen sein. 😇

Eine schnelle Google-Recherche unsererseits brachte ans Licht, dass das Ersatzteil bei Amazon in Deutschland für schlappe 38 € erhältlich wäre. Selbst mit DHL-Express-Versand nach Mexiko würden wir noch unter 100 € bleiben. Fraglich war nur, ob das Paket überhaupt ankommen würde und wohin dieses geliefert werden sollte. Wir waren ratlos und schockiert zugleich. 🤔📦

Obwohl ich extrem viel Glück gehabt hatte beschlossen wir, den Tag lieber ruhig im Van zu verbringen und es nicht zu übertreiben. Schließlich wollten wir meinem Fuß keine weiteren Strapazen zumuten. Stattdessen nutzten wir die Gelegenheit, um in aller Ruhe an unseren diversen Kanälen zu arbeiten. Die Arbeit geht uns, dank unserer zahlreichen Projekte und Ideen, glücklicherweise nie aus und so blieb der Tag produktiv und gleichzeitig entspannt. 💻

Tatsächlich war es eine willkommene Abwechslung, einfach mal nicht unterwegs zu sein und die Seele baumeln zu lassen. Schließlich ist es manchmal genau das, was man braucht, um die nächsten Abenteuer wieder in vollen Zügen genießen zu können. 🌟

Ein Schockmoment und neue Kontakte

Am Dienstagmittag erhielten wir endlich die heißersehnte Nachricht von der Werkstatt: Das Handbremsseil war eingetroffen! Doch als wir den Preis erfuhren kippten wir fast aus den Latschen: 3.600 Pesos, was rund 172 € entspricht, waren deutlich mehr als erwartet und ein herber Tiefschlag. 😱 Zumal wir ja erst vor wenigen Tagen 185 € für neue Bremsen und einen dichten Wassertank ausgegeben hatten… 💸💸💸

In meiner Not wandte ich mich per WhatsApp neuerdings an Ricardo, dem Chef der Werkstatt in Tepatitlán. Ich wollte wissen, ob er Neuigkeiten von der Schweißer-Firma bezüglich eines möglichen Regresses hatte und teilte ihm obendrein den exorbitanten Betrag mit. Vielleicht könnte er sich ja freundlicherweise mit der Schwesterwerkstatt in Guadalajara in Verbindung setzen?! Leider blieb meine Nachricht unbeantwortet. Wahrscheinlich waren sie froh uns los zu sein, und ich konnte es ihnen kaum verübeln. Schließlich war dies nicht ihr Problem. 😔

Und auch die hiesige Werkstatt reagierte nicht auf meine Nachfrage, warum wir nicht wie vereinbart vorab über den Preis informiert worden waren. Weder könnten noch wollten wir den aufgerufenen Preis bezahlen und sie sollten uns doch bitte eine Lösung unterbreiten. Aber auch diese Nachricht blieb unbeantwortet… 🤯

Dennoch beschlossen wir, den Chapalasee am Nachmittag zu verlassen. Wir tauschten den romantischen See gegen den eher unromantischen Truck-Stopp ein, um dort noch einmal eine Nacht zu verbringen. Zum einen, weil uns nach einer heißen Dusche zumute war und zum anderen, weil die Werkstatt nur wenige hundert Meter von diesem entfernt lag. Und wir hofften inständig, dass sie am kommenden Tag auf meine Nachricht reagieren würden…

Zurück auf dem Truck Stopp 🚛

Außerdem wollte sich Thomas, ein Alleinreisender aus Berlin, der in umgekehrter Richtung unterwegs und gerade zufällig in der Nähe war, gerne mit uns treffen. Wenn möglich wollten wir diesem Wunsch gerne nachkommen, denn der Austausch mit anderen Vanlifern war bis dato immer eine große Bereicherung gewesen. 🌟🚐🌍

Hoffnungsschimmer am Horizont

Morgens machten wir uns zu Fuß auf zur gegenüber von unserem Truck-Stopp gelegenen Autobahnraststätte, um uns dort wie verabredet mit Thomas bei Burger King zu treffen. Was als unscheinbares Treffen, an einem noch viel unspektakuläreren Ort begann, entpuppte sich als wahres Tageshighlight. 😀 Wir plauderten bei einer Tasse Kaffee gute drei Stunden lang und staunten über Thomas’ Entschluss, als U-70-Jähriger ohne Camping-Erfahrung einfach einen Land Rover Defender mit Dach-Zelt zu kaufen und loszuziehen. Respekt! 😮

Der schicke Land Rover von Thomas 👌🏻

P.S.: Thomas – falls du das lesen solltest: Wir haben leider das Selfie mit dir versäumt! 🙈📸

Nach diesem inspirierenden Gespräch trennten sich unsere Wege auch schon wieder, und ich musste mich wieder um die Werkstattgeschichte kümmern. 😫 Meine letzte Nachricht war leider weiterhin unbeantwortet geblieben. Ich fasste kurz und knapp nach um zu erfahren, wie es weitergehen sollte. Die Rückmeldung war ernüchternd: Ich sollte mich neuerdings an Ricardo in Tepatitlán wenden. 🤯 Mit gemischten Gefühlen, ihn erneut belästigen zu müssen, wandte ich mich an ihn.

Doch die Mühe lohnte sich! Ricardo konnte schlussendlich tatsächlich eine Preisreduzierung in Höhe von 40 € – was immerhin 23% entspricht – für uns durchsetzen. 🥳 Dies verschaffte uns endlich den erhofften finanziellen Spielraum. Ich bedankte mich, zum wiederholten Male, herzlich bei ihm für seine tatkräftige Unterstützung und vereinbarte zeitgleich mit der hiesigen Werkstätte einen Montagetermin für den Folgetag um 11:00 Uhr. 🛠⚙🧰

Wie es mit der Montage des Ersatzteils lief, ob der Preis final blieb und ob wir ohne weitere Pannen gen Norden aufbrechen konnten?! All das erfährst du im nächsten Blogbeitrag!


Entdecke mehr von Vanlife & Reisen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.