NEW BLOG POST 🇲🇽 (27.07. – 02.08.2024) Guanajuato – Tepatitlán

Guanajuato

Der Street Food Burrito vom Vortag war uns zum Glück gut bekommen, sodass wir am Samstag endlich nach acht oder neun Tagen, die wir hauptsächlich mit dem Warten auf unseren neuen Handyakku im schönen San Miguel de Allende verbracht hatten, die Stadt verlassen konnten.

Nach dem wir unsere Lebensmitteleinkäufe erledigt hatten ging es weiter nach Guanajuato, aber die nur knapp 90 km lange Fahrt gestaltete sich mal wieder relativ zähflüssig. Straßenbaustellen, zu durchquerende Städte und nicht zuletzt etliche Kurven auf den letzten Kilometern verlangten uns einiges an Geduld ab. Dafür war die Landschaft aber eine Pracht: Sattgrüne Hügel prägten das Bild und nach gut zwei Stunden Fahrt erreichten wir am späten Mittag dann die durch ihre Silbermine reich gewordene Stadt.

Minen-Arbeiter Denkmal

Da es uns für Sightseeing bereits zu spät war beschlossen wir, auf dem Parkplatz eines Soriana Supermarkts den restlichen Tag mit Laptoparbeit sowie die Nacht zu verbringen. 😴

Nicht schön – aber sicher & kostenlos

Enge Gassen und steile Straßen in der Silberminenstadt Guanajuato

Am nächsten Morgen checkten wir dann auf dem nur wenige 100 Meter entfernt gelegenen Campingplatz ein.

Tolle Sicht vom Campingplatz aus 👌🏻

Bei der Anfahrt mussten wir allerdings höllisch aufpassen, dass wir nicht vom rechten Weg abkamen denn ähnlich wie die Silberminenstadt Potosí in Bolivien [Link zum Potosí Blog], sind auch in Guanajuato die Straßen mitunter verdammt steil sowie extrem eng. Insgesamt gibt es über 3.000 Gassen und viele davon sind so schmal, dass man sich von Balkon zu Balkon küssen kann. 💋

Eine der krassesten und prägendsten Erfahrungen, die wir auf unserer bisherigen Reise gemacht haben. 🎥🍿

Deshalb entschieden wir sicherheitshalber, verkehrt herum in die Einbahnstraße hineinzufahren, die zum Campingplatz führte. Dies stellte sich auch als die richtige Wahl heraus, wie wir später auf dem Fußweg in die Stadt feststellten. Um die enge Kurve wären wir mit unserem Van höchstwahrscheinlich niemals herumgekommen.

Vorsicht mit dem eigenen Fahrzeug!

Wir brauchten etwa 20 Minuten, um das historische Zentrum zu erreichen. In Guanajuato zählt nicht nur die Altstadt (wie z.B. in San Miguel de Allende), sondern die komplette Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sicherlich nicht zuletzt deshalb, weil an all den steilen Berghängen überall bunt getönte Häuser kleben. 🎨 Auch die hübschen Kirchen sowie die engen Kopfsteinpflastergassen waren hübsch anzusehen.

Riesige Ficus- und Lorbeer-Bäume gab es hier 🌳

Eine weitere Besonderheit ist, dass Guanajuato komplett untertunnelt ist, sowohl für Fahrzeuge als auch teilweise für Fußgänger. In früheren Zeiten floss hier ein Fluss, der aber regelmäßig die Stadt überflutete weshalb man irgendwann entschied, das Flussbett trocken zu legen. Durch dieses führen nun die zahlreichen unterirdischen Wege.

Zum Glück waren wir an diesem Sonntag früh aufgebrochen, denn gegen Mittag füllten sich die Fußgängerzonen merklich. Scheinbar ist der Ort, insbesondere an Wochenenden, ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Mit der Standseilbahn fuhren wir hinauf zur Pipíla Statue, von der aus man eine fantastische Sicht über die Stadt hatte. Runter ins Zentrum ging’s wieder zu Fuß, neuerdings durch schmale Gässchen. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir, nach einem kleinen Snack auf dem Mercado Hidalgo, wieder unseren Van. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Himmel mal wieder all seine Schleusen öffnete und ein heftiger Gewitterschauer auf unser Autodach niederprasselte. ⛈

Don Quijote und sein Schöpfer Cervantes

Nicht schon wieder! Ein unerwarteter Boxenstopp…

Da der Campingplatz eher einem Parkplatz glich, kein WLAN bot und wir all der schönen Städte der letzten Zeit überdrüssig waren beschlossen wir, am nächsten Vormittag direkt weiterzufahren. Unser nächstes Ziel sollte der Chapalasee sein, meines Wissens nach der größte Binnensee Mexikos. Aber mal wieder kam alles anders als geplant: 🤦‍♀️

Zuerst führte uns die Fahrt durch grüne Hügellandschaften, durch die sich immer mal wieder schlammbraune Flüsse zogen, vorbei an blauen Agavenfeldern. Doch etwa 100 km vor Guadalajara gerieten wir in einen fetten Stau auf der Autobahn. Zuvor hatte ich Simon auch noch fälschlicherweise 9 km in die falsche Richtung fahren lassen, weil ich als unaufmerksame Co-Pilotin nebenbei Fotos auf meinem Handy bearbeitet hatte. 🙊 Aus diesem Grund hatten wir eine Autobahnabzweigung verpasst und mussten die 9 km wieder zurückfahren. Kaum auf der richtigen Autobahn angelangt stand der Verkehr auch schon komplett still und der Stau sollte sich dann auch über gut zwei Stunden hinziehen, aus letztlich ungeklärter Ursache.

Stillstand auf der Autobahn

Zu unserem großen Entsetzten bemerkten wir währenddessen, beim langsamen Anfahren, Rollen und Bremsen ein schleifendes Geräusch, das von unserer Hinterachse herzurühren schien. Mich erinnerte dieses sofort an die abgefahrenen Bremsbeläge die wir, ebenfalls auf der Hinterachse, vor ziemlich genau acht Monaten in Kolumbien hatten. Damals hatten diese uns die Bremsscheiben ruiniert, weshalb wir teuren und schwer zu beschaffenden Ersatz organisieren mussten. Das wollten wir eigentlich nicht noch einmal erleben! 😨

Als es uns nach Stunden endlich gelang, von der Autobahn abzufahren, steuerten wir direkt eine Tankstelle an. Unser Vier-Augen-Check förderte tatsächlich zutage, dass die hintere rechte Bremsscheibe leichte Riefen aufwies. So konnten und wollten wir keinesfalls noch weitere 100 km fahren! Zumal der Tag mittlerweile schon deutlich weiter fortgeschritten war, als uns lieb war… Also googelte ich nach einer Werkstatt in der Nähe und glücklicherweise fanden wir eine nur 2 km entfernt gelegene mit sehr guten Rezensionen. 🙏

Die drei Angestellten ließen bei unserem Eintreffen direkt alles andere stehen und liegen und nahmen sich sofort uns an. Auch sie bestätigten unsere schlimme Vermutung und boten an, die Bremsscheibe am nächsten Tag abdrehen zu lassen und die kurioserweise schon wieder völlig heruntergefahrenen hinteren Bremsbeläge zu wechseln, welche wir glücklicherweise noch selbst als Ersatzteil im Gepäck hatten.

So kam es, dass wir die Nacht nicht wie ursprünglich geplant am See, sondern vor der Werkstatt an einer stark befahrenen Straße in Tepatitlán verbrachten. Ein wenig Seelentrost spendete das selbst gebackene, noch lauwarme Sauerteigbaguette, zu dem es mit Tomaten überbackenen Grillkäse gab. 🧀🥖🍅

Wir übernachten vor der Werkstatt
Sauerteig Brot von oben…
…und von unten 😋

Eine Werkstatt-Odyssee nimmt ihren Lauf…

Bei der Nacht vor der Werkstatt sollte es nicht bleiben. Die kommende Nacht verbrachten wir dann sogar in der Werkstatt. Wie es dazu kam? Das erzähle ich euch jetzt:

Das Demontieren des Bremssattels hinten rechts dauerte ungewöhnlich lange. Irgendwann rief uns der Mechaniker dazu und erklärte uns, dass einer der Befestigungsbolzen völlig festgerostet und nur mit roher Gewalt zu entfernen sei. Er verbrachte ziemlich viel Zeit damit und infolge dessen stellte sich heraus, dass der Bolzen nicht mehr zu gebrauchen wäre und dieser höchstwahrscheinlich auch den Bremsbelag auf der Innenseite herunter radiert hatte.

Unsere frisch abgedrehten Bremsscheiben
Völlig abgefahrene Bremsbeläge – schon wieder!

Allem Anschein nach hatte Miguel, der Mechaniker in Cali (Kolumbien), einen wesentlichen Arbeitsschritt bei der damaligen Erneuerung der Bremsen vergessen – nämlich alle Bolzen und Halterungen gut zu fetten, damit diese beim Öffnen und Schließen der Bremsbacken ordentlich mitgehen können. So hatten sich die Teile mit der Zeit, insbesondere durch den Rost der Seeluft, festgesetzt. Da es in Mexiko jedoch keinen Renault Master gibt, gestaltete sich das Besorgen eines Ersatzbolzens denkbar schwierig. Weder lokale Schrauben-Händler in der Nähe, noch der Renault-Händler in der 5 Millionen-Metropole Guadalajara, hatten einen solchen Bolzen vorrätig. 😯

Glücklicherweise gehören, wie wir bereits schon öfters erfahren durften, Improvisationen in Lateinamerika bei Reparaturarbeiten meist dazu. So wurde kurzerhand entschieden, einen maßgefertigten Bolzen extra für uns drehen zu lassen. Überglücklich ob dieser positiven Nachricht ereilte uns wenig später, kaum war der passende Bolzen in der Werkstatt eingetroffen, die zweite Hiobsbotschaft: Als der Mechaniker die ihm von uns übergebenen Bremsbeläge auspackte stellte er fest, dass die hinteren viel zu groß waren und nicht dem ursprünglichen Maß entsprachen. 😣

Bei genauer Überprüfung stellten wir gemeinsam fest, dass trotz anderer Seriennummer und Zeichnung die falschen Beläge im richtigen Karton waren. Sprich: Eigentlich hätten, laut Artikelnummer und Abbildung, in der Schachtel die Bremsbeläge für die Hinterachse sein sollen. Es befanden sich aber stattdessen die identischen, nämlich größeren, Bremsbeläge der Vorderachse darin, die wir nun plötzlich doppelt hatten. Was für ein Mist!

In beiden Kartons befanden sich die Beläge für die Vorderachse
Die hinteren hätten aber eigentlich nur so groß sein dürfen wie die alten oben drüber 🙈

Und schon wieder standen wir vor dem schwierigen Problem der Ersatzteilbeschaffung. Nach etlichen Telefonaten seitens des Chefs mit diversen Renault Service-Agenturen, konnten schließlich doch noch welche in der 100 km entfernt gelegenen Großstadt aufgetrieben werden. Diese hätten noch am selben Abend per Kurier geliefert und dank Überstunden des sehr kompetenten Mechanikers montiert werden sollen. Gegen 17:00 Uhr stand dann jedoch schlussendlich fest, dass es mit der Lieferung am selben Tag nicht mehr klappen würde und wir uns stattdessen bis zum nächsten Morgen gedulden müssten.

So kam es, dass wir mangels Fahrttüchtigkeit unseres Vans, aufgebockt auf vier Stempeln, letztlich in der Werkstatt übernachteten. Und das unglaublich freundliche und hilfsbereite Team bot uns sogar an, die Küche samt Mikrowelle sowie die Dusche im hinteren Teil der Werkstatt zu nutzen.

Eine Nacht in der Werkstatt

Werkstatt Drama – Teil II

Die Nacht in der Werkstatt war immerhin ruhiger als die vorherige, da das Rolltor den Straßenlärm ganz gut dämpfte. Doch diesmal war es das stetige Tropfen des Wassers, das mir den Schlaf raubte. Während der Reparaturarbeiten an unseren Bremsen hatten wir nicht nur die Probleme mit den Bremsbelägen entdeckt, sondern auch ein tropfendes Leck an unserem Wassertank. Um eine Lache auf dem Boden zu verhindern hatte der Mechaniker eine Wanne darunter gestellt, welche sich bis zum Abend hin ordentlich gefüllt hatte. Das erklärte auch, warum unser 120-Liter-Wassertank nach einer Woche fast leer war, obwohl wir kaum Wasser verbraucht hatten. 😩

So starteten wir, mit entsprechend gemischten Gefühlen, in den Tag. Während die neuen Bremsbeläge früh am Morgen eintrafen und montiert werden konnten, drängte sich das Problem mit unserem undichten Wassertank unweigerlich weiter in den Vordergrund. Unser Mechaniker Cesar war so freundlich, uns die Hebebühne für eine genauere Untersuchung freizugeben. Nach dem Entfernen der Dämmung entdeckten wir auch relativ schnell die Ursache: Der Wassertank hatte sich im Laufe der Zeit minimal verschoben und scheuerte nun rechts an der Hinterachse, was zu einem Riss in der Schweißnaht geführt hatte. 🙄

Simon entfernt die Isolierung vom Wassertank
Es leckt deutlich stärker als gedacht 😰

Leider konnte die Werkstatt keine Edelstahl-Schweißarbeiten durchführen. Ricardo, der nette Werkstattchef, zückte neuerdings sein Telefon. Die benachbarte Werkstatt besaß leider kein mobiles Schweißgerät, aber mit viel Mühe gelang es ihm final doch noch eine Firma in der Stadt aufzutreiben, die auf mobile Schweißdienste spezialisiert war. Diese könnte uns aber frühestens am Freitag helfen, da sie gerade mit dem Schweißen von Tequila-Tanks beschäftigt waren – was in Mexiko natürlich definitiv Vorrang hat. 😅

Also beschlossen wir, noch eineinhalb Tage länger in Tepatitlán zu bleiben. Wir beglichen unsere Rechnung über 185 € für die Bremsenreparatur, und begaben uns auf die Suche nach einem Stellplatz in der Nähe. In einer Sackgasse beim Stadtpark fanden wir tagsüber ein ruhiges Plätzchen.

Sackgassen Stellplatz in Tepatitlán
Abwasch ohne Wassertank & somit Wasserhahn

Da dieses jedoch recht abgelegen war, und uns die Stadt im Allgemeinen nicht unbedingt sicher erschien, entschieden wir die Nacht lieber auf einem beleuchteten und im besten Fall bewachten Supermarktparkplatz zu verbringen. Der Walmart war wegen einer Einfahrtsschranke unbrauchbar, aber beim Soriana trafen wir auf eine der zahlreichen Polizeistreifen, die in der Stadt ihre Runden drehten (was bei mir übrigens immer zu einem Schlechteren statt besseren Sicherheitsgefühl führt…). 🚔

Die Polizisten empfahlen uns, aus Sicherheitsgründen lieber beim Kentucky Fried Chicken zu übernachten. Ohne zu zögern eskortierten sie uns dorthin und wiesen uns einen Platz vor einem mit Kameras bewachten Regierungsgebäude zu, neben dem eine Tag-und-Nacht-Taxi-Station lag. Die Taxifahrer wurden ebenfalls informiert und so konnten wir, zumindest in Anbetracht der Sicherheitslage, sorgenfrei zu Bett gehen. 🌟

Ob unsere Nacht im Stadtpark tatsächlich so sicher war, wie uns die Polizei versprach, und ob wir es letztlich schafften, unseren Wassertank reparieren zu lassen, erfahrt ihr in unserem nächsten Blogbeitrag. Bleibt also dran, um keine neuen Abenteuer und Pannen zu verpassen!


Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Falls euch unsere Abenteuer gefallen, schaut doch mal auf unseren Instagram– und YouTube-Kanal vorbei. Dort gibt’s noch mehr spannende Geschichten und jede Menge coole Videos. Und wenn ihr unsere Reise von Feuerland nach Alaska unterstützen möchtet, freuen wir uns über jede PayPal-Spende. Jeder Beitrag hilft uns, unseren Traum zu verwirklichen! 😊🚐


P.S. Wusstest du, dass es sich bei den roten Wörtern im Text um Backlinks handelt? Wenn du diese anklickst erhältst du weitere Infos zu diesem Stichwort. Probiere es doch mal aus! 🔍


Entdecke mehr von Vanlife & Reisen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.