Höchste Zeit weiterzuziehen! Aufbruch aus Antigua: Zwischen Stadtleben und Naturwundern
Am Mittwoch hieß es Abschied nehmen von der bezaubernden Kolonialstadt Antigua. Nach fünf weiteren Tagen in der charmanten Stadt mit dem angenehmen Klima packten wir unsere Sachen und machten uns bereit für die nächste Etappe unserer Reise.
Bevor wir starteten musste aber zuerst noch der Hunger gestillt werden. In der Hoffnung auf knusprige Brezeln, die wir einige Tage zuvor in einer Bäckerei entdeckt hatten, machte ich mich auf den Weg. Leider waren sie so früh am Morgen noch nicht verfügbar aber die beiden Empanadas, die ich stattdessen kaufte, waren auch nicht von schlechten Eltern.

Währenddessen machte Simon unseren Bus startklar: Er füllte 120-Liter-Frischwasser in unseren Tank und leerte das Port-a-Potti. Mit vollen Bäuchen und frisch betanktem Van brachen wir schließlich auf und verließen den kostenfreien Stellplatz der Touristenpolizei.
Die Fahrt durch die Megametropole Guatemala City verlief überraschend reibungslos, ohne Stau oder stockenden Verkehr. Der Vorteil der Stadt war klar: Hier gab es alles, was das Herz begehrte, von Outdoor-Ausrüstern wie Decathlon bis hin zu Lebensmitteln. Ein kurzer Stopp bei Walmart ermöglichte uns einige Besorgungen, auch wenn die Preise uns das ein oder andere Mal schlucken ließen so dass wir, wie eigentlich immer, unseren Einkaufszettel nur zur Hälfte abarbeiteten.

Unsere Route für die kommenden Tage hatten wir bereits am Vorabend geplant: Abseits der Touristenpfade wollten wir zu einigen abgelegenen Höhlen in den Bergen und dann weiter nach Flores und Tikal. Ein Tankstellenstopp bot uns eine kurze Verschnaufpause, jedoch wurden wir bei der Öffnung der Türen von einem unangenehm heißen Wind bei 44 Grad Außentemperatur begrüßt. Schnell weiter war die Devise!

Die Straßenverhältnisse waren optimal, und wir erreichten problemlos die Posada Montana del Quetzal, wo wir für einen unschlagbaren Preis (3€ pP) mitten im dichten Nebelwald übernachten konnten. Auf 1.500 Metern Höhe waren die Temperaturen angenehm frisch, was uns nach den heißen Stunden auf der Straße sehr entgegenkam.

Ein abwechslungsreicher Fahrtag durch Kaffeeplantagen und tropische Landschaften
Die Nacht im kühlen Nebelwald war wahrlich erholsam, begleitet von den beruhigenden Geräuschen des Urwalds. Selbst am Morgen, als wir uns zu einem kleinen Wasserfall-Walk aufmachten, war eine wärmende Jacke noch vonnöten.
Leider ließ sich der majestätische Quetzal, Guatemalas Nationalvogel welcher sogar der Landeswährung ihren Namen verleiht und jeden Geldschein ziert, nicht blicken. Obwohl er angeblich hier in den umliegenden Bergen und Wäldern beheimatet ist…

Dennoch war der Spaziergang durch den grünen Nebelwald, mit seinen exotischen Pflanzen, eine willkommene Abwechslung.


Gegen Mittag brachen wir auf und durchquerten die abwechslungsreiche Landschaft entlang der CA-14 bis nach Chisec. Von den kühlen Nebelwäldern führte uns der Weg weiter durch die Kaffeezone, vorbei an zahlreichen Plantagen. Die Kiefern- und Ahornwälder bei Cobán erinnerten stark an das Hochland Nicaraguas und die Geschichte der deutschen Auswanderer. Diese hatten auch hier, vor ihrer Deportierung durch die Vereinigten Staaten von Amerika während des zweiten Weltkriegs, einst riesige Kaffee Haciendas besessen.
Nach einiger Fahrzeit wurde die Landschaft und das Klima tropischer, begleitet von Kokospalmen und Bananenstauden. Wir passierten Flüsse, in denen Frauen Wäsche wuschen. Außerdem begegneten uns Männer mit schweren, frisch geschlagenen Brennholzpaketen auf dem Rücken sowie traditionell gekleidete Maya-Frauen, die große Schalen voll mit dicken, gelben Maiskörnern oder frisch gebackenen Tortillas auf ihren Köpfen balancierten. Auch an ein paar einfachen, mit Wellblech bedeckten Holzhütten kamen wir vorbei vor denen Frauen mit dem Webstuhl saßen und offensichtlich gerade eine Decke webten.
Die kurvenreiche Bergstraße forderte zwar etwas Geduld, aber nach drei Stunden erreichten wir am Nachmittag das Hotel Bombil Pek. Mit etwas Verhandlungsgeschick konnte ich den Preis für die Übernachtung auf dem Hotelparkplatz etwas reduzieren sowie den Zugang zu einem Badezimmer samt warmer Dusche heraushandeln. Und mit Hilfe des Rezeptionisten konnten wir sogleich auch noch die Höhlentour für den nächsten Tag arrangieren.

Höhlenabenteuer extrem: Wir seilen uns 85 Meter in die Tiefe ab
Am Freitagmorgen begann unser Tag mit einem aufregenden Abenteuer, das uns tief in die mystischen Höhlen von Guatemala führte. Pünktlich um 08:00 Uhr holten uns unsere beiden Guides am Hotel ab, und per Tuk-Tuk ging es zum Startpunkt unserer Höhlenexpedition, zwei Kilometer entfernt.

Nach einem kurzen Fußmarsch durchs Gelände erreichten wir den Eingang zur ersten Höhle, Jul Iq, was in der Sprache der Maya „Loch mit Wind“ bedeutet. 🕳️ Dort erwarteten uns faszinierende Stalagmiten und Stalaktiten, die mit ihren bizarren Formen beeindruckten. Einige der Tropfsteine waren sogar hohl und erzeugten beim Klopfen unterschiedliche Töne. Aber Vorsicht war geboten, denn der Lehmboden war rutschig und forderte unsere ganze Aufmerksamkeit um nicht auszurutschen, selbst mit guten Wanderschuhen. 🥾





Nachdem wir die erste Höhle erkundet hatten, machten wir uns auf den Weg zur zweiten: B’Ombil Pek – „bemalter Stein“. Hier stand ein ganz besonderes Abenteuer an: Wir würden uns 85 Meter ins Nichts abseilen, um den Höhlenboden zu erreichen. Ein Nervenkitzel, der unsere Herzen höherschlagen ließ. Simon ging zuerst und ich konzentrierte mich während des Abseilens darauf, nach oben zu schauen anstatt in die Tiefe zu blicken. Trotz, oder gerade wegen, des Adrenalinkicks machte es großen Spaß. 😃 Sicher und heile unten angekommen erwartete uns eine weitläufige Halle mit einer beeindruckenden Steinstatue, die einem mystischen Drachen ähnelte. 🐉






Das Highlight dieser Höhle war eine prähistorische Höhlenmalerei, die zwei Affen und einen Jaguar zeigte. Um dort hinzugelangen mussten wir uns jedoch, unter Einsatz unseres vollen Körpergeschicks, durch zwei sehr enge und noch dazu schmutzige Felslöcher quetschen. Die Entlohnung war der faszinierende Einblick in die Geschichte dieses Ortes, der vor Jahren von französischen Forschern für ihre dreitägige Expeditionen in der Dunkelheit genutzt wurde. 🔦


Nachdem wir diesen winzig kleinen Teil der Höhlen erkundet hatten ging es, nicht mehr per Seil sondern mit einer steilen Leiter, zurück ans Tageslicht. Für diese aufregende halbtägige Tour, inklusive privater Guides und Ausrüstung, zahlten wir pro Person nur 22 € – ein fairer Preis für ein unvergessliches Abenteuer.
Zurück am Van bereiteten wir uns ein schnelles Mittagessen zu, bevor wir uns eine dringend notwendige Dusche gönnen wollten. Doch wie so oft in Ländern der Dritten Welt gab es einen Stromausfall im Hotel. Nach einigen Diskussionen wurde schließlich der Generator gestartet und wir konnten endlich duschen. 🚿🧼🧽
Da das Hotelpersonal nicht gerade freundlich, und die Kosten für einen einfachen Stellplatz zu hoch waren, entschieden wir uns nachmittags zur Weiterfahrt. 50 Kilometer später fanden wir eine Tankstelle mit Shop und Restaurant, wo wir freundlicherweise übernachten durften. Zum Glück gab es dort keine Stechmücken, sodass wir auch nachts den Van gut belüften konnten und etwas Abkühlung fanden. 🔥
Guatemala Roadtrip: Wir suchen Schutz bei einer Polizeistation
Von der Tankstelle aus lag eine weitere Etappe von 150 Kilometern vor uns. Die RD AV-09 führte uns durch zahlreiche kleine Dörfer, wo wir alle paar Meter wegen der Speed Bumps bremsen mussten. 🙄
Der Anblick der einfachen Behausungen in diesen Dörfern ließ mich nachdenklich werden. Und wenn ihr euch je gefragt habt, wo eure Kleider landen die ihr in die Altkleidersammlung gebt, dann kenne ich jetzt zumindest eine Antwort darauf: Guatemala. Bereits auf dem Markt in Antigua hatte ich den Eindruck, dass die hier angebotene Kleidung Second-Hand-Ware ist und aus Europa stammt, was deutlich an den Prints und Schnitten zu erkennen war. Als wir entlang unseres Weges dann zahlreiche kleine Läden sahen die damit warben, dass neue gemischte Kleiderpakete eingetroffen seien, war ich mir dessen ziemlich sicher. 👕👖👗
Nachdem wir mittels Fähre einen kleinen Fluss überquert hatten, über den es augenscheinlich keine Brücke gab, machten wir am Straßenrand bei einem Lokal Halt da uns seit Langem mal wieder nach Pupusas (hier Tayuyos genannt) gelüstete. Nachdem wir diese genossen hatten bat ich die Frau, mir noch 12 nackte Tortillas einzupacken. Aber scheinbar verstand sie mich falsch und ich bemerkte erst Stunden später, dass sie uns stattdessen die dreifache Menge – also 36 Stück – eingepackt hatte! Das tat mir furchtbar leid, denn bezahlt hatte ich natürlich nur für die von mir georderten 12. 😓

In Santa Elena angekommen fanden wir direkt vor einer Polizeistation einen leeren, großen Parkplatz vor. Die Beamten versicherten uns, dass wir hier nicht nur guten Gewissens parken, sondern auch eine sichere Nacht verbringen könnten.
In der glühenden Mittagshitze machten wir uns auf den Weg zur nahen Mall in der Hoffnung, dass diese klimatisiert sei. 🥶 Leider Fehlanzeige, aber immerhin fanden wir dort eine gute Bäckerei für einen Mittagssnack sowie eine Niederlassung der schicken Supermarktkette La Torre vor.
Zurück am Parkplatz waren wir froh und dankbar, dass sich hinter diesem ein kleines öffentliches Freibad befand. Mit Blick auf den Lago Petén Itzá. Den Eintritt von 1€ pro Kopf zahlten wir liebend gern, denn so konnten wir uns spontan doch noch ein wenig Abkühlung verschaffen. 🩳👙💧


Glücklicherweise wehte, bei Schließung des Bades um 17:00 Uhr, ein böiger Wind sodass wir unseren aufgeheizten Van vor Einbruch der Dunkelheit noch ein wenig durchlüften konnten.


Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, dass an diesem Samstagabend im just nebenan gelegenen Stadion eine Großveranstaltung stattfinden würde. Dank Ohrstöpseln gelang es uns jedoch, trotz der lautstarken Musik und des dröhnenden Basses schnell einzuschlafen. 😴
Halbtagesausflug auf die Insel Flores
Sonntagsmorgens liefen wir, in den frühen und noch frischeren Morgenstunden, über den schmalen Damm hinüber auf die Insel Flores, welcher das Eiland mit dem Festland verbindet. Der Wasserspiegel des Sees scheint immer wieder stark zu schwanken weshalb ein Teil der äußeren Ringstraße überflutet und somit nicht begehbar war. 😦
Die bunt getünchten Häuser verbreiteten ein fröhliches, karibisches Flair. Zu diesem trug sicherlich auch bei, dass man sein Auge weit übers Wasser schweifen lassen konnte. Zu meiner Verwunderung herrschte dort eine sehr ruhige und entspannte Atmosphäre, obwohl der Ort ein wahrer Touristenmagnet auf dem Weg von oder nach Tikal und Belize ist.






Auf dem Rückweg zum Parkplatz gönnten wir uns in der Mall unser erstes und einziges, typisches Frühstück in Guatemala, das dem in den zuvor von uns bereisten Ländern Zentralamerikas wie erwartet sehr stark ähnelte: Tortillas, Ei, Kochbananen und Bohnenmus.

Am Vormittag düsten wir dann weiter zu einem Stellplatz, den uns Max und Merle empfohlen hatten. Mitten im Naturpark Ixpanpajul fanden wir einen friedvollen, weitläufigen Platz auf einer grünen Wiese vor, auf der wir unser Wohnmobil in der Nähe des großen sowie sauberen Sanitärkomplexes parken durften. Auch WLAN war auf dem gesamten Gelände vorhanden. 👍 Nur die Hitze waren wir auf dem kurzen Stück Fahrt leider nicht losgeworden… 😅 Dafür kam immer mal wieder ein Esel, ein Schaf oder eine Gans bei uns vorbei, da sich die Tiere auf dem großen Grundstück völlig frei bewegen dürfen. Und in der Dämmerung gaben die Brüllaffen ein exklusives Gute-Nacht-Konzert. 🐒🐒🐒


Wir folgen einem Geheimtipp und erkunden eine tief im Dschungel gelegene Mayastätte
Nach einem weiteren Tag Rast in dem urigen Natur- und Tierpark folgten wir am Dienstag einem besonderen Geheimtipp von Franziska, die wir zuvor in Antigua getroffen hatten. Sie hatte uns, als günstigere und kaum besuchte Alternative zu Tikal, die Mayastätte Yaxhá ganz in der Nähe des berühmten und sehr überlaufenen Pendants empfohlen.
Die unbefestigte, 7km lange Zufahrtsstraße war für uns dank Trockenheit kein Problem. Am Nationalparkzentrum angelangt, lösten wir für 80 Quetzales pro Kopf (umgerechnet ca. 10€) die Eintrittskarten. Im Preis inkludiert war das Campen auf dem dazugehörigen, direkt am See gelegenen Campingplatz mitten im Urwald. Erfrischende Außenduschen und blitzblanke Toiletten mit Spülung inbegriffen. 🚿🧻 Sogar eine Feuerstätte und überdachte Palapas für Reisende mit Zelt oder Hängematte waren vorhanden. Nur leider durfte man, auf Grund von Krokodilen, nicht im See baden. 🐊⛔🏊♀️


Ganz anders Tikal: Hier hätte das Ticket alleine schon 150 Quetzales (ca. 18€) gekostet plus weitere 50 Quetzals (ca. 6€) pro Person für den Campingplatz.
Wir hatten den idyllischen Stellplatz ganz für uns alleine und genossen dort einen friedvollen Nachmittag, umgeben von zwitschernden Vögeln und brüllenden Affen, sowie einen tollen Sonnenuntergang über dem See. Auch der Vollmondaufgang, untermalt von den Geräuschen des Dschungels, konnte sich wahrlich sehen lassen. 🦇🌕🐒


Der nächste Tag begann früh: Wir hatten uns den Wecker auf 6 Uhr gestellt, damit wir direkt um 7 Uhr bei noch kühlen Temperaturen die archäologische Stätte betreten konnten.
Yaxhá ist eine beeindruckende Mayastätte im Norden Guatemalas, die sich versteckt inmitten des tropischen Regenwaldes befindet. Sie war einst, mit bis zu 35.000 Einwohnern die über 16 Jahrhunderte auf einer Fläche von etwa 30 Quadratkilometern lebten, eine bedeutende Stadt des klassischen Maya-Zeitraums.

Zu unserem Erstaunen sollte Franziska recht behalten: Während unseres über dreistündigen Aufenthalts in der riesigen Anlage begegnete uns nicht ein anderer Tourist. Die Pyramiden und Akropolis waren zum Teil sehr gut restauriert und die meisten davon durfte man sogar betreten, sodass wir phänomenale Aussichten aus 30 Metern Höhe über den Urwald und die Maya-Ruinen hinweg genießen konnten.







Und da der Stellplatz kostenfrei und gar so idyllisch war entschieden wir spontan, noch eine weitere Nacht hier zu verbringen und den geplanten Grenzübertritt nach Belize um einen Tag zu verschieben.
Was uns in diesem karibisch geprägten Land, in dem als einziges in ganz Lateinamerika Englisch gesprochen wird, erwartet erfährst du kommende Woche. 🌴😎🍹
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