In den vergangenen Tagen haben wir uns intensiv mit der politischen Lage und den aktuellen Entwicklungen in El Salvador auseinandergesetzt. Seit dem Amtsantritt von Präsident Nayib Bukele im Jahr 2019 hat sich das Land in vielerlei Hinsicht verändert. Bukele hat den Kampf gegen die Bandenkriminalität zu einem seiner Hauptziele erklärt und diverse Maßnahmen ergriffen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Nach anfänglichen Erfolgen und einem Rückgang der Mordrate verhängte er im März 2022 jedoch den Ausnahmezustand aufgrund neuer Gewalt Eskalationen. Dies führte zu abertausenden Verhaftungen ohne Haftbefehl und einem verstärkten Einsatz des Militärs für Razzien. Menschenrechtsorganisationen berichten von Einschränkungen der Grundrechte. Auf Grund dieser Maßnahmen wurden bis Ende 2022 ca. 58.000 Bandenmitglieder verhaftet. Diese Entwicklungen stehen im Kontext eines Landes, das in der jüngsten Vergangenheit bereits einen Bürgerkrieg mit rund 70.000 Toten erlebt hat und in dem seit Januar 2001 der US-Dollar und seit September 2021 auch der Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel gilt. Wobei, bei einem monatlichen Mindestlohn von gerade einmal 300 US-Dollar pro Person im Handels-, Industrie- und Dienstleistungssektor ,wohl die wenigsten Privatpersonen in Bitcoin werden investieren können. Ob die Staatsverschuldung mittels dieses Schachzugs minimiert werden kann bleibt abzuwarten. Bis dahin setzt El Salvador weiterhin auf seine Hauptexportgüter Kaffee, Zucker und Shrimps. ☕🍤
Wir sind in jedem Fall gespannt, ob wir in den kommenden Tagen und Wochen in El Salvador etwas von der positiven Aufbruchsstimmung bemerken werden, von der uns zuvor andere Reisende berichtet hatten. 🤔
Nach dem wir uns diesen Fragestellungen gewidmet hatten, sowie nach einem arbeitsreichen Tag im schattigen Innenhof des charmanten Centro de Arte para La Paz in Suchitoto, nutzten wir die kühleren Morgenstunden des nächsten Tages um noch mehr von diesem bezaubernden Örtchen zu entdecken. Die weiße Kathedrale an der Plaza und der malerische Springbrunnen in ihrem Zentrum ließen uns in die koloniale Vergangenheit eintauchen, während die bunten Indigo-Färbereien die lebendige Kultur und Tradition El Salvadors widerspiegelten. Doch die Hitze des Vormittags trieb uns abermals hinauf in die Berge, auf der Suche nach einem kühleren Rückzugsort. 🥵






Unser Weg führte uns, zum ersten Mal während unseres Abenteuers, in einen erloschenen Vulkankrater hinein der Teil des imposanten Vulkangürtels ist, der sich durch das gesamte Land zieht. Der smaragdgrüne Kratersee der Laguna de Alegría strahlte eine Ruhe aus, die uns sofort in ihren Bann zog. 😊 Trotz der Hitze genossen wir die frische Brise und die klaren kühlen Nächte, die den Himmel mit unzähligen Sternen erfüllten. Für uns war es der perfekte Ort, um für drei Nächte zu verweilen und neue Energie zu tanken.


Während dessen fand ich auch endlich die Zeit, um Merles Brownie-Rezept auszuprobieren das durch den selbst gemahlenen Kakao von der Finca Santa Martha in Honduras eine ganz besondere Note erhielt. 🍫

Und natürlich nutzten wir die Zeit auch, um neuen Content für unseren YouTube-Kanal, Instagram und Blog zu erstellen – eine Arbeit, die uns viel Freude bereitet, aber auch viel Zeit in Anspruch nimmt weshalb wir uns an dieser Stelle für deine Unterstützung bedanken. Jede kleine Geste, sei es durch Spenden oder einfach durch euer Interesse an unseren Abenteuern, bedeutet uns viel und motiviert uns, weiterhin unsere Reiseerlebnisse mit euch zu teilen. ❤
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Nach vier schönen Tagen an der idyllischen Kraterlagune war es an der Zeit unsere Reise fortzusetzen. Doch wie das Schicksal es wollte gerieten wir beim Verlassen der Lagune beinahe in eine missliche Lage. Die schmale Ringstraße, die als Einbahnstraße fungiert, stellte uns nämlich vor eine echte Herausforderung. Nur mit viel Geschick und einem Hauch Glück gelang es uns schließlich, unseren Lieblingsstellplatz zu verlassen – wenn auch gegen die eigentlich vorgeschriebene Fahrtrichtung. Vielleicht war das wiederum gar nicht so dumm, denn auf diese Weise umgingen wir möglicherweise sogar das Ausfahrtshäuschen und damit eine mögliche Nachzahlung. 🙊
Unser Weg führte uns dann nach Usulután, wo wir unsere Lebensmittelvorräte auffüllten. Die Supermärkte in den kleinen Dörfern boten leider keine Parkmöglichkeiten für unseren großen Van weshalb wir uns gezwungen sahen in die Großstadt hineinzufahren. Doch auch dieser Zwischenstopp hatte seinen Reiz, denn wir entdeckten den Parque Recreativo Ichanmichen. Trotz seines leicht heruntergekommenen Zustands bot der Park erfrischende Schwimmbecken und saubere Duschen – eine Wohltat nach dem heißen Tag unterwegs.



Nach einem kurzen Zwischenstopp am internationalen Flughafen, wo wir endlich halbwegs schnelles WLAN fanden und ein YouTube-Video hochladen konnten, zog es uns weiter an die Pazifikküste nach Puerto de La Libertad. 🌊🐟 Hier erwartete uns nicht nur ein lebendiger Fischmarkt, sondern auch die lang ersehnte Gelegenheit für Simon endlich mal wieder zum Barber zu gehen. Ein bisschen Zeit für die persönliche Pflege und schon war er wieder der attraktive Kerl, den ich eigentlich kenne! 🧔










Nach einem halben Tag unter der heißen Sonne der Küste entschieden wir uns, zurück in die erfrischenden Höhen der salvadorianischen Bergwelt zu fahren. Auf Empfehlung von Anne und Christian, auch bekannt als @van.we.bike, steuerten wir den Stellplatz Mirador El Peñon an. Dieser kleine Rückzugsort von Yoselin und ihrem Mann Saoul bietet einen beeindruckenden Blick auf den gleichnamigen Berg, dessen Silhouette an den berühmten El Peñol in Kolumbien erinnert den wir vor einigen Monaten erklommen haben:
Wir wurden von den beiden Salvadorianern herzlich begrüßt und erhielten sofort einen Stellplatz auf dem kleinen, aber gemütlichen Parkplatz. Für einen kleinen Obolus von 10$ pro Nacht durften wir nicht nur den Stellplatz nutzen, sondern auch die Sitzgelegenheiten auf der Aussichtsterrasse, die Hängematten und die erfrischende Dusche. 🚿 Als besondere Geste der Gastfreundschaft schenkten sie uns reichlich Mangos und Avocados von ihrem Grundstück und überraschten uns nach Einbruch der Dunkelheit mit einer kostenlosen Portion Pupusas direkt in unserem Van. 🥭🥑🌮




Da es am Folgetag recht bewölkt und auch diesig war befürchteten wir, dass wir vom Aussichtspunkt hoch oben auf dem Felsen keinen wirklich schönen Sonnenuntergang erleben würden. Deshalb entschieden wir uns für einen weiteren entspannten Tag voller Faulenzerei. ☺️


Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig denn am darauffolgenden Tag strahlte die Sonne wieder in voller Pracht und wir wurden mit einem atemberaubend schönen Sonnenuntergang über den vielschichtigen Bergketten El Salvadors belohnt. Nachdem wir, klitschnass geschwitzt, von unserer kleinen Wanderung zurückkehrten freuten wir uns erneut über die erfrischende Dusche und eine leckere Portion Pupusas auf unserem Stellplatz den wir, zu unserer großen Freude, fast die ganze Zeit über für uns alleine hatten. 🙃




Am Montagmorgen brachen wir auf und machten uns neuerdings auf den Weg hinab zur Küste. Die Straße war unbefestigt und staubig, aber da es die ganze Zeit über nur bergab ging meisterten wir diese kleine Herausforderung mit Bravour. 🙂 Wir folgten einem weiteren Tipp von anderen Reisenden, die wir an unserem ersten Abend in Honduras an den Thermen getroffen hatten. Sie hatten uns mit großer Begeisterung von einer Kokosnussfarm bei Barra de Santiago erzählt, wo man völlig kostenfrei bei einer salvadorianischen Familie auf deren Grundstück nächtigen dürfte. Außerdem sei der weitläufige, schwarze Sandstrand des traditionellen Fischerdorfes nur einen Steinwurf weit entfernt. Und obendrein gäbe es in der Nähe ein Schutzprojekt für Meeresschildkröten. Vielleicht hätten wir dort endlich die Chance, ein paar davon auf ihrem Weg in die Freiheit zu begleiten. 🤩
Tatsächlich wurden wir sofort freundlich von Mayra und ihrem Mann Hector sowie den beiden Kleinkindern in Empfang genommen. Wobei ich an der Stelle nicht verschweigen möchte dass Hector, vorangegangene Beziehungen miteinberechnet, in Summe 14 Kinder hat. 🙈 Sie boten uns sofort ein paar frische Kokosnüsse als Erfrischung an und schälten eine bereits braune Nuss für uns, in deren Inneren sich tatsächlich eine Art Apfel befand. Wie unglaublich vielfältig Kokosnüsse doch sind! 🌴🥥 Anschließend spazierten wir den breiten, ebenfalls von Kokosnusspalmen und kleinen Fischerboten gesäumten Strand entlang an dessen Ende, ganz in Nähe der verwaisten Restaurants, unglaublich viel Müll im Sand lag. Da war es wieder, das altbekannte Problem ab Peru aufwärts: Die mangelnde Sorge für die Umwelt. 😢 Auch Mayras Sohn hatte zuvor den ihm von uns dargebotenen Lolli mit Handkuss entgegengenommen, die Verpackung jedoch einfach achtlos auf den Boden des eigenen Grundstücks geworfen wo sie dann einfach liegen geblieben wäre – hätte ich sie nicht entsorgt. Wohlgemerkt, obwohl seine Mutter das gesehen hatte, versteht sich. 🤷♀️







Trotz der netten Familie war der Ort für mich, aus nicht greifbaren Gründen, irgendwie kein Wohlfühlort. Ich konnte dieses Gefühl der Unruhe nicht abschütteln, das mich seit unserer Ankunft auf dieser Ranch verstärkt begleitete. Vielleicht lag es einfach an der Tatsache, dass ich mich in meinem Innersten nicht ganz wohl fühlte, obwohl äußerlich alles perfekt schien. Dennoch entschieden wir zu bleiben, da wir zu diversen Aktivitäten eingeladen wurden und man uns voller Stolz noch die zwei anderen Ranchos zeigen wollte.




nur leider stand die Reinigung noch aus 🧽

Am Dienstagnachmittag fuhren wir, gemeinsam mit Hector, Mayra und ihren Kindern Aron sowie Raquel und einem befreundeten Paar der beiden, die ebenfalls zwei ihrer Töchter dabei hatten, zur Flussmündung. Dort mündet der Pazifik in einen natürlichen Kanal und in dem salzigen, dafür aber spiegelglatten Wasser ließ es sich in der langsam untergehenden Sonne wunderbar baden. Zumal das Wasser seicht und angenehm warm war. Auf dem Weg dorthin grub sich unsere Mitfahrgelegenheit allerdings im losen Sand ein – wir steckten fest! 😮 Zum Glück eilte sofort ein weiteres Auto zur Bergung heran. Wir stiegen alle in Hectors Suzuki um, ließen das andere Auto zurück und kamen schlussendlich doch noch alle an dem schönen Badespott an. Das Flussufer war neuerdings von Kokosnusspalmen, aber auch von schönen Restaurants und schicken Bungalows gesäumt. Wir spielten Wasserball mit den Kindern und wurden von dem befreundeten Paar mit Fragen gelöchert. Es herrschte völliges Unverständnis ihrerseits, wieso wir einfach so aus Spaß an der Freude durch die Gegend reisen. Genauso wenig konnte man, wie gewohnt, verstehen weshalb wir keine Kinder haben. Uns wiederum erstaunte einmalmehr, dass die Männer je eine halbe Flasche Wodka leerten und sich danach ganz selbstverständlich ans Steuer setzten. 🙈




Erst nach Einbruch der Dunkelheit kehrten wir zu ihrem Wohnhaus, und somit unserem Stellplatz, zurück wo Simon und ich es uns kurz darauf beim Mexikaner schmecken ließen. Das hübsche Restaurant befindet sich auf dem gleichen Grundstück und wird von Hector und Mayra an die Restaurantbetreiber verpachtet. Bei Quesadillas, Nachos und Burrito ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren. 🌯🌮🍷


Am Mittwoch wurden Simon und ich dann erneut von Hector und Mayra überredet noch etwas länger zu bleiben. Uns fiel neuerdings auf, wie wenig die Menschen hier auf ihre Ernährung achten. Während wir unser Müsli mit Obst frühstückten konnten wir gut beobachten, wie die befreundeten Familien bereits früh am Morgen Coca-Cola tranken sowie Kuchen und Eiscreme förmlich in sich hineinstopften. 😯 Ich bin mir nicht sicher, ob man sich hier einfach keine Gedanken über die konsumierten Lebensmittel macht oder ob ihnen Gesundheit und Figur schlichtweg völlig egal sind. Auch wir bekamen am frühen Vormittag noch ein großes Eis spendiert, das der fliegende Händler mit seinem Quad samt Kühlbox und Waffeln bis zur Haustür der Familie lieferte, bevor sich die befreundete Familie von uns verabschiedete. Den Nachmittag verbrachten wir dann gemeinsam mit Mayra und ihren zwei Kindern in ihrem schönen Strandhaus. 😍 Es war ein echtes Paradies, mit einem überdachten Süßwasserpool und gemütlichen Hängematten zum Ausruhen. Nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt befand sich das dritte Haus der Familie, das uns regelrecht die Augen aus dem Kopf fallen ließ: Ein modernes Anwesen mit einem weiteren Süßwasserpool. Ein Ort, den wir uns perfekt als Camping- oder Overlander-Platz vorstellen konnten. 😀 Wir empfahlen den beiden nachdrücklich, diese Oase auch anderen Reisenden zugänglich zu machen um nicht nur ihre Gastfreundschaft zu teilen, sondern künftig auch ein zusätzliches Standbein zu haben und sich so eine weitere Einnahmequelle zu erschließen.




Um unsere Dankbarkeit für ihre Gastfreundschaft zu zeigen bestellten wir für alle eine große Pizza, die wir gemeinsam auf der gemütlichen Terrasse genossen. Währenddessen berichtete uns Hector von den Herausforderungen, mit denen sie in der Vergangenheit konfrontiert waren. Kaum vorstellbar, dass vor gerade einmal zehn Jahren häusliche Gewalt strafrechtlich nicht verfolgt wurde und quasi an der Tagesordnung war. 😥 Die Geschichten von Mayra waren genauso schmerzhaft: Noch vor fünf Jahren, während ihrer ersten Schwangerschaft, mussten sie unter Androhung von Waffengewalt Schutzgeld an kriminelle Banden zahlen und lebten in ständiger Angst um ihre Sicherheit und ihre Ersparnisse. Und das obwohl sie weit entfernt von Großstädten mitten im Nirgendwo lebten. Wir hoffen inständig, dass die jüngsten Veränderungen und Verbesserungen im Land weiterhin Bestand haben werden und dass diese tapferen Menschen endlich Frieden und Sicherheit finden.



Dankeschön, dass du uns auch auf dieser Etappe unserer Reise durch El Salvador begleitet hast! Im nächsten Blogbeitrag lassen wir die heiße Küste hinter uns und begeben uns auf den Weg in die bergige sowie hoffentlich etwas kühlere Kaffeeregion, bevor wir schließlich unser Abenteuer in Richtung Guatemala fortsetzen werden. Sei gespannt und schau auch nächste Woche wieder hier vorbei. 👋
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