NEW BLOG POST 🇨🇴 (09. – 17.11.2023) Guatapé – Cañon de Chicamocha

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Tatsächlich erreichen wir, nach 15.000 gefahrenen Kilometern, den Äquator. WAHNSINN! Wer kann schon von sich behaupten, mit seinem eigenen Auto vom Ende der Welt (Ushuaia) bis zur Mitte der Welt (Quito) gefahren zu sein! Von dort aus unternehmen wir einen Abstecher ins tropische Mindo, wo jede Menge Action auf uns wartet. Ganz nach unserem Geschmack. 🙃
Schau also unbedingt rein & lass gerne einen Kommentar sowie ein Like da! 👍

Und nachfolgend zum neuesten Blog Eintrag: 👇

Nach vier Tagen in der Großstadt hatten wir dann auch schon wieder genug davon und machten uns auf den Weg in die ländliche, grüne Umgebung von Medellín. Etwa 90 Kilometer sowie eineinhalb Fahrstunden trennten uns von unserem Ziel Guatapé. Der Ort liegt idyllisch an einem 15 Kilometer langen Stausee, der in den 60er Jahren zur Stromgewinnung angelegt wurde. Ihm fiel der Ort El Peñol zum Opfer, dessen Überreste nun irgendwo in den Tiefen des künstlichen Sees schlummern. Die Einwohner wurden umgesiedelt und es entstand ein neues, gleichnamiges Dorf welches nun ebenfalls nahe am Wasser liegt. Die Gegend dient aber auch als Naherholungsgebiet für die Städter welche, insbesondere an den Wochenenden, gerne hierher kommen um diversen Wassersportarten nachzugehen. Viele kommen zum Rudern, Schwimmen, Jetski- oder Bootfahren ins Umland von Guatapé. Die Gemeinde ist aber auch für den Fels von Guatapé bekannt sowie für das bunte, historische Zentrum in dem viele Hausfassaden im unteren Bereich ganze Geschichten erzählen. 🤩 Die Bilder und Reliefs im Sockelbereich stellen oftmals auch die Zunft dar, die sich in dem jeweiligen Haus befindet. Auch das Klima ist, mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 20°C, dank der Lage auf etwa 1.900 Metern üNN sehr angenehm. Am Ortsrand fanden wir, in einer kaum befahrenen Seitenstraße, einen guten Stellplatz vor. Von dem aus konnten wir, zumindest bei geöffneter Schiebetür, sogar auf den See hinausblicken. Wie so oft, wenn wir an einem uns unbekannten Ort angelangen, erkundeten wir erst einmal zu Fuß die Umgebung. Schlichtweg alles, was wir in dem Örtchen sahen, gefiel uns richtig gut zumal eine entspannte Atmosphäre in der Luft lag. Auch die Tuk-Tuks waren unheimlich bunt und mit lokalen Landschaftsbildern bemalt. 😍

Wie immer schön bunt
Selbst die TukTuk 🤩
Highlight sind aber die Sockel der Häuser
Die erzählen ganze Geschichten
Guatapé gefällt uns gut 😊

Der nächste Tag war ein reiner Faulenzertag. Unweit unseres Vans befand sich ein freies, betoniertes und gekacheltes Quadrat mit freiem Blick auf den Stausee. Der ideale Ort für eine Runde Fitness und Yoga am Morgen! Und nur wenige Meter oberhalb unseres Stellplatzes lag ein hübsches Hostel, in dem ich für schlappe 3.000 COP die blitzblank saubere sowie richtig warme Dusche nutzen konnte. 👍

Auch unser Stellplatz ist nett
Blick auf den See inklusive

Unsere Abreise fiel ausgerechnet auf einen Samstag und obwohl ich bereits um 06:30 Uhr auf die Toilette musste, entschied ich anschließend noch einmal ins Bett zu krabbeln was sich im Nachhinein als Fehler erwies. 🙈 Nach dem wir unsere morgendliche Tasse Kaffee genossen hatten verließen wir Guatapé wieder. Aber natürlich wollten auch wir uns nicht das Highlight der Region, den 220 Meter hohen Granitfelsen El Peñol, entgehen lassen. Somit war Frühsport angesagt, denn um auf die Aussichtsplattform ganz oben zu gelangen muss man erst einmal etwas mehr als 650 Stufen bezwingen. Wobei sich der Aufstieg, auf Grund der Schlange an Menschen, die sich sprichwörtlich im Schneckentempo nach oben bewegte, dann als deutlich weniger anstrengend als befürchtet erwies. Hätten wir vielleicht doch bereits um 08:00 Uhr anstatt um 10:00 Uhr da sein sollen… Aber sei es drum: Irgendwann erreichten auch wir das Ende der schmalen Treppe, die sich in eine der äußeren Felsspalten schmiegt. Der Fels besteht aus schätzungsweise 10 Millionen Tonnen Gestein und wurde in den 1940er Jahren zum Nationalmonument Kolumbiens erklärt. Bereits von den Stufen aus hatten wir immer wieder eine schöne Sicht auf die vielen kleinen Inselchen, von denen einige sogar bewohnt zu sein scheinen. Hier ließe es sich ganz bestimmt gut für länger aushalten. 🤩 Auf dem Gipfel erklommen wir dann direkt den Aussichtsturm, der uns einen sensationellen 360 Grad Panoramablick bot. Wir stärkten uns noch mit einer typisch kolumbianischen Süßigkeit, der Oblea. Zwischen zwei großen Oblaten wird Dulce de Leche mit Brombeermarmelade und Käse gemischt. Klingt vielleicht verrückt, schmeckt aber tatsächlich ganz gut. 😋 Wenngleich auch pappsüß weswegen wir froh waren uns eine geteilt zu haben. Der Abstieg gestaltete sich dann leider so zäh wie der Aufstieg. Keine Ahnung, warum Menschen nicht dazu in der Lage sind flüssig eine Treppe hinunter zu laufen?! So konnten wir uns neuerdings in Geduld üben, bevor wir unser Parkticket beglichen und weiter zu einer nahegelegenen Texaco Tankstelle fuhren. Da das Fliegen mit der Drohne, auf Grund des Helikopterverkehrs, leider verboten war machten wir dort vom Boden aus noch ein paar gute Aufnahmen von dem Granitbrocken. Hier frühstückten wir auch noch ein schnelles Müsli da wir noch einige Fahrkilometer vor uns hatten. Zuerst mussten wir eine gute Stunde den gleichen Weg zurückfahren, den wir auch gekommen waren, um wieder die Autobahn zu erreichen. Über die Ruta 60 ging es weiter in Richtung Puerto Boyacá und meine Recherche auf iOverlander hatte auf diesem Streckenabschnitt noch zwei eventuell lohnenswerte Stopps zu Tage gefördert. Zum einen war da der Ort Doradal, dessen Zweitname auch Santorini lautet, da es hier ein ganzes Viertel im griechischen Stil geben soll. Sprich weißgetünchte Häuser mit blauen Dächern. Da uns der angepriesene Stellplatz jedoch überhaupt nicht zusagte und wir selbst den Van nicht alleine dort stehen lassen wollten, um Santorini zu erkunden, ließen wir klein Griechenland links liegen. Was solls, der echte Ort ist bestimmt sowieso viel schöner. Erkunden wir einfach den irgendwann. 😉 Gleich um die Ecke befindet sich das ehemalige Herrschaftshaus von Pablo Escobar, die Hacienda Nápoles. Für schlappe 63 Millionen USD kaufte Escobar im Jahre 1979 die 3.000 Hektar große Ranch, welche damals über 100 Personen Schlafmöglichkeiten bot. Auch ein eigener Flugplatz sowie ein Heli-Port, eine Stierkampfarena, sechs Pools und ein ganzer Zoo durften natürlich nicht fehlen. 😮 Hier fanden wohl aber nicht nur zahlreiche, ausufernde Partys mit diversen Stripperinnen statt sondern auch einige Hinrichtungen. Wäre das Anwesen noch originalgetreu gewesen so hätte ich eine Besichtigung super spannend gefunden. Nach Pablos Tod wurde die Hacienda jedoch in einen gigantischen Freizeitpark umgewandelt, einschließlich Dinosaurierthemenpark und Safari-Zoo. Wobei die meisten Tiere, die sich der Drogenbaron damals zum reinen Vergnügen einfliegen ließ, (vom Tiger über Giraffen bis hin zu Elefanten, Zebras und Nilpferden) nach seiner Ermordung verlegt oder gestohlen wurden. Einige starben wohl auch einen qualvollen Hungertod. 🙁 Vier von Escobar eingeschmuggelte Flusspferde wurden jedoch im tropischen Regenwald ausgesetzt und vermehren sich seitdem wohl stark. Angeblich ist die Population zwischenzeitlich auf über 100 Tiere angewachsen welche nicht nur für die lokale Bevölkerung, sondern vor allem für die einheimischen Tierarten eine Bedrohung darstellt. Uns ist während unserer Fahrt auf jeden Fall keines begegnet, soviel steht fest. 😅 Da wir keine der zwei Attraktionen besuchten blieb uns nichts anderes übrig, als weiter nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht Ausschau zu halten. Wir bogen von der Ruta 60 auf die 45 ab und machten kurz darauf bei einem Retorno kehrt, um uns ein Hotel etwas abseits der Autobahn anzuschauen. Tatsächlich war der Straßenlärm dort kaum mehr wahrnehmbar und für 8k COP (ca. 2 €) durften wir dort, in Gesellschaft des diensthabenden Ambulanzwagens, übernachten. Nur die schwül-warmen Temperaturen dort sagten uns so rein gar nicht zu. Dennoch kochte ich am Gasherd einen leckeren Reisauflauf, den wir anschließend im Freien verspeisten da es dort bei lauem Lüftchen deutlich erträglicher war als im aufgeheizten Bus. So machte es uns auch nichts aus, dass die uns in einem freien Zimmer angebotene Dusche maximal lauwarmes Wasser zu Tage förderte. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Karibikküste, die uns in Kürze mit unangenehmen Tagestemperaturen von 30°C sowie Nachttemperaturen von 25°C erwarten wird. 🌴🥥

Erster Blick auf den Granitfelsen
Schon ganz schön was los hier
Erstmal Treppen steigen
Aber die Aussicht ist es wert
Blick auf Parkplatz & Zufahrtsstraße
Ein Meer aus Inseln
Unsere Oblea wird zubereitet
Cooles Wandrelief
Sicht von der Tankstelle aus
Schon ein mächtiger Felsbrocken 😳
Unser heißer Stellplatz vorm Hotel

Die Devise für den Folgetag war also klar: Nichts wie weg hier und ab in die Berge! 🥵 Ging es am Tag zuvor immer schnurgeradeaus durch flaches Farmland, auf dem sich selbst die Weiderinder dicht an dicht im wenigen Schatten der Bäume drängten, veränderte sich die Vegetation nach etlichen Kurven wieder deutlich, zu Gunsten von Bananenstauden und Kaffeesträuchern. Für die 300 Kilometer lange Strecke bis nach Bucaramanga benötigten wir gute vier Stunden sodass wir unser angesteuertes Ziel, den Paragliederplatz oberhalb der 500k Einwohnerstadt, erst am Nachmittag erreichten. Die Stellplatzgebühr war mit 30k COP (ca. 7 €) nicht gerade billig aber die Aussicht, über den Sprungtisch hinweg hinunter auf die Wolkenkratzer, entschädigte in jedem Fall dafür. Und da es kurz darauf zu regnen begann waren wir bald ganz alleine und konnten die Sicht in aller Ruhe genießen. 😀

Stellplatz in Bucaramanga
Was für eine Aussicht 🤩
Auch am Morgen aus dem Fenster gut
Start- & Landung direkt vor unserer Tür 🪂

Auch am nächsten Morgen waren wir vorerst noch für uns, bis sich während meiner halbstündigen Sporteinheit langsam die ersten Paraglieder einfanden. Von unserem Van aus konnten wir ihnen dann kurz darauf beim starten und landen zusehen. Was für ein cooler Stellplatz! 🤩 Auch mit Thomas aus Schwäbisch-Gmünd hielten wir noch ein Schwätzchen der ganz verblüfft darüber war, hier ein Auto mit heimischem Kennzeichen zu entdecken. 😂 Er lebt seit seinem Studium im Jahr 2008 größtenteils in Kolumbien und hat sich, mittlerweile mit seiner Frau und der einjährigen Tochter, in Bogotá niedergelassen während er weiterhin remote für eine deutsche Firma arbeitet. So kam es, dass die eigentlich für den Morgen geplante Laptoparbeit neuerdings verschoben werden musste. Ansonsten hätten wir noch einmal 30k COP für eine Übernachtung bezahlen müssen und dass war uns die geniale Aussicht dann doch nicht wert. Auch den Tandemflug, der hier lediglich 120k COP (= 27 €) für 15 bis 20 Minuten gekostet hätte, schoben wir auf. Eventuell investieren wir lieber ein paar Pesos mehr für einen Gleitschirmflug über einen tiefen Canyon anstatt, so wie hier, über eine Großstadt mit 10 Universitäten zu schweben. Gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg ins Actionmekka San Gil, wo allerlei Abenteuertouren angeboten werden. Von Rafting über Canyoning bis hin zu Tubing findet hier wohl jeder Adrenalinjunkie etwas Passendes. Wir hingegen staunten schon bei der Hinfahrt nicht schlecht über den Chicamocha Canyon, dessen steile, rote Felswände über und über mit niedrigen Bäumen und Kakteen bewachsen waren. Aber auch der blick hinunter in die tiefe Schlucht sowie auf den Chicamocha River war atemberaubend. 😮 Wir ließen sowohl den Canyon als auch San Gil vorerst links liegen um direkt weiter nach Barichara zu fahren, da wir von dort aus denselben Weg zurücknehmen werden müssen. Auch hier fanden wir sogleich einen grandiosen Stellplatz am Ortsrand mit spektakulärer Sicht auf ein tiefes Tal, welches sich direkt vor unserer Tür ausbreitete, und die gegenüberliegenden sattgrünen Berge. 😍 Wir vertraten uns nach der gut zweistündigen Fahrt noch ein wenig die Beine und der Ort erinnerte uns unwillkürlich an die kleinen Dörfer im Herzen von Minas Gerais in Brasilien. Auch hier waren die Straßen mit großen Steinen gepflastert, die mitunter ähnlich steil waren wie die in Ouro Preto oder Mariana. Aber auch die eingeschossigen, weißen Häuser mit ihren bunten Holzfensterläden sowie ihren roten Dachschindeln ähnelten diesen sehr. Wir fühlten uns sofort wohl und trafen, selbst an der großen Plaza mit ihrer schönen Backsteinkirche, nur auf wenige ausländische Touristen. Angeblich war der Ort auch Inspiration für die Kulisse des Disneyfilms Encanto.

Wieder ein grandioser Stellplatz
Auch dieser Ausblick kann sich sehen lassen
WOW 😯
Die Straßenzüge erinnern uns an Brasilien
Ähnlich Ouro Preto oder Mariana

Den sonnigen und recht warmen Dienstag verbrachten wir, bei ausgefahrener Markise, fast gänzlich im bzw. am Van. Ich arbeitete die vergangenen Tage Blog auf und Simon puzzelte derweil die einzelnen Filmschnipsel fürs nächste Video zusammen.

Frühstück im Schatten der Markise
Bei der Aussicht

Gut, dass wir mit der sechseinhalb Kilometer langen Wanderung auf dem „Camino Real“ gewartet hatten! Mittwochs waren die Temperaturen, auf Grund des bewölkten Himmels, nämlich deutlich angenehmer. Wir verließen unser Zuhause direkt nach dem Morgenkaffee und begaben uns von dort aus auf den Weg von Barichara nach Guane. Dieser wurde im 19. Jahrhundert von einem Deutschen angelegt und noch heute laufen täglich viele Einheimische, aber auch Touristen aus aller Herren Länder, über die großen Steine die den Weg ausmachen. Wir genossen den Blick ins Grüne, lauschten den verschiedenen Rufen der Vögel und freuten uns über die unterschiedlichen Kakteenarten am Wegesrand. Als wir gegen 10:30 Uhr das kleine Örtchen Guane erreichten spürten wir langsam, aber sicher die Mittagshitze aufsteigen. Da wir keine Lust hatten, in der Wärme den ganzen Weg wieder zurückzulaufen (noch dazu diesmal bergauf statt bergab), fuhren wir nach einer Tasse dünnem Kaffee mit dem Linienbus nach Barichara zurück. Als wir wieder am Van angelangten standen die Zeiger fast auf 12:00 Uhr Mittag. Und da wir ohne Frühstück losgegangen waren holten wir dies nun erst einmal nach. Anschließend setzte ich mich ans neue Video, um die Szenen ggf. neu anzuordnen, zu cutten und zu vertonen. Nach getaner Arbeit stand uns der Sinn nach einer Belohnung und so gab es für Simon einen schön hergerichteten, bunten Milchshake und für mich einen sehr guten Eiscafé in der lokalen Eisdiele. 😋

Unterwegs auf dem Camino Real
Überall Kakteen 🌵
Und Ziegen 🐐
Zieleinlauf in Guane
Auch ein schönes Dörfchen
Simons Milchshake
Und mein Eiscafé 😛

Am nächsten Tag schien bereits wieder früh am Morgen die Sonne und es sah nach einem schönen, warmen Donnerstag aus. Wir hingegen waren jedoch unschlüssig, was wir tun sollten: Noch einen Tag an dem schönen Stellplatz bleiben und eventuell am Mittag das öffentliche Freibad besuchen? Oder zurück nach San Gil fahren, wo es einen schönen Campingplatz mit Naturpool inklusive Wasserfall geben sollte? Oder direkt zum Paragliedspot fahren weil es dort am Wochenende möglicherweise voll werden könnte? 😵 Ich vertagte all diese Fragen auf später und widmete mich stattdessen einer Runde Sport. Die, eigentlich für die Öffentlichkeit bestimmten, Sportgeräte auf einem Freizeitgelände waren leider nicht zugänglich da das Tor mit einem dicken Vorhängeschloss versperrt war. Zum Glück hatte ich, in weiser Voraussicht, auch meine Fitnessmatte eingepackt. Diese rollte ich im Schatten des Daches von einem Mirador aus, dessen Kiosk so früh am Morgen noch geschlossen hatte. Bei herrlichster Aussicht ins Tal und auf die Berge absolvierte ich eine knackige, 30minütige HIT-Einheit, die meine Laune direkt hob. 😀 Wieder am Van angelangt hatten sich die Fragen aber natürlich nicht in Luft aufgelöst und wir überlegten, während wir unser Joghurt-Obst-Müsli frühstückten, hin und her was wir denn nun mit diesem Tag anfangen sollten. Manchmal fallen die Entscheidungen leicht, manchmal aber auch nicht. Und an dem Tag hatte ich von all den Planungen irgendwie echt die Nase voll. Schließlich müssen wir, oder vielmehr vor allem ich, tagtäglich irgendetwas planen:

  • Wo fahren wir als nächstes hin?
  • Was gibt es dort zu sehen?
  • Welche Route ist die Beste?
  • Welche Stellplatzmöglichkeiten gibt es?
  • Was kosten diese und ist es uns das wert?
  • Wo befindet sich der nächste Supermarkt?
  • Gibt es irgendwelche Warnungen für die Region?
  • Wann und wo kommt die nächste Duschgelegenheit?

Nicht zu vergessen, dass ich das Sprachrohr bin und sämtliche Kommunikation auf Spanisch an mir hängen bleibt. Bitte nicht falsch verstehen: Ich möchte mich nicht beklagen aber manchmal ist all das schon echt anstrengend und ab und zu auch nervig. 🙄 Schlussendlich entschieden wir uns zur Weiterfahrt. Wir kauften, noch in Barichara, ein paar Lebensmittel ein bevor wir die Rückfahrt nach San Gil antraten. Dort statteten wir dem weitläufigen „Parque El Gallineral“ noch einen Besuch ab. Markenzeichen der weitläufigen Grünanlage sind die hohen Ficus Bäume, die über und über mit „Old Men Beard“ behangen sind. Der Schatten tat uns gut und wir liefen kreuz und quer über die verzweigten Spazierwege. Für einen kleinen Aufpreis von 6.000 COP pro Person hätten wir auch den schön angelegten Pool benutzen dürfen. An dem fehlte uns jedoch wiederrum die Sonne weswegen wir uns das Geld sparten. Nach dem wir uns ein wenig die Beine vertreten hatten fuhren wir dann letztendlich doch noch zum Canyon. Zuerst steuerten wir den falschen Parkplatz, nämlich den des Nationalparks, an. Die Parkwächter schickten uns wieder fünf Kilometer die Straße zurück bis zum Restaurant „Chiflas“. Oberhalb von Selbigem starten, ausschließlich vormittags, die Tandemflüge über den Chicamocha Canyon. Wir erhielten die Genehmigung auf dem Parkplatz des Lokals zu übernachten. Da die Straße jedoch direkt davor vorbeilief und die LKWs einen nicht zu verachtenden Lärm verbreiteten, gingen wir nach einem kurzen Snack zu Fuß den steilen Weg zum Flugplatz hinauf. Dieser war wie erwartet bereits geschlossen wobei ein freundlicher Einheimischer, der auf seinem Motorrad vorbei kam, sogar Rücksprache mit dem Besitzer gehalten und uns anschließend aufgeschlossen hätte. Wir beließen es bei einem Telefonat mit der Angestellten der dazugehörigen Agentur, um für den nächsten Morgen unsere Flüge niet- und nagelfest zu machen. Zumal sich, direkt neben den geschlossenen Toren, ein flaches Plateau mit herrlicher Aussicht über den Canyon befand. Der ideale Platz für uns und unseren Van, zumal hier oben auch ein sehr angenehmes Lüftchen wehte.

Im Parque del Gallineral
Die Bäume haben alle Bärte
Auf der Liebesbrücke ♥️
Den Pool ließen wir sausen
Am Cañon de Chicamocha
Ein toller Stellplatz jagt den Nächsten 😍
Blick auf den Cañon und ins Tal

Die Wetterbedingungen für unseren Tandemflug schienen ideal zu sein. Bereits am Morgen schien die Sonne, am Himmel waren nur ein paar lockere Wolkenfetzen zu sehen und es wehte ein laues Lüftchen. Kurz nach 10:30 Uhr bogen dann zwei Kleinbusse um die Ecke und fuhren auf das Paragliedgelände. Wir verriegelten den Van und gingen die wenigen Schritte zu Fuß. Neben den vier Paragliedern hatten sich, außer uns, elf weitere Personen sowie zwei Assistenten hier versammelt. Man begrüßte uns freundlich mit einem Kaffee, bevor es ans Ausfüllen der Formulare ging. Dem folgte eine kurze Einweisung, in der wir alle Instruktionen an die Hand bekamen. Viel zu tun gab es eigentlich nicht, außer beim Start ein kurzes Stück mitzulaufen und beim Landen auf Kommando hin die Beine anzuheben. Das sollten wir hinbekommen! Die Startreihenfolge war gewichtsabhängig da sich die Thermik, mit voranschreitender Stunde, verändert und die Aufwinde dann wohl immer stärker werden. Somit war ich gleich bei der ersten Runde mit von der Partie. Alles ging relativ schnell von statten: Jeder wurde einem Flieger zugewiesen und dann wurde man in Windeseile auch schon angegurtet. Ich hatte das Vergnügen mit dem Inhaber von „Parapente Chicamocha“ höchstpersönlich zu fliegen. Sergio belehrte mich noch einmal kurz, beim Anlaufen nicht zu springen und nach dem Start meine Arme durch die Gurte zu tun und dann gings auch schon los. Der große Schirm erhob sich auf einen Ruck von Sergio hin in die Lüfte und gefühlt kam ich gar nicht wirklich zum Laufen, schon schwebten meine Füße in der Luft. Irre! Nach zwei engen Kurven, damit ich noch einmal in Simons Kamera winken konnte, ging es dann raus über den Canyon. Nur leider hatte ich alsbald mit aufkommender Übelkeit zu kämpfen weswegen ich mich mehr aufs Atmen und Horizont fixieren konzentrieren musste. 😥 Somit konnte ich das herrliche Gefühl des frei fliegen sowie die schöne Landschaft nicht wirklich genießen. Und dass trotz der sanften Brise und dem ruhigen Flug. So ein Mist aber auch! 🙁 Wir stiegen auf gute 2.000 Meter hinauf und mein gut englischsprechender Begleiter reichte mir vorsichtshalber schon einmal eine Tüte… Ich schätze, dass ich ca. 20 Minuten nach dem Start wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Kaum wurde mir der Helm abgenommen und die Gurte entfernt, musste ich auch schon loslaufen und meinen kärglichen Mageninhalt in die Tüte befördern. 🤮 Zum Glück hatte ich, dank leiser Vorahnung, am Morgen nur ein paar Löffel Joghurt zu mir genommen. Während ich noch mit der Übelkeit kämpfte wurde Simon schon an Sergio angegurtet. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig wieder berappeln um seinen Abflug filmen zu können. Im Gegensatz zu mir konnte er es, erfreulicherweise, voll und ganz genießen und ich freue mich schon jetzt darauf die Filmaufnahmen zu sehen. 😀 Bei ihm waren die Aufwinde auch richtig gut, so dass sie stolze 600 Meter über dem Startpunkt fliegen konnten. Üblich sind eigentlich nur 250 bis 300 Meter. Wir schauten noch den anderen Teilnehmern zu und als alle durch waren, beglichen wir unsere Schulden in Höhe von 200k COP pro Person (= ca. 45 €). Während die gesamte Truppe nun den Rückweg im Bus nach San Gil antreten musste hatten wir nur wenige Meter zum Van zu gehen. Mittlerweile war es später Mittag und so kam es, dass wir unser eigentliches Frühstück erst gegen 14 Uhr zu uns nahmen. 🍳🥑☕

In den Säcken sind die Gleitschirme verstaut
Startvorbereitungen
Simon hebt ab 🪂
Leider konnte ich nur ein Foto machen 🤢
Bei dem krummen Horizont kein Wunder 🤮
Trotzdem eine tolle Erfahrung 😀

Nächste Woche erfährst du dann, wie unsere Weiterreise an die Karibikküste verlaufen ist und wie wir mit der dortigen Hitze und Luftfeuchtigkeit zurechtkommen…

Möchtest du unsere Reise gerne unterstützen?! Dann nutze ganz unkompliziert einen der beiden Links für eine Spende in unsere Diesel- oder Kaffeekasse: ⛽🚐☕

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