Nach unserem fünftägigen Trekking zum Machu Picchu verbrachten wir noch einige Tage in der ehemaligen Inka-Hauptstadt Cusco, um uns ein wenig von den Strapazen zu erholen und all die vielen Eindrücke sacken zu lassen. Außerdem wollte vor unserer Weiterreise auch noch so einiges organisiert werden. Duschen, Wäsche waschen, einkaufen etc. Ihr kennt das ja mittlerweile schon von uns. 😛 Zumal es Simon am Tag nach unserer Rückkehr nicht wirklich gut ging und er unter einer seltsamen Mischung aus Kopf- und Gliederschmerzen sowie Durchfall litt. Glücklicherweise sah die Welt am Tag darauf schon wieder besser aus und wir konnten alle anstehenden Erledigungen in Angriff nehmen. 💪 Nach zwei Tagen verließen wir aus Kostengründen den hübschen Campingplatz, um noch einmal eine Nacht etwas unterhalb auf dem bereits zuvor besuchten Parkplatz zu verbringen. Just an dem Abend, vor unserer geplanten Weiterfahrt, suchte dann auch mich die Magen-Darm-Seuche heim und ich saß mehrmals mit dem Eimer auf den Knien auf unserer Camping-Toilette. 🤮 Am nächsten Morgen war der Spuk zum Glück schon wieder vorbei aber zum Autofahren fühlte ich mich definitiv nicht im Stande da ich zum Aufrechtsitzen kaum in der Lage war. Also ruhte ich mich gebührend aus und am Freitag konnte es dann ENDLICH weitergehen.

Vor uns lagen drei zähe Fahrtage über das Andenmassiv. Es ging stetig auf… Dann wieder ab… Und wieder auf… Und wieder ab… Das Ganze verteilt auf eine Distanz von 650 km für die wir gut und gerne 12 Stunden gebraucht haben. Nicht zuletzt auf Grund einiger tausend Höhenmeter und mindestens genauso vieler Kurven. 😂 Dafür wusste einmal mehr die schöne grüne Landschaft, geprägt von Lagunen und Alpaka Herden, zu überzeugen.

In den letzten beiden Nächten schlief ich so schlecht wie schon lange nicht mehr und ich bin mir relativ sicher, den Grund dafür zu kennen: Nicht zum ersten Mal während unserer Reise fielen wir nach einem extremen Bewegungsüberschuss (75km Laufen innerhalb von 4 Tagen) direkt ins andere Extrem, nämlich tagelang rein gar keine Bewegung. 😣 Simon kommt damit hervorragend klar aber ich bin wohl eher Typ Steinzeit- statt Neuzeitmensch. Sprich mir geht sowohl physisch als auch psychisch deutlich besser, wenn ich mich viel bewegt habe und abends mit müden Muskeln und einem klaren Geist einschlafe. Die vergangenen Nächte waren jedoch vom Gegenteil geprägt: Mein wacher, unausgelasteter Körper kam einfach nicht zur Ruhe. Dafür versuchte mein Geist diese Ruhe auszugleichen und findet Selbige dann natürlich nur schwer. Noch dazu wird mein nächtliches Zähneknirschen dadurch verstärkt, weil sich die Muskeln dann anderweitig abarbeiten wollen. Ein Teufelskreis… 🥴 Trotz etwas mehr als einem Jahr „on the road“ konnten wir bis dato noch keine wirklich festen Routinen etablieren sondern leben mehr oder weniger von einem Tag in den Anderen. Wohingegen man Zuhause, in einem geregelten Alltag, eher über das Gegenteil klagt und meist zu viele feste Termine hat fehlen mir diese Fixpunkte merklich. Zumal es, ja nach Standort, auch nicht immer einfach ist Sport zu integrieren, beispielsweise wenn man mitten in einer Großstadt oder auf über 4.000 Metern üNN campiert. Aber ich möchte nicht nach Ausreden sondern nach Lösungen suchen und versuchen, generell ein wenig mehr Struktur in unseren Alltag zu bringen. 💪 Falls auch ihr derzeit im Van leben solltet dann lasst mich doch gerne wissen wie ihr das handhabt. Vielleicht könnt ihr mir helfen und habt ein paar gute Tipps für mich parat. Habt ihr beispielsweise feste Routinen á la: Montagmorgens Sport, Mittwoch Arbeitstag, Freitag Spieleabend etc.?! Und könnt ihr meine Empfindungen nachvollziehen oder kommt euch das alles völlig fremd vor??? 🙈
Nach der kurzen Exkursion in mein Inneres jetzt aber wieder schnell zurück zu den Äußern Umständen: 😅
Am Montag erreichten wir endlich die nur noch 50 Kilometer vom Pazifik entfernt gelegene Stadt Nasca, welche sowohl den berühmten Scharrbildern als auch der Wüste ihren Namen leiht. Hier stießen wir auch seit längerem mal wieder auf die Panamericana. Ob wir ihr diesmal endlich länger folgen werden?! Außer den berühmten Geoglyphen gibt es hier aber noch viele Highlights mehr wie zum Beispiel die Aquädukte von Cantalloc. Da wir sowieso daran vorbeifuhren schauten wir uns diese uralte und sehr imposante Anlage aus der Nähe an. Das Volk der Nasca hat diese Kombination aus Brunnen, unterirdischen Wasserkanälen und Zugangsschächten („Puquois“ genannt) bis zum Jahr 600 n.Ch. vollendet. Da der „Río Grande“ sowie die zufließenden Bäche nur während der kurzen Regenzeit im Winter, von Januar bis März, Wasser führen ist die Einrichtung für die umliegende Bevölkerung mitunter noch heute von großer Bedeutung. Die spiralförmigen Zugänge zu den unterirdischen Quellen gaben ein hübsches Fotomotiv ab wenngleich in ihnen auch Schwärme der fiesen Sandflies lebten die sich sofort auf unsere nackten Beine stürzten… 😧





Bevor wir uns näher mit der Nasca Kultur beschäftigten machten wir noch einen weiteren, interessanten Abstecher. Mitten im Nirgendwo liegt der Friedhof von Chauchilla wo wir, mit Genehmigung des freundlichen Wärters Marcus, eine sehr ruhige Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen sahen wir uns dann in aller Ruhe, und vor allem mal wieder ganz alleine, die sprichwörtlichen Überreste einer noch älteren Kultur an. In der staubtrockenen Wüste wurden nämlich Jahrtausende alte Mumien und Schädel eines Prä-Inka Volkes gefunden. Die Toten wurden sitzend in Baumwollstränge gewickelt und danach mit Harz einbalsamiert. Anschließend wurden sie in mit Lehmziegeln ausgekleideten Gruben bestattet. Das Volk der Chinchorro lebte schätzungsweise vom zweiten bis zum neunten Jahrhundert n.Ch. und dank des trockenen Wüstenklimas sind die Gebeine noch relativ gut erhalten. Zumindest das, was die Grabräuber übrig ließen… Von diesen resultieren wohl auch die zahlreichen, abgetrennten Schädel. Der Ort diente außerdem als Schauplatz für die Dreharbeiten von Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels. Somit dürfen wir mit Stolz behaupten, die ältesten Mumien der Welt gesehen zu haben. Diese hier sind nämlich sage und schreibe 2.000 Jahre älter als die der Ägypter! 😮






Von dort aus machten wir uns dann nach dem Frühstück auf zu den Nasca Linien. Am besten sieht man die über 1.500 Figuren und mitunter Kilometer lange Linien aus der Luft. Allerdings kostet so ein Rundflug im Kleinflugzeug auch 100 USD pro Person und man sollte über einen stabilen Magen verfügen. Ich habe weder Geld noch einen kurventauglichen Magen weshalb wir uns mit den Aussichtspunkten entlang des Highways begnügten. 😅 Auf einem Hügel war gut das Relief einer Katze zu erkennen. Diese stammt jedoch nicht von den „Nasca“ sondern von den „Paracas“ welche in der vorangegangenen Epoche hier lebten. Von einem kurz darauf folgenden Aussichtsturm aus konnten wir jedoch deutlich drei Scharrbilder der „Nasca“ erkennen: Auf der einen Seite der Panamericana befindet sich die springende Kröte. Manche interpretieren diese auch als Hände, eine mit fünf und die andere mit vier Fingern. Direkt daneben liegt der Baum und auf der anderen Seite sieht man die Echse. Einige Kilometer weiter stoppten wir dann erneut, am Museum Maria Reiche. Die aus Dresden stammende Deutsche Physikerin und Mathematikerin widmetet fast ihr gesamtes Leben der Erforschung der Nasca Linien. Sie vermaß und kartierte die Linien, vor und nach dem zweiten Weltkrieg, bis sie im hohen Alter von 95 Jahren starb. Nicht zuletzt dank ihr erlangten die Geoglyphen den UNESCO Weltkulturerbe Status. Etwa 120 km später erreichten wir dann ein weiteres Wunder, die Oase „Huacachina“ unweit der Stadt „Ica“.

















Nach dem wir eine angenehme Nacht, in einer der wenigen Straßen des winzigen Örtchens, verbracht hatten checkten wir am folgenden Morgen im „Ecocamp Huacachina“ ein. Das hübsche Hotel integriert sich mit seinen schlichten Zelten, die als Hotelzimmer dienen, sowie den Bambuswänden wunderbar in die Dünenlandschaft. Außerdem verfügt die Anlage über einen schönen Pool inklusive Pool-Bar, wo wir uns zwar keinen Cocktail, dafür aber einen leckeren Brownie mit Vanille Eis gönnten. 😋 Irgendwann wurden uns die Liegen am Pool zu unbequem und wir machten uns gegen 16:00 Uhr auf zu den Dünen. Schließlich wollten wir pünktlich zum frühen Sonnenuntergang oben sein! Tatsächlich mussten wir zuerst knapp 4 Soles (= 1 €) Eintritt entrichten bevor wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen konnten. Bei all den vielen Touristen hier aber natürlich völlig verständlich und gerechtfertigt. Scheinbar hatten wir, mal wieder, einen günstigen Tag erwischt denn es war deutlich weniger los als erwartet. Die meisten Besucher suchen außerdem eher den Adrenalinkick und düsen, laut johlend, mit Strandbuggys über die Dünen. Nur einige wenige erklommen, so wie wir, die mitunter bis zu 1.000 Meter hohen Sandberge. Es lief sich besser als gedacht und wir kamen relativ bald am höchsten Punkt an von wo aus wir eine herrliche Rundumsicht hatten. Nicht nur hinunter auf den sagenumwobenen See mit seinem üppigen Grün rundum, der angeblich durch den zerbrochenen Spiegel einer Inka-Prinzessin entstanden sein soll. Sondern auch weit in die Ferne, hinweg über unzählige Sanddünen mehr, sowie auf die nahe gelegene Großstadt „Ica“. Nach dem wir unsere Kaltgetränke sowie die Aussicht genossen hatten begaben wir uns in der untergehenden Sonne wieder zurück zum Camp. In dessen Hof stand unser Van, zusammen mit einigen weiteren Campern, und wir nutzten noch die große Freiluftküche für eine schnelle, cremige One-Pot Parmesan Pasta. 🍝 Falls ihr dieses einfache und sehr leckere Gericht gerne nachkochen möchtet, für welches man noch dazu kaum Zutaten und nur einen Topf benötigt, dann schaut unbedingt hier:








Einen Tag später verließen wir das hübsche und sehr besondere Fleckchen Erde dann auch schon wieder. Nach einer ausgiebigen sowie sehr heißen Dusche fuhren wir zurück nach „Ica“, wo wir direkt den großen „Plaza Vea“ Supermarkt ansteuerten. Unser nächstes Ziel befand sich an der Küste und in dem touristischen Ort „Paracas gab es laut Aussage von Max und Merle, die dort bereits auf uns warteten, nur sehr teure Einkaufsmöglichkeiten. Deswegen arbeiteten wir nicht nur unsere eigene, sondern auch deren Einkaufsliste ab und übergaben ihnen die volle Tüte rund eine Stunde sowie 75 km später. 😃 Wir parkten unseren Van hinter ihrem, in bester Strandlage, so dass wir den Blick aufs ruhige Meer während unserer angeregten Gespräche ungetrübt genießen konnten. Der Rundgang durch den derzeit sehr verschlafenen, kleinen Ferienort war dann auch schnell erledigt und wir fanden uns kurz darauf zu einem leckeren, von Max frisch zubereiteten, Abendessen in ihrem VW Crafter zusammen. 🍻

Der Freitag begann mit einem kurzen, aber knackigen Workout am Strand bevor wir uns in die Vans verzogen um fleißig an den nächsten Projekten zu arbeiten. Dazwischen bereitete Simon das Abendessen für uns vor denn hier am Strand hatten wir den idealen Platz für den seit langem heiß ersehnten Dutch Oven gefunden. 🔥 Zuvor genossen wir noch gemeinsam, bei einem kühlen Bier, den schönen Sonnenuntergang über der „Paracas“ Halbinsel bevor wir uns hungrig über das leckere Schicht-Cordon Bleu hermachten. 😋



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