Nach dem wir, zwecks besserer Akklimatisierung, zwei Nächte am Straßenrand auf etwa 3.500 m üNN verbracht hatten machten wir uns am Samstagmorgen auf zur nahegelegenen Grenze. Auf den 15 Kilometern bis zum Pass „Hito Cajón“ ging es noch einmal rund 1.000 weitere Höhenmeter hinauf. 😮 Am schicken, chilenischen Grenzposten angelangt dachten wir zuerst dieser hätte geschlossen da alle Türen und Rolltore zu waren. Kurz nach dem wir unseren Van abgestellt hatten öffnete jedoch ein freundlicher Polizist eine der Türen und bat uns in den ziemlich neu wirkenden Komplex hinein. Zum Zeitvertreib befand sich dort sogar eine Tischtennisplatte und ein Tischkicker welche wir tatsächlich kurz nutzten während drei Reisegruppen in Kleintransportern abgefertigt wurden. Unser Ausreiseprozess verlief dann vergleichsweise schnell da wir uns ja keinerlei Lebensmittelkontrollen etc. mehr unterziehen mussten. 👍 Wir fuhren rund 5 Kilometer weiter durchs Niemandsland bis zum ersten bolivianischen Grenzposten. Dieser stand im krassen Kontrast zum chilenischen Gebäude. Hier saß lediglich ein dick eingepackter Bolivianer in einer unbeheizten Bruchbude welcher unseren Pässen einen neuen Stempel aufdrückte. Der bolivianische Zoll befand sich dann, kurioser Weise, in einem anderem Gebäude welches einige Kilometer weiter nahe der „Laguna Blanca“ lag. Dort saß ebenfalls lediglich ein freundlicher Beamter der zügig die Papiere für unser Auto fertig machte und uns, ohne mit der Wimper zu zucken, die 90 Tage Aufenthalt gewährte. 🙃 Die Inspektion unseres Fahrzeuginnenraums fiel ebenfalls denkbar knapp aus und er begnügte sich mit einem flüchtigen Blick in einen unserer Kleiderschränke. Nicht einmal den Kühlschrank wollte er sehen und unser geschmuggeltes Grünzeug blieb somit glücklicherweise ebenfalls unentdeckt. Beim nächsten Gebäude entrichteten wir dann noch in Bar die Eintrittsgebühr für den Nationalpark in Höhe von 20 € p.P. und somit war der offizielle Teil geschafft. 😀 Wir stürzten uns direkt in die mitunter doch sehr abenteuerliche Umrundung der ersten beiden Lagunen. Die Wege im Nationalpark „Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Abaroa“ sind durchweg schlecht und insbesondere abseits der Hauptroute fährt man nur noch den Spuren der vorherigen Autos hinterher. Wir mussten tierisch aufpassen, dass wir kein Loch im Boden übersahen und vor allem nicht im Sand oder einer tieferen Fahrspur stecken blieben. Aber dank meinem super Fahrer gelangten wir, nach extrem windigen Fotostopps an der „Laguna Blanca“ bzw. „Laguna Verde“, wieder gut auf der Hauptstraße an. Von dort aus führte uns unser Weg noch weitere 45 km durch die unbeschreiblich schönen Landschaften des Nationalparks. Die Berge leuchteten in den unterschiedlichsten Rot-, Gelb- und Grüntönen und dazwischen schimmerten die schönen Lagunen. Am Ende unserer Tagesetappe angelangt erwarteten uns dann als weiteres Highlight noch die natürlichen Thermalbäder an der „Laguna Chalviri“. Da es an diesem Tag bewölkt und extrem windig bei gerade einmal 10°C Außentemperatur war freuten wir uns umso mehr über das wohltuende Bad in den 38°C warmen, mineralischen Außenbecken mit herrlichster Sicht über die Lagune auf die dahinterliegenden Berge. 🤩 Wir hielten gut zwei Stunden im Wasser aus bevor wir uns etwas Schnelles im Van zu Abend kochten. Glücklicherweise hatte unsere Standheizung mit der Höhe von rund 4.500 Metern keine Probleme und heizte unseren Innenraum schnell auf. Wir hingegen hatten einmal mehr mit der Höhe zu kämpfen und lagen bis weit nach Mitternacht, von Kopfschmerzen geplagt, wach. Die starken und böigen Winde, die es locker mit denen in Patagonien aufnehmen konnten, waren zudem für einen ruhigen Schlaf nicht gerade förderlich. Unser Van wankte ordentlich hin- und her und das Klappern der Dachluke trug auch nicht unbedingt zur Nachtruhe bei… 😕










Am nächsten Morgen besserten sich unsere Kopfschmerzen glücklicherweise schnell und auch der bestialische Wind hatte sich verzogen. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel und wärmte die Umgebung schnell auf, trotz Temperaturen von -3°C in der Nacht. 🥶 Nach dem wir die warmen Bettdecken und Jacken aus dem Kofferraum geholt hatten schauten wir uns die wenigen Gebäude um uns herum an. Wir entschieden, uns in einem der Hostels ein Mittagessen für schlappe 4 € pro Kopf zu gönnen. Es gab ein Stück saftige Hühnchenbrust mit Reis bzw. Kartoffelpüree und dazu Tomaten-Gurken-Salat. Und ein Wackelpudding zum Dessert war sogar auch noch inbegriffen. 😆 Der Eintritt zu den beiden Hot-Pools war mit unter 1 € p.P. ebenfalls zu vernachlässigen und am Nachmittag durften wir diesen fast ganz für uns alleine genießen. Und weil es so schön war gingen wir zum Sonnenunter- bzw. Mondaufgang unter einem schönen Sternenzelt noch einmal in das wohltuend warme Becken. 😊

bis die Touren wieder aufbrachen 😆



aus den Thermalquellen gespeist 😮


Nach einer klirrend kalten Nacht hatten wir am frühen Morgen um 06:00 Uhr, trotz der Thermomatten, Eisblumen an den Seitenfenstern und auch unsere Wasserpumpe verweigerte den Dienst. 😨 Wir hatten Sorge, dass das Wasser darin über Nacht eingefroren sein könnte weswegen wir unseren Kaffee mit Trinkwasser kochten und unseren Wasserhahn vorerst nicht weiter nutzten… Als langsam die Sonne zum Vorschein kam machten wir uns auf den Weg zu den unweit der Thermen gelegenen Geysiren. Deren Dampfwolken sollen früh morgens am schönsten sein weswegen wir ausnahmsweise entsprechend früh aufgestanden waren. Die Geysire liegen auf einer Höhe von 4.900 m üNN und die Zufahrtsstraße war für unseren Van einmal mehr ungeeignet. Deswegen parkten wir ihn am Straßenrand und liefen querfeldein durch die vielen bunten Krater welche teilweise hohe, nach Schwefel riechende Fumarolen ausstießen oder alternativ blubbernden Schlamm enthielten. Wir waren zutiefst beeindruckt von diesem sagenhaften Naturschauspiel und einmal mehr sehr froh darüber, dass wir in unserem eigenen Tempo reisen dürfen. Während wir in aller Seelenruhe von einem Krater zum Nächsten liefen stoppten die Jeep-Touren nur für ein schnelles Foto am Hauptgeysir „Sol de Manana“. 🙈 Nach einem schnellen Frühstück im Van rüttelten wir weiter über zum Teil wirklich üble Wellblechpisten bis zur „Laguna Colorada“. Auch dort trauten wir dem letzten Abschnitt bis zum Aussichtspunkt nicht über den Weg da es auf diesem kurzen Reststück relativ viel losen Sand gab. So parkten wir auch diesmal unser Zuhause am Seitenstreifen und liefen zu Fuß entlang des Ufers der surreal wirkenden Lagune deren Wasser durch eine bestimmte Algenart rot gefärbt ist. Deswegen leben hier auch sehr viele Flamingos, denen diese Algen als Nahrungsgrundlage dienen und für ihr schönes, rosafarbenes Gefieder verantwortlich sind. Und als wir dann auch noch die ersten Lamas entdeckten war ich erst recht völlig aus dem Häuschen. 🙃 Nach dem wir UNZÄHLIGE Aufnahmen von der wunderschönen Umgebung gemacht hatten mussten wir leider die ganze üble Strecke bis zu den Geysiren wieder zurück hoppeln. Zumindest für unser Fahrzeug gab es keine Alternativroute. Gegen 16:00 Uhr am Nachmittag gelangten wir neuerdings an der Abzweigung zu den Thermen an. Ich wäre dafür gewesen, noch einmal zu diesen zurückzukehren und den Tag im Hot-Pool ausklingen zu lassen. Simon wollte aber keinesfalls die 25 Kilometer zurückfahren und so fügte ich mich in mein Schicksal. Wieder auf der Hauptroute angelangt wurde diese minimal besser aber trotz allem konnten wir keinesfalls schneller als 20-30 km/h fahren. Der angepeilte Stellplatz entlang des Weges war für unseren Van leider unerreichbar und so kam es, dass wir an diesem Tag noch bis weit in die Dunkelheit hinein auf der üblen Piste unterwegs waren. Irgendwo auf diesem Streckenabschnitt in das winzige Örtchen „Villa Mar“ ging dann auch unser vorderer, linker Stoßdämpfer kaputt und als wir gegen 19:30 Uhr endlich in der Ortschaft angelangten ruinierten wir uns auch noch ein Teil unserer Wassertankverkleidung. Möglicherweise, weil unser Bus auf Grund der beschädigten Dämpfer nun deutlich tiefer federte und wir deshalb auf einem der Geschwindigkeitspoller aufsaßen. Zumindest mir reichte es an diesem Abend definitiv und meine Nerven lagen, nach den ganzen Strapazen des Tages, kurzzeitig echt blank. 😭



















Immerhin verbrachten wir in dem winzigen Dorf, in dem es außer ein paar Lokalitäten für die durchreisenden Touristen nicht viel zu geben schien, eine extrem ruhige Nacht. Und da sich dieses nur noch auf 3.500 Metern üNN befand war es auch nicht mehr ganz so kalt. Am Morgen konnte ich aus unserem Seitenfenster heraus ein paar Frauen in ihrer traditionellen Kleidung beobachten die ein paar junge Lamas vor sich her trieben. 😍 Da war das schlechte Vortagesende schnell wieder vergessen und bereits jetzt fühlten wir uns in Bolivien ultrawohl. Von „Villa Mar“ aus mussten wir weitere 50 Kilometer mit kaputtem Stoßdämpfer über nach wie vor sehr schlechte Pisten in Richtung „Uyuni“ schottern. Auf diesem letzten Teilstück hatten wir jedoch neuerdings herrliche Ausblicke auf die wunderschöne Andenlandschaft geprägt von den zahlreichen, umliegenden Vulkanen sowie einigen skurrilen Felsformationen. Immer wieder grasten Lamas mit bunt geschmückten Ohren am Straßenrand und auch ein „Viscacha“, eine zur Familie der „Chinchillas“ gehörende große Nagetierart, konnten wir entdecken. 🤩 Auf dieser Etappe gab es noch einmal einige Herausforderungen zu überwinden denn wir mussten mehrmals ziemlich große sowie tiefe Pfützen umfahren und am Ende auch noch einen Bachlauf durchqueren. So waren wir dann doch erleichtert, als wir auf der asphaltierten Straße angelangten welche uns über weitere 100 Kilometer bis nach „Uyuni“ führte. In dem 11k Einwohnerort angelangt trafen wir im Ortskern erneut auf Marcel und seine Frau alias sejoganomundo_br – die beiden netten Brasilianer welche wir bereits in „San Pedro“ kennenlernen durften. 😊 Wir stellten unseren Van mit gutem Gewissen neben ihrem ab zumal sie direkt vor der zentralgelegenen Militärbasis standen an der 24/7 Soldaten präsent waren. Etwas erschöpft von der Anstrengung der letzten Tage aber auch überglücklich und euphorisiert dank der vielen schönen, neuen Eindrücke gönnten wir uns noch ein sehr leckeres Abendessen im Restaurant „Tacurú. Für rund 20 € inklusive Getränken teilten wir uns eine hauchdünne, knusprige Pizza die u.a. mit Lama-Fleisch sowie Paprika belegt war sowie das Nationalgericht „Pico Macho“. Dieses kam in Form von Kartoffel-Wedges sowie zarten Rindfleischstücken in einer sehr schmackhaften, dunklen Sauce daher und war üppig mit Tomaten, Zwiebeln und Ei garniert. Wie schön, dass Bolivien nicht nur mit tollen Landschaften aufwartet, sondern es hier (im Gegensatz zu Chile) auch mal wieder richtig gut gewürztes Essen zu sehr humanen Preisen zu geben scheint. 😀👍👍







hatten wir uns redlich verdient

P.S.: Falls ihr ebenfalls überlegen solltet ob ihr die Lagunen Route mit dem eigenen Fahrzeug in Angriff nehmen sollt dann findet ihr hier Infos zur Lagunen Route bzw. zu den verschiedenen Routen. Wir hatten uns für die Route A bzw. die Ost-Route entschieden. 😉
Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.
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