NEW BLOG POST 🇦🇷 🇨🇱 (11.03. – 17.03.2023) NP Lanín – Freire

Argentinien verabschiedete uns mit einer Kulisse die schöner nicht hätte sein können. Unsere letzten Kilometer hin zur chilenischen Grenze führten uns entlang von in der Sonne goldgelb leuchtender Grasbüschel, durch die sich ein plätschernder Fluss schlängelte. Am Himmel kreisten einige Kondore und auch die kleinen, lauthals schreienden grünen Papageien waren seit Ewigkeiten mal wieder zu sehen (und definitiv nicht zu überhören 😅). Die Felsen aus Lavagestein zeugten vom mächtigen Vulkan „Lanín“ auf welchen wir geradewegs zusteuerten und die zahllosen „Araukarien“ Bäume (ähnlich den Drachenbäumen) taten ihr übriges zu der kitschigen Dinosaurier-Kulisse. Am Lago Tromen legten wir einen längeren Zwischenstopp ein und vertraten uns auf dem Rundweg zum See die Beine. Der Wind wehte mitunter ziemlich böig und peitschte den schwarzen Lava-Sand am Ufer entlang. Vermutlich hatte dieser auch die Steine am Strand so ordentlich von groß nach klein sortiert. Auf dem Rückweg ging es durch windstillere Büsche sowie lichte „Araukarien“ Wälder mit freier Sicht auf den schneebedeckten Vulkan, an dessen Spitze sich ab und an ein paar dünne Wolkenfetzen verfingen. Nach der acht Kilometer langen Runde stärkten wir uns noch mit Kaffee und Schokoladen-Kuchen bevor wir die letzten zwei Kilometer bis zur Grenze holperten. Sowohl auf der argentinischen als auch auf der chilenischen Seite verlief das Grenzprozedere, wie bisher immer auf unserer Reise, reibungslos. Auch die Lebensmittelkontrolle bei der Einreise nach Chile fiel denkbar knapp aus und diesmal schmuggelten wir sogar einige frische Lebensmittel über die Grenze. 🤫 Wir fuhren noch gute eineinhalb Stunden weiter in Richtung Pucón, bogen jedoch kurz davor an den „Lago Caburgua“ ab. Dort fanden wir auf einem Parkplatz in Nähe des Wassers einen passablen Stellplatz für die Nacht und wurden nach Einbruch der Dunkelheit noch mit einem fantastischen Sternenhimmel belohnt. Mit bloßem Auge konnten wir problemlos die Milchstraße erkennen. Übrigens wird es, zumindest gefühlt, mit jedem Kilometer den wir weiter nördlich fahren früher dunkel. Mittlerweile ist es gegen 20:30 Uhr schon fast stock Finster. 😮

Unsere letzten Kilometer in Argentinien
Einfahrt in den Nationalpark Lanín
Araucarien Bäume & dahinter der Vulkan Lanín
Die Wolken kreiseln um die Spitze
Am windigen Lago Tromen
Kaffee und Kuchen nach der Wanderung
Und ab zur Grenze („Aduana“)

Im Gegensatz zum kargen und trockenen Argentinien wurde es auf der anderen Seite der Berge, nämlich in Chile, sofort wieder merklich grüner. Grün bedeutet allerdings auch mehr Regen und so startete unser erster Tag nach dem Grenzübertritt direkt mit Nieselregen. Die Wolken erreichten mitunter sogar den Strand aber gegen Nachmittag wurde der Himmel langsam heller. Ursprünglich hatten wir geplant von diesem Stellplatz aus den nahegelegenen Nationalpark „Huerquehue“ anzusteuern. Dort wollten wir auf dem „Sendero San Sebastian“ zum gleichnamigen Gipfel wandern von welchem aus man sage und schreibe neun Vulkane und fast noch einmal so viele Lagunen sehen soll. Unsere erneuten Recherchen ergaben allerdings, dass man dafür während des Ganztagesmarschs auch rund 1.200 Höhenmeter bewältigen muss. 😨 Das trauten wir unserer Kondition dann irgendwie doch nicht so ganz zu… Wahrscheinlich hätten wir es geschafft, wären aber völlig entkräftet wieder unten angelangt. Zumal man sich, wie leider so oft in chilenischen Nationalparks, vorab hätte online registrieren müssen. Spontan geht hier leider gar nichts und da wir unterwegs stets offline sind stellt dies für uns ein gar nicht so kleines Problem dar. 😕 Noch dazu war das Wetter an diesem Tag fürs Wandern so rein gar nicht geeignet und montags wäre der NP geschlossen gewesen. So entschieden wir am frühen Nachmittag kurzerhand nach „Pucón“ weiterzufahren. Die Kleinstadt liegt am „Lago Villarrica“ und bezeichnet sich selbst als „Action-Mekka“. Allerdings fanden wir dort nirgends einen geeigneten Stellplatz und so beließen wir es bei einem schnellen Einkauf im „Lider“ Supermarkt. Nach dem Obst und Gemüse verstaut waren fuhren wir weiter nach „Villarrica“. Die 50k Einwohnerstadt liegt quasi direkt gegenüber von „Pucón“ am selben See mit Blick auf den derzeit tatsächlich aktiven Vulkan „Villarrica“. Schon bei der Einfahrt entlang der belebten, langen Promenade gefiel es uns hier deutlich besser. Wir fanden auf Anhieb einen guten Stellplatz am See von wo aus wir uns noch ein wenig umschauten. Kurz darauf erlebten wir noch eine freudige Überraschung, als Timo und Alina alias „Sprintour“ an unser Fenster klopften. 😀 Wir dachten die beiden wären uns voraus, weil sie an anderer Stelle die Grenze überquert hatten. So trafen wir uns unerwartet und schneller als gedacht wieder. 😍 Sie machten uns außerdem darauf aufmerksam, dass man im Dunkeln den Krater des Vulkans glühen sehen konnte und tatsächlich! Was für ein beeindruckendes Spektakel… Wir konnten in der Nacht problemlos die Lava am Krater brodeln sehen. Zu Fuße des Vulkans uns gegenüber lag der spiegelglatte See und die Lichter der Stadt. 🤩

Chile empfing uns mit Regen 🌧
Promenade in Villarrica
Überraschendes Wiedersehen mit Sprintour 😃
Im Hintergrund der leuchtende Krater

Nach einer ruhigen Nacht (ich hatte wohl als Einzige das Auto mit der lauten Musik überhört) drehten wir am Morgen eine Runde entlang der Promenade, vorbei an dem künstlich aufgeschütteten schwarzen Sandstrand, und der Hauptstraße. Dort fanden wir in der deutschen Bäckerei „Rostock“ sogar Brezeln und richtig tolle Körnerbrötchen. Wieder zurück am Van nutzte Simon das freundliche Wetter für einen Flug mit der Drohne über den See während ich in Selbigem noch meine Haare wusch. 😅 Gegen Nachmittag verzogen sich dann auch die letzten Wolken über dem Vulkan und wir folgten Timo und Alina in ihrem VW Crafter den Berg hinauf bis zum Ski-Lift unterhalb des rauchenden Kegels. Die Schotterpiste verlangte beiden Autos mal wieder so einiges ab aber wir gelangten unbeschadet an dem Parkplatz an. Und die fast 1.000 Höhenmeter hinauf hatten sich wirklich gelohnt. Von dort aus hatten wir einen fantastischen Blick hinunter auf den See, die vielschichtigen Bergketten sowie die Stadt. Auch der Vulkan „Villarrica“ zeigte sich in voller Pracht so dass wir etliche gute Aufnahmen machen konnten. Während wir den schönen Sonnenuntergang bewunderten schlürften wir noch genüsslich den leckeren Smoothie, den Alina in ihrem just erworbenen Mixer für uns zubereitet hatte. 🍌🥭🍓 Als es dann langsam zu dämmern begann wurden wir Zeugen eines ganz besonderen Naturschauspiels: Wie aus dem Nichts, scheinbar aus dem rauchenden Krater, krochen dicke Wolken langsam den Vulkan hinab bis dieser fast völlig von einer weißen Glocke bedeckt war. Auf Grund dessen konnten wir leider auch nur kurz, als die Spitze noch halbwegs frei lag, ein Glimmen erkennen. Nach einem schnellen Abendessen begaben wir uns dann noch einmal hinaus in die Kälte denn der klare Sternenhimmel war es allemal wert. Wir konnten abermals die Milchstraße, unzählige Sterne sowie uns unbekannte Sternbilder sehen. ⭐ Ich stand in der Nacht zweimal auf um einen Blick aus dem Fenster zu werfen in der Hoffnung, der Vulkan würde sich doch noch einmal zeigen aber leider blieb er eisern in den Wolken. 🤷‍♀️

Nach 7 Monaten Reise die erste Brezel 🥨
Das Wetter besserte sich…
… und wir machten uns auf zum Vulkan 🌋
Danke Alina für den leckeren Smoothie 😛
Anfangs war die Spitze noch wolkenfrei…
… und dann begann das Spektakel 😯
Der Sonnenuntergang war gleichfalls atemberaubend
Übernachtung unterm Sternenzelt 💫

Auch den Dienstag verbrachten wir gemeinsam an dem schönen Stellplatz unterhalb des Vulkans. Als sich gegen Nachmittag die letzten Wolken verzogen und die Temperaturen merklich stiegen machten wir uns zu viert auf zu einer kleinen Wanderung auf dem Vulkan. Wir liefen entlang des breiten Weges bis zur Bergstation, an welcher sich ein weiterer Sessellift befand. Vermutlich sind die Lifte jedoch nur während der Ski-Saison in Betrieb. Von dort aus hatten wir eine tolle Sicht hinunter ins Tal, auf den See sowie die Berge und einen weiteren, mächtigen Vulkan in der Ferne. Obwohl es an diesem Tag recht diesig war hatten wir eine ganz gute Fernsicht. Wir folgten einem weiteren Wanderpfad bis hin zu einer großen Lava-Höhle, die sich in mitten des erkalteten Lavastroms gebildet hatte. Nach dem Timo und Simon dort noch ein paar Luftaufnahmen gemacht hatten begaben wir uns auf den Rückweg. Und wie bereits am Tag zuvor wurde es, mit langsam untergehender Sonne, stetig merklich kühler. Wir kochten jeweils separat in unseren Vans etwas zu Abend um uns anschließend noch einmal mit den Campingstühlen vor den Autos ein wenig zusammenzusetzen. 🥰

Wir nähern uns dem Vulkan „Villarrica“ immer weiter
Im Winter ein großes Skigebiet
Blick auf den See sowie einen weiteren Vulkan
Der Krater rauchte erneut 😳

In der Nacht begann es dann zu regnen und der nächste Morgen begann so schlecht, wie ein Morgen nur beginnen kann. 🙈 Simon weckte mich gegen 08:00 Uhr mit den Worten: „Julia, mach schnell das Licht an! Mir läuft Wasser ins Gesicht!“ Tatsächlich hatte sich, durch den konstanten Regen der letzten Stunden, mal wieder Wasser den Weg in den Innenraum unseres Vans gebahnt. Dieses suchte sich zwar langsam, dafür aber stetig seinen Weg bis es exakt über Simons Kopfende im Bett in einem Schwall zum Vorschein trat. 😰 Wir waren dementsprechend in heller Aufruhr, sprangen schnell in unsere Klamotten und versuchten den Wasserfluss irgendwie zu stoppen. Da uns die undichte Stelle jedoch leider völlig unbekannt ist blieben unsere Versuche vollkommen erfolglos. Auch das Abmontieren von zwei Wandpanelen brachte lediglich die Stelle zum Vorschein durch die das Wasser austrat. So wussten wir keinen anderen Ausweg als uns überstürzt von Timo und Alina zu verabschieden und die Fahrt hinunter nach „Villarrica“ anzutreten damit das Wasser auf dem Autodach derweil abfließen konnte. Als wir wieder an dem Stellplatz am See angelangten hörte es glücklicherweise auf zu regnen und wir bemühten uns, den Van in anderer Schräglage als zuvor zu parken. Sollte es erneut regnen würde das Wasser hoffentlich direkt abfließen. Auf den Schock am Morgen gab es nun erst einmal einen heißen Kaffee so wie ein kleines Frühstück bevor wir in die Stadt liefen um im WLAN den Wetterbericht zu checken. Kaum waren wir dort angelangt setzte neuerdings Regen ein weswegen wir sicherheitshalber zum Van zurückkehrten. Glücklicherweise blieb alles trocken und die Schauer verzogen sich. Gegen später stießen Timo und Alina wieder zu uns die nämlich noch unseren Reiseführer bei sich hatten. Während die beiden bei den Autos blieben machten wir uns erneut zu Fuß auf ins Zentrum. Wir steuerten einen großen Baumarkt an in dem wir sogar die uns bekannte Klebe- und Dichtmasse von „sikka“, wenn auch zu einem horrenden Preis, erhielten. Somit konnten wir dem Tag doch noch etwas Positives abgewinnen. 👍 Nun müssen wir uns schleunigst in wärmere Gefilde begeben und dort einen geeigneten Ort für die größeren Reparaturarbeiten suchen. 😕 Nach dem wir im danebengelegenen Supermarkt noch ein wenig frisches Obst und Gemüse gekauft hatten kehrten wir zum Van zurück um zu kochen und uns abends noch ein wenig mit unseren zwei Reisegefährten auszutauschen. Es ist immer wieder gut und beruhigend zu wissen, dass nicht nur wir Probleme bzw. Baustellen haben. So gut wie alle, die im Van unterwegs sind, haben kleinere oder gar noch größere Schwierigkeiten als wir. 😅

Hier trat das Wasser diesmal aus 💦
Abends gab’s heißes Bohnen-Curry 😋

Glücklicherweise zog kein nennenswerter, weiterer Regen mehr auf so dass wir eine unbeschwerte und ruhige Nacht verbringen konnten. Am Morgen verabschiedeten wir uns von Timo und Alina und fuhren bis zu einer großen „Copec“ Raststätte. Diese befand sich direkt an der Ruta 5, welche fast durch ganz Chile führt und auch als „Panamericana“ bekannt ist. Somit fuhren wir erstmals, wenn auch nur kurz, auf einem richtigen Stück Highway der berühmten Traumstraße. 😍 Für die etwas mehr als 5 km lange Strecke, die wir darauf fuhren, wurden uns allerdings auch direkt 4,50 € Autobahngebühr abgeknöpft. 😮 Die angesteuerte Raststätte ähnelte sehr unseren in Deutschland und bot alle Annehmlichkeiten wie beispielsweise ordentliches WLAN sowie Duschen. Letztere sparten wir uns jedoch für den nächsten Morgen auf da wir entschieden dort zu übernachten. 😉 Auch unsere in „Villarrica“ erworbene „claro“ SIM-Karte konnten wir hier aktivieren und damit vier fertiggestellte YouTube Videos hochladen. So können wir bei Bedarf nun tageweise Internet buchen und dieses auch unterwegs nutzen. Außerdem entschieden wir uns nach erneuter Online-Recherche sowie Wettercheck final dazu, als nächstes in den Nationalpark „Conguillio“ zu fahren. 🚐 Und seit langem, ich glaube fast seit Brasilien, gingen wir uns an diesem Tag gegenseitig ordentlich auf den Wecker. Vielleicht lagen unsere Nerven einfach noch blank vom Vortag und die Anspannung entlud sich Stück für Stück. 🤷‍♀️

Seit langem mal wieder über Nacht an einer Raststätte

Die ganze Nacht über fiel Regen aber unser Innenraum blieb Gott sei Dank trocken. Simon hatte zuvor einen niederschlagsfreien Moment abgepasst und die möglicherweise leckenden Stellen an den Verschraubungen der Solarpaneele mit Bitumenband abgeklebt. Die Maßnahme war wohl erfolgreich aber trotzdem hatten wir bei jedem Tropfen, der aufs Dach prasselte, ein sehr mulmiges Gefühl. 🙈 Direkt nach dem Aufstehen gönnte ich mir für nicht einmal einen Euro eine ausgiebige, heiße Dusche an der Raststätte. Die Sanitäranlagen waren blitzblank und die Duschräume super großzügig bemessen, sogar inklusive separatem Waschbecken und Toilette. 👍 Da den ganzen Tag über permanent leichter Nieselregen vom Himmel kam entschieden wir auch den Freitag dort zu verbringen. Wir nutzten das WLAN um jeweils unsere Steuererklärungen auszufüllen und abzugeben sowie um mit den Lieben zuhause zu telefonieren. 🥰 Und dank der just erworbenen „claro“ Karte und dem darauf verbliebenen Datenvolumen konnten wir abends im Van sogar noch zwei Folgen einer Serie streamen. 📺

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.

P.S.: Wenn euch unser Blog gut gefällt (was ich sehr hoffe) dann freuen wir uns über jedwede noch so kleine oder große Spende in unsere Kaffee- oder Dieselkasse als kleines Dankeschön und Anerkennung unserer Arbeit. ☕⛽🚐 

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Kontaktiert uns auch gerne direkt per Mail an mailto:siju_campervan@web.de falls ihr Kritik, Anregungen oder Fragen zu unserer Reise oder uns ganz allgemein haben solltet.


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