Am Donnerstagmorgen verließen wir nach rund einer Woche „El Calafate“. Dort nutzten wir im Ort noch die Möglichkeit, in einem „Pago Fácil“ Laden die Versicherungsgebühr für unseren Van zu entrichten. Wir hatten diese bereits vor Reiseantritt bei der „Allianz“ in Argentinien (www.speiserseguros.com.ar) für sechs Monate abgeschlossen und nun verlängert. Die Haftpflichtversicherung gilt in Summe für sechs Länder: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay sowie Uruguay. Jetzt kommt der Clou: Von Deutschland aus bezahlten wir 103 US$ für die Versicherung und zusätzlich sage und schreibe 50 € Gebühr für die Auslandsüberweisung auf Grund der Fremdwährung. 🤮 Hier konnten wir nun bar mit argentinischen Pesos bezahlen (ohne Gebühren) und prompt belief sich die Versicherungssumme für weitere sechs Monate nur noch auf 80 €. 👍 Nach dem auch das erledigt war machten wir uns auf den Weg in das etwa 200 km entfernt liegende Wanderparadies „El Chaltén“. Bereits bei unserer Anfahrt hatten wir eine fantastische Sicht auf den großen Gletschersee „Lago Viedma“ sowie den berühmtesten aller Berge in Argentinien, den „Fitz Roy“. Wir parkten direkt am Ortseingang von „El Chaltén“ beim Besucherzentrum, wo es auch eine kostenlose Trinkwasserquelle gibt. In selbigem schauten wir uns kurz um bevor wir uns direkt von dort aus auf den Rundwanderweg „Los Condores & Las Águilas“ begaben. Von dem ca. 6 km langen Weg aus, auf welchem es humane 270 Höhenmeter zu bewältigen gilt, hat man einige Male schöne Aussichten. Sowohl hinunter auf den kleinen Ort, die Flusswindungen des „Río de las Vueltas“ aber auch die umliegenden Berge, darunter den „Fitz Roy“ und „Cerro Torre“. Als Übernachtungsspot wählten wir den großen Parkplatz direkt gegenüber des Besucherzentrums wo sich bereits etliche Camper versammelt hatten. Darunter auch „Klaus und Luise“, die aktuell mit ihrem „Toyota Landcruiser“ mit Aufstelldach Südamerika bereisen. Die beiden Rentner stammen aus dem wunderschönen „Oberkirch“ bei Offenburg und wohnen somit gar nicht weit weg von uns. Und obwohl wir schon etliche tolle Wanderungen in und um ihr wunderschönes Heimatörtchen herum gemacht haben können die beiden sich für wandern so rein gar nicht begeistern. 😅 Dafür waren sie bereits viele Male für mehrere Wochen zu zweit mit ihrem Motorrad in Afrika unterwegs. Nach dem wir im Tausendsassa „Omnia“ richtig knusprige Fischstäbchen zu unseren vom Vortag übrig gebliebenen Bratkartoffeln zubereitet hatten unterhielten wir uns noch bis Mitternacht angeregt mit den beiden. Ich glaube, wir alle hatten gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit vergangen war. 🤣

konnten wir den Fitz Roy gut erkennen






Wir hatten, trotz der Vielzahl an Campern um uns herum sowie der Nähe zur Straße, eine unglaublich ruhige Nacht auf dem Parkplatz. Als wir ausgeschlafen hatten parkten wir auf den Wanderparkplatz am Ortsende um. Von dort aus starteten wir, nach dem wir uns beim Frühstück gestärkt hatten, unsere Wanderung zur „Laguna Capri“. Der sandige, breite Wanderweg war sehr gut angelegt so dass man anderen Wanderern gut aus dem Weg gehen konnte. Natürlich sind hier auf den Wegen in „El Chaltén“ sehr viele auf den Tracks unterwegs aber wir fühlten uns, zumindest hier, nicht wie auf der Autobahn und die Wanderer verteilten sich wohl ganz gut auf den Wegen. Um die Lagune herum verlief der Weg als Schlaufe, so dass es quasi ein halber Rundweg war von welchem wir immer wieder tolle Sicht auf den „Fitz Roy“ hatten. Aber auch die große Lagune mit ihren Kiesstränden konnte sich wirklich sehen lassen. Wäre das Wasser des Sees noch ein klein wenig ruhiger gewesen so hätte es ein fantastisches Bergpanorama Spiegelbild gegeben. Nach dem wir den Anblick genossen hatten machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Von oben aus hatte man neuerdings einen tollen Blick auf die vielen Windungen des „Río de las Vueltas“. Nach insgesamt 10 Kilometern sowie machbaren 400 Höhenmetern gelangten wir schlussendlich drei Stunden später wieder bei unserem Van an. Vor diesem Stand just in dem Moment ein jüngerer Mann aus Weingarten bei Karlsruhe. 😃 Er hatte zuvor für ein Jahr in Argentinien gelebt und zeigt aktuell gerade seiner Freundin während einer vierwöchigen Rundreise die Highlights des Landes. Nach dem netten, kurzen Plausch liefen wir zu Fuß in das kleine, nur 1.600 Einwohner zählende Örtchen. Hier ist natürlich ALLES auf Tourismus ausgelegt: Restaurants, Bäckereien mit angegliederten Cafés, etliche Hotels bzw. Hostels, ein Spa sowie unzählige Tour-Offices ziehen sich durch den gesamten Ortskern. Dies schlägt sich, logischerweise, auf die lokalen Preise nieder was dazu führte, dass wir die eigentlich anvisierte Waffel mit diversen Topping-Möglichkeiten doch links liegen ließen. 8 Euro dafür sind, zumindest für hiesige Verhältnisse, schlicht weg zu viel. So kehrten wir in einer der Bäckereien ein wo wir uns mit einer „Empanada de Pollo“ sowie zwei süßen Teilchen stärkten. Am Nachmittag brachen wir dann auf zum „Lago del Desierto“. Die 37 km lange Strecke bis ans äußerste Ende des Tals führte mal wieder ausschließlich über eine Schotterpiste welcher die Halterung unseres Rückfahrkamera-Displays zum Opfer fiel. 🙈 Wir hatten den Halter schon einmal notdürftig reparieren müssen aber dem ständigen Hoppeln hielt das Flickwerk wohl nicht stand. 😕 Dort angekommen verzogen wir uns für die Nacht auf den hintersten Teil der Parkplätze.






Wider Erwarten konnten wir auf dem Parkplatz problemlos die Nacht verbringen ohne von einem Ranger verjagt zu werden. Von dort aus liefen wir am Vormittag ein Teilstück des „Sendero Punta Norte“. Der schmale Trampelpfad führte uns zuerst über eine Hängebrücke und anschließend ging es über unzählige Wurzeln und einige Steine sowie kleine Bachläufe durch deinen dichten Ulmenwald. In Summe würde sich der Weg 10 Kilometer immer entlang des Sees ziehen bis hin zu einem Aussichtspunkt auf den „Fitz Roy“. Kurz danach könnte man auch, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, am dortigen Grenzposten Argentinien verlassen und die Grenze nach Chile überqueren um zum südlichsten Startpunkt der „Carretera Austral“ in „Villa O`Higgins“ zu gelangen. Wir hielten allerdings nach etwa 3 Kilometern an einem kleinen Kiesstrand an da Simon seine Angel mitgenommen hatte. Während mein Mann seinen Gummiwurm badete genoss ich die Aussicht auf die hängenden Gletscher an den gegenüberliegenden Bergen sowie auf den See. Leider war es an dem Tag merklich kühler als zuvor und auch etwas wolkiger. Nach insgesamt 6 Kilometern mit angenehmen 270 Höhenmeter kamen wir drei Stunden später wieder an unserem Auto an. Von hier aus hätte man den See auch mit dem Boot überqueren können. Allerdings war uns die Bootsfahrt mit 50 € p.P. definitiv zu teuer. Und auch die 5 € pro Kopf für den nur 2 km langen Rundwanderweg zum „Glacier Huemul“ wollten wir nicht investieren. Hier gibt es sooo viele tolle Wanderwege die, zu unserem Erstaunen, trotz der Zugehörigkeit zum „Parque Nacional los Glaciares“ alle kostenfrei sind. 👍 Zu unserer Kaffeepause gab es je ein „Alfajor“ bevor ich für den Abend bzw. den kommenden Morgen Brötchen- & Pizzateig zubereitete. Simon startete derweil einen zweiten, neuerdings erfolglosen Angelversuch. Zum Glück war auf die Pizza verlass. 🤣

an der Laguna del Desierto



Als ich am Sonntagmorgen die Tür vom Van öffnete wurde ich von einem strahlend blauen Himmel und, im Vergleich zum Vortag, wieder sehr angenehmen Temperaturen empfangen. Wenngleich das Thermometer im Van am Morgen lediglich 10°C anzeigte. 😮 Aber die Sonne lachte bereits und somit war klar: Heute ist DER Tag für die Wanderung zur Laguna Torre! Während die Brötchen buken, die diesmal warum auch immer leider nicht aufgegangen waren, frühstückten wir und machten alles abfahrbereit. Über die Schotterpiste ging es entlang des mitunter reißenden Gletscherflusses wieder zurück nach „El Chaltén“. Wir wählten einen etwas weniger frequentierten Startpunkt des „Sendera Laguna Torre“ am Ortstrand aus wo wir gleichzeitig auch unseren Van parkten. Mit leichtem Gepäck, Trinkblase und Vesper, ausgestattet begaben wir uns gegen Mittag auf den ca. 9 Kilometer und 400 Höhenmeter umfassenden Weg (einfache Strecke). Der Großteil des Anstieges befindet sich bereits auf dem ersten Drittel des Weges und macht das Laufen somit deutlich einfacher. Mitunter ist der sandige Pfad recht schmal und von größeren sowie kleineren Steinen gespickt was das Wandern mit Stöcken etwas erschwert. Auch in den niedrigen Büschen verfängt man sich auf dem schmalen Weg gerne mal mit den Trekkingstöcken. Dafür ist die gesamte Strecke sehr abwechslungsreich und bietet häufig schöne Ausblicke auf den „Fitz Roy“ sowie den Gletscher. Nach dem der erste Anstieg geschafft ist gelangt man am „Mirador Cascada Margarita“ von wo man eine gute Sicht auf die Stromschnellen des Flusses tief unten im Tal hat. Danach geht es weiter bergauf bis zum „Mirador Cerro Torre“ welcher, zumindest bei gutem Wetter, ein Bilderbuchpanoroma auf die berühmten Berge liefert. Hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen denn die Meisten laufen lediglich diese erste, etwa 3 Kilometer lange, Etappe. Von da an waren wir häufig alleine unterwegs wobei wir nirgends auf die befürchteten Menschenmassen getroffen sind. 👍 Vielleicht war es gar nicht sooo doof, den Trail Mitten am Tag statt früh am Morgen zu starten. Weiter ging es durch breite Ulmenwälder, buschige Ebenen sowie über Geröllfelder entlang des wilden „Río Fitz Roy“ bis hin zum „Mirador Lago Torres“ an der „Laguna Torre“. Bereits am Gletscherfluss waren deutlich frischere Temperaturen spürbar die vom kalten Wasser herrührten. An der Laguna selbst schlug das Wetter dann sogar komplett um. Plötzlich war es wolkig, es blies ein kräftiger sowie kühler Wind und wir waren froh, dass wir hinter einem aufgetürmten Steinwall etwas Schutz vor der Witterung fanden. Hier verzehrten wir unser mitgebrachtes Vesper und genossen derweil den Blick auf die von der Sonne angestrahlten Granitnadeln sowie auf den „Maestri“ Gletscher. Dank diesem treiben in der Laguna auch kleinere und größere Eisberge umher. 😀 Wir traten nach der Pause relativ schnell den Rückweg an da es doch unangenehm frisch war. Es ging über die gleichen Pfade wieder die 9 km zurück bis nach „El Chaltén“ bzw. zu unserem Van. Kaum hatten wir Lagune und Fluss hinter uns gelassen lachte erneut die Sonne und wir konnten die Jacken wieder ablegen. Da wir an den drei Tagen zuvor auch schon wandern waren reichte es mir am Ende des Tages dann auch. 😅 Infos zu allen Wanderwegen in und um „El Chaltén“ findet ihr übrigens unter www.elchalten.com oder auf www.edeltrips.com. Nach dem unsere Rucksäcke wieder im Van verstaut waren parkten wir um in den Ortskern von wo aus wir uns auf die Suche nach einem netten Restaurant begaben. Option Nummer eins („El Parador“) hatte an dem Tag leider geschlossen und bei Option Nummer zwei, dem Restaurant „Maffia“, geht ohne vorherige Reservierung leider gar nichts. 🙄 So landeten wir letztlich bei „Mathilda“. Wir bestellten als Vorspeise eine kleine Pizza Margarita mit frischen Tomaten & Basilikum. Als Hauptgang wählte ich ein Chicken-Curry mit Basmati-Reis und Simon einen Linsen-Eintopf. Wie so oft in Argentinien waren die Gerichte nur sehr spärlich gewürzt weswegen uns leider etwas der Pepp fehlte. Satt waren wir aber in jedem Fall. 😊 Als Übernachtungsspot wählten wir den Wanderparkplatz direkt am Ortsausgang da gegenüber direkt am Fluss am Abend keine Camper mehr standen.





schlug das Wetter plötzlich um 😳




Bereits am Vorabend hatte leichter Wind eingesetzt welcher in der Nacht merklich auffrischte. So wurde unser armer Bussi, und natürlich auch wir, immer wieder von heftigen Böen erfasst und ordentlich durchgeschüttelt. Entsprechend unruhig war mein Schlaf und irgendwie lag mir auch das Abendessen die ganze Zeit über schwer im Magen. 😬 Am Morgen schien zwar die Sonne aber die Böen waren nach wie vor sehr heftig und fegten dicke Staubwolken über den Schotterparkplatz. Dennoch machten sich einige wenige unerschrockene Wanderer, oder eben jene mit Zeitdruck, auf den „Sendero al Fitz Roy“. Wir beobachteten das Treiben vom sicheren Van aus während wir gemütlich frühstückten und Kaffee tranken. Am Vormittag zog der Himmel immer weiter zu und bald waren die Berge am Ende des Tals nicht mehr zu erkennen. Kurz darauf fing es dann auch an zu regnen und wir sind einmal mehr dankbar für das fantastische, sonnige und vor allem absolut windstille Wetter welches wir in den letzten vier Tagen genießen durften. 🙏 So hatten wir alle Zeit der Welt, um mal wieder an den Laptops zu arbeiten und die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Auch die Weiterreise nach Chile wollte recherchiert werden. Danke an der Stelle an Mama und Papa für euren tollen Reisebericht Support! War tatsächlich alles sehr hilfreich. 👍 Außerdem nutzten wir seit längerem mal wieder unsere Dusche im Van. Funktioniert immer wieder super, wenngleich der Aufwand minimal größer ist als bei externen Duschen. Da wir unsere Duschkabine im Normalbetrieb auch als Kleiderständer für Jacken sowie als Stauraum für unsere portable Camping-Toilette nutzen müssen wir sie erst aus- und nach dem Duschen wieder einräumen. Und nach Gebrauch natürlich reinigen. Aber alles halb so wild. 😉 Während des Regens, der am Nachmittag glücklicherweise aufhörte, konnten wir auch das Leck an unserer vorderen Dachluke lokalisieren. Jetzt müssen wir nur noch eine weitere Kartusche von dem Silikon besorgen und zum zweiten Mal ein trockenes, warmes Plätzchen für die Reparatur finden.

wärmt zur Not die Eulalia Decke 😜
„Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.
P.S.: Wenn euch unser Blog gut gefällt (was ich sehr hoffe) dann freuen wir uns über jedwede noch so kleine oder große Spende in unsere Kaffee- oder Dieselkasse als kleines Dankeschön und Anerkennung unserer Arbeit. ☕⛽🚐
Entweder über https://www.paypal.me/SiJuCampervan
oder https://www.buymeacoffee.com/SiJu_Campervan.
Kontaktiert uns auch gerne direkt per Mail an mailto:siju_campervan@web.de falls ihr Kritik, Anregungen oder Fragen zu unserer Reise oder uns ganz allgemein haben solltet.
Entdecke mehr von Vanlife & Reisen
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.