NEW BLOG POST 🇦🇷 (01. – 08.12.2022) Sierra de la Ventana – Península Valdes

Am nächsten Morgen ging es weiter in das hübsche, kleine Örtchen „Sierra de la Ventana“. Dieses liegt malerisch in einem Tal durch welches ein Fluss mit vielen Badestellen fließt. Die Berge in der Umgebung eignen sich außerdem gut zum Wandern oder Mountainbiken. Dort angekommen fanden wir per Zufall sofort einen perfekten Stellplatz mit viel Schatten, Tischen, Bänken und Grillstellen sowie direktem Zugang zu einer Bademöglichkeit im erfrischenden Fluss. Wir schauten uns in dem kleinen Örtchen um in welchem es einige nette Cafés und Restaurants sowie schöne Kunsthandwerkslädchen gab. Vom „Mirador“ aus auf dem einzig größeren Hügel hatten wir eine schöne Rundumsicht auf die umliegenden Berge und Felder. „Sierra de la Ventana“ wird im Sommer wohl auch gerne von den Einwohnern der Hauptstadt für die Sommerfrische genutzt. Entsprechend viele kleine und hübsche Ferienhäuschen bietet der Ort, die meisten verfügen sogar über einen Garten mit Pool. 😎 Da die kleinen Supermärkte nachmittags noch geschlossen hatten kauften wir uns in einer Eisdiele für umgerechnet 2,50 € einen Viertelliter Eis (welchen wir natürlich geteilt haben) bestehend aus drei verschiedenen Sorten nach Wahl. 👍 Wir schauten uns noch zwei andere mögliche Stellplätze in der Umgebung an aber da uns keiner so gut gefiel wie der, den wir am Morgen entdeckt hatten, kehrten wir postwendend dorthin zurück. Simon nutzte am Nachmittag noch die Zeit um das alte und vermutlich nach drei Jahren leider bereits brüchig gewordene Silikon an unserer Heckdachluke zu entfernen. Hoffentlich werden wir alles in Kürze reparieren können! 😨 Ansonsten haben wir beim nächsten Gewitter oder größeren Regen ein ernsthaftes Problem. Ich schrieb derweil seit längerem mal wieder an meinem Blog da ich während der Zeit, die wir in „Buenos Aires“ bzw. „Saladillo“ verbracht hatten, überhaupt nicht dazu gekommen war. 🙈 Abends aßen wir die restliche, aufgewärmte Bolognese vom Vortag bevor wir es uns im Bettchen gemütlich machten. Diesmal war es sogar so frisch abends als dass ich mit langer Hose schlafen musste. Und keine zwei Tage zuvor konnten wir auf Grund der Hitze nachts kaum schlafen – schon ein bisschen verrückt…

Blick vom „Mirador“
Simon entfernt das alte Silikon

Entsprechend gut haben wir in dieser Nacht gemurmelt. Morgens machten wir uns zu Fuß auf in den Ortskern um den örtlichen Handwerksladen aufzusuchen. Das von uns gesuchte Silikon der Firma „Würth“ war dort erwartungsgemäß nicht zu finden und die anderen dort angebotenen sagten uns nicht wirklich zu. Zumal es auch gar nicht einfach war, über solche Dinge in einer fremden Sprache zu sprechen. Ich hätte die benötigten Begriffe auch nicht auf Englisch gewusst aber dank ausführlichen Beschreibungen meinerseits und dem Einsatz von Händen und Füßen ging es dann doch irgendwie. 😅 Auf dem Rückweg nahmen wir uns bei einer Bäckerei noch ein Croissant sowie ein Stück Karotten-Kuchen für den Kaffee am Nachmittag mit. Zurück am Van frühstückten wir erst einmal unser Müsli mit Obst bevor Simon sich tatsächlich noch kurz ins kühle Flusswasser wagte. Gegenüber hatte es sich eine argentinische Familie mit zwei Kindern im Zelt gemütlich gemacht und die beiden hätten uns sogar abends zum gemeinsamen Grillen eingeladen. 🥰 In Deutschland absolut unvorstellbar! Wir mussten die freundliche Einladung jedoch ablehnen da wir unbedingt noch weiter in die unweit gelegene Großstadt „Bahia Blanca“ fahren wollten. Wir m achten uns gegen Mittag auf den Weg dorthin und die Landschaft entlang der Route ähnelte ein wenig der Toskana. Es gab viele Kornfelder, einige Zypressen und zum ersten Mal sahen wir viele Windräder zur Stromerzeugung. In „Bahia Blanca“ angekommen klapperten wir einige Handwerkergeschäfte ab (ähnlich unserem „Emil Kunz“ zu Hause) bis wir beim dritten fündig wurden. Man bediente uns sehr freundlich und geduldig und letztlich bekamen wir alles, was wir brauchten: Vier Kartuschen Silikon, die dafür benötigte Spritze, Schmiergel-Papier und eine Dose mattschwarzen Lack. Als nächstes stoppten wir im Supermarkt, da wir unsere Lebensmittelvorräte nach den Tagen bei Claudia und Orlando bzw. in der Großstadt dringend wieder auffüllen mussten. Irrwitziger Weise war an diesen auch an Baumarkt (ähnlich unserem „Bauhaus“) angegliedert. 🙈Aber dort hätte man uns sicher nicht so gut beraten können und wir kauften dort noch eine Rolle Klebeband sowie eine Flasche Reinigungsbenzin. 👍 Die Kaffeepause fand auf dem Supermarktparkplatz statt da wir entschieden hatten heute noch aus der Stadt heraus in Richtung Küste zu fahren. Entlang des Weges sah es fast ein wenig so aus wie in Dänemark. Es gab viele sanfte, mit Gras bewachsene Hügel und auch hier stand immer mal wieder das ein oder andere Windrad. Unerwarteter Weise mussten wir neuerdings einen „Fruit and Meat Checkpoint“ passieren. Und das wo wir doch gerade erst eingekauft hatten! 😰 So blieb mir nichts anderes übrig als zu einer Notlüge zu greifen und glücklicherweise ließ man uns ohne weitere Inspektion von dannen ziehen. Nach etwa 200 km Fahrt erreichten wir eine große „Shell“ Tankstelle an welcher wir dann auch die Nacht verbrachten. Außerdem hofften wir, dort am kommenden Tag eventuell ein geeignetes Schattenplätzchen zu finden um unsere Dachluke an Ort und Stelle reparieren zu können.

Unser schattiger Stellplatz…
…direkt am Fluss 😎
Erfolgreicher Einkauf im Baumarkt

Mangels Schatten war uns die Reparatur an der „Shell“ Tankstelle leider doch nicht möglich aber wir konnten dort immerhin unseren mittlerweile fast leeren Wassertank auffüllen. 👍 Seit der letzten Füllung in „Mendoza“ waren doch schon wieder 15 Tage vergangen. Kam uns diesmal gar nicht so lange vor! Wir entschieden, einige Kilometer weiter bis zur nächsten Tankstelle entlang unseres Weges zu fahren. Dort hätten wir auch ein geeignetes Schattenplätzchen gehabt nur leider zog sich urplötzlich der Himmel zu und es vielen sogar einige Tropfen Regen. Das war natürlich super kontraproduktiv für das Projekt Dachluken-Reparatur. 🙈 So frühstückten wir dort nur in unserem Van um dann weiter in Richtung Küste zu tingeln, immer auf der Suche nach einem passenden Ort für die nötige Instandsetzung unseres Dachfensters. In der Stadt „Viedma“ angekommen klapperten wir drei bis vier Tankstellen ab bis wir letztlich eine fanden, die einen passablen Platz zu bieten schien. Zumindest gab es hier Schatten und die Parkplätze lagen auch etwas abseits der Zapfsäulen. Gottseidank schien in der Zwischenzeit auch wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel so dass sich Simon gegen Mittag doch noch ans Werk machen konnte. Innen hatte er das Silikon bereits am Vortag mit einem Teppichmesser entfernt. Jetzt galt es das Ganze auch noch außen auf dem Dach abzukratzen wo es deutlich stärker haftete. Nach einer Weile war alles entfernt und bereit zum schmirgeln, entfetten und nachlackieren der nun offenen Kanten. Gleiches Spiel wiederholte sich an der zuvor bereits ausgebauten Dachluke. Als der Lack getrocknet war konnte Simon dann das sehr dickflüssige Silikon auf den Rand der Luke sowie außen auf dem Dach auftragen. Anschließend setzten wir das Fenster wieder ein und jetzt hoffen wir innständig, dass der hier gekaufte Kleber seinen Zweck erfüllen wird, schnell trocknet und wir die nächsten Jahre keine weiteren Scherereien damit haben werden. 🙏 Ich konnte leider nicht viel helfen und so nutzte ich die Zeit für die schon wieder fällige Maniküre (*nerv*) und den Upload meines just fertig gewordenen Blog-Beitrags. Nebenbei freundete ich mich mit der zuckersüßen, weil ultraverschmusten, Hündin der Tankstelle an. Diese trug an dem Tag sogar ein Trikot der argentinischen Nationalmannschaft, welche am Nachmittag (16 Uhr Ortszeit) ihr Achtelfinalspiel gegen Australien bestritt. Erneut waren die Straßen während der Spielzeit, wie schon zuvor in „Buenos Aires“, wie leergefegt. Und wir konnten die Tore anhand der Jubelschreie, welche aus den Häusern und von der Tankstelle um uns herum drangen, eindeutig ausmachen. 😅 Wir haben uns sehr über den Endstand von 2:1 für Argentinien gefreut da die gesamte Nation total fußballverrückt ist. Am Abend gabs noch ein schnelles Pasta-Gericht á la Barbara: Penne mit Avocado und Cocktail-Tomaten. 😋 Wie bereits so oft verbrachten wir die Nacht erneut an der Tankstelle in der Hoffnung, dass das Silikon bis zum kommenden Tag durchtrocknen wird und wir weiterfahren werden können.

Projekt Dachlukenreparatur läuft
Stärkung muss auch sein 😋
Meine neue Freundin
So was von verschmust 💗

Den Sonntagvormittag verbrachten wir ebenfalls noch an der Tankstelle. Dort nutzten wir das gute Internet, um endlich seit langem mal wieder ein YouTube Video fertigzustellen und hochzuladen. Durch Simons längere Krankheit und die Tage in „Buenos Aires“ bzw. „Saladillo“ hängen wir damit derzeit leider ordentlich hinterher. 😣 Währenddessen konnte auch das Silikon der Dachluke noch etwas weiter antrocknen. Wir füllten noch unseren Diesel-Tank und machten uns gegen 14 Uhr über die Ruta N1 auf den Weg nach „El Cóndor“. Über Instagram hatten wir von anderen Deutschen, die vor kurzem dort waren, den Tipp erhalten uns dort unbedingt die Sittiche- und Seelöwenkolonie anzuschauen. In den Felsenwänden an der Küste nisten von Oktober bis Januar viele Hunderte Sittiche. 🐦 Es soll sich hierbei tatsächlich um die weltweit größte Kolonie handeln. Die Vögel verbreiten mit ihrem Geschrei eine mordsmäßige Geräuschkulisse und wir konnten sie sowohl bei der Nahrungssuche in den umliegenden Feldern, als auch beim Ein- und Ausfliegen in ihre Bruthöhlen, beobachten. Über einen Trampelpfad gelangten wir als erstes zu einem Leuchtturm, von wo aus wir eine herrliche Sicht über den breiten Strand, den Ozean sowie das Örtchen hatten. Endlich wieder am Meer, was für ein tolles Gefühl! 😎 Der Pfad führte weiter zu einem Heldendenkmal für die im Kampf um die Falklandinseln Gefallenen inklusive ausrangiertem Düsenjet. Man sieht immer wieder Schilder an den Straßen oder auch Aufkleber auf Autos sowie LKWs, auf denen die zu England gehörende Inselgruppe als Teil Argentiniens reklamiert wird. An einem Loch im sandigen Boden entdeckten wir mehrere der kleinen Eulen, welche wir auch schon zuvor in Brasilien gesehen hatten. Scheinbar handelte es sich hierbei um deren Nest denn als wir näherkamen, flogen die beiden Eltern mit lauten Warnschreien davon und die Jungen versteckten sich gut in dem Erdloch. Vermutlich konnten die Kleinen noch nicht fliegen. Über den Strand, von welchem aus wir eine gute Sicht auf die vielen Sittiche in der steilen Felswand hatten, ging es dann wieder zurück zum Parkplatz. Wieder am Auto angekommen aßen wir noch eine Kleinigkeit mit Blick aufs Meer bevor wir ein paar Kilometer weiter nach „La Lobería“ fuhren. Dort kamen wir gerade noch rechtzeitig am View-Point auf die Seelöwen-Kolonie an. Der alte Wanderweg wurde nämlich gesperrt und es gibt nur noch einen einzigen Zugang, an dem sich auch ein Museum sowie ein Park-Ranger befinden. Und dieser war just im Moment unseres Ankommens schon fast im Begriff den Zugang zu schließen. Freundlicherweise lies er uns aber noch passieren. So konnten wir noch einen schönen Blick auf die vielen Hundert Seelöwen und Seeelefanten erhaschen welche am Strand und auf den Felsen unter uns in der Sonne lagen. Wir hatten eigentlich gehofft dort übernachten zu können aber da der Parkplatz abends geschlossen wird war dies leider nicht möglich. Dementsprechend fuhren wir noch einige Kilometer weiter die ab „La Lobería“ nicht mehr asphaltierte RN1 entlang. Die Straße führte nun als Schotterpiste weiter, war aber dennoch sehr gut befahrbar und bot vor allem unglaublich schöne Sicht auf die Küste. Deshalb trägt die Straße auch den Namen „Camino de la Costa“. 😍 Nach ein paar Kilometern fanden wir eine geeignet erscheinende Parkbucht am Straßenrand. Da hier kaum Verkehr herrschte hatten wir keinerlei Bedenken hier die Nacht zu verbringen. So konnten wir seit langem mal wieder den absoluten Luxus genießen, ganz allein direkt am Meer zu stehen und mit Meeresrauschen einzuschlafen. 🥰

Leuchtturm in „El Cóndor“
Endlich wieder am Meer 🌊
In den Löchern im Fels nisten die Sittiche
Findet ihr die beiden Sittiche?! 😉
Hunderte von Seelöwen 🦭

Nach einer sehr ruhigen Nacht, trotz stärkeren Winden vom Meer her, genossen wir während unseres Morgenkaffees noch einmal die wunderschöne Aussicht aufs Meer hinaus. Und als ob das nicht schon herrlich genug gewesen wäre entdeckte ich zu meiner großen Freude kurz darauf auch noch zwei Delfine, direkt vor unserer Nase! 😃 Die Tümmler verweilten viele Minuten in dem seichten Wasser ganz in der Nähe unseres Vans und so konnten wir sie eine ganze Zeit lang beim Schwimmen beobachten. Besser kann ein Tag doch gar nicht starten, oder?! Schweren Herzens rissen wir uns dann aber doch irgendwann los um weiter in Richtung der „Península Valdes“ zu fahren. Wir folgten der Schotterpiste noch viele Kilometer, immer entlang der Küste. ❤ Nach einer Weile kam uns sogar ein „Sandschieber“ (ähnlich eines Schneeschiebers) auf der einsamen Straße entgegen welcher die lange „Sandwurst“ in der Mitte der Straße wieder glättete. 👍 Entlang unseres Weges konnten wir einige kleinere Landschildkröten, ein Guanaco sowie seit langem auch mal wieder Emus sehen. Irgendwann stießen wir dann nach den Sanddünen wieder auf die asphaltierte Ruta N3 die uns an diesem Tage auch noch bis zu unserem Ziel, der Halbinsel Valdes, führte. Während der Fahrt stoppten wir noch an einer Tankstelle in der Hoffnung dort eventuell duschen zu können. Allerdings war die Dusche hier den LKW-Fahrern vorbehalten und an der Tankstelle gegenüber war der Wasserdruck zum Duschen zu schwach. 🤷‍♀️ Also füllten wir an Ort und Stelle noch einmal unseren Wassertank auf da uns einige Kilometer zuvor aufgefallen war, dass unser Ablassventil sich vermutlich durch das Geruckel auf der Schotterpiste von alleine geöffnet hatte. 😮 Da wir nicht wussten, wieviel Wasser dadurch unserem Tank entwichen war füllten wir ihn lieber noch einmal auf um abends dann unsere Dusche im Van nutzen zu können. Direkt hinter der Tankstelle lag praktischerweise auch noch ein großer Supermarkt wo wir für die kommenden Tage noch ein paar Kleinigkeiten einkauften. Diesen hatten auch die netten argentinischen Reisenden aus „Buenos Aires“ genutzt, welche seit mehreren Tagen an der Tankstelle festsaßen und dort auf die Lieferung des neuen Getriebes für ihren ebenfalls selbst ausgebauten Camper warteten. Da wollen wir uns mit unserer Dachluke doch mal gar nicht weiter beschweren… 🙈 Unsere an den Klappboxen am Heckträger montierte Rückfahrkamera hatte, vermutlich durch die Buckelpiste, ebenfalls leichten Schaden genommen und war aus der Kunststoffhalterung herausgebrochen. Kann bei der billigen China-Ware schon mal passieren aber dieses kleine Malheur konnten wir umgehend mit Panzertape und Kabelbindern beheben. 👍 Am frühen Abend steuerten wir dann unseren heutigen Stellplatz für die Nacht am Anfang der „Península Valdes“ an. Wir übernachteten, erneut einsam und alleine, an einem der vielen „Miradore“. An dem von uns ausgewählten befand sich sogar ein größeres, von zwei Rangern besetztes Haus mit Lookout und mehreren Tafeln zu den hier vorbeiziehenden Walen. Auf unsere Nachfrage hin teilte uns die hilfsbereite Rangerin allerdings mit, dass diese hauptsächlich von Juli bis September in Küstennähe vorbeiziehen. Dann kann man die Tiere wohl tatsächlich vom Strand aus beobachten. Zur jetzigen Zeit sei dies aber nur noch weiter draußen auf dem Meer, also mit Booten, möglich. Sie sagte uns jedoch, dass man am anderen Ende der Insel momentan wohl ganz gut „Orkas“ sehen kann. Hoffentlich haben wir Glück, dass wäre ja echt der Hammer! 🐳

Stellplatz am Strand 🏖
Mal wieder ein schöner Sonnenuntergang 🌅
Und morgens Delfine vorm Fenster 🐬
Der „Sandschieber“ ebnete uns die Straße

Am Folgemorgen verließen wir den schönen Stellplatz und bezahlten an der Einfahrt auf die Halbinsel die Nationalparkgebühr in Höhe von 2.600 Pesos (= ca. 9 €) pro Person. Nach rund 20 km gelangten wir dann an das Besucherzentrum, welches vielerlei Information zu Flora und Fauna bot. Außerdem erhielten wir dort eine Straßenkarte sowie die wichtige Information zu den Gezeiten. Die beste Chance Orcas zu sehen besteht während der Flut, welche früh am Morgen und spät am Abend einsetzt und die Uhrzeiten verschieben sich pro Tag jeweils um eine Stunde. Von dort aus ging die Fahrt weiter bis in die kleine Inselhauptstadt „Puerto Pirámides“. An der Tankstelle füllten wir noch einmal unseren Dieseltank auf und gegenüber konnten wir eine nette, kleine Bäckerei ausmachen. Wir kauften uns dort zwei Empanadas und ich war gerade im Begriff im Van noch ein Rührei dazu zuzubereiten. Plötzlich fuhr ein uns wohl bekannter, grauer Sprinter an uns vorbei und stoppte direkt neben uns. Es mag kaum zu glauben sein aber wir trafen soeben zum fünften Mal auf die beiden Franzosen mit ihren beiden kleinen Kindern. Wohl gemerkt nach einer zurückgelegten Strecke von gut 13k Kilometern! Da trifft man selbst zu Hause im Supermarkt seltener auf Bekannte die im gleichen Ort leben. 😅 Wir frühstückten in Ruhe und machten uns danach zu Fuß entlang vom Strand auf zu ihrem Stellplatz um uns noch ein wenig mit ihnen zu unterhalten. Dort lernten wir dann auch Udo kennen, der alleine mit seinem großen „Steyr“ Expeditions-Mobil unterwegs ist. Leider hat er seit Anbeginn seiner Reise massive Probleme mit seinem Fahrzeug. Im Ankunftshafen in Montevideo hatte man wohl versucht sein Motorrad von der elektrischen Heckrampe zu stehlen. Dies gelang den vermeintlichen Dieben zwar zum Glück nicht aber sie beschädigten bei dem Versuch massiv die Elektronik und so verbrachte er die ersten Wochen in der Werkstatt. 😔 Und seit einigen Tagen spinnt entweder seine Lichtmaschine oder seine Batterie weswegen er fürchtet, über kurz oder lang zu wenig Strom für die Fahrzeuglichter zu generieren. Der arme Tropf tat uns ganz schön leid aber außer ein paar aufmunternden Worten hatten wir in diesem Moment leider nicht viel zu bieten. Da das Wetter an diesem Tag ideal war, Sonnenschein und im Gegensatz zum Vortag angenehme Temperaturen, wollten wir unbedingt noch bis „Punta Cantor“ am Ende der Insel fahren. Es ging rund 70 km über eine unbefestigte, sehr holprige Schotterpiste auf welcher wir nicht schneller als 50 km/h fahren konnten. Nach rund 1,5 Stunden gelangten wir dann am „Mirador Pingüinera“ an und dort wartete tatsächlich eine ganze Schaar der drolligen Tierchen auf uns. 🐧 Diese befanden sich nicht nur außer Reichweite unten am Strand, sondern auch oben auf der Steilklippe so dass wir sie Auge in Auge bewundern konnten. Ich war natürlich sofort hin und weg. 💕 Als ich mich sattgesehen hatte bereitete ich zum Nachmittagskaffee noch ein paar leckere Heidelbeer-Pancakes zu 🥞☕ und als wir diese genüsslich vertilgt hatten fuhren wir noch die rund 6 km bis zum Aussichtspunkt „Punta Cantor“. Dort gibt es ein Restaurant sowie ein Besucherzentrum und eine Plattform mit Sicht aufs Meer. Da der Höhepunkt der Flut erst in rund zwei Stunden einsetzen sollte entschieden wir, bis dahin noch den Wanderpfad an der Küste entlang zu laufen. Von diesem aus konnten wir auf die unten am Strand in der Sonne chillenden Robben und Seelöwen blicken. Wir genossen eine Weile die Aussicht und liefen dann zurück zur Aussichtsplattform. Da wir keine Wale entdecken konnten erkundigte ich mich beim Ranger, ob er uns denn in etwa sagen könnte wann die beste Zeit hierfür wäre. Er schaute mich ganz entgeistert an und fragte, ob wir denn nicht die eben vorbeigezogenen neun Orcas gesehen hätten. NEIN – hatten wir nicht da wir zu dieser Zeit wohl noch auf dem Wanderweg waren! 😨 Er meinte, wir sollten schnell versuchen zu dem zwei Kilometer weiter, wieder in Richtung der Pinguine, gelegenen Aussichtspunkt zu fahren und eventuell würden wir sie von dort aus noch sehen können. Also spurteten wir zum Parkplatz und fuhren so schnell es eben auf der Schotterstraße ging dorthin. Bereits vom Auto aus konnte ich Bewegung im Wasser erkennen und dort angelangt hatten wir tatsächlich das riesengroße Glück und konnten die neun Orcas direkt vor uns ausmachen. 😁 Das Männchen war eindeutig an der gigantisch großen Rückenfloss zu erkennen. Die anderen Tiere waren entweder Weibchen oder noch nicht ganz ausgewachsen. Sie schwammen lange Zeit in der Bucht hin und her und wir konnten sie sogar bei ihren Jagdversuchen, bei welchen sie sich weit aus dem Wasser hinauswagen und auf den Strand werfen, beobachten. Wie geil war das denn bitte!!! ❤ Kurz darauf traf der Ranger am Parkplatz ein und erklärte, dass es sich hierbei wohl um eine Orca „Schule“ handelte. Das heißt die erwachsenen, erfahrenen Tieren brachten den Jungtieren die Jagdtechnik bei weswegen sie sich auch an steileren Uferabschnitten aus dem Wasser herauswarfen an denen sich gar keine Beute befand. Als die Killerwale weiterschwammen verfolgten wir sie noch einmal weiter mit dem Auto bis zum ersten Aussichtspunkt bei den Pinguinen. Auch von dort aus konnten wir ihrem Treiben noch eine ganze Weile zusehen. Wir hatten gehofft, eventuell auf diesem Parkplatz übernachten zu können obwohl es eigentlich streng untersagt ist innerhalb des Nationalparks zu campen. Da uns der Ranger leider hierhin gefolgt war und er uns kurz drauf gegen 20 Uhr mitteilte, dass der Park nun schließen würde waren wir dazu gezwungen die ganze weite, holprige Strecke bis nach „Puerto Pirámides“ zurückfahren. 😣 So kamen wir in die einsetzende Dunkelheit hinein und die tiefstehende Abendsonne erschwerte das Fahren auf der Piste zusätzlich. Zumal wir auf der Hinfahrt sehr viele wildlebende Tiere wie Emus, Guanacos, Schafe und sogar zwei Gürteltiere gesehen hatten. Wir meisterten aber alles mit Bravour und gelangten gegen 22 Uhr wieder in der Inselhauptstadt an wo wir den großen Parkplatz ansteuerten auf welchem wir bereits mittags die anderen Overlander getroffen hatten. Zum Kochen war es zwischenzeitlich eindeutig zu spät und so gab es für jeden nur noch zwei Sandwichtoasts und die restliche Gnocchi-Pfanne vom Vortag kalt als Salat bevor wir hundemüde, aber überglücklich ins Bett fielen. 🥰🥰🥰

Unser erster Stellplatz auf „Valdes“
Hoffentlich werden wir Wale sehen können
Was für drollige Kerlchen 🐧
Ich konnte mich gar nicht satt sehen 😅
Am Strand lagen die Seelöwen in der Sonne ☀️

Da wir am Vortag unwahrscheinliches Glück hatten und innerhalb eines Tages alle nennenswerten Tiere sehen konnten entschieden wir, nicht erneut die lange Schotterpiste bis zum Inselende zu fahren. Hauptsächlich um unseren Van die Strapazen durch das Gerüttel und Geschüttel zu ersparen. Auch die 50 € pro Person für die eineinhalbstündige Bootsfahrt, bei welcher eventuell die Chance bestehen könnte weiter draußen auf dem Ozean doch noch südliche Glattwale zu sehen, investierten wir nicht. Zum einen weiß man nicht ob man wirklich welche zu Gesicht bekommt, zum anderen war meine letzte Wale-Watch Erfahrung auf einem Schiff in Neuseeland weniger schön. 🤮 Außerdem war das gestrige Erlebnis mit den Orca-Walen für uns einfach nicht mehr zu toppen. So verbrachten wir den Tag auf dem großen Parkplatz zwischen den beiden Stränden in „Puerto Pirámides“ und versuchten, den verständlicherweise deprimierten Udo mental wieder etwas aufzubauen. Simon schaute mit ihm gemeinsam unter das gekippte Führerhaus in den Motorraum aber auch mit vier Augen konnten sie keine Fehlerursache ausmachen. Ich spazierte derweil während herrschender Ebbe ganz einsam am langen Sandstrand entlang und schaute den Wellen zu welche ganz sanft an Land schwappten. Zurück am Van kochte ich für uns drei Kaffee und wir teilten die vier verbliebenen Pancakes vom Vortag auf und aßen noch einen Rosinen-Scone dazu. Eine größere Freude hätte ich Udo zu dem Zeitpunkt wohl nicht bereiten können. 😄 Wir saßen auf einer Parkbank am Meer, genossen die Kaffeepause und unterhielten uns angeregt als das Schweizer Paar Tina und Felix mit ihrem Hund zu uns stießen. Die beiden erzählten uns, dass sie seit kurzem ihre durch Corona unterbrochene Amerika Reise fortsetzen. Sie kamen damals immerhin von Kanada bis nach Ecuador, als dort die Pandemie auch über sie hereinbrach und sie dazu zwang vorerst in ihre Heimat zurückzukehren. Es war wirklich schön und tat gut, sich mit verschiedenen Leuten mal wieder auf Deutsch zu unterhalten. 🥰 Auch abends, als Simon gerade am neuen Video bastelte und ich gerade im Begriff war das Abendessen vorzubereiten, kamen alle noch einmal an unserem Van vorbei. Wie schon viele andere zuvor bestaunten sie unseren schönen Ausbau und ich unterhielt mich noch eine ganze Zeit lang mit Tina über ihre Reiseerfahrungen. Kurz darauf kehrten unsere Lieblingsfranzosen von ihrem Tagesausflug zurück und leider blieben den vieren die Wale verwehrt. So kam es, dass wir an diesem Tag mal wieder erst gegen 22 Uhr unser Abendessen zu uns nahmen. 😅 Es gab leckeres Champignon-Risotto und nach dem späten Mahl ging es auf direktem Wege ins bequeme Bettchen.

Die Inselhauptstadt
Hier starten die Wale-Watch Boote 🐳
Udos defektes Reisemobil
Einsamer Strandspaziergang

Wir verbrachten dort eine ruhige Nacht und als wir gerade frühstückten schlenderte Udo niedergeschlagen an unserem Van vorbei. Er hatte gerade seine E-Mails gecheckt da er am Tag zuvor die Herstellerfirma seines LKWs in Österreich kontaktiert hatte in der Hoffnung, dass sie eventuell einen Tipp für ihn hätten. Allerdings erhielt er nur die Antwort, dass an diesem Tag Feiertag in Österreich wäre (Maria Empfängnis) woraufhin wir kurz darauf feststellten, dass der Tag auch in Argentinien als Feiertag gilt. Wir liefen noch einmal in den Ortskern zur Tankstelle um das dortige Internet zu nutzen und kauften beim Bäcker noch eine Packung Toastbrot sowie etwas Süßes für den Nachmittag. Zurück am Van gaben wir Udo noch ein paar gute Ratschläge mit, was wir an seiner Stelle tun würden. Mehr Unterstützung konnten wir dem armen Tropf leider nicht mehr bieten. Parallel sprach uns noch ein anderes Pärchen an welches wir bei unserer Ankunft in „Montevideo“ im Büro unseres Agenten „Kessler“ getroffen hatten. Die beiden leben in dem französischsprachigen Inselparadies „La Reunion“ und reisen mit ihren beiden Teenie-Mädchen bereits seit längerem durch die Welt. Auch sie hatten an zwei verschiedenen Tagen keinen Erfolg und konnten, im Gegensatz zu uns Glückpilzen, keine Orcas sehen. Danach verabschiedeten wir uns noch herzlich von den anderen Franzosen bevor wir auf einen nahegelegenen Aussichtspunkt an einem Kap zusteuerten. Leider war die Zufahrt dorthin durch ein Gatter versperrt weswegen wir entschieden, der „Península Valdes“ an dieser Stelle Lebewohl zu sagen. Stattdessen fuhren wir die rund 100km bis nach nach „Puerto Madryn“. Die Stadt gilt als Tor zur Halbinsel, ist aber auf Grund der umliegenden Industrieanlagen sowie Raffinerien nicht wirklich schön. Auf dem angesteuerten Parkplatz konnten wir leider nicht parken da gerade diverse Food-Trucks sowie eine Bühne dort aufgebaut wurden. Wir stellten unseren Van am Straßenrand daneben ab und ich erkundigte mich bei zwei freundlichen Polizistinnen was hier im Gange war. Sie erklärten, dass häufiger an langen Wochenenden derartige Feste stattfinden würden und sowohl an diesem Donnerstag als auch am Samstagabend gegen 22 Uhr ein DJ auflegen würde. Wir schauten uns in der Gegend um und liefen die nicht wirklich sehenswerte Hauptstraße hinunter und an der langen Strandpromenade wieder zurück. Dabei schauten wir uns noch ein am Strand gelegenes Fisch- und Meeresfrüchte Restaurant an welches im Reiseführer gelobt wurde. Dementsprechend waren allerdings die Preise und so ließen wir es uns erst einmal offen, am Abend eventuell wieder dorthin zurückzukehren. In einem Supermarkt in der Nähe kauften wir uns ein paar kühle Getränke mit welchen wir uns an der schattigen Promenade für eine Weile niederließen. Derweil tat sich auch langsam etwas an den Essensständen und wir witterten unsere Chance, eventuell dort etwas Gutes und Günstiges schnappen zu können. Da noch nicht viel Betrieb war liefen wir noch den ziemlich langen Steg entlang hinaus aufs Meer. An diesem können wohl sogar große Kreuzfahrtschiffe anlanden. 😮 Vom Steg aus konnte man gut die Umrisse der Halbinsel erkennen. Diese ragt bestimmt 100 km ins offene Meer hinaus was dazu führt, dass man dort die einmalige Möglichkeit hat von der Küste aus Wale beobachten zu können. Gegen 20 Uhr hatten dann auch die meisten Food-Trucks geöffnet und wir kauften uns als erstes eine Tüte ganz frisch zubereiteter Calamari-Ringe. Wir haben selten derart zarte, hauchdünn panierte und lecker gewürzte Calamari gegessen. 👍 Danach teilten wir uns noch einen großen „Shawarma“ Wrap welcher ebenfalls frisch zubereitet wurde und sehr gut schmeckte. Hierbei handelt es sich um eine Art Döner aber das Fleisch ist nicht gepresst, sondern eher fein gewürfelt. Es wird zwar auch von einem Drehspieß heruntergeschnitten, kommt danach aber noch einmal zusammen mit dem Wrap auf den Grill. Anschließend wird alles noch mit Gemüse und Sauce nach Wahl belegt bevor der Wrap zusammengerollt wird. So blieb unsere Küche an diesem Tag kalt (und sauber 😉) und im verbleibenden Tageslicht machten wir uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Ich wusste von zwei bis drei Stellen in der nahen Umgebung und der letzte Platz, direkt am langen Kiesstrand „Playa Paraná“ mit Blick auf ein Schiffswrack, wurde es dann auch. 🥰

Der lange Steg in „Puerto Madryn“
Beste Calamari ever 🤤
Wieder ein schönes Plätzchen am Strand
Inklusive Aussicht auf das Fischkutter-Wrack

Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert.

P.S.: Wenn euch unser Blog gut gefällt (was ich sehr hoffe) dann freuen wir uns über jedwede noch so kleine oder große Spende in unsere Kaffee- oder Dieselkasse als kleines Dankeschön und Anerkennung unserer Arbeit. ☕⛽🚐 

Entweder über https://www.paypal.me/SiJuCampervan

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Kontaktiert uns auch gerne direkt per Mail an mailto:siju_campervan@web.de falls ihr Kritik, Anregungen oder Fragen zu unserer Reise oder uns ganz allgemein haben solltet.


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