Am Montagmorgen machten wir uns nach 4 schönen Tagen in „Encarnación“ auf in Richtung „Yaguarón“. Die Kleinstadt lag auf direktem Weg in Richtung der Hauptstadt und laut Reiseführer befindet sich dort die schönste Kirche Südamerikas. Die Landstraße war sehr gut befahrbar und so schafften wir die 350 km locker bis zum frühen Vormittag. Wir parkten unseren Van direkt an dem Straßenquadrat welches die große und vor allem lange Kirche umgibt. An deren Eingangstor angekommen mussten wir allerdings feststellen, dass das Gotteshaus an diesem Tag geschlossen hatte. Wir unterhielten uns kurz mit einem Einheimischen welcher sagte, dass am gestrigen Sonntag offen gewesen wäre und er wüsste auch nicht warum montags zu sei. Er empfahl uns noch auf den „Cerro“ zu gehen, einem Aussichtspunkt auf einem nahegelegenen Hügel. Trotz ganz leichtem Nieselregen und grauem Himmel machten wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin um uns nach der langen Fahrt noch ein wenig die Beine zu vertreten. So konnten wir uns auch gleich noch einen Überblick über das überschaubare Örtchen verschaffen. Am Fuße des Hügels angekommen wurden wir von einem Parkplatzwächter empfangen welcher nicht nur die Parkgebühr kassierte, sondern auch für den Zutritt zum Hügel ein paar Guaraní verlangte. Der Betrag war zwar verschwindend gering aber auf Grund des nicht so schönen Wetters und der Tatsache, dass wir ja nur einen kleinen Spaziergang machen wollten sahen wir davon ab und liefen zum Bus zurück. An diesem Platz verbrachten wir dann auch eine sehr ruhige Nacht. 🛌

Morgens waren wir bereits von diversen anderen, parkenden Fahrzeugen umringt und ernteten viele neugierige Blicke sowie unzählige nette Komplimente. 😍 Wir liefen noch einmal zum Kircheneingang und heute hatten wir Glück. Von außen wirkt diese wirklich vollkommen unspektakulär, lediglich der Glockenturm aus Holz stellt eine Besonderheit dar. Aber im Inneren ist die Kirche wirklich sehr prunkvoll. Die Deckenpfeiler sowie die gesamte Decke sind aus Holz, mit Schnitzereien verziert und prachtvoll bunt bemalt. Wir fühlten uns rein von der Konstruktion im Inneren eher an die große Halle von „Ragna“ in der Serie „Vikings“ erinnert. 😅 Ein älterer Herr begrüßte uns und schaltete freundlicherweise die Altarbeleuchtung ein. Auch dieser war sehr prachtvoll in Gold und Grün gestaltet, mit unzähligen Figuren von denen jede ihre Bedeutung hat. Auf die Ausführungen verzichte ich hier aber es war interessant zu erfahren, dass all die bunten Gemälde von Guaraní Indianern unter Anleitung der Franziskaner im 17. Jahrhundert gefertigt wurden. 😯 Nach einem kurzen, mal wieder nötigen „Hausputz“ fuhren wir los ins nahe gelegene Kolonialstädtchen „Areguá“. Wir stellten unseren Van an einem Supermarktparkplatz in der Nähe des Zentrums ab und erkundeten dieses zu Fuß. Vom Kirchenvorplatz aus auf dem Hügel konnten wir einen Blick auf den nahegelegenen „Lago Ypacaraí“ erhaschen. Wir spazierten weiter zu einem anderen Aussichtspunkt und von dort aus bergabwärts in Richtung Seeufer. Dort konnten wir keinen direkten Zugang finden außer den am öffentlichen „Playa Municipal“. Camping wäre dort in den Sommermonaten wohl auch möglich wobei uns nur rein interessehalber der Preis interessiert hätte. Für 10.000 Guaraní (ein paar Cent) durfte man auch als Fußgänger auf das Gelände und so kamen wir auf diesem Wege doch noch an den See heran. Der weitläufige Park war mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet: Spielplatz, Fußballplatz, Grillstelle, Spazierwege und ein Steg der bis über den Rand des Wassers führte. Auf diesem angelangt erkannten wir dann auch, warum wir keinen Zugang zum See finden konnten. Anders als auf der Karte eingezeichnet befindet sich hier nämlich kein Strand, sondern nur Sumpf am gesamten Ufer. Wir genossen noch ein wenig die Aussicht und machten uns dann auf den Rückweg zum Van um direkt weiter in einen Vorort von „Asunción“ zu fahren. Wir hatten in der „iOverlander App“ von einem schönen Stellplatz bei einem deutschen Ehepaar gelesen und diesen wollten wir uns gerne genauer ansehen. In der Hauptstadt selbst dürfte es fast unmöglich sein frei sowie sicher zu stehen. Als wir nach kurzer Fahrt dort ankamen sahen wir bereits einen großen Camper mit französischem Kennzeichen auf der Grünfläche stehen. Wir klingelten und wurden kurz darauf von dem recht wortkargen Sohn der deutschen Auswanderer empfangen. Der Preis von 10 € pro Tag für uns beide überzeugte uns jedoch und so parkten auch wir unseren Bus in dem großen, grünen Vorgarten vor deren Wohnhaus. Dusche und Toilette für Campinggäste befinden sich in dem alten Stallgebäude und sind entsprechend wenig schick und etwas muffig aber zumindest sauber. Und der große Pluspunkt, weswegen wir den Platz mitunter auch angesteuert hatten: Wir konnten hier auch für rund 3 € pro Ladung deren Waschmaschine nutzen und alleine diese Tatsache war schon fast das Geld wert. Im Garten hinter dem Haus befand sich außerdem noch ein schöner Pool in welchem wir uns nach dem heißen Tag und der vielen Lauferei sogar noch erfrischen konnten. 🤽♀️ Die Besitzer scheinen außerdem sehr Tierlieb zu sein denn hier gibt es unter anderem mehrere Volieren mit schönen Papageien, zwei Hunde, zwei Katzen, zwei Pferde und ich weiß nicht was sonst hier noch alles so kreucht und fleucht. 😅



Blöderweise hatten wir vorab nicht den Wetterbericht gecheckt und stellten dann erst auf dem kostenpflichten Stellplatz fest, dass für die beiden kommenden Tage jeweils durchweg Gewitter gemeldet waren. Nicht die besten Aussichten für unsere Stippvisite in der Hauptstadt. 😣 Dafür gab es hier gutes und schnelles WLAN und Regentage sind für uns derzeit eine willkommene Abwechslung, um an den zeitaufwendigen YouTube Videos und am Blog zu arbeiten. Außerdem konnten wir sogar noch ein paar Serienfolgen streamen. 👍 Neben der Arbeit an den Laptops kümmerten wir uns um unsere zwei Waschladungen Schmutzwäsche und ich habe zum ersten Mal im Omnia ein Brot gebacken. Ist auf Anhieb perfekt gelungen, wenngleich es auch wegen dem Loch in der Mitte mehr nach einem überdimensionalen Bagel aussieht. 😅 Wir unterhielten uns noch sehr nett mit einem weiteren Paar aus Deutschland welches derzeit ebenfalls auf dem Gelände der beiden Deutschen in deren Bungalow für Feriengäste wohnt. Sie erzählten uns, dass sie hier für mehrere Wochen quasi probeleben und sich nebenbei die Papiere für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Paraguay mit Hilfe von der Hausherrin, welche auch als Einwanderungshelferin fungiert, besorgen. Und das obwohl sie sich nach längerer Zeit hier eigentlich gar nicht wohl fühlen. 😲 Simon und ich merkten sofort anhand ihrer Ausführungen, dass sie bis dato wohl noch nie außerhalb Europas unterwegs waren und dem war auch so. Entsprechend schockiert waren sie mitunter von den hiesigen Lebensumständen und den örtlichen Gegebenheiten. Verständlicherweise denn für uns Europäer ist es anfangs natürlich ungewohnt, Toilettenpapier z.B. auf Grund des schlechten Abwassersystems nicht in der Toilette, sondern im Mülleimer daneben zu entsorgen. Von schlechten Gehwegen, Schlaglöchern, mangelnden Verkehrsregeln etc. einmal ganz abgesehen. Trotz allem wollten sie die Aufenthaltserlaubnis für sich und ihren jüngsten Sohn gerne haben um für alle etwaigen Negativentwicklungen in Europa gewappnet zu sein.





Nach dem wir uns während der zwei Regentage in unserem gemütlichen, kleinen Eigenheim eingeigelt hatten freuten wir uns am Freitag über den angekündigten Sonnenschein am Morgen. Rasch packten wir unsere sieben Sachen zusammen und verabschiedeten uns vom freundlichen Hausbesitzer. Wir fuhren von dort aus direkt bis ins Zentrum der Hauptstadt „Asunción“ wo wir ein im Reiseführer genanntes Hotel ansteuerten. Es hieß, dass Overlander dort herzlich willkommen wären und man auf dem Hotelparkplatz gegen Umsatz in deren Restaurant parken und nächtigen könnte. Das erwies sich leider als Falschinfo und so zogen wir ohne Stellplatz wieder von dannen. Wir steuerten weiter in Richtung Zentrum in der Hoffnung, dort einen bewachten und vor allem nicht überdachten Parkplatz zu finden. Auf dem Weg kamen wir an einer großen Filiale unserer Lieblingssupermarktkette „Super Seis“ vorbei und wir entschieden spontan auf dem Parkplatz zu parken. Der Parkwächter hatte auch überhaupt keine Einwände gegen unser Vorhaben, von hier aus mit den Rädern die Stadt zu erkunden und bei Rückkehr noch im Supermarkt einzukaufen. Im Gegenteil, er wollte sogar gleich noch ein Selfie mit uns beiden Reisenden aus Deutschland als Beweis. 😅 Von dort aus waren es noch rund 5 km mit dem Fahrrad in die Stadt. Allerdings immer entlang der Hauptverkehrsstraßen und diesmal leider ohne Fahrradweg aber wir haben die Fahrt gut überstanden. In relativ kurzer Zeit konnten wir uns so mal wieder einen Überblick über das Stadtzentrum verschaffen. Wir kamen am Eisenbahnmuseum, dem Regierungssitz, dem Kulturzentrum, der Kathedrale, der „Costanera“ am „Rio Paraguay“ sowie an dem wahnsinnig weitläufigen Markt vorbei. Analog zu asiatischen Märkten gab es hier wirklich alles: Obst, Gemüse, Fisch, Gewürze, haltbare Lebensmittel wie z.B. Öl aber auch Haushalts- und Elektroartikel sowie selbstverständlich Schuhe und Bekleidung. Auf dem Rückweg zum Van hielten wir noch an 2-3 Bankfilialen an bis wir eine ausfindig machen konnten, bei der wir am Geldautomaten paraguayische Guarani abheben konnten um sie im Anschluss am Schalter direkt in USD zu wechseln. Da wir morgen für längere Zeit nach Argentinien weiterreisen möchten und dort aktuell zum x-ten Male die Währung verfällt, benötigen wir die USD als harte Währung um sie auf dem „blue market“ (Schwarzmarkt) in Argentinien in Pesos tauschen zu können. Ebenso hoffen wir, dass das Geld senden und abheben über „Western Union“ gut funktionieren wird. Den Tipp hatten wir im „Pantanal“ von anderen Reisenden erhalten. Im Gegensatz zum Geldautomaten oder zur Kreditkartenzahlung erhält man bei den „Western Union“ Filialen sowie auf dem Schwarzmarkt fast den doppelten Betrag. Nach dem geglückten Projekt Geldwechsel deckten wir uns, wieder am Supermarkt angekommen, noch für die nächsten Tage mit Vorräten ein. Schließlich wissen wir bis dato nicht wann, wie und wo wir in Argentinien an die benötigten Pesos gelangen werden. 🙈 Da wir außerdem gehört hatten, dass es zumindest in den vergangenen Monaten eine schlimme Dieselkrise in Argentinien gegeben hatte die viele LKWs und Reisende für mehrere Tag zum Stillstand zwang, tankten wir noch voll und füllten erstmals auch unseren 20 Liter Zusatzkanister auf. Den Grenzübertritt schafften wir allerdings nicht mehr da es mittlerweile schon kurz vor 18 Uhr war. So entschieden wir zwar etwas missmutig, aber vernünftig, noch einmal zu unserem vorherigen Stellplatz bei dem deutschen Paar zurückzufahren. Wobei wir mittlerweile keine Guarani mehr hatten um für die Unterkunft zu bezahlen. 😣 So kam uns die 24h Tankstelle am Flughafen, welche wir im sehr zähen Feierabendverkehr auf unserem Weg dorthin entdeckten, mehr als gelegen. Kurzerhand warfen wir unseren Plan erneut über den Haufen und entschieden dort zu kochen und zu nächtigen.





„Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!
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