Unser nächstes großes Ziel ist das „Pantanal“. Hierbei handelt es sich um das weltweit größte und artenreichste Feuchtgebiet der Erde. Die Trockenzeit nähert sich in den Monaten September und Oktober dem Höhepunkt. Somit stehen die Chancen gut, die Tiere an den noch verbliebenen Wasserstellen zu beobachten. Das „Pantanal“ soll vor allem für Vogelliebhaber ein wahres Paradies sein. Aber es gibt dort auch größere Säugetiere wie z.B. Kaimane, Otter und sogar Pumas. 🦜🐊🦦🐈
Nach längerem hin und her haben wir nun vier Tage bzw. drei Nächte vom 22.-25-09.2022 in der „Jungle Lodge“ in „Passo do Lontra“ gebucht. Dort erwartet uns Vollverpflegung, ein hoffentlich hübsches Zimmer sowie ein Swimmingpool. Im Preis von 400 € pro Person sind auch alle Exkursionen (z.B. per Jeep, Boot oder auch hoch zu Ross) ins „Pantanal“ enthalten. Wir haben letztlich vergebens nach einem Stellplatz für unseren Van gesucht, von welchem wir aus an organisierten Touren hätten teilnehmen können. Es wäre schlicht weg zu umständlich und am Ende vermutlich auch nur unwesentlich günstiger geworden. Danke an dieser Stelle noch einmal an Christiane für deine Hilfe und die Telefonate mit den diversen Anbietern! 💕

Das heißt, wir werden in Kürze erneut unseren Van für einige Tage verlassen. Bis dahin liegen allerdings noch rund 1.200 km vor uns und es gibt keine offensichtlichen Optionen, die Strecke sinnvoll zu unterbrechen. 🙈 Wir werden uns vermutlich jeden Tag um die 200 km voran bewegen, meist an Autobahn-Postos übernachten und es während dessen ruhig angehen lassen. Schließlich haben wir für die Strecke eine gute Woche Zeit, da die Unterkunft nicht eher fei war. 😊
So sah dann auch der Freitag aus: Wir schliefen aus und ich hatte tatsächlich das erste Mal während unserer Reise die Gelegenheit für eine Runde Yoga am Morgen. 🧘♀️ Zwar am Grünstreifen zwischen Autobahn und Raststätte, aber immerhin beim Koi-Karpfen Teich! 😅 Es tat auf jeden Fall gut und trug vielleicht auch zum guten Gelingen des Schoko-Kuchens bei, welchen ich noch vor dem Frühstück in unseren „Omnia“ Camping-Backofen beförderte. Gegen Mittag brachen wir auf und machten uns auf den Weg zu einem größeren Supermarkt in der Nähe der Autobahn. Dort füllten wir unsere Vorräte auf und wir kamen noch ziemlich entspannt gute 200 km weit. Diese Autobahnstrecke ist wirklich sehr malerisch und angenehm zu fahren: Immer kerzengeradeaus, über leichte Hügel auf und ab entlang von saftig grünen Wiesen und Zuckerrohrfeldern sowie den dazugehörigen Fabriken. Lediglich die Mautstellen dürften für unseren Geschmack etwas seltener auftauchen aber dafür kommen wir immerhin zügig voran.


Eigentlich wollten wir am Samstag nur ein ganz kurzes Stück von unserem Übernachtungs-Posto bis zum „Rio Paraná“ fahren. Der Fluss ist an der Stelle, an der wir ihn so oder so hätten passieren müssen, ziemlich breit und mutet daher eher wie ein See an. Ich hatte gehofft, dass wir uns dort im Park entlang der Küste nach den zurückliegenden Fahrtagen endlich mal wieder etwas die Beine vertreten und vielleicht sogar eine Nacht am Wasser stehen können. Aber, um an dieser Stelle die Onkelz zu zitieren: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Wir fuhren am letzten Posto vorbei bevor die Brücke den „Rio Paraná“ überquert und ich schaute wohl eine Sekunde zu lange hin ganz in Gedanken, ob das wohl ein passender Ort für die Nacht sein könnte. So verpassten wir leider die direkt dahinter liegende Ausfahrt ans Ufer und befanden uns, schneller als wir schauen konnten, schon auf der rund 12 km langen Brücke. Natürlich ohne Wendemöglichkeit. 🙈🙉🙊 Simon wollte nicht umkehren um Kilometer zu sparen (wobei es am Ende unserer Reise auf die paar mehr sicherlich nicht angekommen wäre) und so fuhren wir ohne den geplanten Stopp schnurstracks weiter. 🤷♀️ Dafür wurden wir auf der anderen Seite des Flusses, jetzt im Bundesstaat „Matto Grosso do Sul“ und nicht mehr „Sao Paulo“, direkt von drei großen und wunderschönen blauen Aras empfangen. 🤩 Der Blick auf die Uhr brachte dann die nächste Irritation mit sich. Auf meinem Handy und meiner Smart-Watch stand 11:37 Uhr, alle anderen Uhren im Van zeigten 12:37 Uhr. Der nächste Halt an der Raststätte bestätigte dann unsere Vermutung: Durch den Wechsel des Bundesstaates befinden wir uns nun in einer anderen Zeitzone und haben ab sofort nicht mehr 5 sondern 6 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Weiter ging die Fahrt durch grünes Grasland und zu unserer Begeisterung konnten wir während dieser insgesamt 4 „Große Ameisenbären“ erspähen! Die Tiere standen friedlich etwas abseits der Straße und waren ganz offensichtlich auf der Suche nach ihrer Leibspeise: Den Termiten. Zumindest waren die rostroten Hügel unschwer als solche zu erkennen. Laut einer deutschen Zoologin, die mehrere Monate pro Jahr im „Pantanal“ verbringt um die Tiere zu studieren, sind diese „nicht die hellsten Kerzen auf der Torte“ ameisenbaeren-im-pantanal. 🤣 Das liegt wohl an dem nur Walnuss großen Gehirn der Ameisenbären und die meiste Kapazität benötigen sie wohl für ihren guten Geruchssinn. Anscheinend sehen und hören die Armen wohl auch nicht so gut. Die ausgewachsenen Tiere waren in etwa so groß wie ein größerer Hund (beste Grüße an „Rocky“ an dieser Stelle!), wirken aber durch den langen buschigen Schwanz und den Rüssel noch deutlich größer. Des Weiteren sahen wir zahlreiche Emus auf den Wiesen und Weiden. Ebenso einige größere Raubvögel und auch die kleinen, lauten grünen Papageien waren mal wieder zu sehen. 😍 Entlang der Strecke lagen viele verstreute „Fazendas“ (= Ranches) mit jeweils unglaublich großen Ländereien rundum. Entsprechend viele Rinder gab es auf den Weiden zu sehen und nur noch wenige Zuckerrohr-Felder im Vergleich zum Vortag. Tja und anstatt der rund 150-200 km pro Tag, die wir uns eigentlich als Ziel gesetzt hatten, fuhren wir dann letztlich knapp 400 km bis wir zu einem geeigneten Posto für die Nacht kamen. 🤔 Der Großteil des Weges ging heute entlang einer vom Land Brasilien finanzierten, öffentlichen Autobahn. Dies merkt man stets daran, dass die Straße eher einer unserer Bundesstraßen ähnelt. Sie ist oft nur einspurig mit Überholspuren im Seitenwechsel, es gibt öfter mal das ein oder andere Schlagloch aber dafür ist sie kostenfrei. Und hinter den zahlreichen LKWs, welche hier oft mit einer Länge von bis zu 30 Metern unterwegs sind, kann man sowieso nicht schneller als 90 km/h schnell fahren.


(Foto aus Wikipedia)


Am Sonntag hatten wir es nicht mehr weit bis „Campo Grande“. Wir waren total erstaunt, wie ruhig es in der 850k Einwohner Stadt war. Es gab kaum Verkehr auf den Straßen und das Stadtbild war, wie mittlerweile gewohnt, sehr sauber und ordentlich. Eigentlich nicht von einer europäischen Stadt zu unterscheiden. Wir steuerten direkt den sehr weitläufigen Stadtpark im Zentrum an, um uns nach den zahlreichen Fahrtagen endlich mal wieder die Füße zu vertreten. Es war relativ warm an diesem Mittag, die Temperatur lag knapp über 30 Grad und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir einige der wenigen Besucher waren. Wir konnten sehr viele „Capybaras“ (= Wasserschweine) sehen, welche sich an dem aufgestauten Bachlauf sowie an dem großen künstlich angelegten See sicherlich sehr wohl fühlen. Neben dem Spazier- und Fahrradweg durch den Park gab es auf den Grünflächen viele schattenspendende Bäume. 🌳 Wir konnten auch einige ausladende Mangobäume entdecken welche bereits übervoll mit Früchten waren. 😮 Schade, dass die Erntezeit erst im Dezember/Januar ist! Auch den üppig gelb bzw. rosa blühenden Nationalbaum „Ipê“ konnten wir bewundern. Da diese Bäume keine Blätter, sondern nur Blüten, tragen sind sie umso schöner. 😍 Nach unserem langen Spaziergang machten wir es uns noch im Schatten auf unserer Picknick-Decke gemütlich und genossen vor der Weiterfahrt noch Kaffee und Kuchen. ☕🍰 Durch die Zeitverschiebung wird es jetzt leider auch eine Stunde eher dunkel. Eigentlich vermeiden wir es zwecks Wildwechsel und Schlaglöchern im Dunkeln zu fahren aber diesmal war es nicht ganz zu verhindern. Wir durften während der abendlichen Fahrt einen herrlichen Sonnenuntergang über der Savanne und den Bergen des „Pantanal“ genießen. 💕 Genauso haben wir es uns vorgestellt! Ein Himmel in den schönsten Lila, Orange und Rot Tönen in welchem sich die Konturen der Bäume abzeichnen. Wir kamen gut an einem der wenigen, größeren Postos auf dieser Strecke an und hatten eine mehr oder minder gute Nacht. Dank der hohen Temperaturen war es in unserem Van, trotz Ventilation des Lüfters in der Dachluke und der Standheizung, ziemlich warm und entsprechend unruhig schliefen wir.





Den kommenden Vormittag verbrachten wir auf dem leider sehr staubigen Rastplatz um u.a. das dortige WLAN zu nutzen. Da es unglaublich heiß war mussten wir alle Schotten im Van auflassen. Das führte dann unweigerlich dazu, dass der ganze Innenraum von einer herrlichen Staubschicht bedeckt wurde. War aber dennoch das geringere Übel. 😆 Wir nutzten noch die kostenfreien, sauberen Duschen am Posto bevor wir uns dann am frühen Nachmittag auf machten, um die letzten 120 km bis zur „Jungle Lodge“ zu fahren.

In „Miranda“ stoppten wir noch an einem Supermarkt, um noch einmal Trinkwasser zu kaufen. Auf dem Weg überquerten wir eine Brücke, von welcher man in ein Wasserloch mit mehreren hundert Alligatoren hinunterblicken konnte. 🐊😮 Wir vermuten, dass sich die Tiere hier zu Ende der Trockenzeit versammeln, weil die meisten anderen Wasserquellen in den Sümpfen bereits ausgetrocknet sind.


Kurz darauf erreichten wir unser Ziel. Wir meldeten uns an der Rezeption und teilten mit, dass wir bereits drei Tage eher als geplant hier wären. Zu unserer großen Freude war dies für das Personal überhaupt kein Problem. Wir dürfen hier bis Donnerstag kostenfrei den Van parken und natürlich auch darin übernachten. Nach der ersten extrem heißen Nacht im Bus sind wir allerdings einmal mehr froh darüber, die Unterkunft hier gebucht zu haben und bald im klimatisierten Zimmer schlafen zu dürfen. Es ist hier schwül warm bei bis zu 37 Grad im Schatten. 🥵🥵🥵 Da bringt auch der Ventilator in der Dachluke sowie der Lüfter der Standheizung nicht mehr viel. Die Sanitär-Anlagen sowie das ganze Gelände dürfen wir ebenfalls kostenfrei nutzen. Lediglich für die Nutzung des Pools werden 10 € pro Tag von uns verlangt – mehr als fair wie wir finden. 👍 Über diesen freuten wir uns am darauffolgenden Tag sehr und es war schön auf andere Gleichgesinnte zu treffen. Mit uns übernachtete ein älteres, französisches Ehe-Paar in ihrem großen Iveco-Van auf dem Parkplatz sowie ein Paar in unserem Alter aus Luxemburg, welche in ihrem Land-Rover mit Dachzelt reisen. So konnten wir abends noch lange draußen sitzen und uns über die diversen Reiserouten und Erfahrungen austauschen. 😃 Ansonsten sind hier hauptsächlich die lustigen und reisefreudigen Holländer anzutreffen. Was wir hier auf der Lodge alles erleben werden und wie die angebotenen Exkursionen sind erfahrt ihr dann im nächsten Blog-Beitrag. 😉



„Videos zu den einzelnen Blog-Beiträgen findet ihr übrigens auch auf unserem YouTube Kanal https://www.youtube.com/sijucampervan. Manchmal allerdings etwas zeitverzögert, bitte nicht wundern!
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