Wir konnten tatsächlich drei volle Tage und Nächte auf unserem schönen Stellplatz in Boicucanga, dem Vorort von Sao Sebastiao, verbringen und erstmals unser SUP von Paddelbrett ausprobieren. Das Stehen auf dem Board klappte bei mir auf Anhieb, nur das Wenden und Manövrieren will noch gelernt werden. 😎 Wir genossen die Auszeit am Strand sehr, zumal ja alle Annehmlichkeiten fußläufig erreichbar waren. Und in der Shopping Mall war sowohl am Freitag als auch am Samstagabend für kostenlose Unterhaltung in Form von richtig guter live Musik gesorgt. Bei den örtlichen Fischverkäufern investierten wir 15 € in ein Kilo Garnelen, welches uns für drei leckere Mahlzeiten reichte. 🍤



Ein Deutscher aus Hamburg, der vor 20 Jahren nach Brasilien auswanderte, wurde auf unseren Van aufmerksam und sprach uns an. Er erzählte uns ein wenig von seiner Lebensgeschichte, inklusive seiner getrenntlebenden Frau und Tochter in Sao Paulo, und wie schwer es für ihn ist seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht zuletzt auf Grund der hohen Unterhaltszahlungen die er für seine Tochter zu leisten habe. Im Durchschnitt verdient ein Brasilianer, laut seiner Aussage zumindest, ca. 1.000 Reals was in etwa 200 € entspricht. Davon geht die Hälfte, also 500 Reals bzw. 100 €, für die Miete drauf. Bleiben noch 100 € um das alltägliche Leben zu bestreiten. 🤔 Bei Lebensmittelpreisen im Supermarkt, die sich kaum von denen bei uns Zuhause unterscheiden wundert es nicht, dass zum monatlichen Grundgehalt eines Brasilianers eine große Kiste („cesto basico“) mit Grundnahrungsmitteln wie z.B. Reis, Mehl und getrockneten Hülsenfrüchten gehört. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass zumindest etwas bei den Familien ankommt und das Geld nicht anderweitig (z.B. für Alkohol oder Snacks) verschwendet wird. An ein Auto geschweige denn dessen Unterhalt oder ein Essen in einem „richtigen“ Restaurant ist für den Großteil der Bevölkerung somit gar nicht zu denken. 😢
Er gab uns auch noch ein paar gute Tipps für die nähere Umgebung und so verließen wir am Sonntag, den 28.08.22 unseren Stellplatz am Strand und fuhren auf einen nahegelegenen Parkplatz am Waldrand. Der war zwar Wider seiner Aussage nicht kostenfrei, aber der ideale Ausgangspunkt für eine etwa zweistündige Wanderung durch den dicht bewachsenen, grünen atlantischen Regenwald. Der Weg führte zu insgesamt drei schönen Wasserfällen, alle mit Bademöglichkeit. Allerdings war das Wasser extrem frisch und lediglich Simon nahm ein ganz kurzes, reinigendes Bad. 😃🛁 Ich zog die Dusche am Parkplatz vor, wenn gleich diese vermutlich nicht minder kalt war. Aber zumindest konnte ich dort auch gleich noch meine Haare waschen und Simon rasierte mir zuvor noch meinen undercut nach. Was man auf Parkplätzen nicht so alles machen kann! 🤣 Nachmittags zog sich der Himmel zu und es begann leicht zu nieseln. Wir fuhren noch einige wenige Kilometer in Richtung Sao Sebastiao bis zu einem Parkplatz in direkter Strandnähe, an dem sich auch ein kleiner Kiosk (mit WLAN) sowie ein Restaurant (mit Toilette) befand und verbrachten dort die Nacht.



Gestern Abend trafen wir auf dem besagten Parkplatz in dem Örtchen „Toque Toque Pequeno“ noch Oliver, Inhaber der schönen Pousada (= Pension) „Aparas“. Oliver quatschte mich in perfektem Deutsch an weil er vermutete, dass ich zu dem geparkten Van gehöre. Richtig geraten. 😉 Es stellte sich schnell heraus, dass er als Sohn deutscher Auswanderer aus Detmold in NRW in Brasilien geboren wurde, aber immer mal wieder einige Jahre in Deutschland verbracht hatte. Seit zwanzig Jahren führt er nun mit seiner Frau Carla die hübsche Pension mit 19 Zimmern in direkter Strandlage, inklusive schöner Gartenanlage mit Pool und Massage- bzw. Saunahäuschen. Ein Zimmer inkl. Frühstück kostet dort unter der Woche 300 Real was in etwa 60 € entspricht. Nach dem er einige Schwenks aus seinem Leben bzw. von seinen Reisen zum Besten gegeben hatte, lud er uns noch für den nächsten Morgen zum Kaffee oder Frühstück in seine Unterkunft ein. Da es in der Nacht zu regnen begonnen hatte und es mitunter noch kräftig regnete als wir bereits aufgestanden waren, nahmen wir die Einladung gerne an und besuchten ihn und seinen Vater noch auf eine Tasse Kaffee inklusive kleinem Rundgang durch die Pousada. Als wir Oliver verließen hatte der Regen aufgehört und wir fuhren noch einige Kilometer bis Sao Sebastiao. Er hatte uns dazu geraten, weder die Ilha Bela noch Ubatuba oder Paraty zu Gunsten der Durchfahrt nach Rio de Janeiro links liegen zu lassen. Wir folgten seinem Tipp und parkten unseren Van in Sao Sebastiao ganz in der Nähe der Inselfähre bei der Parkanlage, bei welcher praktischer Weise auch die lokale Polizei stationiert war. So stand einer mega ruhigen und noch dazu super sicheren Nacht nichts im Wege. 😌 Gegen später gesellte sich auch noch ein Overlanderpaar aus Paris mit ihren zwei kleinen Kindern (1 und 4 Jahre alt) in ihrem 4×4 Sprinter Hymer Grand Canyon dazu.


Am folgenden Morgen war es zwar trocken, aber zum Teil immer noch stark bewölkt und ab und an nieselte es auch mal ganz kurz. Trotz allem nahmen wir mal die Räder vom Auto und fetteten erst einmal die Ketten, die bereits nach knapp drei Wochen Reise durch die Ausfahrten am Strand und die feuchte Luft schon stark rostig waren. 😮 Wir frühstückten gemütlich und beobachteten derweil das Wetter. Als es über der Ilha Bela etwas heller wurde packten wir dann doch den Rucksack und machten uns auf zur Fähre. Für Fußgänger und Radfahrer war die 15minütige Überfahrt zur Insel sogar kostenfrei. 👍 Dort angekommen folgten wir dem gut ausgebauten Radweg immer an der Küste entlang bis zu dem kleinen Örtchen „Vila“ mit historischem Ortskern. Der Radweg bog hier wohl irgendwo von der Küste ab und so entschieden wir kehrt zu machen und fuhren in Richtung Fähre zurück. Auf dem Rückweg kauften wir bei einem Fischer noch vier schöne, große Langustinen für das Garnelen-Risotto am Abend. 😛 Die Ilha Bela heißt auch Insel der Wasserfälle, weil es dort insgesamt 360 davon gibt. Also kann man in einem Jahr quasi jeden Tag einen anderen besuchen. Da wir jedoch die Räder dabeihatten und diese zum Wandern nicht einfach irgendwo abstellen wollten, traten wir wieder den Rückweg mit der Fähre an. Gerade rechtzeitig wie sich herausstellte! Wieder am Van angekommen schlug das Wetter erneut um und die Insel hing wieder in dichten Wolken. So konnten wir getrost die Weiterfahrt nach Ubatuba antreten (ca. 70 km), wo wir auch relativ schnell einen schönen Stellplatz für die Nacht fanden. Erneut direkt am Wasser mit Blick auf die bunten Fischerboote. 🚤



Am Morgen parkten wir unseren Van um, einige hundert Meter näher ans Zentrum und die Promenade. Von dort aus machten wir uns zu Fuß auf die Suche nach einer Bäckerei, weil es in Ubatuba gute traditionelle Bäcker geben sollte und wir wurden tatsächlich schnell fündig. 😃 Also ging es erst einmal wieder zurück zum Auto, um dort unsere soeben erstandenen Brötchen zu verspeisen. Unsere von Zuhause mitgebrachte Marmelade war leider schon leer und hier kostet ein kleines 250 ml Glas tatsächlich zwischen 4 und 5 €. 😮 Deshalb begnügen wir uns im Moment mit süßer „dulce de leche“ Karamell und Schoko bzw. Käse und Schinken. Frisch gestärkt machten wir uns wieder auf in Richtung Zentrum, diesmal am Strand entlang. Ubatuba liegt wirklich sehr malerisch, wie aus dem Reisekatalog. Breiter Sandstrand, ruhiger Atlantik, im Hintergrund sowie mit Blick übers Meer auf den Horizont überall tropische Berge. Wir fühlten uns hier tatsächlich etwas an Krabi in Thailand erinnert, nicht zuletzt auch wegen der bunten Fischerboote. 🥰 Das Zentrum ist recht überschaubar und sehr schön angelegt. An den vielen Restaurants ist deutlich zu erkennen, dass hier im Sommer wohl Hochbetrieb herrscht. Die Stadt liegt übrigens am Wendekreis des Steinbocks und begrüßt somit als Erste in Südamerika am 21./22. Dezember jeden Jahres den Sommer. Passender Weise ist mein Sternzeichen der Steinbock und ich war nun sowohl schon in Australien als auch in Südamerika am Wendekreis des Steinbocks. 😛 Nach unserem Stadtrundgang fuhren wir in Richtung Trindade, wo es angeblich die schönsten Strände von ganz Brasilien geben soll. An einem davon schlugen wir unser Nachtlager auf und der Atlantik zeigte sich hier mal wieder von seiner raueren Seite: Die Wellen tosten die ganze Nacht über recht laut und hörbar. Vermutlich auch deshalb, weil rund um den Strand große Felsen liegen. Ähnlich wie auf den Seychellen. 🏝 Abends durften wir den Sonnenuntergang und morgens früh gegen 6:30 Uhr auch noch den Sonnenaufgang bestaunen. 🌅





Wir genehmigten uns nach dem schönen Sonnenaufgang noch einen Kaffee und fuhren anschließend 20 km weiter nach Paraty. Glücklicherweise fanden wir direkt einen Parkplatz vor der örtlichen Polizei, unweit vom Zentrum. So brauchten wir erneut keine Fahrräder sondern konnten den historischen Altstadtkern mit seinem unregelmäßigen Kopfsteinpflaster gemütlich zu Fuß erkunden. Paraty liegt unweit von Ubatuba und so war die Kulisse hier ähnlich schön: Sandstrand, Meer, ein breiter Kanal bis in die Stadt hinein und das Ganze umrandet von tropisch grünen Bergen. 🏝🏖☀ Da wir heute so früh aufgestanden waren blieb noch genug Zeit und so entschieden wir uns, noch am selben Tag die verbleibenden 250 km bis Rio de Janeiro durchzufahren. Mehr dazu dann im nächsten Blog Beitrag. 😉




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