Von unserem Besuch in Blumenau waren wir etwas enttäuscht. Die brasilianische Großstadt im Süden des Landes wurde zwar im Jahr 1850 von deutschen Einwanderern gegründet wovon einer der Namensgeber war. Aber bis auf ein paar Fachwerkhäuser in der Altstadt lässt wenig auf die deutschen Wurzeln schließen. Und natürlich das große Oktoberfestgelände, welches alljährlich von Anfang bis Mitte Oktober Millionen von Besuchern anzieht. Auf dem Partyareal gibt es Biergärten, die typischen Klischee-Souvenirs und auch ein bisschen Ballermann-Musik darf natürlich nicht fehlen. 😂 Ansonsten hatten wir aber den gleichen Eindruck wie von vielen anderen Städten auch: Überall Werbereklametafeln, Auto- und Reifenwerkstätten, Schnellimbisse und Supermärkte. Kann man also getrost sein lassen…



Von dort aus fuhren wir noch ca. 20 km weiter bis nach Pomerode. Laut Reiseführer soll in der Kleinstadt noch relativ häufig Deutsch gesprochen werden. Und tatsächlich! Als wir den ausgewählten Stellplatz für die Nacht auf dem dortigen Festgelände ansteuerten bemerkten wir schnell die Aufbauarbeiten die dort im Gange waren. Es dauerte nicht lange bis uns jemand auf dem Parkplatz ansprach. Allerdings, wie so häufig hier, nur auf Portugiesisch. Was übrigens niemanden daran hindert, uns trotzdem quietsch vergnügt seine halbe Lebensgeschichte zu erzählen obwohl wir deutlich machen, dass wir kein Wort verstehen. 😅 Er schickte aber einen anderen Mann zu uns der zu unserer Verwunderung tatsächlich sehr flüssig und gut verständlich Deutsch sprach! Den zugrunde liegenden Dialekt konnten wir allerdings nicht eindeutig zuordnen. Auf jeden Fall erzählte er uns, dass hier ab dem morgigen Freitag das ganze Wochenende über ein „Schaffest“ stattfinden würde. Wir durften freundlicherweise für die Nacht dort stehen bleiben und sowohl das freie WLAN als auch die Sanitäranlagen nutzen. Er bat uns lediglich darum, am nächsten Morgen zeitig weiter zu fahren, weil bald Camper auf den Platz fahren würden die für die Stellplätze bezahlt hätten.



Gesagt, getan! Nach dem morgendlichen Kaffee fuhren wir vom Platz und parkten unseren Van direkt an dem kleinen Stadtpark hinter dem Stadttor. Wir wollten gerade frühstücken, als zwei brasilianische Reisebusse quasi vor unserer Tür hielten. Es gab neugierige Blicke in unsere Richtung und wie wir später feststellen durften, folgen uns nun auch einige der Damen und Herren auf Instagram. 😉 Zu Fuß begaben wir uns in Richtung der wirklich sehr schönen und beschaulich ruhigen Innenstadt. Hier fühlten wir uns tatsächlich etwas an die Heimat erinnert. Sicherlich nicht zuletzt deshalb, weil wir uns bereits mit einigen Einwohnern in sehr gutem Deutsch unterhalten hatten. Wobei uns die Restaurant- und Ladenzeile auch stark an Dänemark erinnerte. Alles war sehr liebevoll, detailreich und ordentlich gestaltet. Das Fest am Abend wollten wir uns natürlich keinesfalls entgehen lassen weshalb wir den strahlend blauen Himmel und die wärmenden Sonnenstrahlen am Nachmittag im Park genossen. Gegen 18 Uhr wurde es plötzlich unruhig um uns herum und erneut waren wir wohl ungewollt mitten im Zentrum des Geschehens gelandet! Schnell stellten wir fest, dass sich hier anscheinend die Bewohner für eine Prozession zum Festgelände zusammenfanden. Viele in Lederhose bzw. Tracht und auch die verschiedensten Gefährte trafen ein. Nach dem wir uns in Ruhe umgeschaut hatten entschieden wir, schon mal zum Fest vorzugehen um das Eintreffen der Meute von dort aus zu beobachten. Es war wirklich ein tolles Spektakel, den Einlauf der einzelnen Gruppen zu verfolgen und auch die Tierschau dort war für uns sehenswert. Vom bunten Ziervogel über gewöhnliches Federvieh bis hin zu den namensgebenden Schafen des Fests aber auch Kühen und Schweinen war fast alles vertreten. 😃 Mit unserer Spekulation auf „gute“ deutsche Festküche lagen wir allerdings falsch. Es gab zwar reichlich Bier aber die verschiedenen frittierten Köstlichkeiten bzw. Pommes mit Bacon und Cheddar trafen nicht ganz so unseren Geschmack aber was solls! Wir schauten uns noch kurz die brasilianische Live-Band an und machten uns dann auf den Rückweg zum Van weil es zwischenzeitlich leider wieder verdammt kalt und entsprechend ungemütlich wurde. Wir hatten eine sehr ruhige Nacht auf dem Theater-Parkplatz in Pomerode, zusammen mit mehreren inländischen Campern. Viele davon waren übrigens ebenfalls in einem Renault Master unterwegs. 😊




Am Samstagmorgen brachen wir direkt auf in Richtung Curitiba. Heute hieß es mal wieder Strecke machen und bis dahin lagen rund 250 km vor uns. Da wir nur die mitunter kurvige Landstraße nutzen konnten und diese durch viele Dörfer führte, zog sich die Fahrt entsprechend lange hin. In Curitiba angekommen starte dann mal wieder die nervige Suche nach einem geeigneten und sicheren Parkplatz. 🙄 Nach längerem hin- und hergekurve landeten wir an einem Parkplatz direkt vor der hiesigen Markthalle. Simon war bis dahin allerdings so entnervt von dem rumgeeiere in der Stadt so dass wir ohne Stopp direkt zurück auf die Autobahn fuhren. 🙈🙉🙊 Vielleicht sollten wir Städte, von denen wir sowieso nichts Genaues wissen, künftig einfach sein lassen… Spart Zeit, Geld und Nerven! Wir fuhren noch einige Kilometer bis zum Posto Pelanda auf 750 m Höhe. Hier war es relativ frisch und neblig feucht weshalb wir es uns im Van gemütlich machten. Dank Standheizung hatten wir es beim YouTube schauen und kochen (es gab Pasta mit Tomatensauce & Thunfisch) auch kuschelig warm. Trotz all der LKWs um uns herum und der Nähe zur Autobahn schliefen wir erstaunlich gut und auch relativ lange. 👍
Am folgenden Morgen war der Himmel zwar etwas heller aber draußen war es immer noch recht ungemütlich. So ließen wir es langsam angehen und blieben erst einmal am Posto: Simon hatte Zeit um am neuen YouTube Video zu basteln. Ich machte mich auf die Suche nach einem eBook Reiseführer über Brasilien und konnte sogar den von mir geliebten Lonely Planet herunterladen. 😃 Unser Südamerika Reisführer gibt für dieses riesengroße Land einfach zu wenig her und bei der (sehr vagen) Planung der Reise ging ich noch davon aus, dass wir Brasilien auf Grund der massiven Distanzen wenn überhaupt nur anschneiden werden. Weit gefehlt! Wir sind mittlerweile nur noch knapp 300 km von Sao Paulo entfernt und ich hoffe, dass ich ab sofort künftig besser guiden kann und wir mehr Stopps einlegen können. Nach dem leckeren Omelette mit Gemüsefüllung ging es dann wieder zurück auf die Autobahn uns es lagen erneut gute 250 km bis zu unserem nächsten Ziel, dann endlich wieder an der Küste, vor uns.

Am ca. 60 km langen Strandabschnitt „Litoral“ bei Sao Paulo fanden wir in der Nähe der Ortschaft „Itanhaém“ ein traumhaft ruhiges Fleckchen unter schattigen Bäumen. 😊 Mal wieder direkt am endlos langen und breiten Sandstrand. Also eines muss man den Brasilianern wirklich lassen: Strände können sie! 👍 Alle scheinen dem Postkartenidyll direkt entsprungen zu sein. Blitz blank sauber, selbst Muscheln sieht man kaum. Von Krebsen, Quallen, Steinen und Gott sei Dank auch Müll ganz zu schweigen. Alle sind einfach wie gemalt: Endlos lang, breit und dank der off season schön leer. 🥰 Nach unserem Spaziergang am Morgen gab es leckere Pfannkuchen mit Nutella und Banane zum Frühstück und im Anschluss feierten wir eine Premiere: Mit den Fahrrädern am Strand entlang! Was für ein Spaß, durch das seichte Wasser und die Pfützen zu fahren. 🚲 Wir waren gute 20 km am Strand unterwegs und hätten noch viele Kilometer mehr bis zu dessen Ende fahren können.



Die Nacht an unserem wunderschönen Stellplatz war ruhig und am Morgen gab es einen herrlichen Sonnenaufgang zu sehen. 🌅 Nach dem morgendlichen Strandspaziergang, bei welchem wir noch eine eisgekühlte frische Kokosnuss erwerben konnten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Santos. Dort hatte ich auf maps.me eine Wäscherei ausfindig gemacht und nach fast drei Wochen Reise wurde es langsam Zeit für den ersten Waschtag. Die auf der Karte ausgemachte konnten wir leider nicht finden, dafür entdeckten wir aber glücklicherweise per Zufall eine andere direkt an einer Tankstelle. Die Maschine Wäsche kostete 15 Real (= 3 €) inkl. Waschmittel und war nach 35 Minuten sogar schon fertig. Für den Trockner mit einer Laufzeit von 45 Minuten wurde der gleiche Preis fällig. Allerdings war die Wäsche nach der ersten Runde noch recht klamm und so investierten wir weitere 15 Real und warteten derweil geduldig nebenan in unserem Van. Ist schon oft wirklich sehr praktisch, sein zu Hause quasi immer dabei zu haben. 🥰 Es war schon später Nachmittag bis wir mit der Wäsche fertig waren und da hier aktuell immer noch Winter ist, wird es schon relativ früh gegen 18:30 Uhr dunkel. Wir entschieden also, an den Anfang der Promenade zu fahren und dort auf dem großen öffentlichen Parkplatz zu parken. Wir liefen noch eine kleine Runde, um uns einen Überblick zu verschaffen. Auf dem Rückweg zum Van wurden wir bereits von französischen Auswanderern erwartetet, deren Sohn glücklicherweise Spanisch sprach so dass wir uns verständigen konnten. Sie hatten unseren Van wohl aus ihrer Wohnung im Hochhaus gegenüber erspäht und wurden neugierig. Vermutlich haben sie uns auf Instagram ausfindig gemacht und uns so erkannt. 😅 Wir fragten nach einem sicheren Stellplatz für die Nacht und sie meinten, wir sollten am besten hier stehen bleiben. Hier patroulliert die Polizei regelmäßig und es hängen Kameras rundum. So gingen wir nach unserem Abendessen mit einem guten Gefühl ins Bett. Wir schliefen, wie so meist, relativ früh ein und wurden nachts gegen 0:30 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Es klopfte zweimal an der Tür und durch den Vorhangschlitz konnten wir Blaulicht (was hier tatsächlich Rotlicht ist) erkennen. Wir stellten uns tot da wir auch nicht angesprochen wurden und warteten, bis die Luft wieder rein war. Vermutlich wollte man sich einfach nur vergewissern, ob alles ok ist. Vielleicht lag es auch nur daran, dass der Parkplatz von 8:00 – bis 0:00 Uhr nur mit Parkscheibe besucht werden darf und unsere kurz nach Mitternacht abgelaufen war. Keine Ahnung… Auf jeden Fall entschieden wir Einstimmig, uns lieber vom Acker zu machen bevor wir eventuell noch Strafe zahlen müssten. Wir steuerten diverse Plätze an die uns aber alle nicht sicher erschienen. Gegen 1:45 Uhr fanden wir endlich einen guten Parkplatz, welcher ebenfalls von Flutlicht taghell erleuchtet und rundum mit Kameras versehen war. Noch dazu lag er vor einer Militäreinrichtung und so schliefen wir nach der nächtlichen Aufregung dann doch noch ziemlich gut. Rückblickend wären wir lieber noch einen Tag mehr an dem schönen Stellplatz am Strand geblieben aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer! 🙈🙉🙊



Am Mittwochmorgen lachte die Sonne vom Himmel und zum zweiten Mal konnten wir direkt in die Shorts schlüpfen. 😎 Nach dem wir uns bei Tag umgeschaut hatten, wo wir denn jetzt des Nachts so genau gelandet waren frühstückten wir und fuhren dann zurück in die Stadt zum vorherigen, zentralen Parkplatz. Dort nahmen wir die Räder und fuhren damit die wirklich sehr schön angelegte Promenade entlang. Vor allem gab es endlich einmal richtig toll ausgebaute Radwege und auch die vielen Kanäle, die vom Meer in die Stadt (Santos liegt quasi auf einer Insel) führen erinnerten etwas an Amsterdam. Wir gönnten uns gegen Mittag noch je einen der typischen, brasilianischen Pastels (frittierte Teigtaschen – auch beim zweiten Mal nicht wirklich lecker) und machten uns danach wieder auf den Weg bzw. die Suche nach einem geeigneten Stellplatz am Strand. Leider kamen doch wieder deutlich mehr Kilometer zusammen (ca. 125) also uns lieb waren und auch die drei angesteuerten Plätze erwiesen sich leider als nicht tauglich. Als wir an Platz Nummer drei ankamen war es bereits dunkel und so fragen wir an einem Café nach, ob wir freundlicherweise auf ihrem Parkplatz übernachten dürften. Wir wurden erneut mit offenen Armen empfangen und durften bleiben. Ein fettes Dankeschön noch einmal an den Inhaber vom „Cheiro Verde“. 😍😍😍





Die Nacht war so lá lá, weil direkt gegenüber des Café Parkplatzes aktuell eine große Baustelle ist (weswegen der eigentlich dort vermutete Stellplatz auch nicht mehr existent war) und noch dazu die Straße neu geteert wurde, war die Nacht entsprechend laut und unruhig. Im Gegensatz zu Deutschland wird hier nämlich auch nachts an Straßenbaustellen gearbeitet! Mit dem hervorragenden Ergebnis, dass die komplette eine Fahrbahnseite der Durchgangsstraße bis zum Mittag topfeben fertig geteert war. Respekt! 👏 Bei Tageslicht konnten wir dann sogar noch einen idealen Stellplatz fast gegenüber ausmachen: Wir quetschten unseren Van zwischen Baustellenwand und Hausmauer und standen so sicher geschützt mit Blick auf Strand und Meer. 🏖🏝☀ Nach all der Aufregung der vergangenen zwei Tage legten wir einen super faulen Strandtag ein. Der Stellplatz scheint uns ideal denn in der Nähe befindet sich zudem ein Shopping-Center mit Supermarkt, Bäckerei, sanitären Anlagen und, ganz wichtig: WLAN. 😅 Somit hoffen wir, dass wir hier 2-3 Tage stehen bleiben können um uns ein bisschen zu erholen. Die ständige Fahrerei und Stellplatzsuche kostet nämlich mitunter nicht wenig Energie.



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