Unser erster Grenzübertritt von Uruguay nach Brasilien verlief super schnell, unkompliziert und reibungslos. 😊

Nach dem wir beim Verlassen Uruguays zuerst den Grenzposten verpasst hatten und noch einmal wenden mussten, wurden wir von den Grenzbeamten dort sofort herzlich empfangen. Als wir die Frage nach unserem Herkunftsland mit „Deutschland“ beantworteten fragte der Beamte sofort, ob wir den Film von der Frau kennen würden welche mit dem Motorrad von Deutschland aus bis in den Iran gereist ist. Als Weltenbummler kannten wir die Reportage natürlich und konnten seine Frage somit bejahen. Allerdings mussten wir ihn enttäuschen als er sich aufgeregt erkundigte, ob wir denn ebenfalls einen derartigen Film über unsere Reise drehen würden. 😅 Auf jeden Fall stempelte er danach zügig unsere Pässe aus und schickte uns zum nächsten Beamten, bei welchem wir unser TIP (temporary import permit = Aufenthaltsgenehmigung für unser Fahrzeug) abgeben konnten. In der Grenzstadt Chuí, quasi Niemandsland zwischen Uruguay und Brasilien, suchten wir dann noch einen Supermarkt auf um unsere letzten Pesos loszuwerden. Danach ging es einige Kilometer weiter zum Brasilianischen Grenzposten. Hier war ebenfalls nichts los und glücklicherweise sprachen die Beamten dort sehr gut Englisch. In Null Komma nichts waren auch hier die Pässe eingestempelt und das TIP (kostenfrei) erstellt. Wir fuhren noch einige Kilometer gen Norden bis wir ein geeignetes, ruhiges Posto (= Tank- & Raststätte) an der Landstraße fanden um dort zu übernachten. Die Nacht war überraschend ruhig und wir wachten am nächsten Morgen ausgeruht auf.

Nach dem Kaffee machten wir uns zuerst auf die Suche nach einem Geldautomaten entlang unserer Route, weil für die anstehende Autobahnfahrt Mautgebühr anfallen würde und wir noch nicht im Besitz von Brasilianischen „Real“ waren. Auf den überschwemmten Feldern links und rechts neben der Straße konnten wir während der Fahrt dorthin sowohl einige Wasserschweine als auch Kaimane erspähen. Ich hoffe sehr, die Schweine sind zu groß um als Kaiman-Futter zu enden! 🙈 Wir stoppten bei der erstbesten Bankfiliale und staunten nicht schlecht, als wir zuerst durch einen Metalldetektor gehen mussten. Unsere Bemühungen am Geldautomaten waren leider erfolglos was von einem hinter uns stehenden älteren Herren wohl bemerkt wurde. Scheinbar teilte er einem Mitarbeiter mit, dass wir Probleme hätten welcher uns daraufhin freundlicherweise sofort zu Hilfe eilte. Glücklicherweise sprach er ganz gut Englisch und versuchte erneut mit uns Geld abzuheben – leider wieder ohne Erfolg. Auch dass Rat suchen seinerseits beim Manager half nicht weiter aber er hatte dann doch noch einen glorreichen Einfall: Der 24 Stunden ATM in der Apotheke daneben war unsere Rettung und wir hielten endlich die benötigte Währung in Händen. Dank der super netten und vor allem ungefragten Hilfe der Brasilianer. 😍 Wir stoppten noch kurz an einem Supermarkt und fuhren dann auf die Autobahn, um unsere erste von sicherlich noch vielen größeren Überlandstrecken Richtung Porto Alegre hinter uns zu bringen. Dort wollten wir uns am späten Nachmittag eigentlich noch die Markthalle anschauen. Als wir aber in einem Mob von Fußballfans landeten, wir diverse Böller hörten und in der Großstadt auf Anhieb auch keinen sicheren Parkplatz finden konnten fuhren wir direkt wieder von dannen. Leider ohne die sicherlich sehr schöne und große Markthalle gesehen zu haben… So steuerten wir erneut ein Posto an, diesmal direkt an der Autobahn gelegen. Entsprechend laut war die Nacht und zum Teil haben wir auch entsprechend schlecht geschlafen. Dafür standen wir sehr sicher und hatten an der Tankstelle bzw. dem Restaurant sowohl WLAN als auch sanitäre Anlagen.
Am nächsten Morgen ging es weiter zum ca. 165 km entfernten Nationalpark „APARADOS DA SERRA“ und dem Canyon „ITAIMBEZINHO“ mit bis zu 700 Meter hohen Steilwänden und diversen Wasserfällen. Zum Teil fuhren wir über unbefestigte Erd-Wege, welche unser Van und vor allem Simon als Fahrer mit Bravour gemeistert haben. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass der von uns vermutete Eintrittspreis von 15 Real p.P. (= 3 EUR) wohl nicht mehr aktuell war. 😣 Stattdessen bezahlten wir stolze 50 Real (= 10 EUR) pro Kopf und auch die Parkgebühr lag nicht bei 5 Real (= 1 EUR) sondern 20 Real (4 EUR). Den Preis waren die beiden kurzen Wanderungen und auch die Ausblicke, wenn gleich sie schön waren, im Nebelwald nicht wert. Somit lernten wir auch heute wieder etwas dazu: Checke Eintrittspreise immer noch einmal vorab auf Aktualität. 🙈 Nach dem Besuch des Nationalparks machten wir uns wieder in Richtung Autobahn auf und übernachteten erneut an einem diesmal zum Glück etwas ruhigeren Posto.



Nach dem wir am darauffolgenden Vormittag erneut ausgiebig das verfügbare WLAN für YouTube, Blog und Instagram genutzt hatten hieß es erneut Strecke machen. Wir fuhren ca. 280 km bis auf die Ilha Santa Catarina bzw. der „Hauptstadt“ Florianópolis, oftmals entlang von überfluteten Reisfeldern. Da wir erst am späten Nachmittag dort ankamen und noch in Ruhe in unserem Van duschen wollten ließen wir die Stadt direkt links liegen und begaben uns umgehend zu einem super schönen, einsamen Stellplatz in den Sanddünen an der Atlantikküste. Vor uns lag ein wahnsinnig langer, breiter Traumstand fast für uns alleine und wir schliefen mit Meeresrauschen ein. 🥰

Am Sonntagmorgen gingen wir bei endlich richtig angenehmen Temperaturen, Sonnenschein und blauem Himmel den Strand entlang, bevor wir einen bewachten Parkplatz an einem zentral gelegenen Badestrand ansteuerten. Dort frühstückten wir erst einmal bevor wir die Fahrräder vom Auto holten. Mit diesen machten wir uns auf den Weg, um den „Lago de dentro“ zu Umrunden. Zumindest auf der einen Seite ging es auch immer am Seeufer entlang und wir konnten uns einen ersten Eindruck von dem entspannten Inselleben verschaffen. Hier reiht sich Geschäft an Geschäft und dazwischen immer wieder Bars, Restaurants und Cafés. Auch hier ist in der high season sicherlich viel Betrieb worauf auch die zahlreichen aktuell leerstehenden Hotels und Bungalows schließen lassen. Am Nachmittag steuerten wir einen neuen Stellplatz ganz im Nordosten der Insel an und nach einigem Suchen konnten wir auch ein schönes Fleckchen in den Dünen finden. Beim Erkundungsrundgang am Strand entdeckten wir einen Wanderweg, welcher den Berg hinaufführte. Da es erst 17 Uhr war entschieden wir uns, diesen direkt noch zu erklimmen und wir wurden mit einer herrlichen Aussicht über die beiden Buchten links und rechts sowie die wahnsinnig weitläufige Sanddünenlandschaft belohnt. Die Wellen des Atlantiks sind tatsächlich stets präsent, die Gischt sprüht bis an den Strand und die Surfer die wir hier beobachten konnten hatten sichtlich ihren Spaß.


Den Montag gingen wir zur Abwechslung mal etwas ruhiger an und wechselten weder den Stellplatz noch machten wir Kilometer. Da es relativ windig und meist bewölkt war, gab es nachmittags selbst gebackenen Pfirsichkuchen aus dem Omnia und abends leckere Ei-Muffins aus unserem tollen Camping-Backofen. Simon nutzte die Zeit um am nächsten YouTube Video zu basteln. Der morgendliche und abendliche Strandspaziergang wird hier an der Brasilianischen Ostküste vermutlich zu unserem festen Ritual werden und wir müssen uns wohl erst daran gewöhnen, den Fuß weiter vom Gas zu nehmen und deutlich mehr solch entspannter Tage einbauen. 😆



In der Nacht hörten wir einige wenige Tropfen auf unsere Dachfenster fallen und morgens war der Himmel immer noch Grau in Grau. Trotzdem entschieden wir uns, vom Norden der Insel bis ganz in den Süden zu fahren in der Hoffnung, dass es gegen Mittag besser wird und wir dort noch wandern gehen können. Auf der zähen Fahrt mit langem Stau konnte ich dank letzterem tatsächlich einen kleinen, grünen Kolibri in der Hibiskus Hecke beobachten. 🤗 Die Südwestseite der Insel erschien uns deutlich weniger touristisch, dafür aber viel ursprünglicher und tropischer. Teilweise war die Straße von bunten, farbenfrohen, kleinen Häusern gesäumt wie wir sie schon aus Mittelamerika kannten. An dieser Küstenseite scheint die Muschelzucht zu florieren, zumindest konnten wir vom Auto aus viele Muschelfarmen sehen. Tatsächlich blieb es ab Mittag trocken und wir konnten vom südlichsten Zipfel der Ilha Santa Catarina durch den noch feuchten atlantischen Regenwald wandern. Von dem kleinen, unspektakulären Leuchtturm aus führte unser Weg über die Bergkuppe mit Blick auf den halbmondförmigen Strand. Diesen überquerten wir, um den Rückweg der Runde erneut durch den üppig grünen Regenwald anzutreten. Zu unserem Erstaunen sahen wir nicht ein einziges Tier. Dafür leuchtete die vermutlich Eisenerzhaltige Erde den ganzen Weg über tiefrot, fast wie in Australien! Nach unserer Rückkehr stärkten wir uns mit Tee und einem Stück Kuchen und berieten, wohin es weiter gehen sollte. Wir entschieden uns für einen 15km Umweg auf die Südostseite der Insel in der Hoffnung, dass das Wetter am kommenden Tag noch einmal gnädig sein würde und wir auch hier noch einmal eine schöne kleine Tour unternehmen würden können. Als Schlafplatz für die Nacht fanden wir diesmal ein Stück Wiese direkt in zweiter Reihe zum Ozean und die Nachbarn störten sich glücklicherweise überhaupt nicht an unserer Anwesenheit.


Auch heute war uns der Wettergott wieder gnädig und wir konnten die geplante Wanderung zum einsamen, kleinen Strand „Lagoinha do Leste“ wie geplant starten. Erneut ging es auf schmalen Pfaden durch noch dichteren, üppig grünen Wald und bereits zu Beginn der Strecke konnten wir ein kleines Äffchen auf einem Baum erspähen. 😃 Wir entschieden nicht direkt zum Strand zu laufen, sondern den Umweg über einen Aussichtspunkt zu nehmen. Leider verfehlten wir wohl irgendwann den Trampelpfad und landeten so ganz spontan in unserem eigenen Canyoning Abenteuer entlang eines zum Glück leeren Bachbetts. Schlussendlich, nach dem wir über Stock und Stein den Berg hinuntergekraxelt waren und den Aussichtspunkt zu allem Übel verpassten, kamen wir aber doch noch an dem einsamen kleinen Strand an. 🏝 Von hier aus ging der Rückweg über den sehr gut angelegten Wanderweg in das kleine Fischerdorf „Pântano do Sul“ zurück. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg und fuhren noch ca. 100 km in Richtung Blumenau. Wir sind gespannt, wie Deutsch die von hauptsächlich deutschen Auswanderern geprägte Stadt tatsächlich sein wird! Davon werden wir euch dann im nächsten Blog-Beitrag berichten – nach einer hoffentlich ruhigen Nacht. Diese werden wir am Straßenrand eines kleinen Dorfes, in zweiter Reihe zum Strand, in einer Parkbucht verbringen.



Entdecke mehr von Vanlife & Reisen
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.